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  • Day94

    Battambang: Krokodile und Fledermäuse

    December 7, 2019 in Cambodia ⋅ ☀️ 24 °C

    Der Durchfall hielt weiter an, ich behielt keine Speise bei mir, dazu kamen Bauchschmerzen. Glaube ich habe eine Magen-Darm-Geschichte. Ich Idiot nahm aber essenstechnisch auch gar keine Rücksicht, zu verlockend war das Essensangebot am Markt in der Nähe meines Hotels - geradezu ein Foodheaven! Mein persöbmiches Highlight: sticky Rice mit einer süßen Eiermasse und Kokosmilch on top. Die Beschwerden trübten den ganzen Tag etwas, aber er war trotzdem super ereignisreich und ganz besonders. Ich buchte mir meinen persönlichen Tuk-Tuk-Fahrer für den ganzen Tag für 30 Dollar. Er sprach gut englisch und erzählte mir einiges über die roten Khmer, die gesellschaftlichen Verhältnisse und die Wirtschaft in Kambodscha. In Kambodscha herrscht erst seit etwa zehn Jahren Frieden, davor gab es den Vietnamkrieg, die roten Khmer und Bürgerkriege. In manchen Teilen gibt es immer noch Kämpfe. Die roten Khmer hatten alle Wirtschaft außer der Landwirtschaft zunichte gemacht, alles musste neu aufgebaut werden. Aber durch die roten Khmer hatten sie gelernt Reis anzubauen, vorher war Reis ziemlich teuer hier. Allerdings gibt es nur eine Reisernte, nicht wie in Vietnam zwei oder drei. Sein Bruder baut Reis an und ein ganzes Jahr Arbeit war umsonst, weil er es jetzt für weniger verkaufen muss als er Kosten hatte. Jetzt verdient er sich auch als Tuk-Tuk-Fahrer dazu. Er selbst ist noch nicht verheiratet, weil er zu wenig Geld und Bildung hat. Die Frauen in Kambodscha sind inzwischen ziemlich wählerisch. Sie verdienen selbst und können sich ihren Ehemann aussuchen. Der übernimmt nach der Hochzeit die Verantwortung für die gesamte Familie der Braut und muss auch für die Hochzeit aufkommen, benötigt also viel Geld. Er hat zehn Geschwister und weiß selbst nicht, warum seine Eltern so viele in die Welt gesetzt haben, weil sie nach dem Krieg nichts hatten. Er erinnert sich noch an Zeiten, wo es nur eine Mahlzeit täglich gab. Es gibt aber auch ziemlich viele reiche Kambodschaner, deswegen auch die vielen großen Autos. Sie machen ihr Geld, indem sie ehemaliges landwirtschaftliches Anbaugebiet als Real Estate verkaufen oder teure Hölzer abroden und verkaufen. Obst kommt nur noch selten aus Kambodscha selbst, sondern wird aus Thailand oder Vietnam importiert.
    Die ganze Fahrt ging über meist ungeteerte Straßen, der Staub legte sich dick auf den Polstern des Tuk-Tuks nieder und ließ mich nur erahnen wie meine Lungen aussehen mögen. Mein Fahrer hustete auch in einer Tour. Irgendwann zog ich meinen Mundschutz an. Der wärmte auch mein Gesicht, es ist hier nämlich ziemlich kalt, ich ließ mich sogar nochmal zum Hotel zurückfahren, um eine Decke zu holen. Eingemummelt ging es dann zu einem alten hindustischen Tempel, völlig verfallen und romantisch. Nächster Stop war eine Krokodilfarm, wo ich ein Babykrokodil in den Händen halten konnte. Weiter ging's vorbei am ländlichen Leben und hübschen kleinen Holzhütten zum Bamboo-Train, welcher sich ursprünglich durch ganz Kambodscha zog und alles mögliche transportierte, jetzt aber hauptsächlich von Touristen genutzt wird. Es ist eine einfache Bambusplatte auf zwei Rollen-Paaren, die mit einem kleinen Motor abgetrieben wird. Kommen sich zwei "Züge" entgegen, muss derjenige mit der geringeren Anzahl an Passagieren abbauen und Platz machen. In dem Fall unser Zug, ich hatte nämlich nur einen Engländer zum Teilen gefunden. Der Zug geht ganz schön schnell, ganze 37 kmh, und die Fahrt war ein Heiden Spaß. Als nächstes hielten wir bei einer kleinen Hängebrücke, die zu einem Tempel mit vielen verschiedenen Tier- und Buddhastatuen führte. Nächster Halt war ein Baum mit hunderten Fruchtfledermäusen, etwa welpengroß, die dort faul herunterhängen und darauf warteten, nachts auf Obstsuche zu gehen. Als nächstes ging es zu einem weiteren antiken Hindutempel auf dem Gipfel eines kleinen Berges mit toller Aussicht. Letzter Stopp war ein weiterer Hügel, der eine Killing-Cave der roten Khmer beherbergt. Hier wurden etliche Menschen in eine tiefe Höhle geschupst. Wer nicht beim Aufprall schon starb, verreckte unten. Ein bewegender Anblick, eine andere Tourist in weinte sogar. Am Gipfel steht ein Tempel mit wunderbarer Aussicht und etlichen Affen, die teilweise aggressiv nach Essen suchen. Ich bekam gegen Spende von einer Nonne ein rotes Glücksarmband, das sie mit einem nach Putzmittel riechenden Spray segnete. Als sie meine linke Handinnenfläche ebenfalls mit dem Spray versah, wurde sie plötzlich ganz aufgeregt, fuhr meine Lebenslinien nach und drückte mir schnell noch zwei weitere Glücksbänder im die Hand. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir Sorgen machen sollte... schließlich setzten wir uns am Fuße des Berges wie in einem Kino auf die aufgereihten Stühle und warteten auf die Fledemäuse. Um Punkt 17:20 kamen aus einer Höhle 7 Millionen Fledermäuse geströmt. Das ganze Spektakel dauert eine Stunde, bis alle ausgeflogen sind. Sie fliegen etliche Kilometer weit auf der Suche nach Insekten und kommen vor Sonnenaufgang wieder. Besonders im Sonnenuntergang sahen die Ströme an Fledermäuse magisch aus. Wir blieben aber nicht bis zum Schluss, weil mein Fahrer auf eine Hochzeit eingeladen war und mir anbot mitzukommen. Meine Bauchweh waren inzwischen wirklich stark und ich war auch etwas erschöpft von dem ganzen Flüssigkeitsmangel durch den Durchfall. Aber ich dachte mir, es war eine einmalige Gelegenheit und so kam ich mit. Der Brautvater war der ehemalige Chef meines Fahrers, ein Chinese und super reich. Dementsprechend fand das Ganze in einer riesigen Halle mit 1000 Gästen statt, zehn Gänge wurden serviert und alle waren super aufgebrezelt. Ich in meinem vergilbten "weißen" T-Shirt, meinem Blümchenrock und den Trekkingsandalen kam mir etwas fehl am Platze vor. Aber alle versicherten mir es wäre ok. Immerhin gab es Ohrringe als Willkommensgeschenk (auch am die Männer, warum auch immer), die ich mir gleich ansteckte. Es war spannend die schicken traditionellen Kostüme zu sehen, die einige trugen. Auch lernte ich einige traditionelle Tänze, viel bewegt wird sich dabei allerdings nicht. Hauptsächlich kleine Tippelschritte begleitet von elegant kreisenden Händen. Dafür dass die Familie reich war, hätte ich allerdings mehr Tamtam erwartet. Das Brautkleid war auch nichts besonderes, zudem mit ein paar Nadeln offensichtlich am rücken enger gemacht, weil es viel zu groß war. Aber das Essen war gut, auch wenn ich nach jedem Gang aufs Klo laufen musste. Das Ganze gibt auch nur von sieben bis zehn. Mir wurde allerdings erklärt, dass das nur der offizielle Abschluss wäre, insgesamt dauern die Feierlichkeiten eineinhalb Tage. Früher waren es wohl drei, aber Braut und Bräutigam wären immer so erschöpft gewesen, dass man es verkürzt hätte. Trotzdem ziemlich schwach die Party um 10 enden zu lassen. Ich war dann allerdings doch froh ins Bett zu können, da die Bauchschmerzen mir den Spaß verdarben.
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