Mein erstes LARP ist vorbei
Yesterday in Germany ⋅ ☀️ 23 °C
Ich bin auf dem Heimweg vom LARP und versuche, die Eindrücke in Worte zu packen. Ich habe mich als NPC Character angemeldet; genauer gesagt
als Gardemilizionär für Nahkampf mit Schild, Schwert, Keule oder Speer. NPCs sind vorgegebene Character, die im Auftrag der Spielleitung bestimmte narrative Grundlinien durch gezielte Spiel Impulse legen. Wenn ein Konflikt heraufbeschworen werden soll, dann kann ich z.B. an der Torwache bestimmten Leute den Einlass verwehren; oder Gerüchte und Desinformation streuen. Meistens haben wir andere Lager angegriffen oder uns mit Verbündeten gemeinsam mit anderen Armeen gekloppt. Da waren wir viel auf dem Gelände unterwegs. Pro Tag kamen da teilweise mehr als 15km zusammen, und das in voller Montur. Eine gepanzerte Weste wiegt je nach Ausführung 4-10kg. Ein Helm 2kg. Mit Schwert, Speer und Schild kommt einiges an Marschgepaeck zusammen. Aber man braucht das auch. Im Kampf wird richtig draufgehauen. Die Waffen sind zwar gepolstert und flexibel, aber man spürt einen Schlag auf Handgelenk oder Nase schon sehr. Beim Kampf muss man dann auf Treffer am eigenen Körper reagieren und theatralisch Schmerz ausdrücken. Je nach Rüstung und Trefferstelle stirbt man früher oder später. Muss das aber immer selbst entscheiden und im Spiel authentisch darstellen. Wenn man nach vielen Treffern immer noch munter vor sich hinkämpft, wird das als unfair empfunden. Aber es wird nicht nur gekämpft. Es gibt eine Rahmenstory, die ich aber leider nicht so ganz verstanden habe. Ich hatte schon damit zu tun, die ganzen Völker und Gruppen zu unterscheiden. Bzw. deren eigene Hintergrundstorys, Anliegen, Sprachen, etc. zu verstehen. Zur Orientierung: es waren ca 1500 Personen. Eine Stadt mit gefühlten 20 Vierteln, Künstler, Handwerker, Gauner, Schützen, Ratsstube mit Stadtrat, Bank, 10 unterschiedliche Tavernen und Gastro. Und das allein in der Stadt. Dazu gab es weitere ZWÖLF befestigte Lager auf dem Gelände verteilt mit teilweise mehreren Kilometern Abstand dazwischen und in Jedem Lager gab es nochmals Tavernen, Miliz, Zauberer, Heiler, und vieles mehr. Ich habe in vier Tagen nicht geschafft, alle Lager zu besuchen und die ganzen Spezialitäten zu probieren. Und dann gab es verschiedene Wettbewerbe und Unterhaltungsprogramm. Theaterstücke, Bardengesänge, Schaukämpfe und vieles mehr. Die Idee ist, möglichst viele Charaktere direkt bei Begegnungen anzuspielen, so dass sich daraus eine Microszene ergibt. Das
macht viel Spaß, mein wienerisch sprechender Character (der Bobischer,
Ohne Vorname) zu dem ich mir ja vorher eine Hintetgrundgeschichte überlegt habe, bot sich oft für Provokationen an. Man kann sich auch gut bestechen lassen (es gibt natürlich auch ein eigenes Münzsystem, das in allen Tavernen, Läden und im Stadtamt gültig ist), weil wir nur wenig Sold bekommen haben, mussten wir anderweitig Geld
beschaffen.
Und ganz am Schluss wurde ich nachts am Stadttor noch von einem Ork erschlagen, weil ich ihn zu stark provoziert habe. Ich könnte noch viel zum Event sagen…. Es war super, dass Costa, der schon seit Jahren LARPt und ausserdem Hobbyhistoriker ist, dabei war und mich in die Details einführen konnte. So konnte ich ihm immer naive Fragen auf wienerisch stellen, um nicht in zu viele Fettnäpfchen zu treten. Kurzum: Ich fand es super, die vier Tage und Nächte in einer Rolle bleiben, fällt mir nicht schwer und mein wienerisch hat sich auch deutlich verbessert. und ich hab für mich beschlossen, dass es nicht das letzte LARP war.Read more










TravelerDas hört sich wirklich verrückt an. Am Anfang habe ich gedacht, das es so ähnlich ist, wie mit einer Frau und drei Kindern. Da gibt es auch viele Mikroszenen, die ohne Rüstung weh tun😉. Aber dein Programm ist doch heftiger. Wo ist denn dein Gespann abgeblieben? Hast du keine Sehnsucht? Viele Grüße!
Björn MaurerJa, das ist sicher ein guter Vergleich, nur ist hier alles fiktional und das macht es etwas künstlich; da muss man gegenwirken
Björn MaurerWas eine coole Auszeit vom Fahrradfahren. Aber jetzt habe ich auch wieder viel Motivation für den zweiten Teil der Reise