• Ipoh Tag 2: Geschichte über Zinnabbau

    20. Januar in Malaysia ⋅ ☁️ 29 °C

    Han Chin Pet Soo in Ipohs Altstadt ist Malaysias erstes Hakka-Zinnbergbaumuseum, eingerichtet im prächtigen Gentlemen’s Club von 1893 – ein Männerparadies mit Motto „Have fun and relax“, legalem Glücksspiel, einen Infinity-Spiegel-Tisch und striktem Frauenverbot. Die Hakka-Migranten aus China, Asiens „Juden“ als unermüdliche Unternehmer, hatten Ipoh zur Zinnmacht aufgebaut. Ein Großfeuer 1892 legte die Stadt lahm, 1925 folgte eine verheerende Flut, doch 1929 hob man den Eingang des Gebäudes an – seither trocken und kein Hochwasser mehr. Bergbauarbeiter verdienten einen Dollar täglich, genug für hundert Mahlzeiten, und bezahlten mit charmanten Zinn-Figuren, da es keine Münzen gab. 7500 Frauen planschten knöcheltief im Fluss, um Zinn zu waschen, während Männer in den Minen schufteten. Das Gewonnene wurde per Holzeimer gesammelt und mit Hilfe von Wasser-Rinnen das schwerere Zinn getrennt. Später ersetzten Maschinen den Schweiß, doch Zinn bleibt Halbleiter-König.

    Die Schattenseiten machten den Reiz aus: Opium versprach Visionen und Leichtigkeit, mündete aber in Sucht und Kater. Chinesen gambleten wie besessen, Prostituierte aus pleite-Japan füllten Bordelle ab 1893, und geheime Clubs lauerten überall – sie zwangen neu eingewandert Chinesen in ihre Reihen mit blutigem Hühner-Ritual, Treueeid und Reispapier-Diplom, bis Bergwerksbosse die Hierarchie krönten. Ein Auto für fünftausend Dollar? Für die meisten ein ferner Traum. So war Ipohs Zinn-Paradies: harte Arbeit draußen, lasterhafte Oase drin – ein fesselnder und kurzer Einblick in die Geschichte.

    Vor dem Museum treffe ich dann Ulli aus Deutschland. Wir quatschen eine Weile bis ich mir dann ein Grab-Taxi zu einem Höhlentempel bestelle.
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