• St. Augustine, Campground + Raketenstart

    13.–14. feb. 2024, Forenede Stater ⋅ ☁️ 18 °C

    Nach einer entspannten Nacht werden wir mit langsam steigenden Temperaturen im Bus wach. Schattige Plätzchen zu finden ist meistens so eine Sache. Zudem stehen wir manchmal auch direkt mit dem Heck von Freddie in Richtung Osten, so dass die Sonne ab dem frühen Morgen direkt den Wohnbereich wärmt.

    Heute steht einiges auf dem Programm: Strand, Spaziergang, Besuch der ältesten Stadt der USA, Duschen, Abwasser entleeren und Kilometer machen, damit wir in der Nähe von Cape Canaveral sind und den Start einer Rakete beobachten können.

    Wir optimieren also ein wenig und füllen den Kaffee in unsere Thermobecher, laufen über die Holzbrücke zum Strand und laufen gen Süden. Das Wellenrauschen, der seichte Wind, die Sandläufer, die Sonnenstrahlen und ziemlich viele schöne Häuser am Strand sorgen für ein Dauerfeuer an Eindrücken. Immer wieder bleiben wir stehen, halten inne und genießen den Moment dankbar. Auf dem Rückweg zum Auto verquatschen wir uns am Strand mit einem älteren Paar aus der Nähe von Boston, die dem kalten Wetter entflohen sind. Luftlinie in etwa die gleiche Distanz wie von Köln nach Andalusien.
    Nachdem wir den beiden antworten, dass wir knapp sechs Monate unterwegs sein werden, bekomme ich ein spontanes High-Five und die beiden freuen sich wirklich richtig für uns - großartig.

    Wieder bei Freddie packen wir zusammen und machen uns auf den Weg. Die geplante Dusche im Fitnessstudio verlegen wir auf nach den Stadtbummel - es wird warm und wir werden eh schwitzen. Schnell finden wir in St. Augustine einen Parkplatz für Reisebusse und Camper, der im Gegensatz zu den anderen Plätzen sogar kostenlos ist.
    Der erste Eindruck vom historischen Viertel erinnert uns beide zunächst an die Western-Stadt im Phantasialand. Fast alle Gebäude der historischen Innenstadt stehen heute unter Denkmalschutz und werden in ihrem alten Charme mehr oder weniger erhalten. Am ältesten hölzernen Schulgebäude der USA kommen wir auch vorbei, ein wirklich winzig kleines Häuschen in dem heutzutage nicht eine einzige Klasse Platz hätte. Alle Inventarteile sind Original und bis heute nicht restauriert oder erneuert worden.
    Wir laufen beschwingt durch die Eindrücke und die Musik durch die Straße und stoppen vor der Kathedrale von St. Augustine und besichtigen diese nacheinander. Gebaut im Jahre 1793 lässt sich der spanische Einfluss bereits von außen nicht verstecken. Im Inneren ist diese so ganz anders, als das was wir von katholischen Kirchen in Deutschland gewohnt sind.
    Wir machen noch einen längeren Stopp am privaten Flagler College, dieses hat seine Gebäude heute im 1888 gebauten Luxushotel Ponce de Leon. Hier hätten wir beide auch für unser Grundstudium gelernt.

    Nachdem wir wieder bei Freddie angekommen sind und die Uhrzeit sehen, schauen wir, ob wir nicht doch noch einen Campground in der Nähe vom Cape Canaveral bekommen - die Tage zuvor war bereits alles ausgebucht - wird wahrscheinlich neben dem Wetter auch an den Raketenstarts liegen. Mit etwas Glück finden wir einen Platz und bezahlen nach kurzem Zögern die knapp 100$ Gebühren - immerhin werden wir dort dann Duschen, Abwasser und Müll los und können Nachts den geplanten Start sehen.

    Mit Musik und Vorfreude rollen wir los, bewundern immer wieder die sich abwechselnden Palmen und kleinen Sumpfwälder. Nach einem Stopp im Supermarkt schaffen wir es gerade noch einigermaßen pünktlich bevor das Haupttor geschlossen wird. Schnell realisieren wir, dass Freddie außer den Golfautos das kleinste Gefährt ist.
    Nach einem kleinen Abendessen genießen wir den Blick in das Grüne und Blaue, wo sich Fischreiher und fliegende Fische scheinbar im Wechsel begrüßen. Auf den beiden Nachbarplätzen unterhalten sich lautstark zwei Boomer-Paare aus Kanada und Texas über alle mögliche Dinge - unter anderem auch über politische Themen. Wir kommen aus dem innerlichen Kopfschütteln nicht mehr raus, belassen es dann aber auch dabei. Hoffen wir einfach das mal das Beste für die politische Entwicklung der USA in den nächsten 5 Jahren.

    Um kurz vor Mitternacht klingelt der Wecker und wir schlendern zum Pier - in knapp 60 km Luftline wird in wenigen Augenblicken die Raketen starten und ich freue mich wie ein kleiner Junge drauf. Es passiert in dieser Nacht aber nichts und wir gehen wieder schlafen.
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