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  • Day3

    Giganten in Weiß

    June 26, 2015 in Greenland ⋅ ☀️ 12 °C

    Guten Morgen aus Island. Gemütlich frühstücken wir im Hostel und warten auf unser bestelltes Taxi zum Inlandsflughafen. Wir müssen also nicht nach Keflavik, sondern starten von Reykjavik.
    Pünktlich sind wir am Domestic Airport Hier ticken die Uhren anders. Alles ruhig, klein, gemütlich...es ist keinerlei Hektik zu spüren. Ab jetzt schalten auch wir einen Gang runter! Man kann sich ja von der liebevollen Gelassenheit mal anstecken lassen.
    ...dann ist es soweit. Wir sitzen in der Propellermaschine und rollen zur Startbahn. Es geht los. Der Krach in der Maschine ist fast unerträglich und sehr gewöhnungsbedürftig. Doch Stop...was ist das jetzt? Kurz vor dem Abheben drosselt der Pilot den Schub und wir rollen zurück zum Anfang. Die Tür zum Cockpit steht auf...der Pilot rückt etwas zur Seite und 2 Männer im "Blaumann", mit großen Werkzeugkisten bepackt, treten ein. Eine 3/4 Stunde schrauben und hantieren sie unter den ganzen Armaturen herum. Dann setzt sich der Pilot wieder und wir starten. Ich bin seeeehr skeptisch, mir ist unwohl. Aber meine Freundin sagte: " Schau Annett, es ist doch gut, das sie gebaut haben. Jetzt ist alles in Ordnung!"
    Und dann fliegen wir 4 Stunden, niedriger als mit den großen Vögeln. Wir sehen Wasser und dann die Ostküste von Grönland. Cool!!!!........und dann nur Nebel, keine Sicht...schade. Dachten wir, aber der Nebel war kein Nebel. Wir haben 2 Stunden das Inlandeis überflogen. Alles diffus, weiß, grau, verschwommen...man verliert die Orientierung. Und dann waren sie da, die Eisschollen...erst klein wie gecrashtes Eis, dann formten sich Blöcke zu unterschiedlichen Gestalten. Ein Traum! Dann tauchten dazwischen die bunten Häuser von Ilulissat auf und wir setzten zur Landung an. Ha, überstanden. Das erste Mal die Füße auf grönländischen Boden setzen, fühlte sich toll und nach Abenteuer an.
    Da standen wir nun. Eine staubige Piste führte in den Ort. Wir orderten uns ein Taxi und erhaschten bei der kurzen Fahrt immer wieder Blicke auf die Eisberge.
    Die Fahrt endete an einer abgewrackten Baracke. "No! We booked the hostel!"..."Yes, that is the hostel!
    Oje, aber da müssen wir jetzt durch. Unser Zimmer ist schnell beschrieben: Tür auf, 2 Feldbetten, 1 Stuhl, 1 Fenster. Länge des Zimmers: bettlang. Breite: 2 Feldpritschen und ein schmaler Spalt, damit man das Fenster erreicht.
    "Reich mir doch bitte mal den Fön!" - wurde zur täglichen logistischen Meisterleistung. Ich muss zu meiner Freundin ins Bett klettern...dann hebt meine Freundin mein Bett an und ich komme an meine Sachen...umgekehrt genauso. Aber wir nehmen das mit einem Lächeln und machen uns jeden Tag einen Spaß daraus. Auch die 100 Euro pro Nacht zahlen wir gern...wir sind ja glücklich in Grönland zu sein!
    Wir setzen uns auf die Pickbickbank vor der Baracke und werden sogleich von einer Horde junger Hunde begrüßt. Es ist heiß. Viel zu warm für Grönland. Wir schwitzen. Das Thermometer zeigt weit über 20 Grad. Wir sitzen nur im T-Shirt. Dann machen wir uns auf den Weg zum Hafen und planen unsere Zeit mit diversen Ausflügen...und heute Abend geht es schon los. Gegen 22 Uhr werden wir abgeholt und zum Hafen gebracht. MITTERNACHTSBOOTSTOUR!!! Was soll ich sagen? Gigantisch, atemberaubend, wundervoll...einfach eine andere Welt, wenn auch eine sehr Gefährliche. Die Kolosse aus Eis schwimmen friedlich umher, treiben die Westküste entlang...große und kleine, manchmal auch ganze "Häuserreihen". Man muss sich trotzdem immer wieder bewusst machen, das nur ein 15% an der Oberfläche sichtbar ist. Die Eisberge können sich in Sekundenschnelle drehen! Wir haben es bei einigen kleineren Eisbergen erlebt. Es war gigantisch...es sind Bruchteile von Sekunden wo sich die Szenerie verändert. Es poltert, knirscht, krächzt und donnert...und bevor man orten kann wo es passiert, ist es auch schon vorbei. Außer man befindet sich in unmittelbarer Nähe, dann bekommt man die unheimliche Kraft zu spüren und wird froh sein zu überleben. ALSO: ABSTAND HALTEN!!!! Wenn man nicht erschlagen wird, reicht auch schon die Flutwelle, um zu kentern...und bei 1 Grad Wassertemperatur kann sich jeder selbst seine Gedanken machen.
    Jedenfalls steuerte uns Willi, unser Skipper, mit seiner "Maya" sicher durch diese einzigartige Traumwelt. Die tiefstehende Mitternachtssonne ist das bekannte "I-Tüpfelchen" obendrauf. Das eisige Meer glitzert zwischen den Eismassen in vielen Farbnuancen von warmgelb bis sattorange. Wir können gar nicht genug bekommen.
    Erlebnistrunken steuern wir 2 Uhr nachts bei Sonnenschein unser Feldbett an!
    Gute Nacht aus Ilulissat.
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