Die erste Nacht / der erste Morgen
April 4 in Spain ⋅ ☁️ 17 °C
„Leinen los!“ hieß es am Abend.
Nach einem kurzen Signalton ertönten Kapitän und Schiffsdirektor durch sämtliche Lautsprecher. Eine sympathische Begrüßung und eine kurze Erläuterung bzgl. Strecke, Wellengang, Wetter und co. ließen einerseits die Aufregung über den ersten Start steigen und gaben zugleich auch ein Gefühl von Sicherheit und des Willkommenseins.
Wir saßen gemütlich in der „Captains Bar“ und hatten uns damit den perfekten Ausgangspunkt und zugleich Ausguck für die Fahrt aus dem Hafen Teneriffas ausgesucht - wenn auch mehr zufällig, da alles erst einmal wie ein zu groß geratenes, metallisches Labyrinth wirkte und wir froh waren uns einfach irgendwo niederlassen zu können. (Dieses Gefühl ließ übrigens recht schnell nach, nachdem man sich dank der vielen Screens und Plänen eine guten Überblick verschaffen konnte.)
Als das Schiff startete hatte ich erst mal mehr Action erwartet. Nur bis zu 40kmh fährt dieses Teil. Dabei sah das doch bei Titanic so viel schneller aus.
Und wo wir gerade bei dem Film aus meiner Kindheit und somit auch meiner einzigen Erfahrung bzgl. Schiffen sind, die Flure und Treppen des „Mein Schiff Relax“ wirkten durchaus grotesk. Die Teppiche und Bodenbeläge ähneln Wasser und Wellen und an den Wänden hängen Bilder von Eisbergen. Ich frage mich, ob ich wirklich die einzige bin, die direkt die Szene der überfluteten Haupttreppe aus dem Spielfilmdrama vor sich hat und den sterbenden Jack vor sich sieht.
Naja, zurück zum Wesentlichen 😋 Jack dürfte für seinen Aufenthalt in der Bar jedenfalls keine 50€ dagelassen haben. Die Cocktails waren super und das Geld hat sich für den Ausblick und das „Dabeisein“ beim Ablegen gelohnt. Als ich meinen Drink in einer blubbernden Mini-Badewanne serviert bekam war ich natürlich hellauf begeistert. Mit Schnickschnack bekommt man mich. Im Normalfall und wenn man nicht gerade in einer exklusiven super Lounge landet zahlt man natürlich nichts. Es gibt wirklich alles, was das Herz begehrt ohne seine Kreditkarte zücken zu müssen. Die Luxuriösität des Hotels auf dem Meer wird an vielerlei Ecken sichtbar. Sei es bei der Inneneinrichtung von Kabinen und dem Rest oder bei der Qualität und Auswahl von Speisen und Getränken. Ein Schiff einer deutschen Räderei hat seine Vorzüge behaupte ich. Bitburger als standardisierte Biersorte und 100%ige Säfte statt Sirup-Wasser aus Getränkespendern find ich super. Weniger super war der Hinweis meines Mannes. Das Schiff fährt unter maltesicher Flagge. Dadurch hat die Flotte steuerliche Vorteile und darf dem Personal ein niedrigeres Grundgehalt zahlen. Sauerei. Die Flotte von „Mein Schiff“ betont jedoch stets, dass ihre Arbeitsverträge „marktüblich“ seien. Ob das so stimmt, kann ich nicht beurteilen und bedarf noch ein wenig mehr Recherche.
Atemberaubend war unser Gang auf den Balkon am Morgen.
Einen schöneren Sonnenaufgang habe ich noch nicht erleben dürfen. Wie diese wunderschön leuchtende Kugel sich über dem Atlantik erhebt war ein unvergesslicher Moment. Gleich um die Ecke erstreckte sich noch ein Regenbogen und der perfekte Start in den Tag war gegeben.
Im Übrigen waren die ersten minimal wahrnehmbaren „Schunkler“ auf hoher See eher interessant amüsant als schwindelerregend. Die vorsorglich erstandenen Reisekaugummis und Tabletten gegen Übelkeit durften in der Tasche verweilen.Read more







