• Viña del Mar

    November 18, 2025 in Chile ⋅ ⛅ 20 °C

    Unsere Zeit in Chile startet mit einem besonderen Kapitel: Die Kinder dürfen zwei Wochen lang die deutsche Schule in Valparaíso besuchen. Durch einen glücklichen Zufall – vermittelt von Felix’ ehemaliger Kindergärtnerin Gia, die selbst hier zur Schule ging – wird dieser Wunsch Realität.

    Die Aufregung ist groß, denn schnell wird klar: An der Schule wird fast ausschließlich Spanisch gesprochen. Doch beide finden rasch Anschluss, und spätestens bei deutschen Weihnachtsliedern kommt auch bei uns Adventsgefühl auf. So sehr, dass Barbara mit den Kindern Plätzchen backt – etwas, das wir zu Hause erstaunlich selten schaffen. Neben dem Schulalltag lernen wir andere Eltern kennen und genießen endlich wieder Gespräche mit Erwachsenen. Unser kleines Apartment in Viña del Mar – nur ein Schlafzimmer, aber direkt am Strand – wird schnell zu einem gemütlichen Zuhause. Morgens fährt meist ein freundlicher Uber die Kinder zur Schule, mittags kommen sie mit dem Bus zurück.

    Die Menschen hier erleben wir durchweg als offen und herzlich. Nicht ganz so überschwänglich wie in Mexiko, aber interessiert und neugierig. Internationale Besucher scheinen eher selten, und oft werden wir gefragt, warum wir gerade hier sind. Gleichzeitig stößt man überall auf deutsche Einflüsse: Weihnachtsstollen, „Feine Tropfen in Nuss“, Adventskalender aus Osnabrück, Straßennamen – und nicht zuletzt Präsidentschaftskandidaten mit Namen wie Kaiser, Kast und Mattei. Vielleicht liegt es an diesem Erbe, dass wir die Mode hier als etwas … bodenständiger wahrnehmen. Oder es ist einfach der Kontrast zu Mexiko, wo alles farbenfroher wirkt.

    Langeweile kommt nicht auf: Wir gehen an den Strand, wo Felix begeistert „Beachglas“ sammelt. Er testet sogar Taekwondo, während Carla kurzerhand auf einen Kindergeburtstag eingeladen wird. Felix trifft sich mit seinen neuen Freunden: Felix (spricht Deutsch, liebt Fußball) und Juanluis (liebt auch Fußball). In der kinderfreien Vormittagszeit schaffen wir es ein paar Mal joggen zu gehen – barfuß im Sand, mit Meerblick.

    Und dann passiert noch etwas Unerwartetes: Ich habe wieder ein funktionierendes Handy. Mein altes war in Mexiko im See verschwunden. Erst jetzt merken wir, wie wichtig ein funktionierendes Telefon auf Reisen ist – und wie nervenaufreibend es ist, bis alle Apps, Bankzugänge und Konten wieder laufen. Bonus-Erkenntnis: 2-Faktor-Authentifizierung ist unterwegs ein echter Endgegner.

    Ein weniger schöner Moment: Aus dem Bus beobachten Felix und ich, wie einer Frau ihr Handy durch das offene Taxi­fenster gestohlen wird. Die Kinder sprechen noch lange darüber. Ironischerweise gilt Chile eigentlich als sehr sicheres Reiseland – ein Eindruck, den wir trotz dieses Vorfalls weiterhin teilen.

    Insgesamt haben wir uns in Viña schnell eingelebt und es fällt uns schwer wieder in den Reisemodus zurückzukehren.
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