Radicofani
June 8, 2025 in Italy ⋅ ☀️ 27 °C
Wie üblich in den letzten Tagen stehen wir um 5.00 Uhr auf. Bereits dreiviertel Stunden später sind wir auf dem Weg, ausgerüstet mit einem Lunchpaket vom Hotel. Heute gibt es weder Dunst noch Wolken am Himmel, und bereits früh taucht die Sonne auf und gibt uns die Wärme zu spüren. Wir wissen, dass es hart wird, denn am Schluss kämpfen wir mit den Steigungen und der Hitze in der prallen Sonne. Ein Dorf auf der Etappe gibt es auch nicht.
Schattige Abschnitte sind praktisch inexistent. Die Wanderung beginnt mit einer nicht angekündigten Brückensperrung (passiert auf der via Francigena immer mal wieder, die Italiener wandern wohl nicht). Also kehren wir um und suchen den Weg über die Hauptstrasse. Dann laufen wir auf Feldwegen und Kiesstrassen hoch über die Hügel. Bis zur Hälfte der Strecke geht es noch recht gut. Aber dann wird es so richtig heiss. Bei den Kiesstrassen brennt es auch noch von unten wegen der Abstrahlung. Auf den Trampelpfaden wird man durch das brusthohe Gras extrem gebremst, da es sich in den Schuhen verfängt. Zudem muss man die Gräser immer wieder wegschieben, damit man nicht zum Käferfänger wird.
Eine Zeitlang geht es entlang des Torrente Formone, was uns etwas schattige Abschnitte durch den Buschbewuchs beschert. In einem sandigen Wasserbecken machen wir Halt und kühlen unsere heissen Füsse. Wir wissen, dass wir den 500 m Anstieg noch vor uns haben. Endlose Wege im offenen Gelände, auf bewachsenen Kiesstrassen, auf Trampelpfaden entlang der Passstrasse oder auf der Strasse selbst führen hoch Richtung Radicofani.
Unser schales Wasser aus den Trinkflaschen geht langsam zu Ende. Nach 500 m Wegstrecke hat man wieder einen trockenen Mund. Man sieht von Weitem immer Hecken, Baumgruppen oder waldartigen Bewuchs und freut sich auf den kommenden Schatten. Weit gefehlt – der Weg führt immer daran vorbei.
Endlich, oben in Radicofani angekommen, holen wir den Pilgerstempel im „Rathaus“ (zwei Personen arbeiteten am Sonntag!) und steuern dann das erste Restaurant an, stürzen eine kühle Cola herunter und sind glücklich, angekommen zu sein. Bereits um 13.30 Uhr beziehen wir das Appartement. Die Waschmaschine wird gefüllt, danach duschen wir, werfen die Kaffeemaschine an und die Welt ist wieder in Ordnung.
Wir haben Glück bezüglich Einkaufsmöglichkeiten für Frühstück und Wanderverpflegung – ein Laden hat offen. Anschliessend gönnen wir uns auf dem Dorfplatz unter den Bäumen vor der Kirche einen Apéro und schauen dem Treiben der Anwohner zu, die sich hier zum Schwatz treffen.
Das kleine mittelalterliche Dorf Radicofani ist sehr gepflegt und verfügt über eine Hauptgasse, verwinkelte Nebengassen und kleine Plätze.
Die heutige Landschaft haben wir als sehr trocken empfunden. Es gibt viele brachliegende Felder, die Hügel erscheinen kahl und teilweise ungenutzt. Auf dem Weg sahen wir auch einige verlassene Höfe. Auch im Dorf steht an einigen Türen „vendesi“. Landflucht oder Nachwuchsmangel?Read more



