GT Tag 23: Miao Hui CNY Festival
February 21 in Malaysia ⋅ ☀️ 32 °C
Zwischen den engen Gassen von George Town, dort, wo sich alte Handelshäuser mit reich verzierten Clan-Häusern und Tempeln abwechseln, erwacht an einem Abend im chinesischen Neujahr die Penang Miao Hui zum Leben. Die Straßen, sonst vom Alltagsverkehr geprägt, sind für Autos gesperrt und stattdessen von roten Laternen überspannt, die ein warmes Licht auf die bunt durcheinanderlaufende Menge werfen. Man spürt schnell: Das hier ist mehr als nur ein Straßenfest – es ist so etwas wie das kollektive Gedächtnis der chinesischen Gemeinschaft Penangs im Freien, verpackt in einen Abend voller Geräusche, Gerüche und Geschichten.Wenn man in die erste der geschmückten Straßen einbiegt, öffnen sich links und rechts die Türen der Ahnen- und Clan-Häuser, die sonst oft eher verschlossen wirken. Drinnen hängen Ahnentafeln, Schwarzweißfotos früher Einwanderer, alte Gildestandarten; draußen stehen junge Freiwillige, die erklären, aus welcher Region Chinas ihre Vorfahren kamen, welchen Beruf die frühen Migranten hatten und warum ihre Vereine bis heute existieren. Man merkt schnell, dass Miao Hui aus einer kleinen Initiative der chinesischen Gemeinschaft in den späten 1990ern entstanden ist, die damals vor allem ihre eigene Geschichte sichtbar machen wollte – und dass sich dieses Experiment über gut zwei Jahrzehnte zu einem Großereignis entwickelt hat, das heute die ganze Stadt anzieht.Mit jedem Schritt weiter in das Gewirr der Straßen verändern sich Geräuschkulisse und Atmosphäre. Vor einem Tempel donnert der Löwentanz zu dumpfen Trommelschlägen, ein paar Meter weiter singt eine Opernsängerin in voller Kostümierung, und an der nächsten Ecke sitzen ältere Herren an Tischen, schreiben kalligrafierte Neujahrswünsche auf rote Papierstreifen. Dazwischen immer wieder kleine Stände: Papierschneiden, Laternenbasteln, Teezeremonien, Kinder, die sich neugierig zwischen den Reihen durchschlängeln. Was früher in China als „Miaohui“ – eine Tempelmesse mit stark religiösem Charakter – begann, ist hier zu einem Stadtraum-Experiment geworden: Die Tempel sind nach wie vor geistiges Zentrum, aber drumherum ist ein gigantischer, begehbarer Kulturatlas entstanden, in dem Religion, Familiengeschichte, Handwerk und Vergnügen ineinanderfließen.Besonders auffällig ist, wie bewusst offen das Ganze angelegt ist. Nicht nur ethnische Chinesen sind unterwegs; man sieht malaiische Familien, indische Jugendliche, Touristengruppen aus Europa, Rucksäcke neben Kinderwagen, Kopftücher neben qipaos. Für die Organisatoren ist Miao Hui längst mehr als eine „interne“ Feier zum chinesischen Neujahr: Es ist ein Statement, dass Penangs Identität auf Vielfalt basiert und dass diese Vielfalt nicht im Museum konserviert, sondern mitten in der Altstadt lebendig gezeigt werden soll. Während man an einem Stand Reiskekse probiert und am nächsten eine Einführung in Hokkien-Redewendungen bekommt, wird klar, dass hier bewusst Brücken gebaut werden – zwischen Dialektgruppen, Generationen und Ethnien.Gegen Ende des Abends, wenn die Luft schwer von Räucherstäbchen, Straßenessen und ein wenig Feuerwerksrauch ist, lohnt es sich, für einen Moment innezuhalten – etwa vor einem der älteren Clan-Häuser, deren Fassade im Laternenlicht leuchtet. Man sieht dann deutlicher, was hinter dem bunten Spektakel steckt: Miao Hui ist aus der Sorge entstanden, dass die Geschichten der Einwanderer, die Netzwerke der Gilden und die religiösen Rituale in der modernen Stadt verloren gehen könnten. Heute ist dieses Fest genau das Gegenmittel: ein jährlich wiederkehrender, lauter, manchmal überfrachteter, aber sehr lebendiger Versuch, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der chinesischen Gemeinschaft Penangs auf die Straße zu holen. Und als Besucher läuft man nicht einfach „durch ein Event“, sondern eher durch eine offene Einladung, an dieser Identität für ein paar Stunden teilzuhaben – egal, woher man selbst kommt.
Das einzige was gestört hat, waren die unzählberen Menschenmassen und die kurze Zeitdauer des Festivals. Es begann um 16:00 und endete bereits um 23:00. Also viel zu kurz um alle 17 Stationen auch nur ansatzweise zu sehen. Zwei Tage Veranstaltung wäre da viel viel besser gewesen. Aber es war trotzdem gut, das ich verlängert habe und beim Fest dabei sein durfte.Read more































