• Day 5

    Kleine Gardasee Rundfahrt 🛥️, Bardolino

    August 9, 2024 in Italy ⋅ ☀️ 29 °C

    Heute erstmal entspannt ausschlafen und spät frühstücken. Danach entschloss ich mich einfach mal zum Hafen zu gehen. Auf der Suche nach einer kleinen Bootsfahrt oder Gardasee Rundfahrt. Am liebsten hätte ich selbst ein Boot gemietet aber allein etwas schwierig. Also ran an den Ticket Schalter. Mein Plan war bis in den Norden nach Riva oder Torbole zu fahren aber darauf hin sagt der Kassierer,, Das dauert zu lange, die Rückfahrt schaffen Sie nicht''. Es war doch erst kurz vor 12 Uhr. Dann geht es halt nach Bardolino über Sirmione. Die Fahrt dauert circa 1 h und ist mit dem,, kleinen'' schnelleren Boot. Ein und Ausstieg klappt mit Rampe super und kostet nur 11 Euro hin und zurück. Ich schlenderte etwas am Hafen durch die kleinen süßes Gassen, ganz ohne Plan aber grade so ist es am schönsten. Ich stoße auf eine wunderschöne niedliche Kirche mitten im Zentrum und entschloss mich hinein zu gehen. Vorne Treppen, der Rollstuhl Eingang einmal rum um die Kirche am Hintereingang. Ich geh rein und genieße die Ruhe und die Atmosphäre. Zünde eine Kerze an für alle diejenigen, die uns bereits verlassen mussten und halte ein paar Minuten inne. Als ich wieder raus bin, fällt mir erneut draußen der obdachlose ältere Mann an der Kirchenecke auf. Er sieht irgendwie deutsch und irgendwie italienisch aus. Ich sah wie er weint. Er tat mir irgendwie sehr Leid. Ich bin zu ihm gegangen und fragte auf englisch ob er Hilfe benötigt und ob alles okay ist. Da antwortete er plötzlich auf deutsch und fragt wo ich denn her komme. Schnell kommen wir ins Gespräch. Es war kein obdachloserer wie man es aus den Großstädten kennt wo vielleicht Banden dahinter stecken oder eine Masche. Viele dieser Menschen haben Leid und ein schlechtes Leben aber meine Signale sagen mir das er offen, ehrlich und respektvoll mit mir spricht und so hab ich das auch mit ihm. Ich hab ihn gefragt warum er hier sitzt und warum er nicht zuhause ist. Er hat leider vor 4 Monaten seine 34 jährige Tochter bei einem Autounfall verloren und damit wurde ihm alles genommen und er hat nichts mehr. Kein Zuhause, keine Familie, kein Geld. Aber wieso stelle ich ihm die Frage. Er erzählt mir seine ganze Lebens Geschichte und sagt er hat viele Jahre vor den 2000er in Hamburg gelebt, war Geschäftsführer eines sizilianischen Restaurants und ihm ging es gut. Er sprach sehr gut deutsch. Durch verschiedene Umstände hätte er das Restaurant und insgesamt 1,5 Millionen Mark, die er sich von der Bank für das Restaurant geliehen hat, verloren. Er war so ehrlich und meinte er hatte auch viel Stress mit der Polizei und anderen Kriminalitäten. Die Tränen standen ihm in den Augen. Er sagt, dass er kein gutes Leben hatte und dieses eine Leben was er hat, es nicht gut mit ihm meinte aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass er das akzeptiert hat. Denn er sagt immer wieder,, es kommt alles im Leben wie es kommen soll ''. Ich denke mir das er ja Recht hat, weil das auch ein Spruch ist den ich gerne verwende. Ich erzähle ihm etwas von mir und meiner Geschichte und er sagt er hat ganz großen Respekt und ist beeindruckt das es Menschen gibt die aus einem tiefen Loch wieder heraus kommen. Er schafft das nicht mehr sagt er. Ich ermuntere ihn niemals aufzugeben und positiv zu denken und sage ihm, dass er es schaffen kann und es auch nicht zu spät ist. Er war 64 Jahre alt. Sah aber aus wie Ende 70. Ich denke das starker Alkohol Konsum und Zigaretten ihn haben so dolle altern. Ihm bleiben noch 3 Jahre bis zur Rente aber er wird wohl keine richtig bekommen. Es ist schwierig weil 100 m weiter sitzen wohlhabende Menschen, mit Aperol Spritz und haben das Privileg zu reisen. Er hat das alles nicht. Ja jeder ist seines Glückes Schmied aber trotzdem hat er es nicht verdient. An solchen Situationen merkt man wie gut es einem geht und das man im Leben nicht viel brauch um glücklich zu sein. Und die Frage ist was bleibt am Ende des Tages und am Ende des Lebens übrig - nicht viel. Wir haben circa 30 Minuten erzählt und in seiner Mütze lagen nur 1 bis 10 Cent Münzen. Ich entschloss mich ihm 20 Euro zu geben. Mir tun Sie nicht weh, ihn kann ich damit nicht retten, das ist mir bewusst. Aber einem einsamen gebrochenen Mann 30 min Gesellschaft zu schenken ist vermutlich mehr Wert als die 20 Euro. Nichts desto trotz freut er sich über den Geldschein, verdrückt eine Träne und bedankt sich mehrmals. Ich sage ihm er soll es sinnvoll nutzen. Ob er es macht weiß ich nicht aber zumindest gibt er mir sein Wort und ich glaube ihm. Ich wünsche ihm alles Gute und dann trennen sich unsere Wege. Etwas mitgenommen setzte ich mich in ein Restaurant mit Blick auf das Meer, trank einem Aperol Spritz und aß leckere Spagetti aglio olio. Für mich eine völlig normale Situation. Meine Gedanken sind immer noch bei diesem Mann und das er so schöne Genuss Momente nicht mehr haben kann. Ein Straßen Musiker fängt an mit einer Geige zu spielen und ich kriege Gänsehaut. Entspannt bin ich dann mit dem großen langsamen Schiff zurück nach Desenzano gefahren. Beachtlich fand ich das auf diesem Kutter eine richtiger Aufzug von Schindler verbaut war. So konnte ich hoch auf das oberste Deck und die frische Seeluft genießen. Ein schöner aber auch bewegender Tag neigt sich am Pool dem Ende. 🌞.Read more