• Guido Luterbach
  • Guido Luterbach

Luzern Rom auf dem Pilgerweg

Via Francigena Read more
  • Fondation Pierre Gianadda

    April 29, 2025 in Switzerland ⋅ ☁️ 20 °C

    Bereits um 06:30 Uhr sitzen wir in der Messe in der Abbaye. Die Situation ist etwas eigenartig: Im Chorgestühl sitzen nur fünf Mönche. Wir – und eine Frau, die ständig mit ihrem Handy beschäftigt ist – verfolgen das stille Morgengebet in der riesigen Abteikirche. Manchmal herrscht einfach minutenlang völlige Ruhe. Nach drei Viertelstunden ist alles vorbei, und ein Mönch erwartet uns zum Morgenessen. Er erzählt uns von seinem Weg ins Kloster.
    Nach dem Packen verlassen wir Saint-Maurice über einen leichten Anstieg, durchqueren Felder, Panzersperren und sehen zahlreiche getarnte Geschützstellungen in den umliegenden Bergen. Dieser enge Durchgang ist wohl durchzogen von Stollen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg.
    In La Balmaz legen wir einen Kaffeehalt ein. Danach passieren wir den Wasserfall „Pissevache“, sehen den Mont-Blanc-Express und die gewaltige Schlucht „Gorges du Trient“.
    Durch lichtdurchflutete Waldwege, teils gesäumt von grossen, abgestürzten Felsbrocken, erreichen wir früh Martigny. Nach dem Zimmerbezug im Sport-Motel zieht es uns rasch wieder ins Städtchen – ins Café und auf die Suche nach dem Pilgerstempel. Am Ende haben wir sogar zwei davon.
    Der Besuch in der Fondation Pierre Gianadda beeindruckt uns: Neben der permanenten Automobilausstellung sehen wir Zeichnungen von Gianadda und Sam Szafran sowie Werke weiterer namhafter Künstler. Francis Bacon ist aktuell mit einer Sonderausstellung vertreten. In der weitläufigen Gartenanlage bewundern wir Plastiken international bekannter Künstler.
    Read more

  • Orsières

    April 30, 2025 in Switzerland ⋅ ☀️ 19 °C

    Heute steht eine fordernde Etappe an: 20 Kilometer, 900 Höhenmeter im Aufstieg und 500 im Abstieg. Unser Ziel ist Orsières.
    Sobald wir Martigny hinter uns gelassen haben, tauchen wir in den Wald ein. Ein schmaler Pfad schlängelt sich im steten, teils steilen Auf und Ab dem Fluss La Drance entlang. Bald erreichen wir eine Hängebrücke, die beim Überqueren leicht schwankt – ein kurzer Nervenkitzel.
    Auf der anderen Seite steigt der Weg an nach Bonvenier, wo wir unseren ersten Kaffeehalt einlegen. Danach folgt eine gerade Passage, bevor wir erneut in den Wald eintauchen – diesmal begleitet von einer Steinschlagwarnung. Der Pfad führt über bemooste Felsbrocken und von Wurzeln durchzogene Abschnitte – abwechslungsreich und wunderschön.
    In Sembrancher machen wir auf dem Dorfplatz ein kleines Picknick, hören dem ausgedehnten Mittagsläuten zu und gönnen uns danach in der Dorfbeiz einen zweiten Kaffee.
    Der folgende Anstieg nach Orsières beginnt steil und verläuft teilweise über Schotterstrassen. Die Sonne steht inzwischen hoch und brennt auf uns nieder – schattige Abschnitte sind nun selten. Doch auch hier gibt es viel zu entdecken: ein Gletscherbach, steile Gerinne voller Geschiebe – und sogar eine Schildkröte auf dem Weg. Wir fragen uns, wie sie hierher geraten ist.
    Das Rauschen der Bäche begleitet uns fast durchgehend – gelegentlich überlagert vom Echo des Verkehrs, das von den steilen Hängen zurückgeworfen wird.
    In Orsières gehen wir direkt zum Hotel und klingeln den Wirt heraus. Freundlich werden wir empfangen – und kurz darauf überrascht er uns mit vier belegten Fleischbrötchen und einem Glas Rot- und Weisswein aufs Zimmer. Ein Willkommensgruss, der uns sehr freut.
    Wir sind erschöpft, fühlen uns aber zufrieden und angekommen. Der abendliche Dorfspaziergang führt uns zum Bahnhof und in die gut besuchte Dorfbeiz – hier trifft sich das halbe Dorf. Nach zwei Gläsern Fendant zu je 3.50 CHF ziehen wir weiter zum Nachtessen in die zweite offene Gaststätte.
    Read more

  • Bourg-Saint-Pierre

    May 1, 2025 in Switzerland ⋅ ☀️ 11 °C

    Unser Gastwirt im Hotel L'Union in Orsières serviert uns am Morgen ein reichhaltiges Frühstück – mit Ananas, Melone und Beeren. Als wir mit ihm über die bevorstehende Überquerung des Grossen Sankt Bernhard sprechen, wird rasch klar: Ohne Schneeschuhe ist der Pass zurzeit kaum machbar – es liegt noch zu viel Schnee.
    Kurzerhand verschwindet der Wirt in den Keller – und, oh staune: Er kommt mit zwei Paar Schneeschuhen zurück. Das nennen wir echte Gastfreundschaft und Vertrauen. Auch die Rückgabe „ennet“ dem Pass ist bereits organisiert.
    Also schnallen wir zusätzlich zwei Kilogramm an Gewicht auf den Rucksack. Kein Problem – wir wollen über den Pass, und das Wetter passt sowohl für Freitag als auch für Samstag.
    Zum Abschied überreicht er uns noch zwei Stücke frisch gebackenen Gugelhopf für unterwegs.
    Den Aufstieg nach Bourg-Saint-Pierre meistern wir gut. Auch heute führt uns der Weg mehrmals zum Gebirgsbach hinunter, zur Querung desselben – und gleich wieder hinauf.
    In Bourg-Saint-Pierre beziehen wir unser Motelzimmer im Hotel Napoleon – in einem barackenähnlichen Nebengebäude. Nach kurzer Reparatur des Türschloss lässt sich auch die Türe noch schliessen.
    Auspacken, duschen – und dann ab ins Dorf. Es ist sehr ruhig, kein Geschäft hat offen. Man fragt sich, wie sich die Leute hier oben eigentlich verpflegen.
    Also bleibt noch die Kirche. Wir holen uns den Pilgerstempel – und machen uns dann auf den Rückweg ins Hotel.
    Read more

  • Grossen Sankt Bernhard

    May 2, 2025 in Switzerland ⋅ ☀️ 9 °C

    06:15 Uhr raus aus dem Bett, ein kurzes Frühstück – es steht eine herausfordernde Etappe bevor. Bis auf rund 1900 m ist es noch schneefrei.
    Zuerst wie gewohnt: runter zum Bach, dann wieder aufwärts. Viele geknickte Bäume liegen quer – wohl das Resultat des späten Wintereinbruchs vor zwei Wochen.
    Wir passieren die Staumauer Barrages du Toules und folgen dem Lac des Toules auf einem schmalen Pfad, teils noch mit Schneeresten. Am Portal des San-Bernardino-Tunnels vorbei – nun geht’s stetig hoch.
    Eine starke, kalte Bise bläst uns frontal entgegen. Schneewasser rauscht überall talwärts – teilweise direkt über unseren Weg. Wir waten durch.
    Bald erreichen wir geschlossene Schneefelder. Wir sinken knöcheltief ein – also Schneeschuhe montieren. Rund 600 Höhenmeter sind noch zu bewältigen.
    Die Landschaft ist eindrücklich, aber es fordert. Der Schnee ist weich, der Weg zieht sich. Bei jeder Richtungsänderung hoffen wir, das Hospiz zu sehen.
    Dann endlich – hoch oben erscheint es. Wir mobilisieren die letzten Reserven.
    Oben angekommen sind wir erleichtert und stolz: Das Hospice du Grand Saint-Bernard ist erreicht – mit 2473 m der höchste Punkt unserer Pilgerreise und der Via Francigena. Und: Wir stehen nun auf der Grenze Schweiz–Italien.
    Read more