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Kolumbien 2026 Es geht weiter...

Es ist Halbzeit. Wir starten heute von Medellin per Bus nach Süden. Zuerst in die Kaffeeregion, dann an den Amazonas. Die Reise endet in Bogota - Rückflug nach Hause am 17.9. Read more
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    17.9. Heimflug über Nacht

    September 17 in Colombia ⋅ ☁️ 19 °C

    Ein unspektakulärer letzter Morgen im Hostel (Duschen, Packen, Frühstücken), eine bequeme Taxifahrt (ein letztes Mal mit der wunderbaren Indrive-App bestellt) und auch die Gepäckaufgabe (beide Stücke genau 13 kg) klappte schneller als je zuvor. Wir waren dem Priority-Schalter zugeordnet worden (?). Nun hieß es unsere letzten Pesos sinnvoll zu verwenden: während ich - mit netter Beratung der Verkäuferin - ein Dschungel-Kuscheltier und ein paar Ohrringe erstand, tauschte Raphaela ganz vernünftig 60.000 Pesos in 15 € zurück - ein guter Kurs! Und den Rest investierten wir in einen großen Cappucchino. Puh: 13 Stunden im Flieger liegen vor uns, weil wir zum einen 30 min später gestartet sind und zum andern in Cartagena ein sehr ausgedehnter Zwischenstopp war. Von dort aus sind es "nur" noch 9,5 Stunden Flug bis Amsterdam, meinte die Flugbegleiterin vorhin. Dort steigen wir um - weiter mit KLM nach Stuttgart. Gestern erhielt ich den großartigen Vorschlag meiner Schwester Dorkas, dass sie mir mein Auto an den Flughafen bringt und selbst mit meinem Schwager wieder nach Tübingen zurück fährt. So kann ich auch Raphaela noch nach Botnang bringen - perfekt! Wenn alles weiterhin wie geplant klappt, sind wir morgen Nachmittag daheim.Read more

  • 16.9. Foodtour, Goldmuseum und Montserrate

    September 16 in Colombia ⋅ ☁️ 17 °C

    Frühstück fiel aus, weil wir ab 9 Uhr zur Food-Tour am Großmarkt Paloquemao angemeldet waren. Das war Raphaelas großer Wunsch, den sie sich gerne auch in Medellin erfüllt hätte. Dort hatten wir uns aber nicht rechtzeitig darum gekümmert. Umso toller war es hier: Heute waren wir nur zu zweit mit dem jungen Guide Victor. Dieser war nicht nur inhaltlich sehr kompetent, sondern auch organisatorisch gut vorbereitet: Aus seinen beiden Mochilas, den traditionellen Umhängebeuteln, zauberte er Desinfektionsspray, Plastiklöffel, Feuchttücher, Salz, Gewürze und sogar Kondensmilch hervor. Wir probierten über 20 verschiedene Früchte, bekamen Kokosmilch, Kakao und Kaffee zu trinken und zum Essen panbolitos (süße oder neutrale runde Brötchen mit Käse im Teig) und Empanadas mit 5 Saucen und am Ende noch einen kleinen süßen Smoothie. Wir gingen über den Blumen-, Fisch- und Fleischmarkt und bekamen alles ausführlich erklärt. Nach diesem Überangebot an Früchten war ich kurz vor einem Vitaminschock. Víctor hatte uns aus Sicherheitsgründen empfohlen, besser per Taxi zum Goldmuseum zu fahren. Dort mussten wir als ancionas (über 62 J.) keinen Eintritt zahlen und blieben über 2 Stunden. Danach waren wir zwar beide etwas erschöpft, aber es war unser letzter Tag und wir waren immer noch nicht auf dem nahen Hausberg Montserrate gewesen! Der ist 3150 m hoch und es gibt zwei Seilbahnen hinauf. Da die Basisstation nur knapp 2,5 km vom Goldmuseum entfernt ist, beschlossen wir hin zu laufen. Das letzte Stück ging an einer Autostraße entlang ziemlich steil bergauf. Wir also eine Bushaltestelle gesucht, gewartet, uns reingequetscht und an der Talstation wieder raus gestolpert. Dann PER Gondel atemberaubend steil (45 - 60 grad?) hochgeschwebt. Dort die Aussicht und die schwarze Madonna in der Wallfahrtskirche bewundert. Grade noch vor Einbruch der Dunkelheit wieder abwärts gegondelt und bis in unser Viertel Candelaria gelaufen. Wie gestern entschieden eir uns fürs Abendessen in der kolumbianischen Kette "Crepes and Waffels". Stolz auf unser heutiges Durchhaltevermögen brachten wir auch noch den Punkt "online einchecken" hinter uns: Raphaela problemlos via KLMApp. Bei mir dauerte es geschlagene 100 Minuten bis ich ENDLICH auch meine briden Bordkarten erhalten und abgespeichert hatte...Read more

  • 15.9. Salzkathedrale in Zipaquira

    September 15 in Colombia ⋅ ☁️ 19 °C

    Gestern abend waren wir noch gar nicht sicher, ob wir den Tagesausflug überhaupt und wenn ja, wie und wohin machen: ob teurer und "rundumbetreut" über eine Agentur wie Get your Guide oder anstrengender, aber m.E. auch spannender - mit individueller Anfahrt. Wohin? Nach Zipaquira oder nach Nemocon, einer kleineren Salzkirche mit Salzmine, weil die weniger touristisch sein soll... Die Salzkathedrale von Zipaquira wid in jedem Führer als Highlight erwähnt: das erste der menschengemachten "sieben Wunder" Kolumbiens - siehe Titelbild. Schließlich entschieden wir morgens spontan, den Transport selber zu organisieren zur großen Kathedrale. Obwohl die nur knappe 56 km von unserem Hostel entfernt liegt, brauchten wir für jeden Weg mit Taxi, Bussen und zu Fuß 3 Stunden - also hin und zurück 6 Stunden Wegezeit inklusive 10 km Fußwege. Dort angekommen waren wir angenehm überrascht wie leer es hier war: kein Anstehen am Ticketschalter und gar nicht so viele Besucher. Zuerst wurde uns eine 4D Show geboten - ein Infofilm im Stil eines Science Fiction, wo man durch die Zeiten und Räume flog. Thema waren die Entstehung von Salz in der Erde, die frühe Salzgewinnung durch Menschen mittels Erhitzen und der spätere Abbau in den unterirdischen Minen. Wir saßen in Sesseln, die auf einmal anfingen zu schaukeln und zu rütteln, uns wurde Wasser und Wind ins Gesicht geblasen und es roch nach Rauch, Salz und Blumen. Wow! Mit einem Audioguide (juhu auf deutsch!) ging es zu Fuß durch breite Stollen 180 m tief unter die Erde. Raphaela hatte befürchtet, dass in jeder Ecke kitschige Heiligenstatuen zu sehen wären. Wir waren deshalb sehr erfreut, dass die 14 Kreuzwegstationen sehr schlicht gestaltet waren: jedes Mal nur ein großes Steinkreuz in 14 Variationen: mal frei stehend, als Halbrelief, halb versenkt, in den Fels eingeritzt, negativ als Hohlraum - je nach spiritueller Bedeutung. Überwältigend - fast magisch - war die Wirkung der drei riesigen Kirchenschiffe. Es waren rohe und sehr hohe Höhlen aus Salzgestein, die in stets wechselnden Farben ausgeleuchtet wurden. Insgesamt waren wir fast 3 Stunden unter der Erde und atmeten gesunde salzhaltige Luft. Auf dem Rückweg zum Bus schauten wir uns die hübsche Altstadt an. Dank der persönlichen Führung durch eine junge Einheimische erreichten wir direkt den Bus nach Bogota, den sie durch Handzeichen an der Straße zum Anhalten gebracht hatte. (SO geht das hier bei Überlandbussen!) Im Rückblick: ein anstrengender, aber lohnender Ausflug!Read more

  • 14.9. Botero-Museum und Graffiti-Tour

    September 14 in Colombia ⋅ ☁️ 17 °C

    Vormittags ins Botero- Museum in Candelaria - keine 10 min zu Fuß vom Hostel entfernt. Botero war so reich, dass er auch eine eigene illustre Kunstsammlung hatte mit großartigen Bildern und Skulpturen von Impressionisten über Modigliani, Picasso, MaxErnst bis hin zu Alex Katz. Großzügig spendete er die gesamte Sammlung plus das zugehörige sehr schöne Museum der Stadt Bogota bzw. seinen Landsleuten. Der Eintritt ist frei. Nachmittags ab 14.15 uhr gings weiter mit Streetart. Wir nahmen teil an einer GRAFFITI-Tour auf Spendenbasis zusammen mit 8 anderen bis zum Viertel Macarena. Unser Führer ist selbst aktiv in der Streetart- und Hiphop- Szene und konnte uns sehr detailliert sowohl die Umstände zur Produktionsweise als auch die politischen Inhalte und den gesellschaftlichen Hintergrund erklären.
    Z.B. 2013 wurde der junge Diego von der Polizei beim Sprayen erschossen - 3 Tage vor seinem 17. Geburtstag. Sein Markenzeichen (Tag) war Felix, the cat. Seither werden überall in der Stadt Katzen gesprüht plus gerne ACAB - offiziell: "AllCatsAre Beautiful", inoffiziell: "AllCopsAreBastards" . Es gab damals große Proteste und Diegos Eltern setzten sich sehr für die Entkriminalisierung von Graffitis ein. Das gelang 2015: Kolumbien war das erste Land, in dem Sprayen an öffentliche Wände - mit vorheriger Genehmigung der Gemeinde - straffrei ist. Die schönen großen Wandbilder haben meistens eine sozialpolitische Botschaft und stecken voller Symbole.
    Das Titelbild mit den 4 Mädchenköpfen ist das längste Graffito Lateinamerikas in der Höhe. Die Mädchen stammen jede aus einem anderen Teil Kolumbiens und wurden nach ihren Traumberufen befragt. Fotografiert bzw. gemalt in dem Moment, als sie die Idee dafür hatten. Noch eine Anmerkung: Banksi gratulierte der 23jährigen Sprayerin der "SOUL"- Schrift am höchsten und einsturzgefährdeten (!) Gebäude Kolumbiens mit einem Brief: mit ihrem waghalsigen Graffito ( 230m überm Boden) sei sie "in den Graffiti- Himmel aufgestiegen." Heute sind wir insgesamt 10 km gelaufen. Abends im Hostel nach dem Abendessen haben wir noch mit 3 jungen Leuten (23 - 27 Jahre) Salsa getanzt, dreisprachig gequatscht und Bier getrunken - das war sehr nett, obwohl wir EIGENTLICH todmüde waren...
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  • 13.9. Flug nach Bogota, Öffi- Odyssee zum Hostel

    September 13 in Colombia ⋅ ⛅ 18 °C

    Unser erster netter Taxifahrer war überpünktlich am Hostel, so dass wir bereits 2 Stunden vor Abflug am Flughafen waren. Das war diesmal auch nötig: es war schon eine lange Schlange vor dem Gepäckschalter. Und wir noch nicht online eingecheckt! Ein Angestellter unterstützte uns geduldig dabei. Der Flug selbst lief ebenso glatt wie der Hinflug. Aber nun fing die Odyssee mit den Öffis an: da wir dieses Mal weniger Gepäck und auch keinen Zeitdruck hatten, wollten wir die 16 km bis zum Hostel mit öffentlichen Verkehrsmitteln probieren. In Bogota gibt es ein Schnellbussystem namens "Transmillenio" , dem Pendant zur Metro in Medellin. Auch hierfür braucht man zuerst eine aufladbare Karte. Der Anfang war schwierig, da die Antwort auf meine Frage, wo am Flughafen der Transmillenio ins Zentrum abfährt von allen Befragten für mich völlig unverständlich beantwortet wurde. Es stellte sich heraus, dass man erst einen kostenlosen Shuttlebus zum Portal A. nehmen muss - einige Kilometer entfernt. Dort _ mit Karte! - in den richtigen Transmillenio bis Station B umsteigen. Gottlob hatten wir eine nette junge Studentin gefragt, wie es weiter geht. Sie half uns durch die Schranken und beim Umstieg in den dritten Bus. Nach längerem Gespräch hatte sie uns "adoptiert" und stieg mit uns irgendwo im Zentrum aus. Dort lotste sie uns bergauf durch einen ganz dicht bevölkerten Straßenmarkt, der gefühlt kein Ende nahm. Als der weitere Weg für uns klar war, verabschiedeten wir uns. Raphaela und ich brauchten jetzt ein Klo und ein Restaurant. Zufällig fanden wir in einer Passage im ersten Stock ein ziemlich cooles, das "Testero" im Shebbie- Style (Siehe Bilder). Erleichtert und gestärkt gelangten wir über den von Straßenkünstlern belebten Plaza Bolivar am Nachmittag in unser Botanico Hostel und ruhten uns dort eine Weile aus. Wir verließen das Hostel an diesem Abend nicht mehr. Alle, denen wir hinterher erzählten, dass wir mit Gepäck vía Öffis und zu Fuß vom Flughafen hergekommen waren, staunten und beglückwünschten uns zu unserer Courage. Abends beim Bier an der Bar zeigte uns die Barkeeperin Maca noch ihre selbstgemachte "Strickmaschine".Read more

  • 12.9. Rückkehr nach Leticia

    September 12 in Colombia ⋅ ⛅ 31 °C

    Ein ziemlich langweiliger Vormittag im Maloka- Haus, weil heute gar keine Aktivität mehr stattfand. Bis auf eines: Schon bald, nachdem er unser Schamane Luis uns wieder Maniokfladen, Kakao und löslichen Kaffee mit Zitronengras- EInlage / Infusion als Frühstück bereiet hatte, brach er auf, um irgendwo anders ine andere Gruppe zu begleiten. Und verabschiedete sich von uns mit einer Rauchzeremonie, mit Blütenwasser und Wedeln mit grünen Blätterbüscheln. Er "segnete" erst uns beide zusammen, indem er Rauch um unsere Füße und Nacken blies und dann jede einzeln. Von oben nach unten und von vorne nach hinten. Dann waren wir allein mit unserem Übersetzer Andres, der nun auch unverhofft unser Koch und Guide wurde. Beim Schnippeln von Karotten, Zwiebeln etc. unterstützte Raphaela ihn. Er hatte deutlich mehr Mühe als die Einheimischen das 🔥 zum Kochen anzufachen. Ich kümmerte mich ums Losbinden unserer Hängematten und Moskitonetze., die Raphaela und ich dann ordentlich zusammenfalteten. Wir kamen erst spät los zu unserem Rückweg durch den Dschungel - wieder über viele hohe und teilweise wackelige, marode Bretterstege und sumpfige Stellen. Die Geräuschkulisse hier bestand heute ausschließlich aus dem Zirpen von Zikaden - genau wie in Südeuropa. Wir schafften es pünktlich bis zur großen Straße, wo uns ein dicker, dunkeläutiger Fahrer (Raphaela: "Ich habe noch nie SOOO einen dicken Mann gesehen!") in einem sehr klapprigen alten Taxi einsammelte. Zurück im GAMBOA-Büro raus aus den Gummistiefeln und den Koffer geschnappt, und schon gings ins einem Tuktuk in unser Hostel " Casa de las Palmas". Hier hatte jede wieder ein Zimmer für sich - ich sogar mit Bad. Ich schwamm rasch 3,4 Bahnen im Pool und sprang dann unter die Dusche. Welch ein Luxus!!! Wir mussten ums beeilen, um rechtzeitig am zentralen "Parque des los lorros" (umgangssprachlich "Papageienplatz") anzukommen. Denn hier findet täglich kurz nach 17 Uhr dasselbe faszinierende Naturschauspiel statt. Erklärung zum schlechten Video: Jeden Abend kurz vor Sonnenuntergang fliegen Hunderte, eher Tausende von Weißflügelsittichen laut kreischend über den baumbestandenen Hauptplatz. Immer rund um den Kirchturm - etwa 30 Minuten lang. Danach setzen sie sich die Vögel in die Bäume des Parks und verbringen die Nacht dort in Sicherheit. Wir haben das Spektakel vom Kirchturm aus beobachtet. Es dürfen nicht mehr als 10 Personen auf die kleine Plattform, die nur in dieser Stunde geöffnet ist. Von oben sah man manchmal die namensgebenden hellen Flügel und gelben Hälse der Vögel aufblitzen. Unser Abendessen nahmen wir im - uns empfohlenen - Tierra amazónica ein: Raphaela entschied sich für dreierlei Ceviche und ich für den legendären, größten Süßwasserfisch der Welt (?), den Pirarucu. Er hat sehr festes weißes Fleisch und quasi keine Gräten. Satt und zufrieden marschierten wir zurück: Was ging es uns jetzt wieder gut!Read more

  • 11.9. Coca und MAMBE

    September 11 in Colombia ⋅ ⛅ 29 °C

    Unter einem unglaublichen Sternenhimmel, später begleitet von tropischem Regen und erstaunlich kühlen Nachttemperaturen, schliefen wir in unseren Hängematten im Malocahaus. Am Morgen dann der Wecker der besonderen Art: das Konzert der Amazonasvögel. Unser Schamane hatte bereits das Feuer entfacht und zauberte uns Kaffee und heiße Schokolade. Dazu gab’s einen einfachen Maniokfladen – mehr brauchten wir erstmal nicht, denn unser nächstes Abenteuer wartete schon: Kokablätter pflücken! Zurück in einer kleinen Hütte neben dem Malocahaus landeten die Blätter in einer riesigen Pfanne. Vorsichtig wenden, wenden, wenden … bis sie schön trocken waren. Aber natürlich nicht einfach nur technisch! Während des gesamten Prozesses: gute Energie, positive Gedanken und bloß keine schlechte Vibes. Schließlich sollte daraus ja etwas Besonderes werden. Die getrockneten Blätter kamen anschließend in ein hohes Holzgefäß und wurden kräftig zerstampft. Wieder mit ordentlich guten Vibes versteht sich. Danach: durch einen Stoffbeutel sieben. Und nochmal. Und nochmal. Bis am Ende nur noch ein feiner, grüner Staub übrig blieb, der mit etwas Asche eines besonderen Tropenbaumes vermischt wurde. Fertig war das MAMBE.
    Der grüne Energiestaub der Menschen hier im Amazonas.Jetzt wurde es ernst: einen halben Löffel unter die Zunge, mit etwas Spucke zu einer kleinen Kugel formen und ab damit in die Backe. Genuss? Sagen wir mal: ausbaufähig. 😜 Aber Hauptsache, es wirkt.
    Hauptwirkung: mild stimulierend, wachmachend, anregend, vertreibt Müdigkeit und Hunger. Und tatsächlich – es wirkte! Wir wurden mutig. Während ich mir gleich anschließend an einem nahegelegenen Wasserloch mit einem Plastikbecher kaltes Wasser über den Kopf schüttete, ging Katrin gleich aufs Ganze: völlig unerschrocken und splitterfasernackt setzte sie sich einfach ins Wasser. Amazonas-Dusche auf die harte Tour! 😂 Als wir zurückkamen, wartete schon das Mittagessen am offenen Feuer auf uns: Reis mit Linsen und einer Art Wurst – und erstaunlich lecker! Selbst Katrin, unsere Vegetarierin, drückte heute ein Auge zu. Eine halbe Stunde Siesta, dann ging es wieder zurück in den Dschungel. Für allerlei Beschwerden bekamen wir die passenden Heilmittel präsentiert: Pflanzen, Baumrinden und Früchte. Dazu erklärte uns unser Schamane geduldig, was wofür gut ist und vor allem: wie man es richtig einnimmt. Seine Mimik und Gestik bei den Erklärungen waren dabei fast so faszinierend wie die Medizin selbst. Und natürlich durften auch die spirituellen Elemente nicht fehlen. Am Abend bekam dann noch Andrés, unser Übersetzer, eine Behandlung an der großen Zehe. Andrés war zufrieden – Zehe gerettet, Mission erfüllt. 😄 Danach: Hängemattenmodus! Bis zum Abendessen hieß es einfach nur schaukeln und den Dschungel auf sich wirken lassen. Die Hühner spazierten völlig entspannt durch den großen Raum, während wir versuchten, die unglaubliche feuchte Hitze auszublenden. Und plötzlich merkt man: Man muss hier eigentlich gar nichts tun. Einfach in der Hängematte liegen, ein bisschen schaukeln, dem Sound des Dschungels lauschen, das Feuer der Kochstelle beobachten und irgendwann das Abendessen genießen. Danach der Blick in einen unglaublichen Sternenhimmel. Noch etwas Coca in die Backe – und dann ab ins Bett. Na gut … in die Hängematte. 🌿🔥⭐

    ERGÄNZUNG von Katrin: Ich war an diesem Morgen schon vor allen anderen aufgewacht und aufgestanden. Was tun? Vor dem Haus fiel mir wieder der viele Müll auf, der überall herumlag. Also schnappte ich mir einen Sack und sammelte eine gute Stunde lang Reste von Plastik- und Chipstüten, leere Bierdosen und Wasserflaschen, Konservendosen, kaputte Flipflops etc. ein: den ganzen Sack und noch einen Eimer voll. Gestern abend hatte ich unsere 2 Bierdosen noch zu den anderen geworfen - heute versuchte ich das wieder gut zu machen... Als kleine "Belohnung" entdeckte ich beim Auflesen schõne Schmetterlinge, Ananasfrüchte und sah auch den Vogel, der meine Lieblings-Dschungellaute produziert: als würde ein Riesentropfen Wasser in einen sehr tiefen Brunnen fallen...
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  • 10.9. Erste Bilder plus kritischer Rückblick

    September 10 in Colombia ⋅ ☀️ 30 °C

    Die angehängten Bilder zeigen unsere ersten Eindrücke und Erlebnisse bei der Ankunft im Maloka- Haus. Ich schreibe den "kritischen Rückblick" einen Tag nach unserer Rückkehr vom Amazonas. So wie sich die folgenden Tagesberichte lesen, klingt alles exotisch bis romantisch. Die Kehrseite soll aber nicht ganz unter den Tisch fallen: der Alltag im Dschungel ist - vermutlich auch für die Bewohner, ganz sicher aber für uns Gäste - ziemlich anstrengend und herausfordernd. Raphaela meinte gerade: "wie Übernachten in einem staubigen, feuchtheißen Hühnerstall". Das trifft es ziemlich gut:
    - deine Kleider kleben am Körper,
    - deine Haut ist immer von einem Schweißfilm bedeckt
    - nach dem "floating house" gab es für uns keinen Strom, kein fließendes sauberes Wasser, kein Handynetz, kein WLan mehr
    - Wasser wird aus dem lehmigbraunen, fast stehenden Fluss oder Bach geholt und in einem henkellosen Eimer ins Klo gestellt und / oder in einem offenen Fass vors Haus
    - womit gekocht und gespült wurde, haben wir lieber nicht erfragt
    - der Boden in den Wohnräumen besteht in den Pfahlhäusern aus ungehobelten Holzdielen, im Maloka ist es gestampfter staubiger Lehmboden
    - Klospülungen funktionierten selten bis nie
    - sich die Hände zu waschen war im Maloka nur im Eimer möglich
    - Becher und Teller sind aus verschrammtem Plastik und nicht immer sauber - siehe oben
    - benütztes Toilettenpapier wird ÜBERALL in Kolumbien in einen Eimer und NICHT ins Klo geworfen
    - Frühstück fast überall in Kolumbien bisher: Rührei, Toastbrot /Arepa, Obststücke, Kaffee
    - warmes Essen: REIS/ Spaghetti, Fisch oder Wurststückle, evtl. bissle Rohkost, Linsengemüse o.ä.
    - Getränke: gekauftes lauwarmes Wasser, das nach Plastik schmeckte,verdünnter Fruchtsaft, löslicher Kaffee - ohne Milch, aber mit Zucker
    - Kein Bier, keine Süßis, kein Eis
    - Essen im Maloca: Teller auf niedrigen Bänken hockend auf den Knien balancieren
    - der Innenraum im Maloka war oft sehr verraucht vom offenen Feuer
    - tagsüber war es dunkel im Maloka, da nur 2 Türen und kein elektrisches Licht
    - ALLE Lebensmittel müssen von Personen einzeln oft kilometerweit her GETRAGEN werden, Müll und teilweise schmutzige Bettwäsche muss gesammelt und dann weg getragen werden
    - es gibt keinen Laden, keine Apotheke, keinen Arzt in der Nähe
    - einzige Ruheplätze sind Bett oder Hängematte
    - Raphaelas Hängematte stank nach Schweiß
    - es ist schwer, in der Hängematte die Schlafposition von der Rückenlage in eine Seitlage zu verändern
    - kein nächtlicher Klogang ohne Stirnlampe

    -
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  • 10.9. Gamboa, Faultier Martina, abends Mambe

    September 10 in Peru ⋅ ☀️ 26 °C

    Morgens früh aufgewacht unterm Moskitonetz im Bett im Pfahlbau. Draußen Sonnenschein und reges Leben. Ich wollte endlich etwas sehen und erfahren vom Alltag in dieser indigenen Gamboa- Community. Also kletterte ich hinunter ans Flussufer. Dort hockten mit etwas Abstand zwei Frauen, die Wäsche wuschen: die eine allein, die andere hatte drei Kinder bei sich. Ich näherte mich vorsichtig und machte mit "Numai" (Hallo!), Gesten und Mimik klar, dass ich toll fand, wie die Kinder badeten und im Wasser spielten. So konnte ich ein paar Fotos machen und weiter schauen. Auf diese Weise verfuhr ich auch bei den Häusern: Ich sah Frauen bei der Hausarbeit, Männer mit Pflanzenschutzbatterien auf dem Rücken oder mit Motorsensen auf dem Feld, Kinder, die rumlungerten und andere, die ordentlich gekleidet mit Rucksäcken zur Schule gingen. Nach ca 45 min traf ich Patrick, der mit mir weiterlief. An einem Haus erzählte er, dass diese Familie ein Faultier als Haustier hält. Nach meiner erstaunten Reaktion bat er die Familie das Tier zu holen. Die Mutter brachte eine Art steifen Teddybär mit sehr lustigem Gesicht an. Patrick nahm das offenbar noch junge Tier und zeigte es mir. Dann durfte ich es auch halten. Es hatte aufmerksame flinke Äuglein, einen "grinsenden" Mund und weiches, beigebraun geschecktes Fell. Aber die Krallen waren ziemlich scharf, als es mich am Arm packte! Ich gab es zurück und lief schnell los, um Raphaela zu holen. Die kam auch gleich angerannt und war begeistert, als sie Martina :-) sah und halten durfte. Den Namen erfuhr auch Patrick erst auf unsere heutige Nachfrage hin: es ist ein Weibchen.Männchen erkennt man am orangenen Fleck im Nacken. Nun ging es weiter Richtung Schule. Ich hatte gestern darum gebeten, heute in in die Schule schauen zu dürfen. Es war kurz vor 8 Uhr und Lehrer/in und Kinder kamen gerade zum Unterricht in das Gebäude. Wir konnten beide Klassenzimmer anschauen. Das von Klasse 1 bis 3 hatte große Ähnlichkeiten mit kleineren Klassenräumen bei uns. 5 oder 6 Kinder saßen vor ihren Heften und schrieben etwas von der Tafel ab. Die größeren Kinder in Klasse 4 bis 6 wurden von uns auf deutsch begrüßt. Patrick übersetzte es ins Spanische. Es gibt auch eine Schulkantine für den Lunch. Zuletzt durften wir auch noch den Kindergarten besuchen: hier waren heute nur vier Kinder und eine nette Erzieherin. Auf dem Rückweg kamen wir an zwei geschlossenen Minigeschäften für das Nötigste vorbei: Wasserflaschen, Klopapier, Süßigkeiten etc. Nach dem Frühstück hatten wir nochmal eine sehr informative 2stündige Tour über die Felder und in den Dschungel mit Patrick. Diesmal ging er ausführlich auf die Verwendungsmöglichkeiten und Heilwirkungen von diversen Früchten, Blättern, Wurzeln und Baumrinden ein. Es war für mich unsere schönste und entspannteste Dschungel- Tour. Velleicht, weil wir ohne Gepäck und nur zu zweit waren, so dass Patrick alles direkt auf Englisch erklären konnte. Danach hieß es schnell alles einpacken, duschen und nach einem kurzen Mittagessen (wieder grätiger Flussfisch und Reis) mussten wir uns schon auf dem Rückweg zum Amazonas-Ufer machen. Nach ca 15 min Wartens in der sengenden Mittagshitze kam endlich ein kleines Speedboot und brachte uns mit herrlich starkem Fahrtwind zurück nach Leticia. Dort leider noch mal Rucksack schleppen: vom Ufer bis zum Beginn der Stadt. Mit einem Taxi gings ins Gambia- Büro. Hier war auch Guide-Wechsel: Adios Patrick, hola Andres (junger Übersetzer aus Bogota) und Luis (indigener lokaler Guide). Ich wusste nur, dass wir die nächsten zwei Nächte in Hängematten schlafen würden und dass wir ohne Strom und fließendes Wasser auskommen mussten. Hilfe! Mein Handy war halb abgeladen und meine Motivation für Survival im Dschungel auf einem Tiefpunkt . Trotzdem würde auch ich mir das nächste Dschungel- Abenteuer natürlich nicht entgehen lassen! Uns wurde eine halbe Stunde gewährt , um noch mal umzupacken und unsere Handies etwas aufzuladen. Und schon gings weiter im Taxi nach Norden. Nach kurzer Fahrt wurden wir abgesetzt. Noch 100 min strammer Fußmarsch mit Gepäck. An der "Pforte" zum Dschungel vollführte Luis einen Ritus mit Zigarettenrauch um unsere Köpfe heeum und zwischen unseren Füßen, um die Dschungelgeister gnädig zu stimmen und um uns zu vor Gefahren zu schützen. ??? !!! Er sei ein spiritueller Naturmediziner und lerne das seit 6 Jahren von einem weisen alten Medizinmann, seinem "Abuelo". Endlich kamen wir am Maloka, dem großen hölzernen Rundhaus für einen Abuelo der Yukunas, einer kolumbianischen indigenen Gruppe. Aber als wir das riesige Rundhaus betraten, saß da im Dunkeln nur ein einziger junger Mann! Ups- wo ist hier die Gemeinschaft? Es dauerte etwas bis wir verstanden hatten, dass sein Onkel, der Abuelo, dem dieses Haus gehört, im Moment nicht da war und auch sonst keiner. Wir wurden alle vier zu ihm in die Mitte des freien Raumes gebeten. Das Haus ist wie ein riesiges Tipi konstruiert: hoch oben im runden Schilfdach eine kleine Õffnung nach draußen, um den inneren Kreis herum eine Holzbank, zwischen Bankkreis und Außenwänden Platz für die Hängematten und das offene Herdfeuer. Hier spielt sich alles ab: Reden, Kochen, Essen und Schlafen.An den Seiten hockten wir erstmal ratlos auf einer niedrigen Holzbank. Es folgte ein mehrstufiger Willkommensritus: Zuerst wurde uns mit 2 Röhrchen Rauch in die Nase geblasen, dann sollten wir Mambe aus Cocablättern und Asche probieren: Wir sollten ein grünes Pulver unter die Zunge legen, mit Spucke anfeuchten und dann in die Backentasche legen und dort wirken lassen. Als letztes eine winzige Prise Tabakpaste auf die Zunge und runterschlucken. Dann Palaver über alles Mögliche. Raphaela wurde zusehends entspannter und mutiger: sie nahm gleich noch einmal eine Portion Mambe. Ich hatte mich nun auch mit der seltsamen Situation arrangiert. Nach einem späten, von Luis überm offenen Feuer zubereiteten, leckeren Fischfilet mit Reis durften wir in unsere Hamacas liegen. Diese hatte Luis inzwischen mit Moskitonetzen überspannt. Die drei jungen Männer nächtigten ebenfalls hier im Raum in ihren Hängematten. Dank der Ohrstöpsel schlief ich trotz nächtlichen Regens fast durch bis nach 6 Uhr.Read more

  • 9.9. Frühe Vögel, Piranhas fischen, zu den Indios

    September 9 in Peru ⋅ ⛅ 23 °C

    Um 5 Uhr klingelte der Wecker, um 5:20 Uhr war Termin, um den Sonnenaufgang vom Boot aus zu erleben. Gegen halb 6 legten wir ab, aber die Sonne war bereits heimlich - unbemerkt von uns ;-) - hinter den Wolken aufgegangen. Patrick lenkte das Boot einmal rund um den See und zeigte uns Vögel aller Art: Kingsfischer, Heron, Kormoran und viele andere. Diesmal turnten die Squirrel-Äffchen so dicht über uns in einem Baum, so dass ich endlich einen von vorne ablichten konnte. Um 7.15 Uhr gab es Frühstück. Von 9 bis 11 Uhr dann die Aktivität "Fischen im Piranha-See". Das war gut vorbereitet mit einer großen Menge halber und ganzer toter Minifischchen als Köder sowie 5 Angelruten wie aus dem Bilderbuch: je ein ca 1,20 m langer Stock aus einem Ast mit Nylonschnur und einem einfachen Haken am Ende. Patrick demonstrierte uns wie man damit angelt und ER zog auch gleich einen mittelgroßen Fisch heraus. Was uns anderen keineswegs auf Anhieb gelang, weil die Fische super im Abnagen der Köder rund um den Haken waren. Patrick fischte jetzt mit einer richtigen Angelrute und zog nacheinander einen fast 50 cm langen Catfisch mit Bart und hinterher auch einen echten, roten, gefährlichen kleinen Piranha heraus. Er zeigte uns die vielen Zähnchen und der Fisch säbelte damit auch gleich ein Stückchen Schwanz vom hingehaltenen Köder ab. Nach fast 2 Stunden fleißigen Probierens waren immerhin auch 3 von uns erfolgreich: Nelia erwischte den größten Fisch, dann Raphaela eine süße kleine Sardine und Carlos schlieẞlich noch einen kleinen weißen Piranha, die zweite ungefährliche Piranha-Art hier in diesem See. ALLE Fische wurden übrigens wieder zurück ins Wasser geworfen! Nach dem Mittagessen war großer Aufbruch: Mit Rucksäcken, Stecken und Gummistiefeln machten wir uns auf den Rückweg über dieselben Holzstege, über die wir gestern hergekommen waren. Diesmal schafften wir es zwar viel schneller, weil wir nun nicht mehr anhielten. Allerdings waren wir nun alle schweißüberstrõmt. Am Amazonasufee empfing uns wieder derselbe Bootsführer und schipperte uns ein Stück stromabwärts. Guide Patrick, Raphaela und ich stiegen aus für die Fortsetzung unseres 5 Tage-Programms in der "indigenen Community" Guana. Die anderen 3 beendeten ihre Tour in Leticia. Wir mussten nu 25 zu Fuß weiter entlang an grünen Mais, Maniok- und Pataconesfeldern. Nur wenige Menschen waren an und in den einfachen Pfahlbau- Holzhäusern zu sehen. Bereits am Anfang des "Dorfes", in dem offenbar ca 220 Menschen leben, brachte Patrick uns in unsere Unterkunft. Diese sah äußerlich unserem Raum im floating house sehr ähnlich. Allerdings gibt es hier weder Strom noch fließendes Wasser. Für die Klospülung nehmen wir einen Eimer bräunliches Wasser, das offenbar direkt aus dem kleinen Fluss stammt, derv weiter unten am Haus vorbei fließt. Es gibt auch keinerlei Vorhang o.ä. vor unserem Klo imSchlafraum. Wir waren beide derartig erschöpft und verschwitzt. dass wir uns erst einmal eine Stunde auf unsere Betten legten. Kurz nach 18 Uhr holte Patrick uns wieder zur "Dschungel- Nachtwanderung". Ausgerüstet mit Stirnlampen und Gummistiefeln stapften wir auf engen und teils ziemlich "muddy" Pfaden - und manchmal auch einfach quer durch die Bäume hinter Patrick her. Ähnlich wie gestern beleuchtete er, d.h. zeigte er uns riesige Spinnen, Tausendfüßler, mehrere fette "Tarantulas" an den Bäumen, eine aufgerollt dünne Schlange (über uns im Geäst-iih!), ein sehr mausähnliches Mini-Oppossum, einen schlafenden Vogel, diverse Bäume... und beantwortete all unsere Fragen. Dazu die Dschungelgeräusche: das sehr laure Grunzen der Ratten, die Schreie der Affen. Wir waren beide ganz froh, als er uns schließlich zu dem Haus führte, wo wir duschen und Abend essen durften. Angeblich bei einer Familie, aber wir begegneten nur ganz flüchtig einzelnen Hausbewohnern. Patrick brachte uns das Abendessen auf den Tellern raus auf die leere Terrasse, wo wir es mit ihm zusammen verzehrten. Wir kämpften tapfer mit den kleinen und extrem grätenreichen gegrillten Fischchen "aus dem Fluss hier mit dem Netz gefangen" und waren dann auch schon vor 21 Uhr zurück in unserem stockdunklen Zimmer. Raphaela schläft längst, während ich hier noch vor mich hintippe. Scheiße - es scheint hier doch einige Mücken zu geben...Read more

  • 8.9. Dschungelpfade zum und am Lago Piranha

    September 8 in Peru ⋅ ☁️ 28 °C

    Turnschuhe aus und Gummistiefel an: Es geht los. Alle im Gänsemarsch hinter Patrick her. Zunächst noch am Boden oder auf Holzbohlen über matschigere Stellen. Bald waren die Bohlen hochgelegt, d.h. auf kleinen Pfählen, so dass wir Fuß vor Fuß auf diesen schmalen Stegen balancieren mussten. Das ging volle 2 Stunden so. Man musste also ständig auf das Stück Brett vor sich schauen, um nicht daneben zu treten und abzustürzen. Gut, dass Patrick immer wieder stoppte, um uns etwas zu zeigen: Pfotenabdrücke eines Wildschweine jagenden Jaguars, kleine Laubfrösche, große Baumschnecken (mit bis zu 600g essbarem Fleisch) und vor allem die munteren, kleinen Squirrel-Monkeys in den Bäumen. Sie benutzen ihren Schwanz nicht, um sich damit zu halten. Sie balancieren und steuern damit ihre Flugsprünge - genau wie Eichhörnchen. Und das Beste: wenn sie frieren, können sie sich darin einwickeln wie in einen Schal. 😀 Später entdeckte er ein ganz winziges graupelziges Äffchen an einem Baumstamm -- offenbar die kleinste Affenart, nur etwa 10 cm groß. Wir sahen es auf dem Rückweg noch einmal und diesmal viel besser erkenn- und fotografierbar. Endlich gelangten wir zu einem Pfahlbau am Ufer des Piranha-Sees: Stiefel aus, eigene Schuhe an. Mit einem kleinen Boot brachte uns Patrick das kurze Stück bis zum "Floating house". Dieses ist ein Komplex aus verschiedenen, je einzeln überdachten Räumen, Terrassen und kleinen Häuschen. Alles ruht auf leeren Fässern / Containern, so dass sich der ganze Komplex in der Regenzeit mit dem Wasserspiegel heben kann. Die Häuser sind mit langen Seilen an Uferbäumen befestigt. Diese Lösung fand man, nachdem der ursprüngliche Pfahlbau in der Regenzeit einmal komplett überflutet wurde. Wir waren sehr beruhigt als wir ein großes Zimmer mit 5 Betten samt Moskitonetzen zugewiesen bekamen. Es gibt hier elektrisches Licht und Duschen, Waschbecken und Klos MIT fließendes Wasser. Für WLan musste ich zwar zahlen, aber auch das funktionierte: wow! Nach dem Mittagessen und Siestazeit ging es vor halb sechs zur Sonnenuntergangs- Bootsfahrt auf dem See. Im Boot warteten wir den Einbruch der Dunkelheit ab. Nachdem die ersten Sterne sichtbar waren, schaltete Patrick seine starke Stirnlampe an. Immer wieder traf sei.n Lichtstrahl auf ein rorange glühendes Auge - das eines Kaimans. Es dauerte aber bis nach 19.30 uhr bis es ihm endlich gelang in Uffenheim einen kleinen Kaiman aufzuspüren, den er mit der Hand(!) hinter dem Kopf packte und uns vorführte. Er erklärte viel über Kaimane, wovon ich inzwischen leider das Meiste vergessen habe. Zurück im Haus gab es Abendessen .Das Tagesprogramm war damit aber noch keineswegs beendet: Um 20.30 uhr startete unsere erste Nachtwanderung in den Dschungel. Die beiden Schwestern wollten nicht mehr mit, aber Carlos, Raphaela und ich stapften brav hinter Patrick querfeldein durch den stockdunklen Dschungel. Auch wir hatten unsere Stirnlampen dabei, aber das zog Nachtfalter und andere Insekten an. Unser Guide führte uns zielsicher durch die Dunkelheit. Vorbei an eklig stacheligen Baumtämmen (nicht berühren!) über raschelne Blätterschichten und hin zu riesigen pelzigen Taranteln und Wolfs- und Skorpionspinnen: iiihhh! Er entdeckte einen kleinen schlafenden Vogel, Baumfrösche und ganz am Schluss sogar eine dünne, offenbar gefährliche Schlange, die über unserer Kopfhöhe auf einem Baumast lag. Mit einem Stock angelte Patrick sie herunter und ließ sie herumzappeln. Sie schien etwa 1,50 m lang zu sein und konnte sich mit Muskelkraft über mehr als 50 cm hinweg quer durch die Luft zum nächsten Fixpunkt hangeln: Hilfe! Kurz vor 22 uhr waren wir zurück und ich stellte mich direkt nochmal unter die Dusche -herrlich!Read more

  • 8.9. Tourbeginn am Amazonas

    September 8 in Peru ⋅ 🌧 28 °C

    Man beachte die neue Flagge hinter der Überschrift - ahora estamos en Peru!
    Schon kurz nach 8 Uhr morgens kam ein Tuktukfahrer ins Hostel und fragte nach uns. Er lud den Koffer und uns beide ein und brachte uns zum Büro. Wir hatten kurz Zeit zum Einkaufen und probierten noch einmal die Gummistiefel an. Ich entschied mich für ein Paar, auf dem Größe 40 stand, wobei es tatsächlich mindestens 41,5 oder größer war. Nun waren auch die anderen Teilnehmer/innen dabei: Fernanda (32) und Neli (27), 2 Schwestern aus Raquira, dem Keramikstädtchen, das wir am 3. Tag zusammen mit Nancy, Sara und deren Freunden aus Barranquilla besucht hatten. .Dann ist da noch der allein reisnde Carlos, ein junger Mann aus Bogota. Alle drei sprechen überhaupt kein Englisch und haben die Tour bei GAMBOA nur bis morgen nachmittag gebucht. Bisher war das Programm großartig: Vom Büro in Leticia stapften wir hinter dem Guide Christian her, der uns nur für 1eineinhalb Stunden über den Amazonas nach Peru begleiten würde. In dieser kurzen Zeit waren wir mit nur spanisch sprechenden Columbianos/as zusammen. Wir bestiegen einen offenen Kahn mit Sonnendach. Christian erklärte, dass der Amazonas im Moment Tiefstand hat- im "Winter", d.h. in der Regenzeit von Dezember bis Mai schwillt er an und die Ufer liegen mehrere Meter höher. Er sprach von 2 km Breite und 60 m Tiefe. Kaum waren wir auf dem Wasser, deutete er in 3 Richtungen und sagte: Peru, Brasilia, Colombia. Wow! Es war ein ähnliches Empfinden wie vor 14 Jahren, als ich in Costa Rica im Einbaum auf dem Grenzfluss zu Panama unterwegs war: Grenzen sind reine Theorie - ein künstliches Konstrukt. .Wir tuckerten eine ganze Weile innerhalb Perus (nun an beiden Ufern!) stromaufwärts. Dann sollten wir Ausschau nach den rosa Delfinen halten. Zunächst sahen wir nur ab und zu ganz kurz dunkle Schwanzflossen auftauchen - nix rosa! Aber mit zunehmender Konzentration - sowohl unserer eigenen als auch der Delfinmenge - sahen wir sie öfter und länger. Mehrmals kamen welche so hoch, dass wir ihre schweinchenrosa Körper deutlich sehen konnten. Der Amazonas selbst hat eine schlammbraune Farbe, so dass man nichts im oder gar unter dem Wasser erkennen kann. Aber jetzt sahen wir viele fliegende Fische: sie dprangen weiß leuchtend in hohen Bögen heraus, um gleich wieder aufs Wasser zu klatschen - in Scharen. Das Boot fuhr nun ganz nahe am Ufer entlang. Und zack- wusch: auf einmal zappelten mehrere hellsilbrige Fische im Boot! Einige im Heck beim Bootsführer, der zufrieden zuschaute wie sie verendeten: die gebe es heute zum Essen! Einer in den Händen des Guide, der ihn uns zeigte.
    Um 11 Uhr legten wir an - in Peru, wo wir die nächsten 2 Tage bleiben. Hier wurden wir von unserem peruanischen Guide Patrick begrüßt. Er ist ein recht kleiner, schlanker junger Mann (27 Jare alt mit glänzenden schwarzen Haaren, der uns die nächsten viereinhalb Tage begleiten wird. Er spricht gut Englisch - juhu!
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  • 8.9. - 12.9. Dschungeltour

    September 7 in Colombia ⋅ ⛅ 32 °C

    Dies im Voraus als Mitteilung an unsere treuen, interessierten Leser/innen:
    Ich fürchte, dass wir in den nächsten 5 Tagen nicht so viel Zeit zum Schreiben und nicht so oft Internet bzw Strom zum Laden unserer Handies haben. 2 Nächte verbringen wir in im Freien in Hängematten...
    Also macht euch keine Gedanken. Wir werden durchgehend von 1 - 2 iGuides betreut und sind in einer kleinen Gruppe unterwegs. Ich melde mich so oft wie möglich - spätestens dann, wenn wir unsere Abenteuer hoffentlich gesund überstanden haben. Gute Nacht - in ein paar Stunden geht es los!
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  • 7.9. Flug südwärts nach Leticia

    September 7 in Colombia ⋅ ⛅ 32 °C

    Morgens gleiches Progrann wie gestern: Raphaela ausgeschlafen, Katrin Yoga - diesmal zusammen mit 2 weiteren jungen Columbianos. Gemeinsames Frühstück im Hostel, zu Fuß wieder runter zur carrera septima, um Geld abzuheben. Im 2. Anlauf klappte es. Zurück im Hostel schnell einpacken, auschecken und Raphaelas großen Rucksack einlagern. Per Indrive-Taxi in 35 min zum Flughafen, den wir nun ja schon zum 3. Mal sehen.
    Diesmal klappte auch das Ausdrucken der Bordkarten sowie das Aufgeben meines Trolleyrucksackes ohne Probleme. Natürlich nahmen wir - ancionas ignorantes - dabei dankend die Hilfe des Personals in Anspruch. ;-) Hungrig reihten wir uns schon vor der Sicherheitskontrolle in die lange Schlange vor "Crepes and Wafers", der wirklich leckeren und hier extrem beliebten kolombianischen Restaurant-Kette. Nach 20 min Wartens bekamen wir zwar endlich einen Sitzplatz, aber wir erfuhren nun von anderen, dass es noch mindestens 30 min dauern würde bis wir etwas zu essen bekämen. Wir also wieder raus und schnell durch die Sicherheitskontrolle. Von unserem ersten Inlandsflug her -mit Nancy und Familie, wussten wir, dass es nochmal eine kleine Ausgabe derselben Kette als Take away gab. Inzwischen wurde die Zeit knapp, aber der Hunger siegte. Noch an den letzten Bissen kauend, eilten wir zum Gate, wo das Boarding bereits begonnen hatte. Wir saßen sehr pünktlich im Flieger, aber es dauerte noch eine volle Stunde bis das Flugzeug 40 min verspätet startete. GRRRMBLLLl! Nach eineinhalb Stunden ereignisfreien Flugs kamen wir (ohrendruckfrei- juhu!) nur noch 30 min verspätet in Leticia an. Heiße Luft schlug uns entgegen - die Sonne ging bereits unter. Dort erwartete uns schon der dicke Orlando, der Fahrer unserer Dschungeltour- Organisation, mit einem handgeschriebenen Willkommens- Schild. Er brachte uns mit seinem goldenen Flitzer direkt zum Büro der Organisation, wo uns ein Mitarbeter, Sebastian, die 5 Tage- 4 Nächte Dschungelabenteuer im Schnelldurchlauf erklärte, uns verschiedene Gummistiefel anprobieren ließ und dann sofort das Geld (jeweils über 500 Euro) abknöpfte.
    Es wird langsam ernsty: Morgen früh geht's zusammen mit 3 anderen Teilnehmer/innen gleich mal über den Amazonas nach Peru und dort an einen Piranha-See, wo wir nach diversen Aktivitäten auch auf einer schwimmenden Insel nächtigen. Ich konnte mir das Programm nicht auswendig merken, aber es hörte sich alles sehr wild an.... Dann wurden wir per Tuktuk samt Gepäck in unser Hostel Casa Palma gebracht. Dort bekamen wir ein sehr einfaches Zimmer mit Ventilator und 2 Einzelbetten zugewiesen. Da das Moskitogitter am Fenster größere Löcher aufwies, fragte ich, ob es noch ein anderes freies Zimmer gibt. Ja, gab es. Ich nahm also das Nebenzimmer mit Doppelbett und Raphaela das erste.
    Wir besorgten in der Drogerie im Ort noch Vitamin B1 (soll laut Columbianos angeblich vor Mückenstichen bewahren, das ist aber medizinisch bisher nicht erwiesen...) und nochmal zusätzliches Mückenschutzspray mit 25 Prozent DEET. Wir teilten uns dann noch eine Pizza, die wir leider auch zu zweit nicht schafften. Ich versuchte um 21 uhr im Hostel noch rasch in den Pool zu springen, wurde aber daran gehindert, weil er bereits frisch gechlort war. MIST! Dann schleiche ich mich halt morgen ganz früh rein, bevor der Poolreiniger (alias "Tatortreiniger") kommt!
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  • 6.9. Bogota: Yoga, Ciclovia, Modern Art Museum

    September 6 in Colombia ⋅ ☁️ 16 °C

    Raphaela konnte heute endlich mal lange ausschlafen! Für mich war es ein besonders schöner Tag., weil ich gleich drei meiner Lieblingsbeschäftigungen nachgehen durfte. Morgens kurz nach 7 Uhr mehr als eine Stunde Yoga auf der Dachterrasse bei einem äußerst attraktiven jungen Yogalehrer namens Carlos. Ich war heute die einzige Interessentin, deshalb hatte ich eine exklusive Einzelstunde zusammen mit der Katze. Nach dem leckeren Hostel- Frühstück habe ich mir ein Fahrrad ausgeliehen und bin direkt zur CICLOVIA gefahren. Das ist eine Besonderheit in Bogota, über die ich schon daheim gelesen hatte. Ich hab mich sehr gefreut, dass wir nun doch an einem Sonntag hier sind. Jeden Sonn- und Feiertag werden von 7 bis 14 Uhr einige Hauptverkehrsstraßen für den Autoverkehr gesperrt. Darauf sind sehr viele Radfahrer, Läuferinnen und Inlineskater/innen unterwegs - ein großes, öffentlichen Happening für Jung und Alt , für Sportliche und weniger Sportliche. Es gibt viele Stände am Straßenrand zum Essen und Trinken, immer wieder Musik und in der Innenstadt ist gleichzeitig eine Art Flohmarkt entlang der Hauptachse auf der Carrera septima. Obwohl es am Anfang regnete, habe ich es genossen, wieder auf dem Rad zu sitzen. Als ich kurz stoppte, bat mich ein Radfahrer ein Foto mit dem Handy von ihm zu machen. Das tat ich sehr gerne und bat ihn dann um denselben Gefallen. Das Wetter wurde zunehmend besser und als ich nach 11 km am Ende der Radstrecke auf der siebten Straße angekommen war, drehte ich wieder um. Ich vereinbarte mit Raphaela per WhatsApp, dass wir uns am modernen Kunstmuseum treffen. Dort war inzwischen die Hölle los - alles voller Stände! Hier ein Megaflohmarkt auf dem ganzen Platz, so dass ich mich zum Eingang zum Kunstmuseum durchfragen musste. Wir bekamen als ancionas über 60 ermäßigte Tickets und investierten das Gesparte direkt im Museumscafe. Wir stärkten uns mit einer sehr leckeren Suppe und Cappuccino. Die Ausstellungen haben uns beiden gut gefallen. Am Ende kauften wir im Museumsshop noch ein paar Mitbringsel für uns und unsere Lieben daheim. Zurück im Hostel mussten wir unsere Rucksäcke und Taschen aus-,um und neu packen für unseren morgigen Flug nach Leticia. Wir lassen eine große Tasche hier im Hostel, denn wir wollen so wenig wie möglich zum Amazonas mitnehmen. Andererseits brauchen wir für die Dschungeltour trotz der Hitze viel lange Kleidung wegen der Malaria- und anderer Stechmücken. In der Hostelküche unterhielten wir uns beim Spülen mit einer jungen Londonerin, die gerade von dort zurück gekommen war. Sie erinnerte uns an die prophylaktische Einnahme unserer Malariatabletten, was wir auch brav erledigten. Es gibt häufige und schauerliche Nebenwirkungen, so dass besonders Raphaela etwas besorgt ist, wie wir das vertragen. Schau mer mal!Read more

  • 5.9. Zwölf Std unterwegs: Manizales-Bogota 300 km

    September 5 in Colombia ⋅ ☁️ 16 °C

    4.55 h: Geweckt worden. Raphaela schon geduscht.
    5:30 h: frischer!! Kaffe steht in der Schlossküche bereit, Tee für unterwegs gekocht, herzlicher Abschied von "Schlossherrin" Maria.
    5.50 h: Hostel verlassen
    5:51 h: Ankunft an der geschlossenen Gondelstation, 9 min Wartezeit
    6:00 h: Ticketkauf für Gondel
    6:01 h: Start in der 1. Gondel
    6:11 h: Ankunft am Busterminal
    6:14 h: Ticketkontrolle am Schalter
    6:15 - 6:46 h: 31 min Wartezeit vor dem geschlossenen Bus, der um 6:30 Uhr hätte abfahren sollen
    6:51 h: Bus setzt sich in Bewegung
    Fast 4 Stunden Kurvenfahrt durch teilweise atemberaubende Bergwelt. [Bisher a 120 km -> durchschnittliche Geschwindigkeit 30 km/h 😉]
    Wir können nicht meckern: Beinfreiheit, WLAN ( oft), Klimaanlage, freie SItzwahl, da der Bus halbleer ist.
    10:45 h Halbstündige Pause an einem offenen Restaurant an der Straße im Tal. Für Raphaela Tagesessen (Reis, Rindfleisch, Pommes, Salatblatt) , für mich "Frühstück" (2 Spiegeleier, Reis, Kochbanane) plus Getränke. Es ist brütend heiß dort - die Bedienung schätzt 36 - 38 grad- und es riecht leicht nach Holzfeuer. Raphaela diagnostiziert trockenen Wüstenwind.
    11:15 h kurze Fahrt bis zum Busbahnhof von Honda, dort wieder 30 min Aufenthalt ohne dass jemand ein- oder ausstieigt.
    NACH Honda zu fahren, hatten wir ursprünglich erwogen, weil es etwa auf halber Strecke liegt. Es sah damals aber nicht so aus, als gäbe es günstige Busverbindungen dorthin. Nun waren wir froh, dass wir nicht in der heißen "Wüste" gestrandet sind!
    11:45 h: sehr ruckelige Weiterfahrt auf kurvigen Straßen - es geht wieder steil bergauf
    12.00 uhr Wir haben jetzt 166 km zurückgelegt seit Manizales. Ca. 30 km/h stimmt also noch. Ich bin zwischendrin weggedämmert:. Das geht trotz der Kurven, weil KEINE laute Musik läuft und niemand spricht, weil jeder hier 2 super gepolsterte Sitze für sich alleine hat - in 2 Stufen bis in Halbliegeposition klappbar und weil man Vorhänge vorziehen kann...
    Wir hatten uns ja extra den 2 G GOLD. gebucht, den ChatGPT als den komfortabelsten Direktbus auf dieser Strecke vorgeschlagen hatte.
    14:35 Uhr: Ein Mann mit Bauchladen ist eingestiegen, was bei längeren Busfahrten 1- bis 2-mal geschieht. Er verkauft nur lauwarme Mais-Arepas mit seltsamem Salzkäse im Teig. Einmal kurz gezuckt- schon hatte jeder eins in der Hand. Außen fettig, innen trocken, schmeckt wie eingeschlafene Füße . Müssen wir leider entsorgen...
    15:20 h: Facatativá heißt der Ort im Flachland, das wir gerade durchfahren. Nicht schön- ärmliche einstöckige Häuserzeilen die Durchfahrtsstraße entlang. Kein Internet, also keine Ahnung, wie lange noch. Vor uns wohl viel Verkehr, denn wir rollen im Schrittempo... Auf der ganzen Strecke sah ich bisher fast nur LKW, Busse umd Motorräder - wenige PKWs. Es zieht sich...
    16:35 h Ankunft am Busterminal in Bogota
    Gang zur Bezahltoilette (nacheinander wg. Gepäck), Frage im Tourismuspoint, wohin wir ein Indrive-Taxi bestellen kõnnen. Vor dem Busterminal standen zig gelbe Taxis, vor denen aber überall gewarnt wird. Die wollten wir NICHT! Das Ganze artete zu einer längeren Beratung aus: Stadtpläne gibt's nicht gratis in Papierform- also mussten wir sie online als PDF herunterladen. Ich wollte wissen, wo die morgige Ciclovia entlang geht bzw. wo es für uns sicher ist, daran teil zu nehmen...Schließlich stellten wir uns in den Eingangsbereichs eines nahen ARA-Supermarktes, um von dort UND auch dorthin das Taxi per App zu ordern.
    Ein ARA- Mitarbeiter sprach auf meinem Handy spanisch mit dem Taxifahrer, der eine Minute später vor der Tür stand.
    Kurz vor 18 Uhr kamen wir nach einer über halbstündigen Taxifahrt und etwas Herumfragen ENDLICH im Hotel Botanico in Candelaria, der Altstadt von Bogota, an. Langwieriges Einchecken, kurze Hausführung, ebenerdiges Zimmer - wieder nur scheibenlose Fenster mit Klappläden zum Innenhof - also laut!
    18.50 Uhr : im Restaurant um die Ecke ein rasches Abendessen, dann zurück ins Hostel.
    20.00 Uhr: Raphaela liegt sehr erschöpft mit Ohrstöpseln im Bett und hofft, dass sich ihr Blutdruck beruhigt und dass sie schlafen kann.
    22.25 Uhr: Ich jetzt auch. Es ist der Prototyp eines alternativen,Hostels mit offenen Kaminfeuern innen und außen, im Moment klimpert jemand auf der Gitarre und singt laut und falsch "Let it be", Amy Winehouse und "Hotel California"klingen aus den Boxen, viele junge Leute chillenn innen und draußen im Innenhof- rauchend, lachend, trinkend, redend. Ich fühle mich in die 80er Jahre zurück versetzt... ;-)
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  • 4.9. Orchideen, Kolibris und heiße Quellen

    September 4 in Colombia ⋅ ☁️ 22 °C

    . Heute – Lazy Day.

    Der Tag begann ganz entspannt: Ein kleines Frühstück konnten wir uns sogar selbst zubereiten – wir waren also kulinarisch vollkommen auf uns allein gestellt. 😄 Danach ging’s mit dem Taxi zu einem Park.

    Bis zur Führung um 13 Uhr hatten wir jede Menge Zeit, das Gelände auf eigene Faust zu erkunden. Oder besser gesagt: Wir versuchten es. Kaum waren wir ein paar Schritte vom vorgesehenen Weg abgekommen, tauchte schon wieder ein Mitarbeiter auf und machte uns freundlich, aber bestimmt klar, dass unsere persönliche Expedition hiermit beendet war. So viel zur freien Entdeckungstour. 😂

    Da es kaum Besucher gab, hatten wir den Park fast für uns allein – zumindest auf den erlaubten Wegen.

    Dann startete endlich die Führung. Als Erstes besichtigten wir einen wunderschönen Bambus-Pavillon. Das Besondere daran: Er war schon vor vielen Jahren auf der Expo in Deutschland ausgestellt worden. Ein kleines Stück Heimat mitten im kolumbianischen Grün.

    Danach ging es in den Wald. Dort bekamen wir die unterschiedlichsten Orchideen und jede Menge andere Pflanzen gezeigt. Bei manchen waren wir beeindruckt, bei anderen einfach froh, dass wir nicht selbst bestimmen mussten, was da gerade vor uns wächst. 🌿

    Anschließend ging es ins Schmetterlingshaus. Überall flatterte und schwirrte es – sehr hübsch, aber auch ein bisschen so, als hätten die Schmetterlinge beschlossen, heute unbedingt mit uns zusammen sein zu wollen.

    Danach kamen die Kolibris. Die kleinen, filigranen Vögel mit ihren langen Schnäbeln faszinierten uns sofort. Sie schwirrten mit unglaublicher Geschwindigkeit durch die Gegend und waren dabei ungefähr so leicht zu fotografieren wie ein fliegender Flummi. 📸

    Nach zwei Stunden Naturprogramm ging es dann endlich in den wirklich entspannten Teil des Tages: Thermalbad!

    35, 42 und 50 Grad heiße Quellen füllten drei wunderschöne Steinbecken, eingebettet in üppiges Grün. Wir wechselten vermutlich zwischen „herrlich warm“ und „ist das jetzt eigentlich noch Wellness oder schon Kochen?“ und genossen es einfach, im warmen Wasser zu liegen. 😂

    Im Bad gab es anschließend noch ein kleines Abendessen. Danach ging es tiefenentspannt mit dem Bus zurück ins Hostel.

    Dort gönnten wir uns auf unserer kuriosen Dachterrasse noch ein kleines Bier. Die Aussicht war irgendwie speziell, die Terrasse irgendwie schräg – aber genau deshalb passte sie perfekt zu diesem Tag.

    Und dann? Ab ins Bett. Schließlich muss man sich auch von einem Lazy Day erst einmal ordentlich erholen. 😴
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  • 3.9. Per Gondel zum skurrilen Sammelsuri-Hostal

    September 3 in Colombia ⋅ ⛅ 20 °C

    10 Uhr Abfahrt mit zwei Bussen über Pereira nach Manizales, einer ca 70 km entfernten Universitätsstadt
    12.30 Uhr: Ankunft am Busbahnhof im Tal
    Dort Bustickets für übermorgen besorgt. Wir erfuhren es erst dort: 6.15 h Abfahrt und gut 10 Std. Busfahrt bis Bogota - Hilfe! Auf den Schreck erst einmal einen Kaffee!
    13.00 Uhr: Mit der Gondel für 80 Cent mehrere Stationen bis zum hochgelegenen Stadtzentrum geschaukelt. In der Gondel Gespräch mit einem älteren Fernsehschauspieler - im Zweitberuf irgendwas mit Flugzeugen. Er zeigte uns stolz seine Website, Instagram etc.
    13.30 Uhr: Ankunft im "Hostal Mirador Andino" - nahe der Gondelstation an einem zentralen Kreisverkehr gelegen. Alles ist hier etwas schräg: Die sehr hohe und schmale verschlossene Eingangstüre öffnete sich nach meinem Klopfen wie durch Zauberhand - mit einem Seilzug wird von oben der Riegel weggezogen. Steile Stufen führen in eine Art Heimatmuseum: überall Kronleuchter und jede Fläche vollgestellt mit Sitzmöbeln, Vitrinen, alten Gebrauchsgegenständen... Jorge und Maria, die stolzen Besitzer, begrüßten uns herzlich und Jorge führte uns durch alle Räume bis unter den Dachboden, wo er demonstrierte, wie man sich dort Vinyl- Schallplatten auflegen kann. Alles ist bunt bemalt, vollgestopft und komplett abgefahren: perfekte Kulisse für einen Gothik-Film im Stil von "Only Lovers Left Alive" von Jim Jarmusch. Mein Schwiegervater wäre begeistert gewesen, meine Mutter würde schaudernd das Weite suchen.
    14.45 - 15.45 Uhr: Um das zu verdauen eine kleine Mittagsruhe mit Ohrstöpseln und geschlossenen Fensterläden, da unser Zimmer im 1. Stock direkt auf den Fundadores-Platz hinaus geht.
    16.00 - 19.30 Uhr: kleiner Stadtrundgang mit halbstündiger Starkregen-Pause in der katholischen Kirche. Die hölzerne Gewölbedecke ist konstruiert wie ein Schiffsrumpf. Vor der Kirche Armenspeisung, Buden, Zelt zum Bluspenden etc. Viele ältere und ärmlich gekleidete,Menschen, kein einziger europäischer Tourist. Die Fußgängerzone vom Hostal bis zum Plaza de Bolivar war sehr bevölkert. Viele Gebäudefronten sind beschädigt - alle paar Meter Bauarbeiten nach dem Erdbeben. Brsonders schlimm hatte es den rechten vorderen Turm der Kathedrale erwischt, der so schräg häng ,als hätte ein Kind ein Legotürmchen umgestoßen. Den über 100 m hohen zentralen Kirchturm hätten wir gern bestiegen, weil err einen grandiosen 360-Grad- Blick in die umliegende Bergwelt ermöglichen soll. Aber auch hier: Absperrbänder rund um die Kirche - alles geschlossen. :-( Wir versuchten, ein nettes und nahrhaftes Restaurant in der Nähe zu fInden, aber es gelang uns nicht: nur fleischlastige Schnellimbisse, ein italienisches Cafe etc. Frustriert und hungrig gingen wir zurück ins Hostal und holten uns von Maria eine Empfehlung samt Wegeskizze für uns ancionas ignorantes.
    19.40 - 20.50 Uhr: einzige Gäste im Restaurant mit gottlob ENGLISCH sprechendem studentischem Kellner. Dieser beriet uns noch ausführlich für unser morgiges Tagesprogramm: Gloria!
    21 - 22 Uhr: Ein Absacker- Bier aus der Dose auf der crazy beleuchteten Hotelterrasse mit direktem Blick zur Gondelbahn nebenan. Dann: Ohren gestöpselt und Läden zugeklappt!
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  • 2.9. Boot camp in rubber boots

    September 2 in Colombia ⋅ 🌧 23 °C

    Hier die morgendliche Whatsapp-Kommunikation mit unserem Guide: [2.9., 07:33] Katrin: BUENAS DIAS! What about our tour? Unfortunately it was and is RAINING today. What do you think? Can we start - even whithout rubber boots?
    [2.9., 08:07] ALEJANDRO in FILANDIA: Good morning. The tour still programmed. We will give you rubber boots." Und es war wie so oft hier: Ab kurz vor 9 Uhr trockenes und teilweise auch sehr sonniges Wetter! Das blieb so während der gesamten ca 4stündigen Tour. Wir wurden mit einem Jeep grade mal 10 min vom Hauptplatz zu einer Farm am Rand des Nationalparks "Barbas Bremen" gekarrt. (Auto heißt in Kolumbien "carro") Der merkwürdige Name des Naturreservats entstand so: einer der ersten Farmer hier wurde von einem Jaguar gerissen. Alles was von ihm übrig blieb, war sein langer Bart - "barbas". Die ersten Siedler nach dem 2. Weltkrieg hier waren Deutsche aus Bremen. ;-) Die heutige Farm hat der ehemalige Lehrer Don Álvaro vor 25 Jahren gekauft. Jetzt ist es eine Art Demofarm für Touris, auf der v.a. der Kaffee- und Zuckerrohranbau angebaut und vorgeführt werden und u.a. diese unsere Tour angeboten: "Brüllaffen im Dschungel suchen". Und das taten wir nun: Gummistiefel gab es in jeder Größe - ebenso Bambusstöcke. Wir bekamen einen Kaffee und durften das hübsche Wohn- und Gästehaus besichtigen. Beim Erdbeben sind auch hier viele Ziegel vom Dach gefallen. Wir waren seit dem Erdbeben die ersten Farmbesucher bzw. Tourteilnehmer. Der Farmmanager Louis führte uns durch den Garten in den direkt angrenzenden Dschungel. Er zeigte uns Vögel, Nutzpflanzen und Bäume wie Laureles (so hieß unser Viertel in Medellin!) und Seiba. Es hat uns große Freude gemacht, auf den schmalen
    und gewundenen Pfaden nur zu viert durch das feuchte tropische Grün zu stapfen! Louis lief öfters ein Stück voraus, um nach den Affen zu schauen. Zweimal fand er welche. Beim ersten Mal sahen wir nur flüchtige Bewegungen ganz hoch oben in den Bäumen. Aber ein Stück und ca 20min weiter : Juhu! Eine Familie von 3 - 4 rotbraunen Brüllaffen turnte da herum! Zwar weit weg und auch sehr hoch oben, aber immer wieder sekundenlang deutlich erkennbar. Allerdings ließen sie ihr Brüllen nicht ertönen. Sie blieben eine Weile im selben Baum, wo sie kopfüber hängend Blätter abrupften und fraßen, verschwanden aber auch immer wieder länger hinter den Blättern. Selbst mit 10facher Vergrößerung konnte ich sie nur schwer fotografieren. - Dann ging es teilweise so steil bergab, dass wir uns gut mit unseren Stöcken abstützen und beim Klettern an Seilen festhalten mussten. Die "Belohnung" war ein hübscher, dünner Wasserfall, an dem wir kurz pausierten. Jeder bekam ein paar Schlucke von meinem heißen Verbene ("Citron") -Tee. Nach diversen Brücken-Querungen und nun längerem steilen Bergaufklettern kamen Louis und Raphaela rasch und federnden Schrittes oben an, während unser retwas rundlicher Übersetzer Alejandro (34) und ich mühsam hinter den beiden herhechelten.
    Kaum hatten wir unsere Gläser mit köstlicher Canela-Limonade mit Mandarinensaft geleert, kam schon wieder der Jeep an, der uns zurück brachte. Alejandro zeigte uns noch das Ticketbüro für die morgige Busfahrt nach Pereira und brachte uns zu einem supergünstigen "Menu of the day"-Restaurant um die Ecke. Für 10 Euro bekamen wir beide Saft und Limonade, Gemüsesuppe mit Maiskolben-Scheiben und jeder eine leckere, vollwertige Hauptmahlzeit. (Gestern abend hatten wir im Restaurant in Filandia mehr als das Fünffache bezahlt!). Anschließend noch ein kleiner Altstadtbummel und Cappucchino (sogar mit Sojamilch) im stylischen Cafe Quindio. Daheim in unserer Ferienwohnung ruhten wir uns dann aus - ENDLICH!
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  • 1. 9. Filandia

    September 1 in Colombia ⋅ ☁️ 23 °C

    Heute Vormittag starteten wir mit dem Willy- Jeep in einen weiteren kleinen bunten Ort in der Kaffeezone - Filandia. Dort war zunächst die Verständigung mit dem Vermieter der Ferienwohnung (mangels ausreichender Spanischkenntnisse unsererseits) nicht ganz einfach. Schließlich wurden wir abgeholt. Die Wohnung lag nur 300 m vom Hauptplatz des kleinen Ortes entfernt. Dann die Qual der Wahl, wir hatten 4 Schlafzimmer zur Auswahl. Wir stärkten wir uns zunächst mit einem Kaffee und alten Resten an Gebäck. Dann ging’s weiter. Wo können wir eine weitere Tour buchen. Wir wollen morgen ins Reservat Barbas Bremen. Dort mit etwas Glück im feuchten Andenwald Brüllaffen und Vögel aufspüren. Wieder Verständigungsprobleme. Grrr! Dann half uns ein freundlicher junger Mann einen englischsprechenden Führer zu finden, mit dem wir uns telefonisch für den nächsten Vormittag verabredeten. Super, geschafft!! Wir sind gespannt auf Morgen. Den Rest des Nachmittags verbrachten wir mit ein bisschen sightseeing im Ort und einem Spaziergang zu einem Aussichtspunkt. Leider konnten wir den hohen Turm, vermutlich wegen Erdbebenschäden nicht besuchen. Wir hatten jedoch einen wunderschönen Rundblick auf die Berge .
    Katrin knurrte der Magen. Jetzt ging’s direkt ins Restaurant. Beide hatten wir leckere Garnelen in Kokossoße und Reis. Mit gut gefülltem Magen ging’s wieder rasch in die Unterkunft, vorbei an der bunt beleuchteten Kirche. Dann direkt mit einer Tasse Tee ins Bett.
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  • 31.8. Kaffeefarm von Don Edoardo

    August 31 in Colombia ⋅ 🌧 22 °C

    Heute endlich die Tour, die Raphaela hier im CAFETERO- Gebiet am wichtigsten war: Führung auf einer Kaffeefarm mit gut verständlichem Theorieteil und Verkostung. Und wir landeten - mal wieder - einen Volltreffer: Von den zig möglichen Kaffeetouren wurde uns die auf "Don Eduardos Coffeefarm" empfohlen. Sie liegt nur wenige Minuten Fußweg von unserem Hostel entfernt. Namensgeber ist ein Edward, ein Engländer, der Anfang der 2000er Jahre das allererste Hostel in Salento eröffnet hat. Obwohl - oder weil? - er selbst Chemiker war, gründete er seine kleine Bio-Kaffeezucht (nur Arabica- Kaffeesorten) - ohne Verwendung chemischer Mittel für Düngen, Pflanzenschutz etc.. Vor 2 Jahren ist er gestorben. Seine Frau und Tochter führen die Geschäfte weiter. Heute wurden wir im Freien vom sehr jungen (unter 20!) freundlichen Guide Juan empfangen, der zu unserer Freude ein sehr langsames und deutliches Englisch sprach. Außer uns nur noch ein junges französisches Paar - juhu, wieder mal eine exklusive Kleingruppe! Am unterhaltsamsten und spannendsten war zu unserer Freude der erste, d.h. der Theorieteil: 1. Infos, Fragen und Legenden über die Herkunft und Geschichte des Kaffees, úber die ökonomische Bedeutung des Kaffeeanbaus weltweit und in Kolumbien, eine detaillierte Darstellung der 24 Schritte vom Saatgut zum fertigen Kaffee. 2. Begehung der "Farm", d.h. der supersteilen 4 Hektar Anbauflächen, die etwa 10 min Fußweg vom "Infogarten" entfernt sind. Es sah hier eher aus wie in einem ziemlich wilden Obstgarten. Da Hhier mit Permakultur gearbeitet wird, befinden sich zwischen den höchstens mannshohen Kaffeestauden gefühlt ebenso viele andere Obst- und Gemüsepflanzen: schattenspendende Bananenpalmen, Ananas, Passionsfrucht, Chili, Kräuter etc. Dazwischen überall freilaufende Hühner, Katze, Truthahn... 3. Teil: wieder zurück im "Infozentrum": nun folgten Theorie und Praxis der Kaffeezubereitung: Beim Rösten, also Kaffeebohnen wie Popcorn in einer Kupferpfanne erhitzen, durften wir aktiv rühren. Es folgten Schälen und Mahlen der Bohnen sowie Kochen des Kaffees in einem hier offenbar weit verbreiteten CHEMEX- Glaskolben, der eine sanduhrähnliche Form hat. In "Origamitechnik" wird aus einem quadratischen Filterpapierfilter ein trichterförmiger Filter gefaltet und der Kaffe darin über mehrere Minuten hinweg aufgegossen. Faszinierend! Der erste Schluck des mit 87 von 100 Punkten als "exzellent" gerateten puren Kaffees schmeckte mir zunächst zu sauer. Der Geschmack veränderte sich aber positiv, nachdem wir die Verkostungstechnik von Katamaran-Rodrigo angewendet haben ;-) Das französische Paar und Raphaela kauften sich etwas von dem Kaffee: ein 125g - 📦 für 8 €, der dann in einem Barista-Cafe von Freunden auch gleich nach Wunsch gemahlen wurde.
    Den Nachmittag und Abend verbrachten wir mit alltäglichen Verrichtungen wie Einkaufen, Wäsche waschen, Geld abheben und anderem "Orga- Kram". Ich drehte nochmal eine große Runde in und um den Ort: wieder hoch über den 250 Stufen hohen Kreuzweg zum zweiten Aussichtspunkt MIRADOR, mit Blick auf die Täler hinter dem Ort. Dort ein Besuch in der Toristeninformaton, dann in einer Schleife über den Wald zurück gelaufen zum Hostel. Abends gönnten wir uns bereits zum zweiten Mal ein leckeres japanisches Essen im asiatischen Wabi-Restaurant, dessen niedrige Tischchen abends stets voll besetzt sind.
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  • 30.8. Valle de la Carbonera: Wachspalmenwald

    August 30 in Colombia ⋅ ☁️ 17 °C

    Morgens um 9 Uhr trafen wir uns zu acht vor dem Büro von Carbonera-Tours: Unser Guide Julian, der Fahrer Gustavo, (Spitzname "el Tigre", dem Namen seines Fahrzeugs), der belgische Vater Damien mit den Töchtern Naila (10) und Mattía (8), der Spanier Javier (31), Raphaela und ich. Mit einem der vielen, im gesamten Cafetero- Gebiet sehr verbreiteten und beliebten "Willys-Jeeps" ruckelten wir knappe 2 Stunden lang auf engen, kurvigen Schotterstraßen immer bergauf - mit zwei kurzen Fotostopps. Raphaela stand meistens hinten auf der Ladefläche und schaute mit dem Guide zusammen übers offene Verdeck nach draußen. Als es aber unterwegs erst zu nieseln begann und schließlich richtig regnete, zogen sich alle ihre Regenklamotten über. Schließlich musste auch das Verdeck zugeklappt werden und nun drängten wir uns auf den superschmalen Bänken innen auf der Ladefläche. Aus den 4 Riesenboxen dröhnten diverse Songs - einer davon handelte sogar von einem Willys Jeep in Salento! Wir stoppten am "Eingang" zum Reserve La Carbonera: Eine kleine Hütte am Rand einer großen, umzäunten Wiese in 3500m Höhe. Von dort unglaubliche Ausblicke nach unten in die umliegenden Täler und schlanke hohe Palmen, soweit das Auge reichte. Nach ein paar ersten trockenen Augenblicken setzte starker Regen ein. Alle flüchteten auf den schmalen Balkon der Hütte, in der ein junger Mann leider keinen Kaffee kochen konnte: das Gas war finito. Wir harrten dort mehr als eineinhalb Stunden im Stehen aus: ich kaufte mir eine Packung Patagones- Chips, die ich mir mit Raphaela und den beiden Mädchen teilte. Nachdem verschiedene Gymnastikübungen nicht die notwendige Körperwärme erzeugten, versuchte es Raphaela mit einem Stamperl Rum, den Tee musste sie sich dazu denken. Außer Wasser hatten wir nichts dabei und es gab sonst hier nichts zu kaufen. Kurz vor 13 Uhr teilte Julian zum "Lunch" Sandwiches aus, die wir im Jeep sitzend verspeisten. In der nächsten Regenpause kletterten wir hinter dem Guide her sehr steil die Wiese bergab - hinunter zur ersten Palmengruppe. Die hier stehenden ca 600 000 Palmen sind der weltgrößte Wachspalmen- Nebelwald der Welt. Raphaela staunte bzw. wunderte sich darüber., dass es hier - anders als in den Alpen- auf über 3500m noch grünes Weideland mit Kühen und so viele Bäume gibt. Julian erzählte uns einiges über die 2 Wachspalmenarten von insgesamt 7 die hier vorkommen. Es ist der kolumbianische Nationalbaum, der auch auf dem grünen 100.000 Peso- Geldschein abgebildet ist. Wir wanderten zwei Stunden lang größtenteils im Regen auf weich federnden Wiesen quer durch den atemberaubenden, lichten Palmen- Märchenwald. Aber schon nach wenigen Schritten steilen bergauf Kletterns bekam ich Atemnot - ich hatte nicht mehr daran gedacht, dass wir uns ja auf weit über 3000 m Höhe befanden. Unser letztes Ziel war der Wasserfall unten im Tal. Es war kühl hier und regnete nun wieder heftiger. Das Wasser fiel mit großer Wucht herunter, so dass sich am Ende nur der Spanier Javier hinein- und sogar dahinter wagte. Nach einem kleinen Kaffee-to-go gings auf die wieder knapp zweistündige Jeepfahrt zurück. Diesmal durfte Raphaela vorne beim Fahrer sitzen. Es hatte stark abgekühlt und wir froren zum ersten Mal in Kolumbien. In Salento war es dann viel wärmer und offenbar den ganzen Tag über trocken geblieben.Read more

  • 29.8. Ancianas ignorantes en Salento

    August 29 in Colombia ⋅ ☁️ 23 °C

    Der Titel klingt auf deutsch nicht halb so schön wie auf spanisch: "unwissende alte Frauen". Das sagte Raphaela heute mal zwischendurch und ich fand das so passend für viele unserer aktuellen Zustände, dass ich direkt nach der spanischen Übersetzung geschaut hab.
    Ich fühle mich ständig unwissend: beim Blick auf spanische Speisekarten, bei der praktischen Frage, wie und wo wir hier unsere demnächst ablaufenden SIM-Cards verlängern bzw. weiteres Datenvolumen aufladen können, ob wir wirklich den Weg mitten durch ein privates Grundstücke weiter laufen dürfen - trotz geschlossenem Gartentor und patroillierendem Hund (ja!), welchen leckeren Kräutertee uns ein freundlicher Hotelbesitzer kredenzt hat (vermutlich Verbene aus dem eigenen Garten), wo wir die von eben diesem -zufällig unterwegs getroffenen - Hotelbesitzer empfohlene Jeep- und Wandertour für morgen ins Carbonera-Tal buchen kõnnen, wo Raphaela einen Aperitiv auf der Plaza bekommt und wo ich die Tomaten fürs Frühstück... Das waren nur einige der Fragen, die sich uns HEUTE gestellt und die wir inzwischen u.a. mittels ChatGPT gelöst haben. Raphaela greift gerne nach diesem Strohhalm. Und hat so oft schnell eine zutreffende Problemlõsung parat. Mir dagegen ist ChatGPT zutiefst unsympathisch und ich misstraue den KI- Antworten erst einmal. Im allgemeinen ziehe ich es vor, lebendige PERSONEN zu befragen und sei es in noch so falschem, bruchstückhaft hervorgestottertem Spanisch...
    Aber mit der Kombination von beiden Strategien kommen wir zwei "ancianas ignorantes" bisher ganz gut durch. Wenn wir länger irgendwo sind, ist unser Wiedererkennungswert bei den Einheimischen ziemlich hoch, hihi! 😉
    Hier noch kurz, die Nachricht samt Fotos, die ich Nancy heute nach unserem Telefonat geschickt habe. Dabei habe ich sie auch gebeten, uns beiden ancianas ignorantes einen Flug nach Leticia zu buchen.
    "Hola, Nancy! Heute sind wir an diesem Hotel auf dem Gipfel von Salento (2060 m hoch) vorbei gekommen. Der kolumbianische Besitzer hat es vor 4 Jahren selbst gebaut und uns bei einem Tee alles gezeigt. Atemberaubende Ausblicke, tolle Zimmer mit geschmackvollen Möbeln und Balkon, Sauna etc. Das wäre was für ein Salento- Weekend für dich und Ricardo! "
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  • 28.8. Von Medellin über Pereira nach Salento

    August 28 in Colombia ⋅ ☁️ 27 °C

    Frühstück im Laureles Garden Hostel gibt es offiziell erst ab 8 . Deshalb haben wir es uns heute um 7 uhr selber zubereitet. Nach knappen 4 Tagen verabschieden wir uns heute von der trubeligen Stadt im Kessel. Das Taxi, das wir mit der Indrive-App bestellt hatten, brauchte heute morgen verkehrsbedingt länger. Aber kurz nach 8 Uhr standen wir am Schalter des riesigen Busbahnhofs Terminal del Sur und ich gab die von ChatGPT vorformulierten Sätze von mir: wir wollten gerne einen komfortablen Bus mit Beinfreiheit nach Pereira buchen.
    Das Prozedere ist wie am Flughafen: Reisepass zeigen, fest zugeteilte Sitzplätze auf der Bordkarte, dann durch die Sicherheitsschranke in den großen Wartebereich vor den diversen Gates. Ca. 10 min vor Abfahrt passiert man das entsprechende Gate und lässt sein großes Gepäck mit einer Nummer labeln. und in den Busbauch laden. Für 18,60 Euro dürfen wir nun 6 Stunden im gefühlt eisgekühlten Bus sitzen. Es riecht streng nach Terpentin (?), aber sogar ich kann hier die Beine fast ausstrecken.
    Nach einer halbstündigen Kaffee- und Klopause ging die Fahrt durch bis Pereira.
    Beim Blick aus den Busfenstern fielen uns auf einem zentralen, parkartigen Platz mit Grünanlage viele improvisierte Zelte aus Folien, "Partyzelten" und Schirmen auf - wohl noch Notunterkünfte nach dem Erdbeben vom 10.8. Pereira war eine der am schlimmsten betroffenen Städte. Bei näherem Hinsehen entdeckten wir auch einige Häuser mit massiven Schäden.
    Der nächste Bus nach Salento fuhr erst knappe 2 Stunden später, so dass wir im Wartebereich die Zeit absaßen. Der kleine Bus tuckerte eine Stunde lang fast durchgehend bergauf: Salento liegt immerhin auf 1900 m Höhe und ist umgeben von noch höheren Bergen.
    Ziemlich steil bergauf gings zu Fuß zum Hostel Tralala, dem zweitältesten Hostel in Salento.Es liegt direkt an einer belebten Straßenecke und ist ein Altbau mit massiven Wänden, Böden und Decken aus Holzdielen, scheibenlosen Fensteröffnungen - also nur hölzerne FensterLÄDEN. Atmosphärisch gut mit hübschem Innenhof und Galerie. aber halt super laut. Im Zimmer hört man ALLE Straßengeräusche so ungefiltert, als stünde man vor der Haustür. Mit Ohrstöpseln haben wir aber beide gut schlafen kõnnen! :-)
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    Trip start
    August 28, 2026