• Breb - Gefängnis - Grenzgebiet Ukraine

    20. september 2023, Rumænien ⋅ 🌙 18 °C

    Das Dorf Breb ist vielen Reisenden ein Begriff. Überall liest man, dass hier das traditionelle Rumänien noch erlebbar ist. Darüber hinaus ist bekannt, dass insbesondere King Charles, aus Großbritannien, hier einige Häuser gehören.

    Was hat das Dorf Breb zu bieten?
    Von weitem erkennt man die zahlreichen Heuhaufen. Teilweise sieht man Männer und Frauen mit einer Sense das Gras mähen. Einige sind schon beim nächsten Schritt und wenden das feuchte Gras mit den Rechen bis es soweit ist, auf die Haufen gelegt zu werden. Auch gehören Pferdekutschen noch selbstverständlich zum Alltag.

    In einem Hof erkennen wir eine alte Frau, die auf dem draußen stehenden Herd die geschälten Kartoffeln kocht und uns freundlich anlächelt. Wenige Häuser weiter wird geräuchert. Aus einem Schuppen wird der Rauch über ein Rohr für alle sichtbar in die Umgebung geleitet. Neben dem Schuppen ist eine ältere Dame damit beschäftigt, das Gemüse für das Mittagessen vorzubereiten.

    Es herrscht eine friedliche, ruhige und äußerst angenehme Atmosphäre im Dorf. Die vielen manuellen Tätigkeiten erwecken den Eindruck, die Zeit ist hier im letzten Jahrhundert stehengeblieben.

    Das Village Hotel im Dorf ist ein lebendes Museum, wie wir von der netten Angestellten erfahren. Sie erklärt uns, dass man als Gast dem traditionellen Rumänien sehr nahe komme kann. Überall existieren noch zahlreiche restaurierte Zeitzeugen. Des Weiteren gibt Sie uns noch einige Tipps für unsere Weiterfahrt.

    Das Anwesen gehört einer Engländerin. Scheinbar ist King Charles nicht der Einzige, der von Breb und Rumänien überzeugt ist. 😉

    Nachmittags besuchen wir das Memorial Sighet. Ein altes Gefängnis, welches in der kommunistischen Vergangenheit von Rumänien eine große, leider traurige, Bedeutung hatte. Hier wurden viele Menschen gefangen gehalten, als die Kommunisten die Macht in Rumänien an sich rissen.

    1950 wurden 200 Intellektuelle, Kirchenvertreter, Spitzenpolitiker, Minister, etc. inhaftiert. 

    In mehr als 50 Ausstellungsräumen bringt das Museum die Gräueltaten sehr nahe. Die Gefängniszellen lassen erahnen, was die Inhaftierten ertragen mussten. Viele der Gefangenen starben.

    Eine sehr umfangreiche Dokumentation steht im Museum zur Verfügung. Viele, teils private Aufzeichnungen, Briefe, Bilder, etc. versetzen uns in die Zeit zurück. Eine hervorragende Aufarbeitung der Vergangenheit. 

    Im Innenhof ist eine Gedenkmauer errichtet mit den Namen der ehemaligen inhaftierten Politiker. Außerdem sieht man dort das  Bronze-Denkmal "Der Siegeszug" von A. Vlad. 

    Das Museum steht seit 1995 unter der Schirmherrschaft des Europarates. 

    Zusammengefasst: Die Gedenkstätte für die Opfer des Kommunismus und des Widerstandes ist ein absolutes MUSS.

    Nur wenige hundert Meter vom Museum in Sighetu befindet sich die Landesgrenze zur Ukraine. In einem kleinen Restaurant an der Grenze nutzen wir die Gelegenheit für unser Abendessen.
    Aus nächster Nähe können wir so beobachten, wie viele Ukrainer mit vollgepackten Tüten Rumänien verlassen und wieder zurück in die Ukraine fahren. Häufig sind es Frauen, die ihre Fahrräder über die Grenze schieben. Ebenso beobachten wir auch immer wieder Menschen, die aufgeregt und erwartungsvoll auf die Ankunft von Menschen aus der Ukraine warten. UNHCR und Save the Children bieten sich auf rumänischer Seite in Containern als Anlaufstellen an.

    Zum Übernachten fahren wir weiter nach Sapanta. Hier halten wir vor dem Peri-Kloster, des Erzengels Michael, von Sapanta an. Mit 78 m Höhe ist das Kloster das höchste Eichenholzbauwerk der Welt.

    Kurz bevor das Klostergelände geschlossen wird, können wir uns noch erste Eindrücke von dem Bauwerk verschaffen. Danach bitten uns freundlich ein Priester und eine Nonne das Gelände zu verlassen und weisen darauf hin, dass Hunde auf dem Gelände nicht erlaubt sind. Manuela's Hinweis, Pepe sei doch nur ein kleiner Hund, wollte der Priester nicht gelten lassen.

    Wir stehen vor dem Klosterparkplatz am Wegesrand, nur wenige hundert Meter von der Ukraine entfernt. In der Nacht hören wir immer wieder Granateneinschläge. Morgens um ca. 5:00Uhr hören wir aus weiter Entfernung Fliegeralarm-Sirenen. Später in den Nachrichten lesen wir, dass es um 05:10Uhr einen Luftangriff auf Kiew gegeben haben soll.

    Alles in allem eine für uns bedrückende Stimmung. Nie hätten wir uns im letzten Jahr vorstellen können, so nah an die Landesgrenze zur Ukraine zu fahren.

    Das macht nachdenklich 😔
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