Tuol-Sleng-Genozid-Museum
19. december 2024, Cambodja ⋅ ⛅ 31 °C
Im Tuol-Sleng-Genozid Museum trifft man auf menschlichen Abgründe. Wenn man durch das ehemalige Gefängnis geht, spürt man die bedrückende Energie, die hier gespeichert ist, die Grausamkeiten, die hier begangen wurden. Mir sind mehr als einmal die Tränen gekommen, weil es einfach so schrecklich war die Bilder zu sehen und zu lesen, was mit ihnen geschehen ist.
Die Geschichte der Roten Khmer ist eine der grausamsten und tragischsten Episoden des 20. Jahrhunderts – ein Albtraum, der sich mitten in Kambodscha entfaltete. Zwischen 1975 und 1979 verwandelte das Regime unter Pol Pot das Land in ein einziges riesiges Arbeitslager. Ihre Vision? Eine utopische Gesellschaft ohne Geld, ohne Städte, ohne Intellektuelle – nur Bauern auf den Feldern, die dem Staat dienen. Wer nicht in dieses Bild passte, wurde aus dem Weg geräumt. Und das mit einer Brutalität, die kaum zu begreifen ist.
Das Tuol-Sleng-Genozid-Museum in Phnom Penh ist einer der Orte, an dem dieser Wahnsinn greifbar wird. Einst eine harmlose Schule, wurde es zu S-21, einem der berüchtigtsten Foltergefängnisse der Roten Khmer. Hierher wurden Menschen gebracht, die „Staatsfeinde“ sein sollten – Akademiker, Lehrer, Mönche, ja sogar Menschen, die einfach nur eine Brille trugen (weil das Intellektualität suggerierte). Es wurden auch vorher Verbündete zu „Staatsfeinden“, weil das Regime immer paranoider wurde. Zwischen 14.000 und 20.000 Menschen wurden hier inhaftiert. Von diesen überlebten nur etwa 12 bis 20 Personen. Sie wurden gefoltert, bis sie alles gestanden, was ihre Peiniger hören wollten, und dann weitertransportiert – auf die Killing Fields, wo sie mit Schaufeln oder Bambusstäben erschlagen wurden, weil Kugeln zu teuer waren. Hier wurde nicht zwischen Erwachsenen, Kindern oder Babies differenziert. Da man Sorge hatte, die Kinder würden sich später rächen wollen, wurde die gesamte Familie ermordet.
Wenn man durch die kargen Klassenzimmer geht, die jetzt mit vergilbten Fotos der Opfer tapeziert sind, spürt man das Grauen noch immer. Die alten Betten, auf denen Menschen gefesselt und gequält wurden, stehen noch da. Blutspuren sind noch sichtbar. In den Gängen hängen Bilder von den Gefangenen – ernste, verängstigte Gesichter, viele noch Kinder. Die Stille in diesen Räumen ist erdrückend.
Vier Jahre Terror. Fast zwei Millionen Tote. Und das alles, weil eine Gruppe von Fanatikern glaubte, sie könnten eine perfekte Gesellschaft erzwingen.
Das Museum in Phnom Penh ist kein gewöhnlicher Ort der Erinnerung – es ist ein Ort des Schreckens, der einen tief im Innersten trifft. Wenn man diesen Ort verlässt, bleibt ein Gefühl der Fassungslosigkeit zurück. Wie konnten Menschen das einander antun? Und doch geschah es. Und das Schlimmste ist: Die Welt schaute viel zu lange weg. Selbst nachdem Vietnam einmarschierte und die Menschen befreiten, unterstützten Deutschland, Amerika und andere Länder weiterhin die Roten Khmer.
Das wahrlich traurigste an der ganzen Geschichte ist wohl, dass die Verantwortlichen erst 2011 verurteilt wurden, Pol Pot wurde gar nicht verurteilt, da er vorher verstarb, nachdem er sein Leben bei seiner Familie verbracht hatte.
Insgesamt geht man davon aus, dass ca. 3 Millionen der 8 Millionen Einwohner Kambodschas während der Zeit starben.Læs mere






















