Plan B.
28. juni 2019, Canada ⋅ 🌧 6 °C
Dem mit Liebe und Pragmatismus zusammen gezimmertem Masterplan zufolge, sollte uns unsere Reise über den Icefield Parkway nach Jasper zum hoch gehuldigten Skyline Trail führen, einer mehrtägigen Wandertour durch die Rocky Mountains. Pustekuchen. Nachdem wir quasi schon mit zwei Reifen in Jasper standen, hat sich durch Zufall heraus gestellt, dass der Wanderweg erst im Juli öffnet, weil dort selbst jetzt noch kniehoher Schnee liegt. Also Zeit für einen Plan B. In den Sommermonaten ist es allerdings gar nicht so einfach, sich spontan von einer Idee in die nächste zu stürzen. Viele der Wanderwege haben nur eine begrenzte Zahl an Campingmöglichkeiten, für die man sich zum Teil schon Wochen oder Monate vorher anmelden muss. Dachten wir zumindest. Und sein Zelt einfach da aufzustellen, wo ein schönes Fleckchen Natur ist, ist in den Provincial Parks nicht gestattet und wird unter den strengen Augen der Park Ranger kontrolliert.
Daher haben wir den weisen Rat des Gandalfs unter den Parks Canada-Mitarbeitern eingeholt. Sein Tipp für die jetzigen Bedingungen (frischlichen 12 Grad und Regen. Regen, Regen, Regen.): der Lake Trail im Mount Robson Provincial Park. Also ab ins Auto, eine Zeitzone und eine Provinz zurück nach British Columbia. Mit etwas Glück haben wir auch noch zwei Plätze zum Campen ergaunern können.
Statt kniehohem Schnee erwarteten uns hier kopfhohe Sträucher, Wildblumen in allen saftigen Farben, tentakelartige Farne und flauschiges Moos, das sich über Steine und Bäume erstreckt. Wir hatten fast vergessen, wie schön grün British Columbia ist.
Unsere erste Etappe war ein entspannter Spaziergang von 7 km. Auf diesen paar Metern sind uns zwei kleine Schwarzbären über den Weg getapst, die sich seit ein paar Tagen hier in der Gegend aufhalten. Neugierig, aber schüchtern haben sie immer mal wieder eine Tatze auf den Wanderweg gesetzt, bevor sie sich wieder in den Wald verkrümelten.
Wir hatten aber nicht nur das Glück, den Bären auf unserer Wanderung zu begegnen, sondern auch einem super netten Pärchen, mit dem wir ein paar Kilometer zusammen gegangen sind. Ahmed und Moriam. Er ursprünglich aus Palästina, sie aus dem Libanon. Beide wohnen mittlerweile in Vancouver und verbringen ihren Jahrestag beim Wandern. Mit ihnen verging die Zeit so flott, dass wir ziemlich überrascht vor unserem heutigen Tagesziel standen. Kinney Lake. Ein türkisblauer See, der einem Arm an Bergen zu Füßen liegt. Es ist immer wieder eine Wonne zu sehen, wie es den Parks hier in Kanada gelingt, so wenig wie nötig in die Natur einzugreifen. Darum sind auch die Campingmöglichkeiten so natürlich wie möglich gehalten. Ein Plumpsklo, eine regensichere Hütte, ein bärennasensicherer Proviantkasten für die Wandernden.
Wir haben uns ein idyllisches Plätzchen gesucht, das Zelt aufgeschlagen und sind noch ein bisschen am See entlang gegangen, bevor uns der Regen ins Zelt getrieben hat. Dort sind wir beim Lauschen der Tropfen, dem Zwitschern der Vögel und dem Rauschen des Wasserfalls weggedöst.
Nach unserem kleinen, altersgerechten Nickerchen gab es noch einen Nudel-Bohnen-Schmaus, während wir den dicken Nebelwolken dabei zugesehen haben, wie sie es euch über dem See bequem machten.
Die ganze Nacht hat Petrus die gut gefüllten Wolken ausgewrungen und es aufs Zeltdach plätschern lassen. Auch halb neun noch kein Ende der Sintflut in Sicht. Tims gähnendes Fazit: "Gib dem mal noch drei Stunden. Das ist Trekking-Life." Und rollt sich auf die andere Seite. Aber leider hatte sich auch drei Stunden später der Wettergott nicht unserem Trekking-Life erbarmt und es munter weiter regnen lassen. Gegen Mittag haben wir dann trotzdem unser Zelt geräumt. Nützt ja nix. Also unter den neidisch Blicken der anderen seit-Tagen-auf-Trockennahrung-getrimmten Wandernden unser dekadentes Brot heraus geholt, noch kurz gestärkt und die Rucksäcke aufgesetzt.
Es regnete, mal mehr, mal weniger munter, die nächsten Kilometer auf uns herab. Gut eingeweicht haben wir dann die Entscheidung gefällt, nicht noch eine Nacht zu campen, sondern nur eine sportliche Wanderung draus zu machen. Also sind wir durch das "Valley of a thousand Falls" (in Realität eher "a dozen falls", aber nicht minder beeindruckend) bis zu den Emperor Falls und dann wieder zurück gestapft.
Und haben uns noch rechtzeitig in Jasper eine heiße Dusche gönnen können.Læs mere










