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  • Day2

    Füssen

    October 13 in Germany

    Den Vorsatz pünktlich am nächsten Morgen weiterzufahren, um noch einen halben Tag Zeit für Füssen zu haben, haben wir eingehalten. Zwar haben wir uns keinen Wecker gestellt und die Ersten sind wir auch nicht, als wir um 9.15 Uhr auf die A7 Richtung Würzburg fahren, aber wie so oft, ist die erste Nacht unterwegs ungewohnt und wir sind beide zeitig wach .
    Auf der A7 ist moderater Verkehr. Die LKWs fehlen. Das macht das Fahren gleich etwas entspannter. Genau wie gestern bin ich fasziniert von der Landschaft und dem Fernblick. Es glüht und leuchtet neben der Autobahn in allen Herbstfarben. Der Herbst ist schon eine tolle Jahreszeit, wenn das Wetter mitspielt. Nicht so hell, spritzig und voller Erwartung wie der Frühling sondern mehr satt, zufrieden und sich seiner Schönheit und seines Eindrucks bewusst, die er selbstbewusst präsentiert. Die Natur zeigt in ihrem Jahreskreis alles, was auch wir in unserem Lebenslauf erleben. Schließlich sind wir auch ein Stück der Natur.
    In den nächsten zwei Stunden wird die Autobahn voller. Aber alles läuft relativ staufrei ab. An der Tankstelle Illertal müssen wir unseren Dieseltank voll machen. Die spinnen, die Bazies. 1,50 EURO für einen Liter Diesel. Zu unserer Überraschung stellen wir fest, dass wir durch den Hänger nicht mehr Diesel verbrauchen. Nur 11, 6 l auf 100 km. Das ist genauso viel, wenn nicht sogar ein klein wenig weniger, als der Verbrauch ohne Hänger. Das liegt am langsameren Fahren. Wir dürfen nur maximal 100 km/h. Gut, dafür sind wir etwas langsamer. Wir können ca 30 Minuten auf die vom Navi ausgerechnet Zeit draufschlagen. Aber das macht nichts. Wir haben ja Urlaub.
    Noch 60 km bis Füssen. Wir sind bereits im Allgäu. Urplötzlich erheben sich die Alpen aus dem Dunst. Noch sieht man nur ihre Schatten. Die Spitzen der einzelnen Berge, wie sie hintereinander gezackt am Horizont aufragen. Majestätisch und geheimnisvoll. Morgen werden wir sie erleben, wenn es über den Reschen- und Fernpass nach Meran geht.
    Es ist nach 13.00 Uhr als wir Füssen erreichen. Das Allgäu gefällt mir gut. Die sanft geschwungenen Hügel mit den grünen Wiesen und dem Bergpanorama im Hintergrund hat nichts Beklemmendes, Einengendes wie ich es schon in den Bergen erlebt habe.
    Der Stellplatz ist schon ziemlich voll. Wir haben Wochenende. Gut, dass wir so früh da sind. Die Plätze sind relativ eng. Deshalb muss zunächst einmal der Anhänger abgekoppelt und hineinschoben werden. Ein aufmerksamer Wohnmobilist hilft mit schieben. Es gibt sie doch noch, die Hilfsbereiten, die nicht wie die meisten vorm Wohnmobil sitzen und interessiert zu schauen, wenn jemand ein Problem hat, anstatt zu helfen.
    Dann stehen wir. Der Hänger neben uns und er beschert uns eine kleine, vor neugierigen Blicken geschützte Sitzecke zum Kaffeetrinken.
    Dann reizt uns der Ort. Das traumhafte Wetter, die Berge, die Optik, da muss man einfach loslaufen. Ich schon, man nicht. Der genießt die Sonne lieber vorm Wohnmobil, anstatt ihr hinterher zu laufen.
    Für den Weg in die Altstadt brauche ich eine Viertelstunde. Die Stadt ist ziemlich voll. Alle wollen den schönen Herbstag in der herrlichen Kulisse draußen genießen. Ich lasse mich durch die Straßen treiben, fasziniert von den bunten Häusern, den kleinen Läden und den vielen kleinen Cafes und Restaurants. Etwas Abseits des allgemeinen Trubels steht ein Geigenspieler an einem Brunnen und spielt " Halleluja" Wunderschön klingt die Musik über den von der Spätnachmittagsonne beleuchteten Platz. Zum Gänspelle kriegen. Und so etwas wie Dankbarkeit, einen so wunderschönen Tag erleben zu können, schwingt mit. Aus der Stadt geht es zum Hohen Schloss. Im Schlosshof gönne ich mir eine kleine Pause und betrachtet, von einer Bank aus die Illusionsmalereien im Innenhof, bevor ich die pompös ausgestattete Kirche St.Mang besuche.
    Bei einem Glas Spritzzero beobachte ich wenig später in einem Cafe am Rathaus die Menschen. Radler, Wanderer, Spaziergänger, sie alle stellen sich am späten Nachmittag in der Stadt ein, um auch noch die letzten Strahlen der Sonne bei einem Getränk zu genießen, bevor sie ganz verschwunden ist. Den Gassen der Stadt hat sie inzwischen bereits Adieu gesagt. Es wird empfindlich frisch, nur im T-Shirt, auf meinem Beobachtungsposten, und ich bezahle, um zu gehen. Vorher noch schnell zur Toilette. Die ist ziemlich eng und klein. So klein, dass ich das "Stille Örtchen" wenig später nicht verlassen kann, weil im Vorraum der Toilette das lindgrüne Hauszelt vom Nachbartisch wartet und die Tür so blockiert, dass ich nicht herauskomme. Sachen gibt es, die gibt es nicht, die muss man wahrhaft erst erleben. Auf alle Fälle bin ich eine halbe Stunde später trotzdem wieder beim Wohnmobil und kann dort gemeinsam mit Michael noch ein wenig in der Sonne sitzen. Der Platz ist seit Stunden voll, und immer noch kreisen Wohnmobile suchend umher. Wieder einmal alles richtig gemacht, bestätigen wir uns gegenseitig, als wir den Tag später in der Gastwirtschaft ausklingen lassen. Samstag ist Haxentag und Haxen sind etwas, zu denen Michael nicht "Nein" sagen kann. Jedenfalls solange sie nicht zu heben und zu bewegen sind, sondern gebraten auf dem Teller liegen.
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