Tag 2: Von Kopenhagen nach Oslo
July 13, 2024 in Denmark ⋅ 🌙 16 °C
Eigentlich wäre der Plan gewesen, das wir heute in aller Herrgotts-Frühe aufstehen und den Zug von 5:30 von Kobenhavn H nach Oslo S nehmen.
Früh aufstehen war ja aber eigentlich noch nie mein Ding, schon gar nicht nach einem Tag wie gestern.
Ich glaube um die Uhrzeit haben wir noch tief und fest geschlafen.
Irgendwann gegen um 8 Uhr haben wir es dann aber doch geschafft, immerhin wollen wir heute nach Oslo kommen und dazwischen liegen immerhin stolze 8h Zugfahrt. Zudem musste ich noch Timmys Zugticket organisieren. Mangels Zugang könnte die gestylte Dame von gestern den 2. Teil unserer Route nämlich nicht mehr für uns arrangieren.
Den Bahnhof von Kopenhagen kannten wir ja bereits vage und auch der Ticketschalter war schnell gefunden. Nur mit so exotischen Wünschen wie einem Hundeticket kommen die Dänen einfach nicht gut klar. Dänemark ist Zug-technisch ein sehr Hunde-unfreundliches Land.
Und immerhin sollten wir ja an einem Tag 3 Länder durchqueren: Dänemark, Schweden und Norwegen!
Bei den Schweden reisen Hunde im Zug gratis mit und so kam es, dass das Ticket mit seinen 23 Franken wirklich sehr günstig ausfiel.
Jedoch war der nächste Zug bereits voll belegt, sodass wir dann noch ca. 3h überbrücken mussten.
Kein Problem, wir sind in der Hauptstadt Dänemarks, andere machen hier Urlaub! Schnell noch eine Sight-Seeing Route quer durch die Sehenswürdigkeiten Kopenhavns auf Komoot gesucht und an die Garmin geschickt und wir sind bereit für unsere Städteerkundungstour. Ich liebe meine neue Garmin, die ich extra für diese Reise gekauft habe. (Mangelnde Orientierung lässt grüssen..)
Ich scheine das kommende Malheur geahnt zu haben, jedenfalls gönnte ich mir vor der Erkundung noch ein Riesenschliessfach, um meinen Trekkingrucksack, den kleinen Koffer und eigentlich alles Gepäck da reinzustopfen. Dann traten wir durch die Bahnhofstür. Ich schwöre, in diesem Moment begann der Regen. Der Regen begleitete uns in die leckere Bäckerei, wo ich mir die erste vieler folgenden Zimtschnecken einverleibte. Der Regen folgte uns in den Nyhavn, wo wir die bunten Häuserfassaden und die schmucken Segelboote bestaunten. Er folgte uns während unserer gesamten 2 stündigen Tour durch Kopenhagen.
In meinen Turnschuhen hätte ich Goldfische züchten können. Zwar begeistert von der Schönheit der Stadt, doch durchnässt bis auf die Knochen erreichten wir schliesslich wieder die Eingangshalle des Bahnhofs, gut eine Stunde vor Zugabfahrt. Diese Stunde konnten wir gut gebrauchen, denn: Wohin mit den wirklich durchgeweichten Schuhen und Klamotten? Pfützen hinter uns herziehend suchte ich nach einem Laden, indem wir zu Plastiksäcken kommen könnten. Fündig, blieb ich brav im Eingang stehen, um eine Überschwemmung im Laden zu vermeiden. Immerhin trieften wir beide. Der junge Herr an der Kasse schien mein "Hallo" nicht zu hören. Aus der Pfütze unter mir wurde ein Teich und ich rief noch mal, diesmal lauter. Der Herr schaute auf, der Teich schwoll weiter an. Auch seine Augen weiteten sich. Ich fragte ihn sehr freundlich nach 2 Plastiksäcken, ich würde sie natürlich auch bezahlen. Der Mann zögerte, Säcke gäbe es nur, wenn ich was kaufe. Der Teich war inzwischen zu einm kleinen See herangewachsen, bald würde ich schwimmen müssen. Meine Goldfische in den Schuhen freute es.
Ich erklärte ihm meine missliche Lage: triefende Sachen-trockenes Gepäck-lange Zugfahrt-wirkliches Problem.
Der See ergoss sich gefühlt immer mehr in den Laden hinein und der junge Mann begriff langsam den Ernst der Lage. Doch noch um Freundlichkeit bemüht, griff er nach 2 Tüten, watete zu mir rüber und bat mich, so schnell seinen Laden zu verlassen.
Wieder bei unserem Schliessfach angekommen, musste ich am Morgen unseres zweiten Reisetags bereits ins zweite von nur 3 vorhandenen Klamottensets steigen. Zum Glück hatte ich von Mam ein paar neue rote Flipflop für die Reise erhalten, sie ersparten mit meine beiden Hobby-Teiche an den Füssen.
Auch Timmy wurde ordentlich durchgerubbelt, um als stinkender Hund im Zug nicht erneut für Unmut zu sorgen.
Noch schnell runter zum WC, um unsere beiden Wasserflaschen aufzufüllen - aber warte, da müssen Sie bezahlen!
Fürs Flasche auffüllen? Ich will ja nicht aufs WC.
Ja, bezahlen.
Himmel Herrgott, jetzt füll doch einfach die 2 Scheiss-Flaschen.
Er machts, ist mit Timmys Flasche auch nur leicht überfordert.
Natürlich blieb ich nach aussen höflich, aber echt jetzt.
Um 13:30 Uhr, gerade rechtzeitig und wieder halbwegs trocken, stiegen wir in den Zug, der uns von Kopenhagen nach Göteborg (Schweden) bringen sollte.
Da stellte sich auch heraus, wieso das Hundeticket so billig war:
Wir durften nur in den Gepäck- und Velowaggon. Ob wir uns dort als "Lebendiges, selbstverwaltendes Gepäck" oder "Haarendes Sperrgepäck" hätten deklarieren sollen, darüber wurden sich Mam und ich in unserem Norge-Chat nicht einig. Timmy indess probierte trotz Maulkorb die nächsten 4.5h so gut wies eben unter solch unbequemen Umständen geht, zu schlafen.
Sobald wir in Schweden waren, wurde auch Herr Hund wieder in den Stand eines lebenden Wesens gehoben und durfte, wie wohl sonst überall in Europa, ganz normal im Personenwaggon mitreisen. Mein Hintern und Rücken dankten es auch.
Irgendwann gelangten wir endlich an die Grenze jenes Landes, welches zu besuchen ich schon seit 2016 plane: NORWEGEN!!!
Da wurde angekündigt, dass der Zug nun auch wegen der Zollkontrolle länger warten würde. Gleich auf dem Bahnsteig gab es einen prächtigen Streifen Wiese. Also liess ich, in der Hoffnung, dass unser Pech-Pensum für heute aufgebraucht war, unser Gepäck liegen, schnappte mir Timmy und liess ihn sich versäubern.
Was soll ich sagen, ich glaube wir verpissten die Passkontrolle. Als wir wieder einstiegen, stand niemand da, der in seinem Impfpass die extra für diese Reise veranlasste Entwurmung kontrollierte. Irgendwie heimlich schlichen wir uns rollend über die Grenze und erreichten um 21:50 endlich Oslo Sentralstasjon!!!
Die Strapazen des vergangenen Tages waren praktisch weggeblasen. Jetzt endlich sind wir da, wo ich schon so lange hin wollte. Jetzt fangen die Ferien an und nichts kann mehr schief gehen.
Gleich neben dem Bahnhof gab es auch eine grosse Pipiwiese für Timmy. Und der liess sich nicht zweimal bitten. Ich packte seine ganzen Lasten der letzten 24h in eine Tüte, warf sie weg und kurz darauf checkten wir in unserer Base für die nächsten 3 Tage ein: Zimmer 365 im City Box Hotel.
Den Rest des Abends liessen wir uns von Oslos Bjorvika (Bucht), dem architektonisch ausgefallenen Operahuset und dem Operastranda verzaubern. Dank meinem schönen "hüün" kam ins Gespräch mit einer freundlichen Norwegerin, die mir sehenswerte Ausflugsziele mit Hund ans Herz legte: Vigelandsparken, Bygdöy
Von ihrer Herzlichkeit bestätigt, endlich am richtigen Ort angekommen zu sein, konnten Timmy und ich diese Nacht sorglos und tief schlafen.Read more













