Auf geht's
February 2, 2024 in Germany ⋅ ☀️ 8 °C
So, wir sitzen im Flieger, das Meilenupgrade hat auf den letzen Metern geklappt und es hat weniger Meilen gekostet, als gedacht.
Alles in allem sind wir dem Streik ein wenig dankbar. Wir sind gestern Abend ganz entspannt im Hotel angekommen und der Morgen war absolut entzerrt. Ich bin mit dem Gepäck im Shuttle zum Flughafen und Hanna ist mit Bella zum Flughafen gelaufen.
Bella war im Flughafen vollkommen unaufgeregt und wie meistens einfach Zucker.
Die Abgabe am Sperrgepäckschalter war mega entspannt und die Menschen der Lufthansa haben das sehr gut gemacht und uns ein sehr gutes Gefühl gegeben.
Bella wollte nicht ohne Leckerchen in die Box und der Blick rief: Ich bin ein Star, holt mich hier raus..Read more
Washington D.C.
Feb 2–4, 2024 in the United States ⋅ ⛅ 8 °C
Mit etwas Verspätung ist unser Flieger am Freitagabend gelandet und wir waren innerhalb von zwei Stunden nach der Landung schon im Hotelzimmer (Grenzkontrolle, Einsammeln von Gepäck und Bella sowie „Zoll“ inklusive). Nach kurzer Pause auf dem Zimmer und ein paar Streicheleinheiten für Bella - der wir auch heute am Dienstag nicht anmerken, dass sie das Fliegen irgendwie gestört hat - haben wir eine Runde entlang am Kapitol zum Monument gedreht. Schon verrückt hier in der Hauptstadt zu sein, die man sonst nur aus den Nachrichten bzw. Filmen kennt.
Am Samstagmorgen haben wir uns dann nach einem wohl typisch-amerikanischem Frühstück aufgemacht DC zu entdecken. Entlang am Kapitol und Monument ging es kurz zum Weißen Haus (verglichen mit den anderen Bauten unspektakulär) und dann Richtung Georgetown - immerhin 40 Jahre älter als Washington selbst. Das geschäftige Treiben auf der Einkaufsstraße und die vielen kleinen Häuser wirkten auf uns irgendwie vertraut und haben uns ein wenig verzaubert.
17 Kilometer später waren wir gegen 18 Uhr auf dem Zimmer und nicht wesentlich später sind wir dann auch schon eingeschlafen. Eine fast volle Arbeitswoche, Jetlag und viele Eindrücke hatten da wohl gemeinsam Anteile dran.Read more
Nochmal durch D.C.
Feb 4–5, 2024 in the United States ⋅ 🌙 2 °C
Mit genug Schlaf und einem deftigem Frühstück haben wir uns am Sonntag aufgemacht in Richtung Lincoln Memorial. Der gesamte Komplex ist übrigens die sogenannte National Mall und hat sich mit dem vielen weißen Marmor bei knapp 15 °C von einer ganz besonders schönen Seite gezeigt. Links und rechts der Wege tollten Chips & Chaps (Grauhörnchen).
Nach einer kurzen Sonnenbad am Lincoln Memorial haben wir uns dann Vatter Abraham auch mal angeschaut - keiner von uns beiden hatte auf dem Schirm, dass die Statue (oder das Monument?) so groß ist.
Entlang des Potomac River ging es dann in Richtung The Wharf - einer auf modern getrimmten Nachbarschaft inklusive Uferpromenade im Süden von D.C.. Hier haben wir dann auch mit Blick auf das Ufer mexikanisch gegessen - wir hoffen sehr, dass uns auch in sechs Monaten die Portionen immer noch zu groß sein werden.
Etwas später als am Tag zuvor sind wir dann schlafen gegangen - nach diesmal 16 Kilometern waren wir auch wieder gut müde.Read more
Nach Freddie kommt die Reizüberflutung
Feb 5–6, 2024 in the United States ⋅ ☀️ 7 °C
Am Montagmorgen hat sich Christian auf gemacht den Mietwagen abzuholen, damit wir mit unseren sieben Sachen nach Baltimore zum Hafen kommen um Freddie einzusammeln. Kurz vor Baltimore haben wir dann noch die Transportbox von Bella an ein Tierheim gespendet.
Nach einer kurzen Wartezeit am Büro vom Eskortservice hat sich Christian mit diesem auf in Richtung Baltimore Terminal gemacht. Der Eskortservice ist ein externer, zertifizierter Diensleister der Privatpersonen in das Hafengebiet begeleitet, da diese ansonsten keinen Zugang haben. Nach dem Ausfüllen der letzten Unterlagen gab es dann auch den großen Moment, über den wir uns vorher ein paar Gedanken gemacht haben: „Würde Freddie anspringen oder bräuchte er Starthilfe?“
Die Freude war groß als er dann nach vielleicht 2-3 extra „Orglern“ direkt angesprungen ist. Vom Hafengelände ging es dann erstmal zur Tankstelle - einmal volltanken waren dann 19 Gallonen und knapp 75$ - mit dem Preis können wir die nächsten Monate gut leben (über die Kosten und die amerkischen Maßeinheiten berichten wir noch gesondert).
Nachdem Freddie mit Christian wohlbehalten bei Bella, dem Mietwagen und mir angekommen ist, hat Christian angeboten den Mietwagen wegzubringen, während ich auf dem großen Parkplatz, auf dem wir gewartet haben, schon mal ein wenig herum gewuselt habe. Bella hat selig im Fahrerhaus gedöst und bis Christian mit zwei riesigen Kaffees wieder eingetrudelt it, hatte ich immerhin einen Seesack geleert.
Gemeinsam haben wir noch eineinhalb Stunden hin und her geräumt, Vorräte verpackt, das Bett bezogen Schubladen eingeräumt und vieles wieder so sortiert, dass wir es schnell bei der Hand haben. Für die Verschiffung musste Freddie 'blickleer' sein, außerdem haben wir natürlich die Kisten, die wir für unsere "Garage" gepackt haben noch nicht perfekt positioniert. Das wird sicher noch ein wenig dauern, aber Montag haben wir schon einen guten Anfang gemacht.
Für mich ist es aktuell noch eigenartiger in Amerika zu sein, jetzt wo unser zweites Heim hier bei uns ist. Es ist noch schwerer zu greifen, das wird so weit von zu Hause weg sein sollen. Ich fühle mich zwischendurch wie in einen Film gesetzt. Mal schauen, wann das Gefühl nachlassen wird.
Um 17 Uhr Ortszeit haben wir uns auf gen Süden gemacht und sind auf dem Weg zu einem Walmart durch Baltimore City gefahren. Riesige Häuser, rauchende Gullis und ein ganz anderes Flair brachten uns ordentlich zum Staunen.
Schließlich sind wir in Severn, zwischen Baltimore und Washington gelandet und waren das erste Mal bei Walmart einkaufen.
Schnell haben wir gemerkt, dass die Produktgrößen nicht ganz kompatibel mit unseren 'kleinen' Camper Kühlschrank sind. So werden Getränke in der Regel in Gallonen verkauft, was 3,8 Litern entspricht. Auch eine halbe Gallone passt leider nicht in den Kühlschrank... Mal schauen, wann und wo wir eine Lösung für das Problemchen finden. Ansonsten waren wir schier erschlagen vom Angebot. Neben Lebensmitteln gibt es eine Kleidungsecke, einen riesigen Drogerie Bereich, Auto Zubehör, Reifen, Waffen, Camping Zubehör, ein Garten Center und einen Technik Bereich.
Nach diesem Erlebnis haben wir beschlossen nicht weiter zu fahren und durften auf Nachfrage eine Nacht auf dem Parkplatz stehen bleiben. Dies geht scheinbar häufig bei Walmart und war für diese Nacht die beste Entscheidung. Also haben wir uns bei Minusgraden in Freddie gekuschelt und haben die erste von vielen Nächten bei Walmart auf dem Parkplatz verbracht.Read more
Wir rollen los...
Feb 6–7, 2024 in the United States ⋅ 🌬 6 °C
Es ist Dienstag, heute passiert nicht so viel. Wir sind ganz schön damit beschäftigt uns zu akklimatisieren. Bei mir (Hanna) kündigt sich eine Migräne an, das war aber bei all den Eindrücken und bei dem Abfallen der Anspannung, ob mit Freddie, Anreise, Bella und allem möglichen anderen auch alles gut geht, schon fast abzusehen. Dank einer Triptan geht es nach einiger Zeit bergauf, aber wir gehen Alles ein wenig langsamer an.
Aktuell stehen wir halt vor dieser riesigen Zeitspanne und haben uns diesmal, nach einigen Diskussionen, dazu entschieden, dass wir nichts außer einer groben Strecke vorplanen wollen. Und dabei können wir recht gut planen 😉. In den letzten Urlauben haben wir auch wenig vorüberlegt außer einer groben Route, das hat in der Regel super geklappt. Oft war es leider trotzdem so, dass wir von der sogenannten "fomo" (fear of missing out/ Angst etwas zu verpassen) gepackt wurden und im Rückblick teilweise dachten, dass wir an bestimmten Orten auf unser Bauchgefühl hätten hören und länger an einem Ort hätten verweilen können. Jeden Tag weiter fahren, würden wir für sechs Monate gar nicht durchhalten.
Aber gerade stehen wir zwischendurch hier, nachdem all das was wir (wobei zu 90% Christian) geplant haben, perfekt aufgegangen ist. Und nun drehen wir uns gefühlt mehrmals am Tag im Kreis und denken: "Ja un nu?" 😂 Gleichzeitig vertrauen wir aber auch darauf, dass sich das alles schon finden wird und sich in dieser ganz neuen Situation ganz bald eine Routine einspielen wird. Wir können nur daran wachsen und ich denke, wenn uns das gelingt, kann man ganz viel davon nach dem Sabbatical mit in den Alltag nehmen.
Wundert einen gar nicht, dass es momentan ein bisschen anstrengend fürs Köpfchen ist, wenn man das mal einen Tag später reflektiert 😉
Nachdem wir also ganz langsam in den Tag gestartet sind, haben wir folgende Hauptpunkte für den Dienstag festgelegt:
- südlich fahren, damit die Temperaturen nachts aushaltbarer werden
- Gas besorgen, damit wir kochen können (am Montag im Walmart waren die passenden Kartuschen ausverkauft)
- Trinkwasser finden
- noch mal in den Einkaufsdschungel wagen, weil ein paar grundlegende Dinge noch fehlen.
Südlich fahren klappt problemlos, die meiste Zeit des Tages sehen wir den Highway, bis zu sieben Spuren in eine Richtung, alles ist riesig und viel von der Natur sehen wir noch nicht, aber wir kommen flugs voran.
Wir machen halt an einer Mall, probieren dort Aunt Annie's aus (ein Laden, der sich auf Laugengebäck spezialisiert hat. Allerdings wird das Bretzel-ähnliche Gebäck scheinbar frittiert - warum?) und besorgen uns einen Kaffee bei Starbucks. Danach wagen wir uns nochmal in einen Walmart. Wir füllen Gewürze auf, besorgen ein bisschen frisches Gemüse, Wraps, ein Feuerzeug und finden die fehlenden Gaskartuschen.
Nach weiterer Fahrtzeit hat Christian einen öffentlichen Wasserhahn über Park4Night gefunden und wir probieren unseren Wasserfilter das erste Mal aus...es klappt und das Wasser schmeckt... Feuer und Wasser, jetzt sind wir auch wieder fähig, uns gut allein zu versorgen ❤️
Abends kommen wir in der Nähe von Virginia Beach 🏖️ an, auf einem Parkplatz sofort an den Dünen. Es ist total windig, aber ruhig und man kann das Wellenrauschen hören. Traumhaft! Die Nacht wird etwas wärmer als die vorherige und wir schlafen wirklich gut.Read more
Sylt bis Allgäu...
Feb 7–8, 2024 in the United States ⋅ ☁️ 5 °C
Es ist Mittwoch, wir wachen bei 4° auf und haben in der zweiten Nacht auf jeden Fall schon weniger gebibbert. Wahrscheinlich ist das alles einfach Gewöhnungssache. Dafür wurden wir die Nacht durch den Wind am Meer seicht durch geschaukelt.
Um kurz vor zehn pellen wir uns aus dem Bett und machen uns fertig. Bella hat dafür wenig Verständnis. Ich denke nach einem halben Jahr wird sie sehr verwöhnt sein. Wahrscheinlich müssen wir ihr dann erst neu beibeingen, dass sie nicht einfach ohne Einladung nachts zu uns ins Bett hüpft.
Wir packen uns ordentlich ein (der Wind ist riesig), statten uns mit unseren Sonnenbrillen aus und hopsen einmal über die Straße zum Strand. Das Meer ist wild, außer uns ist nichts los und Bella tollt am Strand herum, zerlegt Treibholz und paniert sich voller Hingabe im Sand. Die Gebäude, die sofort am Strand stehen sind imposant. Wie man es sich vorstellt mit Veranden und in schicker Holzbauweise mit gebührendem Abstand trohnen sie in den Dünen. Im Sommer ist hier wahrscheinlich unglaublich viel los.
Wieder an Freddie angekommen rollen wir los und verlassen nach recht kurzer Zeit Virginia und passieren die Grenze nach North Carolina. Hier wurde uns empfohlen den Blue Ridge Parkway zu fahren. Eine im Inland liegende 755 km lange Panoramastraße, die zwei Nationalparks mit atemberaubenden Gebirgen verbindet. Es ist super verlockend, doch mehr als zwei drittel des Passes sind aktuell wegen Schnee und anderer Wetterbedingungen gesperrt. Wir verzichten also und entscheiden uns dafür uns in Richtung Wilmington zu halten. Wer die Outlander Reihe von Diana Gabaldon gelesen, gehört oder die Serie gesehen hat, bleibt unweigerlich an dem Namen hängen. Die 1739 gegründete Stadt am Fluss Cape Fear war also für uns ein must see.
Den Tag über sind dir 4 Stunden gen Süden gerollt, diesmal auch nicht nur über den Highway, sondern durch typisch amerikanische Siedlungen. Häuser säumen die Straße, die riesig sind mit großen Grundstücken und ohne Grundstücksbegrenzungen. An Highway Auf- und Abfahrten finden sich meist eine unglaubliche Auswahl an Fast Food Läden und Einkaufsmöglichkeiten. Wir haben den Laden IHOP (international House of Pancakes) ausprobiert und haben jeder einen Turm an Pancakes verspeist. Ich hatte Bananen, Erdbeer Pancakes und Christian hat sich an New York Cheesecake Pancakes versucht. Dazu gab es ne Kanne Kaffee. Satt gefuttert sind wir dann noch zu Aldi gehüpft, in der Hoffnung, dass es hier vielleicht die passende Milchgröße für unseren Kühlschrank geben könnte. Keine Chance... Wir haben einen habe Gallone Kanister gekauft und voila, mit viel Gequetsche passt er sogar in die Kühlschrank Tür. Dann noch für 58 Euro Freddie vollgetankt und wir waren bereit für die letzten Meilen bis Wilmington.
Hier angekommen haben wir für dem Parkplatz eines Restaurants ein unspektakuläres Plätzchen für die Nacht gefunden und noch eine Runde mit Bella im Industriegebiet gedreht und haben in Freddie Wraps gezaubert.
Christian hat gestern ausgerechnet, dass wir seit Montag die Strecke von Sylt bis zum Allgäu - also die komplette Nord-Süd-Ausdehnung Deutschlands - zurückgelegt haben. Kaum zu glauben, wieviele tausende Meilen noch vor uns liegen und wie viele unterschiedliche Landschaften uns noch erwarten...Read more
Fluss, Stadt, Wald
Feb 8–9, 2024 in the United States ⋅ ☀️ 8 °C
Es ist Donnerstag, wir wachen nach einer ruhigen Nacht bei angenehmen 22° in Freddie auf. Ein paar Plätze neben uns auf dem Parkplatz steht ein langes Wohnmobil, dass die ganze Nacht seinen Generator hat laufen lassen. Allgemein ist es hier wirklichs so, dass Motoren einfach laufen gelassen werden und die meisten Straßenschiffe schlucken bestimmt ordentlich Kraftstoff. Naja wir haben gut reden, wir planen noch tausende Meilen mit Freddie durch das Land zu hoppeln 😉
Irgendwie ist unsere Stimmung eigenartig. Wir sind ja nunmehr seit 5 Jahren mit Freddie unterwegs, waren in Deutschland, Schweden, Irland und Schottland unterwegs und sind eigentlich alte WildCamper-Hasen. Aber es fühlt sich aktuell an, als seien wir das erste Mal mit Freddie unterwegs. Man merkt einfach, dass Amerika kulturell, bebauungstechnisch und auch vom Camping her ganz anders zu sein scheint.
Im Vorhinein haben wir uns mehrere Apps zum Thema Boondocking (freies Stehen bzw. Übernachten in städtischen Gebieten) und zum Dispersed Camping (quasi das gleiche, nur halt in der Natur) runtergeladen. Für uns war klar, dass wir auf regulären Campingplätzen nur stehen wollen, wenn es nicht anders geht.
Das Boondocking ist in den USA zum Großteil auf Parkplätze von Walmart und co. beschränkt und hat daher dann auch wirklich eher ein absolut zweckmäßigen Charakter. Wir sind nach ein wenig Überlegung aber auch zur Erkenntnis gelangt, dass wir auf unseren vergangenen Reise sowieso selten auf städtischen Stellplätzen standen - wenn, waren wir dann aber zumindesr nicht aufm Parkplatz vorm Netto 😉
Warum hat es sich gestern morgen also so eigenartig angefühlt? Wir haben alle drei Nächte auf einem Parkplatz verbracht, entweder in Vororten oder in touristischen Bereichen. Im Vorhinein haben wir uns unterbewusst schon auf die tollsten und abgelegensten Stellplätze eingestellt. Irgendwie suggeriert das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ja auch, man stünde mit Freddie immer an atemberaubend lauschigen Plätzchen - wie bei Breaking Bad halt.
Wir gehen einfach mal davon aus, dass all diese Plätze im Nirgendwo mit Ruhe, Tiergeräuschen und wenigen Menschen noch kommen werden. All die Städte, die hier auf unserem Weg sind, interessieren uns auch einfach so sehr, dass es die richtige Entscheidung sein wird, ein paar Nächte praktische Parkplatz-Unterkünfte zu wählen. Und sicher haben wir uns bisher jederzeit gefühlt.
Wir haben also das Gefühl der Grummeligkeit hinter uns gelassen und sind nach Wilmington rein gefahren. Das Wetter ist traumhaft, wir spazieren gute zwei Stunden 6,5 km am Riverside Walk entlang und genießen die Aussicht auf die historische Altstadt. North Carolina ist einer der Gründungsstaaten und Wilmington war im 18. und auch 19. Jahrhundert eine Metropole und wichtige Hafenstadt. Der ganze Riverside Walk ist mit Infotafeln bestückt, mit Hilfe derer man eine kleine Reise in die Vergangenheit unternehmen kann. Die Stadt mit 150.000 Einwohnern liegt sofort am Fluss Cape Fear, der einige Meilen Ostwärts im Atlantik mündet. Die Häuschen, bzw. eher Villen erfüllen die stereotype Südstaaten-Erwartung, die wir aus Büchern von Diana Gabaldon im Hinterkopf haben.
Unterwegs treffen wir einen anderen Hundebesitzer, der uns nach einem kurzen Plausch fragt wo wir herkommen - er hat gehört wie wir uns auf Deutsch unterhielten. Nachdem er hört, dass wir unseren Camper haben verschiffen lassen, fragt er uns ganz begeistert, ob wir auch nach Florida wollen, da er selbst in Orlando wohnt. Kurzerhand gibt er uns Tipps zu Sehenswertem und tippt seine Empfehlungen in meine Google Notizen ein. Wir sind gespannt, was uns erwarten wird. Nachdem wir uns verabschiedet haben, schließen wir den Spaziergang mit köstlichem Eis (Kürbis, gesalzenes Karamell, Karamell-Schoko und geröstete Kokosnuss 😋) und gutem Kaffee.
In Freddie gehopst, geht es weiter südwärts. Unser nächster großer Stop wird Charleston in South Carolina sein. Wir fahren heute wieder viel auf dem Highway und wundern uns, dass wir nach ein paar Stunden und einem Frühstückssnack bei Arbys (einer weiteren Fast Food Kette) in einer absolut touristischen Hochburg landen. Myrtle Beach erstreckt sich über mehrere Meilen am Surf Boulevard. Das Meer sehen wir nicht aber dafür Hotel Giganten, Fast Food Kette an Fast Food Kette, Shopping Center, gigantische Minigolf Anlagen, Theater und Opern und auch angepriesene Gun Shows und dicke Autos ohne Ende. Wir fahren an mehreren riesigen Wahlplakaten der Republikaner vorbei, auf denen der gute Donald warnend trohnt und deren Aufschriften die Amerikaner dazu auffordern Trump zu wählen, um Amerika zu retten. Wir haben zum Teil gar nicht gemerkt, wie wir entgeistert und kopfschüttelnd aus dem Fenster starren. Nach dem beschaulichen Wilmington ist das ein krasser Kulturschock. Vorher hatten wir überlegt, hier in der Gegend einen Stellplatz am Meer zu suchen, doch wir entscheiden uns ganz schnell dagegen.
Weiter geht es also, raus aus dem Lichterwahnsinn und den Hotel Imperien in Richtung Süden. Morgens hatten wir, neben anderen Möglichkeiten, bereits auf einer App einen Platz in einem Waldgebiet ausgeschaut. Hier zieht es uns hin und um 19 Uhr Ortszeit landen wir in der Elmwood Recreation Area in South Carolina. Es handelt sich um ein Jagdgebiet, neben uns steht ein anderer Camper in einiger Entfernung auf dem Platz, ansonsten um uns herum Bäume, ganz unbekannte Waldgeräusche, absolute Dunkelheit und Sternenglimmern, das durch die Baumkronen schimmert. Christians erste Worte sind, dass das Blairwitch Project auch so angefangen hat. Ich hatte mir vorher überhaupt keine Gedanken in diese Richtung gemacht, aber die ersten Momente fühlen sich ein wenig mulmig an 😂 danke für Nichts. Wir gehen ein kleines Ründchen mit Bella und wieder im Freddie angekommen, genehmigen wir uns erstmal jeder einen köstlichen Whisky, Chips und machen ein bisschen Büro Zeit. Der Beitrag für Find Penguins wird fertig gemacht, wir tragen die Ausgaben der letzten Woche ein, um zu schauen, ob wir mit unserem Budget ungefähr im Plan sind und daddeln auch so noch ein wenig herum. Ein richtig schöner gemütlicher Freddie Abend.
Wir machen das Licht aus und schlafen zufrieden und voller Eindrücke ein.Read more
Vier Waldschrate unter sich
Feb 9–10, 2024 in the United States ⋅ ☁️ 7 °C
Es ist Freitag, wir haben eine unfassbar stille Nacht hinter uns und wachen so erholt auf, wie die letzten morgende nicht.
Das Wetter ist schön warm. Wir haben 22° in Freddie und lümmeln noch ein wenig kuschelnd mit Bella herum.
Um halb zehn stehen wir auf und machen uns für einen Spaziergang fertig. Wir befinden uns in einer riesigen Wald Gegend in South Carolina, dem Francis Marion National Forest. Genauer tatsächlich in einem Jagdgebiet, der Elmwood Recreation Area. Alles, was gestern Nacht nach Christians Aussage gruselig wirkte, zeigt sich jetzt in unbekannter Schönheit. Die Sonne sucht ihren Weg durch die Baumwipfel und der Wald zeigt sich mit seinen Sukkulenten in einer Art, wie wir sie von daheim nicht kennen. Zu Beginn steht ein Schild, das vor Alligatoren warnt. Das Gebiet ist sumpfig und moorig und gleichzeitig wirkt es trocken. Im Sommer gibt es hier mit Sicherheit die totalen Moskitopartys. Es scheint alles sehr fremd.
Wir stolpern nach der zweiten Abzweigung über ein Tier mitten auf dem Weg. Ein Gürteltier, das scheinbar überfahren wurde, lenkt unsere Aufmerksamkeit auf sich.
Kurze Zeit später steht am Wegesrand ein Schild, das postuliert, dass der Weg verraucht sein könnte. Wir sehen keinerlei Anzeichen und watscheln weiter drauf los. Nach einer Kurve sehen wir eine Wand aus Qualm am Ende des Weges vor der nächsten Biegung. Scheinbar wird ein Teil des Waldes kontrolliert verbrannt und wir sind super fasziniert von dem Schwelbrand, der mit Hilfe von Autos durch die Ranger kontrolliert wird.
Was ein aufregender Morgen. Gerade ich (Hanna) hatte schon überlegt, ob wir überhaupt genug zu erzählen haben würden, wenn wir mal einen Tag bewegungslos an einem Ort genießen würden.
Auf dem Rückweg (natürlich drehen wir um, sobald wir die Rauchwand erreichen), finden wir uns in der Nähe des toten Gürteltieres in einer ganz eigenen Version von Hitchcocks "Die Vögel" wieder. Massen an breitschwingigen Vögeln sitzen auf dem Weg und laben sich an den Überresten des Gürteltieres. Sobald sie uns hören, machen sie sich auf und positionieren sich in den Bäumen und geiern weiter auf das tote Tier. Nach kurzer Zeit finden wir heraus, dass es sich hierbei um sogenannte Truthahn-Geier handelt, die sich hauptsächlich von überfahrenen Tieren ernähren.
Zurück an Freddie angekommen machen wir uns erstmal einen Frühstücks -Kaffee... Verrückt, was dieser Tag schon vor der Mittagszeit für uns bereit hält.
Der Rest des Tages plätschert gemütlich und ganz ohne Stress vor sich hin. Wir organisieren noch einiges an, in und um Freddie herum. Die Kennzeichen werden getauscht. Uns wurde im Vorhinein mehrfach empfohlen eine einfache Nachprägung unserer Kennzeichen mitzunehmen und diese in den USA anzubringen. Hier ist das Tüv Siegel nicht wichtig und zeitweise werden ausländische Kennzeichen wohl ganz gern gesammelt 😉. Danach widmet Christian sich dem Update unseres Autoradios und wuselt noch an ganz vielen anderen Stellen herum. Ich sortiere endlich meine vakuumierten Kleidungsstücke und packe für die nächste Zeit eher Sommer- als Wintersachen nach draußen. Ganz schön verrücktes Gefühl, das im Februar zu machen.
Zwischendurch bekommen wir Besuch von einem Hund, eine sehr hübsche aber zu Beginn auch Respekt einflößende Americn Pit Bull Terrier Dame. Wir sind uns nicht sicher wo sie hin gehört, sie scheint auf jeden Fall mal ein Herrchen oder Frauchen gehabt zu haben, wirkt sehr freundlich und kennt viele Grundregeln, hat aber recht lange Krallen und an den Pfoten blutig geschleckten Ausschlag. Es wirkt als wähle sie uns für den Tag zu ihrem neuen Rudel. Bella lässt sich von ihr gar nicht stören uns so liegen beide entspannt bei uns. Zwischendurch verschwindet sie bei anderen Campern und bekommt dort auch etwas zu essen. Als wir abends Gassi gehen, watschelt unsere neues Rudelmitglied - wir haben Sie "Wilma Claudia" getauft - einfach mit. Wir gehen zur nächsten Siedlung, um zu schauen, ob sie hier evtl. etwas wieder erkennt. Das scheint aber nicht der Fall zu sein.
Danach machen wir Wraps, schauen eine Serie und kuscheln uns gemütlich ein. Die vielen Eindrücke vom Tag lassen dann doch Recht schnell die Müdigkeit siegen.Read more
Charleston
Feb 10–11, 2024 in the United States ⋅ ☁️ 18 °C
Nach einer ruhigen Nacht werden wir am nächsten Tag einigermaßen früh wach. Während Hanna Kaffee vorbereitet, mache ich mich auf eine Runde mit Bella zu gehen. Kaum öffne ich die Tür, werden wir auch schon von Wilma Claudia begrüßt, diesmal gehe ich die Runde mit Bella dann aber doch allein.
Auch am zweiten Tag wirkt der Wald um uns so anders als die deutschen Mischwälder und wann immer ich in den Wald hineinschaue, glaube ich ein mir unbekannte Vogelart oder eine andere Pflanzenart zu entdecken.
Als wir wieder bei Freddie ankommen, wartet auch schon ein Kaffee auf mich und ich kann diesen in der großartigen Umgebung einfach genießen.
Am Abend zuvor haben wir uns noch ein paar Gedanken darüber gemacht, wie wir denn zukünftig Übernachten wollen und sind dabei noch über eine andere App gestoßen - HarvestHost. Diese ähnelt dem Landvergnügen in Deutschland. Gegen eine Abogebühr von knapp 100$ erhalten wir Zugriff auf knapp 4000 Stellplätze in den USA und Kanada. Dort können wir dann jeweils eine Nacht gratis stehen - bei Brauereien, Kirchen, Restaurants usw.
Da wir heute nach Charleston wollen, investieren wir einmalig die 100$ und schauen, wo wir dort stehen können. Volltreffer! Eine kleine Brauerei (Freehouse Brewery) die gleichzeitig Holzofenpizza anbietet - die Anfrage zur Übernachtung wird direkt gestellt.
Erstmal geht es aber auf nach Charleston. Nach knapp einer Stunde Fahrt kommen wir an und nach kurzer Suche finden wir direkt einen Parkplatz im French Quarter an einem kleinen Park. Zwei Sachen, die wir bereits jetzt an Amerika mögen: Parkplätze sind in aller Regel gut ausgeschildert und Freddie passt ohne Probleme in die eingezeichneten Parklücken.
Wie fast immer, ohne sich vorher Gedanken zu machen, spazieren wir drauf los.
Als wir durch das historische Frech Quarter schlendern, werden wir sofort von seinem charmanten Ambiente und seiner reichen Geschichte in den Bann gezogen. Die gepflasterten Straßen und pastellfarbenen Häuser mit ihren schmiedeeisernen Balkonen und riesigen Blumenkästen lassen uns fast vergessen, dass wir das Jahr 2024 haben. Das leise Klappern von Pferdekutschen trägt dazu bei.
Es gibt so viele kleinen Geschäfte, Kunstgalerien und Restaurants entlang der Straßen und das tourstische Wuseln wirkt zu keinem Zeitpunkt - trotz Sonntag, Sonne und einer Temperatur von 73 °F - überladen.
Nach einer kleinen Stärkung an einem Cafe an der Broad Street machen wir uns auf in Richtung der Brauerei.
Der Weg zu Brauerei führt uns erstmal durch ein Industriegebiet, wir landen aber trotzdem auf einer großen grünen Wiese, wo wir den letzten freien Parkplatz bekommen. Das Ganze wirkt wie eine Mischung auf Revierpark Nienhausen bzw. Pützemichplatz in Happerschoss. Vielen Familien mit Kindern verbringen dort den Nachmittag, ein 30ter Geburtstag wird gefeiert und wir nehmen Platz und genießen direkt ein Battery Brown bzw. Fore Y'all Muni Lager - lecker. Bella wird im Laufe des Nachmittags immer mal wieder zu einem Magneten für Menschen aller Alterklassen und wir kommen immer wieder in kurze Gespräche und bekommen Reisetipps. Nachdem sich der Parkplatz etwas leert, wird Freddie auf seine Zielposition gefahren und es geht an die nächste Runde Bier (Hoodoo Imperial Stout und Frosty Boi White Lager) und passend dazu: Pizza. Sehr, sehr lecker!
Wir fühlen und füllen uns wohl und bringen ein wenig später Bella in den Bus. Im Gastrobereich sind Hunde nicht erlaubt und wir wollen eine Runde Billiard spielen. Schnell kommen wir mit einem Musiker ins Gespräch, der komplett im Van lebt (bei Instagram als @stefanedwardmusic) zu finden und wir verlieren uns schnell in einer Unterhaltung über Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Besonderheiten unserer Ländern. Da wir in dem Gespräch Austin in Texas zum zweiten Mal als Tipp bekommen, schreiben wir es auf unsere Reiseliste.
Und irgendwie haben wir es dann mal wieder geschafft: Der Laden macht zu, wir verquatschen uns mit der Kellnerin, sind die letzten und bekommen noch ein Wegbier (große Ausnahme, da Trinken in den USA in der Öffentlichkeit in den meisten Bundesstaaten nicht erlaubt ist). Ein Flanders Black und noch ein Hoodoo Imperial Stout sorgen dafür, dass ich mit einem Mal dann doch sehr schnell müde und bettfertig bin.Read more

TravelerIch kann auch gar nicht verstehen, warum man in Deutschland kaum Veranden sieht...und dort steht wirklich immer mindestens ein Schaukelstuhl drauf 😍
Superbowl Sonntag
Feb 11–12, 2024 in the United States ⋅ ⛅ 19 °C
Es ist Sonntag, wir wachen ehrlich gesagt vielleicht ein klitzekleines bisschen verkatert auf. Der eine mehr, die andere weniger. 😉
Es ist für uns noch immer eigenartig Nachts plötzlich keine zweite Decke mehr zu brauchen und morgens richtig angenehme Temperaturen zu haben. Außerdem zwitschert und zirpt es durch unser Fenster, es ist für uns von einem auf den anderen Tag Frühling, wenn nicht sogar Sommer geworden. Als wir nachschauen auf welchem Breitengrad wir uns gerade befinden, gleicht es dem Norden Marokkos. Also kein Wunder, dass es angenehm warm ist und Flora und Fauna sich irgendwie von Deutschland unterscheiden.
Auch Bella ist bei den Geräuschen zeitweise noch skeptisch und bellt, während ich (Hanna) Kaffee vorbereite, plötzlich die Marschlandschaft an, vor der Freddie geparkt ist. Mir schießt durch den Kopf, dass die Kellnerin gestern Abend, bevor wir ins Bett gegangen sind, gesagt hat, dass auf dem Gelände auch Koyoten unterwegs sind. Die Anspannung steigt unterschwellig, aber es ist nichts zu sehen und das Rascheln entfernt sich.
Wir starten gaaaaanz gemächlich in den Tag, die Türen von Freddie stehen auf und nach kurzer Zeit wehen der Duft von Kaffee und Kamillentee durch die Luft. Bella und ich machen uns nach einer Tasse Kaffee auf und gehen eine Runde Gassi. Als wir los watscheln kommt gerade Sam die Kellnerin vom Abend vorher an, um zu öffnen und fragt, ob wir reinkommen und ihr Gesellschaft leisten wollen, aber Bella möchte bewegt werden und so lehne ich dankend ab.
Als wir wieder zurück kommen ist ein Food Truck auf den Hof gerollt und bereitet sich gerade für die ersten Kunden vor. Stefan, unsere Van-Bekanntschaft vom Abend vorher, kommt noch rum und wir dürfen in seinen umgebauten Schulbus hopsen und diesen bewundern. Er lebt seit 4 Jahren in seinem Van und ist auch in Richtung Süden unterwegs. Wir freuen uns schon darauf, wenn wir uns on the road nochmal über den Weg fahren sollten.
Bevor wir uns auf den Weg machen, stärken wir uns noch mit Philly Cheese Steak Fries und einem Burger Wrap und dann geht es schon weiter. Nachdem uns aufgefallen ist, dass am Abend der Superbowl stattfindet schauen wir in der App Harvest Host nach einer geeigneten Übernachtungsmöglichkeit. Christian findet eine Sportsbar, bei der man übernachten kann, klingt perfekt für den Abend und so rollen wir los, weiter südlich, nach Savannah in Georgia.
Die drei Stunden Fahrt verlaufen unspektakulär, wir hören Hörbuch, schnacken und ich döse zwischenzeitlich ein. Ich bin super dankbar, dass Christian uns den Highway Richtung Süden kutschiert. In Savannah angekommen rollen wir wieder einmal durch eine typische Südstaaten Kulisse. Wir bestaunen riesige Veranden mit Schaukelstühlen. Genauso wie man es sich vorstellt. Die Bar 'Coachs Corner' ist riesig und summt schon vor Geschäftigkeit. Es ist Viertel nach fünf, noch eineinviertel Stunden bis zum Start des Superbowls.
Auf dem Parkplatz sind 7 Plätze extra für Camper abgesteckt, ich düse kurz rein um Bescheid zu geben, dass wir uns über die App angemeldet hatten, und ob wir etwas beachten müssen. Der Laden brummt, aber die Kellnerin ist absolut auf Zack und sagt wir sollen einen der Plätze aussuchen und uns danach ganz entspannt mit unserer Mitgliedsnummer in den Ordner an der Theke eintragen. Gesagt getan. Bella bleibt in Freddie, Hunde wären im hinteren Teil, einem überdachten Bereich draußen, sogar erlaubt gewesen, allerdings ist es dort unglaublich laut und rummelig, so dass es in Freddie für sie heimeliger und entspannter ist.
Zu zweit gehen wir in die Bar und orientieren uns erstmal. Sie ist schon gut gefüllt, aber draußen finden wir noch einen großen Tisch, der frei ist und bei den 20°C lässt es sich draußen gut aushalten. Es hetzen vier überfreundlichen KellnerInnen zwischen den Tischen hin und her und erfüllen den Sportwütigen Essens- und Getränkewünsche, die Stimmung ist super, und man spürt freudige Anspannung. Die Location ist wirklich riesig, von unserem Tisch aus haben wir allein Blick auf drei riesige Leinwände und zehn weitere Fernsehbildschirme, auf denen allen das gleiche läuft, die Vorerstattung für das Spiel.
Wir beide haben noch nie ein American Football Spiel gesehen, geschweige denn eine Ahnung von den Regeln. Ich denke im Vorhinein noch, dass es Rugby sehr ähnlich ist und merke beim googeln der Regeln, dass die Annahme weit gefehlt ist. Naja, wir werden mal sehen, wie und ob wir mit fiebern können. Wenn nicht, gibt es dennoch viel zu beobachten, da sind wir uns sicher. Es spielen die Kansas City Chiefs gegen die San Francisco 49ers. Das Spiel ist dahingehend besonders, weil es sich um ein Rematch des Superbowls von 2019 handelt, auch zu dem Zeitpunkt waren die zwei Mannschaften im Finale. Damals gewannen die Kansas City Chiefs, wie übrigens auch letztes Jahr. Wir bestellen Cola, Bier, Chicken Wings, ein Fantastic Philly Cheese Steak Sandwich und einen Salat.
Das Spiel steht kurz vor Beginn und es ist allein schon unglaublich was für ein Auftakt organisiert wurde. Feuerwerk in rot, weiß, blau und zusätzlich noch 6 Düsen Jets, die über das Stadion in Las Vegas fliegen und ebenfalls die Farben der Amerikanischen Nationalflagge hinter sich verstäuben. Auftritte von drei verschiedenen riesen KünstlerInnen schon vor der Show, die amerikanische Nationalhymne allein würde für dieses Event wahrscheinlich nicht reichen. Alle KünstlerInnen werden auch von der Menge in der Bar lauthals angefeuert und bejubelt. Wir genießen und staunen. Das erste Quarter beginnt. Plan ist zwei Quarter a 15 Minuten, danach die Halftime-Show, die dieses Jahr Usher spielt, und danach die letzten zwei Quarter. Wir wundern uns im Vorhinein ein wenig, wie 1 Stunde Spielzeit vier Stunden füllen soll. Im ersten Quarter sind wir überrascht, dass alle paar Minuten jeweils 5 Minuten Werbeunterbrechung gemacht wird. In dieser Zeit läuft die Spielzeit nicht weiter, wir vermuten, dass in der Zeit der Werbung Time Outs genommen werden. Es wirkt am Anfang auf uns als würden die 22 Spieler immer wieder gegeneinander rennen, der Ball sich kein Stück nach vorn bewegen, keine Mannschaft macht Punkte. Bis dahin noch ein Rätsel.
Unser Essen und Trinken kommt in der Zwischenzeit. Während in Deutschland Strohhalme aus Plastik und auch Platsikgeschirr nicht mehr genutzt werden, haben die Amerikaner gefühlt von Müllverschwendung noch nichts gehört. Alles, aber wirklich alles, wird in Styropor, Plastik oder Aluminiumdosen gereicht. Dosenbier, Styroporbecher und Plastikschalen für das Essen. Am Ende türmt sich auf allen Tischen ein Abfallberg, der einfach der schiere Wahnsinn ist. Das zweite Quarter verläuft für uns ähnlich verwirrend, wie das erste. Mittlerweile erkennen wir aber welche Mannschaft wann in der Offense ist und wer in der Defense und was es mit den 10 Yard Linien auf sich hat. Die 49ers führen zur Halftime Show. Das Essen und Trinken schmeckt und die Zuschauer sind in Höchststimmung.
Die Halftime Show des Superbowls ist für einen Künstler eine once in a lifetime Sache. Das zu erreichen ist schon Olympisch. Es wird vermutet, dass weit mehr 110 Millionen Menschen den Superbowl und so auch diesen Auftritt verfolgen. Es ist wirklich schwer in Worte zu fassen, was diese Halftime Show mit den Menschen in der Bar macht. Im Endeffekt ist es ein Konzert mit 4 Songs die mit einem solchen Aufwand inszeniert werden, dass wir Normalsterbliche uns die Kosten, die dafür notwendig sind, nicht vorstellen können. Aber sobald Usher die Bühne betritt ist in der Bar nur noch wenig halten. Aufseufzen, Gejohle, Anfeuern, Mitgrölen, Tanzen... Und jedes Mal wenn ein Gaststar auf der Bühne erscheint, geht ein Kreischen durch die Menge...es ist einfach super unterhaltsam.
Danach geht das Spiel weiter, im vierten Quarter sind Christian und ich gefangen, die Regeln erscheinen uns mittlerweile logisch und wir können wirklich gut verfolgen was da auf dem Bildschirm warum passiert. Das Spiel ist super spannend und so geht es bei Gleichstand in Verlängerung, das passiert erst das zweite Mal in der Geschichte des Superbowls. Am Ende gewinnen die Kansas City Chiefs nach der Verlängerung durch einen Touchdown. Bis dahin hat sich die Bar schon zu einem Drittel geleert, einige haben sich schon während des Spiels aufgemacht. Wir bezahlen und Verlassen voller Eindrücke die Bar.
Nach einer Runde mit Bella schauen wir noch ein wenig nach Stellplätzen und fallen dann ins Bett. Wir sind super dankbar so viele ganz unterschiedliche Eindrücke sammeln zu dürfen und merken in vielen Situationen, dass das hier schon was ganz schön besonderes ist.Read more
Hello Florida
Feb 12–13, 2024 in the United States ⋅ ☁️ 21 °C
Es ist Montag, wir wachen ganz gemütlich auf und starten wie sonst auch mit einem köstlichen Bialietti Kaffee in den Tag. Wir haben eine kleine Kaffeemühle (natürlich USB-C) mit und haben so immer frisch gemahlenen Kaffee. Frühstück gibt es meist irgendwann mittags, morgens haben wir noch nicht viel Hunger. Besonders heute sind wir noch gesättigt vom Abend.
Christian setzt sich an den Bericht vom Vortag, Find Penguins ist eine zauberhafte Möglichkeit jeden Moment vom Vortag nochmal zu durchleben und auf eine bestimmte Art und Weise auch alles ein wenig zu verarbeiten. Wir erleben aktuell jeden Tag so viel besonderes, das passt auf keine Kuhhaut.
Außerdem sind wir am Vorabend beim Gassigang über ein Planet Fitness gestolpert. Das ist eine Fitnessstudio Kette, die eine Mitgliedschaft für 25$ pro Monat anbietet. Hier mit inbegriffen ist ein Gast und so können wir im ganzen Land die Duschen und, falls uns eine unbekannte Sportsehnsucht heimsuchen sollte, auch die Geräte nutzen können. Perfekt für uns, weil diese Studios im ganzen Land vertreten sind. Das wollen wir angehen, genau wie Christian einen T-Mobile Laden gesehen hat. Hier können wir uns um Internet bzw. WLAN für Freddie kümmern. Christian fährt also los zu den beiden Läden und Bella und ich laufen dorthin, so hat Bella ihre morgendliche Gassirunde und ist glücklich.
Als wir nach dem Organisatorischen in Freddie steigen fängt es an zu regnen. Perfektes Timing. Verrückt, dass wir 11 Tage fantastisches Sonnenwetter hatten. Wir überlegen kurz, ob wir uns Savannah noch anschauen sollen, bestimmt hätte es sich gelohnt, aber gerade fühlen wir es nicht, also lenken wir Freddie in Richtung Highway. Es geht weiter südwärts in Richtung Florida. Unseren 6. Staat in 11 Tagen. Gestartet in Maryland, über Virginia nach North Carolina und dann South Carolina und schließlich nach Georgia. Next Stop also Florida. Bestimmt hätte jeder Staat für sich noch unglaublich viel zu bieten gehabt, aber alles was wir bisher gesehen und genossen haben ist so schön und würden wir jeden Staat bis in den letzten Winkel erkunden, würden wir wahrscheinlich in jedem Staat für sich 6 Monate verbringen können.
Am frühen Abend erreichen wir Florida. Im Sunshine State sind die Autos gefühlt noch größer, noch getunter und laute Musik dröhnt aus mindestens der Hälfte der offenen Fenster. Als wir vom Highway abfahren und langsam in Richtung Strand fahren erstrecken sich riiiiiiieeesiiiige Häuser Seite an Seite auf sandigem Boden. Es ist unfassbar, unsere Münder stehen permanemt offen.
Wir fahren einen kleinen Strandparkplatz an, den wir in einer der anderen Apps gefunden haben. Es liest sich gut, in den Kommentaren der vorherigen Nutzer liest man zwar auch, dass vereinzelt der Sheriff vorbei kam und gesagt hat, dass OvernightParking nicht erlaubt sei. Die aktuellsten Kommentare aber beschreiben, dass es laut Sheriff erlaubt sei. Wir riskieren es und werden mit einer ruhigen Nacht belohnt werden.
Als wir uns abgestellt haben schauen wir auf unser Regenradar und sehen ein ordentliches Gewitter auf den Platz zukommen. Also satteln wir Bella und gehen noch schnell eine Runde an dem Strand. Wir bleiben Trocken und kommen kurze Zeit später wieder bei Freddie an.
Es ist noch einwenig Pflücksalat übrig und aus den restlichen Tomaten, einer Avocado, Zwiebel und dem Chemie-Cheddar zaubert Hanna noch einen kleinen Salat. Mit das Gesündeste in den letzten 12 Tagen.Read more

TravelerWir sind heut morgen auch aufgewacht und Bella ist einfach mitten in der Nacht ins Bett gehopst...hat keiner von uns gemerkt 😂 das nimmt hier Formen an...frech die Wurst
St. Augustine, Campground + Raketenstart
Feb 13–14, 2024 in the United States ⋅ ☁️ 18 °C
Nach einer entspannten Nacht werden wir mit langsam steigenden Temperaturen im Bus wach. Schattige Plätzchen zu finden ist meistens so eine Sache. Zudem stehen wir manchmal auch direkt mit dem Heck von Freddie in Richtung Osten, so dass die Sonne ab dem frühen Morgen direkt den Wohnbereich wärmt.
Heute steht einiges auf dem Programm: Strand, Spaziergang, Besuch der ältesten Stadt der USA, Duschen, Abwasser entleeren und Kilometer machen, damit wir in der Nähe von Cape Canaveral sind und den Start einer Rakete beobachten können.
Wir optimieren also ein wenig und füllen den Kaffee in unsere Thermobecher, laufen über die Holzbrücke zum Strand und laufen gen Süden. Das Wellenrauschen, der seichte Wind, die Sandläufer, die Sonnenstrahlen und ziemlich viele schöne Häuser am Strand sorgen für ein Dauerfeuer an Eindrücken. Immer wieder bleiben wir stehen, halten inne und genießen den Moment dankbar. Auf dem Rückweg zum Auto verquatschen wir uns am Strand mit einem älteren Paar aus der Nähe von Boston, die dem kalten Wetter entflohen sind. Luftlinie in etwa die gleiche Distanz wie von Köln nach Andalusien.
Nachdem wir den beiden antworten, dass wir knapp sechs Monate unterwegs sein werden, bekomme ich ein spontanes High-Five und die beiden freuen sich wirklich richtig für uns - großartig.
Wieder bei Freddie packen wir zusammen und machen uns auf den Weg. Die geplante Dusche im Fitnessstudio verlegen wir auf nach den Stadtbummel - es wird warm und wir werden eh schwitzen. Schnell finden wir in St. Augustine einen Parkplatz für Reisebusse und Camper, der im Gegensatz zu den anderen Plätzen sogar kostenlos ist.
Der erste Eindruck vom historischen Viertel erinnert uns beide zunächst an die Western-Stadt im Phantasialand. Fast alle Gebäude der historischen Innenstadt stehen heute unter Denkmalschutz und werden in ihrem alten Charme mehr oder weniger erhalten. Am ältesten hölzernen Schulgebäude der USA kommen wir auch vorbei, ein wirklich winzig kleines Häuschen in dem heutzutage nicht eine einzige Klasse Platz hätte. Alle Inventarteile sind Original und bis heute nicht restauriert oder erneuert worden.
Wir laufen beschwingt durch die Eindrücke und die Musik durch die Straße und stoppen vor der Kathedrale von St. Augustine und besichtigen diese nacheinander. Gebaut im Jahre 1793 lässt sich der spanische Einfluss bereits von außen nicht verstecken. Im Inneren ist diese so ganz anders, als das was wir von katholischen Kirchen in Deutschland gewohnt sind.
Wir machen noch einen längeren Stopp am privaten Flagler College, dieses hat seine Gebäude heute im 1888 gebauten Luxushotel Ponce de Leon. Hier hätten wir beide auch für unser Grundstudium gelernt.
Nachdem wir wieder bei Freddie angekommen sind und die Uhrzeit sehen, schauen wir, ob wir nicht doch noch einen Campground in der Nähe vom Cape Canaveral bekommen - die Tage zuvor war bereits alles ausgebucht - wird wahrscheinlich neben dem Wetter auch an den Raketenstarts liegen. Mit etwas Glück finden wir einen Platz und bezahlen nach kurzem Zögern die knapp 100$ Gebühren - immerhin werden wir dort dann Duschen, Abwasser und Müll los und können Nachts den geplanten Start sehen.
Mit Musik und Vorfreude rollen wir los, bewundern immer wieder die sich abwechselnden Palmen und kleinen Sumpfwälder. Nach einem Stopp im Supermarkt schaffen wir es gerade noch einigermaßen pünktlich bevor das Haupttor geschlossen wird. Schnell realisieren wir, dass Freddie außer den Golfautos das kleinste Gefährt ist.
Nach einem kleinen Abendessen genießen wir den Blick in das Grüne und Blaue, wo sich Fischreiher und fliegende Fische scheinbar im Wechsel begrüßen. Auf den beiden Nachbarplätzen unterhalten sich lautstark zwei Boomer-Paare aus Kanada und Texas über alle mögliche Dinge - unter anderem auch über politische Themen. Wir kommen aus dem innerlichen Kopfschütteln nicht mehr raus, belassen es dann aber auch dabei. Hoffen wir einfach das mal das Beste für die politische Entwicklung der USA in den nächsten 5 Jahren.
Um kurz vor Mitternacht klingelt der Wecker und wir schlendern zum Pier - in knapp 60 km Luftline wird in wenigen Augenblicken die Raketen starten und ich freue mich wie ein kleiner Junge drauf. Es passiert in dieser Nacht aber nichts und wir gehen wieder schlafen.Read more
Palmen, Raketen und Space Kölsch
Feb 14–15, 2024 in the United States ⋅ ☀️ 13 °C
Als wir am Pier standen, warteten neben uns noch zwei andere Nachteulen. Nachdem 5 Minuten nichts passiert, holt der Herr sein Handy raus und stellt fest, dass der Start kurzfristig verschoben wurde. Morgen Nacht um 1:05 Uhr soll sie nun starten. Schade, aber für den nächsten Tag um 17:30 Uhr ist noch ein anderer Start geplant. Hoffen wir, dass diese wie geplant startet. Wir freuen uns ins Bett zu hopsen und gemütlich einzuschlafen.
Der nächste Tag bricht an, es ist Mittwoch. Die Sonne hat Freddie schon um acht Uhr ordentlich erwärmt. Heute morgen überrascht Bella uns damit, dass sie sich nachts einfach ins Bett geschlichen hat. Es hat keiner von uns beiden bemerkt und wir müssen ein wenig schmunzeln, dass der Frechdachs schon nach zwei Wochen ignorant ihre Grundregeln hinter sich lässt.
Da wir um 11 Uhr vom Platz runter müssen, stehen wir was früher auf, damit wir noch ein bisschen von dem idyllischen Örtchen genießen können. Auch wenn um uns herum wahre Ungetüme stehen, hat der Platz mit eigenem Steg und Picknicktisch wirklich was für sich. Wir setzen einen Kaffee auf und nehmen ihn mit zum Picknicktisch. Ich habe davor noch nie fliegende Fische gesehen, aber hier hüpfen sie tatsächlich aus dem Wasser als würden sie für eine Flugshow proben. Die Fischreiher, die am Ufer herum staksen, freuen sich. Plötzlich weißt Christian mich auf eine weitere Bewegung hin und ich sehe, dass eine Seekuh ihren Kopf ganz gemächlich aus dem Wasser streckt. Sie tümpelt noch eine ganze Zeit vor unserem und den benachbarten Stegen hin und her. Absolut verrückt und all das nicht Mals mehr eine halbe Stunde nach dem Aufstehen.
Die Zeit bis zur Abfahrt nutzen wir zum Leeren des Abwassers, Sortieren, Spülen, ein paar Sachen bei Amazon zu bestellen, eine zweite Dusche innerhalb von 24 Stunden und einen Gassigang mit Bella. Dann geht es auf in Richtung Cape Canaveral zur Space Coast. Es gibt eine Auflistung einiger guter "Beobachtungsorte" für Raketenstarts.
Das Cape Canaveral ist ein Kap und Küstenabschnitt auf Merritt Island. Wir fahren also erstmal über die Brücke, die Festland und das Kap verbindet. Wir sind ganz schön neugierig und fühlen uns wie kleine Kinder als wir das Kennedy Space Center passieren und würden ihm beide eigentlich gern einen Besuch abstatten. Aber erstens ist es viel zu warm um Bella im Auto zu lassen und zweitens sind 75$ Eintritt pro Person unserer Meinung nach doch ganz schön happig.
Wir lassen uns ein wenig treiben und Rollen über das Kap. Die Plätze an denen sich der Raketenstart gut beobachten lassen soll, sind entweder nicht für Camper geeignet oder wir würden für ein paar Stunden in prallen Sonne stehen. Uns fällt ein, dass wir unmittelbar nach der Brücke zum Kap ein paar Autos am Strand links und rechts der Schnellstrasse haben stehen sehen.
Wir drehen um und rollen an gigantischen Hotels und einem noch größeren Surfshop vorbei. Auf der Schnellstrasse angekommen rollen wir an einer Stelle die uns zusagt vorbei - da müssen wir wohl eine extra Runde drehen. Aber: Glück im Unglück! Lässt man mal die Schnellstraße in 25 Metern Entfernung außer Acht, haben wir wohl den besten Platz gefunden an dem wir bislang mit Freddie auf all unseren Reisen gestanden haben. Palmen. Sandstrand. Wellen drei Metern vom Auto entfernt. Sonne die sich auf dem Wasser reflektiert. Zugleich aber auch Schatten und ein laues Lüftchen. Affen die uns Kokosnüsse pflücken. Na gut, das letzte stimmt nicht.
Wir verbringen in unserem Paradies die nächsten Stunden, frühstücken richtig gesund Müsli mit Obst und recherchieren schonmal wo genau die Rakete starten soll. Am Ende zeigt mir Christian sein Handy und lächelt zufrieden mit der Welt. Direkte Sichtlinie auf den Start- und Landeplatz und nur 20km Entfernung - besser geht es ohne größeren Aufwand nicht. Mit dem Monokular sichten wir schonmal den Startplatz und werden mit jeder Minuten aufgeregter. Pünktlich um 17:30 Uhr startet die Rakete - wir Dösbaddel merken das aber erst als die Rakete schon knapp 50m in der Luft ist. Der von uns auserkorene Startplatz war der Falsche 😃
Es ist ein unglaubliches Spektakel die Rauchwolken am Startplatz zu sehen, die mit Sicherheit haushoch waren. Die Rakete scheint sich mühelos der Erdanziehungskraft entgegen zu setzen und steigt und steigt. Plötzlich werden wir vom lauten Wummern erfasst (eine startende Rakete gehört immerhin zu den lautesten Geräuschen die es auf der Erde gibt). Nach knapp 4 Minuten verlieren wir den kleinen, leuchtenden Punkt aus den Augen. Schnell wechseln wir zum Livestream von SpaceX und können so den Zeitpunkt von Wiedereintritt und Landephase gut abpassen. Wahnsinn, dass wir im Kamerabild der Rakete einen Teil der Erde und der großen, weiten, schwarzen Unendlichkekt sehen können, aber die Rakete vor wenigen Augenblicken noch auf der Erde stand.
Beim Landeanflug finden wir die Rakete recht schnell mit dem Augen wieder und verfolgen diese gebannt. Auch wenn wir ihn erwartet hatten - der Überschallknall überrascht uns dann doch beide ein wenig. Knapp acht Minuten nach dem Start ist die Rakete auf ihrem zwei Kilometer entfernten Landeplatz angekommen. Wahnsinn!
Während wir ein wenig später in Richtung Stellplatz für die Nacht rollen, grinst Christian glücklichst vor sich hin und blubbert die ganze Zeit in Überschallgeschwindigkeit: "Herz, dass letzte Mal habe ich mich so gefreut, als ich in Schweden in der Mine was in die Lift sprengen durfte...! Vielleicht war das hier aber noch cooler."
Auch ich hätte nicht gedacht, dass mich so ein kleiner Feuerball am Himmel mal so mitreißen könnte.
Zwischen Tankstelle und Poolfachhandel kommen wir bei unserem Stellplatz an - der Beachfly Brewing Company. Hier gibt es für uns passend zum Erlebnis des Tages ein Space Kölsch und andere, ziemlich wilde Kreationen. Ein Teil von uns freut sich jetzt schon wieder auf deutsches Bier.
Nach einem viel zu teuren, aber zum Teil leckeren Abendessen verschwinden wir wieder im Bus. Pünktlich um 1:05 Uhr, mitten in der Nacht, stehen wir vor Freddie und warten auf den nächsten Start. Auch wenn wir viel weiter weg stehen, verfolgen wir den Weg der Rakete gebannt. Glücklich schlafen wir wenig später ein.Read more
Ein entspannter Orga & Verarbeitungstag
Feb 15–16, 2024 in the United States ⋅ ⛅ 22 °C
Am Donnerstag wachen wir auf und müssen erstmal sortieren, was wir den Tag davor alles erlebt haben. Selbst ohne große Pläne, entwickeln sich momentan die schönsten Geschichten, die wir hier für uns später festhalten und die uns einfach so sehr erfüllen, dass es meist uns beide braucht, um es in Worte fassen zu können.
Heute gehen wir es ruhig an, damit der vorherige zauberhafte aber volle Tag nachwirken kann. Wir haben Sachen bei Amazon zu einem Amazon Locker bestellt und können alles im Laufe des Tages in Fort Pierce, eine Stunde vom Cape Canaveral entfernt, abholen.
Als wir losrollen sehen wir auf dem Weg krasse Unterschiede in Wohngegenden. Von vor Geld triefenden riesen Mansions, über kleine Häuschen mit gut gepflegten Vorgärten bis hin zu regelrechten Bruchbuden mit geklebten Fenstern und vergilbtem Rasen und offensichtlich drogenabhängigen, gebrochenen Gestalten am Straßenrand. Auch Schulgelände sind hier riesig, wie selbstverständlich von Polizeiautos bewacht und bis in den letzten Winkel meterhoch eingezäunt. Anders halt.
Es ist warm und wir holen uns auf dem Weg bei Dunkin Donuts einen Kaffee. Angekommen am Amazon Locker fehlen noch ein paar Dinge, wir packen erstmal aus und hopsen dann in einen Baumarkt, um nach Streu für unsere Trockentrenntoilette zu schauen. Wir finden keins und fahren noch zu einem Walmart. Hier geht Christian rein, besorgt Streu und wir werden unseren Abfall los. Ich bleibe mit Bella in Freddie und machen einen Power Nap. So Schneckentage sind einfach wundervoll. Keine Pläne, keinen Zeitdruck und das Vertrauen, dass wir abends gut unterkommen werden.
Für die Nacht haben wir in der Nähe von Jensen Beach einen Strandparkplatz gefunden, auf dem Overnight Parking nicht verboten ist und der von vielen anderen Campern gut bewertet wurde.
Auf dem Weg dorthin halten wir noch an einem Hundestrand und Bella kann sich austoben. Der Park ist bis zum Sonnenuntergang geöffnet, dann werden die Tore an der Einfahrt geschlossen... Wir haben noch eine gute halbe Stunde Zeit und genießen das Meeresrauschen und die ausgelassene Bellini. Am Strand verliere ich meine Sonnenbrille und ärgere mich tierisch darüber, dass ich beim Verstauen den Gedankenblitz "Hanna, das geht nicht gut, so fällt sie raus" seelenruhig ignoriert habe. Mir passiert sowas einfach unfassbar oft, Tollpatschigkeit und Gutglauben hoch 1000, Welcome to my life....denken ja, aber bis zum Ende fällt manchmal schwer 😂 auch nach Christians Suche, der gern mein Sonnenbrillenheld sein wollte, gehört meine RayBan der Geschichte an. Die letzte liegt übrigens im Atlantik irgendwo vor Schottland, da ist mir nachdem ich mit dem SUP aus dem Meer gekommen bin erst aufgefallen, dass ich sie nach einem Wasserplatscher scheinbar nicht mehr auf der Nase hatte. Also, ab jetzt werden nur noch 10 Euro bzw. Dollar Sonnenbrillen gekauft. Aussehen und Sitz nicht so wichtig, hauptsache UV Schutz.
Wir kommen an dem Strandparkplatz im Dunkeln an und hopsen nochmal an den Strand. Meine Laune bessert sich, denn ändern kann ich's jetzt auch nicht mehr, nur draus lernen wäre gut.
In Freddie machen wir uns ein Bagel Burger mit Spiegelei und schauen the Crown. Danach mummeln wir uns ins Bett und schlummern ein.Read more
Strand
February 16, 2024 in the United States ⋅ ☀️ 25 °C
Unser Bericht von gestern kommt noch! Wir genießen gerade 25 °C und Sonnenschein am Strand bei den tollsten Wellen überhaupt!
Friyay is beach day
Feb 16–17, 2024 in the United States ⋅ ☁️ 23 °C
Es ist Freitag. Schon wieder? Verrückt wie die Zeit fliegt, noch verrückter, wie viel Zeit aber auch noch übrig ist.
Hier am Bob Graham Beach Parkplatz ist es früh ordentlich warm in Freddie. Schattenplätze zu finden ist allgemein in Florida bisher nicht so einfach. Aber diesmal stehen wir sogar im Schatten (also bis so um 10 Uhr morgens), trotzdem hat es sich um 8:30 Uhr auf muckelige 29° aufgeheizt. Christian hat von einem Kanadier namens Bob auf dem letzten Campingplatz erzählt bekommen, dass es aktuell im Durchschnitt 8 °C wärmer ist, als sonst um diese Jahreszeit. So langsam kann man da ein Muster erkennen, wenn wir da so an Schweden, Schottland und Irland zurück denken...
Es werden also erstmal ordentlich die Türen aufgerissen und wenn ein Windzug durch Freddie geht, ist es gleich viel aushaltbarer. Das Thermometer sinkt ein wenig auf 26° - so darf es bleiben. Einfach verrückt, dass wir vor zwei Wochen noch so sehr gefroren haben. Heute bin ich ganz schön froh, dass wir am Tag davor Sonnencreme besorgt haben, die werd' ich Weißbrot auf jeden Fall heute brauchen.
Im Vorhinein hatten wir überlegt, hier zwei Tage zu bleiben, wenn die erste Nacht entspannt verläuft und wir uns sicher fühlen. So sieht es für uns aus, also mal überlegen, was man mit einem ganzen Tag nichts tun müssen noch so anfangen kann, wenn man nicht weiter fährt. Erstmal Kaffee machen ist immer ein guter Plan. Ich schnappe mir ein Buch, das Christian mir für die Reise geschenkt hat. Aktuell läuft die Verfilmung. Eine Million Minuten von Wolf Küper, ich versinke und genieße es zu Lesen ohne das Gefühl zu haben dass mir noch irgendeine ToDo im Nacken sitzt. Ein ganz neues Gefühl, daheim im Alltag bin ich Königin im Prokrastinieren und auf Arbeit gäbe es immer noch was Wichtiges zu tun. Unterschwellig gelingt es mir nur schwer komplett abzuschalten und mir schöne Dinge zu erlauben...auch wenn das in den letzten Jahren schon besser geworden ist, es fühlt sich gerade doch nochmal so schön, ganz befreit und anders an. Christian recherchiert und wuselt etwas herum.
Gegen frühen Mittag ziehen ein paar Wolken auf, wir möchten mit Bella an den Strand hopsen und dort gern ein bis zwei Stündchen verbringen. Wir haben noch nie gemeinsam einen kompletten Strandtage verbracht, witzig nach immerhin 6 Jahren... ich mutiere aber auch einfach leicht zu einem gekochten Hummer, auch wenn ich mich eincreme und im Schatten liege. Mal schauen, wie lange wir es aushalten werden. Positiv ist auf jeden Fall anzumerken, dass man hier Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 70 bekommt... Bestens ausgestattet für ein Weißbrot würde ich mal sagen. Wir packen also eine Gallone Wasser, Decke, Trinknapf für Bella, Buch, und noch ein paar grundlegende Sachen ein, schmeißen uns in Badeklamotten, Flipflops an und dann werden die Hühner gesattelt und wir reiten ins Gelände.
Auf dem Weg treffen wir ein älteres Paar mit einem 8 Monate jungen Dogge-Labrador Mischling. Die beiden sind super nett und wir verplauschen uns ein wenig.
Am Strand angekommen geht eine steife und unglaublich angenehme Brise und das Meer ist einfach so ganz anders als wir es kennen. Es ist bei fantastischen Wetter niemand schwimmen. Auch wir würden nicht auf die Idee kommen ins Wasser zu gehen. Das Meer ist ordentlich wild, die Wellen brechen mächtig und der Schaum der Wellen sieht aus wie perfekter Milchschaum. Ein paar Locals sind Angeln und die anderen braten wie Hühnchen in einem Bratautomaten am Strand. Auf der Suche nach einem Plätzchen gehen wir Barfuß am Wasserrand entlang und werden ordentlich nass, als die Wellen unsere Beine umspülen, Bella findet es alles andere als lustig, dass sie nicht allein ganz, ganz weit weg vom Wasser oben in den Dünen entlang laufen darf.
Ich mache es mir mit Decke und unserem Hab und Gut bequem und Christian und Bella watscheln für eine Runde am Strand los. Sie kommen einige Zeit später patschnass wieder und Bella möchte Mitleid dafür, dass sie aussieht wie ein sehr begossener Pudel der in Sand paniert wurde. Zwischendurch kann man sich fantastisch abkühlen indem man sich einfach mit den Füßen an den Rand der am Strand auslaufenden Wellen stellt. Man fühlt sich (und sieht auch so aus) als hätte man einen Außenbootmotor, weil das Wasser so auf spritzt sobald es auf Körperteile trifft. So wird man richtig schön abgekühlt. Wir genießen die Zeit und flitzen nach knapp 90 Minuten wieder zu Freddie. Es gibt Strandduschen, die wir als Abkühlung mitnehmen, bevor wir in unsere kleine Sauna hopsen. Am Platz düsen ganz viele Geckos durchs Unterholz. Ich vertreibe mir den Nachmittag mit Lesen, Christian nicht.
Wer unseren Bericht letztes Jahr in Irland gelesen hat, erinnert sich vielleicht noch an die kleine Reparatur an der Elektrik, die Christian vorgenommen hat. Da uns vor 5 Tagen das gleiche Teil endgültig kaputt gegangen ist, hatten wir ein Ersatzteil bei Amazon bestellt. Obwohl wir nur mit sehr wenig Werkzeug unterwegs sind, haben wir versucht an alles zu denken bzw. multifunktionales Werkzeug einzupacken. Hat für diesen Fall hier schonmal geklappt! Nach knapp drei Stunden ist das defekte Teil getauscht und Christian hat zusätzlich eine der USB-Steckdosen in Freddie gegen eine modernere Version getauscht, an der wir jetzt auch direkt unsere Laptops laden können - beim Ausbau im Jahr 2019 gab es die noch nicht.
Die Stunden ziehen vorbei, abends finden wir noch die Worte, um den Tag der Raketen für uns zufriedenstellend zu beschreiben. Danach gibt es köstliche Wraps und wir fallen bald zufrieden und entspannt ins Bett.Read more

TravelerSehr gernst, es macht Spaß alles auf diesem Weg nochmal zu reflektieren und wenn wir wieder daheim sind, wird's eine richtig coole Erinnerung für uns sein.

Immer wieder schön eure Abenteuerberichte beim Frühstück zu lesen 😘 [Lieselotte 😉]
Der Markt kommt zu Hanna
Feb 17–18, 2024 in the United States ⋅ ⛅ 26 °C
Hanna geht nicht zum Markt, der Markt kommt zu Hanna
Wir wachen am Samstag wieder im muckelig warmen Saunastübchen auf. Erstmal entspannt was am Handy rum daddeln und gemeinsam überlegen, ob es einen Plan für den Tag gibt, welche Möglichkeiten sich bieten und wie wir den Tag füllen wollen. Wir haben die Option noch einen Tag zu bleiben, oder uns weiter in Richtung Süden aufzumachen. Dort würden als nächstes Miami und die Florida Keys auf uns warten.
Der Tag soll noch wärmer werden als gestern, es wird zwischendurch regnen, aber die Temperatur soll nicht niedriger als 27 °C werden? Und ja, natürlich habe ich einen leichten Sonnenbrand auf dem Rücken. 🥴 Vielleicht nicht die besten Voraussetzungen für einen weiteren Strandtag. Wir beschließen erstmal den Morgen entspannt anzugehen und nach Gassigang und Kaffee eine Entscheidung zu treffen...et hetzt uns ja niemand, nicht wahr?! Christian macht sich auf und geht mit Bella eine große Runde Gassi, während ich mich in Ruhe fertig mache, ein bisschen im Wagen rum wusel und Kaffee aufsetze. Die Türen von Freddie sind auf, wir stehen am hinteren Rand des Parkplatzes und vor unserer Tür ist einer von drei Strandzugängen. Einige Leute passieren Freddie, Strandstühle geschultert, Angeln und Kühlboxen im Anschlag. Die Reaktionen sind unterschiedlich. Manche schauen ganz angestrengt geradeaus, andere lächeln in Freddie hinein und manche haben ein netten Kommentar übrig, dass wir ja alles dabei haben, was wir so brauchen.
Als der Kaffee fertig ist und ich gerade den Bus fege passiert ein Angler Freddie, schaut sich um, sieht mich und läuft wieder zurück, an Freddie vorbei, dann kommt er wieder um Freddie herum und spricht mich in gebrochenem Englisch mit spanischem Dialekt an und sagt "Come, I have to show you". Ich bin ein wenig verwirrt und tapse ihm aber hinterher, immernoch mit Handfeger in der Hand. Er steht direkt links neben Freddie mit einem riesigen PickUp und öffnet seine Ladefläche und hopst auf diese drauf (ich komme mir doof vor, dass ich misstrauisch bin). Währenddessen erklärt er mir mit wenigen, zunächst für mich unzusammenhängend wirkenden Worten, dass es ein Dorf weiter immer Samstags um kurz vor zehn so etwas wie Foodsharing gebe. Seine Freundin arbeite auf dem Markt und er habe viel zu viel und ich solle ihm doch etwas abnehmen. Er zieht zwei riesige Kartons nach vorne und zeigt mir eine gigantische Menge an Lebensmitteln. Klein Hanna steht neben der Ladefläche, mit Handfeger in der Hand und gefühlt grenzdebil und vollkommen überfordernd lächelnd und "ah, I see, wow, that's a lot" stammelnd. Ich weiß gar nicht wie mir geschieht, während der nette Mann mir eine Ausbeute von mehreren Tüten vor die Nase stapelt. Paprika, Kartoffeln, Pampelmusen, Melone, Zucchini, PakChoi, Tomaten und so weiter. Er möchte mir auch die Hälfte von einem riesigen Mehrkiloklops Schinken andrehen und ich stelle mir vor meinem inneren Auge vor, wie wir den in unserem Kühlschrank unterbringen sollen. "No, thank you so much, we are vegetarian" höre ich mich sagen, na dann gibt's noch einen Salatkopf und ein paar Mandarinchen obendrauf. Ich habe immer noch den Handfeger in der Hand und sage, dass ich ihn kurz wegbringe und Tüten hole und ob ich ihm etwas im Tausch anbieten könne. Ich fühle mich ein bisschen wie in der Truman Show. Er ist super nett und plappert weiter vor sich hin, dass das doch klar sei, dass das einfach alles zu viel für ihn und seine Freundin sei, dass ich die Sachen einfach nehmen solle und wir hier gern noch ein paar Tage schlafen können, dass da alle sehr entspannt seien. Naja jetzt hätten wir auch Vorräte für eine Woche. Ich bedanke mich in einer Tour und weiß gar nicht wie ich mich verhalten soll. Der Fischer lächelt und blubbert vor sich hin, dass das doch gar kein Problem sei, gerne und viel Spaß noch und safe travels. Er lässt mich die Errungenschaften abtransportieren und macht seine Angel fertig. Als ich zwischen Tüten in Freddie stehe, watschelt er zufrieden mit Angel, Kühlbox und Barfuß in Richtung Strand an mir vorbei.
Ich bin total verwirrt und denke mir wie schreiend komisch ich gerade aussehen muss und was Christian wohl denkt, wenn er mit Bella wiederkommt und ich inmitten eines Marktstandes stehe und zwar im Nirgendwo auf einem Strandparkplatz. "Ja ne Herz, als du weg warst hab ich mich mit nem Kartonschild an die Straße gesetzt und um milde Gaben gebettelt" 😂 Zeitweise ist es sehr unterhaltsam in meinem Kopf.
Ich versuche die Sachen schon mal ein wenig zu sortieren und fange an zu planen, wie wir sie unterbringen können als Christian mit Bella um die Ecke kommt und ihm die Verwirrung im Gesicht steht. "Hä, was ist denn hier passiert?" Ich gackere los und Christian entscheidet, dass die Erklärung auf Video festgehalten werden muss. Seine trockene, schräg grinsende Reaktion nach meiner Geschichte ist, dass man mich echt nicht allein lassen könne.
Als wir die Sachen weg geräumt haben, entscheiden wir uns, dass Weiterfahren heute trotzdem eine kluge Idee ist. Die Luft steht und es wird zunehmend schwül. Während wir anfangen Freddie fertig zu machen, kommt das ältere Pärchen mit dem Doggen-Labrador-Mischling vom Vortag an Freddie vorbei und begrüßt Bella namentlich. Wir kommen erneut ins Gespräch, die beiden erzählen von ihren Camper Erfahrungen und sind ganz neugierig, was wir noch für Pläne haben. Beim Abschied sagen sie, dass ihnen auf dem Rückweg was fehlen wird, wenn Bella und wir nicht mehr da sein werden. So viele nette Menschen innerhalb von ein paar Stunden, das ist mehr als beschwingend. Kurze Zeit später machen wir uns auf und sind unglaublich dankbar für die knapp zwei Tage am Bob Graham Beach.
Als nächsten Stop halten wir so grob Miami fest. Von dort aus wollen wir die Florida Keys erkunden und eventuell nach Miami rein fahren. Auf dem Weg wollen wir bei einem Outdoor-Shop noch den "America the beautiful“-Pass kaufen, eine Art Flatrate-Zugang für die meisten Nationalparks. Ich bin ganz schön dankbar einen Recherchian an meiner Seite zu haben. Der Pass gilt für ein Auto und drei Personen, perfekt also für uns. Outdoorläden sind für uns gefährlich merken wir, wir kommen nicht nur mit dem Pass, sondern auch um eine Badehose, eine Latzhose und Birkenstocks reicher wieder bei Freddie an. Hier genießen wir ein kleines Frühstück und schauen, wo wir für die Nacht unterkommen können. Es bietet sich eine Kirche in Homestead in der Metropolregion Miami an. Der Name New Life Sanctuary irritiert, insbesondere in Zusammenspiel mit einem Logo, dass uns an The Big Bang Theory erinnert. Wir müssen ja an keiner Messe teilnehmen und die Kommunikation ist super entspannt und nett.
Wir zerfließen bei knappen 38° in Freddie und sind froh, über jedes bisschen Luft das herein weht. Bella macht alles ganz fantastisch mit. Zwischendurch kriegt sie eine feuchte Dusche und immer wieder Trinken angeboten. Wir sind einfach so gesegnet mit diesem Hund.
Nach zwei Stunden Fahrt machen wir Stopp bei Walmart. Hier erstehe ich eine neue billige Sonnenbrille ohne Sehstärke und bin wieder bestens gewappnet für meine Kontaktlinsen. Und: wie gefährlich sind bitte amerikanische Snacks?! Hier gibt es mit Erdnussbutter gefüllt Salzbrezel-Kissen. Die ersten Walmart Besuche lang konnten wir sie ignorieren, heute mussten sie mit. Yum!
Da wir gut in der Zeit liegen, warten wir auf dem Parkplatz noch eine gute halbe Stunde ab, bis die Sonne weniger kräftig scheint.
Im Dunkeln kommen wir in Homestead an und ich koche uns eine monströse Gemüsepfanne, die richtig köstlich schmeckt! Danke lieber Fischer! Von den freilaufenden Pfauen, die auf dem Gelände herumlaufen sollen, bekommen wir leider nichts mit. Wir gehen noch eine Runde mit Bella und fallen ins Bett.Read more
Rainy Miami
Feb 18–19, 2024 in the United States ⋅ 🌧 19 °C
Am Sonntagmorgen werden wir um acht Uhr vom Wecker aus dem Bett geschmissen. Der Host für diese Nacht, hat den Wunsch, dass der Platz bis 08:30 Uhr verlassen wird, sofern man nicht an der der „Worship Experience“ in dem Flachbau teilnehmen möchte. Hanna und ich sind skeptisch und vertagen unsere Experience auf einen anderen Tag.
Nach ein paar Minuten Fahrt kommen wir an einer kleinen Mall an und ordern erstmal per App bei Starbucks einen Kaffee und können ihn dann ein paar Minuten später schon im Laden abholen. Die Blechkolonne vor dem Drive-Through hat sich in der Zwischenzeit kaum bewegt und die Motoren fast aller Fahrzeuge laufen die ganze Zeit. Es beruhigt uns, dass wir diese Andersartigkeit noch immer sehr verwirrend finden. Mit Kaffee in der Hand laufen wir also eine Runde um den Block und werden dabei von oben leicht berieselt und finden es sehr angenehm.
Wir prüfen nochmal den Wetterbericht und sehen, dass es mit angenehmen Regen bald vorbei sein sollte und es den ganzen Tag regnen bzw. fast stürmen wird. Nach einiger Überlegung entscheiden wir, heute doch nicht in Richtung der Florida Keys zu fahren. Bahamas-Optik und Wetter wie gerade in Deutschland - nee, danke 😎
Hanna verschwindet kurz vor Freddie in eine Drogerie auf der Suche nach einer Lotion, für die doch sehr trockene Haut nach den letzten paar Tagen in der Sonne. Ich mache es mir derweil in Freddie gemütlich und schaue, wo sich denn die nächste Münzwäscherei befindet. Automatisch fallen einem dann natürlich die Bewertungen ins Auge und ich verliere mich etwas in der Suche nach einer Wäscherei mit guter Bewertung und lande dann am Ende bei einer in Little Havanna mitten in Miami.
Nachdem Hanna wieder zurück ist, planen wir gemeinsam weiter und wählen die Wäscherei dort als Ziel aus und wollen es später dann mit einem Trip durch Miami verbinden.
Abgesehen vom Bevölkerungsprofil und einigen wunderschön bemalten Häusern hat Little Havanna dann für uns aber doch nichts mit der kubanischen Hautpstadt gemein. Ehrlich gesagt haben wir aber auch keine Ahnung - dort waren wir selbst ja auch noch nicht. Wir parken vorm Presidente Supermarket und suchen alles an Wäsche zusammen, was sich findet. Es kommt doch mehr zusammen, als wir gedacht haben. Auf dem kurzen Weg zur Wäscherei falle ich im Gegensatz zu Hanna kaum auf, dafür kann Hanna dann in der Wäscherei ihre Spanisch-Grundkenntnisse rausholen (die Mitarbeiterin reagiert auf unser Englisch mit "no hablas ingles") und organisiert Waschpulver, während ich aus einem 20 Dollar-Schein am Automaten in kurzer Zeit 80 Quarter-Münzen mache. Die Wäsche ist schnell verstaut und die Maschine meldet, dass sie in 27 Minuten fertig sein wird.
Wir nutzen die Zeit, um den Supermarkt zu erkunden. Hier gibt es 4 verschiedenen Bananensorten und es fühlt sich dann doch ein wenig an, wie wir es in Havanna erwarten würden.
Hanna läuft mit typisch kubanischen Einkäufen (Hafermilch, Küchenrolle, Mülltüten und Gemüsebrühwürfeln) zurück zum Bus, während ich die Wäsche in den Trockner verfrachte. Diesmal 36 Minuten, die wir dann noch im Bus entspannen. Nach Ablauf des Trockners (es ist alles trocken geworden), falten wir diese dann in Ruhe in der Wäscherei. Definitiv ein Vorteil gegenüber der Münzautomaten an Tankstellen, die wir sonst in den Urlauben verwendet haben.
Wir rollen aus Little Havanna los und machen uns erstmal in Richtung des kleinen Key Biscane direkt vor Miami auf. Beeindruckt sind wir von einer langen „Allee“ durch die wir rollen (Was sind das für Bäume? Jemand eine Ahnung?) - wie schön, das Ganze bei Sonnenschein sein muss. Jetzt im immer mal wieder auf- und abschwellendem Regen ist es ja schon faszinierend. Auf dem Weg zum Key Biscane sehen wir das erste Mal die Skyline von Miami, der Kontrast zur Allee ist total surreal.
Auf der einen Seite erblicken wir das vom Regen aufgepeitsche Meer, auf der anderen stapeln sich Boote in Hochregalen. Da der Regen zwischenzeitlich immer weiter zunimmt, verzichten wir auf einen Spazierstopp am Ende des Key und nehmen uns als nächste Ziel für unseren heutigen Roadtrip Miami Beach vor. Das Bild und die Musik in unserer Vorstellung sind hier natürlich stark von Will Smith's „Hymne“, den Bad Boys Filmen und den Serien Miami Vice bzw. Dexter geprägt.
Auf dem Weg begreifen und fühlen wir beide das erste Mal den Begriff Großstadtdschungel.
Hochhäuser ragen wie majestätische Bäume empor, während sich der Verkehr wie ein wildes Gewirr von Tieren durch die Straßen schiebt. Die Scheinwerferlichter im Regen tanzen wie exotische Vögel entlang der Straßen. Im Hafen liegen mehrere schwimmende, mehrstöckige solcher Bäume (in Gestalt von Kreuzfahrtschiffen) vor Anker. An deren Oberdeck lassen sich aus der Ferne gigantische Wasserrutschen und scheinbar auch Achterbahnen ausmachen.
In Miami Beach angekommen, hat das ganze einen deutlich kompakteren Charakter und wir genießen es, die Eindrücke in den verhältnismäßig schmalen Straßen auf uns Wirken zu lassen. Mittlerweile regnet es ununterbrochen und wir machen uns auf den Weg zu unserem heutigen Ziel, dem südlichsten Winzer der USA.
Aus der knapp einstündige Fahrt auf dem Highway werden fast zwei Stunden, da es zwischenzeitlich sintflutartig regnet und alles schnell unter Wasser steht. Die Blechlawine rollt sehr langsam und die meisten Fahrzeugführer entscheiden sich dafür, die Warnblinkanlage einzuschalten, lassen dafür dann aber das normale Tagfahr- und Abblendlicht aus und wechseln zwischenzeitlich willkürlich die Spur.
Wir sind froh, als wir endlich auf den großen Hof/ auf die Rasenfläche rollen. Da es immer noch in Strömen gießt, klettern wir erstmal aus dem Fahrerhaus nach hinten durch. Man fühlt sich dabei teilweise wie Spiderman, aber es klappt. Hinten angekommen macht Hanna erstmal ein Müsli und wir genießen eine Folge the Crown. Ehrlich gesagt sind wir recht wenig motiviert, aus Freddie zu steigen, aber wirklich verrückte Weine (Avocado- und Ananaswein zum Beispiel) locken uns neben einer ganz schön gut klingenden Restaurantkarte. Um 18 Uhr machen wir uns auf, und wir erobern das riesige Gelände. Hier ist nicht nur ein Winzer, sondern ebenfalls eine Brauerei Eventlocation angeschlossen.
Im Restaurant sind zwar noch genug Plätze frei, aber es werden nur noch die Reservierungen eingelassen. Etwas traurig laufen wir zurück zur Eventlocation. Gegenüber der Tanzfläche stehen 8 Billardtische, auf der anderen Seite die lange Bar und ein paar Hochstühle. Es gibt noch andere Spielangebote, die in der Halle aufgebaut sind. Der perfekte Ausflugsort für Familien bei Regenwetter und es ist auch gut gefüllt. Wir entscheiden uns für FishNChips und ein Pfirsichbier, Kokusnussstout und ein Habanero-Ale. Alles in allem sehr lecker, mit Mehrwertsteuer und Trinkgeld dann aber doch wieder ein kostspieliges Vergnügen und ich bekomme leider auch direkt einen Schädel. Die Weine hätte man nur im Restaurant verkosten können, schade aber da macht man nix.
Früh schlafen wir ein, da wir uns sehr zeitig auf den Weg Richtung Key West machen wollen.Read more
Der frühe Vogel fängt den Key
Feb 19–20, 2024 in the United States ⋅ 🌬 19 °C
Heilige Scheiße, was habe ich mir den dabei gedacht? Es ist kurz vor fünf am Montagmorgen und der Wecker klingelt. Aber gut, wir haben ja schließlich auch was vor.
Heute geht es los für einen Tagesausflug nach Key West, der südlichsten Insel der Florida Keys, die alle über den knapp 160 Kilometer langen Overseas Highway 1 verbunden sind. Key stammt übrigens vom Spanischen 'Cay' für Sandinsel.
Wir haben uns für einen Tagesausflug entschieden, da das Übernachten im Fahrzeug auf den Keys bis auf wenige Ausnahmen verboten ist und die Campingplätze Monate im Voraus ausgebucht sind und dann in der Regel auch ab 200$ aufwärts Kosten - pro Nacht versteht sich.
Die Wettervorhersage hat ab den frühen Morgenstunden wolkenfreien Himmel versprochen und so nehmen wir das frühe Aufstehen gerne in Kauf, um in mittelbarer Nähe von den Bahamas und Kuba den Sonnenaufgang zu bewundern. Nachdem wir nochmal nachgetankt haben (Diesel ist dort knapp 1$ teurer), gestehen wir uns dann doch nach einer guten halben Stunden Fahrt ein, dass der frühe Vogel heute nicht belohnt wird und die Sonne hinter den Wolken aufgehen wird.
Wir lassen uns davon aber nicht aus der Fassung bringen und rollen mit musikalischer Untermalung und konstant eingeschaltetem Tempomat über die zumeist einspurige Straße.
Auf unserem Weg überqueren wir zahlreiche Brücken, die die einzelnen Inseln miteinander verbinden. Die majestätischen Strukturen bieten nicht nur einen spektakulären Ausblick auf das türkisfarbene Wasser, sondern auch eine Plattform für Angler, die geduldig darauf warten, ihren Fang des Tages zu machen. Zum Teil verlaufen aber auch die alten, mittlerweile verfallenen Brücken parallel zur Straße und bilden mit ihren verrosteten Stahlgerüsten einen zusätzlichen Blickfang.
Links und rechts der Straße erstrecken sich malerische Landschaften, die von üppiger Vegetation geprägt sind. Entlang der Küstenlinie tanzen die sanften Wellen des Ozeans im Morgengrauen und Palmen biegen sich im Wind, während die kühle Brise durch ihre Blätter rauscht.
Die Vogelwelt der Florida Keys zeigt sich ebenfalls in ihrer ganzen Pracht. Möwen und viele, viele Pelikane gleiten elegant über die Wasseroberfläche. Auf einer der Brücken erblicken wir sogar kurzzeitig Delfine im Wasser.
Während sich unsere Fahrt fortsetzt, taucht die Sonne langsam hinter den Wolken auf und färbt den Himmel in warme Farben. Es ist so surreal, dass wir uns mit unserem selbst ausgebauten Camper so inmitten des Ozeans befinden. Als wir gegen 9 Uhr ankommen, stellen wir fest, dass es eine Fahrt voller Ruhe, Schönheit und dem Gefühl von Freiheit war, die jeden Moment unvergesslich gemacht hat - und der Rückweg steht uns noch bevor! Wir parken direkt zwischen dem Mile Marker für den Beginn des OverSea Highways und einem knapp 100 Jahre altem Kapok Baum.
Mittlerweile ist der Himmel knallblau, wir holen einen Parkschein und stapfen wie immer ohne Plan los um Key West zu erkunden. Gerne sehen möchten wir den Southernmost Point of the U.S., ansonsten werden wir uns treiben lassen. Wir haben 9 Uhr morgens und langsam strecken auch die Touristen, die in den vielen kleinen Pensionen in zauberhafter Holzbauweise untergekommen sind, ihre Nasen an die frische Luft. Hier sieht man keine riesigen Hotelbauten, das spricht schonmal für Key West. Es gibt mehrere kleine Frühstückscafés, eines lacht uns an und heißt auf einem Schild bereits Hunde willkommen. Auf Nachfrage sagt uns die nette Dame, dass wir uns auf die andere Straßenseite stellen können und sie uns in ungefähr einer viertel Stunde dort einsammeln wird. Wir fragen, ob wir auch noch was herumlaufen können, das bejaht sie.
Also machen wir uns auf - zum Southernmost Point sind es nur 900 Meter, den könne wir doch noch ansteuern. Als wir dort ankommen steht eine kurze Menschenschlange vor der riesigen Boje, die den südlichsten Punkt der USA markiert. Von hier aus sind es noch 90 Meilen bis Cuba, wenn man Adleraugen hätte, könnte man Havanna sehen. Wir verrückt ist es bitte, dass wir gerade einfach am Golf von Mexiko stehen? Wir stellen uns nicht in die Schlange, uns reicht die Boje, da müssen wir nicht mit auf dem Bild sein.
Auf dem Weg zurück zum Restaurant merken wir, dass wir natürlich länger gebraucht haben als 15 Minuten...wir sehen schon von weitem dass die Schlange vor dem Laden um einiges länger geworden ist. Unser Tisch ist bestimmt weg, aber gut, es gibt ja nicht nur diesen einen super hippen Laden über den wir zufällig gestolpert sind. Wir möchten nicht so viel zu spät aufschlagen und vorne hin gehen, um zu fragen, ob der Tisch noch frei ist und noch mal anstellen möchten wir uns auch nicht. Nach dem kindlichen Motto "weg gegangen, Platz vergangen" suchen wir uns ein anderes Café. Wir stolpern über ein Cafe/Restaurant/Bar (was es sein will ist nicht ganz klar, aber das Frühstück sieht lecker aus). Wobei die ersten sich auch schon um 10 Uhr morgens ein kleines Cocktaileimerchen teilen (die sehen ein bisschen aus wie die Kreideeimer mit Straßenkreide und Henkel).
Auf dem Weg hierhin haben wir schon super viele freilaufende Hühner und Hähne gesehen. Wie selbstverständlich sind sie in Gärten, auf der Straße und auch in Restaurants im Außenbereich. Auf der Insel ist das Schlachten und Verzehren der hier ansässigen Hühner, Hähne und auch deren Eier strengstens verboten. Klar gibt es Eier und Hühnerfleisch zu essen, das wird aber vom Festland importiert. Die Hühner werden hier Gipsy Chicken oder auch Eagles of Key West genannt und sind selbstverständlich coexistent mit den Bewohnern und Touristen. Allerdings steht auf jedem Tisch im Restaurant ein "Chicken Repellent", eine Tube mit Wasser, um neugierige Gipsy Chicken abzuwehren. Wir genehmigen uns ein Omelett und Frühstücks Tacos und genießen dazu Kaffee.
Danach schlendern wir durch das doch sehr touristische aber auch sehr charmante Städtchen. Die meisten Häuser sind in Pastellfarben gehalten, es gibt Zebrastreifen aus Regenbogenflaggen und selbst das Hard Rock Cafe ist in einer babyblauen viktorianischen Holzvilla untergebracht. Viele Hippie Läden und unzählige Bars und Restaurants säumen die Straßen. An Stegen am Meer ankern Yachten, Motorboote und Jetskis. Es wirkt ein bisschen wie ein Zuckerwatte Städtchen.
Vollkommen überwältigt von all den Eindrücken machen wir uns auf den Rückweg und genießen zum zweiten Mal am heutigen Tag die Fahrt in dieser tollen Kulisse. Es ist gut, dass wir Tagebuch führen. Die Eindrücke sind nach 20 Tagen bereits schon so überwältigend, wie soll das erst nach der vollen Zeit sein?
Wieder auf dem Festland angekommen, halten wir zunächst an einer Tankstelle und füllen das zweite Mal unsere Wasservorräte auf. Der Wasserfilter hat sich wirklich gelohnt und wir sind froh, dass wir an die Qualität des Wassers keine großen Gedanken mehr verschwenden müssen. Zudem tanken wir noch einmal nach - die 400 Kilometer haben wir mit einem Verbrauch von knapp 8,8 l/100km bewältigt. In Anbetracht der neuen Bereifung und Beladung ist das großartig.
Wir wägen kurz ab, ob wir noch einen Campground in den Everglades für heute buchen, entscheiden uns dann aber doch gegen weitere 90 Minuten Fahrt und steuern den nächsten CrackerBarrel an, essen hier zu Abend und machen uns Gedanken über mögliche Ziele und unsere Route in den nächsten Tagen. Es ist nach wie vor schwierig, ein Gefühl für die Distanz und die Zeit bekommen.
Wieder in Freddie machen wir einen längeres Nickerchen und klettern dann nochmal um kurz vor zehn aus dem Bett und schreiben die Berichte der letzten Tage - vier sind es an der Zahl. Jetzt um kurz vor zwei werden die Augen dann aber doch wieder schwer und wir freuen uns auf den nächsten Tag: Gemütliches Fahren entlang der Everglades.Read more
Alli-Alligatoah
Feb 20–21, 2024 in the United States ⋅ ☀️ 20 °C
Am Dienstag wachen wir erholt auf, obwohl wir ja recht spät schlafen gegangen sind. Gute Entscheidung, dass wir nicht noch weiter gefahren sind und beim Cracker Barrel "abgestiegen" sind. Der Nap am Abend war auch eine kluge Idee. Heute klingelt mein Telefon und ich halte einen richtig schönen Videoschnack mit Emma, Moritz und Jenny. Dafür, dass Emma (5) vor der Reise noch gesagt hat, dass wir garnicht telefonieren können, weil es bei uns dunkel ist, wenn es in Deutschland hell ist und andersrum, kriegen wir das bisher ganz schön gut hin. Aber auch für mich fühlt es sich komisch an, dass in Deutschland schon ein halber Tag vergangen ist und wir gerade noch muckelig im Bett liegen und ein ganzer neuer Tag auf uns wartet.
Während ich noch schnacke, hopst Christian aus dem Bett und geht eine Runde mit Bella. Ich videofoniere noch ein bisschen weiter und ziehe mich parallel an, baue das Bett um und tauche ins mini-Badezimmer ab, dass ich mir unter unserem Tisch einrichte, dort ist die Kosmetik-Schublade mit allem was ich so brauche. Ich habe mich mit Christian heute darüber unterhalten, dass sich Freddie, so klein er auch sein mag, je nach Aktivität und Funktion in vollkommen klar abgegrenzte Wohnungsbereiche einteilen lässt. Bad - unterm drehbaren Tisch auf dem Boden und natürlich auch am Waschbecken, Küche - beim Kochen die Küchenzeile, Esszimmer - ausziehbare Bank + Tisch, Schlafzimmer - Bett, Arbeitszimmer - Fahrerkabine...alles vorhanden, was wir so brauchen.
Als Christian und Bella wieder da sind, parken wir noch kurz in den Schatten um und organisieren uns ein wenig. Wir überlegen, wo wir den nächsten Tag übernachten möchten, stellen über Harvest Host eine Anfrage bei einer kleinen Farm weiter nördlich im Inland und besorgen uns noch einen Kaffee bei Starbucks. Dann rollen wir los in Richtung Everglades. Ich habe unterbewusst die Everglades geographisch irgendwo anders und bergig positioniert - momentan komme ich mit den Nationalparks noch ein wenig durcheinander, aber das wird sich ändern, sobald wir die Namen mit Erlebnissen und Bildern verknüpfen können, da bin ich mir sicher. Als ich eine Sprachnachricht von Mama bekomme hört man die Begeisterung und man merkt, dass Kindheits-/ Jugenderinnerungen bei meinen Eltern wach werden und sie die Everglades ganz fest mit Miami Vice und Flipper verknüpfen.
Wir machen uns also auf den Weg und planen uns sehr nördlich an die Everglades heranzupirschen. Unser Stellplatz für den Abend liegt im Big Cypress National Preserve, einem Landschaftschutzgebiet, das schon gar nicht mehr zu den Everglades gehört. Hier wird zwischen den verschiedensten Formen von Naturschutzgebieten unterschieden - Nationalparks, StateParks, National Preseves, National Forests. Hinzu kommt noch das Public Land und viel, viel mehr.
Wir sind beeindruckt, dass es hier einen solchen Fokus auf das ganze Thema gibt. Von Bundesebene gibt es sogar eine App, mit der man sich direkt Campgrounds in diesen Gebieten anzeigen lassen kann und bei Verfügbarkeit auch direkt buchen kann. Vielleicht kommt der Grad an Digitalisierung ja auch mal bei uns an.
In vielen bekannten touristischen Bereichen sind Hunde häufig verboten, genauso wie auf den meisten Ausflugsattraktionen und Wanderwegen. Wir stellen uns also im Vorhinein darauf ein, genau zu schauen und auf einige Sachen, die sich spannend anhören eventuell verzichten zu müssen, weil wir Bella auch einfach nicht ewig allein im Auto lassen wollen. Wir sehen es als "natürliche Selektion" an, die uns die Flut an Möglichkeiten ein wenig erleichtert. Und wo sich eine Tür geschlossen hat, stehen wir halt schon im nächsten Raum.
Zunächst fahren wir an den typischen Kanälen und Ausflugsbooten vorbei, die einen in die Marschlandschaft schippern, damit man die bestmögliche Aussicht auf die Tier- und Pflanzenwelt in den Everglades hat. Mit der Zeit tauchen am Straßenrand mehr und mehr Bäume auf. Es ist verrückt, denn aktuell haben die meisten Bäume und Sträucher nasse Füße, dies ist scheinbar ein Großteil des Jahres so. Als ich aus dem Beifahrerfenster schaue, sehe ich am Baumrand vom Kanal den ersten Alligator entspannt Sonne tanken. Christian ist zunächst enttäuscht und hat Angst etwas verpasst zu haben. Nachdem ich allerdings innerhalb der nächsten 10 Minuten 5 Alligatoren entdeckt habe und Christian weiß, in welche Richtung er schauen muss, wird uns klar, dass wir hier gar nicht ganz besonders aufmerksam schauen müssen und den Tag über noch einige drachenähnliche Anwohner treffen werden. Neben Alligatoren sehen wir ganz viele Vögel, hauptsächlich Fischreiher und Komorane. Überall säumen Zypressen und Palmen den Weg.
Ab 13 Uhr dürfen wir auf den Campingplatz, wir sind gut in der Zeit und sehen kurz vorher ein Schild, das eine Loop Road ausschildert, an deren Beginn eine Toilette ausgeschildert ist. Die nehmen wir gern mit. An dem kleinen Rastplatz am Rand einer Gravel-Road stehen ein paar Info Schilder, die den 21 Meilen Rundweg für Autos bewerben als eine Straße, an der man die einheimische Tierwelt im natürlichen Habitat beobachten kann. Klingt Perfekt für uns, so dass wir auch ein wenig von der Natur im State Park mitbekommen, ohne Bella allein lassen zu müssen. Wir hoppeln also los und das Hoppeln ist hier wortwörtlich gemeint. Riesige Schlaglöcher auf einer Safari-ähnlichen Straße lassen uns mit durchschnittlichen 16 km/h durch die Gegend wackeln. Wie gut, dass wir noch All Terrain Reifen haben aufziehen lassen, bevor wir Freddie verschifft haben.
Das Tempo ist perfekt, um ganz viel mitzubekommen. Beim ersten Alligator, der sofort am Wegrand liegt und den wir recht spät sehen, quieken wir beide ein wenig los 😂. Ab dem Zeitpunkt fühlen wir uns beide wirklich so, als würden wir in einer anderen Welt auf Safari sein. Fehlen nur noch diese Sonnenhüte in schickem beige und ein Fernglas, wobei wir das nicht brauchen, weil wir die Alligatoren in ein bis fünf Meter Entfernung passieren. Die meisten liegen recht starr herum und genießen ein Sonnenbad. Manche platschen schnell ins Wasser sobald Freddies Brummen sich bemerkbar macht. Zwischendurch halten wir und Christian klettert nach hinten und besorgt uns einen Apfel und bringt meine Spiegelreflexkamera mit nach vorne. Gute zwei Stündchen verbringen wir auf dem Weg, bleiben zwischendurch stehen und halten mit Fotos und Videos diese andere Welt für unsere Zukunft fest. Das werden wir bestimmt nicht vergessen. Immer wieder passieren wir Grundstücke von Anwohnern, die entlang der LoopRoad wohnen. Richtig beseelt freuen wir uns danach darauf unseren Platz für die Nacht anzusteuern.
Hier angekommen begrüßt uns ein netter Mann, der scheinbar für die Organisation des Platzes um den Burns Lake verantwortlich ist. Er selbst wohnt auch hier auf dem Platz und checkt Reservierung etc.. Er zeigt uns unseren Platz mit Picknicktisch und Feuerring. Außerdem gibt es Mülleimer und Toiletten und sonst nichts. Alles ist sehr offen und luftig angelegt, es ist herrlich ruhig. Außer uns sind vielleicht noch 5 andere Gäste hier, es ist also wenig los. Die Plätze sind rund um einen See angelegt. Bella und ich watscheln ein paar Meter los, während Christian an Freddie mit unserem Host schnackt. Ich höre wie er zu Christian sagt, dass er mir am besten weitergeben soll, dass Bella nicht auf der Seite des Wegs, die am Wasser liegt, gehen sollte, da natürlich Alligatoren im See wohnen, denen jedes Jahr ein paar Haustiere zum Opfer fallen. Ich bin dankbar für meine gut funktionierenden Ohren und nehme Bella ziemlich schnell auf die andere Seite.
Wir kommen an und ich mache uns erstmal essen. Müsli für Christian und Salat für mich. Danach plätschert der Nachmittag vor sich hin und wir genießen die unglaubliche Ruhe. Es ist zauberhaft. Als es dämmert gehen wir eine Runde um den See und treffen Sandy und Monika aus Kanada, mit denen wir uns verquatschen. Die beiden sind vier Wochen unterwegs und fliehen vor dem bitterkalten Winter im Norden. Wieder bei Freddie angekommen sind wir ein wenig traurig, dass wir kein Feuerholz dabei haben. In Florida darf übrigens nur floridianisches Feuerholz verbrannt werden, es steht unter Strafe, aus anderen Staaten Holz einzuführen. Vor einigen Jahren wurde wohl ein Parasit eingeführt , dem ganz viele Pinien zum Opfer gefallen sind. Dadurch, dass wir kein Feuer machen können, sind wir den Mosquitos ausgeliefert, die um die Tageszeit aus dem Dunst aufsteigen und verziehen uns in Freddie.
Christian verzieht sich ins Arbeitszimmer und werkelt an unserer Wasserstandsanzeige und anderen Dingen herum und ich schreibe den Beitrag zu Ende, den Christian gestern Nacht beim Cracker Barrel noch angefangen hat. Später snacken wir noch ein paar Warps die Christian zaubert und kuscheln uns ins Bett, genießen einen Whisky und schauen eine Folge The Crown.
Was man an so einem Tag, an dem man plant nur ein wenig durch die Everglades zu rollen und beim Campingplatz anzukommen, alles so erlebt lässt uns mal wieder vor Dankbarkeit fast platzen. Was ist das Leben gerade gut zu uns.Read more
Hot Toddy
Feb 21–22, 2024 in the United States ⋅ ☀️ 17 °C
Nach einer wundervoll ruhigen Nacht werden wir am Dienstagmorgen ganz entspannt wach und wir starten unseren üblichen Morgenablauf: Ich drehe zwei Ründchen mit Bella um den See und Hanna bereitet schonmal den Kaffee vor.
Abgesehen von einem Paar aus Texas mit kläffendem Hund und laufendem Generator ist es wirklich absolut ruhig. Ich genieße die kleine Runde im Sonnenschein und freue mich sehr über alle möglichen Vogelstimmen. Mir fällt ein, dass ich mich mal mit der App BirdNET beschäftigen wollte. Diese verwendet künstliche Intelligenz, um Vögel anhand ihres Gesangs zu identifizieren. Der schlechte Internetempfang lässt mich das ganze erstmal vertagen.
Wir genießen zusammen den Kaffee und probieren dabei die erste Hafermilch, die wir zwei Tage vorher in Miami gekauft haben. Nicht gezuckert und sehr hafrig, ich bin begeistert. Bevor es losgeht, installiere ich vorne noch schnell eine kleine Wasserwaage, die direkt im Blickfeld des Fahrenden ist. So können wir direkt beim Einparken schauen, wie nivelliert wir stehen. In der Zwischenzeit ist die Bestätigung von Sweatpeas Pleasure eingetroffen und wir haben ein fixes Ziel für die Nacht.
Zunächst machen wir uns aber in Richtung des Collier Seminole State Parks auf, dort gibt es einen kleinen Trail, der mit Hunden begehbar ist. Unterwegs buchen wir direkt den Eintritt für den Park über die Internetseite und bezahlen wie zu 99% mit der Kredikarte – lediglich Billardtisch und Wäscheautomat haben bislang auf Münzen bestanden.
Am State Park angekommen, ist die Rangerin erstmal sichtlich verwirrt, dass wir den Eintritt über das Internet gebucht haben, da sie den Vorgang so gar nicht kennt. Der Code in unserer Bestätigung wird aber von dem Scanner verarbeitet und nach ein paar Anweisungen und einer kleinen Sicherheitsunterweisung rollen wir zum knapp 2 Kilometer entfernten Start. Aufgrund des Regens am Sonntag und den zum Teil unter Wasser stehenden Bereichen, entscheiden wir uns für die guten Wanderschuhe und machen uns guter Dinge auf. Heute wurden entlang des Trails wohl schon Alligatoren und Diamantklapperschlangen gesichtet. Letztere machen sich aber wohl laut genug bemerkbar, so dass es hier wohl nicht zu Konflikten kommen sollte.
Der vorgegeben Route können wir nicht lange folgen, da die Wege zum Teil kniehoch unter Wasser stehen und dafür selbst unsere Wanderschuhe nicht geeignet sind. Zum Glück handelt es sich um einen Rundweg, so dass wir diesen dann einfach in die andere Richtung gehen. Ganz gehorsam haben wir den Wanderanweisungen des StateParks folge geleistet und eine Flasche Wasser eingepackt. Der Weg ist nicht sonderlich anstrengend, aber die Sonne macht sich doch schon gut bemerkbar. Auf halben Weg treffen wir ein älteres, namenloses Paar aus Portland und, richtig, verquatschen uns erstmal für fast eine halbe Stunde. Die beiden haben eine Schwiegertochter aus Deutschland und schnell tauschen wir uns über alle möglichen Themen aus. Obwohl Bella einen halben Apfel mit ihren Blicken erbeutet, wird sie dann doch etwas unruhig und möchte weitergehen – wir folgen. Nach knapp zwei Kilometern ist der Weg dann wiederum durch Pützen gesperrt und wir drehen um.
Links und rechts des Weges sehen wir in der Nähe und der Ferne Palmen, Farn und soviel andere Pflanzen, die wir aus Deutschen Wäldern nicht gewohnt sind. Gefühlt alle 50 Meter schrecken oder scheuchen wir einen Reiher auf, die es hier noch und nöcher gibt. Und ja, wir sehen auch zwei Alligatoren die ganz gemütlich in einem kleinen Tümpel baden.
Zurück bei Freddie machen wir die Schuhe sauber, füllen die Flasche wieder auf und tippen erstmal die Adresse der Farm ins Navi ein. Mist, schon wieder die Distanz etwas falsch eingeschätzt, wir müssen knapp zwei Stündchen fahren. Machen wir zum Glück wirklich gerne. Nach wenigen Meilen wird das grün mehr und mehr von grau durchzogen und wir sind wieder mitten im Trubel angekommen. Der Verkehr ist zum Glück sehr flüssig und die Route sieht in etwa so aus: 40 Meilen in einer gerade Line nach Norden, 20 Meilen gradlinig gen Osten und dann nochmal 20 nach Norden – ein hoch auf den Tempomat.
Wir kommen gegen 17:30 Uhr an der kleinen Farm an und stehen erstmal vor verschlossenem Tor. Etwas verunsichert ob wir Selbiges einfach öffnen dürfen oder nicht, rufen wir nach kurzem Warten beim Gastgeber an. Wenig später rollen wir auf den Hof und werden direkt von zwei riesigen Pyrenäenberghunden und einem braunen Hund von Bellas Größe begrüßt. Wir sehen Pferde, Ponys, Katzen, Hühner, einen Esel und zwei Ziegen. Letztere sind aber wahrscheinlich zum Schutz vor Kojoten in einem separaten umzäunten Bereich untergebracht - alle anderen Tiere laufen frei herum. Das Grundstück ist 30 acre groß, riesig, mit Teich und unglaublich schöner weite und einem kleinen einstöckigen Farmhaus auf Stelzen. Wir stoppen in direkter Nähe zur Feuerstelle und kommen erst einmal an. Bella wird in der Zwischenzeit von allen drei Hunden begrüßt und wir sind beruhigt, dass es hier keine Konflikte gibt. Unsere Gastgeberin, Lisa, kommt nach einiger Zeit kurz vorbei und wir unterhalten uns kurz und bekommen die Erlaubnis vom Feuerholz Gebrauch zu machen, Hurra.
Bella will in der Zwischenzeit neugierig die Gastgeberin begrüßen, dies sorgt dann aber wohl für etwas Eifersucht beim braunen Hund und sie will Bella die Hofregeln aufzeigen. Die beiden Pyrenäenberghunde fallen mit ein und jagen Bella etwas vor sich her. Der Esel kommt zur Rettung angaloppiert und rettet Bella zunächst, überlegt es sich dann aber anders. Drei Hunde und ein Esel stellen ihr also nach. Die Gute weiß nicht so recht wir ihr geschieht und versucht das Schnappen und die oberflächlichen Bisse zunächst mit Winseln abzuwehren. Dies sorgt aber nicht für dir gewünschte Wirkung so rettet sie sich in die Nähe von Freddie, fletscht so gut es geht die Zähne und versteckt sich dann erstmal unter dem Wagen.
Wir stehen alle etwas perplex daneben und die Gastgeberin entschuldigt sich, wir sehen es aber einigermaßen entspannt. In der Regel klären Hunde das unter sich und es gibt selten Grund einzugreifen. Nachdem die Situation also geklärt ist und sich Lisa verabschiedet hat, mache ich mich direkt an das Feuer und bekomme es recht schnell entfacht. In der Zwischenzeit kommt ein weiterer Camper an und zunächst lerne nur ich Kelli und David kennen, weil Hanna sich um das Essen kümmert (danke ❤).
Es wird ein sehr gemütlicher Abend am Feuer und wir unterhalten uns über das Leben und Arbeiten im Van, die besten Nationalparks in den USA und geben ein paar Reiseempfehlungen für den Besuch in Europa aus. Zwischenzeitlich ist der Gemüseauflauf in unserem Omniabackofen fertig geworden und wir danken mal wieder dem Fischer vom Strand. Ein paar Stunden später sitzen wir in einer sternenklaren Nacht am vor sich hin brennenden Feuer, genießen mit den beiden ein paar Hot Toddies (Tee, Whisky und Honig) und sind wieder einmal vollkommen erschlagen von den ganzen Eindrücken.Read more
Kein Ice fur Bella
Feb 22–23, 2024 in the United States ⋅ ☀️ 22 °C
Wir wachen nach einer ruhige Nacht in einem doch schon recht warmen Freddie auf. Es ist der dritte Tag in Folge ohne Wolken am Himmel und wir stehen neben dem Feuerring direkt auf dem Präsentierteller.
Da die Gassirunde auf dem Grundstück erstmal nicht ohne vorheriges Evaluieren der Lage möglich ist, macht Christian uns erstmal einen Kaffee.
David hat uns gestern noch von Instant-Kaffee von Walmart vorgeschwärmt und uns ein paar Tütchen zugesteckt. Kelli war auch der Überzeugung, dass er wie "really good American Coffee" schmeckt und das sauber machen unseres Cuban Coffee Makers super zeitaufwändig wäre. Sagen wir es so...zwei Plastiktütchen pro Becher und eine 12 Tütchen Packung macht vielleicht wenig Arbeit aber halt auch mega viel Müll und der Geschmack ist so määh. Wenn's mal schnell gehen müsste, wär's okay, aber wir präferieren dann doch den starken Kaffee aus unserer Bialleti.
Als wir die Pforten nach draußen öffnen ist Bella sofort Feuer und Flamme aus Freddie zu hopsen, der Stress von gestern scheint vergessen und die Hunde sind auch nicht in Sichtweite. Alles tutti also. Nach einiger Zeit kommt Zitty, der Esel, zu uns an die Tür und Bella beschnuppert ihn vorsichtig, vorsichtiger als am Vortag und Zitty lässt es geschehen. Na das ist doch schonmal ein ganz gutes Zeichen.
David war morgens schon mit seinem Fahrrad unterwegs. Er ist leidenschaftlicher Biker und sein großer Traum ist es, einmal die Tour de France in Europa live miterleben zu dürfen. Kelli hatte bereits einen Videocall mit ihrem Chef. Irgendwie auch ein schöner Gedanke, von überall aus arbeiten zu können und danach sofort in den "Urlaub" zurückkehren zu können.
Während wir unseren Kaffee genießen kommt Lisa mit einem drei Wochen alten Welpen auf dem Arm zu uns. Oh wei, diese Flauschkugel ist einfach zu süß. Noch ganz tapsig und das Kleine der beiden Pyrenäenhunde. Dadurch, dass es das erste Junge der Mutter ist und diese scheinbar auch nicht den besten Job macht, wird der Kleine von der Familie aufgezogen. Die drei Hofhunde tauchen auch auf. Die Begegnung von Bella und den dreien ist vorsichtig, aber eskaliert nicht, perfekt. Wir bewundern eine ganze Zeit den kleinen Flauschball und unterhalten uns mit Lisas jüngster Tochter, die erzählt, wie der Kleine gefüttert wird. Die vier Kinder werden per Homeschooling unterrichtet, hier gibt es keine Schulpflicht, ich finde das Konzept super spannend. Während wir uns unterhalten geht Lisa mit David und Kelli zu den Hühnern und sammelt ihnen ein Dutzend Eier, so müssen diese, im Gegensatz zu den gewaschenen Eiern, nicht gekühlt werden.
Auf dem Hof gibt es einen kleinen Stand mit selbst hergestellter Ziegenmilchseife, Marmelade, frischen Hofeiern und eingelegten Eiern, die man sich auf Vertrauensbasis gegen Bezahlung in eine Box, mitnehmen kann. Mich interessieren die rote Beete Eier ja sehr, aber das Glas ist so groß, dass wir es nicht gut gekühlt unterbekämen. Wir entscheiden uns also für eine Ziegenmilchseife und 12 Eier, die in grün, weiß, hellem und dunklem braun richtig schön bunt daherkommen.
Während wir das Grundstück ein wenig erkunden, möchte Bella gerne mitkommen, die Hofhunde haben allerdings einen anderen Plan und geben Bella zu verstehen, dass Sie sich zwar ungefähr drei Meter um Freddie herum gern niederlassen darf, dass alles außerhalb dieser Zone aber tabu ist und sie es sich besser nicht wagen solle. Also bleibt Bella bei Freddie und beobachtet mit Argusaugen, ob wir auch wirklich wieder auftauchen. Lektion gelernt, immerhin für den Moment, würde ich sagen.
Wir bereiten Freddie für die Weiterfahrt vor und machen uns auf den Weg. Heutiges Ziel ist Sarasota, eine (wie wir morgens noch denken) kleine Stadt (ist es nicht 😉) etwas weiter im Norden an der Westküste Floridas, direkt am Golf von Mexiko. Hier hat Christian schon vor einiger Zeit einen Harvest Host Platz gefunden, den wir sofort ganz fest in unseren Ablauf mit einbauen wollten. Boo's Icehouse & Dog Bar ist ein Restaurant/Treffpunkt für Hundebesitzer, wo Hunde in einem Indoor- wie auch Outdoorbereich eine riesige Spielwiese haben und sich frei bewegen dürfen. Außerdem ist ein Restaurant angebunden, in dem die HundebesitzerInnen Holzofenpizza, Burger und andere Leckereien genießen können, während ihre Hunde im Spielebereich betreut werden. Es hört sich einfach zu cool an, Bella hat ja ihre Impfungen noch aufgefrischt und demnach möchten wir die Nacht gern dort verbringen.
Auf dem Weg machen wir im Hafen von Sarasota einen kurzen Stopp, um mit Bella noch eine Runde zu drehen und an der Bucht die Reste von unserem Kartoffelauflauf gestern zu frühstücken. Wir nehmen uns vor, häufiger mal unser Frühstück in die Natur zu verlegen, da schmeckts gleich noch besser als sowieso schon. Nach dem Essen beobachten wir noch ein wenig einen Fischer, der am Hafen seinen Fang ausnimmt und Pelikane, die vor ihm im Hafen herumdümpeln und scheinbar im Pelikanhimmel sind, da der Fischer ihnen immer wieder ein paar Happen ins Wasser schmeißt.
Bei Boo's Icehouse kommt dann leider recht schnell Ernüchterung auf. Stolz präsentieren wir den europäischen Impfausweis von Bella. Leider ist für den Eintritt eine Impfung gegen Bortadella Pflicht, in Deutschland ist dem nicht so. Bella darf also nicht rein. Ein wenig geknickt ziehen wir uns in Freddie zurück, überlegen kurz, ob wir dennoch bleiben, kommen aber schnell zu der Entscheidung, dass das für uns nicht in Frage kommt. Der Gedanke daran unsere Bäuche mit Pizza voll zu stopfen, während andere Hunde um uns herum den Spaß ihres Lebens haben und Bella in Freddie bleiben muss, fühlt sich einfach falsch an.
Wir schmeißen also Harvest Host an und schauen, wo wir stattdessen für die Nacht unterkommen können. Schnell finden wir die Waypoint Bar, zu der wir noch eine Stunde fahren müssen. Die Bar liegt auf dem Weg, den wir die nächsten Tage einschlagen wollen und somit heißt das für morgen eine kürzere Strecke, es soll uns also recht sein.
Angekommen stellen wir Freddie auf dem Parkplatz ab und setzen uns mit Bella auf die Veranda der Bar. Für Christian gibt es Bier und für mich eine Wein-Margarita. Es schmeckt köstlich, genauso wie die Quesadillas, der Salat, die Chicken Tender und die Taccos, die wir bestellen. Wir lassen den Abend ausklingen und machen es uns danach in Freddie gemütlich.Read more
Begossene Pudel
Feb 23–24, 2024 in the United States ⋅ ☁️ 22 °C
Am Freitag wachen wir ein wenig steif auf. Der Parkplatz ist zwar schön asphaltiert, die Plätze sind allerdings (wahrscheinlich mit dem Hintergedanken des Regenabflusses) ziemlich schief. Immer wenn wir irgendwo ankommen gehen wir wie ein kleines Mantra einzelne Schritte durch:
1. Wo steht gerade die Sonne, wo wird sie demnach morgen aufgehen? Wir stellen uns mit Schnauze in Richtung Sonnenaufgang, so wird unser Wohnraum nicht so schnell erhitzt.
2. Stehen wir gerade? Mittlerweile hat Christian ja auch im Fahrerhaus eine Wasserwaage angebracht, mit der wir schauen können, wann wir gerade stehen. Es schläft sich einfach besser, wenn man nicht mit dem Kopf nach unten liegt oder auch, wenn man nicht aufeinander rollt.
Auf dem Parkplatz des Waypoint haben wir auch nach 3x umparken nicht gerade gestanden und das "zum Sonnenaufgang stehen" hat das "mit dem Kopf nach unten schlafen" geschlagen. Wir haben also "falschrum" im Bett geschlafen und sind aufeinander gerollt. Merkt man dann doch, aber für eine Nacht ist es in Ordnung.
Nachdem Christian mit Bella Gassi war und ich unterdessen den Kaffee vorbereitet habe, hat Christian die Idee mit Freddie in den Schatten umzuparken. Auf einer Rasenfläche hat die Nacht ein Airstream gestanden, der aber mittlerweile schon weg ist. Schatten und gerade stehen, eine super Idee. Kurzerhand steigt Christian ein, ich stehe hinten, halte den Kaffee hoch und die nur angelehnte Schiebetür zu. Die Gedanken der Leute, die mich sähen, wenn die Tür aufginge, wären wahrscheinlich ziemlich unterhaltsam. Ich stehe nämlich Balance haltend, mit der Bialetti in der Hand nur gekleidet in Unterwäsche und gefühlt explodiert auf dem Kopf da. Zirkus der anderen Art.
Wir verbringen noch knappe zwei Stündchen auf dem Platz, genießen unseren Kaffee und fragen den Platz für heute Abend an. Christian zeigt mir, was er sich beim Recherchieren gestern Nacht so für Gedanken gemacht hat und wir planen ein wenig unsere weitere Route. Dazu kommt aber noch ein extra Blogbeitrag online, wir haben da so ein paar Ideen, auf deren Umsetzung wir uns richtig freuen, für die wir uns aber wieder wärmer einpacken müssen. Für heute hat Christian aber einen schönen 7 Meilen (11 km) Trail/Wanderweg im Crystal River Preserve State Park rausgesucht für den wir gerne stoppen möchten. Bisher waren alle "Wanderungen" eher Spaziergänge und wir freuen uns ein bisschen durch die Gegend stapfen zu können.
Wir fahren los und ziehen an Tampa vorbei, der drittgrößten Stadt Floridas, die 1849 gegründet wurde. Wir sind uns nicht sicher, ob sich ein Besuch lohnt. Tampa ist das beliebteste Reiseziel der Amerikaner um diese Jahreszeit (das sagt auf jeden Fall das Internet). Googelt man Sehenswürdigkeiten, poppen allerdings lediglich Strände, ein riesiger Vergnügungspark und Museen auf - das lockt uns jetzt nicht wirklich, also halten wir nicht.
Während der Fahrt bekommen wir die Zusage für den Stellplatz, den wir für abends angefragt haben. Ein großes Privatgrundstück im Nirgendwo in Floridas Norden. Wir haben sofort für zwei Nächte angefragt, damit wir morgen einen Tag zum Runterkommen, Werkeln, Nichts-Tun und Auftanken haben. Dass es Privatanbieter gibt ist noch mal eine Erweiterung von Harvest Hosts, die sich Boondockers Welcome nennt. Hier bieten private Haushalte, meist Leute, die selbst leidenschaftliche Camper sind, ihre Grundstücke an, um unterzukommen. Diese privaten Haushalte können im Gegensatz zu den geschäftlichen Anbietern wie Bars, Museen, Kirchen, Brauereien und Winzer, auch angeben, dass man mehrere Nächte bei Ihnen verbringen darf. Linda und Van sind die ersten privaten Anbieter, die wir anfahren werden. Wir sind gespannt.
Bevor wir aber die Wanderung antreten, wollen wir auf dem Weg noch ein paar organisatorische Stopps machen. Hierzu gehört einkaufen, Abwasser entleeren, Müll leeren, tanken und Bargeld abheben. Auf geht's also. Als erstes fahren wir eine Dumpstation an. Hier können wir Abwasser und unseren Pippi-Kanister leeren. David sagte uns gestern, dass er das einfach in der Natur lässt. Im Abwassertank befinden sich ja im Endeffekt auch keinerlei Chemikalien. Unsere Spülseife ist natürlich abbaubar und ansonsten ist dort auch nur Kochwasser und Zahnputzwasser drin. Urin kann man auch bedenkenlos in der Natur entsorgen, aber irgendwie haben wir dennoch ein schlechtes Gewissen auf den Grundstücken unserer Hosts Abwasser abzulassen. Also zahlen wir 10 Dollar und werden all das Restwasser mit reinem Gewissen los. Dann wird getankt, diesmal haben wir einen Verbrauch von 9,3 Litern, das ist in Ordnung. Im Walmart können wir uns mittlerweile ganz gut orientieren und brauchen "nur" noch eine knappe Stunde, um alles zu finden, Preise abzuwägen bzw. zu vergleichen und die Einkäufe zu verräumen. Jetzt haben wir wieder ordentlich Vorräte, die für die nächsten eineinhalb Wochen reichen sollten. Als letztes heben wir Geld ab, das brauchen wir hauptsächlich für Spenden und kleine Einkäufe bei unseren Hosts. Mega, jetzt fühlen wir uns richtig gut aufgestellt für die nächsten Tage/ die nächste Woche.
Weiter geht's zum Ausgangspunkt der Wanderung. Es ist leider Regen gemeldet, aber wir gehen davon aus, dass wir bestimmt nicht so krass betroffen sein werden. Ein kleiner Schauer kann ja auch recht erfrischend sein. Unser Gastgeber schreibt uns, dass wir bitte eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang spätestens da sein sollten, damit Van uns an der Einfahrt zum Grundstück abholen und zu unserem Stellplatz führen kann. Leider heißt das für uns, dass wir nicht den ganzen Trail laufen können. Die organisatorischen Dinge nehmen dann doch zwischenzeitlich viel Zeit ein. Dafür ist dann aber das Gefühl super, dass man nach den Erledigungen hat: wie ein frischer Start in den nächsten Urlaub. Wir packen unsere Regenjacken provisorisch ein und stapfen los. Wir sagen uns, dass wir eine halbe Stunde gehen und dann wenden, damit wir pünktlich bei Linda und Van ankommen. Nach einer viertel Stunde fängt es ein wenig an zu fisseln. Das ist okay auszuhalten. Nach einer halben Stunde haben wir fast drei Kilometer auf den Uhren, na komm, die drei Kilometer machen wir noch voll und dann drehen wir um. Meine Uhr gibt als erstes Bescheid, Christian möchte auch bei sich die drei Kilometer noch voll machen (er hat seine Aktivität ein wenig später gestartet), ich mache also schonmal kehrt und Christian und Bella kommen dann einfach ein wenig später bei Freddie an.
Auf dem Rückweg öffnet der Himmel dann alle Schleusen und innerhalb von kürzester Zeit bin ich sickenass. Naja, dann mach ich mir halt den Zopf noch auf, dann lohnt sich das ganze wenigstens ein bisschen und meine ungewaschenen Haare werden immerhin einmal durchgespült.
Zurück an Freddie angekommen, orientiere ich mich erstmal. Wie mach ich das denn jetzt am Besten, ohne, dass ich Freddie komplett versaue und unter Wasser setze?! Ich ziehe meine Wanderschuhe vorne aus und steige auf meine Birkenstocks um, dann in Freddie steigen. Die Tür lasse ich auf, hänge meinen Kopp aus der Tür und wringe meine Haare aus. Als ich wieder nach oben schaue, sehe ich auch schon Christian und Bella um die Ecke kommen. Beide ebenfalls komplett nass. Christian berichtet, dass er die Regenjacke nicht angezogen hat, weil es mit einem mal so richtig runterkam und es eh zu spät war. Während ich meine kleine Choreographie in Freddie vollführe um trocken zu werden, werden meine beiden Pudel da draußen noch weiter begossen. Ich beeile mich wirklich sehr, wer mich kennt, weiß, dass das dann leider oft trotzdem nicht raketenähnlich ist. Nachdem ich fertig bin, wird Bella von Christian so gut es geht im Regen getrocknet und hüpft zu mir nach vorne. Lecker, nasser Hund ist so gar nicht mein Geruch. Ich höre ein lautes Stampfen und das sanfte Schließen der Schiebetür. Christian ist kurzerhand in voller Montur in Freddie gestiegen und hat sich gar nicht erst die Mühe gemacht, irgendwie trocken in den Wagen zu kommen. So wie es mittlerweile runterprasselt auch eine gute Idee. 10 Minuten später rollen wir dann endlich los. Et stinkt und über uns baumeln auf unserer Wäscheleine, die wir im Elbsandsteingebirge dort eingezogen haben, die meisten Klamotten. Christian hat die Lüftung auf höchste Stufe eingestellt. Nacheinander nehme ich mir die Klamotten vor und halte sie mit beiden Füßen vor die Lüftung, so wird alles wenigstens einmal angetrocknet bis wir da sind. Bella wird auf jeden Fall bei den Hosts mit schickster Fönfrisur und frisch trockengeblasen ankommen.
Wir lassen während der Fahrt den Regen hinter uns und rufen kurz vor Ankunft Van an, damit er uns am Tor abholen kann, darum hatten die beiden in der Nachricht gebeten. Hier ist auf jeden Fall nicht mehr das Strandflorida und auch Palmen sind nicht zu sehen. Dafür rollen wir durch eine zauberhafte Landschaft. Links und rechts von der Straße erstrecken sich majestätische Grundstücke , von denen teilweise nur hölzerne Gatter zu erkennen sind, die sich zwischen hohen Bäumen, die ihre Krone in den Himmel strecken, verstecken. Uii, das werden zwei Nächte ganz nach unserem Geschmack.
Am Tor des Grundstückes angekommen, erwartet uns Van in seinem Jeep und rollt voran auf eine Wiese, nah am Haus. An unserem Platz angekommen ist sogar ein Wasserhahn vorhanden. Van ist ein älterer Mann, wir schätzen ihn auf Anfang 70, der uns kurz einweist, uns sagt, dass wir unser Wasser gern auffüllen können. Auf Nachfrage sagt er, dass Linda und er keine Spende haben wollen würden, da er sich daran erfreut neue Leute kennen zu lernen. Er berichtet ein wenig von seinen Reiseerfahrungen und ist wie viele Andere begeistert von unseren Plänen. Kurze Zeit später kommt Linda auch nach draußen und heißt uns willkommen. Die beiden sind ein herzensgutes Paar und wir fühlen uns pudelwohl.
Nach dem kurzen Schnack mache ich mich daran einen bunt gemischten Salat und Bagels vorzubereiten. Christian kümmert sich in der Zeit darum all die klammen Klamotten noch auf den warmen Freddie zu legen, die nassen Schuhe rauszustellen und Freddie mit unseren Thermomatten nachtfein zu machen.
Der Rest des Abends wird urgemütlich mit Abendessen, Bierchen, einer gemeinsamen Runde mit Bella, noch einem Bierchen, the Crown gucken und ein paar Chips und Schoki. Es ist super schön sich, auch wenn wir so viel unterwegs sind, so sehr angekommen zu fühlen, weil wir mit Freddie einfach unsere heimatliche Wohlfühloase dabei haben. Bis morgen du wundervolle Welt.Read more
Ein ruhiger Samstag
Feb 24–25, 2024 in the United States ⋅ ☀️ 16 °C
Es ist Samstag und wir wachen in einem richtig gut temperierten Freddie auf. 17 Grad um 9 Uhr, herrlich. Hier bei den Hosts haben wir vorne zwei Fensterbleche an Fahrer- und Beifahrertür befestigt und die Dachluken aufgehabt. Perfekt, damit Freddie morgens nicht so schnell aufheizt. Auf normalen Parkplätzen von öffentlichen Gebäuden mögen wir uns aber nicht so offensichtlich als Camper outen.
Es ist total schön einen ganzen Tag ohne jegliche fixen Pläne vor der Brust zu haben. Der Internetempfang ist so lala, aber das soll uns nicht stören. Ich mache erst mal Kaffee und Christian baut Tisch und Stühle auf und stellt sie in den schmalen Schatten, den Freddie wirft. In der Sonne ist es schon ordentlich warm und wir sind froh um das Fleckchen Schatten. Bella schnüffelt sich durch den Garten und erledigt ihre Geschäfte. Natürlich sammeln wir auf, was aufzusammeln ist. Es ist herrlich, dass sie sich auf dem Gelände frei bewegen kann. Während wir unseren Kaffee genießen wechselt sie immer wieder zwischen Schatten- und Sonnenplätzchen, in der Sonne fängt sie nach kurzer Zeit an zu hecheln und im Schatten scheint es ihr schnell zu kalt zu werden. Lustig anzuschauen.
Christian bekommt während des Kaffee Trinkens Hummeln in de Fott und zaubert aus Freddie die neue Antenne hervor, mit der er seit Beginn des Sabbatical versucht in abgelegenen Gegenden Empfang zu bekommen. SIM-Karte wird eingelegt, Antenna angeschlossen und - Huch, was ist denn da los?! - bei Versuch 97 klappt es und der Router findet Netz. Das scheint ein Zeichen dafür zu sein, dass Christian endlich die Antenne auf Freddies Dach anbringen kann, die Leitungen ordentlich über eine schick eingezogene Kabelführung zu verlegen und unter unserem Bett ordentlich zu verstauen. Der planlose Tag scheint gerettet, Christian hat eine Werkel-Aufgabe gefunden.
Ich richte mir in dem wandernden Freddie-Schatten ein kleines Büro ein und nehme mir vor die Blog-Beiträge der letzten zwei Tage zu verfassen. Neben unserem Wunsch, euch durch den Blog an unserem Abenteuer teilhaben zu lassen, wollen wir für uns eine lebhafte Erinnerung schaffen. Durch die detaillierten Tageszusammenfassungen und Fotos und Videos, tauchen wir schon beim Schreiben nochmal in den vor Kurzem noch durchlebten Tag ein. So ziemlich wie Tagebuch schreiben, ich habe mir extra ein neues besorgt, aber durch den Blog nur ganz am Anfang in Washington etwas darin festgehalten. Aber auf diese Weise ist es doch super. Ihr bekommt unser Abenteuer mit und wir schaffen unvergessliche Erinnerungen für uns. Und es macht Spaß in die Gefühlswelt der letzten Tage und all die Bilder im Kopf und lustigen oder auch herausfordernden Momente nochmal einzutauchen.
Bis so ein Blogbeitrag fertig ist vergeht aber ordentlich Zeit. Wenn ich's nicht fühle, kann ich's nicht beschreiben und so vergeht der Tag tatsächlich im ich weiß nicht wo. Ich schreibe, dann zeigt mir Christian etwas, dann Frühstücken wir, ich schreibe wieder, Christian hat sich mittlerweile im Keller verzogen und wurschtelt begeistert vor sich hin, ich sonne mich ein wenig (Natürlich immer schön mit Lichtschutzfaktor 70 in gefühlt Fingerdick aufgetragen), dann kuschel ich mit Bella, dann probiere ich ein wenig mit meiner Kamera herum, schreibe weiter und so zieht die Sonne über Freddie, der Schatten wandert weiter und wir genießen die Freiheit den gesamten Tag an der frischen Luft zu sein.
Die Antenne ist mittlerweile auf dem Dach montiert und Christian hat alles so gut wie es geht abgedichtet und wieder Ordung geschaffen. Der Empfang ist aber trotz des Aufwandes nicht vorhanden.
Von den Hosts sehen wir den ganzen Tag nichts, doch als Linda um sechs nach Hause kommt, tauschen wir kurz einen Gruß aus, aber wir drehen uns auch ohne Probleme um uns selbst. Kurz vor Sonnenuntergang nehmen wir noch das Angebot von Van an, unser Wasser nochmal aufzufüllen. Das haben wir zwar vor kurzem erst gemacht, der Tank ist auch noch recht voll, aber wenn wir die Möglichkeit haben, nehmen wir das gern an. Wir verschätzen uns ein wenig und merken zu spät (weil wir nicht früh genug auf die von Christian programmierte Anzeige schauen), dass unser Tank voll ist. Nach einem hektischen Stopp, Stopp, Stopp, der Tank ist schon bei 100%, ziehe ich schnell den Stecker, aber zu spät. Einiges an Wasser gluckert in den Tank zurück, aber ein guter Teil läuft unter unserer Küchenzeile in den Wohnraum. Wir starten also eine kleine Wischorgie und müssen ganz schön über uns lachen. Super wenn man die Technik hat, sie aber nicht nutzt.
Als die Sonne weg ist, wird es frisch und wir verziehen uns in unsere Höhle. Wobei Christian geht noch eine Runde mit Bella. Ich fange in der Zeit an zu kochen. Wir müssen uns noch ein wenig daran gewöhnen, dass Gas und Wasser zwar nur in Maßen vorhanden sind, dass wir aber auch nicht total übersparsam damit umgehen müssen. Also gibt es heute Kartoffelauflauf. Die letzten Kartoffeln des netten Fischers (es sind immer noch ganz schön viele) koche ich ab und nehme einen Teil davon für einen Auflauf mit noch anderem leckeren Gemüse. Wir benutzen den Omnia "Backofen" super gern, weil man hier von Auflauf über Pizza bis hin zu Kuchen alles mögliche, was sonst nur im Ofen zubereitet werden kann, auf einem simplen Camping Gasherd zaubern kann. Aus dem Rest der Kartoffeln machen wir morgen schön Kartoffelsalat.
Nachdem Essen probiert es Christian nochmal mit der Antenne und dem Router und hat aber keinen Erfolg. Gerade abseits von großen Städten gibt es schnell nur noch eingeschränkten Empfang. Zudem scheint unser europäischer Router auch nicht für die amerikanischen Frequenzen ausgelegt zu sein. Aber auch das ist langfristig kein Problem: eine weitere Zustellbenachrichtigung von Amazon ist vorhin eingetroffen - da gibt es dann einen neuen Router inklusiver weltweiter Unterstützung.Read more

TravelerAlso Eure Berichte gefallen mir sehr gut . Ich meinte es schon ernst das Ihr daraus ein Reisebuch machen solltet. Ich denke in dem Umfang ist es bestimmt ein Reisebuch was der ein oder Andere gerne nutzen mag Alternativ besteht bestimmt die Möglichkeit das auch als Influenzer einzustellen. :-)
Routenplanung und kleiner Kassensturz
February 24, 2024 in the United States ⋅ 🌬 18 °C
Seit drei Wochen sind wir jetzt bereits mit Freddie unterwegs. Haben dabei 2500 Meilen zurückgelegt, sieben Bundesstaaten durchquert und den grössten Teil der Zeit in Florida verbracht. Wir befinden uns zwischen Tampa und Tallahassee und der ursprüngliche Plan war, von hier nach New Orleans düsen. Auf dem Weg von Washington D.C. in den Süden, sind wir am Blue Ridge Parkway vorbeigefahren, einem National Scenic Byway, der mit zu den schönsten Roadtrips der USA zählen soll.
Damals war der Weg zum Grossteil noch gesperrt, mittlerweile ist die Strecke aber fast durchgehend befahrbar. Hinzu kommt, dass wir beide super neugierig sind, auch Nashville zu besuchen. Daher haben wir uns nach einigen Tagen überlegen und abwägen dafür entschieden, beides miteinander zu verbinden. Auch wenn dies gar nicht auf unserer ursprünglichen Routenplanung vorgesehen war, nehmen wir den Umweg von knapp 1400 Meilen gerne in Kauf. Wir haben uns vorgenommen, zwei lange Fahrtage zu machen, so dass wir am Donnerstag am südlichen Ende des Blue Ridge Parkway ankommen werden und diesen dann mindestens bis zur Grenze von North Carolina und Virgina befahren wollen.
Lassen wir die Kosten in Washington D.C. mal außen vor (Hotel, Mietwagen, Essen gehen, usw.), liegen wir mit unseren täglichen Kosten ziemlich im soll von knapp 50€ pro Person pro Tag. Wenn hier Interesse besteht, können wir, also Christian, gerne auch Excel-Statistiken erzeugen.
Da die Frage schon ein paar Mal aufgenommen ist: Die Kosten im Walmart sind - nach Umrechnung - einigermaßen vergleichbar. Obst und Gemüse sind zum Teil viel teurer, aber es gibt zwischendurch Angebote, so dass der Endbetrag beim Bezahlen vergleichbar mit einem Einkauf in Deutschland ist.
Wir waren anfangs über die Preise von (Hafer-)milch erschrocken, aber natürlich ist diese hier fast doppelt groß, wie in Deutschland.
Das Umrechnen der Einheiten im Supermarkt ist teilweise noch schwierig: Das amerikischen Pfund hat 453 Gramm bzw. 16 Unzen zu je 28,3495 Gramm.
Mittlerweile haben wir uns das Umrechnen gewöhnt, auch dank kleiner Grafiken die es so im Internet zu finden gibt.Read more





































































































































































































































































TravelerGuten Flug euch dreien! Bin schon gespannt auf all die Eindrücke ♥️ komm gut übern Teich 😘