• Schloss Les Milandes

    30. september 2025, Frankrig ⋅ ⛅ 19 °C

    Schloss aus dem 15. Jahrhundert und ehemaliger Wohnort der Tänzerin, Sängerin und Résistance-Kämpferin Josephine Baker.

    Die letzten beiden Bilder zeigen das Ende in Milandes.

    Es war ein Foto, das 1968 die Welt erschütterte. Auf der Stufe vor einer verschlossenen Tür sitzt Josephine Baker, ohne jeden Glanz und Glamour früherer Zeiten, die Augen versteckt hinter einer schwarzen Sonnenbrille, den einst so bewunderten Körper bedeckt mit einer karierten Wolldecke. Während einer Tournee war ihr Anwesen, so heißt es, zu einem Siebtel seines Wertes zwangsversteigert worden, um aus dem Erlös die Forderungen der Gläubiger zu bedienen. Seit Jahren schon litt sie unter Geldsorgen, sie, die Geld wenig schätzte und großzügig verschwenderisch für das ausgab, was ihr wichtig schien: den Unterhalt, die Erziehung und Ausbildung ihrer „Regenbogen-Familie“. Zwölf Kleinkinder hatte sie, die selbst Kinderlose, von ihren globalen Gastspielen mitgebracht und adoptiert, Waisen aller Nationen, Ethnien und Religionen. Einen Ort der Gleichheit und Brüderlichkeit wollte sie ihnen schaffen und damit beweisen, dass Menschen unterschiedlichster Herkunft sehr wohl friedlich zusammenleben können. Dazu hatte sie mit den nicht unbeträchtlichen Einnahmen ihrer weltweiten Auftritte Schloss Les Milandes in der Dordogne erst gemietet, dann gekauft. Es wurde zum Treff vieler Prominenter, die Josephine Bakers soziales Engagement schätzten. Feste gab es dort, Kunstereignisse, Konferenzen zu Antirassismus und Multikulturalität, auch das umliegende Dorf wurde einbezogen. Eine wunderbare Idee, ein edles Ideal – das jedoch Unsummen verschlang.

    Geldprobleme zwingen sie nach dem wiederholt verkündeten Bühnenabschied immer wieder zu Auftritten, so auch 1968 im Friedrichstadt-Palast Berlin. Dennoch kann sie Schloss und Familie nicht halten. Im April 1975 erlebt zu ihrem 50-jährigen Bühnenjubiläum im Pariser Bobino „Joséphine“ eine glanzvolle Premiere, eine Show, die in 33 Nummern Rückschau auf Stationen ihrer Karriere hält. Im Glitzerkleid mit Schleppe und Kopfschmuck schreitet der Star zwischen Herren im weißen Frack die Revuetreppe herunter, gibt nach der Show noch ein Interview. Wenige Tage danach stirbt die Baker an einem Schlaganfall und wird in Monaco, wohin sie von Les Milandes mit ihrer Familie umgezogen ist, beigesetzt. Auf Veranlassung von Präsident Macron erhält sie 2021 als erste Schwarze ein Ehrengrab im Pariser Panthéon, Frankreichs Ruhmeshalle und Grabstätte Prominenter wie Napoléon. Als „schwarze Venus“, Publikumsgöttin und unermüdliche Kämpferin für die Rechte von People of Colour bleibt sie unvergessen
    Læs mere