• 🚗 Golden - Nelson

    September 16 in Canada ⋅ ☀️ 15 °C

    Vor uns lag eine lange Fahrt von Golden nach Nelson - mit einer genauso langen Geschichte. Unterwegs begegneten wir der Vergangenheit dieser Region.

    Zuerst brachte uns eine Fähre über den Upper Arrow Lake von Shelter Bay nach Galena Bay. Die Fähre ist Teil des öffentlichen Strassennetzes Deshalb kostet die Überfahrt nichts.

    Besonders spannend wurde es dann in Sandon. Der ehemalige Bergbauort liegt versteckt in einem schmalen Tal und ist heute eine bekannte Geisterstadt. Nur noch ein paar Menschen leben dort und kümmern sich um den Erhalt des historischen Ortes.

    Vor 135 Jahren sah es völlig anders aus. Nach Silber- und Bleifunden wuchs Sandon zur Boomtown mit über 5000 Einwohnern. Es gab 29 Hotels und 28 Saloons, Geschäfte, Zeitungen, Schulen, Kirchen, Theater und ein grosses Rotlichtviertel.

    Im engen Tal war der Platz so knapp, dass der Carpenter Creek teilweise durch eine grosse Holzrinne geleitet und überdeckt wurde. Und über dieser Holzrinne war die Hauptstrasse - der Bach floss mitten unter der Stadt durch.

    Für die damalige Zeit war Sandon sehr modern. Bereits 1897 wurde hier mit Wasserkraft Strom erzeugt - und das historische Kraftwerk produziert bis heute Strom.

    Im Kraftwerk kamen wir mit Hal Wright ins Gespräch. Er setzt sich seit Jahrzehnten für den Erhalt des Ortes ein. Auch die etwas skurrilen alten Oberleitungsbusse haben mit ihm zu tun. 2001 rettete Hal zusammen mit anderen Fans diese Busse vor der Verschrottung und brachte sie nach Sandon. Eigentlich sollten sie restauriert werden. Dafür fehlte schlussendlich aber das Geld.

    Die grosse Zeit von Sandon hielt nicht lange an. 1900 zerstörte ein Grossbrand grosse Teile der Stadt. Gleichzeitig wurden die ergiebigen Silber- und Bleivorkommen knapper und der Bergbau lohnte sich immer weniger. Viele Minen schlossen und die Menschen zogen weg. Den endgültigen Schlag brachte das Hochwasser von 1955. Der Carpenter Creek schwoll stark an, riss die hölzerne Hauptstrasse mit sich und zerstörte viele der noch verbliebenen Gebäude.

    Weiter ging unsere Fahrt über die kurvige Highway 31A nach Kaslo. Zur Zeit des Silberbooms waren die beiden Orte eng miteinander verbunden. Eine Eisenbahn brachte das Erz von Sandon hinunter nach Kaslo an den Kootenay Lake. Von dort ging es mit Schiffen weiter.

    Auch Kaslo wuchs durch den Silberboom. Früher lebten hier ca. 3000 Menschen, heute etwa gleich viele wie in Hüttikon. Trotzdem gibt es überraschend viele Geschäfte und Restaurants. Und ein hübsches historisches Zentrum.

    Direkt am See stand noch ein Stück dieser Geschichte: die SS Moyie. Der Raddampfer wurde 1898 gebaut und transportierte 59 Jahre lang Passagiere und Güter über den Kootenay Lake. Nach ihrer letzten Fahrt 1957 kaufte die Stadt Kaslo das Schiff für einen symbolischen Dollar und bewahrte es so vor der Verschrottung. Heute steht die SS Moyie an Land und ist ein Museum.

    So passte am Ende alles zusammen: Sandon hatte das Silber, die Eisenbahn brachte es nach Kaslo und von dort ging es mit den Schiffen weiter.
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