Joined January 2018
  • Day402

    Ein Roadtrip ist nicht immer Glamping.

    October 2, 2019 in Germany ⋅ 🌧 9 °C

    Ein Roadtrip heißt, auch mal vier Tage ungeduscht zu sein, drei Tage Nudeln zu essen, sich seinen Thron auf dem Plumpsklo zu bauen, fettige Haare und unrasierte Beine zu haben.  Ein Roadtrip heißt Deoduschen, plattgesessene Pobacken vom Autofahren, monatelang denselben Pulli zu tragen, weil er der einzige zivilisations- und wettertaugliche ist und im Sommer nur geschmolzenen Käse essen zu können. 

    Ein Roadtrip zu zweit heißt außerdem, wochenlang 24 Stunden beieinander zu sein und auch mal keine Tür zu haben, hinter der man sich verkriechen kann. Es heißt Dinge aussprechen zu müssen, statt runter zu schlucken, sich Unbequemlichkeiten und eigenen Grenzen zu stellen, auf Privatsphäre zu verzichten und keinen Pups verheimlichen zu können.  

    Aber viel mehr als das bedeutet ein Roadtrip, alle Freiheiten zu haben. Ein Nickerchen zwischen Prairie Dogs, Aufwachen mit Meerblick und sich an abgelegene Zipfel zu verfahren und in diese zu verlieben. Das Esszimmer mit dem schönsten Ausblick zu haben, sich auf die beste Art und Weise von allen möglichen Reizen überfluten zu lassen, auf wunderbare Menschen zu treffen, wenig zu brauchen und alles zu haben. Festzustellen, dass der Garten vor der eigenen Komfortzone viel Schönes zu bieten hat und Nudeln auch beim dreißigsten Mal noch neu entdecken zu können, weil man einen Meisterkoch an der Seite hat.

    Es heißt, sich als Paar aufeinander zu verlassen und Kompromisse zu finden. Den anderen mit all seinen liebenswerten Eigenarten zu schätzen und deshalb die Kanten der Ski nach einem Tag auf der Piste wieder akribisch trocken zu wischen. Es heißt, sich einen gemeinsamen Alltag im Abenteuer zu schaffen und vom Planen, übers Paddeln bis zum Wäsche falten ein Team zu sein. 

    Für mich heißt es, auch nach 400 Tagen neben Dir aufzuwachen und mich auf jeden neuen Tag mit Dir zu freuen. Darum danke. Danke für 38.000 km Abenteuer. Für jeden Gipfel, jede Abfahrt, jede kreischende Achterbahnfahrt, jeden Meter brennende Waden, den Du mich weiter motiviert hast. Für den Rückenwind, den Du mir gibst. Für Deine Begeisterungsfähigkeit. Für Dein aufopferndes Kochen in eisiger Kälte, für den geduldigsten Fahrlehrer, den zuverlässigsten Optimisten und den liebevollsten Kasper. Dafür, dass Du mein zu Hause bist. Überall auf der Welt. 
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  • Day400

    Es hat eben nur die Wurst zwei Enden

    September 30, 2019 in Canada ⋅ ☁️ -2 °C

    Der vorerst letzte kanadische Gipfel ist bestiegen. Die Liebsten noch einmal gedrückt. Die Koffer gepackt.

    Mit einem mulmigen Gefühl stehen wir im Flughafen in Calgary. Kanada und vor allem Banff ist mittlerweile so sehr Heimat geworden, dass der Gedanke, sich wieder zurück im deutschen Alltag zu vergraben, nicht so richtig im Kopf ankommen will. 
    Wir freuen uns auf Familie und Freunde. Auf viele alte und ein neues Gesicht. 
    Sind uns aber auch sicher, dass wir definitiv nicht das letzte Mal kanadischen Schnee gesehen haben.
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  • Day394

    Herzschmerz.

    September 24, 2019 in Canada ⋅ ⛅ 10 °C

    Sehr, sehr, sehr schweren Herzens haben wir uns heute von unserem vierrädrigen zu Hause getrennt. Nach über einem Jahr und 37.000 km, die er mit uns gerollt ist, haben wir heute zum letzten Mal über sein von 14 Jahren schwitzigen und klebrigen Fingern liebevoll abgerubbeltes Lenkrad gestrichen. 

    Toni war unser erstes gemeinsames zu Hause. Das klingt trauriger, als es war. Denn ohne unser graues, flottes Platzwunder wäre unser Trip durch Kanada und die USA nicht möglich gewesen. 

    Toni war Schlafzimmer, Arbeitszimmer, Küche und Balkon mit bester Aussicht auf 6 m². Er war Heimkino, Sauna, Lesesessel, Feierabendkneipe. Ein wunderbares zu Hause, das uns weder bei - 30, noch +30°C, noch einem längst überfälligen, vergessenem Ölwechsel im Stich gelassen hat. Toni hat jeden zwielichtigen Walmart-Parkplatz, jede müffelnde Seitenstraße, jeden abgelegenen und verschneiten Ort heimisch gemacht. 

    Auf dass noch viele Abenteuer und noch mehr wunderschöne Orte auf diesen wunderbaren Reisegefährten warten.
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  • Day391

    Angehimmelt.

    September 21, 2019 in Canada ⋅ ⛅ 6 °C

    Acht Monate haben wir ihn jeden Tag von unten angespäht. Banffs Wahrzeichen, das aus jedem Zipfel der Stadt über dem Nationalpark thront. Bis Ende Juni lag noch Schnee auf dem Gipfel. Heute konnten wir ihn bei feinstem Wetter erklimmen. Was für ein Haufen. 

    Und Banff noch mal im Herbst sehen zu können, ist Genuss. Alles ist noch saftig grün. Hier und da schimmert ein bisschen gelb. Ein luftiges Lüftchen weht um die Nase. Schön. Einfach schön.Read more

  • Day387

    Winterschlaf & Kaffeebohnen

    September 17, 2019 in Canada ⋅ 🌧 3 °C

    Nach einem schenkelkonservierenden Schontag sind wir wieder in unsere Bergtreter geschlüpft, um eine der schönsten Wanderungen Albertas zu erstiefeln. Sie startet am Hafen in Waterton. Waterton ist ähnlich wie Banff: eine kleine Stadt, in der jeder jeden kennt, oder mit jedem verwandt ist. Ein Fleckchen akkumulierter Freundlichkeit, umgeben von Bergen. Allerdings fällt sie bereits im September in den Winterschlaf. Hochgeklappte Bordsteine und eingerollte Speisekarten. Aber nach dem wuseligen Amerika freuen wir uns über diese vor sich hin dösende Kleinstadtidylle. 

    Wir juckeln also mit etwa 30 weiteren, wetterresistenten Wanderern bei Nieselgeplätscher und einem sympathischen Kapitän auf die kleine Insel, auf der die Wanderung zum Crypt Lake los geht. 
    Früher gab es hier mal zwei Campingplätze. Dann kam eine Gruppe Pfadfinder, die ihren gesammelten Müll liegen ließ. Den Park hat es geärgert, die Bären gefreut. Die haben sich durch die Reste gewühlt und sich noch den ein oder anderen Schmaus raus gefischt. Da Bären aber nun den Geruch von Menschen mit reichlich Leckerem verbunden haben, kam es vermehrt zu Überfallen auf Wandernde. Viele Bären mussten betäubt und woanders hingebracht werden. Ein langer, zäher Lernprozess folgte. 
    Irgendwann hat man zudem eingesehen, dass eine Insel, die nur eine Eintageswandertour füllt, keine Campingplätze braucht. Und man hat beschlossen, Natur Natur sein zu lassen. 

    Wir wurden an einem kleinen Steg ausgespuckt und liefen in geordneter Schlange den Pfad ab. Erst allmählich lockerte die sich ungewohnt ungemütliche Häufchenprozession auf. 
    Über einen grünen Waldpfad ging es vorbei an üppigen Bäumen, kleinen Stegen, die über Bächlein führten und Serpentinen, die sich den Berg hinauf schlängeln. Vorbei an einer minimalistischen Metallleiter, mit eingezogen Kopf durch einen Tunnel und ein paar Meter enge Bergpfade. Alles bei schönster, wenn auch trüber Aussicht. 

    Und da war er auch schon. Viel früher, als gedacht. Also ein Ründchen um unser Ziel, den Crypt Lake gedreht, ein Päuschen, ein bisschen oh, ein bisschen ah. Und wieder zurück. 

    In einem rekordbrechendem Tempo waren wir auf dem Berg und wieder unten. Rekordbrechendend langsam. Denn das Boot, das uns zurück nach Waterton bringt, hält nur zwei Mal am Tag. Ein Mal früh, um die Passagiere abzuladen. Und ein Mal nachmittags, um sie wieder einzusammeln. Was in dekadenten 8 Stunden Zeit für eine überschaubare 18 km Wanderung endet. Aus dekadent wurde bald zäh. Aber durch wohl proportionierte, zeitschlachtende Schritte und Pausen haben wir dann doch noch genügend Zeit raus schinden können, um nur 10 Minuten zu warten. 

    Jetzt gönnen wir uns noch einen kalorienhaltigen Burger. Wie man das so macht, bevor es in den Winterschlaf geht.
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