Day 16 🇿🇦
July 17 in South Africa ⋅ ☁️ 16 °C
Heute machen wir, was wir eigentlich vor drei Jahren schon hätten tun wollen und wir gehen nach Robben Island.
Diese Sträflingsinsel war seit Anbeginn der Siedlungszeit eine Gefangeneninsel, es bietet sich halt auch perfekt dafür an. Sehr übersichtlich weit genug vom Festland entfernt, damit es kein Fluchtrisiko gibt und nahe genug damit es immer noch praktisch ist für die Betreiber. Die Dutch East India Company also die Holländische Ostindienfahrer nutzten sie um die Khoi und San, die sich gegen die Ausdehnung der Kapniederlassung wehrten als Kriegegefangene und Geiseln zu halten. Kurz darauf wurden erste politische Gefange aus den asiatischen Kolonien hergebracht darunter eine vielzahl an muslimischen Geistlichen aus dem heutigen Indonesien, nicht aber gezwungenermassen aus christlichen Gründen, sondern weil die Sharia den Handel mit Ungläubigen verbietet und die Ostindienfahrer das halt gar nicht abkönnen, also hat man sie zusammen getrieben und auf Robben Island verschifft damit die aus dem Weg sind. Diese geistlichen verbrachten dann ihr gesamtes restliches Leben auf Robben Island. Relativ frei aber halt trotzdem gefangen. Einige dieser geistlichen haben den Koran aus dem Gedächtnis niedergeschrieben auf Robben Island, was zirka 400 Jahre später dazu führte, dass die Apartheidgefangenen wie Mandela, etc. dann dementsprechend auch nicht christliche Ideen wahrnehmen konnten und zu dem Schluss kamen, dass die Menschen Produkte ihres Umfelds sind, was der Grundstein für die Verzeihungspolitik Mandelas war und somit zum Ende der Appartheid wahrscheinlich einen Bürgerkrieg verhinderte. Schon interessant, welchen Einfluss Dinge die man nie hätte voraussehen können schlussendlich haben.
Südafrika ist als Kolonie ja immer schon recht speziell gewesen, da die Buren oder eben die Afrikaaner niemals im Namen der Niederlande agierten auch die Ostindienfahrer nicht sondern es waren Privatpersonen und eben ein Unternehmen, dementsprechend änderte sich einiges als die Briten dann schlussendlich übernahmen, denn durch den Abolition Act wurde beispielsweise der Skalvenhandel über Robben Island sofort aufgelöst, stattdessen wurde eine Leprakolonie aus Robben Island. Die Leprakranken wurden dann hier getrennt nach Rasse und Geschlecht, nach Rasse, da dies der Höhepunkt der Rassenlehre (Forschung der Menschlichenunterschiede) war und nach Geschlecht, weil die Kranken keine Kinder mehr zeugen sollten. (Btw die Ärzte hier spezifisch kamen zu dem Schluss dass es keine Unterschiede gibt) Nach 85 Jahren wurde die Leprakolonie schlussendlich aufgelöst, da das Heilmittel und einfachere Therapien entdeckt wurden.
Wieder etwas zurück in der Geschichte müssen wir darüber sprechen wie die Afrikaaner eigentlich die Macht in Südafrika erlangten.
Weil als die Briten die Kapregion übernahmen waren die ursprünglichen Siedler also eben die Niederländer, eigentlich gar nicht so stark abgetan davon, da dadurch das stärkste Militär der Welt ihre Expansion ins südliche Afrika und vorallem gegen die Khoi deckte und allenfalls sie vor anderen Europäern verteidigen würde sowie vor den Xhosa, die ab Port Elizabeth Richtung Eastern Cape lebten. Diese ursprünglichen Siedler waren absolute Psychopathen, denn sie jagten die Khoi als Sport und machten Vermögen damit sie an die Portugiesen als Sklaven zu verkaufen. Wer sich noch an die Footprints vor von 3 Jahren erinnert, weiss dass die Khoi als Volk ausgestorben sind und die San bis nach Namibia vertrieben wurden wo heute noch ein paar wenige Tausend leben. So schlimm war dieser Genozid...
Die Briten die den Abolition Act bereits ratifiziert hatten, meldeten sich hier aber entgegen den Hoffnungen der ursprünglichen Siedler stark gegen diese Praktiken in dem sie sogar mit dem Militär die Einheimischen beschützten und auch illegal verkaufte Sklaven mit Hilfe der Marine bis nach Brasilien verfolgte und zurückbrachte. Die Buren waren darüber so unglücklich, dass sie sich aus der Reichweite des Empires entziehen wollten und so begann der "Great Trek" und die viele machten sich auf den Weg ins Landesinnere und gründeten die Burenrepubliken Oranje Frejstaat und die Südafrikanische Republik Transvaal (heutiges JB, Pretoria bis zu den Grenzen mit Zimbabwe, Botswana und Mozambique)
Die stärkste Bedrohung für sowohl die Briten in der Kapregion und die Buren in den beiden autonomen Ländern waren die Zulu aus der heutigen Region KwaZulu-Natal, also Durban und Umgebung. Dies lieferte den Briten Grund genug die Republiken zu annektieren und als Landbasis gegen die Zulus zu nutzen während sie mit der Marine sowieso schon Wasserüberlegenheit hatten. Dadurch konnten sie dann 1879 die Region erobern. 1880 erklärte sich die Transvaal Region wieder unabhängig und die Siedler greifen die britischen Garnisionen an. Die Buren waren vorallem Bauern und Grosswildjäger und zu dieser Zeit wurde in professionellen Armeen wie der britischen in Reihen und Feuerformationen auf kurze Distanz gekämpft... Dementsprechend kriegten die Briten ziemlich auf den Deckel in diesem Krieg. Schlussendlich kriegte die Region Transvaal mit der Pretoria Convention das Selbstverwaltungsrecht zu gesprochen in allem ausser der Aussenpolitik. Als man dann aber 1986 die reichsten Goldvorkommen der Erde in Johannesburg entdeckte wollten die Briten dann auch die Innenpolitik zurück und damit ein grösseres Stück des Goldkuchens. Anfangs hatten die Buren wieder grosse Erfolge aber dann entsandte das Empire einen RIESEN Anteil ihrer gesamten militärischen Macht nach Südafrika. Insgesamt 450'000 Soldaten das war die grösste mobilisierte Armee allerzeiten zu diesem Zeitpunkt und machten etwa einen Drittel der gesamten Landkraftstreikräfte des Empires aus.
Damit eroberten die Briten ratzfatz Johannesburg, Bloemfontein und Pretoria und alle dachten der Krieg sei vorbei. Doch nein, die Buren erfanden eine komplett unbekannte Art der Kriegsführung... Der Guerillakrieg... Und die Briten antworteten mit der einzigen Möglichkeit gegen Guerilla tatsächlich vorzugehen. Absolute Brutalität. Sie vergifteten Brunnen, zerstörten Farmen, töteten Vieh und am schlimmsten... Sie sperrten tausende "Risiko" Buren und deren Familien in Konzentrationslager wo dann auch tausende an katastrophalen Gesundheitsbedingungen starben. Schlussendlich sahen sich die Buren gezwungen aufzugeben vor allem, da die Briten den Wiederaufbau sowie Kompensationen zahlen wollten und es auch taten.
Interessant hier im zweiten Burenkrieg war, dass die Zulus die die Buren als langwirige Rivalen sahen und auch immer noch sehen häufig für die Briten gekämpft haben. Meiner Einschätzung nach ein guter Indikator dafür, wieso dann die Bantueducation Act der letzte Strohhalm war für die Massenproteste 1976, wie beschrieben im Soweto Footprint.
Leider, für die Zulu, wurde für eine zukünftige Zusammenarbeit lokal dann aber die Buren, die sich ab jetzt Afrikaaners nennen, von den Briten gewählt, da diese sich als sehr wertvolle Ingenieure im Goldabbau und militärisches Personal auszeichnete, Dafür mussten sie aber im ersten Burenkrieg eroberte Gebiete an die britischen Protektorate Natal und Swazi abgeben, also Swaziland und KwaZulu-Natal.
8 Jahre später also 1910 wurden dann die Protektorate Kaap, Freistaat, Natal, Transvaal und Swazi zur Union Transvaal und daraus dann Union SouthERN Africa und schlussendlich nachdem der König von Swazi aus der Union austritt, die Union South Africa.
Bis 1948 regierten die Afrikaaner nun zusammen mit den Briten die Union South Africa. Die Buren brachten immer wieder Apartheid ähnliche Vorschläge und Legislatur ins Spiel hatten aber nie genügend Macht um diese auch durchzusetzen. Erst als 1948 nach dem zweiten Weltkrieg die britische Südafrikanischebevölkerung massiv gesunken war durch Kriegsopfer und vor allem durch viele britische Südafrikaner die nach Europa remigrierten nach dem Einsatz in Europa. Bekamen die Afrikaaner die Mehrheit im Parlament durch die National Party. Und prompt wurde die Apartheid eingeführt. Das UK protestierte dies zwar, hatte aber nicht genügend Mittel und Willen um wirklich etwas zu bewirken, vor allem da die verbliebenen britischen Südafrikaner der NP sehr kritische gesonnen waren, sah Grossbritannien nicht wirklich die Möglichkeit es zu unterbinden. Erst 1961 hatte Grossbritannien sich genügend erholt um es scharf zu verurteilen und Zwang Südafrika aus dem Commonwealth, was der erste der herben wirtschaftlichen Schläge gegen die Apartheidregierung war.
Jetzt wieder zurück zur Robben Island, denn ab 1948 werden hier die politischen Gegner des Apartheidregimes gefangen gehalten. Natürlich wurden auch die Gefangenen streng von einander getrennt, daher ist Robben Island "nur" das Gefängnis für die Schwarze und Coloured Bevölkerung, man betone das eben auch sehr viele Weiss sich aktiv gegen die Apartheid gewehrt hatten, diese wurden aber in Pretoria gehalten und gehen entsprechend auch häufig vergessen.
Beispielsweise unser Guide... Er wurde 1971 in der Nähe von Bloemfontein festgenommen im Alter von 14... Er wurde angeklagt ein Saboteur zu sein also ein Staatsfeind und Terrorist. Auch wurde ihm vorgeworfen Sprengstoff zu besitzen mit der Intention es zu benutzen. Sein Bruder war bereits auf Robben Island verstorben zu dem Zeitpunkt. Doch seine Mutter konnte Beweise hervorbringen, die ihn von diesen Vorwürfen hätten Freisprechen sollen, das Gericht hat dann einfach den Prozess an ihm unterbrochen und seine Mutter als zwanghafte Lügnerin diagnostizieren lassen damit sie nicht mehr als Zeugin aussagen konnte... So wurde sie in ein Irrenhaus gesperrt und er kam mit nun 15 nach Robben Island, wo er 18 Jahre lang blieb...
Alle Touren hier werden ausschliesslich von ehemaligen Insassen geführt und wir hatten mit mehreren zu tun. Jeder erzählte seine eigene Geschichte der Folter an diesem Ort teilweise gravierenste Psychologische und Körperliche Folter... Jeder von ihnen spricht sich jedoch trotz allem fūr die Versöhnung aus und gegen den Rassismus. Sogar als sich gewisse Amerikaner dafür aussprachen, dass die Wärter zur rechenschaft gezogen werden sollten, bedanken sie sich zwar für das Mitgefühl wollen aber dass man das Kapitel lieber hinter sich lässt und nach vorne sieht.
Btw schon recht ironisch, dass gerade die Amerikaner unbedingt irgendjemand zur Rechenschaft ziehen wollen, gleichzeitig aber ihre eigene Aktionen im Irakkrieg gekonnt ignorieren oder sogar feiern, oder Guatanamo... Während die betroffenen über der Rache stehen.
Die Anführer der Organisationen gegen die Apartheid wurden im Zellenblock B gehalten und mussten Zwangsarbeit in den Lehmminen verrichten, inklusive Mandela. Hier hatten sie eine Höhle, in der sie ihr Geschäft verrichten sollten und ausserhalb der Sonne essen konnten... Man stelle sich also den Gestank darin vor... Die Wärter kamen dementsprechend nie in diese Höhle und Mandela nannte diese Höhle später das erste Parlament der Republik.
Neben Mandela ist der wohl berümteste Insasse hier Professor Sobukwe er ist der Anführer der PNC (Pan Africanist Congress), eine Kommunistische Partei... Er wurde zu Lebenslang verurteilt und wurde als der gefährlichste politische Gegner Südafrikas gehandhabt. Er lebte in absoluter Isolation in der Gefangenschaft und durfte nicht mal mit den anderen Gefangenen sprechen... Als er festgenommen wurde hinterliess er 3 Söhne und eine Tochter. Alle wurden vom amerikanischen Botschafter adoptiert. Ich frage mich ob das wirklich ein Zufall oder eine nette Geste war... Da das zur Hoch-Zeit des Kalten Krieges geschah... Gegen den Einflussreichsten Kommunisten Afrikas... Ein Amerikanischer Botschafter....
Wieder zurück besuchen wir noch das Bookap, eine Nachbarschaft, die vor der Apartheid hauptsächlich von den Briten bewohnt wurde. Während der Apartheid wurde es Pflicht, dass auch die Häuser eine Art de Uniformität zeigten. Die ansässigen Briten zeigten ihre Zufriedenheit mit dem Apartheidregime in dem sie das genaue Gegenteil taten und jedes Haus anders bemalten. Eine politische Tradition wurde geboren, denn bis heute ist es normal, dass die Häuser eine politische Message möglichst Kreativ zeigen. Heute sind beinahe alle "Free Palestine".
Zum Abend bestellen wir essen ins Apartment und essen mal wieder ganz einfach.Read more





















TravelerDanke für dä gschichtlich Überblick und die riise Arbeit.....
TravelerJa emmer wieder gern, grad för themene wo mer bi eus nur oberflächlech kennet
TravelerJa, isch würklich sehr interessant!
TravelerDas ganze land esch so. Do getts so vell glebti gschicht z gseh und zerlebe.