Jürgen Grieschat

Joined July 2019Living in: Pinneberg, Deutschland
  • Day21

    Durch die Westsibirische Tiefebene nach

    August 2 in Russia ⋅ 🌙 24 °C

    Tag 21
    Die meisten haben sich mittlerweile (fast) an das Frühstück in den kleinen Häusern gewöhnt. Nur das morgendliche Angebot an Brei, hier Kascha genannt, mögen immer noch nicht alle. Heute werden wir dazu mit einem Spiegelei für jeden überrascht und das obligatorische Bockwürstchen ist angebraten. Brot gibt es nach dem Geschmack der meisten oft zu spärlich. Meist sind es diagonal durchgeschnittene Scheiben, wird mehr verlangt, muss es mitunter extra bezahlt werden. Das gilt manchmal auch für eine weiter Tasse Kaffee.
    Barabinsk liegt 3 km abseits vom Sibirischen Trakt, der M 53, wie hier die Trasse heißt.
    Dorthin müssen wir also zurück.
    Das weitläufige Westsibirische Tiefland umfasst etwa 2.500.000 km² und entspricht damit etwa der siebenfachen Fläche Deutschlands. Es liegt zwischen dem Uralgebirge im Westen und dem Mittelsibirischen Bergland im Osten. Bestimmt wird das sumpfige Landschaftsbild des Westsibirischen Tieflands im Süden durch ausgedehnte Nadelwälder, die in Richtung Norden zuerst in die Taiga und dann in die Waldtundra und Tundra übergehen.
    Auf über 500 km gibt es zwischen Omsk und Novosibirsk keine Ortsdurchfahrt. Das bedeutet, das abseits der Trasse das eigentliche Leben stattfindet. Die Fahrt nach Nowosibirsk wird etwas eintöniger. Die riesigen Felder verschwinden mehr und mehr, immer sumpfigere Flächen macht sich zu beiden Seiten der Straße breit.
    Die alte Heer- und Handelsstraße, die quer durch Sibirien führte und bei Wladiwostok den Pazifi-schen Ozean erreichte, ist der Sibirische Trakt, der in Sibirien auch Moskauer Trakt genannt wird.
    Im November 1689 gab es einen Erlass des russischen Zaren, in dem der Bau einer Straßenverbindung nach Sibirien gefordert wurde. Tatsächlich wurde der Bau jedoch erst 1730 begonnen und Mitte des 18. Jahrhunderts vollendet. Noch heute folgen verschiedene Fernstraßen in Sibirien mehr oder weniger eng dem alten Verlauf dieser alten Fernstraße. Auch Ausfallstraßen aus größeren Städten tragen offiziell oder umgangssprachlich an diese Bezeichnung angelehnte Namen, z.B. „Moskauer Trakt“ oder „Irkutsker Trakt“.
    Der Sibirische Trakt begann bei Tjumen und führte über Ischim, Omsk, und Kainsk, das heutige Kuibyschew, nach Kolywan, wo er den Ob überquerte.
    Die östliche Hälfte des sibirischen Traktes begann in Tomsk und führte 1.663 km über Mariinsk, Atschinsk, Krasnojarsk, Kansk, Nischneudinsk nach Irkutsk. Von Irkutsk führte der Hauptweg um den Baikalsee nach Werchne-Udinsk, das heutige Ulan-Ude, von wo die Südroute nach Kjachta zur chinesischen Grenze führte. Die nördliche Route führte von Ulan-Ude nach Tschita und weiter ging es auf der Schilka und dem Amur in das heutige Chabarowsk, anschließend nach Wladiwostok. Die Gesamtentfernung Tjumen - Wladiwostok betrug 7.793 km.
    Die zunehmende Hitze macht den meisten schon zu schaffen. Die geplante kleine Rundfahrt durch Nowosibirsk mit den Motorrädern lasse ich deswegen aus. Zudem ist wird an diesem Freitagnachmittag vielen Straßen der Stadt gebaut ist und der Verkehr ist gewaltig. Wir fahren direkt zum Hotel und treffen dort nach dem Einchecken und Frischmachen auf Irina, mit der wir anschließend zum Eisenbahnmuseum und zu dem beeindruckenden Bahnhof, gehen, der in seiner Gebäudeform einer Dampflokomotive nachempfunden ist.
    Nach einem kurzen Zwischenstopp im Hotel gehen wir zum Abendessen in ein Café-Restaurant, das ich im Winter schon ausgemacht hatte. Wie fast überall in Russland ist dort am Freitagabend. Ein Gesangsduo gibt sich alle erdenkliche Mühe, die Gäste zu unterhalten. Zwischendurch läuft Musik vom Band. Es wird getanzt, ein Geburtstag wird gefeiert und mit einer Polizistin muss ich auf ihre Beförderung zum Major anstoßen. Wir essen recht gut und überall fließt viel Wodka. Wieder mal für alle eine eindrucksvolle Erfahrung. Aber dann ist auch schnell für die meisten Schluss, da alle rechtschaffen müde sind.
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  • Day20

    Von Asowo über Omsk nach Barabinsk

    August 1 in Russia ⋅ ⛅ 26 °C

    Tag 20
    Von Asowo fahren wir nach Omsk, die mit 1,2 Millionen Einwohnern zweitgrößte Stadt Russlands hinter dem Ural und achtgrößte Stadt des Landes am Zusammenfluss von Irtysch und Om.
    1716 von einem Trupp eines deutschstämmigen Oberstleutnants in der russischen Armee gegründet, diente der Ort als Grenzfestung gegen Überfälle aus dem Südosten, aber auch als Stützpunkt für die weitere Erschließung Sibiriens.
    Unser Besuch gilt der Lutheraner Kirche, der größten Kirche in Sibirien. Sie steht allen Konfessionen offen und bietet Platz für 400 Personen. Gebaut mit deutschen Mitteln, nach deutschen Entwürfen und unter deutscher Aufsicht. Bei sibirischen Verhältnissen ist das nicht ganz so einfach. Allein die Heizkosten „fressen“ einen Teil des Budgets der Kirche auf. Dazu müssen die Nachbesserungen gemacht werden, weil zwischen der Vorstellung eines Kirchenbaues in Deutschland und der russischen Realität inklusive eines russischen Winters doch Differenzen zu finden sind. Dazu muss der laufende Betrieb des Bistums bezahlt werden. Von hier aus werden 60 Pastoren auf 120 Pfarrstellen in einem Gebiet versorgt, das 36 mal größer ist als Deutschland.
    Anschließend trennen wir uns. Egon fährt zu einer Schwerhörenden Schule. Dort gibt er, wie auch schon im letzten Jahr, einige Hörgeräte und Batterien aus unserer Charityaktion ab, zur großen Freude der Leiterin. Dann macht er sich mit drei Begleitern auf den Weg zu einer „Werkstatt“, die ihm Freunde genannt hatten. In der Werkstatt eines Motoradclubs müssen sie ein wenig warten. Doch dann geht es zügig zur Sache. Bei der Roxter ist es glücklicherweise kein Lagerschaden, die Geräusche werden durch eine gebrochene Feder in der Einspritzanlage verursacht. Sie wird nachgebogen und es geht wieder. Nur die anschließende Synchronisation ist etwas zeitraubend. Dagegen ist das Ersetzen einer verlorenen Schraube bei der 800 GS ein Klacks. Nur das „Stottern“ der bei der 650 GS lässt sich nicht nachprüfen. Es bleibt bei unserer Vermutung, dass es sich um schlechtes Benzin oder Benzin oder um Wasser im Tank handeln müsste. Anschließend machen sie sich die vier mit fünf Stunden Verspätung auf den Weg zu uns.
    Wie schon am Tag zuvor fahren wir auf dem sibirischen Trakt weiter durch das Westsibirische Tiefland ostwärts Richtung Nowosibirsk. Für viel erstaunlich, dass sich alle diese Passage als langweilig vorgestellt hatten. Aber dem ist gar nicht so. Immer wieder gibt es Neues zu entdecken. Sumpfige Gebiete, viele Birkeninseln, z.T. parkähnliche Landschaften und Weite. Wir halten gelegentlich an, um diese Weite auf uns einwirken zu lassen, tanken, stoppen auf einen Imbiss oder einen Kaffee.
    Das Hotel in Barabinsk ist russischer Standard. Nach der Vorstellung der Rezeptionistin sollen wir in 4-Bett-Zimmern schlafen. Das sehe ich anders, zumal wir auch anders gebucht haben. Schließlich können wir es aber zur Zufriedenheit aller regeln. Mit einigen mache ich noch einen Abstecher nach Kuibyschew. Das ist die ältere und ehemals wichtigere Stadt in der Nähe. Aber auch hier ist das Beste schon abgefallen. Beeindruckend sind aber hier, wie auch in anderen Orten die zahlreichen und oft großen Kinderspielplätze. Daran könnte man sich in Deutschland ein Beispiel nehmen. Unterwegs werden wir widerholt angesprochen, nach unserem Woher und Wohin befragt, zu einem bevorstehenden Motoradtreffen am kommenden Wochenende eingeladen und mit ‚Daumen hoch‘ verabschiedet.
    Wie so oft, ist sind die Betreiber des Hotels andere als die des Restaurants. Das Essen ist ordentlich, nur Bier bekommen wir im Restaurant nicht. Man hat keine Lizenz, ein Problem, auf das wir schon an anderer Stelle gestoßen sind! Also besorgen wir es uns aus dem benachbarten Supermarkt.
    Als die vier Nachzügler kommen, ist das Essen, obwohl in Styroporboxen verpackt, schon kalt. Da es im Hotel auch nur eine Mikrowelle zum Aufwärmen gibt, müssen die vier eben damit klarkommen. Ein Aufenthaltsraum wie in vielen anderen Häusern gibt es in diesem Hotel nicht, denn müssen sie eben auf den Zimmern essen.
    Zwischenzeitlich haben wir im Supermarkt gleich um die Ecke noch ein paar Getränke besorgt. Damit rücken wir noch vor der Rezeption zusammen und haben einen geselligen Abend, an dem es viel zu erzählen gibt.
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  • Day19

    Nach Asowo in den Deutschen Kreis

    July 31 in Russia ⋅ ☁️ 20 °C

    Tag 19
    Unser Frühstück in der Tour-Basa ist landestypisch und zwar so sehr, wie wir es auf dieser Reise noch nicht hatten. Im Speisesaal, der ausschließlich für uns eingedeckt ist, gibt es Butterbrot - ohne Butter, einen Teller mit Buchweizengrütze, einen Teller mit 2 Spiegeleiern, einem Würstchen, Ketchup und Gurkenscheiben und Tomatenstückchen. Und Brot natürlich. Dazu wahlweise Nescafe oder Tee.
    Es sind relativ junge Leute, die dieses Lager als „Bisiness“ betreiben. Selbst im Winter müssten sie nicht schließen, weil hier auch viele Familienfeiern stattfinden. Aber auch Wintersport wird im Umfeld betrieben. Natürlich muss ein Abschiedsfoto für die Reklame-Wand gemacht werden und wir versprechen wieder zu kommen.
    So wie ich vorausgesagt hatte, ist nach der trockenen Nacht und dem leichten Wind der Feldweg zurück kein Problem. Die Pfützen sind fast weg. Wie sagt Egon doch immer: Mache dir Gedanken um Probleme erst dann, wenn sie wirklich auftauchen.
    Bei klarem Himmel geht es auf die „Autobahn“ in Richtung Omsk. Seitdem Kasachstan eigenständig wurde, ist diese Strecke die Hauptroute. Sie ist in den letzten Jahren grundlegend ausgebaut worden und in einem guten Zustand. Keine Baustelle behindert den Verkehr auf der heutigen Etappe. Die Temperaturen steigen langsam von angenehmen 20° C zu Beginn des Reisetages auf 30 Grad am späten Nachmittag.
    Wir fahren wieder in Kleingruppen und treffen uns sich entlang der Strecke an verabredeten Plätzen zu einem Kaffee, zum Tanken. Verfahren kann man sich nicht, denn auf der heutigen Streckenlänge von 400 km gibt es nur zwei Abzweigungen. Unfälle sehen wir glücklicherweise nicht. Dafür aber Motorräder, die uns entgegenkommen und an einer Raststätte einen Motorradwanderer mit seiner 125er. Eine unserer BMWs gibt verdächtige Geräusche von sich. Mal sehen, was das werden soll.
    Unterwegs kann ich endlich noch telefonisch einige Erfolgsmeldungen verzeichnen. Dank Darias Hilfe aus Moskau bekommen wir ein Programm am Zielort. In Asowo, dem Ziel der heutigen Reise, machen wir uns mit weiteren Eigenheiten des Landes, insbesondere auf den Dörfern, vertraut. Wir belegen sämtliche neun Zimmer des zum Verkauf stehenden Hotels, so müssen auch die, die Einzelzimmer gebucht hatten, sich mit einem anderen ein Doppelzimmer teilen. Abendbrot gibt es erst um 21.00 Uhr, wenn nämlich alle Küchenkräfte vom Feld zurück sind. Um 20.00 Uhr werden wir zu einem Museumsbesuch abgeholt. Im Hotel gibt es nur einige Flaschen Bier und auch nur 8 Biergläser. Zum Glück ist schräg gegenüber eine Brauerei, aus der Egon und ich 12 Flaschen Bier holen, à 1,5 Liter.
    Marina ist die Leiterin des örtlichen Heimatkunde-Museums, in dem die Geschichte der Russlanddeutschen zusammengetragen ist. Er kennt die attraktive Blondine bereits aus dem Vorjahr. Sie stellt uns auch ihren achtjährigen Enkel vor, obwohl sie selbst glatt als Endvierzigerin geschätzt wird. Das Museum ist eine Heimatstube mit viel Bezug zum Dorf Asowo, so dass wir nach viel über die Geschichte der Deutschen in der Region und in Russland erklären müssen. 13.000 Einwohner hat Asowo heute, aber nur eine ganz geringe Anzahl von ihnen sind Deutsche. Als es die Möglichkeit gab sind etwa 8.000 von ihnen nach Deutschland ausgewandert. Man hatte die Nase voll, über 40 Jahren als einzige Nationalität eingesperrt zu sein, Repressionen zu erleiden und die Muttersprache, die deutschen Sprache bei Strafe nicht sprechen zu dürfen. Inzwischen sind die Bauernstellen im Dorf überwiegend von Kasachen und Russen eingenommen worden. Überall sind die Spuren dieses Exodus zu erkennen: Häuser wurden nicht fertig gebaut, Straßen enden im Nirgendwo, Plätze mit Geschäften zeigen viel Leerstand. In der kurzen Blütezeit in den 80/90-iger Jahren sammelte man sich in dieser Region, in der alten Heimat, in der bis 1942 sehr viele Deutsche als freie Bauern gelebt hatten, und gründete einen deutschen Nationalkreis.
    Dann ist es Zeit fürs Abendbrot. Die Kartoffelspalten schwimmen in Butter, das Stück Fleisch ist deftig und alles ist mit grünen Kräutern und Knoblauch gut gewürzt. Wir sind eben in Sibirien, wo man deftiges Essen liebt, dazu noch in einer ehemals deutschen Gegend!
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  • Day18

    Endlich Sibirien

    July 30 in Russia ⋅ ☀️ 15 °C

    Tag 18
    Wir durchfahren heute die Region Tjumen – zur Relation, sie ist so groß wie Spanien! Im Ural-Gebiet finden wir offensichtliche Anpflanzungen von Nadelwald. Dann kommt die Grenze zu Sibirien, ein unscheinbares Schild am Wegesrand, leicht zu übersehen. Aber gewusst wo – natürlich Gelegenheit für einen Fotostopp. Unendlich große Felder und riesige Stallungen befinden sich entlang der Straße. Das Land ist unglaublich eben. Die Wolken hängen anfangs noch sehr tief. Aber es regnet nicht mehr und die Temperaturen steigen langsam auf über 20 Grad.
    In der Region Tjumen wird in Teil des russischen Erdgases und des Erdöls gefördert. Vor allem aber ist die Stadt Tjumen das Verwaltungszentrum für diesen Wirtschaftszweig. Deshalb sind die Einkommen hier relativ hoch. Man findet Menschen, die gleich oder mehr verdienen als wir in Deutschland. Bei den niedrigen Lebenshaltungskosten in Russland bleibt dann natürlich deutlich mehr Geld für den Konsum übrig. Ganze Siedlungen von Einfamilienhäusern entstehen am Stadtrand. Manche der Siedlungen sind von Mauern umgeben und haben einen eigenen Sicherheitsdienst. Die Fahrt durch die Stadt ist eindrucksvoll. Eine Reihe von Erinnerungen kommen auf, denn Egon und ich waren im Februar zusammen mit Stefan Semken schon mal hier, um eine Route und ein Programm für eine Winterreise mit einem Auto im nächsten Jahr zu erkunden.
    Die Fahrt durch die Stadt ist schon eindrucksvoll, für die Teilnehmer vor allem unerwartet! Wir verlassen Tjumen auf Nebenstraßen und fahren dann auf der E 22 weiter ostwärts. Die Nähe zu Kasachstan macht sich bemerkbar. Der Verkehr ist dichter, die Magistrale hat teilweise zwei Spuren je Richtung. Es zeigen sich die ersten Verschleißerscheinungen an den Motorrädern, eine Kleinigkeit kommt zur nächsten.
    Gegen 18.00 Uhr erreichen wir das „Hotel“, eine „Tour-Basa“, im Deutschen zu übersetzen mit Wanderheim, eine Ferienanlage. Der Weg dorthin führt von der geteerten Straße 1,3 km auf einer Piste, was nach dem Regen der letzten Tage nicht ganz ohne ist. Meine Hinweise zum Fahren auf solchen Strecken können auch von fast allen umgesetzt werden. Die paar Wegrutscher gehen glimpflich auch, kratzen maximal am Ego. Wir werden herzlich empfangen. Das Heim ist ausgezeichnet. Die Quartiere befinden sich in doppelstöckigen Blockhäusern. Das Essen ist super. Die Sauna kostet extra, aber uns ist eher warm genug und der Flussarm, an dem das Gelände liegt, lädt förmlich zum Baden ein. Nach dem kehrt Ruhe ein, jeder hat seinen Rhythmus gefunden. Morgen ist wieder ein längerer Tag, es geht etwa 400 km über die Trasse und wir verlieren wieder eine Stunde durch eine weitere Zeitzone!
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  • Day17

    Nach Irbit mit seinen Ural-Motorrädern

    July 29 in Russia ⋅ ⛅ 12 °C

    Tag 17

    Es regnet leicht, als wir Bingi und damit Olga und Stefan und damit ihr schönes Zuhause mit der großartigen Küche verlassen. Vielleicht weint der Himmel deswegen ein wenig. Und es wird nicht weniger. Es regnet nahezu die gesamte Strecke. Zum Glück ist die heutige Etappe nicht so lang. Wir begegnen Milchlastern, reifen Getreidefeldern und viel Wald, Sibirien kündigt sich an. Die Straßen sind besser als in den letzten Jahren. Am Ortseingang von Irbit werden wir von Sergei erwartet. Er ist Manager für Tourismus in dieser Stadt. Dank unserer langjährigen Freundschaft mit ihm und seiner guten Organisation können wir an einem Montag, an dem nahezu alle Museen Ruhetag haben, nicht nur ein Ural-Motorradmuseum drei besuchen, sondern alle drei (!), die es inzwischen in Irbit gibt. Um alles komplett zu machen und noch zu toppen, bekommen wir noch eine Werksführung im „Ural-Motorradwerk“. Alexander, sein Leiter begleitet uns persönlich. Etwa 1000 dieser Maschinen werden hier jährlich in Handarbeit zusammengefügt und exportiert. Die Produktion ist schon im Voraus verkauft. Die meisten Motorräder gehen in die USA und nach Japan, aber einige auch nach Europa. Aus meinem Umfeld sind es vier oder fünf, die ein solches Motorrad besitzen, u.a. Jan, der mit von der Partie ist und der mit besonders großen Augen durch die Werkhalle geht. Neue Ural-Gespanne werden in Russland wenig bis gar nicht verkauft, da sie hier über 10 000 Euro kosten. Lieber kauft man für das Geld einen chinesischen Kleinwagen oder ein gebrauchtes Auto japanischer Produktion und sitzt warm und trocken. Und wenn schon ein Motorrad, dann eine Harley, etwas chopperähnliches oder eine Reiseenduro. Selbst technikfremden fällt auf, dass der Motor nicht von BMW ist. Er ist in Hubraum und in der Steuerung so modifiziert worden, dass nur die Form des Motors Ähnlichkeiten mit einem BMW-Boxer hat. Mittlerweile werden bei Ural auch moderne Einspritztechnik und Elektrosteckverbindungen, hydraulische Bremssysteme von Brembo und Reifen von Heidenau verbaut.
    Die 41.500 Einwohner zählende Stadt Irbit wurde im Jahre 1631 gegründet und entwickelte sich rasch aufgrund der günstigen Verkehrslage. An den alten, zum Teil im Ursprung wunderschönen Häusern ist das noch abzusehen. Leider ist aber sehr viel dem Verfall preisgegeben. Schade!
    Unser Hotel ist guter russischer Standard. Weil aber alle nach der Ankunft gleich duschen wollen, ist das warme Wasser schnell zu Ende. Es gibt im Restaurant gibt es zwar genug Bier, aber keine 15 Biergläser. Und die Bestellungen müssen sofort bezahlt werden. Der Hauptgang besteht aus einem dünnen Schnitzel mit Käse überbacken und Kartoffelpüree. Die Zimmer sind geräumig, die Sanitäreinrichtungen sauber - es ist das beste Haus am Platze.
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  • Day16

    Bingi und mehr

    July 28 in Russia ⋅ 🌧 18 °C

    Bingi gibt eine gute Gelegenheit, russisches Dorfleben hautnah zu erfahren. Es besteht die Möglichkeit zu einem Ruhetag in Bingi, was einige nutzen. Mit den meisten fahren Stefan Semken und ich auf eine Rundtour Richtung Jekaterinburg. Wir besuchen zunächst in der Nähe des schöne alte Haus und fahren dann weiter nach Pyschma, am Stadtrand von Jekaterinburg. Dort gibet es ein riesiges Fahrzeugmuseum mit alten Autos und vor allem mit Militärfahrzeugen jeder Art.
    Danach erreichen wir Ganina Jama, den Ort, an dem die Überreste des letzten russischen Zaren und seine Familie nach ihrer Ermordung verbrannt und verscharrt wurden.
    Auf dem Rückweg machen wir noch einen Abstecher nach Nowouralsk, dass bis heute noch eine geschlossene Stadt ist. Dann fahren wir weiter nach Newjansk. Hauptsehenswürdigkeit dort ist der Schiefe Turm, ein 1725-40 im Auftrag der Unternehmerfamilie Demidow errichteter Wachturm. Die Achse des 57,5 Meter hohen Turms weicht an der Spitze um 2,20 Meter von der Vertikalen ab und ist bewusst so gebaut worden. Die Abbildung des schiefen Turms ist auch auf dem Stadtwappen von Newjansk zu sehen.
    Nach den schwülen Temperaturen von ca. 30 Grad kommt eben nach unsere Rückkehr in unser Quartier plötzlich der Regen. Was wir als Wolkenbruch kennen, ist hier normal. Nach einer Stunde ist aber auch alles wieder vorbei.
    Nach dem Abendbrot sitzen wir wieder zusammen, tauschen Erlebnisse aus und sortieren Bilder.
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  • Day15

    Mal wieder in Bingi

    July 27 in Russia ⋅ ☁️ 15 °C

    Tag 15

    Seit zwei Wochen sind wir nun schon in Russland unterwegs, länger als viele Menschen Urlaub haben. Für uns fängt er jetzt erst richtig an. Und wir sind im Ural, noch nicht einmal in Sibirien. Das fängt erst später an.
    Zum Frühstück werden wir abgeholt. Es geht gemütlich los. Dann haben wir wieder alles „gesattelt“ und erhalten noch von Dimitris Kollegen Alexander den Reisesegen, um unsere Weiterfahrt unfallfrei zu überstehen.
    Auf der Ostseite des Urals fahren wir entlang beeindruckender Landschaft an Nischni Tagil vorbei Richtung Newjansk. An der Trasse holt uns Stefan ab, bringt Monika mit, die schon ein paar Tage zuvor zu ihm geflogen war. Gemeinsam fahren auf den örtlichen Flugplatz der zur Ausbildung von Fallschirmspringern genutzt wird.
    Wer will - und es wollen fast alle - kann mit einer AN 2, dem größten Doppeldecker der Welt, der bis 1992 gebaut wurde, einen Rundflug machen. Schon beeindruckend, die Gegend, die Egon, Tom und ich schon recht gut kennen, mal aus der Luft zu sehen.
    Dann geht es weiter nach Bingi zu Stefan und Olga Semken. Egon und Monika werden zum Bierholen abgeordnet. Sie sollen 20 Flaschen Bier à 1,5 l mitbringen. Im Verkaufsraum der Brauerei wird das Bier in speziellen Zapfeinrichtungen in Plastikflaschen gefüllt. Die Grundstoffe für dieses Gebräu stammen aus Deutschland, was dieses Bier zu einer Qualitätsmarke macht. Hinter Egon bildet sich im Laden eine längere Schlange. „Es sind Deutsche im Ort, das Bier wird knapp!“ wird gelästert.
    Als er mit dem Bier und Knabberkram bei Stefan ankommt, haben schon alle „abgesattelt“ und rufen nach Bier. Nach dem Begrüßungsschluck geht es an das Verteilen der Betten. Dann wird geklönt und bald ist schon Abendbrotzeit. Dabei gehen auch noch die Wodka-Flaschen herum. Wir diskutieren noch lange, und Stefan, Reinhard, Egon und ich müssen noch einige Fragen zu Russland und speziell zur Region beantworten.
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  • Day14

    Über den Ural nach Kuschwa

    July 26 in Russia ⋅ ⛅ 20 °C

    Tag 14

    Die westlich des Ural-Gebirges liegende Stadt Perm gehört zu den weniger bekannten Touristenzielen an der Transsibirischen Eisenbahn. Perm verdankt seine Existenz dem Kupfererz, das hier in der Regierungszeit Peters I. entdeckt wurde. 1723 wurde die Siedlung gegründet, die 1780 die Stadtrechte erhielt. Auch heute ist die Stadt an der Kama ein wichtiges Industriezentrum. Hier hat der Ölgigant Lukoil seinen Hauptsitz, hier werden Flugzeugturbinen gebaut, stark ist auch die Chemie- und die holzverarbeitende Industrie. Dass Perm immer noch eine „große Unbekannte“ ist, verdankt es seiner jahrzehntelangen Existenz als „geschlossene Stadt“. Als Zentrum der sowjetischen Rüstungsindustrie war sie für Ausländer unzugänglich; erst seit 1991 darf sie besucht werden.
    Perm war bis vor wenigen Jahren die östlichste Millionenstadt Europas, wurde aber inzwischen von der baschkirischen Metropole Ufa überflügelt. In Perm leben heute knapp unter einer Millionen Menschen. Die Stadt versteht sich als „Tor nach Asien“.
    Perm liegt an der Kama, die hier breiter ist als die Wolga in Kasan. Es sind nicht viele historische Gebäude erhalten, einige in der Nähe des alten Bahnhofs und des Flussbahnhofes und dann noch das so genannte „Schiwago-Haus“. In Pasternaks berühmten Roman ist das hellblau angestrichene Gebäude an der uliza Lenina 13 A das „Haus mit den Figuren“. In Wirklichkeit heißt es nach seinem Bauherrn Gribuschin-Haus und ist ein Beispiel für eine lokale Spielart des Jugendstils.
    Erste Station an der Strecke ist das Straflager Perm 36. Es wurde 1946 gegründet, zunächst für alle möglichen Inhaftierten, dann nach Stalins Tot für korrupte Polizeibeamte. Später kamen politische Widersacher hierher. Erst 1988/89 wurde es aufgelöst und wird von einer privaten Organisation betrieben. Hauptsächlich Ausländer kommen hierher. Es gibt derzeit noch etliche solcher Arbeitslager in der Umgebung, allerdings nur für kriminelle Häftlinge. Große Freude bei Sergej, dem Leiter des Museums, als er uns wieder erkennt. Er lässt es sich nicht nehmen und führt uns selbst.
    Dann überqueren wir langsam den Ural. Bewegte sich der Höhenmesser zwischen 150 und 250 m, so steigt das Gelände nach der Stadt Tschussowoi auf unglaubliche 400 bis 450 m an. Wir stoppen am Denkmal Europa - Asien und werden von Mitgliedern der Motorradgruppe aus Kuschwa erwartet. Ein paar Fotos, dann folgen wir ihnen nach Asien.
    Kuschwa ist heute eine Stadt in der Oblast Swerdlowsk mit 30.000 Einwohnern. Sie liegt am Ostrand des Ural im Quellgebiet des Flusses Tura. An Stelle der heutigen Stadt entstanden 1735 Bergwerk, Eisenhütte und Siedlung auf Grundlage des Abbaus der bedeutenden Eisenerzlagerstätte. Wir werden im Gemeindehaus herzlich empfangen. Trinken Tee, essen eine Kleinigkeit und besuchen dann die Erzengel-Michael-Kathedrale. Dann parken wir die Motorräder in den kircheneigenen Garagen, ziehen uns um und werden ins Café gefahren. Dort gibt es ein leckeres, von Ludmilla zubereitetes Abendessen: Wurst, Käse, Brot und Gemüse und ein hervorragend gefüllter Lachs. Vorspeise ist ein Salat, Hauptspeise Gulasch und ansonsten können wir zulangen wie wir möchten. Auch die Getränke kommen nicht zu kurz. Danach werden wir auf vier Wohnungen aufgeteilt. Es sind Gästewohnungen von Privatleuten, die sonst leer stehen oder tage- bzw. wochenweise vermietet werden. Alles ist nach unseren Maßstäben einfach, aber alles ist vorhanden.
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  • Day13

    Auf dem Weg nach Perm

    July 25 in Russia ⋅ ⛅ 19 °C

    Tag 13

    Stanislav und Solomon holen uns am Hotel ab und begleiten uns mit ihren Motorrädern zu unserem Termin in der armenischen Kirche von Ischewsk. Rafael, einer aus Egons Verwandtschaft, hat es arrangiert. Der Gemeindevorsteher Herr Mnaz Arakelyan ist vor Ort, begrüßt uns und erklärt uns das Leben der Armenier in der Diaspora. Anschließend zeigt er uns die Kirche und die angegliederte Schule. Egon überreicht ihm als Gruß einen alten Ziegelstein, der aus der Marienkirche in Lübeck stammt. Eine sehr herzliche Begegnung, die auf uns alle noch lange nachwirkt. Die Jungs eskortieren uns noch bis zum Ortsausgang. Dann fahren wir Richtung Ost-Nord-Ost entlang von großen Kartoffel- und Buchweizenfelder. Der erste Ort, den wir durchqueren ist Wotkinsk, eine Industriestadt mit knapp 100.000 Ein¬wohnern. Sie erstreckt sich entlang des Ufers des „Wotkinsker Teiches“, eines durch Aufstauung des Flusses Wotka - nicht Wodka! - entstandenen Sees. Hier gibt es, wie in Ishewsk, zahlreiche Fabriken, unter anderem den Maschinenbaubetrieb Wotkinski Sawod, der auf ein im 18. Jahrhundert errichtetes Hammerwerk zurückgeht und in dem heute Interkontinentalraketen produziert werden. Wotkinsk ist die Geburtsstadt von Pjotr Iljitsch Tschaikowski. Sein Vater war hier Direktor dieser Fabrik. Der Komponist verbrachte hier die ersten acht Jahre seines Lebens. Vor uns quert eine große Gruppe mit Kindern aus einem Ferienlager die Straße. Ale sie uns erblicken, geratend völlig aus dem Häuschen und sind in ihrer Freude von den Betreuerinnen kaum zu bändigen. Im Nu sind wir umringt und müssen über unser Woher und Wohin erzählen.
    Je nördlicher wir aber kommen, desto mehr nimmt der Wald zu, die großen Kartoffel- und Buchweizenfelder werden weniger. Die Temperaturen steigen auf 27-30° C. Obwohl der Straßenzustand „durchwachsen“ ist, kommen wir gut voran. Schon vor 16.00 Uhr sind wir in der Industriestadt Perm und checken eine halbe Stunde später im Hotel ein. Ein paar Dinge sind in den letzten Tagen vielleicht etwas zu kurz gekommen, kleine Wäsche machen, sich und die Bilder sortieren, Motorräder durchsehen, schreiben. Gute Gelegenheit das hier nachzuholen. Einige wollen sich einfach nur ausruhen, denn die Hitze und das konzentrierte Fahren schlaucht doch.
    Bereits um 18.30 sind wir beim Abendbrot. Zum Ende des Essens stehen mit einem Mal Gläser mit Whisky für uns alle auf dem Tisch und anschließend noch eine Flasche Jack Daniels, die in Russland ca. 120 Euro kostet. Ein russischer Gast am Nachbartisch hat bemerkt, dass wir Deutsche sind und wollte einfach nur einen ausgeben. Er arbeitet in der Elektronik-Abteilung für die Landwirtschaft, ist viel im Ausland unterwegs und möchte, dass wir uns wohlfühlen. Wir haben nicht nur den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht, sondern einen weiteren Höhepunkt.
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  • Day13

    Zwischenstand

    July 25 in Russia ⋅ ☀️ 16 °C

    Sibirien-Mongolei 2019
    Moin an alle Leser, wie leicht zu sehen ist, hänge ich mit meinen Texten und Bildern etwas hinterher. Ihr möget mir verzeihen, aber die Tage sind schon gut ausgefüllt, immer wieder ergibt sich etwas Neues, auch und gerade wegen der aktuellen Lage in Russland - erneute Hochwasser in Tulun, Brände in der Region Krasnojansk und am Baikal und gerade in der letzten Zeit war die WLAN Verbindung - hier Wifi genannt - mitunter nicht oder nur schwach vorhanden, manchmal blockiert? Die MOTTOUREN Homepage kann ich z.B. seit einiger Zeit nicht erreichen. Aber bei nächste Gelegenheit mehr! Besten Gruß aus der deutschen Region Asowo südlich von Omsk, JürgenRead more

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