Zu dritt auf einem 2.200 km Roadtrip. Unterwegs durch Deutschland und Tschechien. Auf der Suche nach Geschichten, Menschen und Landschaften
  • Day11

    Rückkehr

    September 15, 2020 in Germany ⋅ ☁️ 26 °C

    Zitat:
    Eine Nacht im Grand-Hotel ist Luxus für den Körper. Eine Nacht unterm Sternenzelt ist Luxus für die Seele. (Till Eitel)
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    Die Reise ist zu Ende und wir sind wieder gesund und glücklich zu Hause angekommen. Die letzten 150 km fuhr auch immer ein wenig Wehmut mit, denn es war eine gute Reise: Das Wetter hat gestimmt, mit den Übernachtungen hat alles geklappt und wir drei haben uns gut verstanden.
    Was haben wir nicht alles gesehen auf dieser Reise:

    - Die längste freihängende Fußgängerbrücke der Welt
    - Den drittgrößten See Deutschlands
    - Eine der größten mittelalterlichen Burganlagen Europas
    - Die „schönste Altstadt Deutschlands“
    - Die farbenprächtigsten Grotten der Welt
    - Das schönste Festungstor Deutschlands
    - Die weltberühmte „Romantische Straße“
    - großartige Wasserfälle
    - fantastische Gebäude
    - großartige Landschaften

    ........ und tolle und weniger tolle Menschen.

    Erkenntnis des Tages:
    Wir wollen wieder zusammen fahren! Und weil die Tour durch das Baltikum bereits ausgearbeitet ist, steht diese im nächsten Jahr an.....neben der Italien-Tour .. und ... und
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  • Explore, what other travelers do in:
  • Day10

    Flucht aus Tschechien - stinkreich

    September 14, 2020 in Germany ⋅ ⛅ 25 °C

    Zitat:
    Nichts ist vergleichbar mit dem guten Gefühl, an einen vertrauten Ort zurückzukehren und zu merken, wie sehr man sich verändert hat. (Nelson Mandela)
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    Die Corona-Zahlen steigen exponentiell in Tschechien. Wir beschließen daher, unsere Route abzukürzen, Tschechien wieder zu verlassen und uns auf den Heimweg zu machen. Zwei Tage früher als geplant. Und doch freuen wir uns auch auf zu Hause: Das Fahren bei 30° im Schatten in voller Montur strengt uns doch sehr an. Morgen Abend sind wir zu Hause und dann folgt der letzte Eintrag.

    So sitzen wir hier heute, an unserem letzten gemeinsamen Abend, beim gemütlichen Bier und lassen viele Dinge noch einmal Revue passieren. Unsere Eindrücke in dem großartigen Kurort Marienbad in Tschechien ebenso, wie die genussvolle Fahrt durch die Berge, auf einsamen Serpentinen und an tollen Seen vorbei.
    Dazu gehört aber auch die Geschichte, die wir von einem Nachtwächter im Rahmen einer Stadtführung erfahren haben:
    Im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, steht eine Passage, die die Zeugen Jehovas dahingehend interpretieren, dass im Himmel, neben Gott, nur 144.000 Seelen Platz haben.
    Bis zum 18. Jahrhundert galt der Grundsatz, dass die Kirche, also das Gebäude, das direkte Tor in den Himmel sei. Und weil es im Himmel nur eine begrenzte Anzahl Plätze gibt, musste man sich vordrängeln: Nach dem Tode wurden die Menschen beerdigt. Diejenigen, die Schuld auf sich geladen hatten, also Straftäter, Selbstmörder und andere, wurden außerhalb des Dorfes, und damit weit weg von der Kirche, beerdigt. Die normalen Bürger wurden auf einem Friedhof beerdigt, der dicht an der Kirche war. Die Reichen, die der Kirche etwas vererbt hatten, wurden hingegen direkt IN der Kirche in Särgen gestapelt. Meist im Keller. Damit wollten sich die Reichen einen Platz im Himmel sichern. Das Problem: Nach einigen Tagen fingen die Leichen an zu stinken und jeder wusste, wer da so stank. Und daher kommt der Begriff „stinkreich“!

    Erkenntnis des Tages:
    Wir empfinden alle drei diese Reise als eine gelungene Kombination aus Adrenalin, Bildungsreise und Erholung. Jeder von uns hat etwas über sich gelernt und hat sich ein wenig verändert.
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  • Day9

    Hinter der Grenze

    September 13, 2020 in Czech Republic ⋅ ⛅ 24 °C

    Zitat:
    Gegen Zielsetzungen ist nichts einzuwenden, sofern man sich dadurch nicht von interessanten Umwegen abhalten lässt. (Mark Twain)
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    Frühstück in Tschechien: Wegen des Virus gibt es kein Buffet, sondern eine Frühstückskarte in tschechischer und englischer Sprache (immerhin), von der man einige Sachen auswählt und die dann von der Bedienung gebracht werden. Im Gespräch mit ihr stellen wir fest, dass wir uns besser auf Englisch als auf Deutsch unterhalten. Das klappt prima. Ihre Deutschkenntnisse sind eher rudimentär.
    Die Tür öffnet sich, zwei ältere Frauen und ein älterer Mann betreten den Raum und setzen sich an den Nachbartisch. Alle drei strahlen eine Kombination aus finanzieller Überlegenheit und vollständiger Bildungsbefreitheit aus. Der Mann übernimmt die Regie, um die beiden Frauen zu beeindrucken. Er ruft die junge Bedienung im tiefen bayrisch zu sich und gibt im gleichen Tonfall die Bestellung auf. „Zwoamoi Rührei, oamoi Schbiaglei, a Wuaschtplatte und Kaffä bitte“. Die Bedienung versteht kein Wort und erklärt dann in ruhigen Worten auf Englisch, er möge bitte von der Karte etwas aussuchen und, wenn möglich, in Tschechisch oder Englisch mit ihr reden.“ Der Mann wollte seine beiden Begleiterinnen beeindrucken, doch jetzt geht der Plan schief. „Jo, sprichst du koa Deitsch?“ poltert er die Bedienung an. „Du bisd wohl nei do, wos?“ Die Bedienung weiß sich nicht mehr zu helfen, verschwindet kurz in der Küche und schickt eine ältere Kollegin. Diese hat zwar auch erhebliche Mühe, aber letztendlich klappt es mit der Bestellung. Der Mann ließ sich zu keinem Zeitpunkt von seinem herrischen Tonfall und seinem bayerischen Genuschel, das auch ich kaum verstand, abbringen. Er versuchte nicht mal, Hochdeutsch zu sprechen, um der Tschechin auch nur ein wenig entgegenzukommen.

    Unsere Fahrt führt uns auf sehr gut asphaltierten Straßen durch wunderschöne Landschaften. Die kleineren Ortschaften strahlen hingegen vielfach noch den Charme einer dem vergangenen Sozialismus entsprungenen Renovierungsbedürftigkeit aus und haben meist wenig zu bieten. Nur die Preise für Restaurants und Hotels wurden zwischenzeitlich auf den EU-Durchschnitt angehoben.

    Erkenntnis des Tages:
    Haben wir Deutschen verlernt, wie man sich als Gast in einem fremden Land verhält? Wir erwarten von anderen Respekt, Rücksichtnahme und Anpassungsfähigkeit. Sind wir selber dazu bereit?
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  • Day8

    Der Bayer und der „Saupreiß“

    September 12, 2020 in Czech Republic ⋅ ⛅ 21 °C

    Zitat:
    Die Reise gleicht einem Spiel; es ist immer Gewinn und Verlust dabei und meist von der
    unerwarteten Seite. (Johann Wolfgang von Goethe)
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    Ich schlendere durch die „Höllgasse“ von Passau, auf den Spuren der Künstler, die in diesem Viertel ihre Ateliers und Werkstätten haben. Dabei kann ich mich ganz einfach an den bunt bemalten Pflastersteinen orientieren, die jedes Jahr renoviert und neu gestrichen werden. Die schmucken Häuser stehen dicht beisammen und beschatten sich gegenseitig. Durch die Schaufenster sehe ich Bilder, Steinfiguren und Holzarbeiten und durch eine geöffnete Werkstatttür kann ich einen Künstler beobachten, der Eisenplatten miteinander verschweißt. Eine freundliche Begrüßung und ein paar anerkennende Worte zu seiner Arbeit lassen uns sofort tiefer ins Gespräch kommen. Er legt sein Schweißgerät zur Seite, wischt sich den Schweiß von der Stirn, macht sich ein Bier auf und kommt zu mir. Er ist gebürtiger und überzeugter Bayer. Und als er hört, dass ich aus Berlin komme, versucht er, mich zu ärgern, hatte dabei aber den Schalk im Nacken: „Bayern ist das älteste ununterbrochen existierende Staatswesen auf deutschem Boden“, sagt er und nimmt einen Schluck Bier. Dabei wirft er sich stolz in die Brust und glaubt, es so einem „Saupreiß“ mal so richtig zeigen zu können. Ich antworte: „Bevor ihr Freistaat wurdet, wart ihr ein Königreich. Die Königskrone wurde euch von Napoleon geschenkt und die Idee zum Freistaat hatte Kurt Eisner, ein Berliner!“ Ich sehe, wie es in ihm rumort: Das kann er jetzt nicht auf sich sitzen lassen. „Aber wir haben das älteste Lebensmittelgesetz der Welt: Das bayerische Reinheitsgebot“. Ich lache: „Ach, komm mir doch nicht damit: Ihr habt doch nur eine dürre Kopie des „Codex Hammurapi“ angefertigt und dem Kind einen neuen Namen gegeben. Aber ich muss zugeben, dass euer Marketing hervorragend ist.“ Dabei grinse ich ihn an. Er dreht sich wortlos um, geht zu seinem Kühlschrank und reicht mir eine kühle Flasche Bier. So stehen wir hier, der Bayer und der „Saupreis“, in der Höllgasse in Passau bei sengender Sonne und quatschen noch ein paar Minuten drauf los, bevor ich mich verabschiede und meiner Wege gehe.

    Erkenntnis des Tages:
    Die vielen Besichtigungen, die wir machen, sind großartig, aber im Prinzip wiederholbar. Es sind die kurzen Momente und Situationen, die etwas ganz Besonderes sind, weil sie einmalig und eben nicht wiederholbar sind. Diese Momente gilt es festzuhalten.
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  • Day7

    Ruhetage, Schwarzgeld + Begrüßungen

    September 11, 2020 in Germany ⋅ ⛅ 23 °C

    Zitat:
    Jede Reise ist wie ein eigenständiges Wesen; keine gleicht der anderen. (John Steinbeck)
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    Wir sind nun seit einer Woche unterwegs und es ist uns bis zum heutigen Tage nicht gelungen, ein Schloss oder eine Burg von innen zu besichtigen. Das ist schade, doch ein wenig haben wir damit gerechnet, denn in Corona Zeiten werden einfach weniger Tickets verkauft, um den Mindestabstand gewährleisten zu können. Verständlich und wir können das gut akzeptieren. Doch der Grund, weshalb wir auch heute keine Besichtigungen wahrnehmen konnten, hat uns doch mehr als überrascht: Freitags und Samstags ist häufig Ruhetag! Für uns völlig unerklärlich, denn wenn Touristen kommen, dann sicherlich am Wochenende. Und sowohl gestern wie auch heute hatten wir Probleme, eine Übernachtung zu finden. Der einfache Grund: Donnerstags und Freitags haben häufig die Gasthäuser und Pensionen Ruhetag. Ist das denn zu fassen? Wollen die hier in Bayern keine Touristen mehr haben? Brauchen die kein Geld?

    In diesem schwierigen Jahr nimmt der Staat Schulden auf, um insbesondere diejenigen zu unterstützen, die besonders unter den Maßnahmen leiden. Abgetragen werden die neu aufgenommenen Schulden im Laufe der nächsten Jahrzehnte durch die Steuereinahmen. Das setzt Solidarität in der Bevölkerung voraus. Doch die gibt es nicht: Auf unserer Reise kommen wir ohne Bargeld nicht mehr aus: Das Zahlen mit der Karte ist weitgehend verpönt. Es werden keine Rechnungen geschrieben und wir werden offen zur Steuerhinterziehung aufgefordert. In einer dermaßen direkten Art und Weise habe ich das noch nicht erlebt.

    Wir erreichen die „Tatzelwurm“-Wasserfälle und steigen die gut ausgebauten Wanderwege hinab ins Tal. Wir sind nicht alleine, auch andere Touristen sind hier unterwegs. Jeder Tourist, der uns beim Abstieg begegnet, begrüßte uns freundlich: „Servus“, „Grüß Gott“ oder „Guten Tag“. So freundlich wir es auch empfinden, so befremdlich ist es für uns Großstädter auch: Zumindest in Berlin ist es unüblich, jede fremde Person zu begrüßen. Aber es ist motivierend und macht gute Laune. Also grüßen wir fröhlich mit.
    Nach dem Abstieg kommt immer wieder der Aufstieg. Auf diesem geraten wir ins Keuchen und nach der Hälfte des Weges senken sich unsere Blicke und fixieren jeweils einen Punkt vor unseren Stiefeln. Wir schauen auf den Weg und machen wieder einen Schritt nach dem anderen. Plötzlich wurden wir sehr laut angesprochen: „Ich sagte „Guten Tag!““ schimpfte der ältere Herr. Ich schaute ihn verdutzt an, denn ich war gerade in Gedanken versunken und versuchte nur, den Aufstieg zu überleben. Völlig perplex murmelte ich eine Entschuldigung, beantwortete seine Begrüßung ebenfalls mit einem „Guten Tag“ und setzte meinen Weg fort. Nicht ohne sehr aufmerksam zu beobachten, ob erneut andere Menschen begrüßt werden mussten, was ich dann auch geflissentlich tat.

    Erkenntnis des Tages:
    Ob Begrüßungen, Ruhetage oder Abrechnungen: In Bayern ticken die Uhren einfach anders!
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  • Day6

    Im Reiseführer steht das nicht!

    September 10, 2020 in Germany ⋅ ☁️ 22 °C

    Zitat:

    Wenn du die Speisen ablehnst, die Brauchtümer ignorierst, die Religion fürchtest und die
    Menschen meidest, bleibst du besser Zuhause. (James Michener)
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    Die „Partnachklamm“ ist seit Jahrzehnten ein Naturdenkmal und gilt mit ihren 700 m Länge und 80 m Tiefe als eine der schönsten geologischen Formationen Europas.
    300.000 Touristen laufen jedes Jahr durch die Klamm und nehmen den 20-minütigen Spaziergang locker mal eben ins Nachmittagsprogramm mit auf.
    Also alles kein Problem!?
    Wer ahnt denn schon, dass diese 700 m Strecke im Corona-Jahr zur Einbahnstraße deklariert wird? Im Reiseführer steht das ebenso wenig, wie auf der aktuellen Internetseite. Auch an der Kasse wird einem das nicht gesagt. Unwissend machen wir uns motiviert an diesem ebenfalls sehr sommerlichen Tag in schweren Motorradstiefeln und Plastikhosen auf den Weg in die Klamm. Und es ist großartig! Die Farbnuancen, die bombastischen Gesteinsformationen, der urwaldähnliche Bewuchs und die faszinierenden Lichtspiele der wenigen Sonnenstrahlen, die es in die Schlucht schaffen, nehmen uns in ihren Bann und lassen uns mit offenem Mund staunen. Wie in den Reiseführern angekündigt, erreichen wir nach etwa 20 Minuten auf der anderen Seite den Ausgang. In jedem anderen Jahr dreht man sich um und läuft den Weg zurück. Das ist wegen der „Corona-Einbahnstraßenregelung“ dieses Jahr nicht möglich. Stattdessen werden wir durchs Gebirge geleitet: Zwei Stunden dauerte der sehr beschwerliche Weg über rutschige Böden, Geröll, unendliche Steigungen und mindestens 500 unregelmäßige Stufen, die dem Fels abgerungen wurden. Mehrfach sind wir ausgerutscht und beinahe gestürzt, konnten uns in letzter Sekunde an den sehr einfachen Geländern festhalten. Keuchend, durchgeschwitzt und mit brennenden Oberschenkeln und rasendem Herzschlag erreichen wir irgendwann das Ende des Weges. Moment mal: Waren wir gestern nicht auch so erschöpft? Und am Tag davor? War das nicht ähnlich? Und doch genießen wir jeden Tag wegen der unbeschreiblich vielfältigen Eindrücke, die uns diese Tour verschafft.

    Erkenntnis des Tages:
    Jeder Tag ist eine Mischung aus Emotionen, vielen neuen Eindrücken und tollen zwischenmenschlichen Geschichten. In Kombination mit dem Adrenalin, das uns beim Motorradfahren durchströmt, ist es eine großartige Reise!
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  • Day6

    Schweiß - Highline 179 - Migration

    September 10, 2020 in Austria ⋅ 🌙 12 °C

    Zitat:

    Reisen macht einen bescheiden. Man erkennt, welch kleinen Platz man in der Welt besetzt.
    (Gustave Flaubert)
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    Als der Deutsche Krieg 1866 zu Ende ging, waren Bayern und Österreich von den Preußen besiegt worden. Der bayerische König Ludwig II war zu diesem Zeitpunkt bereits finanziell am Ende. Er lebte in einer Traumwelt, glaubte er sei Parzival, und war baubesessen. Er baute mehrere Schlösser und das letzte, Schloss Neuschwanstein, so aufwändig, dass seine Finanzen dabei zugrunde gingen.
    Bismarck von Preußen wollte gerne Kaiser werden, benötigte dafür aber die Befürwortung des süddeutschen Adels und auf diesen hatte Ludwig II wiederum Einfluss. Also nutzte Bismarck die finanzielle Not von Ludwig II und bestach ihn mit Millionen. Im Gegenzug befürwortete der bayerische König die Kaiserkrönung. Seitdem waren ( und sind?) die Bayern Untertanen von Preußen.

    Wir bestiegen unsere Maschinen und steuerten über einsame und kurvenreiche Landstraßen zum Schloss Neuschwanstein, das, nach dem Willen von Ludwig II, niemals ein Fremder betreten sollte. Jedoch: Seit dem Tod von Ludwig II besuchten mittlerweile 130 Millionen Menschen das Schloss.

    Wir parkten und machten uns auf den Weg: 200 Höhenmeter waren zu bewältigen. Bei hochsommerlichen Temperaturen, strahlend blauem Himmel und brennender Sonne. Schon nach kurzer Zeit brannte uns der Schweiß in den Augen und wir keuchten den steilen Anstieg in unserer Motorradkluft hoch. Oben angekommen konnten wir das Schloss nur von außen besichtigen: Wegen der Abstandsregeln gab es nur wenige Tickets. Nach einer Weile machten wir uns auf den Abstieg, durchquerten das Tal und besichtigten auf der anderen Seite das Schloss „Hohenschwangau“, das ebenfalls etwa 200 m über uns lag. Fantastische Aussichten belohnten unsere erneuten Mühen und wir waren glücklich, hier zu sein..... Aber auch ziemlich fertig.

    Nach dem erneuten Abstieg erreichten wir unsere Motorräder Schweiß durchtränkt und waren froh, uns zunächst vom Fahrtwind trocknen lassen zu können. Doch schon nach kurzer Zeit stand die nächste Besichtigung an: Die „Highline 179“. 2014 wurde diese Brücke fertiggestellt und fand ihren Eintrag im „Guinness-Buch der Rekorde“ als längste Fußgängerbrücke der Welt im „Tibet Stil“, also freitragend. Über 100 m hoch und über 400 m lang. Von unten sehr schön anzuschauen, will man jedoch darüber laufen, muss man auch hier erst den Berg besteigen. So machen wir uns also auf dem Weg: Die Sonne brennt erbarmungslos, die brütende Hitze ist schon ohne Motorradsachen kaum auszuhalten. Keuchend und schwitzend setzen wir einen Fuß vor den anderen, höher und immer höher. Völlig fertig, total außer Atem und mit rasendem Puls erreichen wir endlich den Brückeneingang: Und keine Kneipe weit und breit!! Ich mache mich selbstständig: Jeder der hier hochkommt ist mit Sicherheit bereit, zehn Euro für eine Cola zu bezahlen. Das wird das Geschäft meines Lebens! Bei 160.000 Gästen pro Jahr wird es ja wohl zu schaffen sein, 50 Cola am Tag zu verkaufen.....

    Die Ausblicke sind phänomenal, aber das Laufen auf der Brücke, mit den durchsichtigen Gitterrosten, ist absolut nichts für Leute mit Höhenangst.

    Erkenntnis des Tages:
    1866 wurden die Bayern annektiert. Seitdem dauert die Migration an. Und ich bin nicht der Meinung, dass diese abgeschlossen ist. 😉 Weder die Sprache noch die Kultur ist mit anderen Bundesländern vergleichbar. Ich bin auch skeptisch, dass dieser Migrationsprozess jemals abgeschlossen sein wird. 😂
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  • Day4

    Kirchturmuhr - Kittelschürze - Moslems

    September 8, 2020 in Germany ⋅ ☀️ 16 °C

    Zitat:
    Was ist Reisen? Ein Ortswechsel? Keineswegs! Beim Reisen wechselt man seine Meinungen und Vorurteile. (Anatole France)
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    Bim - Bam - Bim - Bam ... Wir sind im christlichen Bayern. Jede Stunde läutete die Kirchturmuhr, um mir zu erzählen, dass es erst 2 Uhr früh, dann 3 Uhr, dann 4 Uhr ... ist. Was für eine Nacht!

    Wir kommen in den Frühstücksraum und werden von der alten Wirtin begrüßt. Frisur aus den 50ern und natürlich Kittelschürze. Sauber und frisch gestärkt. Und sofort beginnt sie das „Schnattern“. Auf sehr liebevolle und freundliche Art erzählt Sie von der Gastronomie vor 50 Jahren: Von den Reisenden, die den Ort erreichten, einfach ins Gasthaus kamen und nach einem Bett fragten. „Der Gast kam durch die Tür und ich wusste sofort, welches Zimmer zu ihm passt. Ohne dieses Internet und soon Schnickschnack.“ Und sie erzählte von den Reisebussen und deren Busfahrern, die noch während der Fahrt die Speisekarte im Bus herumreichten und die Fahrgäste aufforderten, sich ein Essen auszusuchen, damit es vorbestellt werden könne.

    Und während sie so eine Stunde lang unterhaltsam erzählt, fällt mein Blick auf die Wäscheleine, auf der frisch ausgewaschene Plastiktüten zum Trocknen aufgehängt wurden. Ich musste schmunzeln.
    Dabei wurde ein deftiges Frühstück serviert: Schlachteplatte, erntefrisches Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten und frische Brötchen. Kein Hotel kann herzlicher und besser sein.

    Wir besichtigen „Dinkelsbühl“ und hören die Nonnen hinter den Klostermauern singen. Überhaupt begegnet uns das Christentum überall: Jesus-Figuren an der Straße, Engelsfiguren an den Häusern und natürlich überall Kirchen!

    Auf der „Romantischen Straße“ bewegt sich laut und störend der Schwerlast- und Busverkehr. So drehen wir ab in die eher kleinen und deutlich weniger befahrenen Nebenstraßen und cruisen durch ansteigende Weinberge, üppige Obstplantagen und Maisfelder, die sattgrün und über 2m hoch voll im Saft stehen, bis wir am Abend, weit am Horizont, erstmalig die Alpen erahnen können.

    Erkenntnis des Tages:

    Das Christentum ist in diesem Bundesland sehr stark verankert. Hier ist die Integration von Moslems noch weitaus schwieriger als in allen anderen Bundesländern.
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  • Day3

    Romantik ohne Chinesen - Zeitreise

    September 7, 2020 in Germany ⋅ ☀️ 13 °C

    Zitat:
    Wir reisen an weit entfernte Orte, um fasziniert die Menschen zu beobachten, die wir daheim ignorieren. (Dagobert D. R)

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    Würzburg war heute unser Ausgangspunkt: Bei genialem Wetter zogen wir die Maschinen auf die „Romantische Straße“ und durchfuhren die Weinberge auf kleinen und kleinsten Nebenstraßen. Städte wie Tauberbischofsheim, Bad Mergentheim und Rothenburg waren unsere Ziele. Traumhaft in Corona-Zeiten! Normalerweise sind jährlich 25 Mio Besucher hier. Davon etwa 23 Mio Chinesen, Koreaner und Amerikaner....und die fehlen. Großartig 😁

    Götz von Berlichingen brauchte Geld. Er entführte einen vermögenden Domherrn und wollte von ihm den Standort seines Schatzes herauspressen. Doch der heilige Mann blieb standhaft und sagte nichts. Da ließ Götz beim Schmied in Würzburg eine eiserne Hose anfertigen, die fortan der Domherr tragen musste, bis er den Schatz übergab. Doch auch nach Jahren sagte der Domherr nichts. Als Würzburg dann erobert wurde, konnte er endlich die Hose ausziehen. Um an seine Qualen zu erinnern, gibt es noch heute, nach 500 Jahren, ein Schild am „Haus der eisernen Hose“.

    Und nebenan ist ein Dessous-Laden der besonderen Art: Für absolute Übergrößen. Die Körbchengrößen dürften weit am Ende des Alphabets liegen. Wer kauft denn sowas? Und wieso ist die Deko ägyptisch?

    Die Sonne geht bald unter und wir brauchen ein Quartier. Am Straßenrand stehend, stöbern wir im Internet. Ein älterer Herr steht neben uns und raucht eine Zigarette. Er wirft einen Blick auf Karsten‘s Kennzeichen: „OHV.... ihr kommt aus Oberhavel? Das ist weit ... Braucht ihr ein Quartier?“ Wir mustern ihn und bejahen. „Ich bin auch Motorradfahrer und wohne im Gasthof da vorne. Kommt mit...“ Ein unscheinbarer Gasthof und eine unscheinbare Toreinfahrt. Dahinter ein großer Innenhof mit Garagen und einem Garten. Der etwa 90 Jahre alte Gastwirt wischt sich seine schwieligen Hände an seiner weißen Schürze ab, schlurft heran, öffnet eine Garage und fährt seinen Wagen heraus. „Hier könnt ihr rein.“
    Beim Betreten des Hauses machen wir in Sekunden eine Zeitreise: Zurück ins Jahr 1960.
    Der gehäkelte Türstopper an der Haustür und das Stück „Lux-Seife“ im Bad lässen es erahnen: Das Haus und die Zimmer sind ein wenig wie „zu Besuch bei Oma“. Alles ist Piko-bello sauber. Großartig! Wir sind gut untergebracht...fast im Zentrum von Rotenburg und genießen die unkomplizierte Freundlichkeit unserer Gastgeber.

    Erkenntnis des Tages:
    Es hat sehr gute Gründe, warum Millionen Touristen nach Deutschland kommen: Deutschland ist großartig! Insbesondere dort, wo mit viel Liebe das kulturelle Erbe restauriert wurde.
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  • Day2

    „Die kleine Meerjungfrau“ - Las Palmas

    September 6, 2020 in Germany ⋅ ☁️ 15 °C

    Zitat: Nur unterwegs erfährt man das Gefühl märchenhafter Verwunschenheit. (Erich Kästner)
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    Die Männer und die Jungen, ab dem 10ten Lebensjahr, arbeiteten hart für einen kargen Lohn. Und die Arbeit war gefährlich. Sie gruben sich, nur mit Hammer und Meißel, 1911 immer tiefer in das Gestein und trafen auf ein paar Hohlräume. Die Kinder krochen durch die schmalen Gänge und mussten den Abraum rausbringen...... 72 Stunden je Woche.....für 15 Groschen. Nicht genug, um die Familie zu ernähren, weshalb die meisten einen zweiten Job hatten.
    Im Schein der spärlich leuchtenden Grubenlampen konnte der neue Eigentümer der Alaunschiefergrube „Jeremia’s Glück“, Adolf Mützelburg, nur andeutungsweise erkennen, welch faszinierende Formen sich schrittweise im kargen Licht zeigten. Ein eilig installierter Scheinwerfer offenbarte die ganze Pracht in diesem weitläufigen Raum, der schon bald „Märchendom“ heißen sollte. Neben einer Fülle von Tropfsteinen und farbigen Ablagerungen beherrscht sein größter und wohl berühmtester Tropfstein, die majestätisch auf einem Bergsporn stehende „Gralsburg“, den riesigen Raum. Siegfried Wagner fand sie so toll, dass er die Silhouette der Gralsburg als Bühnenbildvorlage für den „Tannhäuser“ im Rahmen der Bayreuther Festspiele nutzte. Nun stehen wir hier vor der Vorlage und staunen nicht schlecht: Wie in einem Märchen fühlen wir uns in den „Saalfelder Feengrotten“. Kein Wunder, dass jemand auf den Gedanken kam, "Die kleine Meerjungfrau" hier zu drehen. Mittlerweile steht die Grotte als "farbenreichste Schaugrotte der Welt" sogar im Guinness-Buch der Rekorde.

    Wir cruisen in langgezogenen Kurven den Rennsteig entlang, in den fränkischen Wald. Dort besichtigen wir „Festung Rosenberg“, die nie erobert und nicht ein einziges Mal zerstört wurde und machten Pause im Eiscafé „Las Palmas“: Der ältere Herr schiebt sich das Basecap zurecht, kommt an unseren Tisch und stellt einen Becher mit zwei Kugeln Eis vor uns hin. Dann hören wir eine ausländische Sprache...... Wir brauchen alle einen Moment um zu begreifen, dass es sich um genuscheltes, tiefstes Bayrisch handelt. Also Deutsch.... irgendwie.... Wir konzentrieren uns und hören einzelne Töne, die wir irgendwie als Wörter identifizieren. Wir tauschen uns aus und kommen gemeinsam zum Ergebnis, dass er uns eine neue Eiskreation vorstellt, die wir probieren sollen: Rotwein- und Weißweineis. Sehr lecker! Befremdlich ist, dass er uns einwandfrei versteht, wir ihn aber kaum. Er erzählt uns noch, dass er Berlin aus den 70ern in Erinnerung hat und dass früher alles besser war. Dann setzt er sich an den Nachbartisch ohne zu merken, dass es Franzosen sind, die praktisch kein Deutsch sprechen. Macht nix..... er quatscht sie voll..... und irgendwie, mit Händen und Füßen, werden sie auch zu Testessern.
    Doch wieso nennt ein Bayer sein Eiscafé „Las Palmas“??

    Den Abend verbringen wir bei bayerischen Leckereien mit Livemusik: Ich wusste gar nicht, dass man den Country-Song „Mary Lou“ auch auf bayrisch spielen kann 😂

    Erkenntnis des Tages:
    Die schwere Arbeit vor 100 Jahren verkürzte die Lebenserwartung auf nur 40 Jahre. Damals wäre ich also bereits seit 20 Jahren tot. ........ Und heute regen sich manche auf, weil eine Maske getragen werden soll. Nie ging es den Menschen so gut wie heute!
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