• zwei Kessel: kein richtig guter Plan

    3. januar, Sydafrika ⋅ ⛅ 25 °C

    Direkt neben meinem Camp wird gerade ein grosser Hangar umgenutzt. Noch vor Weihnachten wurde ein wunderschöner neuer Boden gegossen. Heute kommt der neue Mieter vorbei, und wir öffnen gemeinsam das grosse Tor. Schon von weitem sehen wir etwas Langes, Dunkles auf dem Boden. Es sieht aus wie eine Schlange.

    Ziemlich sicher sogar. Und sie sollte definitiv nach draussen.

    Wir sind allein, kein Werkzeug, kein Plan. Nur zwei grosse Kessel stehen im Hangar herum. Nach kurzem Überlegen beschliessen wir, es einfach damit zu versuchen. Es folgt ein eher unbeholfenes Zusammenspiel aus vorsichtigem Anschleichen, abruptem Zurückspringen und dem Versuch, gleichzeitig mutig, schnell und leise zu sein. Irgendwie, und eher durch Glück als durch Können, schaffen wir es, die Schlange unter einem der Kessel einzusperren.

    Ich informiere Gert, welcher verspricht jemanden vorbeizuschicken, um die Schlange fachgerecht zu fangen und auszusetzen. Der Kessel bleibt über Nacht stehen. Sicher ist sicher.

    Am nächsten Tag kommt Ross, er wirft einen kurzen Blick auf den Kessel, vorsichtig auf das was drunter liegt und dann auf mich. Sein Gesichtsausdruck sagt alles und die Begeisterung über unsere gestrige Aktion hält sich sehr in Grenzen. Erst jetzt wird klar, was da eigentlich unter dem Kessel liegt, eine Snouted Cobra. Die Snouted Cobra ist hochgiftig und besonders gefährlich, weil sie ihr Gift gezielt spucken kann. Trifft es die Augen, verursacht es sofort brennende Schmerzen und kann unbehandelt zu bleibenden Schäden oder sogar Erblindung führen. Ihr Biss kann die Atmung lähmen und ohne Behandlung schnell tödlich enden. Erst jetzt wird mir klar, dass wir wohl ziemliches Glück hatten.

    Ross ist Schlangenliebhaber und jemand der weiss, was er tut. Mit den richtigen Sicherheitsvorkehrungen zeigt er mir ruhig und respektvoll die Eigenheiten dieser beeindruckend schönen Kobra. Aus dem anfänglichen Schrecken wird Staunen.

    Zurück bleibt die Erkenntnis, dass Improvisation unterwegs oft hilfreich ist, manchmal aber auch nur ganz knapp an Katastrophen vorbeiführt.
    Læs mere