• Day 4 🇹🇳

    10. august, Tunesien ⋅ ☀️ 39 °C

    Was für ein Tag.

    Morgens früh raus, auf den Bus und ab nach El Jem.

    In El Jem liegt das weltweit Drittgrösste Amphitheater der römischen Zeit. Direkt nach Capua (65'000) auf der 2 und Rom mit dem Kolosseum (80'000 Plätze) auf der 1. El Jem (33'000) liegt mehr oder weniger mitten im nirgendwo, was das ganze etwas komisch erscheinen lässt, bis man realisiert, auf welcher Strasse El Jem sich befindet. Nämlich wo sich die römische Hauptstasse von Karthago nach Alexandria (Ägypten) und die Handelstasse der Berber aus der Sahara nach Sfax (grösster antiker Handelshafen Tunesiens) treffen.
    Wieso aber würden jetzt Händler und Reisende ein so grosses Spektakel brauchen?
    Gute Frage, danke das ihr sie mir stellt.

    Die Antwort ist sowohl einfach als auch kompliziert, denn es sind nicht die Reisenden die das Amphitheater brauchen, sondern die Händler. Sie kaufen sich hier nämlich die vielversprechendsten Gladiatoren um sie nach Italien zu bringen. Nicht bloss weil viele Gladiatoren über die Sahara aus den Subsaharan Königreichen wie dem Mali stammen, sondern auch weil ALLE Gladiatoren, auch die aus beispielsweise Germanien einmal hier sein werden um gegen Wildetiere zu kämpfen, denn wo kommen diese Tiere denn wohl her?

    So ist hier eigentlich weniger ein Wettkampf für die Ehre oder das Entertainment der Masse, sondern eigentlich ein antikes Sponsorenanwerben der Athlethen, denn man muss es hier schaffen um auf die grossen Bühnen Italiens zu kommen.

    Wirklich sehr beeindruckend und bei weitem nicht so überfüllt wie das Kolosseum.

    Danach weiter nach Süden. In die karge Landschaft vor der Sahara, Hier besuchen wir ein Berberhaus und eine Berbersiedlung. Die Amazigh (Berber) sind ein indigenes Volk Nordafrikas, anders als die Araber und sie leben bis heute teilweise noch in ihren ursprünglichen Häusern. Echt beeindruckend daran ist vor allem dass es draussen inzwischen 38 Grad ist und im Haus angenehme vielleicht 25 und das ohne Klimaanlage nur durch cleveres Design...

    Ein Berber Mittagessen gibt es auch noch aber dann wieder weiter Richtung Douz, dem Tor zur Sahara.

    Der Süden Tunesiens insbesondere Douz, tatsächlich aber eine Kleinstadt in der Nähe davon war Hauptrekrutrierungszentrum für den IS in Tunesien von 2011 bis 2016 bis dann die Tunesische Regierung genug davon hatte und durchgeiff spezifisch nach den Top 5 Terroranschlägen im Land 2015 wobei 2 davon in Port El Kantanoui am Hafen waren, da wo wir jetzt die ganze Zeit essen...

    Heute wird die Sahara und der Süden Tunesiens von der Al-Qaida für Waffenschmuggel aus Lybien nach Tunesien sowie als Ausbildungsstätte der Boko Haram aus Nigeria genutzt. Deshalb werden hier Touristen mit Drohnen der Polizei und des Militärs bewacht. Man bekommt das zwar nicht mit aber sie sind da. Jeder einzelne Bus, Auto oder auch Fahrradfahrer kriegt so eine zugewiesen...

    Optional hätten wir noch eine Kamelreittour in Douz dazu buchen können, wir wollten uns aber noch nicht festlegen ohne zu sehen, ob die Kamele gut behandelt werden. Daher lehnen wir die Buchung ab. Angekommen gehen wir direkt in die Sahara selbst und schauen uns die Gegebenheiten an. Wir finden einen Anbieter der seine Tiere offensichtlich sehr lieb hat und wir buchen bei ihm und reiten doch noch auf den Kamelen Abdul und Sultan (ja, genau). Er hat sogar verschiedene Anbieter von anderen Dingen zusammengestaucht, was wir sehr positiv fanden, da es sich um Tierquäler handelte, die beispielsweise Wüstenfüchse an Leinen halten oder Reiter, die ihre Pferde bei den nun 45 Grad durch die Sonne galoppieren lassen.

    Danach machen wir noch eine kurze Wanderung durch die Oase von Douz von knapp 12km...

    Ich mit meiner Sonnenallergie habe stark zu kämpfen in der Wüste, halte aber dank meinem Pulli gut durch. Muss aber auch sagen jetzt wenn ich das ganze Schreibe merke ich es extrem.
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