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Norge 2024

Ein wilder Ritt durch den Süden Norwegens mit dem besten Hund der Welt! Read more
  • Trip start
    July 12, 2024

    Tag 1: Basel Bd. Bahnhof nach Kopenhagen

    July 12, 2024 in Switzerland ⋅ 🌧 22 °C

    Naiv.
    Das triffts. In meiner überschwänglichen Spontanität war ich der Ansicht, dass ich heute in den Bahnhofsschalter reinspaziere, Timmys Zugticket von Basel Badischer Bahnhof über Hamburg nach Kobenhavn Stasjon, oder besser noch, gleich bis Oslo und wieder zurück kaufe. Preislich wird es wohl im Ähnlichen Bereich wie mein Interrailpass (4 Tage innerhalb eines Monats) im Wert von 285.- sein. Hundepreis, eben.
    Ja, genau.

    Die nette, sehr gepflegte Dame am Schalter kam bei meinen Wünschen ganz schön ins Schwitzen. Ich hatte alles bedacht: wann wie lange Pause zu machen, Timmy muss ja hin und wieder mal.
    Bis,Hamburg wäre ja auch alles kein Problem. Aber dann kommen die Dänen. Die mögen Hunde wohl nicht so. Im Zug. Ich habe gar keinen Platz mehr für den Hund, weder diese Verbindung, noch die nächste. Sie könne mir das Ticket schon verkaufen. Doch eine Reservierung wäre Pflicht, erklärte sie mir mit ihren perfekt geschminkten Wimpern klimpernd hinter der stylischen Brille.
    Doch sie kann nichts mehr für mich reservieren, vielleicht scheissen sie uns einfach raus.

    Wir wurden auch aus dem Zug geschmissen.
    Nicht in Dänemark. Und nicht wegen mangelnder Reservation.

    Der Zug war proppenvoll, was es für mich, beladen mit 14kg Trekkingrucksack, Handgepäckskoffer voller Hundefutter und Autodecke und einen grünen Drybag mit meinen Klamotten, die um Himmels willen einfach nirgends mehr Platz hatten, plus einem grossen, in stressigen Situationen nicht immer ganz verträglichen Hund, nicht ganz so einfach machte.
    Dennoch gab es da einen Platz, gleich neben dem Speisewagenwagon. Platz für mein Frachtgut, Platz für Timmy.
    Dieser Platz war mein 2. Fehler an diesem Tag.

    Es bestand viel Durchlauf. Speisewagen, na klar.
    Platz, auch für spielende Kinder und ihre Mamis.
    Timmy machte es gut. Ich checkte ständig die Lage für ihn ab. Gab ihm Sicherheit. Hatte ihn an der kurzen Leine. Las sein Verhalten. 3.5 Stunden lang ging das gut. Dann kam Frankfurt. Dann kam der Däne.

    Ich muss kurz eingenickt sein, die letzte Nacht war kurz und die Fahrt monoton. Doch ich hörte es. Das Galoppieren. Das Hüpfgeräusch, das durch übermütige Kinder entsteht. Es kam von hinten. Vom Speisewagen.

    Timmy lag vor mir, mit dem Rücken zu mir. Ich drehte mich um und stellte mein Bein in den Gang. Stoppte den ca. 3-4 jährigen Jungen mit den krausen blonden Haaren.
    Auf hochdeutsch sagte ich ihm:
    "Schau, da ist ein Hund. Gehe ruhig an ihm vorbei, gehe normal durch."
    Seine grossen blauen Augen blickte in meine. Ich nahm das Bein weg. War ruhig. Der Junge blieb frontal vor Timmy stehen und glotzte ihm in die Augen.
    Dann Geschrei. Vom Kind, von einer Dame gegenüber. Vom Vater, der plötzlich aufgetaucht ist, von mir.
    Timmys zurechtweisendes Knurren dazwischen. Er erwischte den Jungen am rechten Oberschenkel. Vielleicht noch am Arm. Es ging so schnell.
    Das Geschrei ging weiter:
    "DIE HAT DEN HUND NICHT IM GRIFF, DIE HAT DEN HUND NICHT IM GRIFF!" Die Dame von gegenüber.
    "WHAT THE FUCK?! ARE YOU NUTS? WHATS WRONG WITH YOU YOU FUCKING MORRON?!?!"
    Der Junge heult.
    Ich weise Timmy ins Platz, Kopf gleich neben meinen Füssen. Leine ganz kurz.
    Ich atme durch.
    Scheisse! Scheisse! Scheisse!
    Ruhig bleiben.
    Das sage ich auch dem Vater. Er soll sich zuerst ums Kind kümmern. Wir klären das. Danach. Tröste das Kind.
    Er schreit noch immer. Übelste Beleidigungen.
    Das Kind schreit noch mehr. Von der Frau höre ich nichts mehr.

    Durchatmen.

    Ich erkläre ihm, dass ich den Jungen gestoppt habe, ihm erklärt habe, wie er richtig vorbei geht. Was ja eigentlich vor allem sein Job wäre. Da zu sein für sein kleines unberechenbares Kind, dass in einem vollen Zug neben meinem Hund vorbeiläuft, von dem er ja wusste immerhin sind sie beim Hinweg schon an uns vorbei gelaufen.
    Das denke ich nur. Das Inferno ist schon im Gange, da braucht es kein weiteres Öl.

    "He only speaks english, you fucking morron." Stimmt, das konnte ich ja wissen. Wieder, kein eigenes Verantwortungsgefühl. Ich bemühe mich, sachlich zu bleiben.

    Er wird jetzt die Polizei holen, dröhnt er. Macht ein Foto von mir. Es gelingt mir noch gerade, mich wegzudrehen. Da ist er weg. Das Essen auf meinem Tisch.

    Durchatmen. 5min durchatmen. Eiserne Stille im Abteil. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein. Den Blick mit der Dame von gegenüber meide ich. Geht die einen Scheiss an.

    Der Däne kehrt zurück. Wichtig, der Junge auf dem Arm.
    "I'm horribly sorry", sage ich aufrichtig. "How's your son?"
    "I don't talk to you, bitch."
    Sehr konstruktiv.
    Die 2 Zugbeamten schritten durchs Abteil, gefolgt von einem Polizist.
    Der eine Beamte beginnt, mich auszufragen, der andere besorgt einen Kühlbeutel. Der Däne lässt die Hose des Kindes runter. So dass alle den Schaden sehen können. Macht Fotos. Ein blauer Fleck. Gottseidank, "nur" ein blauer Fleck. Kein Blut. Keine offene Wunde. Scheisse, absolut traumatisierend für das Kind. Das rede ich nicht schön. Das Kleinkind wird nebst der negativen Erinnerung, in der ein überforderter Vater auch seinen Teil dazu beiträgt, keine bleibenden physischen Schäden davon tragen.

    Ich erkläre den Männern die Situation.
    "Bullshit!!! She's lying!", interveniert der Vater.
    "Du verstehst nicht was ich sage. Wenn du mit mir sprichst, können wir diese Situation hier konstruktiv klären!", ruhig, aber bestimmt. Viele Jahre Berufserfahrung als Lehrperson stecken in diesem Satz.
    "I don't talk to her!", quittiert er, an die Männer gewandt. Ich wende mich von ihm ab.

    Die Herren fordern mich auf, ihnen in den Gang zu folgen, sodass sie mich in Ruhe befragen können. Timmy kommt natürlich mit.

    Ich weiss nicht mehr, was sie alles gefragt haben. Ob ich einen Maulkorb dabei habe.
    "Nein."
    "Dann ist hier die Fahrt für Sie zu Ende. Sie bleiben hier im Gang. Die anderen Passagiere haben Angst, sie im Abteil zu haben. In Kassel-Wilhelmshöhe steigen Sie unter Polizeibegleitung aus und gehen mit aufs Revier.
    Der Däne macht eine Anzeige gegen Sie wegen fahrlässiger Körperverletzung."

    Dann ziehen die Männer ab und holen mein Gepäck.

    Ich schlucke. Die Fassung beginnt zu bröckeln. Timmy stupst mich an. Er weiss, dass er Scheisse gebaut hat. Gewaltige Scheisse. Sein Blick sagt alles.

    Ein neuer Polizist taucht auf.
    Belehrt mich darüber, wie es jetzt weiter geht.
    Ich kann aussagen, die Aussage verweigern oder einen Anwalt kontaktieren.

    Die Anzeige liegt vor, ich muss entscheiden, wie ich darauf reagiere.

    4h sind wir nun erst unterwegs. Mitten in Deutschland.
    Geschrei. Beleidigungen. Ignoranz. Anzeige. Und Timmy? Muss er eingeschläfert werden?

    Ich schlucke. Der Damm bricht. Es heult. Die nächsten 2h lang.
    Es heult, während mich 2 Polizisten und 2 Zugbeamte in Kassel-Wilhelmshafen aus dem Zug eskortieren.
    Es heult, als am Bahnhof 2 weitere Polizisten dazustossen.
    Es heult auf dem Weg aufs Revier.
    Es heult während der Verhöhrung.

    Ich hasse es. Die Kontrolle nicht wieder zu gewinnen. Ich hasse jede erneute Heultirade, die losgeht, sobald ich mich einer Frage stellen muss. Die Polizisten sind emphatisch. Also heult es noch mehr.

    Timmy hat Scheisse gebaut.
    Er weiss das.
    Ich habe ihn in diese Lage gebracht. Und weiss das auch.

    Konsequenz:
    Ich streite den Vorfall nicht ab. Bin kooperativ. Sehe von einer Gegenanzeige wegen mehrfacher Beleidigung ab. Auch so hab ich schon genug an der Backe.

    Nach Norwegen muss ich mich bei jemandem melden, die an meiner Stelle die Anzeige-Dokumente entgegen nimmt, da ich nicht Deutsche Staatsbürgerin bin.

    Und jetzt?
    Heim?
    Nach 4h Reise?

    Ich brauche einen Maulkorb.
    Der eine Beamte hilft mir, ein Tiergeschäft in 10km Entfernung ausfindig zu machen. Auf mein Bitten hin ruft er sogar dort an, um sich wegen Maulkörben zu erkundigen. Erklärt mir, wo ich ein Taxi finde.

    Eine Stunde später sitze ich wieder am Bahnhof, trainiere Timmy den Maulkorb mit Entenbruststreifen an. Er hat ihn. Ich auch. Aber ohne dürfen wir nicht wieder in einen Zug steigen. Weder für nach Hause, noch für weiter.

    Das lasse ich nicht auf mir sitzen.
    Auch wenn jetzt auch noch mein Anschlusszug nach Kopenhagen ausgefallen ist. Kein Problem.
    Ich bin weder überarbeitet, noch hatte ich heute sonst keine anderen Probleme zu bewältigen.
    Es gibt einen Ersatzzug. Mit Umstieg in Padborg.
    Ich MUSS heute nach Korbach kommen. Das "Danhostel Copenhagen City" ist bereits bezahlt. Ein bisschen vorbereitet bin ich ja schon!

    Irgendwie kommen wir nach Hamburg. Irgendwie in den Anschlusszug. Zwischen Fahrräder finden wir Platz. Platz fürs Gepäck, Platz für Timmy, dennoch genügend Schutz. Und ich mit dem Rücken zu einer Scheiss- Schiebtür, die wegen der Bewegungen des Sitznachbars ständig ausgelöst wird. Irgendwann seufze ich. Er merkts. Und rutscht.

    Nach ca. 15h seit der Abfahrt in Gösgen kommen wir in Padborg an. Kurze Pipipause für Timmy, weil da die Passkontrolle erfolgt. Der arme Hund konnte sicher seit 8h nicht mehr pinkeln. Wir verpissen die Passkontrolle. Und kommen trotzdem nach Dänemark.
    Und irgendwann auch in Kopenhagen an. Da gibt es Hotdog am Bahnhof. Ich kaufe 2, wir brauchen beide einen.

    Mit Ketchup-Fingern, Ketchup-Kofferhenkel und Ketchup-freier Hilfe einer Lokalen finde ich irgendwann das Hostel. Es regnet.
    Das Bett noch beziehen und ja: Hund darf ausnahmsweise in einem Hotel mit ins Bett. Wir beide brauchen das jetzt gerade so sehr. Eingekuschelt in Löffelchenstellung und einfach. nur. noch. schlafen...
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  • Tag 2: Von Kopenhagen nach Oslo

    July 13, 2024 in Denmark ⋅ 🌙 16 °C

    Eigentlich wäre der Plan gewesen, das wir heute in aller Herrgotts-Frühe aufstehen und den Zug von 5:30 von Kobenhavn H nach Oslo S nehmen.
    Früh aufstehen war ja aber eigentlich noch nie mein Ding, schon gar nicht nach einem Tag wie gestern.
    Ich glaube um die Uhrzeit haben wir noch tief und fest geschlafen.

    Irgendwann gegen um 8 Uhr haben wir es dann aber doch geschafft, immerhin wollen wir heute nach Oslo kommen und dazwischen liegen immerhin stolze 8h Zugfahrt. Zudem musste ich noch Timmys Zugticket organisieren. Mangels Zugang könnte die gestylte Dame von gestern den 2. Teil unserer Route nämlich nicht mehr für uns arrangieren.

    Den Bahnhof von Kopenhagen kannten wir ja bereits vage und auch der Ticketschalter war schnell gefunden. Nur mit so exotischen Wünschen wie einem Hundeticket kommen die Dänen einfach nicht gut klar. Dänemark ist Zug-technisch ein sehr Hunde-unfreundliches Land.
    Und immerhin sollten wir ja an einem Tag 3 Länder durchqueren: Dänemark, Schweden und Norwegen!
    Bei den Schweden reisen Hunde im Zug gratis mit und so kam es, dass das Ticket mit seinen 23 Franken wirklich sehr günstig ausfiel.

    Jedoch war der nächste Zug bereits voll belegt, sodass wir dann noch ca. 3h überbrücken mussten.
    Kein Problem, wir sind in der Hauptstadt Dänemarks, andere machen hier Urlaub! Schnell noch eine Sight-Seeing Route quer durch die Sehenswürdigkeiten Kopenhavns auf Komoot gesucht und an die Garmin geschickt und wir sind bereit für unsere Städteerkundungstour. Ich liebe meine neue Garmin, die ich extra für diese Reise gekauft habe. (Mangelnde Orientierung lässt grüssen..)
    Ich scheine das kommende Malheur geahnt zu haben, jedenfalls gönnte ich mir vor der Erkundung noch ein Riesenschliessfach, um meinen Trekkingrucksack, den kleinen Koffer und eigentlich alles Gepäck da reinzustopfen. Dann traten wir durch die Bahnhofstür. Ich schwöre, in diesem Moment begann der Regen. Der Regen begleitete uns in die leckere Bäckerei, wo ich mir die erste vieler folgenden Zimtschnecken einverleibte. Der Regen folgte uns in den Nyhavn, wo wir die bunten Häuserfassaden und die schmucken Segelboote bestaunten. Er folgte uns während unserer gesamten 2 stündigen Tour durch Kopenhagen.
    In meinen Turnschuhen hätte ich Goldfische züchten können. Zwar begeistert von der Schönheit der Stadt, doch durchnässt bis auf die Knochen erreichten wir schliesslich wieder die Eingangshalle des Bahnhofs, gut eine Stunde vor Zugabfahrt. Diese Stunde konnten wir gut gebrauchen, denn: Wohin mit den wirklich durchgeweichten Schuhen und Klamotten? Pfützen hinter uns herziehend suchte ich nach einem Laden, indem wir zu Plastiksäcken kommen könnten. Fündig, blieb ich brav im Eingang stehen, um eine Überschwemmung im Laden zu vermeiden. Immerhin trieften wir beide. Der junge Herr an der Kasse schien mein "Hallo" nicht zu hören. Aus der Pfütze unter mir wurde ein Teich und ich rief noch mal, diesmal lauter. Der Herr schaute auf, der Teich schwoll weiter an. Auch seine Augen weiteten sich. Ich fragte ihn sehr freundlich nach 2 Plastiksäcken, ich würde sie natürlich auch bezahlen. Der Mann zögerte, Säcke gäbe es nur, wenn ich was kaufe. Der Teich war inzwischen zu einm kleinen See herangewachsen, bald würde ich schwimmen müssen. Meine Goldfische in den Schuhen freute es.
    Ich erklärte ihm meine missliche Lage: triefende Sachen-trockenes Gepäck-lange Zugfahrt-wirkliches Problem.
    Der See ergoss sich gefühlt immer mehr in den Laden hinein und der junge Mann begriff langsam den Ernst der Lage. Doch noch um Freundlichkeit bemüht, griff er nach 2 Tüten, watete zu mir rüber und bat mich, so schnell seinen Laden zu verlassen.
    Wieder bei unserem Schliessfach angekommen, musste ich am Morgen unseres zweiten Reisetags bereits ins zweite von nur 3 vorhandenen Klamottensets steigen. Zum Glück hatte ich von Mam ein paar neue rote Flipflop für die Reise erhalten, sie ersparten mit meine beiden Hobby-Teiche an den Füssen.
    Auch Timmy wurde ordentlich durchgerubbelt, um als stinkender Hund im Zug nicht erneut für Unmut zu sorgen.
    Noch schnell runter zum WC, um unsere beiden Wasserflaschen aufzufüllen - aber warte, da müssen Sie bezahlen!
    Fürs Flasche auffüllen? Ich will ja nicht aufs WC.
    Ja, bezahlen.
    Himmel Herrgott, jetzt füll doch einfach die 2 Scheiss-Flaschen.
    Er machts, ist mit Timmys Flasche auch nur leicht überfordert.
    Natürlich blieb ich nach aussen höflich, aber echt jetzt.
    Um 13:30 Uhr, gerade rechtzeitig und wieder halbwegs trocken, stiegen wir in den Zug, der uns von Kopenhagen nach Göteborg (Schweden) bringen sollte.
    Da stellte sich auch heraus, wieso das Hundeticket so billig war:
    Wir durften nur in den Gepäck- und Velowaggon. Ob wir uns dort als "Lebendiges, selbstverwaltendes Gepäck" oder "Haarendes Sperrgepäck" hätten deklarieren sollen, darüber wurden sich Mam und ich in unserem Norge-Chat nicht einig. Timmy indess probierte trotz Maulkorb die nächsten 4.5h so gut wies eben unter solch unbequemen Umständen geht, zu schlafen.
    Sobald wir in Schweden waren, wurde auch Herr Hund wieder in den Stand eines lebenden Wesens gehoben und durfte, wie wohl sonst überall in Europa, ganz normal im Personenwaggon mitreisen. Mein Hintern und Rücken dankten es auch.
    Irgendwann gelangten wir endlich an die Grenze jenes Landes, welches zu besuchen ich schon seit 2016 plane: NORWEGEN!!!
    Da wurde angekündigt, dass der Zug nun auch wegen der Zollkontrolle länger warten würde. Gleich auf dem Bahnsteig gab es einen prächtigen Streifen Wiese. Also liess ich, in der Hoffnung, dass unser Pech-Pensum für heute aufgebraucht war, unser Gepäck liegen, schnappte mir Timmy und liess ihn sich versäubern.
    Was soll ich sagen, ich glaube wir verpissten die Passkontrolle. Als wir wieder einstiegen, stand niemand da, der in seinem Impfpass die extra für diese Reise veranlasste Entwurmung kontrollierte. Irgendwie heimlich schlichen wir uns rollend über die Grenze und erreichten um 21:50 endlich Oslo Sentralstasjon!!!
    Die Strapazen des vergangenen Tages waren praktisch weggeblasen. Jetzt endlich sind wir da, wo ich schon so lange hin wollte. Jetzt fangen die Ferien an und nichts kann mehr schief gehen.
    Gleich neben dem Bahnhof gab es auch eine grosse Pipiwiese für Timmy. Und der liess sich nicht zweimal bitten. Ich packte seine ganzen Lasten der letzten 24h in eine Tüte, warf sie weg und kurz darauf checkten wir in unserer Base für die nächsten 3 Tage ein: Zimmer 365 im City Box Hotel.

    Den Rest des Abends liessen wir uns von Oslos Bjorvika (Bucht), dem architektonisch ausgefallenen Operahuset und dem Operastranda verzaubern. Dank meinem schönen "hüün" kam ins Gespräch mit einer freundlichen Norwegerin, die mir sehenswerte Ausflugsziele mit Hund ans Herz legte: Vigelandsparken, Bygdöy
    Von ihrer Herzlichkeit bestätigt, endlich am richtigen Ort angekommen zu sein, konnten Timmy und ich diese Nacht sorglos und tief schlafen.
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  • Tag 3: Trocken bleiben ist überbewertet

    July 14, 2024 in Norway ⋅ 🌧 16 °C

    Hey, wer mag es schon, trocken zu bleiben? Ich meine, bei 3 Set Kleider, kann Petrus doch das 2. auch noch nass machen? Es bleibt ja doch noch eines!

    Das erbarmungslose Himmelswasser hielt uns jedoch nicht davon ab, 3.5 Stunden und fast 11km durch Norwegens Hauptstadt zu flanieren:
    Der Weg führte uns von Trollen an der kirkegata, zur Cecilie-Statue, dem Henrik Wergeland Denkmal, dessen Haupt eine Möwe zierte, zum Osloer Rathaus, bis hin in den Königlichen Schlosspark (Det kongelige slott). Dieser Park ist einer von vielen hier im Kulturliebenden Oslo, der von mancherlei skurillen Skulpturen geziert wird. Überhaupt ist Norwegens Hauptstadt reich geschmückt mit einer Vielzahl von Statuen. Besonders beliebt scheinen dabei nackte Frauen zu sein. Sie sind überall: üppig bebust, kurvig. Auch nackte Männer sind hie und da zu finden. Diese fallen im Gegensatz zu den anmutigen, aufreizenden Damen eher schmächtig und schlecht bestückt aus.
    Nackte Menschen, besonders Frauen, stehen in Oslo nach der von mir gewissenhaft erhobenen Feldstudie ganz oben im Ranking.
    Auf Platz 2: Ehrwürdige Männer, hoch zu Ross, mit Kittel und Napoleon-Hut. Wahrlich Helden, die grosses für ihr Land geleistet haben. Dies wissen auch die Möwen. Denn sie wurden alle von Möwen geziert. Alle.
    Auf Platz 3: Abstrakte Figuren, skurrile Gestalten und wirres Zeug.

    Timmy war indes definitiv angetan von der einen Messingdame mit den von weitem ins Auge stechenden roten Nippeln und gelber Schambehaarung. Doch dieser holden Maid sollte er erst am Abend begegnen.

    Im königlichen Schlosspark sackten unser beider Launen schliesslich definitiv in den Keller : Ich musste dringend mal, wir waren schon wieder aufgeweicht und irgendwie fand ich den Heimweg nicht, da meine auf die Garmin geladene Tour etwas optimistischer bemessen war, als es unsere Motivation noch zuliess. Da machte auch noch der Akku der Uhr schlapp und ich musste uns mit dem Handy wieder zum City Box Hotel zurück lotsen. Ein kleiner Zwischen-Aufmunterer waren dabei fast nur noch die 3 französischen Toiletten: liberté, égalité, fraternité. Die konnten sich ihren Patriotismus in fremden Lande nun aber auch sparen, meinen Urin hatte ich bereits an einem Baum im Schlosspark gelassen.

    Als wir zurück kamen, ich Timmy im Eingangsbereich trockenrubbelte und im Zimmer dann mein 2. Set nasser Kleider im Bad neben die noch feuchten von gestern aufhängte, kam mir in den Sinn, dass ich die in Plastiktüten verpackten Schuhe noch gar nicht aus dem Koffer geholt hatte. Mein Gott. Aus dem Goldfischteich entwickelte sich über Nacht ein Güllefass. Die haben gestunken!!!
    Alles schnell ins Bad gestopft, Tür zu und hoffen, dass es morgen alles nicht mehr so schlimm ist.

    Wie war das mit dem Optimismus gestern? In Oslo wird alles gut?

    Nach einem wohlverdienten Nachmittags-Nickerchen ging es für uns mit Kleiderset Nummer 3 (dem letzten, soll an dieser Stelle erwähnt sein) neuen Mutes wieder raus.

    Vielleicht hatte Petrus nun doch Erbarmen mit uns. Tatsächlich blieben wir auf unserer abendlichen Tour das erste Mal seit 2 Tagen trocken.

    Oslo an einem Sommerabend zu erleben hat definitiv flair!
    An diesem Abend flanierten wir entlang der Aker Brygge, vorbei an den vielen Bars und Restaurants, in denen Hunde wahrscheinlich nicht willkommen waren, weiter auf die kleinen Inseln Tjuvholmen. Da kamen wir in den Genuss weiterer Statuen und Skulpturen. Sie sind wirklich überall.
    Da endlich traf Timmy auch auf die liebreizende Nackte, die ihm wirklich gar den Kopf verdrehte. Mich faszinierten mehr das Sommerflair, die Schiffe mit den hohen Masten, die Abendstimmung.
    Wir fanden auch die Ablegestelle, wo wir mit der Fähre auf die Insel Bigdöy kommen würden.

    Am gleichen Abend wurde auch an mehreren Orten das Finale der UEFA EURO 2024 übertragen: Spanien gegen England im Olympiastadion Berlin. Spanien gewann. Dies interessierte uns jedoch herzlich wenig.
    Nach weiteren fast 2.5h und 7.5 km Laufen gönnten wir uns unsere Bettruhe, bereits wissend, was wir morgen anstellen würden...
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  • Tag 4: Halbinsel Bygdøy

    July 15, 2024 in Norway ⋅ 🌧 17 °C

    Bygdøy ist eine Halbinsel gleich bei Oslo, wunderbar mit der B9 Fähre von der City Hall Pier 3 erreichbar.
    Darauf gibt es verschiedene Museen, wie das Kon-Tiki Museum, das Polar Ship Fram Museum oder das Norwegian Maritime Museum. Zudem gibt es ein Holocaust Center. Besonders das Kon-Tiki, sowie das Vikingskipshuset hätten mich sehr interessiert, doch sind diese mit Hund nicht begehbar. Somit verbrachten wir den Tag im Ballenbergmuseum Norwegens: Dem Norsk Folkemuseum
    Es ist wirklich das gleiche Konzept, wie das Ballenberg: Verschiedenste Häuser aus verschiedenen Epochen aus unterschiedlichen Regionen Norwegens, gespickt mit gewandeten Leuten, die z. B musikalische Darbietungen gaben. Auch die Norweger haben eine Art Jodel entwickelt. Dieser tönt zwar anders als Schweizer Jodel und dennoch hat es mich erstaunt, wie ähnlich sich unsere beiden Kulturen doch sind.

    Das Highlight des Besuchs war für mich definitiv, nebst dem tollen Hund natürlich, die mittelalterliche Gol stavkirke!
    Eine nette Dame anerbot sich sogar, kurzzeitig auf Timmy aufzupassen, sodass ich auch das Innenleben bestaunen konnte.

    Nach unserer Rückkehr ins Hotelzimmer traf mich fast der Schlag:
    Irgendwie schien die Badezimmerbelüftung überhaupt nicht zu funktionieren. Denn die Luftfeuchte meiner noch immer feuchten und zum Himmel stinkenden Kleider verseuchten den ganzen Raum. Da nützte alles Lüften nichts.
    Also nutzte ich während unserer Erholungszeit von den vielen Eindrücken die Chance, meine stinkige Wäsche zu waschen.
    Dabei erwies sich Timmys Leine als hervorragende Wäscheleine.
    Dank dem im Zimmer vorhandenen Klappfenster konnte ich die auch wirklich widerlichen Schuhe und Jacke einklemmen, sodass die Quelle des Muffs nicht mehr im Zimmer hockte. Sie war so auch gerade genug Regen geschützt. Denn natürlich tat es auch das wieder: regnen.

    Des weiteren nutzte ich meine Zeit, um den morgigen tag zu planen:
    Den Morgen würden wir den Komfort des (stinkigen) Hotelzimmers verlassen und den Bus zur Bushaltestelle Lilløveien nehmen, wo wir dann noch einen kurzen Fussmarsch zum Radisson Blu Park Hotel nehmen müssen. Schliesslich wartete die Karre auf uns, von dem ich im Leben nie gedacht hätte, dass ich je so was bonziges fahren würde: Der Tesla, Modell Y.
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  • Tag 5: Eroberung eines Teslas, Tjøme

    July 16, 2024 in Norway ⋅ ☁️ 18 °C

    Es kann ja wohl nicht so schwer sein, so ein Scheiss-Auto zu öffnen, oder?
    Wahrscheinlich hatte ich länger, in den Tesla zu kommen, als zum Tesla zu kommen.
    Dabei hatte alles super angefangen: Früh den Bus genommen, bei der Herz-Station angekommen, gemerkt, dass da nur ein Automat steht, ohne persönlichen Einweiser. Tja, hätte ich den gehabt, wäre es wohl nicht so kompliziert gewesen. Unser Schnucki hatte ich ja schon lange auf dem Parkplatz gesichtet.
    Dann noch ein bisschen tip-tip-tip am Automaten, ein Telefonat mit den zuständigen Angestellten der Vermietung, weil dann doch etwas nicht klappte und bald hatte ich dieses komische Ding von Schlüssel in der Hand: Eine schwarze Plastikkarte. Soll das ein Schlüssel sein? Wo soll ich den denn reinstecken oder durchschieben?

    Im Tesla hatte es auf dem Armaturenbrett nichts ausser ein grosses Display. Dieses zeigte mir dann mit einer Grafik und wenig Text auch munter an, wie diese ominöse Plastikkarte zu nutzen ist:
    A-Säule: Sensor: Tap

    Gut. Kann ja nicht so schwer sein.
    Ich tappte gegen den Sensor. Nichts.
    Hm, Karte mal umdrehen, tap: Nichts.
    Karte mall aus der Hülle nehmen, nochmal tappen: nichts.

    Ich tappte diese bescheuerte Karte wohl in allen erdenklichen Winkeln gegen diesen blöden Sensor, doch der Tesla wollte sich mit nicht erschliessen.

    Gut. Mitschu fuhr schon in so einem Ding. Doch auch das Telefon mit ihm blieb ohne Rat: Na, Knopf der Fernbedienung drücken. Da ist halt kein Knopf, nur ne Plastikkarte.
    Bist du sicher, dass du den Schlüssel schon hast?
    Nein, aber ja. Irgendwie schon.

    Gut Mitschu halt nichts. Youtube ebenso wenig, auch da gab es nur Teslas mit Schlüsseln, wie ich es von anderen PWs kenne.

    Mann. Nochmal die Leute von Herz angerufen.
    Die eine Mitarbeiterin war zwar nett, hatte aber auch keine Ahnung.
    Gut. Nächster Mitarbeiter: Der behauptet steif und fest, dass das Ding geht, immerhin hat er persönlich gestern den Tesla da hin chauffiert. Ich erkläre ihm, wie ich diese Karte in allen erdenklichen Winkeln an diesen Sensor getappt habe. Er meint, ich soll es langsam machen. Mach ich, bringt halt nichts. Ich erkläre ihm nochmal, wie ich tappe.
    Was tappen? Die A-Säule runtersliden sollst du?
    Ja was jetzt?!?! Ich slide.
    Bling-bling - Leuchte-Leuchte.
    Der Tesla geht auf. Nach 45min!!!
    Und ohne getappe! Sliden. Wie irreführend wird das Gerät denn sonst noch sein, wenn es mir nicht mal selbst erklären kann, wie es aufgeht?!
    Ich bedanke mich bei dem geduldigen Herrn. Und mache einen Freudentanz. ENDLICH!!

    Das Ding Timmy-Freundlich eingerichtet war er schnell: Die Kofferraumabdeckung, die uns ja eh beim Schlafen störte, diente als perfekte Stabilisationsunterlage unter Timmys Rücksitzdecke, sodass Mösiö Dijondelox auch ja gerade stehen konnte.

    Nach ein paar Metern erkannte ich auch, wie einfach es war, die Bonzenkarre zu steuern. Und so erreichten wir bald ein nahegelegenes IKEA. Tesla musste noch ein bisschen ausgestattet werden. Zudem musste ich sowas von pinkeln und hunger hatte ich auch.
    Mit Freude erkannte ich, dass es im Tesla eine Hundefunktion gab: Damit würde König Lox konstant mit 21°C belüftelt und ich konnte ihn ohne schlechtes Gewissen alleine lassen, während ich meine Grundbedürfnisse befriedigen und die Innenausstattung für unser neues Hei besorgen konnte:
    Ein Leintuch, um den Kofferraum so sauber und haarfrei wie möglich zu halten, ein paar Tücher, um die Liegefläche gemütlicher zu gestalten, 2 Decken, eine als Sichtschutz und eine für Timmy, Kleiderbügel, ein Enthaarungs-Roller, und das beste überhaupt: Eine Plastikbox mit Deckel: Die beste Investition meiner ganzen Reise: Darin verstaute ich die nassen, stinkigen Sachen. Und JA, die war wirklich Gold wert!!!!

    Zurück bei meinem Lox, der erstaunlich entspannt im neuen Gefährt wartete, machten wir uns schliesslich auf den Weg zu unserer ersten Station unter freiem Himmel: Ein Parkplatz in der Nähe des Torås Fort bei Tjøme. Zum Glück gab mit Mam den Tipp mit der Park4Night-App: Damit habe ich all unsere zukünftigen Schlafplätze ausfindig gemacht.

    Wir waren auch die einzigen dort.
    Und so richteten wir uns noch gänzlich ein, assen etwas kleines und verbrachten schliesslich eine wunderbar ruhige erste Nacht in unserem neuen Tesla-Baby...
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  • Tag 8: Mølen Geopark nach Gjeving

    Jul 19–20, 2024 in Norway ⋅ ⛅ 21 °C

    Heute ging wirklich einfach nichts schief.
    Danke Karma!
    Timmy geht es etwas besser, kein Blut mehr in Stuhl. Zwar noch flüssig, aber kein Blut mehr.
    E ist immer noch schlapp, sodass ich auch heute nicht die ganze Komoot-Runde vom Camping "Omligstranda" bei Helgeroa über Nevlunghavn und dem Mølen Gea Norvegica Geopark und wieder zum Camping mit ihm ablaufen konnte.
    Stattdessen zwang er mich, bei allen Stränden innezuhalten. In Helgeroa entschied er sich dann, dass es auch mir gut täte, nebst all den Sandwiches und Zimtschnecken aus den örtlichen Bäckereien wieder einmal etwas warmes zwischen die Beisser zu bekommen. Hund hat ja Recht. Und er noch ne Pause. Win-win.

    Obschon diese Ecke wirklich traumhaft ist, bin ich schon in der Hälfte meiner Reisezeit und klebe noch immer im Südosten des Landes, wo es mich doch eigentlich in den Südwesten zieht.

    Also, hopp in den Tesla gehüpft. Jetzt, wo ich mich langsam an das Ding gewöhnt habe, gerne auch mit Sound, den mir DJ Spotify zusammenstellt.
    Zu "Hooked on a feeling" und weiteren tollen feelgood-songs zieht die felsig-waldige Landschaft an uns vorbei.

    Tesla durstet es nun langsam, nachdem er uns jetzt die letzten 2 Nächte artig dank dem "Campingmodus" vor dem Erstickungstot bewahrt hat.
    Auf dem Weg nach Gjeving fand ich sogar eine Tesla-Schnellladestation.
    Wie funktioniert jetzt der Scheiss wieder?!? Der Stecker passt nicht, ein Zahlterminal gibts auch nicht. Echt.
    Eine hilfsbereite norwegische Familie half mir aus der Patsche. Eine App muss her, einer der beiden Stecker funktioniert doch und nach 35min (von wegen schnell...) war Tesla satt/sitt/ voll und wir setzten unsere Reise fort.

    In Gieving peilte ich eigentlich den Camping Marina an, doch konnte ich einfach nicht die Zufahrt dazu finden.
    Jetzt stehen wir hier (wohl etwas illegal) auf dem Parkplatz dieses Campings, hinten in einer verbrennnesselten Ecke. Mal schauen, obs jemandem auffällt...

    Znacht assen wir in Gjving am Hafen auf einem Felsen, mit Blick aufs Meer. Das malerische Dörfchen lag uns zu Füssen, mit Blick auf die kleine Bücke und die vorbeiziehenden Boote. Immer wieder kamen Leute an, die ihre Abfälle in den Hafen brachten. Mit diesen entspannenden Eindrücken konnten wir den Abend ausklingen lassen.
    Morgen schnappen wir uns die 10 Uhr Fähre auf die Insel Lyngør.

    Heutiges Vokabular:
    Danke: tuusen takk/ Menge takk
    Ich hätte gerne...: jeg vil gjerne ha
    Hallo: hallo/ hi/ hey
    Hund: hund (hünd)
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    Trip end
    July 29, 2024