• Großbaustelle, von 7:00 bis 22:00 Uhr Lärm
    Flughafen gleich um die EckeSonnenuntergang in der Saint Nikolo Bay

    Flucht von Kreta mitten in der Nacht

    September 20, 2023, Ägäisches Meer ⋅ ☀️ 24 °C

    Nachdem es uns in der Bucht von Chania nach zwei Nächten viel zu laut geworden war wollten wir nur noch weg. Das laute Dröhnen der Düsenjäger und der Baulärm, der von 6 Uhr morgens bis in die Nacht ging, nervten schon ganz schön. Es gab nur ein Problem: seit dem 18.09. finden vor Chania militärische Schießübungen statt, und unsere Versuche mit der Navi-Control wegen Durchfahrterlaubnis Kontakt aufzunehmen schlugen alle fehl. Wettertechnisch war mit sehr wenig Wind zu rechnen und die Wellen ließen auch nach, nachdem am Vortag noch bis zu 2,0 m vermeldet waren. Wir peilten den Peloponnes an, also hatten wir eine Strecke von über 70 sm vor uns. Deshalb stand der Wecker auf 5:30 Uhr, denn spätestens um 6.00 Uhr sollte der Anker gelichtet werden. Das Manövergebiet mussten wir bis 9:00 Uhr verlassen haben, so stand es zumindest auf dem handschriftlichen Zettel, den uns ein netter österreichischer Bootsnachbar gegeben hatte.
    Meine innere Uhr wollte es allerdings anders. Um drei Uhr wachte ich bereits auf und Doris war auch schon munter. Wir einigten uns schnell, gleich unser Nachtlager zu verlassen, um den Tag besser zu nutzen. Um 3:30 Uhr ging es schon Ankerauf, und wir motorten in stockdunkler Nacht aus der Ankerbucht. Nicht einmal der Mond leistete uns Gesellschaft, denn dieser war schon um 21.30 Uhr untergegangen. Es war auch ziemlich kühl auf der Brücke, sodass wir uns nach und nach immer wärmer anziehen und schließlich sogar unter unsere roten Kuscheldecken schlüpfen mußten. So warm eingemummelt beobachteten wir, wie sich der Himmel ganz allmählich aufhellte und der Horizont im Osten dann rot einfärbte. Doris hörte dabei Musik. Es war ein sehr schönes Erlebnis. Schon um 8:00 Uhr konnten wir so das Manövergebiet verlassen. Hätten wir bis 6 Uhr mit dem Aufbruch gewartet, wären wir zu spät dran gewesen.

    Wir hatten uns schon auf eine reine Motorfahrt zu unserem heutigen Ziel, der Insel Kithira, eingestellt. Das tut einem Segler wie uns natürlich weh, aber was soll‘s, wir müssen ja auch weiter kommen. Erfreulicherweise kam es aber anders. Nach 33 sm stellte sich ein Windhauch ein, und ich zog zusätzlich zum Motor die Genua hoch. Das brachte uns schon mal einen knappen Knoten mehr an Geschwindigkeit. Das frühe Aufstehen forderte jetzt aber seinen Tribut, und so legte ich mich oben in unserer Skylounge in die Sonne und schlummerte ein. Als ich wieder aufwachte hatte sich der Wind auf 8-9 Knoten verstärkt. Nicht viel, aber immerhin. Schnell zog ich das Groß hoch und machte den Motor aus. Herrlich diese Ruhe! Nur noch das Plätschern des Wassers war zu hören. Der Wind hielt bis gegen vier, dann wurde er so schwach, dass ich wieder einen Motor zu Hilfe nehmen musste. Pünktlich um 18:00 Uhr liefen wir in der Bucht von Kithira ein und warfen den Anker in den Sandboden. Wir genossen dann noch den Sonnenuntergang und gingen bald ins Bett.
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