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  • Day366

    1 Jahr Weltreise feiern am Railey Beach

    August 3 in Thailand ⋅ ⛅ 35 °C

    Heute ist mein ganz persönlicher Feiertag: Ich bin genau auf den Tag ein Jahr unterwegs. Am 3. August 2021 hat Migge Chris und mich zum Flughafen nach Stuttgart gebracht und es ging ab nach Costa Rica! Wahnsinn! Wie könnte ich diesen wunderbaren Feiertag besser zelebrieren als zu einem der schönsten Strände hier überzusetzen und ein herrlich kaltes Glas Weißwein mit Thai-Curry vor wunderbaren Panorama zu genießen?

    Mit dem Longboat geht es heute daher zum allseits bekannten und beliebten Railey Beach, der absolut hält, was er verspricht. Ich genieße die Anfahrt, die sich oftmals wie eine Achterbahnfahrt anfühlt, so sehr wird das Boot von den Wellen geschaukelt. Aber mit Wind in meinem Haar und einer warmen Brise bin ich ja absolut happy mit dem Leben.

    Man kann hier wunderbar baden, auch wenn das Wasser fast ein wenig zu warm ist. Wohlgemerkt fast! Auch hat es hier für mich die perfekte Mischung zwischen „gar nix los“ und „überfüllt“, es sind einige Touristen da, aber es gibt reichlich Platz für jeden. Der Tag wird rundum gemütlich und auch das Wetter beschert mir einen regenfreien Festtag!

    Es ist toll, hier die Cafés zu erkunden und den kleinen Spazierweg zur Tropfsteinhöhle entlangzugehen, den Dutzende von Affen belagern. Hier in Thailand sind die Tiere so friedlich und lassen einem in Ruhe, nicht so wie auf Bali. Mein Handy ist also auch sicher! Ich entdecke noch die Tropfsteinhöhle mit ihren schönen Stalagtiten und – miten in fantasievollen Formen und erreiche dann just in time das letzte Boot. Wenn der Ausstieg auf der Insel mit Sprung ins Wasser schon legendär war, so ist es der Einstieg umso mehr – der Wellengang ist mittelmäßig stark, jedoch liegen die Boote mitten im Wasser. Ich steige einfach im Bikini ein, meine Tasche über dem Kopf tragend, denn wir werden bis zum Bauchnabel nass. Fast wie in Costa Rica, wo wir letztes Jahr im strömenden Regen mit Schuhen in Bahia Drake vom Boot in die Brandung springen mussten. Ich schüttle innerlich den Kopf vor Vergnügen und finde diesen Tag einfach herrlich!

    Ich bin einfach mal 365 Tage auf Reisen und es ist ein wahres Fest!
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  • Day364

    Endlich Thailand!

    August 1 in Thailand ⋅ 🌧 29 °C

    Für das Land, in dem ich mindestens einen Monat bleiben wollte, habe ich wegen all der Verzögerungen zu meinem großen Bedauern nur noch 2 Wochen. Aber anstatt mein Programm durchzupreschen, specke ich es weiter ab. Mein immer langsameres Reisen soll nun noch langsamer werden. Mehr noch: Mit dem Überschreiten der Grenze erkläre ich mein Herumreisen für (quasi) beendet! Nun ist ausnahmslos Zeit für Urlaub und meine innere Reise - auch meiner inneren Rückreise.

    Der Grenzübertritt selbst mit Minivan ist geschmeidig wie noch nie zuvor und viel schneller als ich angenommen habe, befinden wir uns im „Land des Lächelns“. Spontan lasse ich meine erste Übernachtung in Hat Yai verfallen und fahre direkt nach Krabi weiter – inspiriert von Brits Bildern von Koh Phi Phi, auf denen mächtige Gesteinsformationen hinter ihr emporragten. Als ich mich mit dem Motorrad-Taxi Ao Nang nähere, dem Küstenort, an dem ich ein paar Tage bleiben werde, weiß ich sofort: Hier bin ich richtig! Links und rechts der Straße thronen gewaltige, zerklüftete Kalksteinfelsen, allesamt begrünt, jedoch – zumindest nach dem Augenschein – außer durch Klettern nicht besteigbar. Dazwischen finden sich Plantagen, kleine Wege oder Siedlungen – oder einfach nur Urwald. Und als wir dann an der langen Strandpromenade entlangtuckern hat mich der Ort vollends für sich gewonnen!

    Auch wenn so Manchem der hier ständig einsetzende Starkregen sicherlich stört (Es ist Regenzeit!), ich jedenfalls freue mich irgendwie darüber und nehme ihn zum Anlass, weniger zu machen, alles entspannt anzugehen, 2 h Massage zu buchen, im Restaurant zu sitzen und die extrem leckeren Thai-Speisen zu genießen. Endlich wieder Mango Sticky Rice! Herrlich! Endlich in Thailand! Nicht nur das Wetter schafft eine entspannte Atmosphäre, in meinem Hostel beispielsweise liegt die Auslastung im Vergleich zu vor der Pandemie bei gerade einmal 20 Prozent.

    Ich spaziere umher, als es mal nicht schüttet, schlendere den Strand entlang, bummle an den vielen Souvenirlädchen vorbei, gehe auf dem Monkey Trail an den Felsenklippen entlang bis zum Pai Plong Beach, ziehe ein paar Bahnen im Pool, höre Musik oder Hörspiel, bearbeite mein Teacher-Training oder mache, was ich am besten kann: Nichts. Denn das geht hier in Thailand ganz wunderbar.
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  • Day363

    Der Charme Georgetowns

    July 31 in Malaysia ⋅ ☁️ 33 °C

    „Woran liegt es, dass das ehemalige britische Straits Settlement solch Anziehungskraft auf Touristen ausübt? Die augenscheinlichste Erklärung ist, dass sich kaum eine andere Großstadt in Südostasien eine vergleichbar kosmopolitische und zugleich nostalgische Atmosphäre bewahren konnte. Noch immer leben Moslems, Christen, Hindus und Buddhisten Tür an Tür, brennen Chinesen abends Räucherstäbchen in den Ahnentempeln ab, während um die Ecke der Muezzin zum Gebet ruft. Hier stehen sie noch, die herrschaftlichen Paläste der englischen Kolonialherren, die Kirchen, Gerichts- und Verwaltungsgebäude und die protzigen Villen der meist chinesisch stämmigen Geschäftsleute.

    In den schmalen, von zweistöckigen Geschäftshäusern, den sogenannten Shophouses, gesäumten Straßen herrscht geschäftiges Treiben. Es wird gehandelt, gefeilscht, gebetet und gegessen. In den offenen Garküchen brutzeln und kochen einige der köstlichsten Leckereien der malaysischen Küche. Dabei geht es stets entspannt zu, und nicht wenige Reisende bleiben hier nach Besichtigung der obligatorischen Sehenswürdigkeiten einfach noch ein paar Tage hängen.“ (Loose Reiseführer Malaysia, S. 244)

    Auch ich verlängere noch eine Nacht und kann keine bessere Beschreibung als die obere finden. Ich genieße einfach die Atmosphäre, gehe zu den Clan-Siedlungen an der Küste, Pfahlbauten im Müll, vorbei an den Tempeln, der Moschee, lasse mir die Füße pediküren und lackieren, probiere mich weiter durch die unaussprechlichen Gerichte der Garküchen. Abends treffe mich noch einmal mit Annie zu einem wundervollen Abschiedsessen. Wir werden uns mehrfach Tschüss sagen und dann doch wieder 5 Minuten weiterreden, weitere 5 Minuten usw., und uns hoffentlich nicht zum letzten Mal gesehen haben.
    Malaysia stellte für mich auf diesem Weg ein Durchreiseland dar, in dem ich nicht so viele verschiedene Orte gesehen habe. Ich weiß jedoch nicht, ob dies der Grund ist, weshalb es so schwer für mich zu erfassen war, dieses Land, das zwischen Modernisierung, Tourismus und unberührter Natur schwebt, geprägt von multikulturellen Einflüssen und strengen muslimischen Regeln, Wirtschaftlichkeit und Toleranz Fremden gegenüber. Was ich dennoch vermisst habe, war die freundliche Offenheit und Zugewandtheit, die mir in Indonesien oder Guatemala begegnet sind. Viele Menschen blieben trotz aller Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft ein wenig reserviert, dennoch angetrieben von chinesischer Geschäftstüchtigkeit. Für mich persönlich sticht ein Merkmal unwiderruflich und ohne Einschränkungen heraus: Malaysia ist ein wahrer Gaumenschmaus!
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  • Day362

    Lost auf dem Penang-Hill

    July 30 in Malaysia ⋅ ⛅ 31 °C

    Der Tag, an dem wir zu dritt den Penang-Hill, einen überaus beliebten Aussichtspunkt, erklimmen, wird Aubrey, Rachelle und mir nicht nur wegen des außergewöhnlich schönen Sonnenuntergangs im Gedächtnis bleiben. Denn als sich die Augen des Sicherheitsbeauftragten weiten und er scharf und tief Luft holt, während ihm Rachelle erklärt, dass eine von uns irgendwo im Dschungel feststeckt, allein, im Dunkeln, im Moment ohne Handy-Empfang, ist unklar, ob dieser Ausflug unfall- und verletzungsfrei ausgehen wird. Um vorwegzugreifen: Ausnahmsweise bin es nicht ich, die sich verlaufen hat, was aber nur ein kleiner Trost war.

    Da wir zum Sonnenuntergang auf dem Gipfel sein wollen, starten wir gegen drei, während Annie an ihrer Toefl-Qualifikation arbeitet. Schnell zeigt sich, dass Rachelle und ich weitaus mehr Pausen benötigen als Aubrey, was nicht nur an unseren Gesprächen liegt. Der Aufstieg auf dem Heritage-Trail mit seinen zig Stufen ist so anstrengend, dass ich kurz denke, es nicht schaffen zu können, Rachelle ebenfalls! Und das, obwohl wir wandern gewöhnt sind. Unsere Kleidung hätte man auswringen können, so hoch ist die Luftfeuchtigkeit und ich verwende schließlich meinen Kimono als Handtuch, so sehr tropft mir mein Schweiß ins Gesicht. Einmal treffen wir noch auf Aubrey, die genauso geduscht wie wir die Aussicht auf der Zwischenstation genießt. Von dort aus jedoch wird sich unsere gemeinsame Wanderung etwas verselbstständigen.

    Es geht weiter den üppig bewaldeten Berg hinauf, eigentlich ist der höchste Punkt nur 833m ü. N. Aber wir müssen unsere Kraftreserven für diese ganzen Stufen anzapfen, werden von einer Fledermaus begleitet, später von Affen und Mücken. Der für 1h 15 min. ausgezeichnete Weg soll von uns nach einer kleinen Extrarunde und zahlreichen Pausen in unrühmlichen 3h bestritten werden. Wir lachen selbst über unsere Leistung. Am vereinbarten Treffpunkt jedoch findet sich keine Spur von Aubrey. So holen wir uns erst einmal frisch gepresste Säfte und genießen den Ausblick (der weiter unten lustigerweise besser war).

    Rachelle und ich wollten eigentlich mit der Standseilbahn hinunter fahren, aber die Schlange davor verrät eine Wartezeit von 1h. Wir gehen zum Tempel hoch und genießen den absolut spektakulären Sonnenuntergang, wir sind uns einig – einem der schönsten, die wir überhaupt in Asien je gesehen haben! Uns erreicht eine Nachricht von Aubrey mit großer Verspätung, dass wir nicht auf sie warten sollen - warum auch immer. Da es nun rasch beginnt dunkel zu werden, erkundigen wir uns doch nach den Bedingungen des Weges. Absolut undenkbar und zu gefährlich sei ein Abstieg zu Fuß, wird uns mitgeteilt – zu viele giftige Schlangen. Überzeugt!, denke ich und wir reihen uns in die ungiftige Warteschlange ein, als uns ein Hilferuf von Aubrey erreicht: „I'm lost in the middle of nowhere.“ Eine Minute später „I'm in Penang Hill trail. I do not see the end. It's dark in the jungle, I don't know how long it's gonna take to get down!“ Wir starren uns an: Scheiße! Warum zur Hölle ist sie einfach alleine abgestiegen?! Im Dunkeln? Dazu überall Schlangen! Als dann der Sicherheitsbeauftragte nach Schilderung der Situation scharf Luft einsaugt und sichtlich besorgt ist, sind wir es noch mehr: „This is not good. That is real jungle out there!“ Rachelle will sofort mit dem Taxi los, sie zu suchen, ich will ihr schreiben, sie muss mit den Füßen aufstampfen beim Gehen. Zum Glück sind wir zu zweit und halten uns gegenseitig davon ab, beruhigen sie.

    Ich bleibe in der Schlange und recherchiere zum Wanderpfad, Rachelle holt Auskünfte der Locals ein. Die einzig vernünftige Möglichkeit besteht darin, mit den Bahn hinunterzufahren und zur Not ein Rettungsteam zu schicken – denn Aubrey ist auf einem reinen Wanderpfad, keine Straße in Sicht, nun immerhin mit Handy-Signal; sie schickt uns regelmäßig updates zu ihrem Standort. Gott sei Dank ist sie NICHT lost, sondern tatsächlich auf dem Pfad, allerdings hat sie noch nicht einmal die Hälfte geschafft. Es ist erst kurz nach 8, aber schon stockdunkel. Wir werden sie 1,5 Stunden später unversehrt, aber emotional erschöpft in der Nähe der Talstation wieder treffen. Erleichterung auf allen Seiten! Ein Motorradfahrer hielt schließlich an und nahm sie mit, nachdem einige andere den scheinbar extrem steilen Weg an ihr vorbei gefahren sind. Im Nachhinein meinte sie, sei dies der beängstigendste Teil gewesen, weil es rutschig und super abschüssig war. Von Schlangen zu hören, wäre noch schlimmer gewesen, denn es hatte ohnehin überall um sie herum gruselig geknackst und geqietscht.

    Nach einer weiteren Stunde ergattern wir ein Taxi, alle ausgehungert, aber um 100 Tonnen Befürchtungen leichter. Jetzt hilft nur noch ein Bier und Laksa-Curry, eine herzliche Verabschiedung, eine Dusche und ein bequemes Bett. Ich finde im Nachhinein übrigens keine Informationen zu Schlangen in diesem UNSESCO-Biosphärengebiet, nur zu Fledermäusen, fliegenden Zibetkatzen und Lemuren, die ich wiederum sehr gerne gesehen hätte ;-) Aber sicherlich nicht nachts allein im Dschungel.

    Diese Geschichte hat durchaus eine Moral – man kann sie sich wohl selbst denken ;-)
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    Traveler

    Krasse Sache😱

    8/11/22Reply
     
  • Day360

    Penang - Hauptstadt des Essens

    July 28 in Malaysia ⋅ ☁️ 30 °C

    Meine nächste Station ist für zwei Dinge bekannt: Streetart und Essen! Zumindest was Letzteres anbelangt, kommen meiner Meinung nach Liebhaber hier voll auf ihre Kosten!

    Ich erreiche Penang, die farbenprächtige und multikulturelle Halbinsel mit ihrer Hauptstadt Georgetown, mit dem Bus erst kurz vor Mitternacht. Auch hier holt mich das Phänomen ein, das ich bereits in KL hatte – es scheint nahezu aussichtslos ein Grab-Taxi zu ordern. Ich zahle also doppelt, indem ich das normale Taxi nehme. Die nächsten Tage wohne ich in Georgetown in einem Airbnb-Guesthouse, froh über mein eigenes kleines Zimmer und die Waschmaschine. Luxus ist Definitionssache!

    Vom ersten Augenblick an gefällt mir das farbenfrohe Georgetown, seine Gässchen mit den vielen Essensständen, die aussehen wie Mini-Freiluftküchen. Das ist das Asien, das ich so liebe! Überall finden sich bunte Schirmchen, Malereien, kleine Shops. Eine Fressorgie beginnt und soll die nächsten Tage nicht mehr aufhören. So probiere ich diverse Roti, Mie- und Curry-Variationen, am Ende sogar zum Frühstück, warmen Soya-Pudding mit Ingwersirup, Curry-Laksa, Penang Laksa, diverse regionale chinesische Suppen, Wantan-Gerichte, Dumplings, ich weiß nicht alles was. Das Essen hier ist richtiges „Soulfood“, es wärmt nicht nur den Bauch und den Gaumen. Die Gewürze, das Gemüse und die Kräuter, die hier verwendet werden, machen die Gerichte absolut köstlich! Dazu gibt es zahlreiche Tipps von Katja, wo ich mit durchfuttern kann. Top! Einziger Nachteil: Die Kapazitäten meines Magens sind begrenzt.

    Es macht einfach Spaß hier unterwegs zu sein, Little India verführt mich zum Kauf eines Kleides und zu Henna-Tatoos... Dann diese wunderschönen chinesischen Häuser, die Opfergaben auf der Straße, die abends verbrannt werden, die auf die ganze Stadt verteilte Streetart. Es ist eine kleine Stadtralley hier ;-) So findet man Ernest Zacharevics „Kids on bicycle“ nicht auf auf der Wand, sondern auch auf Dutzenden Souvenirs. Die Kommerzialisierung vom Künstler stark kritisiert, aber dennoch Teil des Erfolgs Georgetowns.

    Während ich den ersten Tag so alleine vor mich hinschlampere und genieße, Diverses kaufe und sagenhaft viel Essen konsumiere– ich bin ja mittlerweile wieder mit einer Kreditkarte ausgestattet – treffe ich am zweiten Abend Annie wieder, die nun auch in Penang angekommen ist. Gemeinsam mit Rachelle und Aubrey probieren wir uns weiter durch die Fressstände, es gibt vietnamesische Pho, fette Nudeln und malaiische Pfannkuchen, Mojito und Life-Musik – es werden einfach rundum (im wahrsten Sinne des Wortes) schöne Tage!
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  • Day358

    Arise

    July 26 in Malaysia ⋅ ☁️ 20 °C

    With each sunrise, life begins anew. Each new dawn offers fresh beginnings, renewed resilience, and untold possibilities. - Fran Hamilton

    Als die Tage sich hinziehen wie alter Kaugummi und ich meine letzten 100 USD absolutes Notfallbargeld in malaysische Ringgit eintausche (alle 4 WU-Schalter sind natürlich „offline“!), lerne ich die Britin Annie kennen und sofort lieben, als sie mir ihre Nummer mit dem Namen „Annie Bannanie“ schickt. Die Wortzahl, die hier in Zeit und Raum zusammenkommen wird, wird auf ewig ungezählt bleiben. Sie mit einer „ziggy“, ich mit einem schwer ergattertem Tiger-Bier, so umrunden wir mehrfach die hässlichen, nur für den Tourismus gestalteten Häuserblocks, gehen Essen, trinken in der einzigen Bar hier einen Cocktail, erzählen dem anderen aus unserem verkorkstem Leben. Sie ist einer dieser Menschen, die mir sofort ans Herz wächst, und es schafft, dass sich alles etwas leichter anfühlt.

    Während sie noch in ihrer Box schlummert, stehe ich auf, um den Sonnenaufgang in den Plantagen zu sehen. Man stelle sich vor: Es geht erst um 6 Uhr los! Sehr entspannt im Vergleich zu anderen Sonnenaufgang-Touren auf dieser Reise! Wir fahren mit einer kleinen Gruppe los, erneut mit Landrover, und beobachten etwa eine halbe Stunde, wie der Nebel über die kleinen Bäume streicht, wie das Leuchten der Sterne immer schwächer wird, wie sich langsam die Dunkelheit zurückzieht und den anderen Farben des Himmels Platz macht. Als dann die Sonne schließlich hinter den Hügeln hervorbricht und alles in goldenes Licht taucht, bin ich trotz der Schwierigkeiten, die ich hier zu meistern hatte, dankbar an diesem besonderen Flecken der Welt gewesen zu sein. Sonnenauf- und Untergänge, dem Lauf der Sonne zu folgen, es wird sicherlich eines der Dinge sein, die ich Zuhause im Alltag am meisten vermissen werde.

    Dieses Mal sehen wir Teepflücker bei der Ernte und ich bin betroffen, als ich mehr über deren Arbeits- und Lebensbedingungen erfahre: Sie bekommen zwar die Unterkunft gestellt, müssen jedoch meist das Arbeitsmaterial und die Bekleidung selbst anschaffen. Die Teepflücker kommen aus Nepal oder Bangladesch, Malaien selbst möchten die Arbeit hier unter diesen Bedingungen nicht verrichten – sicherlich auch nicht die Britin, der diese riesige Plantage gehört. Die Männer tragen 50kg-Säcke auf ihren Schultern, werden ausschließlich nach Kilo bezahlt, keine Versicherung, keine Vorsorge. Ca. 26-30 sen pro Kilo – rund 15 MYR – 3,30 Euro pro Sack. Ich frage noch einmal nach, glaube, mich verhört zu haben. Aber nein, es scheint zu stimmen. Fairtrade - eine nicht einmal greifbare Perspektive. Diesmal schmeckt der Tee weniger köstlich, die Bitterkeit der Lebensrealität überlagert das Aroma.

    Als ich abends mit Annie groß Essen gehe, halte ich es für meinen letzten Abend, tatsächlich wird aber der 70-Euro teure Expressbrief von Deutschland diesmal eine ganze Woche benötigen... Aber was sind das schon für Probleme im Vergleich, denke ich mir, auch angesichts unseres mehr als üppigen Essens. Da sich in den Cameron Highlands neben Indern und Arabern auch viele Chinesen niedergelassen haben, gilt es hier noch ein typisches Gericht zu probieren: Steamboat! Was ich in China als „Hotpot“ kredenzt bekommen habe, hilft wunderbar gegen die immer kühler werdenden Temperaturen. Man nehme einen Gaskocher und einen großen, zweigeteilten Kochtopf mit zweierlei Brühen, dazu diverse Soya- und Chili-Soßen und eine riesige Platte mit Gemüse, Kräutern, Schrimps, Quallen, Fisch, Hähnchen- und Rindfleisch. Voila. Anschließend rolle man sich aus dem Restaurant, sich schwörend mindestens drei Tage lang nichts mehr zu sich zu nehmen (Wir wissen: Das hält nur bis zum Frühstück!). Auch wenn es nicht den wahren Abschluss der Zeit hier darstellte – zumindest begannen spätestens hier die Tage heller zu werden. Auch wenn dies – so muss ich leider hinzufügen – nur für mich galt, nicht für die Arbeiter der Teeplantage.
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  • Day356

    Von Tanah Rata nach Brinchang

    July 24 in Malaysia ⋅ ☁️ 32 °C

    Mittlerweile habe ich mich schon beinahe häuslich in meiner Koje eingerichtet, von Tag zu Tag auf die neue Kreditkarte wartend. Die Atmosphäre ist wirklich angenehm, es gibt auch genügend Plätze, an denen man Ruhe finden kann. Dennoch: Ich fühle mich wie in „Und täglich grüßt das Murmeltier“, als vier der WU Zweigstellen nicht funktionieren und ich täglich meinen Aufenthalt verlängere. Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt – ich wollte in der Natur sein und wandern. Allerdings gab es in letzter Zeit viele Erdrutsche, vom Wandern alleine wird dringend abgeraten, auf Gesellschaft habe ich wenig Lust. Es regnet fast jeden Tag und noch nie habe ich das Motto "Abwarten und Tee trinken" so wörtlich genommen wie hier. Mein Leben besteht demnach aus Essen, Trinken und rumlungern...

    Ich gehe irgendwann von Tanah Rata nach Brinchang, einfach aus Mangel an Alternativen. Vorbei an den vielen schlafenden Hunden, Bausünden und dem ganzen Müll, der sich hier überall findet. Nach meinem Abstecher zum Wasserfall geht es an einigen Erdbeerplantagen vorbei, eher touristisch als effizient, mehr sauer als süß. Beim englischen Smokehouse will ich nur so lange Mittagessen, wie ich die Preise sehe und ziehe weiter. Am Golfplatz vorbei bis zum buddhistischen Tempel, nach kurzer Essenspause warte ich am Hindu-Tempel auf Jhons Fahrdienst.

    Alles in allem muss man sagen, dass diese Landschaft durch diverse Bauprojekte ziemlich verschandelt wurde. Ein Hügel fehlt laut Appu heute komplett, wurde durch eine Wohnsiedlung ersetzt, und dann glorreich „Golden Hill“ benannt. Welch Ironie, denke ich noch, man benennt Dinge einfach glamourös und hofft, dass in ein paar Jahren alles vergessen ist. In ein paar Jahren allerdings ist wohl auch der Mossy Forest vergessen, der Coral Hill und die Wunder der Natur, die man hier noch antreffen kann, aber denen man die unbarmherzige Hand des Menschen schon deutlich anmerkt. Aber mir steht es nicht zu zu urteilen, aus einem Land kommend, in dem jeder Quadratmilimeter vermessen und zugeteilt ist, in dem wir alle Naturgebiete eingezingelt haben, laut schreiend, der Regenwald und die wilden Tiere mögen gerettet werden, aber selbst durchdrehen, wenn ein Wolf in unseren gerechten und gehegten Wäldern gesichtet wird.
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  • Day355

    Wandern in den Highlands - trail no 10

    July 23 in Malaysia ⋅ ⛅ 30 °C

    Der erste Versuch, diesen Wanderweg zu begehen, fiel am Vortag im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Marelle, Sandra und ich sind noch am Nachmittag los und wollten, als es bereits leichte Schauern gab, nur einmal schauen, wo der Pfad beginnt. Dann plötzlich wollten wir den Hügel hoch, danach – wo wir schon einmal da waren... und so weiter... Kurzum: Als es laut donnerte und krachte und der Regen in Sturzfluten über uns hereinbrach, sodass meine Schuhe drei Tage zum Trocknen brauchten, kehrten wir so schnell wie es uns möglich war aus dem Wald um. Aus den kleinen Furchen wurden Wasserfälle, aus den Gräben Bäche. Trotz Poncho und Schirmen kamen wir völlig durchnässt an, bereit für Tee und heiße Schokolade.

    Heute sollte es anders sein – Marelle und Sandra mussten leider weiterreisen, dafür finden sich immer mehr ein, die an diesem Tag den Trail machen wollen und letztlich sind wir eine stattliche Gruppe: Ms. Irland, Ms. Dänemark, Mr. Australien, Mr. Niederlande, Ms. Armenien und Ms. Germany auf dem Weg durch den Dschungel, den Berg hinauf und zu den Teeplantagen. Wir sind bereit!
    Den ersten Teil schaffen wir dieses Mal ohne in den Regen zu kommen, nass sind wir dennoch – durch und durch. Denn die Luftfeuchtigkeit ist enorm. Schon beim Anstieg auf den Gunung Jasar verlieren wir Ms. Armenien, der es zu anstrengend ist. Es geht zunächst durch den Wald, über Wurzeln, deren höhere Bestimmung es war, Lufttreppen zu bilden. Wir tropfen regelrecht, obwohl wir zumindest von direkter Sonneneinstrahlung geschützt sind – noch! Wir minus 1 erreichen nach geraumer Zeit den Gipfel, wo unschön ein Stommast in der Landschaft prangt. Dennoch genießen wir den Blick in die Täler drumherum, liegen kurz in der Sonne, essen Kekse und Nüsse.

    Wir minus 2, denn Ms. Irland muss zum Bus, ahnen nicht, welch Herausforderung der nächste Abschnitt darstellen wird. In all den Jahren des Wanderns muss ich gestehen – solch ein Pfad kam mir noch nicht unter. Zunächst ist alles noch angenehm begehbar, doch zunehmend wird das Gebüsch dichter, bis schließlich nur noch ein Loch inmitten den Dickichts passierbar ist. Zu wissen, dass es hier Egel, Schlangen, Nager und anderes Getier gibt, macht den Pfad nicht gerade besser. Wir drücken uns durch das Unterholz, streifen alles, rutschen wiederholt auf dem durchweichten Untergrund aus. Bevor wir das Flußbett erreichen, ist sogar ein unfassbar langes Rattanrohr, an dem wir uns mehr schlecht als recht in Flussbett hinunterarbeiten. Es ist eher wie bei Taikeshis Castle, eine wahre Schlammschlacht.
    Als wir nach einer kurzen Pause wieder aufbrechen, befürchte ich zunächst, dass der Weg so weitergehen wird. Aber wir passieren Gemüse- und Obstplantagen, gelangen letztlich auf einen asphaltierten Weg. Es geht vorbei an einem malerischem Dorf und schließlich zu unserem Ziel – den Teeplantagen. Ringherum grün. Ringsherum diese wunderbaren Teebäumchen, denen man weißen, grünen und schwarzen Tee abgewinnt, je nach Ernte- und Verarbeitungsform.
    Wir vier haben gleichermaßen das Gefühl das Hobbitland zu betreten, diese Hügel, diese Plantagen, alles sieht nahezu unecht schön aus. Zwei Mal setzten wir uns über Verbotsschilder hinweg, folgen dem Pfad, der uns schließlich zum Teahouse 1 führt. Ganz britisch genießen wir Scones und eine Tasse Tee, als es draußen zu regnen anfängt. „Was haben wir für ein Glück heute!“, denke ich mir, als ich meine Tasse nachschenke und beim Gedanken an meine klatschnassen Turnschuhe denken muss. Hier im Hobbitland jedoch kann es natürlich nur happy endings geben ;-) und somit deklariere ich meine Pechsträhne für beendet.
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  • Day354

    Die grünen Hügel der Cameron Highlands

    July 22 in Malaysia ⋅ ☁️ 29 °C

    Wenn Bäume sprechen könnten, was würden sie uns über die vergangenen Jahrzehnte oder Jahrhunderte erzählen?

    Ich erreiche die Cameron Highlands erst nach Sonnenuntergang, nach meinem Western-Union-Debakel. Zwei Tage verkrieche ich mich meist den ganzen Tag in meiner „Koje“ im 10er Dorm, ich spreche kaum mit jemanden, gehe essen, unternehme kleine Spaziergänge, schlafe viel. Dennoch scheint das Willkommenschild hier wie for mich gemacht. Erst nach zwei Tagen nehme ich an einer Tour zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten teil. Wir starten mit Appu, unserem leidenschaftlichen Landrover-Fahrer, der mit seiner "Freundin" Landrover eines Tages hier starten und über alle Landesgrenzen bis hin nach Großbritannien möchte. Er bringt uns mit seiner "Freundin" zunächst aber nur zum Coral Hill. Hier finden wir einen Moos-Wald vor, uralt, auch teilweise als Wolkenwald bezeichnet.

    Und dann betreten wir einen ganz und gar unwirklichen Wald, der eher einer Fantasy-Film entspringen könnte, als dass er Teil der Wirklichkeit zu sein. Schon die ersten Meter zeigen, dass es sich um einen ungewöhnlichen Berg handelt – jeder Schritt wird vom Waldboden abgefedert. Der Weg ist von gewundenen Baumwurzeln überzogen, um uns herum ist alles moosbedeckt. Appu erzählt uns viel über Flora und Fauna hier und so lerne ich, dass Moos eine äußerst sensible Pflanze ist, die abstirbt, nachdem man auf sie getreten ist. Zudem benötigt Moos drei Jahre, um nur einen Zentimeter zu wachsen. Entsprechend sind die dicken Moosschichten auf den Bäumen und auf dem Waldboden viele Generationen alt. Wie unbedarft wir oftmals durch die Welt gehen, denke ich, als Appu klar macht, dass der „human monkey“ schon viele Moosschichten hier im Wald kaputtgetrampelt hat – auf der Suche nach einem perfekten Foto-Spot...

    Appu zeigt uns Melastoma, eine Pflanze, die die Blutgerinnung beschleunigt und antispetisch wirkt. Wichtig vor allem im Dschungel, wo es Blutegel und andere unangenehme Tiere gibt. Hier jedoch findet sich nur die grüne Viper, höchst giftig. Mit etwas Glück würden wir heute eine entdecken, meint unser Guide. Ich hoffe, dass ich heute diesbezüglich genauso viel Glück habe wie mit meinen Bankgeschäften. Und was soll ich sagen, immerhin die Schlangen blieben uns fern!

    Nach etwa 1,5 Stunden geht es für uns weiter auf die berühmte Teeplantage der Cameron Highlands, BOH Tea. Die Szenerie ist so sagenhaft, dass ich gar nicht weiß, wohin ich als nächstes schauen soll. Auch diese Hügel wirken ein klein wenig wie aus einem Hobbit-Film! Ich bin in einem Traum aus Grün gelandet und als ich kurz darauf noch gemeinsam mit der Französin Marelle den Superior Tea der Highland mit einem Stück Kuchen probiere, fühle ich mich wie wiederbelebt.

    Es grünt so grün in Malaysia!
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  • Day352

    Glühendes Kuala Selangor

    July 20 in Malaysia ⋅ ☁️ 30 °C

    Abends holt mich LG ab, mein Fahrer und Guide mit indischen Wurzeln. Zunächst steuern wir den Tempel Sri Shakti an, wo er mich als Hindu mitnimmt und mir die Zeremonie erklärt, die gerade durchgeführt wird. Zunächst denke ich noch, dass die draußen stehende Kuh Salbe auf die Haut geschmiert bekommt, bis ich feststelle, dass dies eine Bemalung darstellt. Eine Kuh als Zeremonienportagonist – das habe ich wahrlich noch nie in meinem Leben gesehen und ich beobachte alles begeistert! Und tatsächlich wird die Kuh in den Tempel geführt und in den Ritus integriert, woraufhin sie im Uhrzeigersinn das Tempelinnere passiert. Kühe, so erklärt mir LG, sind überaus wichtig für die Hindus, da sie gut für die Menschen sorgen. Menschen geben der Kuh Wasser, aber im Austausch gibt die Kuh Milch und Dung zurück. LG preist den Tempel in höchsten Tönen an, es seien seinerzeit extra Steinmetze und Bildhauer aus Südindien gekommen, um all dies von Hand zu gestalten. Mir aber kommt es so vor, als ob dies simpler Massenproduktion entspringt. Dennoch ist es ein heiliger Ort und ich erfahre mehr über die unterschiedlichen Götter, die hier angebetet werden. Dabei werden die Steinstatuen immer auch in echte Kleidung gehüllt, erhalten ebenfalls Ketten und Kopfschmuck.
    Wir machen danach einen Abstecher zum Hügel Melawati mit Aussicht auf die Straße von Malakka, wichtige Handels- und Transportroute Malaysias. Hier findet sich alles von Affen belagert, die Wege und Treppen sind voll, die sitzen entlang der Parkplätze, die hangeln sich von Ast zu Ast. Die Sicht ist leider nicht die beste, einen Sonnenuntergang gibt es auch nicht, ich sehe lediglich einen Teil der Wasserstraße und den Leuchtturm, der noch aus Zeit der Kolonialisierung stammt.
    Wir erreichen Kuala Selangor zu Einbruch der Dunkelheit. Für die Bootsfahrt, bei der wir die Glühwürmchen zwischen den Berembang-Bäume sehen sollen, müssen wir Schwimmwesten anziehen. So fahren wir einige Minuten entlang des Mangrovengebiets am Ufer des Flusses Selangor entlang, bis es in den Bäumen um uns herum beginnt zu glitzern und zu funkeln. Tatasächlich ist alles voll von den wundersamen leuchtenden Tierchen! Manchmal blinkt es so intensiv, dass ich mich an Weihnachtslichterketten erinnert fühle. Das anschließende Erleben des fluoreszierenden Planktons, indem wir mit Cachern im Wasser herumstochern, hingegen begeistert mich nur wenig. Denn eines der Highlights meiner Mexiko-Tour als Sorrel, Ceciel und ich nachts in Chacaua in das leuchtende Wasser gesprungen sind und um uns alles geleuchtet hatte, war einfach nicht zu toppen.
    Ich erinnere mich jedoch unweigerlich an meine erste Sichtung von Glühwürmchen in den USA. Wir waren in Kanas und Missouri bei Freunden zu Besuch, meiner Kinderfreundin Teena. Abends zeigte sie mir die Glühwürmchen im Garten, von denen ich kaum glauben konnte, dass solche magischen Insekten wirklich existieren. Dies ist lange her und seitdem habe ich nie wieder Glühwürmchen gesichtet. Inzwischen ist Teena verstorben, da sieht selbst auf den MRT-Aufnahmen in allen Varianten glühte. Schon vor Jahren erlag sie den Folgen ihrer Krebserkrankung, nachdem die Ärzte versucht hatten, die wuchernden Tumore aus ihrem Gesicht zu entfernen. Ich denke an all unsere Briefe und Treffen, unsere Freude darüber eine Freundin gefunden zu haben und ich schicke ihr alle leuchtenden Wesen zum herzlichen Gruß.
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