• Nadi III

    3 hours ago in Fiji ⋅ ⛅ 31 °C

    Zu heute gibt’s wenig zu schreiben. Schlecht geschlafen, weil mich ein Gedanke nicht losgelassen hat – dazu später. Im Hotel gefrühstückt, Fahrrad ausgeliehen und meine Wäsche zur Wäscherei gebracht, einkaufen gewesen und mein Geld von meiner Gastmutter abgeholt. Dann zurück. Gefaulenzt. Die fertige Wäsche wieder mit dem Rad abgeholt (das war heiß, sag ich euch). Weiter gefaulenzt. Dann Abend gegessen. Und mich an den Strand gesetzt. Den Sonnenuntergang genossen, während ich das hier schreibe. Später geht’s ins Bett.

    Was mir nicht aus dem Kopf ging? Meine Gastmama hatte anscheinend schon länger diese Schmerzen. Und zufälligerweise einen Tag, nachdem ich sie gezahlt habe, fährt sie ins Krankenhaus. Ich nehme an, ich habe ihnen das Geld dafür gezahlt. Und ich muss sagen: Ich hab’s gern gezahlt. Auch wenn ich mir für das Geld vermutlich drei Nächte in einem guten Resort leisten könnte. Aber da kommt das Geld bei den richtigen Leuten an.

    Jetzt kann ich – nachdem ich diese Temperaturen dort einfach nicht mehr ertragen habe – in ein mehr oder weniger gutes Hotel gehen, während Sie sich weiter mit einem Kübel aus einem Fass duschen. Sie weiterhin vor allem in der Trockenzeit massiv Wasser sparen müssen, nur tagsüber Strom haben (um nachts mit Batterien Licht zu haben). Und überall diese kack Ameisen.
    Sie können nicht einfach sagen: „Ich brauch mal kurz Abstand“ und sich irgendwo ein Zimmer mit Klimaanlage buchen. Sie werden vermutlich nie ihren Traum verwirklichen, Designer zu werden, oder – gelinde gesagt – nie die Möglichkeit haben, ihren Breitengrad zu verlassen. Sie sind, um es einmal sehr hart zu sagen, auf der falschen Seite der Welt geboren worden, um dieses Leben zu leben.
    Aber gleichzeitig hatte ich dort nie das Gefühl, dass sie unglücklich sind. Im Gegenteil. Sie lachen viel. Sie sitzen in der Familie und im Dorf zusammen. Sie leben im Moment. Vielleicht sind sie sogar glücklicher als wir. Vielleicht.
    Oder vielleicht wissen sie einfach nicht, wie viel mehr es geben könnte. Und ich weiß nicht, welcher Gedanke davon schwerer wiegt.

    Hinter mir findet gerade eine Feuershow für die Hotelgäste statt, die sich alle freuen, das „wahre Fiji“ zu erleben. Hm.
    Ich saß gestern in meinem Hotelzimmer und musste weinen, weil ohne meine Buchung sich Maria den Arztbesuch vielleicht nicht hätte leisten können. Ich musste weinen, weil ich jetzt wieder in einem Hotelzimmer sitzen kann – mit Klimaanlage, Dusche und der Aussicht, nein, der Gewissheit, dass wenn alles im Leben schiefgeht, ich trotzdem noch mehr Möglichkeiten habe als manche andere Menschen in ihrem ganzen Leben je haben werden. Egal, wie sehr sie sich anstrengen.
    Ich musste weinen, weil mir bwusst wurde welche Privilegien, ich täglich genieße. Beginnend bei sauberem, fließendem Wasser über die Möglichkeit einer gut bezahlten Arbeit bis hin zu einem funktionierenden Gesundheitssystem. Machen wir uns nichts vor. Natürlich weiß man, dass es diese Zustände auf der Welt gibt. Aber sie zu erleben, lässt einen nochmal anders darauf schauen.

    Ich werde in ein paar Tagen in ein Flugzeug steigen und weiterreisen. Neue Länder sehen, neue Kulturen kennenlernen. Leute treffen, die das Gleiche machen. Irgendwann heimkommen. Hoffentlich wissen, was ich vom – oder im – Leben will. Ich werde irgendetwas machen. Vielleicht irgendwann mal wieder nach Fiji kommen (nur in der Trockenzeit 😂).

    Und Maria, Jolami und ihr Neffe Ben?
    Maria wird wie jeden Morgen um 5:30 Uhr das Feuer im Holzofen anzünden, um Wasser zu kochen. Ben wird mit Touristen Haischnorcheln gehen und sie um die Insel führen. Und Jolami fährt raus, um Fische zu fangen. (Außer es regnet – dann hat er nämlich keinen Bock, nass zu werden, und bleibt daheim.)
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