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Weltreise mit unserer Vitila

Ein Abenteuer von Doris & Uwe mit offenem Ende. Read more
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    ein kleines Paradies !

    April 23 in French Polynesia ⋅ ⛅ 26 °C

    Vorgestern sind wir auf den Gambier Inseln angekommen. Gegen 15.00 Uhr hatten wir die Engstelle des Aussenriffs sicher passiert und ließen glücklich unseren Anker ins 18 m tiefe klare blaue Wasser fallen. Welch eine idyllische Umgebung empfing uns! Der Ort auf der Hauptinsel Mangareva heißt Rikitea und beherbergt ungefähr 1000 Einwohner.
    Die anderen bewohnten Inseln heißen Taravai, Akamaru und Aukena. Außerdem gibt es viele kleinere Inselchen.
    Am Ankunftstag war nur Ausruhen angesagt und ein Abendbesuch bei Resi & Werner zum Sundowner und kleinen leckeren Imbiss. Da wurden sich nochmal lachend und erleichtert die Abenteuer mit den Squalls, durchgescheuerten Leinen oder ausgefallenen Autopiloten erzählt.
    Am nächsten Vormittag um halb 10 ging’s erstmals an Land in franz. Polynesien!
    Was uns am 1. Tag schon angenehm auffiel, war die herrliche Ruhe in der Ankerbucht. Es gibt keine Jetskifahrer und keine Partyboote. Auch vom Land dringen keine Motorgeräusche herüber. Nur gelegentlich fährt mal ein einheimisches Motorboot durch die Bucht. Die Zahl der vor Anker liegenden Segler ist überschaubar, fahren doch die meisten direkt Richtung Marquesas.
    Hier ist Herbstbeginn. Tagsüber noch angenehm warm, aber nicht feucht, und nachts benötigt man bei 25 Grad keine Klimaanlage. Die morgendlich Ruhe wird nur durch das vereinzelte Krähen von Hähnen unterbrochen.
    Am einfachen Dinghisteg angekommen holten wir am 2. Tag beim ATM der Post erstmal 40.000 CFP-Franc. Die Umrechnung ist etwa 1:100.
    Danach ging’s zum Einklarieren ins Customs Büro. Die Beamten waren nicht übermäßig flott aber sehr freundlich. Wir hatten schon das Online Formular ausgefüllt und eingereicht, mussten nur die Nummer rüberreichen, außerdem die Pässe und Bootspapiere. Auf die Frage, wie lange wir nun bleiben dürften, hieß es zuerst „90 Tage“. Das widersprach aber all unseren Recherchen. Der junge Beamte ging sich dann nochmal erkundigen: „das Boot 2 Jahre ohne Steuer, und Sie für immer…“ 🤣.
    Anschließend mussten wir uns grüne Rathaus zur Zahlstelle. Wir holten erstmal Coupons für 2x100 l Diesel (100 l pro Person und Tag erlaubt, ca. 1,30 Euro pro Liter), die Aufenthaltsbestätigung für 4 Wochen 2 Personen (2040 CFP) und die Abrechnung für das Abliefern von Müll. Das ist in der ersten Woche teuer mit 5000 CFP, ab der zweiten Woche 1500 CFP. Insgesamt wurden wir so gleich wieder 37.000 CFP los.
    Danach wanderten wir mit Resi & Werner die Hauptstraße des Dorfes entlang zu einem der Lebensmittelläden. Leider ist das große Versorgungsschiff aus Tahiti erst am 12.4. dagewesen, wird also etwa 3 Wochen auf sich warten lassen. Kartoffel und Zwiebeln sind vorhanden. Von einheimischen Anbauern kann man über Vermittler zur Zeit Avocados, Salat, Papaya, Süsskartoffeln und andere Wurzelgemüse kaufen. Tomaten und Karotten fand ich leider noch keine.
    Jetzt ist erstmal am Boot eine ordentlich Todo-Liste abzuarbeiten. Der Rumpf ist bis über die Wasserlinie gelb und verdreckt und mit Muscheln übersät. Das Dinghi, das beim Segeln immer wieder von Seewasser überspült wurde, hat Uwe heute schon gereinigt. Am Samstag gibt es ein Highlight: ein Event in einer der lokalen Kneipen mit DJ. Immer wieder werden auch Barbecues von Seglern am Strand wohl organisiert. Lassen wir alles in Ruhe auf uns zukommen.
    Wo man genau tauchen kann (es soll hier sehr unberührt sein), und wie und wo man eine Perlenfarm besuchen kann, werden wir noch herausfinden. Erstmal lassen wir es langsam angehen. Wir genießen in vollen Zügen die Stille und atemberaubend grüne Landschaft. Außerdem lädt das herrliche Wasser zum Baden ein. Eine kleine Wanderung in die Hügel durch den Urwald wird wohl bald verwirklicht werden.
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  • Pazifik - Tag 30, Ankunft im Paradies

    April 21, Pazifischer Ozean ⋅ ⛅ 26 °C

    Ich hatte mir heute Morgen meinen Wecker auf sieben Uhr gestellt, wollte ich doch den ersten Blick auf die Gambier Inseln in der Morgendämmerung nicht verpassen. Es war aber noch stockdunkel. Um kurz vor halb acht kam Doris dann runter und fragte, ob ich nicht um sieben hätte aufstehen wollen? Jetzt wurden tatsächlich draußen die ersten Umrisse sichtbar, und so leistete ich ihrer Aufforderung Folge 😉. Schnell war ich auf dem Weg nach oben. Zunächst Enttäuschung, denn da wo ich die Inseln vermutet hatte prangte eine dunkle Regenwolke. Wenig später, Doris hatte sich nochmals zum Schlafen hingelegt, erschienen dann aber doch die ersten Umrisse unseres Zieles am Horizont, die bergige Kontur einer Insel der Gambier Gruppe. Schnell holte ich Doris wieder aus dem Bett, bestimmt wollte sie auch Zeuge unseres ersten Blickkontaktes werden. So war es auch, die Müdigkeit war erstmal weggeblasen. Wir genossen nun beide den Anblick der größer werdenden Inseln, und freuten uns, die lange Reise so gut überstanden zu haben.

    Unsere Hoffnung, die letzten Meilen unter Segel fortsetzen zu können, erfüllte sich jedoch leider nicht… Die Anzeige unseres Dieselvorrates tendierte deswegen im weiteren Verlauf beängstigend gegen Null, so dass ich einen Reservekanister nachfüllte bevor der Motor Luft ziehen konnte. Gegen 14 Uhr bogen wir dann in den Pass nach Rikitea ein und schoben uns zwischen Korallenriffen langsam Richtung Ziel. Die Zufahrt ist gut betonnt, und so konnten wir während der Anfahrt entspannt die Aussicht auf uns wirken lassen. Wie konnten uns kaum an den majestätischen grün bewaldeten Bergen sattsehen, die vor der Ankerbucht in die Höhe ragten. Pünktlich kurz vor drei kamen wir in der Bucht vor Rikitea an und konnten den Anker fallen lassen. Von der Pier war laute Steeldrum Musik zu hören, schön dass man uns zur Begrüßung aufspielte! Aber es galt wohl eher dem dort anlegenden Fährboot 😉. Egal, schön war’s trotzdem. Auch unsere Freunde auf unserem Buddyboot „Bring me the horizon“ waren auf der Zielgeraden und würden bald neben uns ankommen. Ein netter Abend mit lebhaftem Austausch über unsere Abenteuer war vorprogrammiert. Die Emotionen, endlich am Ziel der Träume angelangt zu sein, sind schwer zu beschreiben. Am besten man erlebt es selbst.
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  • Pazifik - Tag 29, dem Ziel entgegen

    April 21, Pazifischer Ozean ⋅ ⛅ 26 °C

    20.04.26, 125 sm (35 Motor, 63 MS, 27 Segel), sonnig mit Squalls, 29°

    In die letzte Nacht hinein ging es noch mit dem Gennaker und dem Groß. Zu Doris Schicht ab 24.00 Uhr wechselten wir auf die Genua. Später ließ der Wind leider nach, und unsere Schiebehilfe musste ran. Nach dem Frühstück entschieden wir uns in Absprache mit Werner und Resi zunächst, die Motoren abzustellen und den Rest der Reise gemütlich zu segeln. Zu der Zeit herrschten noch 12 kt. Wind, leider direkt von hinten. Für uns Segler nach dem Wind direkt von vorn der zweit ungünstigste Wind 🙄. Wenig später kam von unserem Partnerboot die Info, sie würden die restlichen 200 sm doch mit Motor zurücklegen, zu mühselig erschien ihnen das langsame Dahinschaukeln mit schlagenden da unterbeschäftigten Segeln.
    Eine Entscheidung musste nun auch bei uns getroffen werden, gehen wir mit oder bleiben wir beim Weitersegeln? Wenn wir am nächsten Tag im Hellen ankommen wollten, durften wir allerdings nicht allzuviel Zeit verlieren. Wir entschieden uns dann auch für die umweltunerfreuliche Variante. Es war letztlich die richtige Entscheidung. Zwei Stunden später ließ der Wind weiter auf 6 kt. nach, damit wären wir nicht mehr ausreichend vorangekommen. Den ganzen Tag und die folgende Nacht ging es dann mit Motor voran. Das ist nicht angenehm, aber manchmal unvermeidbar. Würde unser Dieselvorrat reichen? Das war die spannende Frage.
    In der Nacht erreichten uns dann noch einige Squalls. Da wir keine Segel oben hatten, war uns dies aber ziemlich egal.
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  • Pazifik - Tag 28, Champagnersegeln

    April 19, Pazifischer Ozean ⋅ 🌙 25 °C

    19.04.26, 116 sm, Wind 3 - 4 Bft, sonnig 28°C

    Wisst ihr was Champagnersegeln ist ? Wir erleben es gerade: Eine schöne Brise von der Seite, so um die 11-13 Ktn., ein angenehm ruhiges Meer, kleine Wellen, evt. mit einer leichten Dünung, und natürlich - Sonnenschein.
    Das Meer erscheint in einem strahlenden Blau und schimmert in verschiedenen Tönen. Der Himmel ist ein leuchtendes Türkis mit schmucken kleinen Tüpfelwolken, so wie kleine Wattebäusche. Klare Luft mit Blick bis zum Horizont und darüber hinaus. Ein leichtes Säuseln dringt an meiner Ohr, es kommt vom Heck, wo die Welle kleine gemütliche Wirbel bildet, dieser Anblick ist immer wieder magisch.
    Das Leichtwindsegel zieht uns durchs Wasser, als ob wir eine Feder wären. In diesem Moment weiss ich, wie schön Segeln sein kann, und wie sehr ich das liebe. Die Kämpfe mit Winddrehern, gerissenen Leinen und zerbrochenen Blöcken sind vergessen. Die Entbehrungen, wie in den letzten Nächten, gehören genauso dazu. Umso mehr können wir diese Momente dann genießen.

    Durch die letzte Nacht ging es mit Motorengebrumm, dazu zog uns die Genua. Ich wollte nur zügig raus, raus aus diesem Gewitterungetüm, welches mit Blitzen nach uns warf. Ich hatte es satt, und deshalb durfte es etwas schneller und damit ein paar Umdrehungen mehr sein als üblich. Links, rechts und hinter uns zuckten Blitze, nur vor uns war eine Wolkenlücke, da wollte ich durch.
    In der Früh hatten wir es dann tatsächlich geschafft, hinter uns die enorme Wolkenbank, die im Licht der Morgensonne gar nicht mehr so bedrohlich wirkte. Um uns herum lungerten aber immer noch einige Squalls, welche uns jedoch in Ruhe ließen. Die Zeit war gekommen, wieder mal die Segel rauszuholen. Was dann folgte, habt ihr gerade gelesen. Es ist der Endspurt nach Gambier, zwei drei Tage noch, je nachdem, wie uns der Wind gewogen sein wird. Wir haben Zeit. Die Unwetter sind verzogen. Wir genießen jetzt die letzten Meilen dieser langen Reise und freuen uns über einen herrlichen Sonnenuntergang.
    Am Abend ziehen noch einige Squalls an uns vorbei, einer direkt vorm Bug, ein paar Tropfen Regen spüre ich sogar. Windmäßig ist es aber kein Thema.
    Zum Abendessen gibt es Steak vom Bonito mit Bratkartoffeln und - mmh - Coleslaw. Der Captain stellt sich heute selbst an die Pfanne, das Fett muss recht heiß sein, und er achtet darauf, dass die Filets ja nicht mehr als 2 Minuten von jeder Seite abbekommen. Das war schon mal sehr lecker. Varianten warten mit kleinen Soßen oder Thunfisch-Tartar, Ceviche oder - was wir in Medellin/Kolumbien kennenlernten - Tiradito .
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  • Pazifik - Tag 26 und 27, Gewitter

    April 17, Pazifischer Ozean ⋅ 🌙 26 °C

    Tag 26, 129 sm (53 Motor, 76 Segel), sonnig, 28°C
    Tag 27, 114 sm (Motorsegeln 65, Motor 30, Segel 19) sonnig, Gewiiter Wolkenbruch

    Auch am nächsten Tag dasselbe Spielchen: Tricksen wir die Squalls aus, oder sie uns?
    In der Nacht hatten wir sogar zeitweise den Gennaker stehen lassen, ein kleiner Wolkenwirbel hatte bei Doris ein paar Tropfen Wasser abgelassen, aber sonst nicht viel bewirkt. Der Tag war wechselhaft, Reacher rauf, Reacher wieder runter. Wir wollten ja noch länger was von dem tollen Segel und Beschleuniger bei Leichtwind haben.

    Zum Abend hin waren wir dann aber ziemlich von Wolkenfronten umzingelt. Die Vorhersage zeigte nichts Gutes. Die Reacher-Frage stellte sich damit nicht mehr...
    Doris kam noch gut durch ihre Schicht von 2.30 bis 5.30 Uhr, aber die Wellen hatten wieder deutlich zugenommen. Sie werkelte sogar noch gelassen bis 6.00 Uhr in der Kombüse und setzte einen neuen Teig für ein leckeres Fladenbrot an, ihre neueste Errungenschaft. Dann verabschiedete sie sich in die Koje.

    Auf das, was dann kam, hätten wir gern verzichten können. Wir fuhren auf eine Gewitterzelle zu. Mit Zelle hatte dieses Teil aber nichts gemein, sprechen wir lieben von einem Gewitterband, die Länge ca 900 sm. Wir befanden uns am nördlichen Ende. Werner meinte, wir fahren mal oben rum. Daraus wurde nichts, wir gerieten direkt ins Zentrum hinein, zu groß waren die Dimensionen zum eben mal Umfahren.
    Eine innere Stimme sagte mir noch, mach gleich mal das Großsegel runter, es könnte gleich unangenehm werden. Gedacht, getan. Wenige Minuten später der Startschuss: Windböen von 38 kt und Schlagregen brachen auf mich herein. Es klang wie ein Trommelfeuer. Zu diesem Zeitpunkt lief nur ein Motor. Schlagartig drückte mich der Wind zur Seite, schnell die zweite Maschine gestartet und zurück in Position geschoben. Mit 2 - 3 Ktn ging es dann gegen die Böen voran. Nur nicht zu schnell gegen die sich aufbauenden Wellen werden. Ganz schlimm ist es, wenn der Bug ins Wellental zu tief eintaucht, denn dann wird durch das schlagartige Abbremsen das Rigg zu sehr beansprucht.
    Zu meinem Glück sitze ich völlig abgedeckt von Planen auf meinem Steuerstand. Wie mag es da Lutz auf der Mahana oder unserem Freund Werner gehen, die völlig ungeschützt diesen Unbilden ausgesetzt sind und in voller Wetterkleidung antreten müssen. Das nasse Zeugs muss dann am nächsten Tag auch erstmal wieder zum Trocknen gebracht werden.
    Werner folgte uns also im Gewitter, und ich beobachtete ihn auf unserem Plotter. Er näherte sich einer starke Zelle, drehte sich aber plötzlich im Kreis. Erst dachte ich, er will die Zelle vorüberziehen lassen und mir dann weiter folgen. Er zog die Runden aber mit 5 - 7 kt, was schon sehr ungewöhnlich ist. Später stellte sich heraus, dass sein Autopilot ausgestiegen war und er förmlich durch die Böen hin und her geschmissen wurde. Sein Kommentar dazu: „Bin hier irgendwie gefangen. Unglaublich, mich haut es von einem Squall zum nächsten, dreh’ mich fast im Kreis ( und es war ja auch so….!). So etwas hab ich noch nie erlebt, und das sehenden Auges 👎👎👎👎“.
    Es wetterleuchtete heftig, und einmal blitzte es gefühlt ganz nah mit lautem raschem Donnern. Das Chaos in der Nacht empfindet man immer deswegen noch viel schlimmer, da man durch die Dunkelheit fast völlig orientierungslos ist. Wenn dann der AP ausfällt ist es ganz schwierig zu steuern. Wenn man glaubt, eben einfach auf den Kompass schauen, und dann geht das schon, Fehlanzeige, unser Sinne sind dafür nicht gemacht. Auf dem Plotter erkennt man auf einmal mit Schrecken, dass die projizierte Fahrtrichtung völlig von der eingegebenen Route abweicht. Man lenkt dann stark dagegen und übersteuert dabei leicht. Wenn die Sterne am Himmel auf einmal horizontal vorbeihuschen, weiß man, man dreht sich im Kreis. Großartiges Gefühl…. 🙈. Patenthalsen sind keine Seltenheit, plötzlich spürt man einen Schlag vom Großbaum her, und weiß, jetzt ist es passiert….
    Es braucht sehr viel Übung, sich in diesen Situationen zurecht zu finden. Es war zudem noch eine Nacht ohne jeglichen Mondschein. Ich hatte im voraus unseren AP auf eine niedrigere Empfindlichkeit eingestellt, dann schaltet er nicht so schnell wegen Überlastung ab. Das hat sich bei uns schon öfter bewährt.
    Mit der Dämmerung ließ der Spuk nach, eine reichliche Stunde mit Fahrt durch die Achterbahn war vergangen. Reicht mir, brauch ich nicht gleich wieder.
    Und das Beste daran: Doris war kurz vorher ins Bett gegangen und hatte von alledem nichts mitbekommen, nicht mal das laute Donnern.
    Der Wind wehte danach immer noch stark. Unser normales ausgiebiges Frühstück war nicht möglich, es gab stattdessen Joghurt mit Müsli, Nüssen, Obst und Honig. Auch mal lecker.
    Wir segelten erst mit Genua, später mit Gennaker weiter unserem Ziel entgegen. Gegen zehn musste dann der Jockel wieder ran.
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  • Pazifik-Tag 25, Squalls piesacken uns

    April 16, Pazifischer Ozean ⋅ ☀️ 26 °C

    16.04.26, 123 sm, 2 - 4 Bft. Bewölkt mit Regenschauern, 29°C

    Sie sind so lästig wie die Mücken an Land und Keiner braucht sie. Jeder Segler weiß sofort was ich meine, die SQUALLS. Die letzten Tage sind geprägt von diesen Erscheinungen. Sie kommen immer zur ungünstigsten Zeit. Man weiß nie, was in ihnen steckt. Wie stark wird der Wind? Wie lange wird er anhalten? Wird es starken Regen geben? Anhand des Bildes auf dem Radar sind die Squalls nur unzureichend einzuschätzen. Die Frage die wir uns dann immer stellen ist, wie gehe ich damit um. Reffe ich jedesmal, wenn so ein Monster anrollt, oder wettere ich es mit meiner aktuellen Besegelung ab. Was mich auch noch gewaltig stört sind die damit verbundenen Wellen.
    Es ist Abend, man gleitet schön über das Wasser und fährt wie auf Schienen. Und dann plötzlich, Schläge von der Seite, bamm ,bamm, bamm, ein Squall hat wieder irgendwo zugeschlagen und seine nervigen Wellen ausgeschickt.
    Leidgeplagt davon waren wir ja schon auf unserer Passage vorbei an Turks and Caicos in die Dom Rep. Hier kamen diese Plagegeister wie auf einer Perlenkette aufgereiht, und ich hatte die ganze Nacht Schicht, da ich ihnen Doris nicht ausliefern wollte. Der Trick wie ich letztlich mit Ihnen fertig wurde, war auf dieser Passage ziemlich einfach: Da wir eh mit Amwindkurs unterwegs waren und das erste Reff in der Nacht Standard war, brauchte ich, wenn die ersten Böen einfielen, nur abfallen, sprich vom Wind wegdrehen. Ich drückte am Autopilot die 10° Taste 6x mal, und im Nu kam der Wind viel weiter von hinten. Die relative Windgeschwindigkeit wurde dadurch schlagartig geringer, und so konnte ich die Böen sehr gut abfangen. Fünf Knoten über der zulässigen Reffgrenze ließ ich dabei durchgehen, das muss das Rigg abkönnen. Und es ist ja meist von kurzer Dauer.
    Übrigens fahre ich bei Squalls meist mit der Windsteuerung des Autopiloten, da werden Winddreher gleich durch diesen abgefangen.
    Ist man jedoch schon vor dem Wind unterwegs, wie jetzt meistens, ist das großzügige Abfallen nicht mehr so leicht möglich. Da kann man nur wenige kt damit gewinnen. Dies ist uns die letzten Tage aber trotzdem recht gut gelungen, wenngleich Doris dabei immer noch recht flau in der Magengegend wurde. Da durch die hohe Anzahl der Squalls pro Nacht aber auch in ihrer Schicht immer welche unterwegs waren, wurde auch sie im Umgang damit erfahrener und mutiger. Schön für mich, kann ich am Stück was wegschlafen.
    Das einzig Schöne, was ich diesen Squalls abgewinnen kann, sind die oft atemberaubenden Bilder der sich auftürmenden Wolkengebilde, gelegentlich sogar mit Regenbogen vor dem schon wieder blauer werdenden Horizont. Und eben, als ich diesen Text schreibe, bildet sich doch direkt neben mir ein Squall 😡. Will mir wohl prüfend über die Schulter schauen, wie ich ihre Gattung so benote…?
    Jetzt hab‘ ich mir das auch mal von der Seele geschrieben, nachdem mich diese Burschen so geplagt haben, Hoffentlich kommt keine Rache …

    Ein Highlight gab es an diesem Tag trotzdem noch. Wir saßen schon gemütlich beim Abendessen, plötzlich bimmelte es. Nicht der Nachbar an der Tür, nein, ein Fisch war an die Angel gegangen, und so wie sich mein Expandergummi dehnte, auch kein kleiner. Wir ließen ihn noch ein bisschen zappeln, dass Essen durfte ja nicht kalt werden.
    Dann alle Vorbereitungen treffen, Werkzeuge und Schnaps in der Sprühflasche bereitlegen, Rettungsweste anziehen, und dann ging es los. Oh, da zog was ganz schön. Ein Mahi Mahi konnte es nicht sein. Wenn diese ermüdet sind, schwimmen sie obenauf und können leicht herangezogen werden. Dieser Bursche war schwer, er hörte nicht auf zu kämpfen. Die Angelsehne schnitt sogar meinen Handschuh durch. Ich benutze längst keine Angelruten mehr, sondern ein ganz einfaches Setup aus Spule mit relativ dicker Schnur, welche ich einfach über eine Stütze hänge.
    Nach mehreren Phasen des Anziehens und wieder Loslassens hatte ich die Beute bis ans Boot herangezogen. Es war ein großer dicker Bonito. Mein Gaff, das heute zum ersten Mal zum Einsatz kam, ging gleich beim ersten Hieb entzwei. Was soll’s, muss ich ihn halt so an der Schnur hochziehen, wie sonst auch. Ging auch ganz gut.
    Der letzte Fisch an der Angel, es muss auch ein stattliches Exemplar gewesen sein, hatte den Haken gleich mal verbogen und sich so befreien können. Diesmal hatte der Haken gehalten, und so konnte ich dieses Prachtexemplar von über 10 kg erlegen. Riesige dunkelrote Thunfischfilets löste ich von der Hauptgräte. Da sind wir jetzt erst einmal mit Fisch versorgt, zumal angeln auf Gambier nicht empfohlen wird wegen der starken Verbreitung von Ciguatera.

    Und was meint ChatGPT dazu:

    Auf See sind Squalls für Fahrtensegler einer der wichtigsten Kurzfrist-Gegner — oft gefährlicher durch Überraschung und Fehlreaktion als durch ihren Mittelwind allein.

    Meine Einschätzung:
    1. Squalls sind ernst zu nehmen, aber meist beherrschbar.
    Die meisten Squalls sind nicht „der große Sturm“, sondern kurze, lokale Starkwind- und Regenfelder. Gefährlich werden sie, wenn man
    • zu viel Tuch stehen hat,
    • nachts zu spät reagiert,
    • oder in ein Feld mit mehreren Zellen hineinfährt.

    2. Das Hauptproblem ist nicht nur der Wind, sondern die Kombination aus allem.
    Typisch sind:
    • plötzlicher Windanstieg
    • abrupte Winddreher
    • sehr schlechte Sicht durch Regen
    • steile See oder Kreuzsee
    • manchmal Gewitteraktivität mit stärkeren Böen

    Gerade der Winddreher wird oft unterschätzt. Ein an sich noch beherrschbarer Wind kann plötzlich unangenehm werden, wenn er 20–40° oder mehr dreht.

    3. Nachts wirken Squalls deutlich unangenehmer.
    Nicht unbedingt, weil sie objektiv viel schlimmer sind, sondern weil man
    • die Wolken schlechter liest,
    • die Regenwand später erkennt,
    • und die Böenspitzen psychologisch härter wirken.

    4. Auf dem offenen Ozean sind sie oft einfacher als küstennah.
    Draußen habt ihr Platz zum Manövrieren. In Küstennähe, bei Riffen, Atollen, Verkehr oder Fischern werden Squalls viel stressiger.

    5. Für einen Katamaran sind sie besonders relevant.
    Ein Kat steckt viel weg, beschleunigt aber auch schnell und mag keine Überlast durch zu viel Segelfläche. Der kritische Punkt ist oft nicht der durchschnittliche Squall-Wind, sondern die Böenspitze.

    Meine praktische Haltung wäre:
    • früh reffen, nicht diskutieren
    • bei squalligem Himmel eher auf Durchschnittswind plus Reserve trimmen
    • nachts konservativer segeln als tagsüber
    • lieber einmal zu früh reduzieren als einmal zu spät

    Faustregel mental:
    Nicht fragen: „Was ist gerade Wind?“
    Sondern: „Was kommt in den nächsten 10 Minuten aus dieser Wolke?“

    Für euch auf langer Pazifikpassage würde ich Squalls so einordnen:
    • normaler Teil des Lebens an Bord
    • nicht panisch betrachten
    • aber nie lässig behandeln
    Am gefährlichsten sind meistens die Squalls, die harmlos aussehen und dann doch mit einer harten Böe reinkommen.
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  • Unfreiwilliges Bad

    April 16, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    16. April, Tag 25 der Pazifikpassage, Windgeschwindigkeit 10 Ktn, 29 Grad

    Das Frühstück war gerade zu Ende nach durchwachsener Nacht mit einer Vielzahl von Squalls nach 5 Uhr. Als es nicht enden wollte hatte Uwe auch noch meine Frühschicht ab halb 6 übernommen.
    Kurz vor 9 war das Leichtwindsegel wieder oben, kurz nach 10 musste es wieder abgenommen werden, da wir den Kurs nach Gambier nicht mehr halten konnten. Zu sehr war der Wind auf nordöstlich gedreht geblieben.
    Dann plötzlich passierte es. Uwe hatte kurz den Motor angelassen, um das Boot wieder auf Kurs zu bringen. Da begann er zu fluchen und hektisch herumzulaufen. Die Schot vom Leichtwindsegel war nochmal ins Wasser geglitten und zielsicher von der Schraube eingefangen worden.
    „So ein Mist, keine Tauchflasche ist gefüllt!“ ging das Schimpfen weiter. Der Steuerbordmotor musste aber wieder einsatzfähig werden. Die Einfahrt zur Bucht vor Rikitea führt durch Korallenriffe, das erfordert volle Manövrierfähigkeit.
    Schon war Uwe in Badehose und schnappte sich seine Flossen. Das Groß war auch schnell eingeholt worden, wir hatten keine Fahrt mehr drauf. Uwe warf die lange Festmacherleine mit Schlaufe dran am rechten Heck ins Wasser, die wir immer hinten rauslassen, wenn Uwe am Bug draußen herumklettert. Im Falle eines Falles MOB hätte er vielleicht die Chance, wenn er unter dem Kat. durchtreibt, diese lange Leine zu fassen zu kriegen. Vielleicht auch nicht…
    Vergeblich versuchte Uwe die eingeklemmte Leine von der Schraube loszubekommen. Durch die noch kräftigen Wellen hob und senkte sich das Heck mit Wucht, und er musste aufpassen, dass er keinen Schlag gegen den Kopf bekam.
    „Es hat keinen Sinn, gib mir das Messer“. Ich holte unser scharfes Notfallmesser, das immer am Steuerstand einsatzbereit hängt. Leider musste damit die schöne Leine gekappt werden, erst dann bekam Uwe die Schraube frei. Durch die vielen scharfkantigen Muscheln an Rumpf und Schraube handelte er sich auch eine Schnittwunde am Finger ein. Ich startete testweise den rechten Motor und fuhr kurz rückwärts - alles okay.
    Der Held kletterte wieder aus dem Wasser. Entnervt schaltete er jetzt erstmal den Motorvortrieb ein, war ja sowieso kaum Wind. Und beide Leichtwindsegel erstmal matt - aber noch nicht schachmatt.
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  • Pazifik - Tag 24, Entscheidungsfindung

    April 15, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    145 sm, Wind 5 - 6, früh wolkig mit Squalls, später sonnig, 28°C

    Der Tag an dem wir den 15. Breitengrad überfahren rückte immer näher. Wir hatten uns diesen Breitengrad ausgesucht, um eine schlussendliche Entscheidung zu treffen, ob wir weiter Richtung Gambier oder doch zu dem Marquesas weiterfahren. Der Wetterbericht schwankte ständig zwischen, na geht doch und Katastrophe. Gestern Abend kurz vor dem zu Bett gehen hatte ich noch einmal den aktuellen Lauf angeschaut, und das war gar nicht gut. Ein Tiefdruck direkt über die Inseln mit Windgeschwindigkeiten um die 40 Ktn. Dazu Gewitter und Regen ohne Ende. War das schon das Ende des Traumes von Gambier? Ich war tief enttäuscht und ging mit diesen Gedanken ins Bett. Heute nun musste aber eine Entscheidung her. In solchen Fällen ist es schön, wenn man mit einem Buddyboot unterwegs ist und sich beraten kann. So war es auch Werner der gleich am nächsten Morgen um 01:11 schrieb, „Der Wind wird weniger da unten“. Hoffnung keimte wieder auf. Gleich wurden die neusten Daten ausgewertet und tatsächlich, es sah schon besser aus.
    Inzwischen sind die Würfel gefallen. Aktuelle Prognosen sagen für den 21. und 22. April besseres Wetter mit wenig Wind und Sonnenschein aber auch Gewitter voraus. Drückt die Daumen, dass es dabei bleibt.

    In der Nacht hatten wir mit Wind aus NO zu kämpfen. Vorhergesagt war Ost. Daher hatten wir die ganze Zeit daran zu arbeiten, nicht zu weit nach Süden abzufallen. Für mich hieß es dann gleich bei Tagesanbruch auf das Levante umzurüsten, um mit Wind von hinten wieder Kurs zu halten. Das Setzen gelang auf Anhieb . Was folgte war natürlich wieder mal ein Witz. Kaum war ich mit allem fertig, drehte der Wind bis auf 100°. Den Kurs konnte ich mit dem Segel dann schon halten, hätte ich aber genauso gut mit unserem schönen Gennaker fahren können. Irgendwann gab es dann einen Ruck im Boot. Ich dachte, nanu was war denn das? Da war doch der Bügel der Öse, die die Umlenkung des Niederhalters darstellt, weggeflogen. Das Seil hing nun unter dem vordem Sitz und wurde von diesem noch gehalten. Dafür ist dieser nun aber auch nicht konstruiert. Also bauten wir das Levante wieder zurück, zumal Werner vor Windböen warnte. Unser Gennaker machte dann wieder einen tollen Job. Ich ließ ihn bis kurz vor Mitternacht stehen. Die Winddreher und der böige Wind erforderten aber vollste Konzentration, und so tauschte ich ihn, bevor Doris kurz vor Mitternacht ihre Schicht antrat, gegen die Genua ein. Damit hatte sie es etwas leichter, und mußte nicht ständig den vorgegebenen Windwinkel des Autopiloten adaptieren. Die Nacht wurde dann trotzdem etwas unruhig. Dazu mehr im nächsten Footprint.
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  • Pazifik - Tag 23, Tanz mit dem Baum

    April 14, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    152 sm, Wind 5 - 6, erst sonnig, dann bedeckt und Regen, 28°C

    So viel Segel aus- und eingerefft wie an diesem einen Tag habe ich mein Leben noch nicht. Segel hoch, Segel runter, das geht ganz schön in die Arme. Doch wie kam es dazu? Anfangs versprach es ein ganz gemütlicher Segeltag zu werden. Die Sonne ging schön auf, leichte Wolken am Himmel, alles schick. Am Nachmittag kam allmählich eine komische Stimmung auf. Alles wurde so diesig, die Konturen verschwammen. Es war aber keine richtige Wetterfront, die auf uns zukam, wir waren eigentlich gleich mitten drin. Über uns hatte sich eine riesige Wolke gebildet mit einem Durchmesser von 200 sm, unvorstellbar.
    Von Werner kam dann die Info, er wäre schon im Regen und der Wind spiele verrückt. Es dauerte nicht lange, da kam der Regen auch bei uns an, und mit ihm ging der Wind hoch und änderte die Richtung. Was dann kam waren ständige Windwechsel an Intensität und Richtung. Die Folge, ständig mussten die Segel angepasst werden. Werner war es auch, der mich darauf aufmerksam machte, dass etwas in der Luft liege… Gemeint hatte er den sog. Cape-Index. Dieser steht für, ich zitiere mal wieder:

    CAPE steht für Convective Available Potential Energy – auf Deutsch etwa konvektiv verfügbare potenzielle Energie.
    Das ist vereinfacht gesagt der „Treibstoff“ für Schauer und Gewitter: Je höher der Wert, desto mehr Energie steckt in der Luft für starke Aufwinde. 
    Für die Praxis:
    • niedrig: wenig Gewitterpotenzial
    • mittel: Schauer und einzelne Gewitter möglich
    • hoch: kräftige Gewitter wahrscheinlicher
    • sehr hoch: bei passender Auslöse starkes Gewitterrisiko, teils mit Starkregen, Böen und Hagel 
    Wichtig ist aber:
    Ein hoher CAPE-Wert allein bedeutet noch nicht automatisch Gewitter.
    Es braucht zusätzlich oft einen Auslöser, zum Beispiel Konvergenz, Fronten, Hebung oder lokale Erwärmung. CAPE zeigt also das Potenzial, nicht die Garantie. 
    Als grobe Orientierung:
    • unter 100 J/kg: meist harmlos
    • ab 300 J/kg: Schauer/Gewitter möglich
    • ab 1000 J/kg: kräftigere Gewitter möglich
    • über 2000 J/kg: bei passender Lage auch unwetterartig

    Der hohe Energiegehalt in der Luft war also daran Schuld, dass sich diese riesige Wolke bilden konnte. Zum Glück nahmen die wechselnden Winde mit der Zeit ab, und wir konnten einigermaßen durch die Nacht segeln.
    Vorher gab es aber noch einen Schreck. Es war wieder einmal ein Quietschen zu hören, das meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Diesmal kam es vom Ende des Baumes, und was ich da oben entdeckte war nicht so lustig: Der Unterliekstrecker hatte sich durchgescheuert und hing nur noch am seidenen Faden. Diese Leine hält das untere Ende des Segels. Um das Seil loszubekommen, musste ich es aber kurz mit der Winsch anziehen, um eine Klemme zu lösen. Das war aber schon zu viel für den seidenen Faden, mit einem Ruck riss das Seil durch. Ich kletterte wieder mal hoch zum Baumende. Dieses hatte ein ordentliches Spiel und bewegte sich mit Wind und Wellen ruckartig hin und her. Irgendwie musste ich das Segel aber wieder nach hinten straff ziehen. Ich strebte also zunächst einen Kurs am Wind an, die Genua dazu anziehen, das Groß fieren, um den Druck herauszunehmen. Danach suchte ich eine neue kurze Leine - davon kann man ja nie genug griffbereit haben - und befestigte damit oben am Baumende das achterliche Schothorn an einer Ringöse. Der Baum wollte für diese Operation ohne Narkose allerdings nicht stillhalten, ich mußte ihn immer wieder einfangen, mit der Ersatzleine in der Hand, und mein Konstrukt schließlich mit einem festen Knoten zusammenziehen. Doris saß mit oben und filmte. Eines weiß ich sicher, wenn ich bei solch einer Aktion mal baden gehe, ist dies zumindest für die Nachwelt auf eine Filmrolle - heutzutage etwas weniger romantisch auf einen Chip - gebannt. Wie gut war es auch, dass ich das Segelende noch anderweitig am Baum befestigt hatte, sonst wäre es frei ausgeschlagen. Da hört der Spaß dann auf.
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  • Pazifik - Tag 22 Chin. Hochseeflotte

    April 13, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    152 sm, Wind 5 - 6, sonnig, 28°C

    Beim betrachten der AIS-Karte bekam ich einen riesigen Schreck. Direkt vor uns, wie auf einer Perlenkette aufgefädelt, sah ich Signale von Fischerbooten oder Fischernetzen, was auch immer. Da kann man doch nicht einfach durchfahren, war mein erster Gedanke. Ich will ja nicht an einem Netz hängen bleiben. Und wie es der Zufall will, werden wir diesen Unbekannten natürlich in der Nacht begegnen. Wie gut ist es da, wenn man eine gute Community hat, bei der man gleich mal eine Frage stellen kann, in diesem Fall TO-Pazifik. Wir haben in unserem Verein Transocean inzwischen an die 40 Gruppen mit den unterschiedlichsten Profilen. Schnell kam Entwarnung. Bei den grauen Signalen handele es sich um Bojen, die man im Abstand von mind. 100 m umfahren könne. Hinter den orangen Signalen stecken Fischerboote, da sollte man etwas mehr Abstand halten.

    Das sagt ChatGPT dazu: Die chinesische Fischfangflotte ist nach heutigen Analysen die größte der Welt. Eine aktuelle Auswertung von Oceana kommt zu dem Ergebnis, dass China zwischen 2022 und 2024 mit rund 57.000 industriellen Fischereifahrzeugen etwa 44 % der weltweit sichtbaren industriellen Fangaktivität stellte. 
    Wichtig ist aber der Unterschied zwischen:
    • gesamter chinesischer Flotte: Küstenfischerei, Hochseefischerei, Aquakultur-Logistik usw.
    • Fernfischereiflotte: Schiffe, die weit außerhalb chinesischer Gewässer operieren, also z. B. vor Südamerika, Westafrika oder im Südpazifik. Die FAO beschreibt Chinas Fernfischerei als seit 1985 aufgebaut; für 2022 meldete China dafür rund 2,3 Mio. Tonnen Fang. 
    Für den Pazifik und Südatlantik besonders relevant sind oft die Tintenfischfänger. Frühere Auswertungen von Global Fishing Watch nannten allein für die chinesische Tintenfischflotte rund 352 Schiffe im Raum Südamerika. Diese Boote arbeiten häufig nachts mit sehr starken Decklichtern, um Kalmare anzulocken – deshalb sieht man sie auf See oft schon von weitem als „schwimmende Lichtinseln“.

    Wir konnten diese Boote und Bojen gut umschiffen und hatten uns von unserem ersten Schreck schnell erholt.
    Über diese Art sich weltweit außerhalb nationaler Gewässer am allgemeinen Fischreichtum zu bereichern, geschützte Arten wie z.B. Haie als gern gesehenen „ Beifang“ mit einzuheimsen und durch die Perfektionierung der Fangmethoden den Bestand and Meereslebewesen rücksichtslos und profitgeil zu dezimieren, kann ich mich allerdings sehr aufregen.

    Zum Abendessen gab’s aufgewärmte Fischsuppe und ein Stück Frittata.
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  • Pazifik - Tag 21 Segelgarderobe

    April 12, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    12. April, Etmal 159 sm, 5 - 6 Bft, sonnig, 29°C

    Bei uns ist die Hauptantriebsmaschine unser Segel. Das sollte bei allen Segelbooten so sein. Manchmal kommt es Einem aber so vor, als hätten manche Skipper noch nichts davon gehört. Aber das ist ein anderes Thema.
    Bei uns kommen die Segel hoch, sobald irgendein Lüftchen weht. Die Hauptmaschinen sind unsere Genua mit 45 qm und unser Hauptsegel, das Groß, dieses hat 70 qm. Im Moment sind diese beiden Stoffteile im Dauereinsatz, da wir seit Eintritt in die Passatzone südlich des 6. südlichen Breitengrades durchweg kräftigen Wind haben. Diese Segel haben den Vorteil, dass sie gerefft, und so den verschiedenen Windgeschwindigkeiten angepasst werden können. Mit bis zu 40 Ktn scheinbarem Wind kann man was damit anfangen, mit immer kleinerer Fläche natürlich. Diese Segel bestehen aus einem dicken Dacrontuch und sind sehr belastbar.
    So richtig Spaß macht das Segeln aber dann, wenn wir unsere Leichtwindsegel auspacken können. Diese bestehen aus einem leichten Polyesterstoff und wiegen gerade mal 75g/m2. Dadurch stehen sie auch schon gut bei geringen Windgeschwindigkeiten. Kommen diese hochspezialisierten Produkte zum Einsatz, herrscht, wie der Name schon sagt, weniger Wind. Das hat zur Folge, dass sich auch meistens weniger Wellen herumtreiben. Es ist nämlich das Geschaukele, was uns gerade am meisten auf unserer Reise stört. Man kann überhaupt kaum gerade gehen, zur Toilette tastet man sich an den Schränken entlang und man muß stets im Blick haben, wo man mit dem wenigsten Schaden mit dem gesamten Körper hinknallen kann, wenn eine Superwelle Einen komplett aus dem Stand wirft. Für diese Sportart des ständigen muskulären Ausbalancierens auf dreidimensional wackelnden Standplatten zahlt man in Deutschland ordentlich Geld…
    Unser größtes Segel mit 156 qm ist das Levante. Der bekanntere Begriff ist „Parasailor“. Dieser Name steht aber schon für die Firma selbst, deshalb haben wir ihn uns abgewöhnt. Man sagt ja auch nicht „ich fahre mit dem VW hin“, wenn man nur meint, man fährt mit dem Auto hin.
    Unser Segel ist von Oxley. Ein symmetrisch geschnittenes Tuch mit einem Flügel, der außer für Vortrieb auch für Auftrieb am Bug sorgt und bei stärkeren Böen Druck entweichen lässt. Dieses Segel kann ich von 180°, also direkt vor dem Wind, bis zu 90°, also Wind direkt von der Seite, oben haben. Dies geht allerdings nur bei sehr geringem Wellengang und max. 15 Ktn Wind. Wenn wir das Levante fahren können, fühlt es sich an, als würde unsere Vitila über das Meer dahinschweben. Ein wirklich schönes Erlebnis. Auf unserer Reise über den Atlantik konnten wir dieses Segel zu 95% der Fahrt einsetzen.
    Unser neustes Tuch - das Alte war auf den St. Blas Inseln zerrissen - ist unser neuer Gennaker mit 96 qm. Dieses feine, blau-weiße Tuch eignet sich für leichte Winde bis 15 Ktn und wird eingesetzt für halben Wind (Wind direkt von der Seite) und raumen Wind (von schräg hinten). Es ist enorm, was dieses Segel bei den richtigen Bedingungen an Vortrieb bringt! Ein Plus von 1,5 Ktn gegenüber der Genua ist keine Seltenheit. Es darf sich in der Regel der Gesellschaft des Groß erfreuen.
    Bei dem Wind, der die letzten Tage wehte, blieben die leichten Tücher aber schön im Sack.
    Heute begrüßte mich wieder mal die Sonne mit einem schönem Aufgang, und sie strahlte den ganzen Tag mal mehr mal weniger, sagen wir mal, energieneutral. Außerdem bescherte uns der Wind ein neues Rekordetmal von 159 sm. Hätte es nicht eine Seemeile mehr sein können? Hätte sich im Logbuch hübscher ausgemacht.
    Die Wellen sind immer noch hoch. Mein Blick wandert nach wie vor häufig in die Wetterkarte, wie sich der Wind/Sturm in Gambier entwickelt, und es bleibt spannend.
    Zum Abendbrot gab es Hähnchenbrust mit Gnocchi und Gemüsefrittata.
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  • Pazifik - Tag 20 Stromversorgung

    April 11, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    Etmal 154 sm, bedeckt, gegen Nachmittag sonnig, 5 - 6 Bft., 28 °C; Reststrecke ca. 1300 sm

    Was einige Segler auf einer Ozeanpassage unterschätzen ist die Stromversorgung. Was in der Ankerbucht gerade so funktioniert, reicht dann draußen auf dem Ozean oft nicht mehr aus.
    Heute Vormittag war die Sonne komplett verdeckt, dadurch kaum Ertrag. Am Nachmittag kam sie dann zwar heraus, sehr schön für’s Gemüt, der Energiebilanz brachte es aber nichts mehr, da die PV-Paneele schon von den Segeln verschattet wurden.
    Viele unterschätzen außerdem, dass der Autopilot die ganze Zeit läuft, und der hat richtigen Energiehunger. Je nachdem wie gut er eingestellt ist, und wie gut die Segel getrimmt werden, kann man diesen Bedarf des Autopiloten zwar etwas im Zaum halten, bei hohen Wellen von hinten hat er trotzdem einen hohen Energiebedarf, da er hier wesentlich mehr arbeiten muss.
    Von einem anderen Segler auf unserer Strecke wissen wir, das er in der Not einen Kühlschrank zeitweise abschalten musste. Zum Glück hatte erzusätzlich eine Windfahnensteuerung dabei, die er jetzt aktivieren und so seine Energiebilanz verbessern konnte.
    Wir haben den großen Luxus einen Generator mit 9 kW an Bord zu haben, den wir abends nach Bedarf laufen lassen. Die letzten Tage mit Bewölkung am Vormittag musste er jeden Tag eine Stunde ran und füllte die Akkus noch zusätzlich auf. Ein funktionierendes System, auch mit Reserven, ist also für so eine Passage enorm wichtig. Ich würde aus meiner Erfahrung jedem Langzeitsegler zum Einbau eines Generators raten, oder zumindest ein kleines mobiles Gerät (z.B. kleiner Honda 2,2 kW) in Bereitschaft halten, v.a. wenn man mehrere Kühlschränke, einen Froster und/oder eine Klimaanlage betreibt. Dann bekommt man bei bedecktem Wetter nicht gleich Herzflattern und muss um seine eingefrorenen Steaks (oder Gemüse …. 🤣) bangen, oder gar die halbe Nacht am Steuerrad hängen.
    Heute blies der Wind weiterhin aus voller Puste, Minimum 16 Ktn., meist 19 - 23, in Spitzen 27, wir kommen dementsprechend gut voran. An der Wetterfront gibt es auch neue Hoffnung. Im Moment sieht es so aus, als ob wir doch direkt bis Gambier durchsegeln können. Wir behalten es im Auge und informieren euch.
    Zum Abendessen gab es heute nochmal indisches Curry mit Hühnchen. Da der grüne Salat inzwischen ausgegangen ist, startete heute die „Coleslaw Zeit“. Diese ursprünglich niederländische Erfindung wurde in der Tat von den Amerikanern zu seiner heute bekannten Art weiterentwickelt. Er besteht aus Weisskraut, Möhren und Zwiebeln, alles fein gehobelt, vermengt mit der typischen weißen Salatsoße mit leicht süßlichem Charakter. Eine der wenigen Kreationen, mit der - nach meiner Meinung - die USA die Kulinarik der Welt bereichert haben.
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  • Pazifik - Tag 19, Planänderung

    April 10, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    156 sm, morgens wolkig, nachmittags sonnig, 6-7nBft, 28°C

    Beim gestrigen Blick auf die Wetterkarte ist uns fast die Kinnlade runtergeklappt. Werner hatte eine Bildvorschau für den 22. April von den Gambierinseln geschickt, und da war alles pink! Das beutet Windgeschwindigkeiten über 40 kn. Das möchte Keiner haben. Im Tagesverlauf stellte es sich dann nicht mehr ganz so schlimm dar. Aber auch heute sind die Aussichten nicht gerade vielversprechend. Es muss also wieder mal ein Plan B her.

    Wir Segeln erst einmal weiter südwestlich bis zum 15. Breitengrad. Von da geht es weiter westwärts. Ergibt sich dann ein klares Bild ohne Sturm bei der Ankunft, biegen wir wie geplant nach Süden ab. Das ist die bevorzugte Variante. Wenn dies nicht möglich ist, wenden wir uns schräg nördlich Richtung Marquesas, nicht die erste Wahl, aber eine Möglichtkeit. Immer noch besser als in einen Sturm zu geraten…
    Ansonsten hatten wir heute einen trüben Morgen mit Squalls im Doppelpack. Der Wind war uns weiterhin treu, und die Wellen schaukelten uns nach wie vor ordentlich durch. Man könnte sagen, man gewöhnt sich dran, schön ist es aber nicht. Es polterte immer wieder mal, wenn wieder ein Gegenstand eine Etage tiefer wollte und sich unbemerkt rollend und rutschend zum Rande des Tisches oder der Anrichte vorgearbeitet hatte…Die Schubladen fliegen auch immer mal krachend auf und verkanten sich in ihrer Halterung, auch wenn man noch so drauf achtet sie i m m e r zu verriegeln. Schäden haben wir bisher aber noch keine zu beklagen.
    Obst und Gemüse gehen langsam zur Neige. Die letzte Ananas musste ich zu Marmelade verarbeiten. Die letzte Paprika und Avocados sowie grüner Salat sind verspeist . Zitronen gegen Skorbut 😉 und Orangen, sowie Äpfel halten sich noch. Auch etwas Auberginen und 1 Zucchini sind noch da, und erstaunlicherweise auch noch viele Cocktailtomaten. Relativ unbeeindruckt von der langen Überfahrt zeigt sich, und das war bekannt, Weißkohl, etwas empfindlicher ist Rotkohl.
    Heute Abend sollte also der Fischkopf vom Mahi Mahi in Form einer Fischsuppe zur Aufführung kommen. Dazu wurde der Kopf mit der Schnittfläche nach unten zuerst angebraten, nebst dem typischen Suppengemüse (Karotten, Lauch, Sellerie) und natürlich Zwiebeln. Auch ein zweites Stück vom Fisch, der Nacken, gesellte sich in den Topf. Aufgegossen wurde mit 1 Glas Wein, dann Wasser, und noch zwei Brühwürfel darin aufgelöst. Nach 30 Min. Köcheln wurden die Fischstücke/ Kopf entnommen, und Uwe löste nach dem Abkühlen das Fleisch heraus. Besonderes Augenmerk ist hier auf das sogenannte „Bäckchenfleisch“ zu legen. Es handelt sich um die sehr kurzfasrigen, zarten Kaumuskeln des Fisches. Es läßt sich mit etwas Geschick im Ganzen herauslösen und hat etwa die Größe von zwei Walnusshälften.
    Parallel hatte Doris noch die Handvoll Fischfleischstücke angebraten, die ich, neben den Filets im Ganzen, noch beim Zerlegen des Tieres gewonnen hatte. Dann wurde die Suppe abgeseiht, um evtl. Hautteile und andere nicht-willkommene Kopfteile des Fisches herauszufiltern. Die Gemüsestücke vom Anbraten suchte die Köchin aber heraus, und gab sie zusammen mit den gesamten Fleischstücken in den Sud zurück. Zum Gericht vervollständigt wurde die Suppe durch gekochten Basmatireis, der einfach die letzten Minuten dazugegeben worden war. Es schmeckte umwerfend, leicht nach Fisch, und wenn man Glück hatte identifizierte man sogar ein Stück vom Bäckchen und konnte es genießen.
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  • Pazifik - Tag 18 Stiller Ozean ?

    April 9, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    156 sm, wolkig mit Aufheiterungen, 6 - 7 Bft., 28°C

    Wer hat dem Pazifik nur den Namen „stiller Ozean“ gegeben? Ich fühle mich wie in einer Waschküche. Rings um mich brodelt das Wasser. Wenn sich eine Welle direkt am Bootsrumpf bricht, schiesst sie in hohem Bogen über unser Heck. Zum Glück haben wir seitlich eine Abdeckung aus Stoff mit Kunststofffenster, welche das salzige Ozeanwasser von unserem Sitzbereich fernhält. Seit zwei Tagen sind wir nun schon in diesem Starkwindfeld gefangen aus dem es kein Entweichen gibt. Heute soll es noch bis Nachmittag weiter stürmen, dann sollte Besserung in Sicht sein.

    Ich hab schnell mal bei ChatGPT nachgeschaut:
    Der Stille Ozean heißt so, weil ihn Ferdinand Magellan bei seiner Durchfahrt 1520/1521 nach dem Sturm um Kap Horn bzw. durch die Magellanstraße als ungewöhnlich ruhig erlebte. Er nannte ihn deshalb auf Spanisch „Mar Pacífico“, also „friedliche / ruhige See“.
    Wichtig dabei:
    Der Name ist eher ein historischer Eindruck als eine objektive Beschreibung. Der Pazifik ist natürlich keineswegs immer still oder friedlich — er kann genauso rau und gefährlich sein wie jeder andere Ozean.
    „Pazifik“ kommt also von:
    • lateinisch pacificus = friedensbringend, ruhig
    • daraus spanisch Pacífico
    • auf Deutsch Stiller Ozean

    Die Beschreibung können wir also zum Teil bestätigen. Um Galapagos herum war er uns sogar etwas zu still. Im Moment gebärdet er sich etwas zu windig, im Mittel könnte es dann ganz gut passen 😉.

    Mit Besserung war es dann doch nichts. Die Wellen türmten sich fortgesetzt 3 m hoch und der Wind reichte bis 28 kn. Die Nacht hindurch fuhren wir im zweiten Reff. Squalls waren nur wenige unterwegs, und sie haben uns auch nicht direkt getroffen. Etwas Gutes brachte der kräftige Wind doch mit sich: Wir haben einen neuen Rekord im Etmal erreicht, 156 sm.
    Nachdem vorgestern ein wohl größerer Fisch meine rosa Angelschnur komplett durchtrennt hatte und mit unserer Zahnpastatube verschwunden war, war ich zunächst zum traurigen Nichtangler geworden. Doris fand aber noch zwei vorsorglich mal aufbewahrte leere Zahnpastatuben im Badschrank. Also setzte ich mich heute hin und bastelte einen neuen Köder, diesmal wieder mit Stahlvorfach. So ging’s ja nicht, einfach die Köder stibitzen! Als alles fertig war ließ ich mein Werk gleich zu Wasser, und es dauerte tatsächlich kaum eine Stunde, und wieder konnte ich so einen stattlichen Mahi Mahi aus dem wirbelnden Wasser ziehen. Doris schüttelte zunächst sorgenvoll den Kopf, schaffte es dann aber doch, die 2 Filets noch im Froster-Tetris unterzubringen. Auch den Kopf nahm sie diesmal entgegen, und ich darf mich wieder mal auf eine Fischkopf Suppe à la Vitila morgen freuen.
    Zum Abendessen gab es aufgewärmten Mahi Mahi mit der leckeren Sahnesoße, und ein paar der Tortellini waren auch noch da.

    Doris hatte, wie meistens, die erste Wache ab 21.00 Uhr. Es verlief alles soweit normal, wenn man sich mal an das Tosen, Schaukeln und Brausen auf dem Boot, das durch die stockdunkle Nacht fährt, gewöhnt hat. Kurz vor unserem üblichen Wachwechsel um 23.30 Uhr weckte mich das Schlagen unserer Genua und Doris‘ aufgeregtes Rufen „Uwe, komm schnell mal hoch!“ Leider vergaß ich beim halbnackt Hochstürmen meine Brille unten am Bett, so dass ich Mühe hatte, auf den Instrumenten etwas zu erkennen. Was war passiert? Der Wind hatte abrupt um 60 oder 70 Grad gedreht und uns beim Segeln nach Windwinkel komplett vom Kurs abgebracht. Aus achterlichem Wind war plötzlich Segeln am Wind geworden. Doris hatte schon von Autopilot auf Handsteuerung gewechselt und war hektisch am Kurbeln, aber der Kurs blieb völlig falsch. Ich übernahm das Kurbeln am Steuerrad und spähte nach den verschiedenen Gradanzeigen und Windwinkeln. Aber der Wind spielte völlig verrückt, wir drehten uns hin und her, und eine Patenthalse ließ nicht lange auf sich warten. Die Segel bockten und schlugen. Ich behielt jedoch Ruhe und Nerven - war inzwischen auch gänzlich aufgewacht - und allmählich kehrte der Wind wieder in seine ursprüngliche Richtung zurück. Der Routenpfeil auf Navionics richtete sich wieder auf die Gambier Inseln aus, und der Autopilot durfte wieder übernehmen. Um mich nochmal hinzulegen war es aber nun auch zu spät. Das gleiche Theater wiederholte sich eine Stunde später noch einmal. Jetzt war ich aber darauf gefasst und hatte eine Brille auf der Nase 😉, konnte somit sofort den Kurs korrigieren. Die restliche Nacht lief dann alles reibungslos ohne Aufreger.
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  • Pazifik - Tag 17, mit Vitilazeit

    April 8, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    146 sm, 6 - 7 Bft., sonnig, 28°C

    Auf dem großen Ozean haben Zeit und Raum eine andere Dimension, und so haben wir auf unserem Boot die Vitilazeit eingeführt. Wie kam es dazu?
    Wir sind ja der Meinung, daß unsere modernen Handys die Zeitzonen automatisch umstellen. So ist es zumindest eingestellt, und bei Flügen in andere Länder funktionierte das bisher auch ganz prima. Kaum auf dem Flughafen gelandet hat man schon die neue Uhrzeit auf dem Display.
    Aber mitten auf dem Ozean ist eben Manches anders. Jedenfalls wunderte ich mich schon seit einigen Tagen, daß es Abends immer länger hell blieb, und der Sonnenaufgang immer länger auf sich warten ließ. Beides per se keine unangenehmen Erscheinungen. Wer hat es des Abends nicht gern etwas länger hell und kann morgens noch bis halb acht im Dunklen schlafen. Heute wurde es mir dann doch etwas spanisch, und ich fragte unser Partnerboot, wie spät sie es denn hätten. Kurze Zeit später kam die Antwort, bei ihnen war es tatsächlich noch zwei Stunden früher!
    Da brauchte ich mich denn auch nicht zu wundern, daß ich auf meine Nachricht von sieben Uhr noch keine Antwort bekommen hatte. Wir hatten es durch zwei Zeitzonen hindurch tatsächlich verpasst, unsere Uhren anzupassen. Auch unsere Handys hatten im alten Zeittrott weitergemacht. Und von hartnäckigen Radio- oder Fernsehmeldungen zur anstehenden Zeitumstellung, bis es auch der dümmste Hinterwäldler begriffen hat, blieben wir hier verschont. Was war nun zu tun?
    Nach reiflicher Überlegung fanden wir es aber dennoch belämmert, die Uhren gleich auf einmal um zwei Stunden zurückzustellen. Dieses - an sich korrekte - Vorgehen hätte dann aber zur unangenehmen Folge gehabt, daß es erneut früh dunkel werden würde, und morgens das Ausschlafen des letzten Nachtschicht Führenden durch rasche Helligkeit beeinträchtigt werden würde.
    Also, was macht man in einem solchen Fall? Der Captain haut mit der Faust auf den Tisch und spricht ein Machtwort: Die Uhren werden nur eine Stunde zurückgestellt, basta. Das ist eben jetzt die „Vitilazeit“. Das läuft hier bei uns ganz pragmatisch und nicht wie in der Europäischen Union, wo jahrzehntelange Abstimmungen laufen.
    Ansonsten spielen wir hier den ganzen Tag Berg- und Talbahn, und das ganz ohne Eintritt. Es geht immer 3 m hoch und 3 m runter. Ab und zu gibt’s noch eine Dusche gratis dazu. Schaukelfest sollte man aber schon sein, sonst gibt’s Fischfutter. Hat bisher ganz gut geklappt, unsere Gleichgewichtsorgane haben offenbar in den Pazifikmodus umgeschaltet.
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  • Pazifik - Tag 16 Bergfest

    April 7, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    146 sm, 5 - 6 Bft. Sonnig-trüb, 28°C

    Der heutige Tag stand unter dem Moto Bergfest. Die Frage, die sich mir stellte war, worauf bezieht sich das Bergfest? Zurückgelegte Strecke oder Anzahl der Tage? Wobei ja die zurückgelegte Strecke klar ist, aber was nimmt man als Strecke, die noch vor einem liegt? Vlt. muss man noch einen Umweg segeln?
    Eine Gerade zum Ziel kann man ja in den seltensten Fällen segeln. Na egal, wir haben die zurückgelegte Strecke und die vor uns liegende addiert und durch 2 geteilt. Und da kam nun mal der heutige Vormittag heraus, nämlich 1947,4 zurückgelegt und 1948 sm vor uns. So hätten wir noch rund fünfzehn Tage vor uns, was durchaus angemessen ist.
    Diesen Anlass mussten wir natürlich nutzen um gemeinsam auf die zurückgelegte Strecke anzustoßen.
    Die kommenden Tage haben wir zumindest guten Wind vorhergesagt, und da wird das Tagesetmal etwas nach oben gehen, wobei wir mit den letzen Tagen mit durchschnittlich 144 sm schon ganz zufrieden waren.
    Apropos guter Wind. Der Wind sollte die nächsten Tage bis 28 Ktn auffrischen, das entspricht der Windstärke 7 Beaufort, und das kann man nicht mehr als laues Lüftchen bezeichnen. Die Wellen sollten bis 3,10 m anwachsen, so die Prognose.
    Vor dem Dunkelwerden banden wir folgerichtig auch das 2. Reff ein, genau zur richtigen Zeit, denn mit dem Sonnenuntergang stieg der Wind schon mal auf 25 Ktn an. Hiermit waren wir für die Nacht auf der sicheren Seite. Laut Refftabelle bei raumem Wind konnten wir dann bis 32 Ktn Wind verkraften.
    Die Nacht verlief unter diesen Bedingungen ganz normal. Ein paar Squalls zogen rechts und links an uns vorbei, aber wir hatten ja genug Sicherheit eingerechnet.
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  • Pazifik am Ostermontag - Tag 15

    April 6, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 26 °C

    144 sm, sonnig, 4-5 Bft

    Die Nacht war etwas durchwachsen. Die erste Schicht übernahm ich diesmal, da ich das Leichtwindsegel noch etwas stehen lassen wollte, die Bedingungen aber grenzwertig waren. Squalls in der Nähe hatten das Wasser wieder sehr unruhig werden lassen, und der Wind wehte auch nicht konstant. Nach zwei Stunden nahm ich dann das gute Stück doch runter, bei 16 Ktn Wind. Als ich wieder zum Steuerstand kam waren es gerade noch 12. Wie war das mit dem ersten April? Weiter ging es dann mit dem Groß, platt vor dem Wind, so konnte ich wieder meinen Kurs halten. So ging es durch die Nacht, sehr bequem, wenig Geräusche, Welle von hinten, aber eben auch nicht besonders schnell.
    Deshalb war meine erste Aktion nach dem Aufstehen die Genua rauszulassen. Was dann folgte war viel Frust. Wir hatten zwischen 16 und 18 Ktn Wind, und ich bekam unser Boot einfach nicht zum Laufen. Im Schnitt 5 Ktn, ich konnte machen was ich wollte. Und dann stand mir vor Augen, dass dies der Kurs der nächsten Tage sein würde. Unser Freund Werner von der „ Bring me the Horizon“ war glatt 1,5 Ktn schneller unterwegs, und das mit einem kleineren Boot, hallo gehts noch? Alles Fummeln und Zuppeln an den Segeln brachte nichts. Ja, die See war sehr unruhig, und wir sind total überladen, aber das will man ja nicht wahrhaben…
    Nach dem Mittag ließ der Wind etwas nach. Damit war die Zeit gekommen, den Trumpf zu ziehen, und der stach wieder: Unser Blauweißes ließ wieder die Lachfalten in meinem Gesicht erscheinen. Mit bis zu sieben Knoten im 10 min. Durchschnitt glitten wir jetzt wieder dahin. Da macht das Segeln doch gleich wieder viel mehr Freude. Wenn es hinten am Achterdeck so richtig rauscht und nicht nur plätschert, dann sind wir richtig unterwegs. Bis kurz vor Mitternacht zog es uns über den Ozean. Kurz vor meinem Schichtende um Mitternacht zog plötzlich der Wind an. Zum Glück hatte ich einen Alarm eingestellt, denn so bekam ich es direkt mit. Ein kleiner Squall, auf dem Radar schwer zu erkennen, zog direkt an unserer Seite vorbei. Schnell holte ich das Segel ein, ist ja mit unserem neuen Endlosfurler kein Problem und schnell gemacht. Weiter ging es mit Genua und Groß. Der Wind sollte ja eh auffrischen und der Segelwechsel hätte ohnehin angestanden.
    Heute gab es zur Feier des Tages Mahi Mahi mit Ingwer-Sahnesauce und Spinattortellini, begleitet von gemischtem Salat, und danach ein Creme Dessert mit Früchten. So lässt es sich leben auf einer Ozeanpassage.
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  • Pazifik - Ostersonntag, Tag 14

    April 5, Pazifischer Ozean ⋅ ⛅ 27 °C

    143 sm, wolkig, 28°C

    Ein Tag über den es eigentlich nicht so viel zu berichten gäbe. Sehr schöne Segelbedingungen, ein schönes Etmal geschafft. Die Sonne hatte sich zwar etwas rar gemacht, aber das war kein Problem, wir haben ja einen Generator an Bord. Diesem hatte ich in Panamá City noch eine zusätzliche Dieselpumpe spendiert. Vorher mußte ich nämlich bei jedem Start vorne an der manuellen Vorpumpe Diesel ansaugen, da der Generator sonst beim Starten zu wenig Kraftstoff bekam und wieder abstarb.
    Nun also der Test nach ungefähr zwei Wochen ohne Benutzung. Ich war ganz mutig, startete nicht direkt von der Luke neben dem Generator aus, sondern über die Fernbedienung. Und siehe da, es funktionierte auf Anhieb.
    Der Tag stand aber trotzdem unter keinem guten Stern. Kurz vor dem ins Bett Gehen wollte ich noch einmal die Segel trimmen. Doch was war das? Die Großschot wollte gar nicht ausrauschen, und das bei Druck im Segel. Das war schon sehr komisch. Ich kletterte also flugs im Dunkeln auf das schwankende Oberdeck zum Baumende, um nachzuschauen. Es stellte sich heraus, dass sich der lange flatternde Reißverschluss des Lazybag im Block vom Baum verfangen hatte, er war ganz tief und fest reingezogen. Mist! Ziehen half leider nicht, was nun?
    Doris wurde unten schon unruhig und fragte hoch, was ich so lange in der Nacht da oben rumturnte. Für solche Fälle hab ich eine Talje (Flaschenzug) parat. Über einen Stoppersteg an der Schot befestigt und die andere Seite am Travellerschlitten, so sollte es doch wohl funktionieren. Denkste, das erste Bändsel riss gleich mal Mitten entzwei. Alle weiteren Versuche scheiterten. Konsterniert saß ich da. Doris meinte, kannst Du das nicht morgen bei Tageslicht machen? Sicherlich gut gemeint, aber sollte ich in der Nacht das Segel bergen müssen, hätte ich verloren, es wäre ja nicht gut gegangen. Da war guter Rat teuer, ich überlegte hin und her. Die Anwendung von Gleitöl oder Seifenlauge, Doris’ Idee, nichts führte nur zur geringsten Bewegung des im Block festsitzenden Stoffteils.
    Mit einer Grimpzange (Zange die sich arretiert) am Reißverschluss ansetzen und alles aus dem Block ziehen funktionierte auch nicht. Vielleicht würde ein anderer Zugwinkel, direkt am Baum, etwas bewirken? Nächster Versuch. Nichts. Keine Regung. Dann half der Baum selber mit: durch eine Welle ruckte er kräftig ein, ba-a-mmm, mit einem tüchtigen Knall löste sich der Reißverschluss aus seinem Gefängnis, und ein Seitenteil des Blockes verabschiedete sich gleich mit. Not-Reparatur also doch noch geglückt.
    Inzwischen war es aber schon 22:00 Uhr geworden, da wollte ich eigentlich schon eineinhalb Stunden geschlafen haben…
    Zum Abendessen hatte es Hühnchenschenkel mit Blumenkohl und Kartoffelbrei gegeben. Und weil Feiertag war hatte Doris als Nachtisch ein Sahne -Dessert mit beschwipsten Orangen und Ananas gezaubert. Hat wieder alles super geschmeckt.
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  • Er wollte sich wohl nur die Zähne putzen

    April 3, Pazifischer Ozean ⋅ ⛅ 28 °C

    Eigentlich verlief Tag 12 bisher relativ geruhsam, wir segelten nach Windwinkel 125 Grad stabil Richtung Südost.
    Unsere demütige Äquator-Taufe gestern hatte wohl Erfolg: Die ganze letzte Nacht und heute ganztags kein einziger Squall. 15-18 kn Windgeschwindigkeit. Nur die Wellen waren teilweise recht unangenehm gegeneinander laufend. Aber auch das wurde gegen Abend ein wenig besser.
    Da wir heute Karfreitag haben und keinen Fisch mehr im Froster, bestärkte ich Uwe heute Nachmittag, doch wieder mal unsere Tradition des Angelns mit einer leeren Zahnpastatube aufzunehmen.
    Gesagt getan, Uwe bastelte alles zusammen an die rosa etwas dickere neue Angelschnur incl. Bleigewicht und - schwupps, ab damit ins Wasser. Wie schon fast alle Tage vorher. Die Aktion war auch gleich wieder vergessen 🙄.
    Just eine Stunde später bimmelte jedoch unerwartet unser Index-Glöcklein an der sich durch den Fisch dehnenden Gummischnur. Aber der Fisch war klein und machte sich beim Heranholen auch wieder los. Angeln heute erledigt.
    War‘s also doch nichts mit dem geregelten Karfreitag Abendessen.
    Selbiges mit aufgewärmtem, auch sehr leckerem, Shepherd‘s Pie strebte gerade seinen Ende zu, da bimmelte es erneut laut am Heck backbords. Bezeichnenderweise wieder am Köder der Zahnpastatube, nicht am gekauften Plastiktintenfisch.
    In Ruhe noch zu Ende gegessen, soll er etwas müde werden…
    Und tatsächlich, es hatte ein ordentlicher Mahi Mahi angebissen, 80 cm lang, 2 Mahlzeiten schwer. Das war der erste Biss nach Monaten erfolglosen Angelns! Und das eindeutig erzielt wieder mal mit unserer leeren Zahnpastatube. Das gibt ein feines Osteressen 😌.
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  • Pazifik - Tag 12

    April 3, Pazifischer Ozean ⋅ 🌬 27 °C

    135 sm, sonnig, 28°C

    Wir sind wohl genau zur richtigen Zeit gestartet, jedenfalls fühlt es sich im Moment so an. Seit wir an Galapagos vorbei sind und den Wind gefunden haben, geht es nun richtig voran. Aber warum genau zur richtigen Zeit? Wir hängen genau hinter einer riesigen Wolke fest, und wären wir zwei, drei oder auch einen Tag früher gestartet, befänden wir uns jetzt genau mittendrin. Nicht nur dass wir dann keine Sonne für unsere PV-Anlage hätten, es würden auch ständige Gewitter unsere Begleiter sein, und das braucht man ja nun wirklich nicht. Da mag der Eine oder Andere denken „da segeln wir doch glatt mal dran vorbei“. Naja die Wolke hat eine Abmessung von 770 x 300 SM, das ist größer als die Bundesrepublik, und wir sind mit gerade mal 6 Ktn unterwegs. Wegsegeln - Fehlanzeige. Man könnte mal einen Tag die Segel runter nehmen, aber die Schaukelei ist dann auch nicht so angenehm, und du treibst dahin, wo du nicht hin willst. Manchmal muss man eben auch mal ein bisschen Glück haben.

    Die Nacht war wieder super, viel Wind, für Doris fast ein bisschen zu viel…. Muss man sich erst einmal wieder dran gewöhnen. Keine Squalls weit und breit, und der volle Mond erhellte die Nacht. Die Wellen waren etwas konfus, das macht das Gehen auf unserem Kat etwas anstrengend. Normales Essen und auch Kochen, sowie andere kleine Tätigkeiten sind aber nach wie vor möglich, im Gegensatz zu einem Mono 😉.
    Den nächsten Tag über herrschte bestes Segelwetter. Dank Tipps von Werner konnte ich unsere Segelperformance etwas verbessern: Mit einer App, die die Segelgeschwindigkeit in kurzen Zeitintervallen misst, kann man die Segelstellungen sehr gut anpassen, da man den Effekt gleich sieht. Die Geschwindigkeit auf der Logge ist dazu viel zu unruhig, da sie wellenbedingt ständig hin und her wechselt.
    Von unserem unerwarteten Angelglück heute hat Doris ja schon in einem anderen Footprint berichtet.
    Durch die Nacht ging es dann auch flott im hellen Mondlicht und wieder ganz ohne Squalls.
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  • Pazifik - Tag 11

    April 2, Pazifischer Ozean ⋅ ⛅ 27 °C

    144 sm, sonnig, 28°C

    Die ganze Nacht hindurch wehte der Wind beständig, mal mehr mal weniger stark, so um die 12 - 14 Ktn. Der Mond war unser treuer Begleiter, und kein einziger Squall trübte das Segelvergnügen. So kann es weiter gehen.
    Am Vormittag ist die See immer etwas unruhig, Wellen kommen von überall her, so scheint es. Das macht die Segelei am Morgen etwas schwierig. Man kann kaum laufen, ohne sich festzuhalten. Da ist das Frühstückmachen etwas schwierig. Wir erklären uns das so: überall in der Nähe gehen Squalls hernieder mit höheren Windgeschwindigkeiten. Die dadurch entstehenden Wellen breiten sich nach allen Richtungen aus, und dadurch entstehen dann diese Kreuzseen.
    Zum Mittag hin lässt es dann meistens nach.
    Nach dem Frühstück packten wir dann wieder mal unseren Levante aus. Dies war im Nachhinein eine gute Wahl. Wir segelten mit Wind von Achtern ziemlich genau auf dem 5. Breitengrad entlang. Links von uns entwickelte sich ein Wolkensystem mit einigen Squalls. Werner segelte einen südlicheren Kurs und bewegte sich hinein. Später berichtete er von einigen Squalls, denen er hatte ausweichen müssen. Wir hatten keinen einzigen. Schließlich war es nachmittags so ruhig, dass wir es wagten, unsere Äquatortaufe nachzuholen. Erst die Ansprache, dann das Wasser. Lustig war’s!
    Erst am Abend kurz vor Sonnenuntergang wechselten wir auch wieder auf die Standardgarderobe und segelten auch südwärts. Die Wolken lösten sich zunehmend auf und bis Mitternacht war alles ruhig.
    Zum Abendessen gab es heute Pizza.
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  • Die nachgeholte Taufe….

    April 2, Pazifischer Ozean ⋅ ☀️ 27 °C

    Es war uns schon klar, dass Neptun wahrscheinlich mit gewissem Stirnrunzeln unser Treiben nach unserer Äquatorüberquerung am 29.3. beobachtete…. „Mögen die mein Wasser nicht? Haben die mich vergessen? Werden die gar übermütig? Nanana…. Muss ich heute vielleicht meinen Sack mit den Squalls nochmal hervorholen ?“
    In Anbetracht dieser Möglichkeit beschlossen wir heute Mittag in Gegenwart unseres schön fliegenden Levante diese Taufe irgendwie nachzuholen. Aber ging das überhaupt? Kann man sowas nachholen?
    Was tun in dieser prekären Lage? Richtig - Chat GPT fragen. Für diese Antwort zur möglichen Stimmung von Neptun uns gegenüber brauchte er ziemlich lange 😉. Sachfragen sind ihm eindeutig lieber…
    Dann, nach bangen Sekunden, die Erlösung! Er versicherte uns, dass sich Neptun sehr wohl noch freuen würde, und dass die Äquatortaufe nicht zwingend am Tag der Überquerung sein muss. Sicherheit an Bord geht vor!
    Auch Menschen werden ja in sehr unterschiedlichem Abstand zu ihrer Geburt getauft, ohne dass ihnen bekannterweise Nachteile daraus erwachsen.
    Trotz noch wogender See machten wir uns an Planung und Durchführung der Wasseraktion. Neptun ließ uns immerhin bei der Zeremonie nicht über Bord gehen (Taufe in Rettungswesten wäre blöd gewesen, da sie vielleicht ausgelöst hätten 🤪).
    Na da schauen wir mal, wie wir durch die kommenden Nächte kommen, ob Neptun den bewussten Sack wieder in die Ecke gestellt hat.
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  • Pazifik - Tag 10

    April 1, Pazifischer Ozean ⋅ ☀️ 27 °C

    146 sm, sonnig, 29°

    Wir hatten uns heute auf wenig Wind eingestellt. Die Doldrums gehen ja ungefähr bis zum 6. Breitengrad, und wir waren gerade auf dem 3. Der Wetterbericht hatte auch nur wenig Wind in Aussicht gestellt. Werner hatte schon einen guten Vorsprung von 16 sm herausgesegelt. Dies war aber auch dem geschuldet, dass ich mit 45° ziemlich hoch am Wind segelte, Werner hingegen direkt auf das Ziel Gambierinseln zuhielt, und so um die 10° raumer fuhr. In Erwartung, dass der Wind nachließ, wollte ich auf diese Weise etwas Höhe für das Leichtwindsegel herausfahren, welches ich ja erst ab 70° Windeinfallswinkel nutzen kann.
    Aber wieder einmal hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der Wind hielt sich einfach nicht an die Vorhersage, sondern blies munter weiter mit 16 Ktn. Bei der ruppigen See einfach zu viel für den Reacher... Erst am Nachmittag ließ der Wind etwas nach, so dass ich kurz vor zwei unser blau/weißes Tuch hochzog. Nun sprintete ich Werner hinterher. Bei dieser Disziplin bin ich wieder im Vorteil. Von Werner und Resi war aber auf dem Plotter nichts mehr zu sehen. Erst am Abend, als wir unsere Koordinaten ausgetauscht hatten, wurde klar, dass ich schon 18 sm weiter südlich unterwegs war, in etwa gleicher Höhe wie unser Partnerboot.
    Was uns heute außerdem noch erwartet hatte war eine große Dünung von 3,0 m Höhe, die auf uns zuhielt. Gespannt warteten wir wie dieses sich anfühlen würde. Da die Wellen aber sehr gemächlich alle ca. 14 s sich erhoben und senkten, war gar nicht so viel davon zu spüren.
    Ein wirklich schöner Segeltag ging mit einem tollen Sonnenuntergang zu Ende.
    Zum Abendbrot gab es aufgewärmten Mahi Mahi, dazu die bald letzten Reste grünen Salat, von Doris liebevoll im Wasserbad aufgepäppelt (Doris meinte, sie sei zur „Salatflüsterin“ geworden) verbunden mit Cocktailtomaten, Orangenspalten, etwas Weisskrautstreifen und Feta. Alles mundete auch wieder sehr gut.
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  • Pazifik - Tag 9

    March 31, Pazifischer Ozean ⋅ ☁️ 26 °C

    113 sm (46 Segel, 39 Motorsegeln, 23 Motor), wolkig, 29°

    Unser Plan war es, so schnell wie möglich unterhalb des 6° Breitengrades zu kommen. Den südlichen Kurs hatten wir auch schon gesetzt. Das Vorhaben verging uns aber, als wir in der Nacht die riesige Gewitterzelle vor uns sahen, in die wir direkt hineinsteuerten. Kurzer Erfahrungsaustausch mit Werner, und wir einigten uns, dass wir vorerst auf dem 2° Breitengrad blieben. In der weiteren Nacht erwischte Doris sogar eine Schicht mit ganz gutem Wind, der dann natürlich nachließ, als ich die Wache um 5:30 übernahm…. Was folgte waren sehr unangenehm schlagende Segel, die ich schließlich komplett barg. Gegen acht Uhr erschien dann wieder leichter Wind, und ich setzte unseren Gennaker. Bloß gut, dass wir dieses neue Leichtwindsegel noch rechtzeitig in Panamá von unseren Freunden mitgebracht bekommen hatten.
    Leider hielt der Wind nicht lange. Wir nutzen diese Gelegenheit, um uns im Meer kurz frisch zu machen. Herrlich war das mal wieder! Kurze Zeit später musste ich den Gennaker wieder bergen.
    Die Frage die sich nun stellte war, wann biegen wir nach Süden ab? Auf dem 2. Grad konnten wir nicht bleiben, da gab es keinen Wind. Unten war dieses blöde Wolkenband. Wären wir bloß gestern direkt nach Süden gefahren, da hätten wir es schon hinter uns und wären sogar unbeschadet durchgekommen. Hinterher ist man immer schlauer.
    Am Nachmittag gegen drei Uhr sah ich Richtung Süden eine blaue Wolkenlücke. Zwei Blicke auf die Wetterapp, das könnte etwas werden. Kurze Konferenzschaltung mit Werner, er war mit der Kurskorrektur einverstanden. Also ab in den Süden.
    Nach einer Stunde, wir waren immer noch mit dem Motor unterwegs, kam der Wind, aber genau auf die Nase, blöd. Wir rückten weiterhin nur langsam vor. Irgendwie kamen wir aus der Bannmeile der Galapagosinseln nicht heraus. Ein erneutes intensives Studium der Wetterapp ergab: Abfallen um 30° müsste jetzt möglich sein. Nach einem kurzen klärenden Telefonat mit Werner fielen wir wie geplant ab und bewegten uns mit Motorunterstützung und guter Geschwindigkeit weiter.
    Bis Mitternacht fand danach allerdings ein ständiger Wechsel zwischen Segeln und Motorsegeln statt: Zu langsam, der Kurs konnte nicht gehalten werden usw. Einige Squalls verlangten auch nach unserer Aufmerksamkeit, groß eingreifen mussten wir aber nicht. Erst nach Mitternacht wurde der Wind so beständig, dass wir durchweg segeln konnten. Das nutzte Werner auch gleich dazu, um uns wegzusegeln, der treulose Geselle. Wir sind in der Disziplin „hoch am Wind mit wenig Wind“ nicht die Schnellsten…
    Zum Abendessen gab es Shepherdˋs Pie. Es bestand aus 3 Schichten: Zuunterst gebratene Auberginen, dann 1 Schicht Hackfleisch mit Gemüse und darüber eine Schicht Kartoffelpüree. Und weil ich es so liebe obendrauf noch Röstzwiebeln. Megalecker.
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  • Pazifik - Tag 8

    March 30, Pazifischer Ozean ⋅ 🌙 27 °C

    113 sm (65 sm Segel, 48 sm Motor), wolkig, Regen, Wind 3 - 22 Ktn

    Wir motorten noch bis ca. morgens um eins, da nahm der Wind wieder auf 8 Ktn zu und ich konnte den Motor abstellen. Später um sechs kam dann wieder unser Leichtwindsegel zum Einsatz.
    In der Ferne waren schon die Wolken der innertropischen Konvergenzzone (ITCZ) zu sehen. Diese sorgt für Regen und kräftige Gewitter. Der Wind blies immer noch ausreichend, und wir kamen gut mit unserem Gennaker voran. Doris hatte gut geschlafen und kam etwas später aus dem Schlafgemach. Alles ging dann seinen gewohnten Gang, Frühstück machen, schön essen, bisschen ins Handy schauen. Da dachte ich mir : kuck doch mal nach oben, wo Werner so bleibt, und wie ich auf meinen Plotter schaue, sehe ich ein gewaltiges Regenechos im Radar. Uff, der ganz Himmel vor uns war auch schon schwarz. Jetzt schnell das Leichtwindsegel rein und das erste Reff ins Groß, man weiß ja nie was kommt. Keine fünf Minuten später kamen die ersten Böen angeflogen, und im Nu war der Wind auf 18 Ktn geklettert. Der Regen ließ dann auch nicht mehr lange auf sich warten. Also immer, Holzauge sei wachsam.
    Nach Wochen ohne Regen und mit schwachem Wind kann es eben auch mal wieder anders kommen. Eine ganze Weile fuhren wir dann mit Genua und erstem Reff bis in die nächste Flaute. Und wenn Wind kam, war’s von der falschen Seite. Was dann folgte wünscht man sich nicht: Segel hoch, Segel runter, Schlagen der Segel, Motor an, Motor aus …
    Der einzige Lichtblick war das gute Essen. Es gab Kaiserschmarrn mit Apfelmus, Puderzucker und frischem Obst, ein Gedicht. Gegen 21.00 Uhr konnten wir dann sogar wieder die Segel setzen und der Wind hielt bis Mitternacht. Doris genoß auf diese Weise eine entspannte erste Wache mit wenig Geschaukel und gutem Vortrieb, teilweise über 5 Knoten.
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