• Almerimar

    December 30, 2025 in Spain ⋅ ☀️ 15 °C

    Vor der Abfahrt parken wir noch beim Mercadona auf den extra für Wohnmobile ausgewiesenen Plätzen. Das ist mal Service! Schräg gegenüber noch günstig tanken für 1,21, dann geht es richtig los. Aguilas ist im Baumboom. Die Stadt dehnt sich immer weiter aus, überall ragen Baukräne auf. Wo es nur möglich ist, parken Wohnmobile. Das Camper Areal Anibal kurz hinter Aguilas platzt aus allen Nähten. Hier kann man an der Tankstelle relativ preiswert tanken, die Tanks entleeren und Wasser auffüllen. Ausserdem werden hier sogar deutsche (komplett leere) Gasflaschen aufgefüllt. Und unsere Tankflasche ebenfalls. Sogar mit Service. Leider passt irgendwie gar nicht so viel rein in unsere Flasche. Oder der Stutzen sitzt nicht fest genug drauf. Immerhin, ein paar Liter fliessen und wir ziehen von dannen. Das Tor zum Stellplatz ist geschlossen, wahrscheinlich voll so wie es dahinter aussieht. So wirklich gutes schwant mir nicht, was unsere Aussichten auf einen Platz in Almerimar betrifft. Wüstenlandschaft, nix wächst hier. Berge oder besser gesagt Hügel liegen links und rechts wie schlafende Urzeittiere. Durchschnitten von den ziemlich neu wirkendenden Strassen. Ab und an linst rechts ein Stück der alten Strasse aus Gräsern und Büschen heraus. Bald wird sie gar nicht mehr zu sehen sein. Es hat ein bisschen was von einer Mondlandschaft. Loses Gestein ist durch den vielen Regen der vergangenen Tage an manchen Stellen bis auf oder an die Strasse gerutscht.
    Die Fahrt geht auf der A7 weiter. Fast eine Autobahn, 4-spurig, in relativ gutem Zustand, aber mautfrei. Wir sehen die Höhlenwohnungen von Almenzora. Die von Guadix sind wohl die bekanntesten in Spanien und wir haben die Stadt 2022 bereits besucht. Hier kann man sie sogar von der A 7 aus sehen.
    80 km vor Almerimar beginnt die Costa del Plastico. Silbrig glitzernd liegen unendlich grosse Plantagen in der Sonne, ziehen sich links und rechts der Strasse bis zum Meer hinunter, umfassen die Ortschaften, hüllen sie ein, lassen ihnen kaum noch Raum. 32000 Hektar und 3 Mio Tonnen Obst und Gemüse sollen hier Jahr für Jahr angebaut und geerntet werden. Ein Grossteil davon landet in Deutschlands Supermärkten. El Ejido war vor 30 Jahren noch ein Dorf und hat nun über 80.000 Einwohner, ist das Zentrum des Anbaus. Unzählige Logistikunternehmen haben sich in der Region angesiedelt. Wasserknappheit, hohe Nitratbelastung, Ausbeutung der Arbeitskräfte, die meist vom afrikanischen Kontinent stammen sind nur einige Schlagworte zu der Region. Wo nix wächst, sind auch keine Plastikplanen, ist der Boden karg wie er eh und je war.
    Nach unzähligen Kreiseln fahren wir dann eine Palmengesäumte Allee nach Almerimar hinunter. Hier ist erstmal kaum noch was zu sehen von den Plastikplantagen, hier herrscht der Tourismus vor, wird Golf gespielt, reihen sich adrette Villen und weniger adrette Ferienwohnungskomplexe aneinander. Schilder weisen darauf hin, dass in allen Strassen ein absolutes Parkverbot für Wohnmobile etc. besteht. Interessiert aber irgendwie niemand. Überall stehen welche, vor allem auf den grossen Parkplätzen zwischen den Wohnkomplexen. Denn - oh Überraschung - die beiden Stellplätze, die vom Hafenbüro verwaltet werden, sind voll! Da hätten wir schon früher kommen müssen, so um 9, 10 Uhr heut früh. Ja klar, weil da auch noch was frei gewesen wäre. Schon erstaunlich - viele schimpfen über die Plätze in Almerimar, aber dennoch sind sie rappelvoll. Was natürlich auch am bevorstehenden Jahreswechsel liegt. Hämische Blicke folgen uns, als wir unverrichteter Dinge wieder fahren. Die meisten sitzen vor ihren Mobilen in der Sonne, gucken auf die Mega-Yachten, die den Wert eines Wohnmobils um das zigfache übersteigen. Selbst der sonst gern verschmähte Platz hinterm Winterlager des Hafens sei voll erklärt uns der Hafenmeister. Übrigens immer noch derselbige, der uns schon vor 12 Jahren geärgert hat. Hier im Office arbeiten definitiv Menschen, denen der Begriff Gastfreundlichkeit fremd ist. Aber vielleicht stehen einfach nur zu viele Menschen mit abstrusen Wünschen tagtäglich hier auf der Matte. Immerhin erklärt er uns, dass wir für 5 Euro entsorgen könnten und dass wir - wie viele andere Camper auch - auf einen der Parkplätze entlang des Strandes fahren sollen. Ja, es sei offiziell verboten, werde aber im Winter toleriert. Na, da haben wir aber Glück gehabt. Auf dem nächst gelegenen, geteerten Parkplatz stehen schon einige Kumpane von Rosinante und wir suchen uns ebenfalls ein Plätzchen. Die Freunde, die hier die Lavanderia betreiben, treffen wir leider nicht mehr an. Gibt es also morgen früh ein Wiedersehen!
    Die Sonne versinkt im Wolkenband überm Meer, der Wind weht hier deutlich stärker. Und fast vermissen wir "unser" Aguilas ein klein wenig.
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