• Ella Ø

    Yesterday in Greenland ⋅ ☁️ 4 °C

    > das Setzen falscher Prioritäten nimmt die notwendige Flexibilität für das eigentlich Wichtigere <

    Neben der großartigen Natur Spitzbergens und Ostgrönlands war die Möglichkeit, eine Sonnenfinsternis in der Totalitätszone zu erleben, einer der Höhepunkte der Reise. Für viele sogar der ultimative Höhepunkt und der eigentliche Grund, diese Reise zu buchen. Und so war dieser 12. August auf jeden Fall ein ganz besonderer Tag. Es war schon ein bisschen enttäuschend, dass nach einer langen Phase herrlichen Sonnenscheins genau für diesen Tag ein Wetterumschwung angekündigt war. Aber wer die Wetterverhältnisse in dieser Region schon erlebt hat, der weiß, dass selbst wenn an einer Stelle dichte Wolken sind, ganz in der unmittelbaren Nähe die Sonne scheinen kann.

    Insofern war ich dankbar, dieses Ereignis auf einem Schiff erleben zu dürfen, das ja bauartbedingt die Flexibilität hat, auch kurzfristig eine in der Nähe gelegenene Position anzufahren, die den direkten Blick auf die sich verdunkelnde Sonne ermöglicht. Und ich war mir absolut sicher, dass seitens der Reederei alles, aber wirklich auch alles getan würde, ihren Gästen dieses Erlebnis zu bieten. Schließlich wurden ja auch genau für diesen Zweck die notwendigen Schutzbrillen verteilt.

    Umso verwunderter war ich, dass diesem für viele Gäste möglicherweise „Once in a Lifetime“-Ereignis in der Planung des Tages dann offensichtlich doch so wenig Bedeutung beigemessen wurde. Statt dessen wurde stur an dem üblichen Programm festgehalten und genau für die Zeit der Sonnenfinsternis eine Anlandung auf der Insel Ella Ø geplant. Mit dem Effekt, dass bei den Ereignis manche an Bord, manche an Land und manche Gäste gar auf Zodiacfahrt waren.

    Mir ist bewusst, wie schwer es die örtlichen Behörden dem Expeditionsleiter machen und dass er sein Programm leider nicht so gestalten kann, wie es eigentlich optimal wäre. Aber die Flexibilität, an einem so seltenen und besonderen Ereignis wie diesem auf einen Landgang zu verzichten, die hätten die Verantwortlichen der Hanseatic Nature auf jeden Fall gehabt. Denn dass Landgänge auch sonst immer mal ausfallen können, hatten wir ja schon am Morgen erlebt, weil der Wind zu stark war.

    Und so kam es wie es kommen musste. Während die Anlandung auf der Insel -nach meinem Dafürhalten zudem noch die uninteressanteste der ganzen Reise- stur nach Schema F abgespult wurde, strahlten die Berge rechts und links des Schiffes während der Sonnenfinsternis in schönstem Sonnenschein. Doch wegen des laufenden Zodiac-Einsatzes waren dem Kapitän die Hände gebunden, seine Position zu ändern. Da kam unter den Gästen schon etwas Unmut auf. Um es mal ganz, ganz vorsichtig auszudrücken.

    Ganz sicher waren die drei Minuten totaler Dunkelheit unter der dichten Wolkendecke auch ein beeindruckendes Erlebnis. Aber es hatte schon weh getan, mitzuerleben, wie dieses Ereignis ganz in der Nähe ohne störende Wolkendecke noch viel beeindruckender gewesen wäre.

    Dass auch das Hotel Department es nicht für nötig gehalten hatte, dem Ereignis und den Gästen durch das Anbieten eines wärmenden Getränks einen besonderen Rahmen zu geben - geschenkt.

    Solche Gedanken haben wohl auch nur noch die Nostalgiker, die den alten wertschätzenden Hapag-Lloyd-Gewohnheiten nachtrauern.
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