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  • Day14

    Brest

    July 27 in France

    Gestern Abend kam der junge Mann von nebenan vorbei, dem Michael mit einem Stromkabel ausgeholfen hat und brachte als Dankeschön eine Flasche Cidre vorbei. Wäre nicht nötig gewesen, aber aufmerksam war es schon. Wir haben uns dabei noch nett unterhalten.
    Gegenüber campiert eine Paderborner Familie. Auch mit ihr kommen wir zwischendurch ins Gespräch. Viele Deutsche gibt es nicht auf diesem Camping.
    Alle Plätze sind inzwischen besetzt und das Schild "Complete" hängt aus.
    Aber wir machen heute Platz. Das Wetter ist über das Wochenende nicht so schön angesagt. Die Temperatur wird zwar weit über 20 Grad steigen, aber dabei soll es bewölkt sein und es soll auch mal einen Regenschauer geben. Deshalb haben wir uns überlegt, über das Wochenende Brest zu erkunden.
    Dazu müssen wir, das heißt Michael, das Wohnmobil erst einmal aus der ausgesuchten Ecke heraus gefahren bekommen. Die Paderborner fahren ihr Auto weg und dann heißt es auf kleinem Raum ausparken. Für ein paar französische Männer ein willkommenes Ereignis beim Frühstück. Aber mein Mann kennt die Ausmaße seines Fahrzeugs und fährt souverän heraus. Das würdigen die Franzosen mit einem Applaus und einem freundlichem Hinterherwinken beim Davonfahren.
    Unsere Tour führt uns zurück nach Lannion und dieses Mal sehen wir etwas mehr von der Stadt. Von Lannion fahren wir entlang der Küste und sind total erstaunt von dem riesigen, kilometerlangen Strand bei Saint-Michel-en -Greves. Leider ist das Meer vormittags nicht da, und so sieht der Strand aus wie eine Miniwüste. Kurz vor dem Ende der Bucht geht es in Serpentinen auf der D786 vom Meer weg und bergauf ins Landesinnere. Im Gegensatz zur Küste ist es hier noch richtig grün. Bald werden wir auf die B12 geführt, auf der wir auf einer Hochbrücke auch Morlaix überqueren. Tief unter uns sehen wir die Schiffe und das bekannte Viadukt. Gegen 12.00 Uhr ereichen wir Brest und schaffen es gerade noch pünktlich auf dem Campingplatz einzuchecken, bevor die Schranke für die Mittagszeit geschlossen wird. Der Platz liegt ein klein wenig außerhalb von Brest, aber die Stadt ist mit Bus oder Rad schnell zu erreichen. Es ist ein sehr gepflegtes Camp und wir bekommen auch einen tollen Platz. Aber kaum haben wir alles stehen, beginnt unter uns ein Geschreie, Gekreische und Gejohle, das nicht mehr aufhört. Unser Nachbar sagt, dass es schon die ganze Nacht so gegangen wäre und seine Kinder hätten nicht schlafen können. Er wolle sich nach der Mittagszeit beschweren.
    Als es nach einer Stunde immer noch so laut ist, fragen wir, ob wir einen anderen Platz haben können. Das ist möglich, aber nach einer energischen Zurechtweisung der "Krachmacher" letztendlich nicht mehr nötig. Scheinbar haben sich schon mehr Gäste beschwert.
    Nachdem das Problem gelöst ist, warte ich den angesagten Regenschauer ab und mache mich auf einen ersten Erkundungsgang. Michael reicht für heute der Ganģ über den Campingplatz. Er bleibt lieber beim Wohnmobil.
    Durch ein Törchen kommt man auf einen Waldpfad, der hinunter zu einer kleinen Bucht führt. Von der Bucht die fest in der Hand von Fischern ist, die hier Boote und Hütten haben, kann man ein wenig vom Marinehafen sehen. Die Bucht sieht verwahrlost und schäbig aus. Ich laufe ein Stück auf der "Route de Littoral Corniche", einer befahrenen Straße entlang des Meeres. Es geht mal wieder bergauf. Auf einem kleinen Aussichtspunkt kann ich nicht nur in den Marinehafen sehen, sondern entdecke auch die Hinweisschilder zum Gr34 dem Sentier Littoral, dem ich natürlich gleich folge.
    Ein schmaler Pfad führt durch den Wald oberhalb des Meeres. Alte Betonbunker mit Efeu überwachsen tauchen halb im Berg versteckt auf. Hin und wieder begegnen mir Spaziergänger oder Jogger. Unterhalb des Leuchtturms, am Pointe de Porzec ist ein Aussichtspunkt. Von hier aus kann man auf die Ile de Chrozon, die genau gegenüber liegt, sehen. Zurück laufen oder weiter auf dem Wanderweg und schauen wohin er führt? Ich bin neugierig und laufe weiter. Dieser Entschluss wird gleich belohnt. Der Weg führt über viele Treppen hinauf zu den verlassenen Gleisen einer Bahn, auf denen nun der Wanderweg verläuft.
    In der Ferne kann ich schon die Bucht "Anse de Dellic" im Stadtteil "Le Dellec " sehen. Kurz vor der Bucht drehe ich ab und lasse mich vom Handy Navi wieder auf bewohntes Gebiet führen. Dabei komme ich nach unendlich vielen Treppen zum Aussichtspunkt "Belvédère De St-Anne". Von hier aus sind es nur noch 2 km bis zum Campingplatz. Die Wolken haben sich inzwischen verzogen und die Abendsonne scheint. Das war ein wunderschöner Rundweg und mit knapp 9 km eine ordentliche Walkingtour.
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