Dígame!
September 29 in Spain ⋅ ☁️ 25 °C
Unterwegs lief bei mir das Hörbuch „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling, (Zum 3. oder 4 Mal. Ich hatte es mal vor Jahren gekauft.).
Immer wieder erstaunlich, wie genau er vieles trifft. An manchen Stellen merkt man aber, dass er den Weg vor 25 Jahren gegangen ist. Da klingt manches wie aus einer anderen Welt. Kein Smartphone, keine Camino-App, kein Booking.com. Warum ich das erwähne? Dazu gleich mehr.
In San Vicente de la Barquera habe ich mit Hilfe von Claude (ja, der KI) endlich einen kleinen Schuhladen gefunden, der Trekkingsandalen auch in größeren Größen führt. Genau ein Paar stand zur Auswahl. Es passte. Für meine Füße war das erst mal ein Befreiungsschlag: Nach Blasen und wunder Stelle am kleinen Zeh kam endlich Luft ran. Ich habe die Sandalen gleich anbehalten und die Wanderschuhe außen an den Rucksack geschnallt. Leichter wird er dadurch natürlich nicht 🥵
Die Freude hat allerdings einen Haken. Mit meinen Senk-, Spreiz-, Knick- und Plattfüßen brauche ich eigentlich Halt und die passenden Einlagen, und genau das fehlt jetzt. Die alten Druckstellen haben Ruhe, dafür werden sich früher oder später andere Baustellen melden. Das ist mir klar. Für den Moment tut es trotzdem gut. Wie ich Schuhe und Sandalen künftig im Wechsel einsetze, finde ich in den nächsten Tagen heraus.
Kerkeling erzählt von endlos monotonen Kilometern, von schmerzenden Füßen, von der Frage, was das Ganze eigentlich soll, und ob er nicht besser gleich aufhört. Das konnte ich heute ziemlich genau nachvollziehen. Aber wie bei ihm gilt auch für mich: Aufgeben ist keine Option. Irgendwo erzählt er von einem Kellner mit „Keep on Running“ auf dem T-Shirt. Passt.
Um 15 Uhr dann die Ernüchterung: Die Pension, die ich mir ausgesucht hatte, war ausgebucht. Booking.com meldete trocken: keine freien Zimmer in der Umgebung. Dazu fing es leicht an zu regnen, kein Unterstand in Sicht. Kein Dach, kein Bett. Ein bisschen Panik kam da schon auf. Alles spontan auf mich zukommen zu lassen, ist eigentlich nicht mein Ding. Raus aus der Komfortzone, heißt es ja so schön.
In einer Camino-App tauchte dann noch ein Gasthaus auf, das bei Booking gar nicht gelistet ist. Eine Telefonnummer, sonst nichts. Einem Spanier gegenüberzusitzen und sich mit Händen, Füßen und drei Sprach-Apps durchzuschlagen, ist eine Sache. Am Telefon fällt die Hälfte davon weg. Und dass am anderen Ende jemand Englisch spricht, darauf wollte ich nicht wetten.
Also ein paar Vokabeln nachgeschlagen, Bauch rein, Mut raus und angerufen.
„Dígame“, meldet sich eine Stimme. Sinngemäß: „Ja, bitte?“ oder „Womit kann ich dienen?“
„Do you speak English?“, frage ich zaghaft.
„No.“ Klar und deutlich. War ja zu erwarten.
Also sage ich mein vorbereitetes Sätzchen auf Spanisch auf, beantworte noch ein paar Rückfragen, und am Ende heißt es: „Vale.“ Alles klar. Ich habe ein Zimmer.
Geht doch. War gar nicht so schlimm. Einziger Haken: Das Gasthaus lag nicht gerade um die Ecke. Am Ende standen 24 Kilometer auf der Uhr, deutlich mehr als geplant. Wie schon in Laredo musste ich also ein Stück weiter, als meine Füße eigentlich wollten. Diesmal ging es aber besser als damals.
Im Nachhinein glaube ich sogar, dass genau dieser Anruf meine Rettung war: Über Booking war alles voll, Herbergen gibt es hier keine, und auf Spanisch anzurufen, trauen sich vermutlich nicht allzu viele. Seit meinem „¿Existe la posibilidad para comer algo?“ in der Pension vor ein paar Tagen hat sich mein bisschen Spanisch heute zum ersten Mal richtig ausgezahlt.
Und dann die Belohnung: Das Zimmer hat eine Badewanne. Eine kleine. Ich muss mich zusammenfalten, um reinzupassen, aber das ist mir herzlich egal. Heißes Wasser einlassen, mal oben, mal unten aufwärmen. Nach so einem Tag ist das pure Wellness.Read more








Traveler24 Kilometer statt 12, Sandalen statt Wanderschuhe, Spanisch statt Englisch und am Ende eine Badewanne, in der du mit beiden Füßen gleichzeitig drin stehen kannst. 😂 Wenn das kein Jakobsweg ist, weiß ich auch nicht. Raus aus der Komfortzone, rein in die Wanne!🛀
TravelerNicht ganz, ich hatte ursprünglich 21,8km geplant, jedoch habe ein paar Abkürzungen genommen, so dass es dann knapp 20km gewesen wären. Dann kamen die 4km noch dazu.
Traveler
Schick 👍