• Fontevraud-l'Abbaye

    May 30, 2018 in France ⋅ ☁️ 22 °C

    Abbaye royale Notre-Dame de Fontevraud.

    Die Abtei von Fontevraud, auch unter dem Namen „Klosterstadt“ bekannt, gilt als größtes klösterliches Gebäude Europas. Das außergewöhnliche architektonische Gesamtwerk wurde auf einem Gelände von 14 Hektar erbaut.
    Die Konzeption als gemischtes Kloster bestand zunächst unter Vorrangstellung der Frauen. Später existierten zwei getrennte Klöster nebeneinander, dann schließlich vier:

    „Le Grand-Moûtier“ war für die Chorschwestern, die sich ganz dem Gebet weihten, und für das Hospital „Saint Benoît“ bestimmt,
    „La Madeleine“ für die Laienschwestern, die sich ausschließlich der Abtei widmeten,
    „Saint-Lazare“ für die Nonnen, die Lepröse (Lepra-Kranke) pflegten und
    „Saint Jean de l’Habit“ für Männer, Brüder und Priester, die abseits des Frauenklosters lebten.
    Während die Frauen sich innerhalb einer strengen Klausur ausschließlich dem Gebet widmen sollten, waren die notwendigen Arbeiten Sache der Männer; bei ihnen lebten Kleriker und Laien ohne Trennung zusammen. Robert von Arbrissel, der den Abtstitel ablehnte, stand zunächst der gesamten Gemeinschaft als Magister vor. Er ging stets barfuß und trug Kleider aus grobem Tuch. Die Gemeinschaft von Fontevraud erhielt gewaltigen Zulauf aus allen Volksschichten; vor allem aber suchten verstoßene Ehefrauen, Prostituierte und sogar Aussätzige Zuflucht bei Robert von Arbrissel. Von 1115 an und sieben Jahrhunderte lang sollten nun, dem Willen des Gründers entsprechend, an der Spitze des Ordens 36 Äbtissinnen aufeinander folgen. Die Abtei war exemt, also keinem Bischof, sondern unmittelbar dem Papst unterstellt.

    Das Kloster hatte von Anfang an eine starke Verbindung zum Haus Plantagenet, den Grafen von Anjou: Sie förderten dieses Kloster besonders und bestimmten es zu ihrer königlichen Grablege. Eleonore von Aquitanien zog sich im Alter in dieses Kloster zurück und liegt auch dort begraben. Das Kloster beherbergt ebenfalls die Gräber ihres zweiten Mannes Heinrich II. von England, des gemeinsamen Sohnes Richard Löwenherz und der Ehefrau seines jüngsten Sohnes Johann Ohneland, Isabella von Angoulême.

    Das Kloster wurde im Zuge der französischen Revolution aufgelöst. Nachdem im August 1792 die Auflösung und die Veräußerung des kirchlichen Gutes beschlossen worden war, verließ die letzte Äbtissin Julie-Gillette de Pardaillan d’Antin das Kloster am 25. September 1792.

    Die ehemaligen Klostergebäude sind weitgehend erhalten, auch wenn sie durch die Jahrhunderte in veränderten Stilrichtungen neu erbaut wurden. Hervorzuheben sind das romanische Küchengebäude sowie der Kreuzgang im Stil der Renaissance aus dem Jahr 1522 mit dem Kapitelsaal und dem Refektorium.
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