• Mitten im Nirgendwo

    July 26, 2019 in Canada ⋅ ☀️ 23 °C

    Die Seen rund um den Killarney Provincial Park gelten als die Schönsten hier in der Gegend, um sie mit dem Boot zu erpaddeln. Motiviert, unsere Beine auszuruhen und die Arme ordentlich rotieren zu lassen, haben wir uns für drei Tage ein Kajak ausgeliehen. Das klingt zwar kompakter als ein Kanu, entpuppte sich aber als kleines Platzwunder. Deshalb wurde neben dem Nötigsten (Zelt, Klopapier, Mückenspray, ein Kilo Pasta & Co.), die ein oder andere Ritze noch mit Kleinigkeiten gestopft. Gepackt, geschnürt, hoch gehoben - und auf den ersten 12 Metern zur Anlegestelle drei Mal absetzen müssen. Uff. Die nächsten Tage sollten wir das Kajak insgesamt fast einen Kilometer tragen. Ohne kleinen rollenden Helfer. Wird spannend. 

    Als wir unsere schwimmende orange-rote Chili-Schote im Johnny Lake abgesetzt hatten, haben wir uns nach den ersten Metern, die uns der Wind quasi ohne Anstrengung nach vorne gepustet hat, erstmal ein gutes, altes Pivo gegönnt. Irgendwie musste das Boot ja auch leichter werden. Angeschwipst im Sonnenschein ließ es sich auch ganz wunderbar die nächsten Wellenmeter erklimmen. 

    Unser erster Camping-Spot lag eine Portage-Stelle und nur wenige Kilometer weiter am Ruth Lake. Außer mit dem Boot erreicht man dieses abgelegene Fleckchen nicht. Und auch die Anzahl der Campingplätze ist überschaubar. Und das, obwohl jeder ein üppiges Stückchen für sich hat und der nächste und einzige Nachbar ein paar Kilometer weiter liegt. 

    Wir ließen uns durch den See treiben, staunten links, spähten rechts und sahen vor uns ein etwa grillkohlesackgroßes Etwas in der Sonne brutzeln. Eine Schildkröte. Tatsächlich lag nur wenige Meter von uns entfernt eine echte Schildkröte und bräunte sich genüsslichst die Falten im Hals. Nachdem wir am Abend zuvor mit einer Waschbärenfamilie um unser Essen gerangelt haben, hätte uns vieles nicht mehr gewundert. Das allerdings schon. 

    Beim Versuch, sich heranzuschleichen und doch noch einen genaueren Blick auf den bepanzerten Prachtkerl zu erhaschen, ließ diese sich allerdings flotter als man ihr zugetraut hätte ins Wasser plumpsen und war verschwunden. Wir tauften die Schildkröte Roy - weil "Roy aus dem Ruth Lake" so schön platt klang - und paddelten noch ein paar Meter weiter zu unserer Anlegestelle für die Nacht. Außer einer von Steinen umrandeten Feuerstelle und einer Holzkiste im Wald, die als Donnerbalken dient, deutet nichts darauf hin, dass es sich hier regelmäßig Paddler gemütlich machen. Alles wirkt noch wild und unberührt.

    Nachdem das Zelt hingezimmert war und Tim einen beachtlichen Stapel Holz gehackt hat, sind wir bei grauen Wölkchen noch einige Meter weiter gepaddelt, um einen der La Cloche Hügel, die sich hier durch die Landschaft ziehen, zu erklimmen. Von oben hatte man einen leider etwas getrübten Blick über einen hübschen, unregelmäßigen Wechsel aus Grün und Blau. Viele Seen, die von üppigen Wäldern umarmt werden. Die Regenwolken, die sich währenddessen angepierscht hatten, hatten sich schnell ausgewrungen und wir konnten den restlichen Abend am Feuer genießen. Neben uns die dickste Kröte, die die Natur zu bieten hatte. 

    Der nächste Tag führte uns an Ufern vorbei, an denen ein Nadelbaum über den anderen ragte. In allen Nuancen, die Grün hervorbringen kann. Wurzeln, die stolperfallenartig aus dem Boden hervor lunschten und Äste, die quer lagen. Hier und da eine kleine Insel auf einem Stein, auf den sich ein, zwei Bäumchen verirrt haben. Wie schön unaufgeräumt die Natur sein kann, wenn niemand eingreift. 

    Mit dem Geruch von Pinien und Sonnenmilch in der Nase fuhren wir weiter durch ein Meer aus Seerosen. Wie flauschig sich der Fettfilm unter den Blättern anfühlt. Unsere Idylle endete an einem Biberdamm, der die nächste, längere Tragestrecke für unser Kajak einläutete. Mittlerweile haben wir uns dafür entschieden, die schweren Sachen aus dem Boot zu hieven und zwei Mal zu gehen, um das Gewicht zu meistern. Klappt auch ganz gut.

    Als wir das Kajak in den nächsten See setzten wurde es schon wuseliger. Der Bell Lake war größer und offensichtlich auch beliebter. Hatte uns unser Schlafplätzchen vom Vortag noch die Möglichkeiten gegeben, nackig wie die FKK-Kultur uns schuf ins Wasser zu springen, schipperte an unserem heutigen Campingplatz immer mal ein Kanu vorbei. Also nur verpacktes Baden. 

    Am dritten Tag sind wir dann mit kräftigem Gegenwind zurück gepaddelt und mit krummen Rücken, aber Popeye-Ärmchen aus dem Kajak gekrochen.
    Read more