Massa
May 26, 2025 in Italy ⋅ ☁️ 21 °C
Heute wird es wieder ein langer Weg mit 28 km nach Massa. Kaum aus der Stadt Sarzana geht der Weg hoch zum Castello und wieder runter in die Vororte von Sarzana. Bis über Avenza hinaus, etwa dreiviertel der heutigen Strecke gehen wir alles auf stark befahrenen Nebenstrassen, praktisch immer ohne Trottoir. Am frühen Morgen fahren die Italiener auf Schleichwegen gestresst zur Arbeit und nehmen kaum Rücksicht auf den schmalen Nebenstrassen. Es gibt gefährliche Situationen, vor allem wenn Gegenverkehr vorhanden ist, auch bei den vielen unübersichtlichen Kurven. Wir laufen nahezu immer im Gänsemarsch hintereinander. Wir freuen uns auf die Besichtigung des Amphitheaters bei Luni. Nada, alles geschlossen und verriegelt. Fotos machen können wir nur durch den Zaun. Sonst gibt es bis dahin nichts zu sehen, eher zu hören.
Es kläffen die Hunde aus vielen umzäunten Häusern, teilweise völlig unvorbereitet, so dass man einen Satz zur Strasse hin macht. Das Erschreckpotential ist gross, denn die Hunde lauern wohl den wenigen Pilgern die da täglich vorbeikommen auf.
In Avenza holen wir im Ostello den Pilgerstempel und reden mit einem Mann. Er spricht etwas Deutsch, da er vor 40 Jahren kurz in Deutschland gearbeitet hat. Er erzählt uns, dass er aus dieser Tätigkeit pro Tag noch eine Rente von 1 Euro bekommt.
Nach Avenza geht es endlich hoch zum Hügel und zur höher gelegenen Erschliessungsstrasse der weit verstreuten Häuser. Man sieht von unten die grossen Wunden in den Bergen vom Granitabbau (Carrara). In der durchlaufenen Industriezone Ausgangs Avenza wird überall Granit verarbeitet.
Auf der hochgelegenen Strasse sehen wir viele Wuhrabgänge, die ganze Teilabschnitte der Strassen mitgerissen haben. Eine Stelle war gesperrt, aber ohne Umleitungssignalisation resp. Ausweichmöglichkeit im Nahbereich. Also laufen wir trotzdem durch. Auf einem Strassenreststück von etwa 30 cm zwischen einer Rebmauer und dem Strassenabbruch balancieren wir durch die etwas gefährliche, etwa sieben Meter lange Stelle.
Die Strasse windet sich entlang der Hügelflanken und im Auf und Ab der Bächläufe. Kurz vor Massa geht es runter in die Stadt. Sie macht auf den ersten Blick nicht viel her. Das werden wir morgen an unserem Ruhetag prüfen.
Milosch, der Tscheche, den wir seit Fidenza jeden Tag gesehen und mit ihm kurze Gespräche geführt haben, wird morgen weiterziehen, da er am 15. Juni in Rom sein will. Das heisst, wir werden ihn nicht mehr sehen. Schade, wir haben ihn geschätzt. Also verabschieden wir uns bei einem Apéro von ihm.
Nach Bezug unseres 100 m² Appartements suchen wir einen Schuhmacher, der die abgelaufenen Sohlen von meinen Schuhen bis morgen Abend neu aufsetzen kann. Wir haben ihn glücklicherweise gefunden. Dann geht es noch zum Barbier, wo ich die Haare wieder auf eine Länge von 3 mm stutzen lasse. Anschliessend noch ein Einkauf für das Frühstück unseres Ruhetages.
Jetzt können wir die Füsse hochlegen und uns auf das Nachtessen freuen.Read more



