• Kleine Oase

    April 11, 2021 in Namibia ⋅ ☀️ 25 °C

    Unser heutiger Weg führt uns nach Otjiwarongo, nördlich von Windhoek. Die Nacht haben wir nur als Zwischenstopp geplant von Etosha nach Swakopmund geplant.
    Kaum an der Unterkunft angekommenes stehen wir vor einem stattlichen Anwesen mit gusseisernem Gartenzaun. Dahinter bellen lauthals zwei Hunde. Als sie aber aus dem Garten in Richtung des Eingangstors gerannt kommen wird klar, dass sie nur ein mächtiges Organ besitzen. Zwei kleine, flauschige und wohl genährte Schoßhunde begrüßen uns mit wedelnden Schwänzchen, bis ihr Herrchen ebenfalls aus dem Haus kommt.
    Wir seien die einzigen Gäste in der Nacht und daher hat er uns auf das Hotel seiner Frau umgebucht. Das ist etwas komfortabler und nur eine Straße weiter.

    „Etwas komfortabler“ scheint jedoch die Untertreibung des Jahres zu sein. Wir checken in einem sehr noblen und modernen Hotel direkt im Zentrum ein. Hinter den hohen Betonmauern, die das gigantische Grundstück umgeben, liegt eine grüne Oase inmitten der ansonsten so dreisten Landschaft. Springbrunnen, frisch sanierte klimatisierte Zimmer und eine penibelste gepflegte Gartenanlage warten auf uns. Es ist kaum zu übersehen, dass wir auf so eine Unterkunft nicht vorbereitet sind.
    Kaum auf dem Zimmer gilt es erst einmal, den Etosha Staub abzuduschen und die Klimaanlage zu genießen. Doch dafür bleibt nicht lange Zeit, denn kurz darauf klopft eine Dame an unsere Zimmertüre und erkundigt sich, ob wir unserem Welcome Kaffee im Garten oder auf der Terrasse am Restaurant zu uns nehmen möchten... Wo sind wir denn hier gelandet? Wir entscheiden uns für die Terrasse, werfen uns in die besten Kleider, die wir dabei haben und machen uns auf den Weg.
    Im Restaurant findet gerade eine Brautparty statt und wieder kommt man sich hoffnungslos underdressed vor im Vergleich zur künftigen Braut und ihren Anhängerinnen, die alle samt in farbenfrohen Abendkleidern Sekt schlürfen und Lobeshümnen auf das Brautpaar vortragen.
    Wir nehmen im Freien Platz. Unter einem riesigem Baum, der den halben Hof in Schatten legt und damit für eine angenehme Kühle sorgt, stehen mehrere Sitzgruppen. Kaffee und Kuchen sind schon angerichtet und warten nur noch darauf, von uns ausgehungerten Etosha-Rückkehrern vernichtet zu werden.
    Eine deutschsprachige Dame gesellt sich zu uns und ist sichtlich erfreut darüber, sich austauschen zu können. Ihr gehört das Hotel, ebenso wie ein weiteres Boutique Hotel ein paar Straßen weiter und das Camp, dessen Verwaltung allerdings ihr Gatte macht. Ihre Eltern sind nach Namibia ausgewandert als sie noch ein kleines Kind war. Zunächst haben sie Stoffe importiert, später dann die Grundstücke gekauft und die Hotels gebaut. Ihren Sohn würde es allerdings wieder nach Europa ziehen, erzählt sie uns. Wir sitzen bis zum Einbruch der Nacht mit Ihr zusammen und unterhalten uns. Sie erzählt vom Leben in Namibia und den Herausforderungen. Auch, dass für dieses Jahr wieder alle Reisegesellschaften abgesagt haben und Sie nur noch die Buchungen der individuell Reisenden, wie uns, hätten.
    Sie Zeigt uns außerdem eine Erweiterung des Hotels. Mehrere große Konferenzräume sind hier gerade im entstehen. Die Regierung würde sich hier mittlerweile regelmäßig für Tagungen einmieten, da in Windhoek direkt die Abgeordneten lieber die Stadt erkunden als Politik zu betreiben. Das will Sie als neues Standbein
    Wieder einmal sehen wir ganz deutlich, wie stark Namibia vom Tourismus abhängt. Es tun sich in dieser Situation aber zwei Lager hervor.
    Die, die wie NWR alles schließen, ihr Personal vor die Türe setzen und abwarten. Und die, wie Elke, die die Zeit nutzen - Ihre Unterkünfte sanieren, investieren, ihre Angestellten halten oder sich alternative Standbeine aufbauen.

    Beim heutigen Abendessen entscheiden wir uns für etwas traditionell Südafrikanisches als Vorspeise: Boboti
    In einer Schale aus Blätterteig wird gebratenes Hackfleisch mit Rosinen und einer deftig-würzigen Soße serviert. Oben drauf kommen Bananen, Kokosraspel und ein leicht süßlicher Dip. Dazu gibt es Reis, gegrilltes Gemüse und eine gute Flasche Rotwein.
    Gefolgt von T-Bone und Rumpsteak stellen wir fest, dass es wohl billiger ist nach Namibia zu fliegen und dort zu Abend zu essen als etwas vergleichbares in Deutschland zu bezahlen.
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