Tayma
December 26, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 19 °C
Heute scheint die Sonne. Wie schön. Da ist die Kälte gleich viel wärmer. Bevor wir uns auf den Weg machen, fahren wir deshalb nochmals zurück ins Städtchen von Al Ula. Es lag bisher immer im Schatten und wir wollten es doch so gerne in der Sonne sehen, parken kann man hier nirgends, alles abgeriegelt und auch halten geht nicht, also lasse ich Moritz raus. Er soll die Fotos machen und ich umkreise solange die Stadt. Klappt beinahe. Ich bin zu schnell, darf nicht halten und muss nochmals kreiseln. Er hingegen wird mehrfach gefragt, war er hier macht. Ja was wohl. Fotos. Warum so früh am Tag und allein? Also wirklich. Wir Individualreisende sind schlicht nicht erwünscht. Man weiß nicht, wie mit uns umzugehen ist. Manchmal habe ich das Gefühl, man sieht uns fast als Feind, der kommt, um etwas zu zerstören. Hier wurde Jahrzehnte auf nichts geachtet. Alles ging kaputt. Seit 5 Jahren wird erst restauriert. Ein Goldschatz wird dennoch nicht aus den Städten. Aber bewacht werden sie wie einer.
Es geht quer durch die Wüste. Anfangs ist sie von imposanten Felsen, die alle vom Wind rundgeschliffen worden sind, durchzogen. Dann wir die Landschaft flach. Alles ist beige, braun grau über 100e Kilometer. Eine eintönige, langweilige Fahrerei. Schade, dass wir bei diesem schönen Wetter keine spektakulären Landschaften zu sehen bekommen.
Einige Begleiter, die immer wieder meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sind alle 6km die Blitzkästen. Unglaublich mit welch einer Präzision sie aufgestellt worden sind.
Tayma ist eine kleine Stadt mitten in der Wüste mit antiker, biblischer und mittelalterlicher Geschichte. Es ist ein stiller, kaum bekannter Ort, völlig abseits der Touristenpfade. Tayma spielte Jahrtausende lang eine wichtige Rolle als Wegpunkt für Karawanen, die die trockenen Wüsten durchquerten. Archäologische Funde zeigen eine Besiedlung des Gebietes vom 4. Jahrtausend v. Chr. bis in die islamische Zeit.
Hier wurde erstmals eine Hieroglypheninschrift in Saudi-Arabien gefunden. Sie dient als Beweise dafür, dass die direkte Handelsroute, die während der Herrschaft von Ramses III. genutzt wurde, Tayma mit dem Niltal verband. Sowohl Tayma als auch die benachbarten Oasen waren berühmt für ihren Weihrauch, Kupfer, Gold und Silber, die im alten Ägypten sehr gefragt waren.
Die alte Festung von Tayma liegt außerhalb des modernen Tayma, am Stadtrand. Die Stelle, an der sie erbaut wurde, gehört zu den ältesten Siedlungen in Saudi-Arabien. Sogar der babylonische König Nabonid ließ sich Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. in Tayma nieder. Die Stadt wurde in mesopotamischen Texten erwähnt. Mit den vielen kleinen, weiß umrahmten Fenstern und den weißen, dreieckigen Zinnen ist das Bauwerk ein toller Anblick. Die Befestigungsanlage wurde im unteren Teil aus Steinen und im oberen aus Lehm erbaut. Wir umrunden die Festung und genießen die Ausblicke in die Datteloasen und die alten Lehmhäuser. Hinein können wir leider nicht, da sie freitags nur ab 16 Uhr geöffnet ist. Mal wieder ein wie schade.
Auf der anderen Straßenseite, gegenüber des Forts, finden sich unter Dattelpalmen Überreste einer Siedlung. Hier kann man schön spazieren gehen. Die Häuser wurden sehr eng gebaut. Zwischen ihnen hatten gerade zwei Esel nebeneinander Platz. Die Gebäude waren Wohnhäuser, Shops, Lagerhäuser und Ställe in einem. Die Sicherheit war für die Menschen sehr wichtig. In der Nacht durfte man nur durch einen schmalen Eingang die Stadt betreten. Waffen und Kamele mussten draußen bleiben. Der Stadtkern war mit einer schützenden Mauer umgeben. Heute ist der kleine, alte Ortskern schön restauriert. Auf einem gepflasterten Weg läuft man entlang der Lehmhäzser und kann hin und wieder einen Blick hineinwerfen. Zum Glück ist der Bereich noch kein Museum, sondern frei zugänglich. So konnten wir ihn auch an einem Freitag besichtigen.
Der etwa 2500 Jahre alte Bir Haddaj Brunnen ist die wichtigste Sehenswürdigkeit nach dem Fort. Der Brunnen befindet sich in der Nähe der Altstadt in einer geschlossenen Anlage. Er hat einen Durchmesser von 18m und ist ca. 13m tief, Um das Becken herum hängen Holzräder auf Gestellen. Mithilfe von diesen und mehr als 70 Kamelen wurde vor Hunderten von Jahren Wasser geschöpft. Leider können wir auch hier nur von außen einen Blick auf den Brunnen erhaschen, da er auch ab 16 Uhr öffnet.
Tayma erscheint mir als sehr hübscher, gemütlicher Ort, der sogar schon einige Cafés hat. Aber freitags sollte man hier nicht sein.Read more






















