• Aus zwei werden acht

    May 5, 2025 in South Africa ⋅ ☀️ 20 °C

    Eigentlich wollten wir nur zwei Nächte in Johannesburg bleiben. Ein kurzer Stopp, meine Wurzeln besuchen, den Landy für einen Check in die Werkstatt bringen – und zack, wieder raus.

    Doch dann kam alles ein bisschen anders. Wegen des 1. Mai, einem Brückentag und dem anschließenden Wochenende verzögert sich die Lieferung von Ersatzteilen – und plötzlich hängen wir deutlich länger in der Stadt fest, als gedacht.

    Johannesburg, oder Jozi, wie sie hier liebevoll genannt wird, ist mit über sechs Millionen Einwohnern eine echte Metropole. Und was für eine! Laut, lebendig, widersprüchlich, aufregend. Eine Stadt der Extreme – definitiv nichts für schwache Nerven.

    Für uns ist vieles ungewohnt. Ohne Auto geht hier nichts – Jozi fährt. Da unser Landy sich eine ausgiebige Wellness-Auszeit in der Werkstatt gönnt, sind wir ausschließlich mit Uber unterwegs. Man lässt sich an einer Adresse absetzen, klingelt, verschwindet direkt hinter einem Gate. Hinter Mauern tun sich dann Oasen auf, man ist wie in einer anderen Welt. In einigen wenigen Vierteln können wir uns tagsüber auch mal ein bisschen zu Fuß bewegen, aber das bleibt die Ausnahme.

    Was sofort ins Auge fällt: Die ganze Stadt ist abgeschottet. Überall hohe Mauern, elektrische Zäune, Stacheldraht, Überwachungskameras. Es gibt mehr private Sicherheitsleute als Polizisten, Einkaufszentren werden von schwer bewaffneten Guards bewacht. Das Sicherheitsbedürfnis ist unendlich – und allgegenwärtig.

    Und trotzdem: Wir sehen viel, sind ständig unterwegs, entdecken wunderbare Orte. Kleine Bäckereien, gemütliche Cafés, liebevoll geführte Buchläden. Jozi hat für uns eine ganz besondere Atmosphäre – etwas Raues, Unverstelltes. Man spürt die unglaublich schwere Geschichte der Stadt. Sie ist nicht einfach, aber sie hat Charakter. Und genau das macht sie für uns so faszinierend.

    Umso größer ist dann doch die Freude, als Andrea früher als gedacht Bescheid gibt: Unser mobiles Zuhause ist bereit – und wir können endlich wieder los, raus aus der Stadt, Richtung Westen.
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