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  • Day150

    Bukit Lawang / Lake Toba (Sumatra II)

    January 14 in Indonesia ⋅ ⛅ 23 °C

    Nach den wunderbaren Tagen auf Pulau Weh stehen uns in Sumatra mit Bukit Lawang und Lake Toba noch zwei weitere Highlights bevor.

    Bukit Lawang ist ein kleiner Ort, wird von einem pitoresken Fluß durchzogen und liegt mitten in einem rießigen Naturschutzgebiet. Das Dorf ist bekannt als Basis um von hier aus Orang Utans in freier Wildbahn beobachten zu können und so machen wir uns mit zwei Holländern und zwei lokalen Guides auf zu einer dreitägigen Wanderung durch den indonesischen Dschungel.
    Es geht durch dichten Wald, über reißende Flüsse und gefühlt deutlich mehr bergauf als bergab. Wir schlafen in provisorischen Camps, errichtet aus Ästen und Plastikplanen, ausgestattet mit Moskitonetz, Isomatte und Inter Mailand-Bettdecken. Mehr gibt es nicht, denn mehr braucht es auch nicht. Fließendes Wasser bietet der nahegelegene Fluss, wir benutzen die Dschungeltoilette und die Guides wissen nicht nur wo es langgeht, sondern kochen auch noch hervorragendes Nasi Goreng über offenem Feuer.

    Insgesamt leben in der Gegend 7 verschiedene Affenarten und wir haben das Glück 4 davon in freier Wildbahn zu sehen. Neben zwei Makaken-, einer Lemuren- und einer Gibbon-Spezies treffen wir tatsächlich auch mehrfach auf verschiedene Orang Utans, die hier zwar frei leben, durch eine ehemalige Rescue-Station und die Touren allerdings an Menschen gewöhnt sind und sich deshalb nicht unbedingt vor uns verstecken.
    Mit dabei sind auch die mehr oder weniger berüchtigten Mina und Jacky, die mit ihrer offensiven, teils agressiven Art an Nahrung zu gelangen über die Grenzen Sumatras hinaus einige Berühmtheit erlangt haben. Selbst unsere Guides mit ihrer jahrelangen Erfahrung haben ordentlich Respekt und treten ihnen nur mit Zwille und Stock, sowie einer ganzen Ladung Früchten zur Besänftigung bewaffnet gegenüber.
    Und auch wenn wir merken, dass die Orang Utans genau wissen wo sie ein paar Stücke frisches Obst abgreifen können, ist es doch ein tolles Erlebnis die beeindruckenden Menschenaffen in ihrer natürlichen Umgebung zu erleben. Zu sehen, wie sie sich von Ast zu Ast hangeln, von Baum zu Baum schwingen und in ihre doch sehr vertraut menschlichen Gesichter zu sehen.

    Den Tobasee erreichen wir anschließend nach einer wilden halbtägigen Fahrt in einem Überlandtaxi, das wir uns mit einer norddeutschen Lehrerin teilen, die vor ihrem Sabbatical die Habseligkeiten im gleichen Harburger Storage untergestellt hat wie wir. So fahren wir als quasi nachbarschaftliche Transportgemeinschaft kreuz und quer duch Sumatra während unser Fahrer verzweifelt versucht den Weltrekord im Dicht-Auffahren und waghalsigen Überholen zu brechen. Uns stockt mehrfach der Atem und wir halten uns regelmäßig die Augen zu, und sind schließlich heilfroh, dass wir auf halbem Wege seine Frau einsammeln, die uns liebevoll als Mama vorgestellt wird und zur Begrüßung erstmal einen Kuss auf die Wange und einen Klaps auf den Hintern bekommt. Es scheint als hätte sie durch ihre bloße Anwesenheit Mr. Hyde zu Dr. Jekyll verwandelt, denn von nun an fährt uns der eben noch wie verrückt rasende Taxifahrer entspannt und wie ausgewechselt bei mittlerer Drehzahl ans Ziel (wir werden sogar das ein oder andere Mal überholt). Ein beeindruckendes Beispiel für eine subtile, potentiell lebensrettende weibliche Einflussnahme.

    Lake Toba ist der größte Kratersee der Erde und soll vor ca. 70 000 Jahren entstanden sein, als vermutlich der größte Vulkanausbruch der letzten 2 Millionen Jahre zu einer Abkühlung des Weltklimas um 3-5 Grad Celcius führte. Das Besondere hier sind neben dem rießigen See selbst die traditionellen Häuser der Einheimischen und die schwarze Magie, die angeblich immer noch praktiziert wird und überall präsent sein soll. Davon bekommen wir zwar (leider) nichts mit, die Landschaft ist aber trotzdem beeindruckend schön und die Ausblicke über den See grandios.

    Als besonderes Ereignis wird uns eine Begegnung mit ein paar Soldaten in Erinnerung bleiben, die uns nach Abwechslung suchend auf unserem beschwerlichen Weg zu einem Aussichtspunkt (über eine aus unzähligen Schlaglöchern zusammengesetzte Straße) freundlich zuwinken und auffordern anzuhalten und abzusteigen.

    Was für uns als anfänglich etwas unsichere und schwer einzuschätzende Situation beginnt, entpuppt sich schließlich als eine Einladung zum Kaffee mit vielen netten und freundlichen Gesichtern die Witze über ihre Ränge und Abzeichen machen, sich mit uns über Deutschland, Fußball und ihre Auslandseinsätze mit den Vereinten Nationen in der ganzen Welt unterhalten und die uns nach einer Stunde eine gute Fahrt zurück ins Hostel wünschen. Ein wunderbares abschließendes Erlebnis für unseren ersten Aufenthalt in Indonesien der unsere Vorfreude auf unseren Besuch im indonesischen Raja Ampat im Februar noch steigert.

    Aber nun wartet erst einmal Myanmar auf uns und wir freuen uns auf ein Land, das sich erst seit gut 10 Jahren langsam für die Welt öffnet, auf buddhistische Pagoden im magischen Bagan und die angeblich schönsten Sonnenaufgänge der Welt.
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