Funkythomas

„Ein neues Leben beginnt, wenn Du verstanden hast, dass Du nur eins hast“ Dann heißt es: „Träume nicht Dein Leben, sondern lebe Deinen Traum.“
Living in: Berlin, Deutschland
  • Day39

    Abschließende Gedanken + Danksagung

    November 8 in Germany ⋅ ☀️ 5 °C

    Ich bin auf dem direkten Weg nach Hause und werde morgen Nachmittag eintreffen. Es wird eine reine Autobahnfahrt, weshalb ich wahrscheinlich nicht mehr viel erleben werde. Heile ankommen, das ist das Ziel. Ich bin froh, es noch vor dem Schnee geschafft zu haben und freue mich auch auf Zuhause. Doch begleiten mich auch ein paar wehmütige Gedanken, denn es war aufregend, schön und auch erfahrungsreich.

    Jetzt scheint mir der richtige Zeitpunkt zu sein, „Danke“ zu sagen:

    Die Idee, diese Reise zu machen, entstand in einer wirren Mischung aus Frust, Trotz, Abenteuerlust und dem Gefühl „ Wenn nicht jetzt, wann dann?“

    Vieles ist in den letzten 24 Monaten passiert, was mich tief berührt hat. Sowohl positiv wie auch negativ. Träume sind geplatzt, eine 40-Jahre alte Freundschaft ist abrupt beendet, nie dagewesene berufliche Herausforderungen sorgten für Stress und ich muss mich auf einen neuen Lebensabschnitt vorbereiten.
    Vieles ist zu bedenken und mit Vielem muss ich ins Reine kommen.

    Die größte Herausforderung war, diese Tour alleine zu machen. Ich bin nicht gerne alleine unterwegs. Doch ich war nicht alleine: Niemals hätte ich gedacht, dass sich so viele gedanklich auf meinen „Soziussitz“ setzen und Ihre Gedanken mit mir teilen. Sei es in Form von Kommentaren, per Email, Telefon, WhatsApp oder über Dritte. Vielen vielen Dank an Euch alle, die ihr mich in Gedanken begleitet habt! 🥰
    Ohne Euch hätte ich es nicht geschafft!

    Das ist kein Spruch!
    Es gibt etwas, was sich gegenüber meiner Reise vor 40 Jahren geändert hat:
    Damals gab es kein Internet, kein „Social Network“, keine Fernseher in den Bars und Restaurants. Wer sich unterhalten wollte, musste dies persönlich tun. Was ich damit sagen will? Dass es heute ungleich schwieriger ist, in Kontakt zu kommen, denn die meisten sitzen an ihren Handys und kommunizieren mit Personen, die gar nicht da sind und haben deshalb für Anwesende keine Zeit.
    Damals waren die Menschen einfach offener. Schon aus Mangel an Alternative.
    Ich habe mich täglich bemüht, und zwar aktiv und extrovertiert, andere kennenzulernen. Es ist mir aber nicht jeden Tag gelungen.
    Deshalb vielen Dank an Euch! Die Kontakte zu Euch haben einem Einsamkeitssyndrom entgegengewirkt. Und deshalb: Ohne Euch hätte ich es nicht geschafft!

    Ein paar weitergehende Gedanken:

    Es gibt eine Sache, die mich als Motorradfahrer von Anfang an begeistert hat: Der ungeschriebene Zusammenhalt der Fahrer. Das gegenseitige Grüßen mag man für blöd befinden. Aber wenn ich mit meiner Maschine am Wegesrand stand, zum Beispiel weil ich fotografieren oder mich orientieren wollte, haben mich die Motorradfahrer mit hochgerecktem Daumen gefragt, ob alles i.O. ist oder ob ich Hilfe benötige. Alle!! Kein Autofahrer hat gefragt!
    DAS mag ich an dieser Gemeinschaft!

    Mir wurden viele Fragen zur Reise gestellt, die ich hier gerne zusammenfassen möchte:

    Die drei wichtigsten Zubehörteile an der Maschine?
    1. Die hohe Scheibe
    2. Die hohe Scheibe
    3. Die hohe Scheibe

    Was mir am Besten gefallen hat?
    Schwierig zu beantworten.
    Landschaftlich: Die „Sierra Nevada“ und der Nationalpark im Südwesten Portugals.
    Situativ: Die Übernachtung in „Banos“, im „Blümchenzimmer“
    Menschlich: Ellen + Georg, und Conny und Uwe

    Was mir am wenigsten gefallen hat?
    Der Raubbau, den der Mensch an der Natur betreibt! Zu Lande, Luft und Wasser: Der Mensch kennt kein „Pardon“! 8 Mrd. Menschen sind 4 Mrd. zuviel!

    War es gefährlich?
    Ja, in vielen Situationen, die ich hier nicht beschrieben habe. Es ist gut ausgegangen, weil:
    Die Vorbereitungen und Planungen gut waren,
    Weil der „Weg das Ziel war“. Niemals Druck!
    Und der Rest war Glück, Schicksal oder Gott

    Würde ich es wieder machen?
    JA JA JA 👍!!!

    Was hat es mir gebracht?
    Berthold Beitz hat einmal gesagt: „Einmal sehen ist besser als 100-mal hören.“ Ich verstehe Europa noch besser als vorher und bin dankbar für das Schicksal, in Deutschland geboren zu sein, zu diesem Zeitpunkt, mit diesen Eltern! Es war/ist ein „Jackpot“.

    Ich hatte außerdem die Muße, über verschiedene Themen, die mich zur Zeit stark bewegen, nachzudenken, und ich bin in so mancher Sache zu einer Entscheidung gekommen. Meine Erwartungshaltung zum Thema „Jakobsweg“ hat sich deshalb zum großen Teil erfüllt.

    Meine Durchschnittsgeschwindigkeit?
    53 km/h

    Meine Höchstgeschwindigkeit?
    Möchte ich nicht sagen 😉

    Was hat es gekostet?
    100 EUR am Tag / all in

    Waren es die richtigen Monate?
    Für DIESE Tour gibt‘s nur zwei Möglichkeiten: April/Mai im Uhrzeigersinn um Europa oder Okt/Nov gegen den Uhrzeigersinn.
    Ja, es war die richtige Zeit.

    Ist dies das Ende?
    Ich hoffe nicht. Die andere Hälfte von Europa fehlt noch. 🤣🤣 Und „Tibet“ ist noch nicht vom Tisch 😉

    Ich wünsche allen besinnliche und harmonische Festtage.
    Bewahrt die Fähigkeit, das Gute und Schöne in den kleinen und kurzen Momenten zu sehen. Dies sind die wichtigen Momente. Alles andere ist nur hübsches Beiwerk.

    Vielen Dank und bis bald!

    Dies war der letzte Eintrag.

    Wie geht es weiter: Aus diesem ganzen Inhalt lasse ich mir eine Papierversion/ Fotobuch machen. Wer Lust hat, kann es sich gerne ansehen. Und falls jemand etwas Ähnliches plant und Fragen hat: Gerne anrufen. Ick freu ma!😎
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  • Explore, what other travelers do in:
  • Day38

    In Deutschland ist es warm

    November 7 in France ⋅ 🌧 7 °C

    Die Genfer Innenstadt hatte ich am Nachmittag und Abend erkundet. Und was soll ich sagen: Es herrscht eine tolle Atmosphäre. Die Läden sind bereits weihnachtlich geschmückt, die Menschen eilen mit schweren Einkaufstüten mit den Aufdrucken von Markenartikeln durch die Stadt und die vielen Restaurants und Bars sind voll besetzt.
    Für mich als Deutscher ist das erstaunlich, denn die Preise sind phänomenal! Ich nehme zum Vergleich drei Dinge als Maßstab: Wenn eine „Pizza-Margerita“ 20 EUR, ein Bier (0,3) 5 EUR und ein Hamburger (Menü) bei MC Donalds 18 EUR kostet, kann man prima auf alles andere schließen. Schweiz ist teuer!

    So genoss ich das Treiben und stellte fest: Gemessen an der Deko muss Weihnachten kurz bevorstehen.

    Meine Idee war, am Morgen zum „Mont Blanc“ zu fahren. Theoretisch wäre das möglich, denn es führt eine gestreute und geräumte Autobahn hoch. Ein Versuch wäre es wert gewesen. Jedoch: Morgens schüttet es zunächst und geht dann in Schnee über. Die Berge sind im Nebel. Die Schneegrenze ist auf unter 500 m über Nacht gesunken. Und weil der Genfer See bereits auf 400 m liegt, ist der Schnee zum Greifen nahe.
    Also Planänderung: Am Südufer des „Genfer See“ bis „Montreux“ und dann nach Norden.

    Die hohen Berge rund um den riesigen See sind imposant. Die passende Musik dazu kann nur Filmmusik sein. Ich lege mir also „Die Alpen von oben“ in den Helm... und los geht‘s in die Kälte. Denn es sind nur 4 Grad.

    60 km fahre ich direkt am Wasser entlang und mal aus der Schweiz raus und nach Frankreich rein... und dann wieder umgekehrt. Bei der Festlegung dieses Grenzverlaufes müssen die fünf Großmächte Preussen, Russland, England, Österreich und Frankreich während des „Wiener Kongresses“ 1815 betrunken gewesen sein. Die haben wahrscheinlich nicht aufgehört, den Sieg über Napoleon zu feiern.

    Man merkt aber nicht, dass man über eine Grenze fährt, denn seit 2008 gehört auch die Schweiz zum „Schengen Abkommen“: Es gibt keine Kontrollen.

    Es ist kalt! Martin, meine Sitzheizung ist Gold wert!! Sag nochmal was dagegen 😉.
    Montreux erreiche ich nach 2 Stunden völlig durchgefroren. Einzig meine Handflächen und mein Po sind warm.
    Ich wärme mich in einem Einkaufszentrum mit heißem Kakao auf und habe Mühe, wegen des Zitterns die Tasse ruhig zu halten. Dabei studiere ich das RegenRadar und Google-Maps. Ich entscheide mich zunächst für „Basel“. Jetzt brauche ich einfache „heiße Rythmen“: „Salsa“ und „Mambo“ sind die Lösung.

    Die Fahrt führt mich in die schönen, terrassenförmig angelegten Weinberge oberhalb des Genfer Sees und dann „über die Dörfer“. Diese unterscheiden sich deutlich von denen auf der iberischen Halbinsel: Breite Bürgersteige, Fahrradspuren, behindertengerechte Einrichtungen. Alles sieht viel freundlicher aus.

    In Basel kämpfe ich mich durch ein grausames Verkehrschaos. Ich muss nach „Saint Louis“. Das heißt, ich muss wieder nach Frankreich, dann kurz nach Deutschland und dann wieder nach Frankreich. Also innerhalb der Stadt 3 Grenzen. Und wer sich fragt „wieso“: Das ist die einzige Strecke, wenn man keine schweizer Vignette kaufen möchte.

    Am Grenzübergang fühle ich mich ein wenig an die DDR-Grenze erinnert: Diese lief auch mitten durch die Städte.

    In Basel steigen die Temperaturen auf über 10 Grad! Das ist warm!! Und es ist trocken. Besser geht‘s nicht.
    Ich gebe noch einmal Gas und „schwups“ bin ich in „Mulhouse“. Morgen passiere ich endgültig die deutsche Grenze.

    Eigentlich wollte ich noch durchs Elsass fahren. Doch wetterbedingt „verkneife“ ich mir das. Es wird einfach zu kalt 🥶 🥶 🥶

    Km-Stand: 8.600

    Erkenntnis des Tages:

    Für Behinderte, Fahrradfahrer und Fußgänger ist im Deutsch-sprachigen Raum am Besten gesorgt.
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  • Day37

    Guten Tag, meine Damen und Herren

    November 6 in Switzerland ⋅ ⛅ 10 °C

    Ich war mal wieder der erste morgens beim Frühstück. Und während ich da so saß und auch heute den Kopf über das schlechte Frühstück in französischen Hotels schüttelte, kam ein älterer Herr, ein anderer Gast, in den Raum.
    Mit Betreten des Raumes sah er mich und begrüßte mich mit einem freundlichen Lächeln: „Bonjour, monsieur“ (Guten Tag, mein Herr).
    Ich dachte so: „Gute alte Schule: Wer den Raum betritt, grüßt zuerst. Und der Zusatz „mein Herr“ ist besonders höflich.
    Nur wenige Minuten später betritt eine etwa 40 Jahre junge Dame den Raum und grüßt: „Bonjour, Messieurs“ (Guten Morgen, meine Herren“.
    Jetzt war ich sensibilisiert: Wie geht‘s weiter?
    2 x wiederholte sich das noch mit weiteren Damen.
    Dann kam ein Typ „Mischung aus Rocker und Hippie“, komplett tätowiert, ärmelloses T-Shirt, gefärbte lange, aber gepflegte, blonde Haare, der sich eindeutig auf dem Rückweg von „Woodstock“ verfahren hatte. Er sah sich um und grüßte: „Bonjour mesdames et messieurs “ (Guten Tag, meine Damen und Herren)

    Ich war begeistert: Wann hatte ich das das letzte Mal erlebt? Das muss Jahrzehnte her sein. Schade, dass gutes Benehmen bei uns aus der Mode gekommen ist.

    Mit diesen Gedanken steige ich, dick angezogen, bei zunächst strömenden Regen auf die Maschine und richte das Vorderrad in Richtung „Genf“.
    Der Plan für heute: Im Rhône-Tal bleiben und nicht höher als 500 m fahren.
    Musikalisch ist heute „Classic Rock“ dran, und zwar jeweils die lange Version. Ich fange an mit „Hold the line“ von Toto, drehe den Sound hoch und werfe einen Blick in den Himmel. Im Takt der Musik trete ich den ersten Gang rein.....Kupplung kommen lassen... hat das Hinterrad „Grip“? Weiter beschleunigen.... und laut mitsingen. Yeah!

    Nach 1 Stunde hört es auf zu regnen und ich sehe Sonne.
    Es wird eine traumhafte Fahrt über Nebenstraßen, durch die hügelige Landschaft des Alpenvorlandes. Immer mit Blick auf die tiefe Schneegrenze, die bei 600 m liegt und auf die tollen Wolkengebilde, die die teils schroffen Berggipfel umschmeicheln.

    Genf erreiche ich am Nachmittag. Hier übernachte ich und werde mal versuchen, bei den „Vereinten Nationen“ vorzusprechen.

    Auf dem Weg dahin kann ich einen kurzen Blick auf den „Mont Blanc“ erhaschen und belohne mich anschließend mit einem Stück leckerste (und teuerste) Schokolade von „Läderach“ 😉

    Erkenntnis des Tages:

    Ich werde bei mir selbst verstärkt darauf achten, die „guten, alten Umgangsformen“ jederzeit zu praktizieren. Es kommt gut an und macht einfach gute Stimmung bei allen.
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  • Day36

    Weg von der Küste - Rückfahrt gestartet

    November 5 in France ⋅ ⛅ 13 °C

    „Agde“ ist eine kleine Stadt mit 27.000 Einwohnern in „Okzitanien“....völlig unbedeutend. Die Sehenswürdigkeiten beschränken sich auf eine kleine Kathedrale. Das war‘s. Die „City“ besteht aus einer vielbefahrenen Hauptstraße und ein paar Läden, etwa 500 m lang. Einer der Läden ist eine Wäscherei, deren Kunde ich heute Morgen bin. Da sitze ich so und gucke, da fällt mir die Sauberkeit auf: Es liegt wirklich nichts auf den Straßen oder Fußwegen. Und während ich mich fragte, wie die das machen, kommt ein Motorroller der Stadtreinigung um die Ecke, ausgestattet wie ein Saugwagen. Der Fahrer sieht einen Hundehaufen, holt sein Saugrohr raus und schwupps, ist alles weg. Und weiter fuhr er den Weg entlang. Ich staune jetzt noch.

    In der Innenstadt von Montpellier sehe ich mir den Palast und die umliegende Innenstadt an: Enge Gassen wechseln sich ab mit breiten Fußgängerzonen, ehrwürdige, typisch französische Häuserfassaden mit den schmalen Balkonen, eingefasst von gepflegtem Stuck. Insgesamt eine tolle Atmosphäre in der Altstadt, mit netten kleinen Cafés und Restaurants und sehr geschmackvollen Läden. Diese Stadt gefällt mir wirklich gut!
    Polizei überall, aber sehr freundlich, einfach nur präsent.....und sogar auf Fahrrädern unterwegs.

    Besuch beim Frisör. Die Friseuse sehr nett, auch Motorradfahrerin. Wir unterhielten uns angeregt und laaange. Und die ganze Zeit schnitt sie mir die Haare. Boa....DIE sind kurz geworden! Ein kürzeres Gespräch hätte es vielleicht auch getan!? 😂

    In der Markthalle gibt‘s natürlich auch Fisch und viele verschiedene Muscheln. Bei der Weiterfahrt habe ich eine riesige Bucht gesehen, in denen die Muscheln gezüchtet werden. Die ganze Bucht ist von den Gestellen übersät, die dafür benötigt werden.

    Das Wetter ist tatsächlich umgeschlagen: Nur noch 14 Grad an der Küste, unter 10 Grad am Nachmittag in den Bergen. Gewitter ziehen auf.
    So entschließe ich mich, Richtung „Lyon“ zu fahren und die Route durch den Nationalpark „Berge von Ardeche“ zu nehmen. Ich verlasse somit nun die Küste. Es geht nach Hause. Bei diesem Gedanken freue ich mich einerseits, andererseits bin ich aber tatsächlich in einem „Fahrmodus“ und könnte die nächsten Monate einfach so weiterfahren. 😔

    Wunderschöne Orte aus Naturstein säumen meinen Weg und die Straßen und Ausblicke sind wieder großartig. Die Wolken auch....

    In einem Ort wird ein kleiner Park als Boule-Platz genutzt. Das ist der Männertreff der Alten. 😉

    Erkenntnis des Tages:

    Ich finde es schon allein wegen der Sprache toll, wieder in Frankreich zu sein. Hier kann ich mich wieder gut verständigen, denn „Ihr Französisch ist exzellent.“ 😉
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  • Day35

    Schwul ist cool ! + "letzter Drücker"

    November 4 in France ⋅ ⛅ 18 °C

    Am Abend traf ich ein sehr nettes Pärchen: Er, Franzose aus Bordeaux, weiß und 60 Jahre jung, und er, aus Alabama, schwarz und 31 Jahre jung. Die beiden waren echt süß.
    Der Franzose hat ein Weingut und der Amerikaner studiert Weinbau. Mit den beiden habe ich mich den ganzen Abend feuchtfröhlich bei verschiedenen Weinen unterhalten. Wir machten eine Weinverkostung spanischer und französischer Rotweine. Toll, wenn man bei so etwas gleich 2 Kenner und Fachleute dabei hat. Es war ein großartiger Abend, der natürlich darin endete, dass die französischen Weine für besser befunden wurden. Und ein Schelm ist, wer glaubt, dass es daran gelegen hat, dass der Franzose ein französisches Weingut aus Überzeugung hat.
    Interessant war die Reaktion des Amerikaners auf die Frage, wo es besser sei: In Europa oder in den USA. Ohne zu überlegen nannte er Europa als den deutlich besseren Kontinent, weshalb er sich auch entschlossen habe, hier, also in Bordeaux, zu bleiben. Begründet hat er das mit wirklich ALLEM: Menschen, Vielfältigkeit, Gesundheitssysteme, Bildungssysteme, etc. etc. Es gab nur einen Bereich, in dem die USA die Nase vorn habe: Militärisch!
    Diese Aussage eines gebildeten Menschen, der beide Kontinente seit Jahren kennt, hat in meinen Augen Gewicht.

    Meine „senile Bettflucht“ „schlug zu“. Ich nutzte die nächtliche Unruhe, um die Weiterfahrt vorzubereiten: Wie ich der Presse entnahm, wurde der Südwesten Frankreichs gestern von schweren Winterstürmen getroffen, die nun ostwärts, also in meine Richtung zogen. Ab Mittags sollten sie hier eintreffen. Grund genug, kein Wellness zu machen, sondern früh loszufahren.

    „Klack“....der erste Gang. Langsam gab ich Gas...nahm die erste Kurve.....dann startete ich „ Dancing the Blues“ von Chris Rea in voller Lautstärke und „drückte“ die Maschine die erste Steigung hoch in die Kehre.....los ging es, auf der einzigen Straße in Andorra, die hinaus führt: Auf der einen Seite nach Spanien, auf der anderen Seite nach Frankreich. Aus Spanien kam ich, nach Frankreich will ich. Über die Pyrenäen wieder an die Küste.... Musikalisch ist heute „Blues-Tag“.

    Bereits nach 20 Min erreichte ich die Ski-Gebiete. Die Temperatur fiel auf 3 Grad. Die Straße war nass und damit auch leicht gefroren. Bei diesen Temperaturen ist das Gummi der Reifen hart wie „Krupp-Stahl“ und hat keinerlei Haftung mehr. Mein Hinterrad führte 2x ein „Eigenleben“. So fuhr ich bis auf 2.200 m im Schritttempo mit den schleifenden Füßen auf dem Asphalt ( Ich glaube, bald brauche ich wieder neue Sohlen).

    Höher traute ich mich nicht und nahm lieber den Tunnel, der unter dem Pass durchging.

    Die Grenze nach Frankreich überquerte ich in den Wolken. Dann ging es wieder runter. Belohnt wurde ich vom „Indian Summer“ in den Pyrenäen. Großartige Aussichten!
    Die fahrerischen Anforderungen waren wieder spannend, denn nun hatte ich feuchtes Laub auf der Straße....

    Mittags war ich aus dem Gebirge raus. Gerade noch rechtzeitig: Der Himmel im Rückspiegel pechschwarz und die Berge im Nebel.
    Wie mache ich weiter?
    Ich entschloss mich „Strecke“ zu machen und fuhr bis „Bezier“. Hier holten mich die Wolken ein. Die Temperaturen sind von 33 Grad am Mittelmeer vorgestern, auf 18 Grad heute gefallen.

    Gestern wurde ich gefragt, ob ich noch nach Monaco und Italien komme. Nein, dahin komme ich nicht: Das würde bedeuten, dass ich im Winter über die Alpen müsste. Das mache ich nicht auf zwei Rädern. Schon die heutige Fahrt erschien mir wie eine Überquerung „auf den letzten Drücker“.
    Ich werde von „Montpellier“ aus durch das „Rhône-Tal“ zwischen den Alpen durchfahren.

    Wahrscheinlich komme ich früher nach Hause als gedacht, aber ich habe wirklich Respekt vor dem Wetter in den Bergen...

    Erkenntnis des heutigen Tages:

    Gute Planung ist alles! Heute hat sie definitiv gestimmt!
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  • Day34

    Sonnenaufgang + Rätselraten

    November 3 in Andorra ⋅ 🌧 6 °C

    Wegen der eskalierenden Unruhen hatte ich mich entschlossen, Barcelona zu umfahren. Doch zunächst noch ein kurzer Abstecher nach „Sitges“, einem kleinen Ort direkt am Meer.

    Vor 14 Tagen hatte ich mir noch den SonnenUNTERgang über dem Meer angesehen. Nun wollte ich den SonnenAUFgang über dem Wasser sehen.

    In dieser wohlhabenden Gemeinde, die sich auch auf Tourismus spezialisiert hat, hatte ich um halb acht Uhr ein gutes Frühstück direkt am Hafen und genoss die pünktliche Sonne bei starkem Wind und deutlich gefallenen Temperaturen (19 Grad), was ich als sehr angenehm empfand. Das sonst „platte“ Mittelmeer war aufgewühlt und außer mir waren nur 2 hartgesottene Wellenreiter zu sehen. Der Rest des Ortes schlief noch.

    Ich schaute mir die alte Kirche direkt am Meer und die einladende Strandpromenade an, die langsam erwachte und machte einen laaaangen Rundgang durch das Einkaufsviertel. Alles sehr sauber und gepflegt. Und hier und da sah ich sogar ein deutsches Autokennzeichen.

    Dann noch einmal das RegenRadar gecheckt, denn da wo ich hinfahre, ist Schnee möglich. Doch ich war wegen der andauernden Hitzeperiode zuversichtlich: Angesagt sind 8 Grad bei Regen bis Mittag. Dann soll es aufhören zu regnen. Also los!:

    Dazu fuhr ich wieder in die Berge und zwar hoch. Wirklich hoch.

    Rätsel: Wo fahre ich hin?

    - Es gibt keine Schienen, keinen Flughafen und kein Wasser. Nur PKW ist möglich.
    - Es hat seit 1278 als einziges Land der Welt 2 Staatsoberhäupter (eine „Dynachie“)
    - Es hat nur 80.000 Einwohner, wovon aber nur 24.000 die Staatsbürgerschaft besitzen
    - Es kommen jährlich 12 Mio Touristen
    - Es hat seit 2014 den Euro, gehört aber nicht zur EU
    - Es liegt bis zu 3.000 m hoch
    - Es gibt keine Steuern, nur eine 5% MWST
    - In den letzten 800 Jahren haben sich die beiden Regierungsoberhäupter nur 1x getroffen.

    Ich mache mich auf den Weg nach „Andorra“, einem von 6 Zwergstaaten in Europa.

    Die Strecke ist einfach zu fahren: Gut ausgebaut. Und ich habe Glück, denn darüber hatte ich gar nicht nachgedacht: „ Andorra“ bedeutet „zollfreier Einkauf“. Heute, am Sonntag Nachmittag, sind aber alle auf der Rückreise und ich fahre dem gigantischen Verkehr entgegen, der sich dann kilometerlang an der Grenze staute.

    Hinter der Grenze dann Einkaufsmeile hinter Einkaufsmeile. Ich kämpfte mich bis zur Hauptstadt „Andorra la Verre“ durch.

    Hier dreht sich alles ums „Shopping“. Und das auf hohem Niveau! Alle Markenläden sind hier vertreten. Darüberhinaus Elektronik und Apotheken. Auf 100 Schritte zählte ich allein 8! Apotheken.
    Die Stadt ist pikobello sauber und zeigt sich von ihrer besten Seite!

    Die Hauptstadt liegt auf 1.100 m und ist von bis zu 3.000 m hohen Bergen umgeben. Während hier beim Shoppen bei 10 Grad die Damen noch kurze Röcke tragen, wird in 30 Minuten Entfernung bereits Ski gelaufen. Krass.

    So erkunde ich die Stadt und bin für meine „Winterausstattung“ dankbar. Nach Wochen bin ich erstmalig wieder richtig angezogen.

    Dabei komme ich an einem einmaligen Fahrzeug vorbei: Ein „Asquith“ aus dem Jahre 1901! Zugelassen, mit laufendem Motor, wird heute noch eingesetzt als Lieferwagen! Nach 118 Jahren! Davon wurden nur etwa 10 Stück gebaut. Und ich durfte ihn mal streicheln.....Großartig! Und einmalig! Dann stieg der Besitzer ein und fuhr davon.

    Und die Uhr, an der ich stehe, ist von „Salvadore Dali“ und trägt den Namen „Adel der Zeit mit einer schmelzenden Uhr“......nun ja...

    Erkenntnis des Tages:

    In Spanien beginnt das Leben erst um 10 Uhr morgens und endet dafür erst 24 Uhr. ( Meine innere Uhr läuft leider anders)
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  • Day33

    Tristesse + Badeorte

    November 2 in Spain ⋅ ☀️ 24 °C

    Am späten Nachmittag erreichte ich „l‘Alcudia“. Eine unbedeutende Kleinstadt mit 13.000 Einwohnern, im Gebirge, etwa 30 km von „Valencia“, also eigentlich noch im „Einzugsgebiet“ der bekannten Großstadt. Doch auch davon kann die Stadt nicht profitieren: Armut, Tristesse und hohe Arbeitslosigkeit zeichnen diese Stadt genauso aus, wie die anderen „Gebirgsstädte“, durch die ich durchfuhr. Hier hatte ich eine Unterkunft und versuchte abends, die „Stadt zu entdecken“. Ich ging also in die „City“ und flanierte dort entlang der Haupteinkaufsstraße. Alles Betongrau, keine Pflanzen weit und breit, schiefe Jalousien, die die leerstehenden Läden vor den arbeitslosen Jugendlichen beschützen sollen. Ein einsames Café hat geöffnet: Zu Essen gibt es außer Keksen nichts, was mich zunächst erstaunte. Doch als ich eine Weile dort saß, leuchtete es mir ein: Die wenigen Gäste bestellten sich einen Kaffee und hielten sich daran 5 Stunden fest, weil sie mehr nicht bezahlen können. Hier kann der Wirt nichts verkaufen. Die „Alten“ sitzen in dem Café und diskutieren end- und sinnlos und die „Jungen“ treffen sich in einer „Spielothek“, wie ich sie seit den 80ern nicht mehr gesehen hatte.
    Fotos traute ich mich nicht zu machen: Ich hatte Sorge, Ärger hervorzurufen. Und mit gelangweilten, frustrierten, halbstarken Spaniern wollte ich keine Bekanntschaft machen.

    Bereits früh fuhr ich weiter nach Valencia. Mein Ziel: Der „Plaza der Ayuntamiento“. Einer der schönsten Plätze der Stadt mit einem echten Höhepunkt: Das Hauptpostamt, dass 1922 als Prunkbau eröffnet wurde und das bis heute, also seit 100 Jahren, in unveränderter Funktion in Betrieb ist.
    Die Kombination aus historischem Bau mit den Ansprüchen der Moderne ist wirklich gelungen.

    So schlenderte ich durch die Innenstadt, sah mir die historischen Gebäude an und genoss den Trubel ein paar Stunden. Dann wurde es mir wieder zu warm und ich fuhr wieder in die Berge, in den nächsten Nationalpark. Die Bilder wiederholen sich: Arme Gebirgsorte, tolle Straßen, großartige Bergwelt. Ich kann mich daran gar nicht sattsehen und erlebe als Motorradfahrer wieder diverse „Highlights“ und fahrerische Anforderungen.

    Doch habe ich alleine heute 15 große Feuer gezählt, die die Täler vernebelten. Irre! Eines habe ich fotografiert.

    Eine Unterkunft habe ich mir wieder an der Küste gesucht: Die Orte plötzlich wieder belebt, gepflegt und interessant, auch wenn es meist Hochhäuser sind.

    Was nur 5 km Entfernung von der Küste ausmachen....

    Erkenntnis des Tages:

    Die Badeorte und die historischen Innenstädte der großen Städte sind meist gepflegt und sehenswert. Doch der Großteil des Landes ist arm....und auch ein wenig „inaktiv“....ständig darauf wartend, dass es ein anderer macht.....
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  • Day32

    Hygiene, Korruption + Radrennfahrer

    November 1 in Spain ⋅ ☀️ 24 °C

    Von Ellen und Georg wurde ich ausgesprochen warmherzig empfangen. Auch sie verfolgten in den letztenTagen meine Reise und gerne erzählte ich auch die Geschichten, die ich außerhalb des Tagebuches noch erlebt habe.

    Sie kennen Spanien seit über 30 Jahren, hatten die Entwicklung von „Calpe“ voll umfänglich miterlebt und wussten Einiges über Korruption, Bauqualität und auch Hygiene in Restaurants zu berichten. Ich versprach, in keinen spanischen Schnellimbiss (mehr) zu gehen.

    Sie empfahlen mir eine Straße entlang des Wassers und so machte ich mich auf den Weg. Sven aus Berlin verfolgte ebenfalls meine Route und machte mich auf Freunde in „Denia“ aufmerksam, denen ich dann gerne „schöne Grüße“ von Sven und Katja ausrichtete.

    Mittlerweile war es 13 Uhr, mein Thermometer zeigte 34 Grad im Schatten an, und ich wusste, dass ich das nicht lange durchhalten würde. Ich musste wieder in die Höhenlagen!

    Nach 1 Stunde war ich wieder oberhalb von 1.000 m und hatte noch 24 Grad. Fast frisch 😉

    Und da war sie wieder: Die grandiose Landschaft, in der ich völlig allein unterwegs war. Die Ortschaften wie ausgestorben: Fenster verhangen und vergittert, Türen versperrt und wirklich menschenleer.

    „Route de Cycliste“ stand auf dem Schild. Kurz vor Erreichen des Gipfels sah ich einen Rennfahrer in der Kleidung der „Tour de France“. Er begann im nächsten Augenblick mit der Abfahrt. 40 km/h waren hier erlaubt. Ich fuhr 50 und der Abstand zum Radfahrer wurde immer größer. Schneller traute ich mich nicht: Die Kurven waren uneinsehbar. Dann, an einer Geraden, gab ich Gas und holte ihn kurz ein. Er fuhr 85 km/h! Das war mir zu schnell! So fuhr er mir davon, mit nackten Armen und Beinen und einem Minihelm.

    Erkenntnis des Tages:

    Wenn das Navi sagt: „Fahr da NICHT lang“, werde ich das ab sofort glauben!
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  • Day31

    Gegensätze + Feuer

    October 31 in Spain ⋅ ⛅ 16 °C

    Gestern war das erste Mal, dass ich etwas zu meiner Unterkunft schrieb. Es war ein wirklich besonderes Erlebnis. Ich hatte nicht vor, Unterkünfte in den Mittelpunkt einer Erzählung zu stellen. Doch heute muss in die zweite Ausnahme machen: Noch gegensätzlicher können Unterkünfte innerhalb von 24 Stunden nicht ausfallen. Was beide Unterkünfte gemeinsam haben: Den Preis von 40 EUR/Nacht.
    Damit enden die Gemeinsamkeiten.
    Ich schlief auf einem Weingut namens „Casa Boquera Resort & Winery“ in Carche. Ein Besuch im Internet lohnt sich. ( www.casaboquera.es ) Moderner, eleganter und stilvoller geht es nicht!

    Die „Luftlinie“ nach Calpe beträgt nur 100 km. Mit der Einstellung „kurvenreiche Route“ werden daraus 230 km, die mich durch zwei weitere Nationalparks führt. Die Bilder von hohen Bergen, schroffen Felsen, verschlungenen, engen Gassen und verschlafenen kleinen Orten ziehen mich stundenlang in ihren Bann. Und so ziehe ich meine Spur tiefenentspannt bei herrlichstem Motorrad-Wetter durch Katalonien.

    Als ich den „Xorret de Cati“ an der „CV-817“ erreiche, rief mich Barbara an. Ich bat sie, bei „Google-Earth“ zu schauen wo ich bin. So konnten wir diesen Moment ein wenig teilen.

    Und wieder begegnet mir Weihnachtsdekoration in den Straßen. Nun bin ich mir sicher, schon länger als gedacht unterwegs zu sein.

    Was mich wirklich stört, sind die Feuer, die mich seit 2 Wochen begleiten: Die Spanier verbrennen Müll und Pflanzenreste in großen Mengen einfach so. Der Qualm ist immens und vernebelt ganze Täler. Und es stinkt. Das ist eine Umweltverschmutzung besonderer Art.

    Am späten Nachmittag erreiche ich erschöpft, aber glücklich „Calp“. Hier treffe ich „Ellen“ und „Georg“ aus Darmstadt. Mit ihnen werde ich heute einen vergnüglichen Abend verbringen.

    Erkenntnis des heutigen Tages:

    Die vielen Feuer zeigen, dass die Europäer noch kein „Umdenken“ zeigen.
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  • Day30

    Gegessen wird um 9 !

    October 30 in Spain ⋅ ⛅ 17 °C

    Hoch oben in der „Sierra Nevada“ hatte ich kurz vor Einbruch der Dunkelheit ein „Hostal“ im „Nirgendwo“ gefunden. Ein kleines, verwunschenes Dorf namens“Baños“.

    Man kommt um eine Kurve und muss stark abbremsen, sonst ist man durch das Dorf durch.

    In einer engen Gasse ein paar Stühle und eine Außenbar, keine Rezeption. Ein alter Mann trifft Vorbereitungen: Licht einschalten und die Bar in Betrieb nehmen. Ich komme gerade im richtigen Moment.

    Der „Alte“ (80?) stochert mit dem Zeigefinger auf meiner Brust herum und lässt das typische Maschinengewehr-Spanisch auf mich einprasseln. Ich verstehe nur Schlüsselworte: Hier.....warten.....Tochter.....

    Immerhin kann ich ihm klarmachen, dass ich, egal was kommt, erst ein kühles Bier möchte. Er grinst und zapft frisch.

    So stehe ich vor der Tochter: Völlig fertig, durchgeschwitzt, in dicken Motorrad-Klamotten und grinse auch.

    Die Tochter zeigt mir erst ein entzückendes Lachen und dann mein Zimmer: Blümchenmuster, altes Holz, ein Knick im gestärkten Kopfkissen, Blümchen-Tagesdecke, im Badezimmer ein Blümchen-Plastik-Duschvorhang.
    Kein Blümchenmuster passt zum anderen. Sauber! Spießig! Geschmacklos! ....Perfekt!

    Ich muss dringend duschen:
    Es dauert 3 Minuten, bevor das Wasser warm wird. Ich war zu ungeduldig und hatte mich schon kalt eingeseift. Brrrr...

    Wieder an der Außenbar:
    Die Tochter verwöhnt mich mit frisch gemachten Tapas jeder Art und lächelt mich an. Sie scheint mich zu mögen, denn sie hört nicht auf, mich davon zu überzeugen, dass sie mindestens 15 verschiedene Tapas-Zubereitungen beherrscht. Genial lecker!

    Mittlerweile stehen mehrere ältere Semester um mich herum und scheinen auf irgendwas zu warten.
    Vier Bier später (die Tochter wird immer schöner) kommt der Alte und lässt eine neue Maschinengewehrsalve auf mich herab prasseln. Ich höre nur: Essen....drin.....jetzt! Immer um 9!

    Okay.....Schluss mit Tapas. (Eigentlich bin ich satt....egal!)

    Drin sitzt der halbe Ort. 15 Leute. Ein Essraum wie ein Wohnzimmer, mit Sofa, Fernseher, etc. Ich senke mit meiner Anwesenheit das Durchschnittsalter um mind. 10 Jahre. Alle reden Stackato und der Fernseher brüllt zusätzlich. Die Frauen schnattern durcheinander und die Männer schauen Fußball.

    Ich bediene mich an der Flasche Vino Tinto, die auf jedem Tisch steht. Die anderen müssen teilen. Ich sitze alleine.

    Dann kommt das Essen:
    Alle bekommen das Gleiche. Bestellungen werden nicht aufgenommen: 6 Gänge und nur lecker! Dazu Vino Tinto. Der Alte fragt etwas zum Schluss und ich sage „Si“ ohne irgendetwas verstanden zu haben. Und schwups...brachte die Tochter, wieder entzückend lächelnd, einen Kaffee. (Ich dachte so: Mein Soziussitz ist ja noch frei...😉)

    Später kommt die Tochter mit dem Kreditkartenlesegerät. Oha...DAS wird teuer. Und dann sagte sie: 5 EUR für Verzehr = 5 EUR!!! Ich hatte 5 Bier, eine Flasche Rotwein, 6 Gänge sowie diverse Tapas!

    Ich war sowas von genial untergebracht!

    Allein für diesen Spaß hatte sich die gesamte Fahrt gelohnt. Es sei denn, irgendwo war „Versteckte Kamera“ und ich war der Hauptdarsteller.

    Frühstück am nächsten Morgen:
    13 Personen im „Wohnzimmer“, davon 6 im gestreiften Schlafanzug, mit Blümchen-Frotté-Bademantel und gemusterten Filzpantoffeln.
    Echt abgefahren!

    Der Kaffee war pechschwarz. Und auch ein wenig dickflüssig?

    Was an Auswahl fehlte, wurde erneut durch Herzlichkeit wettgemacht.
    Die Endabrechnung: 3 EUR für das Frühstück.

    Auch der Abschied von diesem „Hostal“ ist an Herzlichkeit nicht zu überbieten: Alle umarmen mich, wünschen mir eine gute Reise und schienen überhaupt von diesem internationalen Besuch begeistert zu sein.
    Auch ich war begeistert und gerührt, obwohl es auch irgendwie den Eindruck einer „Muppet-Show“ hatte.

    Vor 2 Wochen traf ich „Ellen + Georg“ aus Darmstadt im Baskenland. Ich erhielt jetzt eine Einladung, mich mit den Beiden an der „Costa Blanca“ zu treffen. Passt. Da fahre ich hin. Morgen Abend kann ich dort sein.

    Beim Verlassen des Dorfes warf ich einen letzten Blick auf die schneebedeckten Berge. Dann kehrte ich ihnen den Rücken zu, gab lachend Gas und fuhr zum nächsten Nationalpark, auf dem Weg nach „Calpe“.

    Erkenntnis des Tages:

    Keine Hotelausstattung kann solche Herzlichkeit ersetzen.
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