• China überall

    1 November 2025, Malawi ⋅ ☀️ 29 °C

    Während wir durch Malawi cruisen, fällt uns immer wieder auf, wie viele grosse Baustellen das Land durchziehen. Überall stehen Schilder von Baufirmen, oft mit chinesischen Schriftzeichen, hohe Zäune, abgeschirmte Areale. Doch chinesische Arbeiter sehen wir so gut wie nie. Die Projekte wirken enorm und gleichzeitig erstaunlich geheimnisvoll. Chinesische Unternehmen bauen Strassenabschnitte neu und erweitern bestehende, teilweise an den abenteuerlichsten Orten.

    Noch beeindruckender und zugleich für uns beunruhigender sind die Projekte im Bergbau. Diese Baustellen sind „unsichtbar“. Malawi hat chinesische Investitionen von rund 12 Milliarden Dollar zugesagt, vor allem für Minen, Infrastruktur und Grossprojekte rund um Titan und Seltene Erden.

    Bei uns hinterlassen diese Projekte, welche wie grosse Wunden in der Landschaft wuchern, gemischte Gefühle. Malawi mit seinem riesigen Potenzial und den noch viel grösseren Problemen, braucht dringend Investitionen. Auf der anderen Seite werfen diese Projekte, die so abgeschottet und undurchsichtig erscheinen, einen Haufen Fragen auf. Während wir über holprige Strassen rumpeln, fragen wir uns, ob diese Milliarden je bei den Menschen ankommen oder ob hier eine neue Art von Einfluss entsteht, welche nur für eine kleine Elite grosse Profite abwirft. Nicht der offene Kolonialismus, wie ihn Europa einst betrieb, sondern ein leiser, wirtschaftlicher, verborgen hinter Zäunen und Absperrungen. Und während die Rohstoffe tief im Boden auf ihren Abtransport warten, scheint die lokale Bevölkerung Zuschauer in einem Spiel zu sein, dessen Regeln ganz anderswo geschrieben werden.
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