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Saudi-Arabien

Roadtrip entlang alter Lehmstädte, Oasen, Wüsten und Wadis Læs mere
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    🇸🇦 Unaizah, Saudi-Arabien

    Einen guten Rutsch

    31. december 2025, Saudi-Arabien ⋅ 🌬 19 °C

    Wo auch immer ihr gerade auf der Welt seid, wir wünschen euch einen guten Rutsch ins Jahr 2026 und weiterhin viele tolle Reiseerlebnisse!
    Liebe Grüße aus Saudi-Arabien.

  • Sakaka - Za‘abal Castle

    30. december 2025, Saudi-Arabien ⋅ ☀️ 16 °C

    Der Tag neigt sich dem Ende entgegen und wir haben auch beinahe unser Tagesziel erreicht.
    Sakaka ist eine historisch bedeutsame Stadt, da ihre Geschichte bis zu den Nabatäern zurückreicht. Zaabal Castle wurde wahrscheinlich auf alten Ruinen errichtet, deren Ursprünge in der Zeit der Nabatäer liegen. Die Za’abal Burg thront seit ca. 400 Jahren auf einem hohen Felsvorsprung. Sie besteht aus vier Türmen, die durch eine einzige Mauer verbunden sind. Dadurch entstand ein Hof, in dem sich Wasser sammelte, das dann in die Brunnen der Stadt geleitet wurde. Die Lage auf dem Felsen ist imposant. Die Burg überblickt die gesamte Oase. Ein toller Ort.

    Unter der Burg findet man Überreste von Lehmhäusern, den sogenannten Al-Dula Neighborhood. Viel ist von den alten Häusern leider nicht übrig geblieben.
    In darumgebundenes erheben sich viele tolle Felsen. Wir klettern auf einige hinauf und haben von dort einen tollen Blick auf die Festung, dabei entdecken wir auf dem Gestein viele alte Petroglyphen, die wir uns begeistert ansehen. Viele Kamele sind hier abgebildet.

    Der Sisra-Brunnen ist einer der ältesten Brunnen in der Region und stammt ebenfalls aus der Zeit der Nabatäer. Er liegt in der Nähe des Za’ abal Castle. Im Felsen im Inneren des Brunnens kann man den Eingang eines Kanals sehen, der während der nabatäischen Zeit im ersten Jahrhundert n. Chr. dazu diente, Wasser zu Bauernhöfen zu transportieren. Der 15m tiefe Brunnen wurde in den Stein gehauen. Man konnte das Wasser über eine Treppe erreichen. Hier gibt es ebenfalls ein neu gestaltetes tolles Besucherzentrum, in dem wir Kaffe Nummer vier zu trinken bekommen. Ich spüre schon, wie man Herzschlag zunimmt. Kaffee am frühen Abend. Ich trinke nie Kaffee. Das kann eine Nacht werden. Wahrscheinlich bin ich so munter, dass ich ohne Pause direkt nach Riad durchfahren könnte.
    Das Besucherzentrum ist wieder sehr informativ und toll gestaltet. Die Frau, die uns führt, spricht tolles Englisch. Das macht richtig Spaß. Nach einigen Videos, in denen auch Orte genannt werden, die ich noch nicht kannte und die wir heute noch googeln werden, sehen wir uns die Quelle an, steigen nochmals in die Felsen um weitere Petroglyphen zu finden (Erfolg,os) und sehen uns den Sonnenuntergang über dem Za‘ abal Castle an. Das ist ein wunderschöner Abschluss eines tollen Tages. Heute passt alles. Alle Straßen geöffnet, keine Umwege. Perfekt.

    Öffnungszeiten täglich 10-18 Uhr, Freitag 13-18 Uhr, Eintritt frei
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  • Rajajil Säulen

    30. december 2025, Saudi-Arabien ⋅ ☀️ 15 °C

    Ein kurze Fahrt führt uns nach Rajajil. Ich biege rechts von der großen Straße ab und folge einigen LKWs. Plötzlich endet die Straße. So etwas kommt vor. Aber bisher ging es immer weiter. Hier nicht. Doch was machen die LKWs? Einige Betonblöcke, um die Straße abzusperren, sind etwas verschoben worden. So geht es im Slalom durch die Blöcke, dann ein Stück offroad, wieder durch Blöcke, dann ein Stück geteert. Meine LKWs biegen auf eine andere Piste ab, aber ich weiß ja nun, wie man das macht. Einfach weiter, obwohl alles gesperrt ist und es überhaupt keine Straße gibt. Ohne meine „Vorfahrer“ wäre ich da nie hineingefahren. Und dann sind wir auch schon da.

    Die Rajajil-Säulen, auch bekannt als „Stonehenge Saudi-Arabiens“, sind eine mysteriöse Stätte südlich von Za’abal Castle. Rajajil bedeutet „Ansammlung von Männern“ , da die Säulen aus der Ferne einer Gruppe stehender Männer ähneln. Sie gilt laut Historikern als das älteste Denkmal der Region. Schätzungen zufolge stammen die Säulen aus der Zeit um
    4 000 v. Chr. Der Ursprung des Denkmals ist rätselhaft und die Rajajil-Säulen sind mit vielen Mythen verbunden. Auf dem Gelände sieht man mehr als 50 Gruppen mit je vier der 2-3m großen, antiken Säulen mit ihren thamudischen Gravierungen. Die Steinsäulengruppen sind zum Sonnenaufgang und Sonnenuntergang hin ausgerichtet. Sie könnten somit für astronomische Berechnungen verwendet worden sein.

    Es wird aber auch für möglich gehalten, dass die Säulen Orientierungspunkte für Handelsrouten waren: Al-Jawf war ein wichtiger Zwischenstopp auf mehreren antiken Handelsrouten. Eine der ältesten Landrouten der Geschichte verlief vom Jemen parallel zur Küste des Roten Meeres durch Medina, Al-Ula und Mada'in Salih. Sie bog nach Nordosten nach Al-Jawf ab und führte dann Richtung Damaskus und Türkei. Die Steine ​​könnten ein Wegweiser für die Kreuzung gewesen sein und den sichersten Weg angezeigt haben, um den rauen Sand des Großen Nafud zu umgehen.

    Uns erwartet ein wunderschönes, neues Besucherzentrum. Wir werden mit saudischem Kaffee und Datteln bewirtet. Das ist jetzt Kaffee Nummer drei. Es gibt sowohl frische Datteln, als auch welche, die in einem Pulver, das ein wenig wie Schokolade schmeckt, aber keine ist, gewendet wurden und wie Pralinen aussehen. Sie schmecken herrlich. Wir werden durch das kleine Museum geführt und sehen uns einige sehr gut aufbereitete Videos über die Region über die Ausgrabungsstätte an. Toll gemacht. Eine Dame entschuldigt sich in sehr gutem Englisch, dass sie kein Englisch kann, während unser Guide eine Sprache spricht, die Englisch sein soll, ich aber überhaupt nicht verstehen kann. Doch die Dokumentationen machen alles wett.
    Im Anschluss daran geht es zu den Rajajil Säulen. Wir dürfen in das Gelände rein. Ganz nah an die Säulen ran. Keiner hat Angst, dass wir etwas kaputt machen könnten. Wir werden nicht bewacht. In Al-Ula haben wir wirklich Schaden genommen, wegen dieser verrückten Bewacherei. Es gibt sie sonst nirgends im Land.
    Die Säulen sind absolut faszinierend. Wenn man nur wüsste, welcher archäologische Interpretation die Richtige ist.

    Öffnungszeiten täglich 10-18 Uhr, Freitag 13-18 Uhr, Eintritt frei
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  • Dumat Al-Jandal - Marid Castle

    30. december 2025, Saudi-Arabien ⋅ ☀️ 13 °C

    Unser heutige Strecke Richtung Sakaka führt uns durch die Wüste. Nur Wüste. Nur roter Sand. Kaum ein Hügel, kaum ein Fels. Endlose rote Weite. Man könnte dies jetzt als trostlos empfinden. Aber nein - das Gegenteil ist der Fall. Durch dieses. Ochos, wir einen, die Größe bewusst. Man entschleunigt, obwohl wir zügig fahren, weil um uns herum die Welt stehen zu bleiben scheint. Wir fahren und fahren, fast 5 Stunden, und alles bleibt schlicht rot. Ein unglaubliches Erlebnis. Hier wird diese Unendlichkeit der Landschaft besonders deutlich,

    Die Arabische Halbinsel wird von den trockensten Wüsten und unwegsamen Gebirgen durchzogen. Daher spielen in der Siedlungsgeschichte dieser Region Oasen eine große Rolle. Zwischen diesen wasserspendenden Ortschaften spannte sich das Netz der lukrativen Karawanenrouten. Handelsreisende konnten sowohl ihre Vorräte auffüllen, als auch Schutz vor Überfällen erhalten. Die Oasenstädte erhoben für diesen Service Zölle und konnten entlang der wichtigen Routen großen Reichtum aufbauen.

    Dumat al-Jandal ist eine dieser Oasen und gehörte einst zu den Reichen der Nabatäer und Römer. Sie liegt weit im Norden Saudi Arabiens in der Wüste Nefud an der Kreuzung zweier historischer Handelsrouten der Nabatäer. Unter ihnen florierte der Handel in der Region und die Stadt gewann an Bedeutung. Um diesen strategisch wichtigen Posten zu schützen, mussten auch Verteidigungsanlagen errichtet werden. Die Festung Marid, die auf einem natürlichen Hügel am Rande der ehemaligen Siedlung steht, entstand.

    Mit der Verlegung der Handelsrouten entlang der Küstenstraßen verlor Dumat al-Jandal an Bedeutung. Heute kann man die verworrenen Straßen der Stadt erkunden, auf das Minarett der Omar Moschee klettern und natürlich die Festung nach belieben erkunden. Man fühlt sich in längst vergangene Zeiten zurückversetzt.

    Der untere Teil des Bauwerkes wurde aus Steinen errichtet. Die oberen Mauern sind aus Lehm. In der Befestigungsanlage befinden sich mehrere Innenhöfe und Türme. Manche Wehrtürme sind sogar 12m hoch. Bei einem Spaziergang durch die Burgkorridore und beim Betreten der ehemaligen Räumlichkeiten fühlt man sich wie auf einer Zeitreise. Die rundlichen Lehmtürme erheben sich gegen den blauen Himmel. Wunderschön. Es finden sich viele schöne Aussichtspunkte mit Blick über die grüne Oase. Auch in Usbekistan haben wir schon alte Lehmfestungen gesehen. Doch diese waren kaum noch halten. Das Marid Castel hingegen ist ein Traum.

    Die Omar ibn al-Khattab Moschee ist bekannt für ihre Architektur, die der frühen Prophetenmoschee in Medina ähnelt. Das 12m hohe Minarett sieht man von mehreren Stellen aus der Burg. Dahinter erstreckt sich, schon fast unterirdisch, eine der ältesten Moscheen der Welt. In den steinernen Säulengängen der Moschee sind Teppiche ausgebreitet. In den kleinen Wandnischen liegen Exemplare des heiligen Korans. Solch eine Art Minarett habe ich noch nie gesehen. Ich bin begeistert. Diese Bauwerke sind ein Grund, weshalb ich nach Saudi-Arabien reisen wollte.

    Neben der Moschee beginnt das alte Lehmdorf. Viel ist davon nicht mehr übrig, aber einige Steinhäuser wurden teilweise wieder aufgebaut. Auf der anderen Seite des imposanten Marid Castel liegt das moderne Museum. Ein grandioses, elegantes Bauwerk, dass sich in die Landschaft einfügt. Glückwunsch an den Architekten. Wir werden freundlich empfangen, trinken Café und Tee und führen sehr interessante Gespräche. Als wir schließlich das Museum besichtigen wollen werden wir enttäuscht. Es öffnet in einem halben Jahr und wird gerade mit Artefakten bestückt. Wir sind zu früh. Aber es hat sich schon gelohnt, dieses Gebäude zu sehen. Die Ausstellung wird bestimmt grandios.

    Öffnungszeiten täglich 10 - 18 Uhr, Freitag 13-18 Uhr Eintritt frei
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  • Wadi Rum Saudi-Arabiens

    29. december 2025, Saudi-Arabien ⋅ ☀️ 16 °C

    Heute starten wir sehr früh. Raus aus dieser Bude. Die Sonne scheint. Alles ist prima. Zunächst fahren wir nochmals kurz zu den Gräbern und fotografieren sie im herrlichen Morgenlicht. Leider haben sie noch nicht geöffnet. Aber durch das Tor geht es auch.

    Unsere Nordrunde durch das biblische Saudi-Arabien kann beginnen. Die Landschaft ist schön. Aber noch nicht spektakulär. Das wird sich bald ändern, sobald wir rechts abbiegen. Und ja, dort ändert sich alles. Mal wieder ist die Strecke wegen des NEOM Projekts gesperrt. Hier wird das Skiresort Trojena gebaut. Dort sollen 2029 die olympischen Winterspiele stattfinden. Nach der gestrigen Erfahrung hatte ich das ja schon befürchtet. Somit hätten wir einfach 3 Nächte in Tabuk verbringen können und von dort unsere Touren machen. Ich wollte Zeit und Kilometer sparen und daher haben wir in Duba und in Al-Bad übernachtet. Wie gerne hätte ich darauf verzichtet. Und jetzt dürfen wir den großen Bogen nach Tabuk fahren, weil der Weg durch die Berge gesperrt ist. Klasse. Und natürlich gab es wieder keinerlei Hinweisschilder. Erst am Ort der Sperrung, vor der Schranke, weiß man, dass gesperrt ist.
    Also im riesigen Bogen zurück nach Tabuk. Jetzt haben wir doch noch Zeit in das Museum zu gehen. Man muss es ja positiv sehen. Doch das riesige Museumsgebäude ist leer und von der alten Hejaz Bahnstation dürfen wir lediglich drei Häuschen besichtigen. Der Rest, neun Gebäude, sind Offices. Da wird wieder genau hingesehen, ob wir auch ja kein Foto machen. Das hat sich jetzt aber gelohnt. Es ist 12 Uhr Mittag und unser Tagesprogramm ist geplatzt.
    Vielleicht läuft es heute besser als in Maqna. Wir fahren dreimal mit der Kirche ums Dorf und versuchen von Süden in die Berge zu kommen. Es scheint zu klappen. Die Zufahrt ins Wadi Rum Saudi-Arabiens ist frei. Der Wind ist schon den ganzen Tag stark und nimmt jetzt noch deutlich zu. Wir geraten in einen Sandsturm. Zuerst sind es nur einige rote Feuerteufel, die in wildem Tanz über die Fahrbahn jagen, sich in den Himmel schrauben und über das Plateau davonsausen. Die Luft ist rötlich verfärbt, genauso wie die Berge und der Sand. Toll sieht das aus. Wenn sie uns erwischen, rauscht und rieselt der Sand um das Auto und für einen kurzen Moment sehen wir nichts. Doch dann nimmt der Sturm zu und die Teufel werden größer. Immer wieder müssen wir anhalten und warten, weil wir absolut nichts mehr sehen,
    Vor knapp 2 Wochen ist hier das Tiefdruckgebiet mit dem Schneesturm durchgezogen. Deutlich sieht man die Spuren des Wassers. Heute ist es ein Sandsturm. Wenn die roten Teufel durchgezogen sind, klart es recht schnell auf. Die roten Berge und Felsformationen erheben sich. Pilze ragen in den Himmel. Plötzlich rauscht ein Auto wild mit der Lichthupe blinzelnd auf uns zu. Mitten in der Wüste. Mit Händen und Füßen wird erfragt, ob das unser Auto an der Straße sei. Ob alles ok ist. Ja, alles ist prima. Die ist sie nun wieder, die Freundlichkeit der Bevölkerung. Eine tolle Gegend. Uns hat vor einigen Jahren Wadi Rum in Jordanien schon so begeistert. Heute ist es nicht anders. Was hat die Natur da nur wieder erschaffen.
    Irgendwann erreichen wir das Ende der Straße und auch des Tals. Auf dem Rückweg versuchen wir noch einige Abzweige und entscheiden uns dann, doch noch in die Berge hochzufahren. An der Kreuzung steht im Moment kein Safety Car für das NEOM Projekt und somit fahren wir durch. Die Landschaft ist völlig anders als im Paralleltal. Nicht mehr rot, sondern braun. Keine Felsformationen, sondern Berge. Und zwar die höchsten des Landes. Schließlich erreichen wir den Jabel Al-Lawz mit 2556m Höhe. Hier wurden Moses die 10 Gebote auf den Steintafeln übergeben. Unterhalb des Berges befindet sich der Altar der goldenen Kuh. Da Moses so viel Zeit auf dem Berg verbracht hat, dachten seine Gefolgsleute, er sei Tod und haben einen neuen Gott angebetet. Die Kuh. Als Moses zurückkam, zerstörte er die Kuh und sie zogen mit den Gebotstafeln über Mount Nebo bis ins Heilige Land.
    Wenige Kilometer hinter Jabel Al-Lawz wurde die Straße wieder gesperrt. Wir sind froh, dass es für uns heute gepasst hat. 30 Kilometer weiter nördlich standen wir heute Morgen und durften nicht weiter. Somit haben wir den Norden umkreist und auch noch durchfahren. So viele Kilometer. Aber schön war es und wir sind zufrieden, dass es doch noch geklappt hat.
    Die Sonne geht unter. Uns kommt langsam ein Auto entgegen. Der Beifahrer führt sein Kamel am Strick. So bringt man auch sein Tier nach Hause. Modernes Kameltreiben. Wir freuen uns an diesem Anblick und nachdem wir uns zugewunken haben, zieht jeder seiner Wege.
    Wer also den Norden Richtung Jordanische Grenze in näherer Zukunft bereisen möchte, sollte alle Touren von Tabuk aus unternehmen. Mit etwas Glück, müsste klappen.
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  • Felsengräber Al Bad‘

    28. december 2025, Saudi-Arabien ⋅ ☀️ 19 °C

    In der Taloase mitten in der Region Tabuk befinden sich am Rande der kleinen Ortschaft Al Bad‘ die Ruinen einer antiken Stadt. Es gibt Vermutungen darüber, dass es sich dabei um die Überreste der biblischen Siedlung Midian handeln könne. Einen wissenschaftlichen Konsens darüber gibt es allerdings noch nicht. Offizielle Ausgrabungen in der Region werden erst seit 2017 koordiniert. Aus diesem Grund ist das Gelände aktuell auch noch nicht für Touristen geöffnet. Am Rand der Ruinen findet man aber dennoch einen guten Grund, den Umweg nach Al Bad‘ in Kauf zu nehmen. Das Einflussgebiet der Nabatäer reichte bis weit in das heutige Saudi-Arabien hinein. Um Handelswege auszubauen und zu sichern wurden auch verschiedene Siedlungen gegründet.

    Die Felsengräber hier in Al-Bad‘ auch bekannt als Mugha’ir Shu’ayb sind definitv einen Besuch wert. Sie sind zwar bedeutend kleiner und einfacher gehalten, als ihre berühmten Nachbarn in Jordanien. Dennoch weisen viele von ihnen die typischen Dekormerkmale auf. Dazu gehören vor allem die mit Säulen und Symbolen verzierten Eingangsportale, die in die eigentlichen Grabkammern führen. Einige der Säulen münden in ionische Kapitelle, was den großen Einfluss griechischer Kultur auf die Nabatäer zeigt.
    Viele der Fassaden sind von der Witterung stark in Mitleidenschaft gezogen worden und bereits teilweise eingestürzt. Einige der Dekorationen sind nur noch schemenhaft erkennbar. Es ist klar, dass dieser historische Stätte zu wenig Aufmerksamkeit zum Erhalt zukommt und ohne größeren Aufwand die Felsengräber in einigen Jahren völlig der Erosion zum Opfer fallen könnten.
    Im Moment sind wir einfach nur glücklich, dass die Anlage geöffnet ist und wir nicht wieder vor verschlossenen Toren stehen. Während man in Hegra das Gefühl hatte nicht einmal atmen zu dürfen, um die Gräber nicht zu beschädigen, interessiert es hier niemanden, was man macht. Wir dürfen alleine in das Areal, uns völlig frei bewegen und uns alles so lange wir wollen ansehen. Sind die Gräber nicht genug wert? Ja, ihr Zustand ist nicht der Beste. Das Gestein ist zu weich und der Erosion stark ausgesetzt. Dennoch freuen wir uns sehr, nochmals nabatäische Gräber in dieser Region zu sehen. Im Ausstellungsraum werden noch die anderen archäologische Stätten von Al-Bad beschrieben. Al-Bad wird hier als offenes Museum bezeichnet, in dem seit der Steinzeit Kulturen lebten. Natürlich sind wir neugierig und steuern gleich die ersten Orte an. Alle haben eines gemeinsam: sie sind von einem hohen abgeschlossenen Zaun umgeben. Warum wirbt das Museum, wenn es nichts zu sehen gibt und geschlossen ist? Das ist doch sehr enttäuschend.
    Al-Bad ist alles nur nicht touristisch. Ich hatte schon immer ein ungutes Gefühl wegen der Hotelreservierung. Booking.com hat mir sogar empfohlen umzubuchen. Tja und jetzt. Am angegebenen Ort gibt es das Hotel jedenfalls nicht. Wir kontaktieren es und erhalten die Nachricht, dass es geschlossen ist. Da hat man es nicht für nötig gehalten, uns dies mitzuteilen. Jetzt stehen wir hier.... Wir fahren einige Hotels, die google uns nennt, an, doch da ist nichts. Schließlich finden wir eines. Doch das erscheint mir zu grausig. Also fragen wir in einem Pizza-Imbiss nach. Das scheint das beste "Restaurant" im Ort zu sein. Man nennt uns ein Hotel. Doof, dass die Hotels für uns nicht erkennbar sind, da alles nur auf arabisch angeschrieben ist. Wir schauen es uns an. Oh weh... Doch was ist die Alternative? Eine Nacht im Auto? Dann verlangt er einen horrenden Preis und ich reagiere erst einmal überhaupt nicht. Plötzlich ist das Ganze 100SAR günstiger. Immer noch unverschämt. Hier wird unsere Notlage ausgenützt. Was bleibt? Ich zahle.
    Was haben wir nun? Ein Zimmer mit 4 Wänden um uns herum. Mehr nicht. Die Betten sind dreckig. Ich weiß nicht, wie viele darin schon geschlafen haben. Es gibt weder Klopapier noch Handtuch. Haben wir beides. Klopapier brauchen wir aber nur. Heute fällt das Bad aus. Der Kaugummi klebt auf der Karaffe, Zahnstocher liegen auf dem Boden, das angefangene Duschgel liegt im liederlichen Bad. Jede öffentliche Toilette ist hier sauberer. Am liebsten würde ich doch im Auto schlafen. Leider haben wir keine Inlay-Schlafsäcke dabei. Die wären heute die absolute Rettung. Ich zähle die Minuten, bis ich hier wieder raus kann und überlege, wie ich das Bett beschlafbar mache. So widerlich habe ich bisher nur einmal geschlafen.
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  • Entlang der Küste

    28. december 2025, Saudi-Arabien ⋅ ☀️ 21 °C

    Ich freue mich, dass ich nicht nochmals durch das Baustellengewühle fahren muss, sondern den Weg direkt entlang der Küste nehmen kann. Das spart Kilometer und vor allen Dingen Zeit. Doch als wir an den Abzweig nach Maqna kommen, erwartet uns die Polizei mit der Mitteilung, dass die Strecke gesperrt sei. Super. Jetzt müssen wir einen Umweg von knapp 100km fahren, um unser Ziel zu erreichen. In Al-Bad angekommen, biegen wir also wieder nach Maqna ab. Man könnte ja auch.... Doch nein, weshalb sollte man Schilder mit Informationen aufstellen? Als wir schließlich nur noch 5km von Maqna entfernt sind, stoßen wir mal wieder auf einen Polizeiposten, der uns erklärt, dass die Zufahrt nach Maqna gesperrt ist. Es soll nicht sein. Weshalb schreibt man das nicht an? Somit können wir weder die Mosesquelle noch ein nördlich gelegenes Wadi erreichen. Heute läuft es nicht rund.
    Also alles wieder zurück nach Al-Bad. Diese Sperrung ist dem NEOM Projekt geschuldet. Hoffentlich ergeht es uns morgen nicht weiter so. Wir wollen in eine Gegend, in der das NEOM Projekt Trojena gebaut wird. Also Daumen drücken, dass dort nicht auch alles gesperrt ist und wir umkehren müssen.
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  • Catalina Wasserflugzeug - hart erlaufen

    28. december 2025, Saudi-Arabien ⋅ ☀️ 20 °C

    Heute Morgen scheint tatsächlich die Sonne, der Himmel ist blau und warm ist es noch dazu. Wie wunderschön. Bevor wir starten, decken wir uns noch mit Donuts ein und dann geht es los in die Wüste.

    Zuerst fahren wir durch die größte je gesehene Baustelle namens NEOM. Tausende Lastwagen und Baugeräte tummeln sich links und rechts der Straße. Eine Megabaustelle. Parallel dazu in der Wüste liegen die vorgefertigten Teile für den Straßenbau. Hunderte Meter mit Material. In diesem abgelegenen Teil Saudi-Arabiens sind alle Straßen und Kreisel mindestens dreispurig. Riesige Windparks werden im Wüstensand aufgebaut. das alles für Bauprojekte, die mittlerweile eingestampft sind? Doch was bedeutet NEOM überhaupt? Unter dem Namen NEOM entwickelt Saudi Arabien einen ganzen Landesteil mit einer Größe von 26’500 Quadratkilometer und 468 Kilometer Küstenlänge. Neben neuen Nationalparks umfasst das Projekt vier große Bauprojekte namens Sindalah, Trojena, Oxagon und The Line.
    Und dann ist da noch "The Line". The Line ist das größte Teilprojekt von NEOM. The Line wird ein gigantisches "Gebäude" von 170 Kilometer Länge, welches von der Wüste bis zur Küste reicht. Es soll 200m breit und 500m hoch werden und Wohnraum für 9 Millionen Menschen bieten. Das Gebäude wird vollflächig verspiegelt und soll komplett CO2-neutral sein. Wir überqueren zwei Mal The LINE und fahren dann auf die Halbinsel Sindalah, wo ebenfalls infolge von NEOM überall gebaut wird. Manchmal kann ich gar nicht erkennen, welches die alte und welches die neue Straße sein soll, weil beide in gleich gutem Zustand sind. Die gesamte Landschaft ist von Baufahrzeugen zerwühlt. Hin und her geht es über die alte und die neue Straße. Es nimmt kein Ende. Schließlich erreichen wir die Halbinsel. Von nun an bin ich das einzige Auto. Ich habe drei Fahrspuren zur Verfügung und jeder dreispurige Kreisel hat riesige Ausmaße. Wer braucht diese Straßen? Wer diese tausende von Windrädern, die Strom erzeugen? Werden die NEOM Projekte überhaupt noch realisiert? Wir sehen THE LINE, aber gebaut wird nicht.

    Durch menschenleeres Gebiet fahren wir an den westlichsten Punkt Saudi-Arabiens. Wir blicken hinüber nach Ägypten nach Sharm El- Scheich und auf die Sinai Halbinsel. Das Wasser ist türkisblau. Wunderschön. An dieser Küste liegt das Wrack eines Catalina Wasserflugzeugs. das ist unser Ziel. Doch wegen der ganzen Straßenbaustellen, können wir es nicht erreichen. Wir wissen, wo es liegt. Am Strand. Doch zwischen uns und ihm liegt die Wüste. Nachdem wir nun schon zwei unserer Ziele nicht erreichen konnten, sollte das Flugzeug nicht das Dritte werden. Also packen wir Wasser in den Rucksack, parken das Auto am Rand der Wüste und laufen los. Ich kann mit meinem Wagen nicht querfeldein fahren. Die sandige Kieselwüste ist immer wieder zu weich und die kleinen Dünen, wären auch viel zu hoch für den tiefliegenden Toyota. Mit einem 4x4 wäre das kein Problem. Aber wir haben ja nicht nur unseren fahrbaren Untersatz, sondern auch noch Füße, die einen zum Ziel bringen können.

    Das Catalina Wasserflugzeug wurde ursprünglich in den 1930er Jahren für einen Einsatz im zweiten Weltkrieg von den USA gebaut. In den 1950er Jahren wurde das Flugzeug von einem Geschäftsmann gekauft und er hat damit das gemacht, was heute jeder Influencer mit einem Transporter anstellt: er hat sich einen Camper gebaut, nur eben einen mit Flügeln. Mit diesem fliegenden Hotel brach er zu einer Weltreise auf. Diese führte ihn 1960 auch an die Nordwestküste Saudi-Arabiens. Allerdings gab es zu dieser Zeit Spannungen zwischen Israel und Ägypten auf der Halbinsel Sinai. Vermutlich hielten die Saudischen Sicherheitskräfte die Passagiere des Flugzeugs für feindliche Spione und eröffneten das Feuer. Die vielen Einschusslöcher kann man heute noch sehr gut erkennen. Beim Versuch abzuheben zerbrach das Flugzeug in zwei Teile. Wie durch ein Wunder wurde bei dem Kugelhagel niemand verletzt.

    Heute liegt nur das Flugzeug noch direkt am Strand. Ein grandioser Ort. Wir umrunden es und klettern dann vorsichtig hinein. Der Rost hat viele scharfe Kanten entstehen lassen. Am besten kommt man dem Wrack nur mit frischer Tetanusimpfung näher. Wir brauchen keine und verlassen sehr zufrieden diesen surrealen Ort.
    Vor uns liegt wieder die Wüste, die wir nun ein zweites Mal durchqueren müssen. In der Ferne funkelt uns ein kleiner Punkt entgegen. Unser Auto in der Sonne.
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  • Wadi Disah

    27. december 2025, Saudi-Arabien ⋅ ☀️ 18 °C

    Wadi Disah ist ganz klar die Hauptgrund für einen Ausflug in die Region Tabuk. Wadis sind ausgetrocknete Flusstäler. Im Wadi Disah gibt es fast das ganze Jahr durchweg kleine Rinnsale aus dem Gebirge und der Quelle. Diese bilden zwar keinen Fluss, halten aber den sandigen Boden feucht und können auch zu tiefen Wasserpassagen führen. Daher ist das Tal wie eine kleine Oase immergrün und ein sehr seltener Anblick im trockenen, von Wüsten überzogenen Norden Saudi-Arabiens.

    Doch nicht nur die Oase macht das Wadi Disah zu einem der ganz großen Highlights auf einer Reise durch dieses geheimnisvolle Land. Die grüne Oase schlängelt sich durch wilde Felsformationen. Hohe und kahle Klippen aus ausgewaschenem Sandstein bilden hier eine der spektakulärsten Landschaften, die ich je gesehen habe.

    Mitunter sind die Wege auch für Fußgänger etwas schwierig, da sich immer wieder größere Pfützen bilden und es teilweise nur schwer möglich ist, diese trockenen Fußes zu umgehen. Daher habe ich vorgesorgt und wir sind gut gerüstet, um trockenen Fußes durch das Bilharziose-Verseuchte Wasser zu gelangen. So war der Plan. 7km ins Wadi hineinwandern und natürlich auch wieder hinaus. Doch als wir ankommen, werden wir sofort auf das hohe Wasser hingewiesen. Unser Plan platzt. Wir machen stattdessen eine Jeep-Tour. Fast trocken. Nur das Spritzwasser im Gesicht sorgt für Feuchte. Gleich zu Beginn steht das Wasser weit über einen halben Meter hoch. Trotz der guten Ausrüstung und wasserfesten Schuhen, Tüten und Leechsocken ist klar, dass wir nicht wandern können. Im Wadi selbst gibt es auch immer wieder Passagen mit tiefem Wasser. Es ist wohl gerade sehr wasserreich. Außerdem ist es im Wadi richtig kalt. Das Wasser ist ebenfalls eisig. Schon an den eiskalten Füßen wäre unsere Wanderung nach kürzester Zeit gescheitert. Es wandert auch sonst niemand. Wir wären also die einzigen Fußgänger auf den wassergefluteten Pisten, die von den Jeeps durchpflügt werden. Und somit die ganze Zeit im Weg. So genießen wir die Fahrt. Die Wege sind so zugewachsen, dass uns das Schilf ständig um die Ohren schlägt. Mal sind es nur Rinnsale, Pfützen, tiefe Fuhrten, dann aber auch halbe Seen, die wir durchfahren. Das Wasser spritzt meterhoch. Und die Landschaft? Es wurde nicht zu viel versprochen. Die Landschaft hier gehört zu den Highlights dieser Welt. Hohe Kamine, Felsen, Nadeln ragen in den tiefblauen Himmel. Durchwachsen von Palmen und Schilf. Es ist so eng, dass ein Teil im Schatten liegt und der andere von der Sonne bestrahlt wird. Im Schattenteil ist es eiskalt. So bewegen wir uns hin und her zwischen Licht und Schatten, Wärme und Kälte, Trocken und Nass. Und wir sind nicht allein. Ziegen und Esel leben hier und fressen das Grün. Es ist ein beliebter Platz und die Saudis verbringen hier ihr Wochenende in dieser herrlichen Natur. Im hinteren Teil des Wadis entspringt die Quelle, die hier für ständige Feuchtigkeit sorgt. Nachdem wir diese passiert habe, ist es absolut trocken. Nur noch tiefer, weicher Sand. Das Wadi weist Spuren sehr früher Besiedlung auf, klar erkennbare Treppen wurden vor Urzeiten in den Sandstein gehämmert. Wir sehen auch Becken, in den sich das Wasser sammelt und wie in Kaskaden von einem ins nächste fließt. Folgt man dem Wadi bis ans Ende, erreicht man eine Tiefsandgegend und nach dieser trifft man auf die Teerstraße nach Tabuk. Kilometermäßig eine kleine Runde. Doch da wir das Wadi erst einmal weiträumig umfahren müssen, um es überhaupt zu erreichen, sammeln wir heute wieder viele Kilometer auf dem Tacho und erhalten im Gegenzug Blick auf wunderschöne Landschaften. Nachdem wir gestern nicht sehr glücklich und zufrieden mit unserem Tag waren, ist der heutige wieder ein absolutes Highlight. Die Landschaften sind schlicht atemberaubend. Am Abend blicken wir wieder auf das Rote Meer. Es ist herrlich warm und wir genießen die 25 Grad nach den letzten kalten Tagen.
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  • Kamele

    27. december 2025, Saudi-Arabien ⋅ ⛅ 18 °C

    Nachdem wir nun schon atemberaubende Landschaften durchfahren haben, ist es endlich soweit. Kamelherden ziehen über das Plateau und fressen am dornigen, kargen Gestrüpp. Wir beäugen uns gegenseitig und lassen uns auch nicht stören. Sie fressen und ich fotografiere. Wir schauen dabei auch, ob sie beim Gehen den Hals hochhalten und die Ohren gespitzt sind. Dann handelt es sich nämlich um wertvolle Tiere. Zum Glück haben wir Menschen keine solchen Merkmale, die auf unseren Wert schließen lassen. Schließlich überqueren sie die Straße und wandern weiter durch den tiefen Sand entlang der Akazien. Im Verlauf des Tages treffen wir immer wieder auf Kamele. Mal in felsigem Gelände und gegen Abend im tiefroten Sand der Wüste. Wunderschön sind sie anzusehen: Plötzlich reitet mir ein Traumfotomotiv vor die Linse. Ein Saudi in traditioneller Kleidung geht dem traditionellen Beruf des Kameltreibens nach. Gegen Abned treffen wir auf einige kleine Karawanen, die durch den tiefen Sand der Wüste Richtung heimat reiten. Ein herrlicher Anblick in dieser atemberaubenden Landschaft. Einen Haken hat das Ganze allerdings. Während er seine Herde nach Hause geleitet, schaut er die ganze Zeit auf sein Handy, Die Moderne hat trotz Tradition längst Einzug gehalten. Somit gehöre ich nun so langsam wirklich zu den ganz wenigen Menschen, die immer noch ohne Handy leben können. Es klappt.Læs mere

  • Saudi-Arabiens Landschaften hauen uns um

    27. december 2025, Saudi-Arabien ⋅ ☀️ 22 °C

    Es ist wie jeden Morgen. Der Himmel ist komplett bewölkt, die Sonne nicht zu entdecken. Und wie jeden Morgen hoffe ich, dass sich die Wolken möglichst schnell auflösen. Wir starten zeitig Richtung Küste. Die Fahrt ist langweilig, die Landschaft eintönig. Ich werde müde, obwohl ich heute Nacht prima geschlafen habe. An den Rand fahren ist hier kein Problem. Einfach rechts raus. Ich muss nur schauen, ob sich dort tiefer Sand befindet oder fester Untergrund. Nach einem kurzen Vormittagsschlaf sind meine Akkus wieder gefüllt und erleiden fast einen Überspannungsschaden, als ich den blauwerdenden Himmel entdecke. Weiter geht’s. Wir sind auf schmalen, holprigen Straßen unterwegs, die tief in die Wüste hineinführen. Die Landschaft besteht aus braun grauer Steinwüste mit Bergen. Schließlich biegen wir rechts ab auf eine noch kleinere Straße und mit dem Richtungswechsel vollzieht sich urplötzlich auch ein Landschaftswechsel. Die Sonne drückt, der Himmel wird immer blauer und die Berge immer höher und schroffer. Wir durchfahren ein riesiges Gebirge umgeben von Sanddünen. Und plötzlich, nach einer Kurve prallen wir auf landschaftlichen Gigantismus. Wir unternehmen eine geographische Weltreise und beginnen mit Monument Valley in der USA. Dann beamen wir uns in den Norden Argentiniens in den Cerro Alcazar und in die Entrada de las Flechas, um danach einen Abstecher zur weißen Stupa in der Mongolei zu unternehmen. All das vereint Saudi-Arabien mitten in der Wüste, fußläufig voneinander entfernt. Ich weiß nicht, wohin ich sehen soll. In den gelb leuchtenden Canyon, auf die roten Tafelberge, den vom Regen ausgewaschenen Lehm, über das riesige Tal, das tief unter mir liegt. Wir sind geflasht. Die Worte fehlen. Kein Mensch ist hier. Es herrscht absolute Stille. Nur wir und diese gigantische Natur. Dabei sind wir ja noch nicht einmal an unserem Ziel angekommen. Das Wadi Disah ist doch unser landschaftliches Highlight heute. Aber ob man die Landschaften hier noch toppen kann?
    Wir verlassen diese beeindruckende Bergwelt. Das Tal öffnet sich, wird immer weiter und verwandelt sich schließlich in eine rote Sandwüste. Wir halten und wandern einige anzeigt durch diesen riesigen roten Sandkasten. Die roten Felsen ragen in den blauen Himmel, Akazien wachsen im Sand. Auf unserer Weiterfahrt wird das Tal langsam immer enger. Die Gelsen rücken aufeinander zu und schließlich endet die Teerstarße im Sand. Wir sind angekommen im Wadi Disah.
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  • Tabuk

    26. december 2025, Saudi-Arabien ⋅ ☀️ 18 °C

    Ganz im Nordwesten Saudi Arabiens - etwas abgelegen - liegt die Provinz Tabuk. Nur die wenigsten Reisenden nehmen die lange Fahrt hierher in Kauf. Dennoch bietet Tabuk eine Vielzahl schöner Orte und Potential für das ein oder andere Abenteuer. Vor allem Freunde einzigartiger Landschaften kommen hier voll auf ihre Kosten. Tabuk grenzt an die Ausläufer des weltberühmten Wadi Rum in Jordanien und kann ebenfalls mit unglaublichen Felsformationen aufwarten. Außerdem kann man hier auf biblischen Pfaden wandern oder eben einfach nur die atmosphärische Einsamkeit der endlosen Weite genießen.

    Heute waren wir hier nicht sehr erfolgreich bei unserer Anreise. Es ist nämlich Freitag. Und Freitag ist schlimmer als unser Sonntag. Wenn man Glück hat, öffnen die Sehenswürdigkeiten ab 16:00 Uhr. So das Fort in Tabuk. Als wir dann noch ins Museum wollten, mussten wir erfahren, dass dieses freitags und auch samstags geschlossen hat. Und zu allem Überfluss hat es dann von 8-16Uhr geöffnet und nicht wie sonst üblich bis 21 Uhr manchmal sogar 23 Uhr. Auch wenn wir in einige Tagen nach Tabuk zurückkommen werden, das Museum werden wir leider nicht sehen.
    Ansonsten verirrt sich hier kein Tourist her. Es ist auch für uns nur ein Zwischenstopp auf dem Weg zur Küste. Wir werden sehr aufmerksam gemustert, was zeigt, dass wir hier bunter als jeder bunte Hund sind. Wirklich wohl fühlen wir uns dabei nicht. In der sehr schönen Fußgängerzone reihen sich Geschäfte mit Schmuck, Abayas, Kaftanen, Schuhen und Parfüm aneinander. Dies scheinen die Haupteinkaufsschlager zu sein. Immer wieder dasselbe.
    Morgen wollen wir sehen, ob die Natur im Norden wirklich so grandios ist, wie angepriesen. Wir hoffen es sehr.
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  • Tayma

    26. december 2025, Saudi-Arabien ⋅ ☀️ 19 °C

    Heute scheint die Sonne. Wie schön. Da ist die Kälte gleich viel wärmer. Bevor wir uns auf den Weg machen, fahren wir deshalb nochmals zurück ins Städtchen von Al Ula. Es lag bisher immer im Schatten und wir wollten es doch so gerne in der Sonne sehen, parken kann man hier nirgends, alles abgeriegelt und auch halten geht nicht, also lasse ich Moritz raus. Er soll die Fotos machen und ich umkreise solange die Stadt. Klappt beinahe. Ich bin zu schnell, darf nicht halten und muss nochmals kreiseln. Er hingegen wird mehrfach gefragt, war er hier macht. Ja was wohl. Fotos. Warum so früh am Tag und allein? Also wirklich. Wir Individualreisende sind schlicht nicht erwünscht. Man weiß nicht, wie mit uns umzugehen ist. Manchmal habe ich das Gefühl, man sieht uns fast als Feind, der kommt, um etwas zu zerstören. Hier wurde Jahrzehnte auf nichts geachtet. Alles ging kaputt. Seit 5 Jahren wird erst restauriert. Ein Goldschatz wird dennoch nicht aus den Städten. Aber bewacht werden sie wie einer.

    Es geht quer durch die Wüste. Anfangs ist sie von imposanten Felsen, die alle vom Wind rundgeschliffen worden sind, durchzogen. Dann wir die Landschaft flach. Alles ist beige, braun grau über 100e Kilometer. Eine eintönige, langweilige Fahrerei. Schade, dass wir bei diesem schönen Wetter keine spektakulären Landschaften zu sehen bekommen.
    Einige Begleiter, die immer wieder meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sind alle 6km die Blitzkästen. Unglaublich mit welch einer Präzision sie aufgestellt worden sind.

    Tayma ist eine kleine Stadt mitten in der Wüste mit antiker, biblischer und mittelalterlicher Geschichte. Es ist ein stiller, kaum bekannter Ort, völlig abseits der Touristenpfade. Tayma spielte Jahrtausende lang eine wichtige Rolle als Wegpunkt für Karawanen, die die trockenen Wüsten durchquerten. Archäologische Funde zeigen eine Besiedlung des Gebietes vom 4. Jahrtausend v. Chr. bis in die islamische Zeit.

    Hier wurde erstmals eine Hieroglypheninschrift in Saudi-Arabien gefunden. Sie dient als Beweise dafür, dass die direkte Handelsroute, die während der Herrschaft von Ramses III. genutzt wurde, Tayma mit dem Niltal verband. Sowohl Tayma als auch die benachbarten Oasen waren berühmt für ihren Weihrauch, Kupfer, Gold und Silber, die im alten Ägypten sehr gefragt waren.

    Die alte Festung von Tayma liegt außerhalb des modernen Tayma, am Stadtrand. Die Stelle, an der sie erbaut wurde, gehört zu den ältesten Siedlungen in Saudi-Arabien. Sogar der babylonische König Nabonid ließ sich Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. in Tayma nieder. Die Stadt wurde in mesopotamischen Texten erwähnt. Mit den vielen kleinen, weiß umrahmten Fenstern und den weißen, dreieckigen Zinnen ist das Bauwerk ein toller Anblick. Die Befestigungsanlage wurde im unteren Teil aus Steinen und im oberen aus Lehm erbaut. Wir umrunden die Festung und genießen die Ausblicke in die Datteloasen und die alten Lehmhäuser. Hinein können wir leider nicht, da sie freitags nur ab 16 Uhr geöffnet ist. Mal wieder ein wie schade.

    Auf der anderen Straßenseite, gegenüber des Forts, finden sich unter Dattelpalmen Überreste einer Siedlung. Hier kann man schön spazieren gehen. Die Häuser wurden sehr eng gebaut. Zwischen ihnen hatten gerade zwei Esel nebeneinander Platz. Die Gebäude waren Wohnhäuser, Shops, Lagerhäuser und Ställe in einem. Die Sicherheit war für die Menschen sehr wichtig. In der Nacht durfte man nur durch einen schmalen Eingang die Stadt betreten. Waffen und Kamele mussten draußen bleiben. Der Stadtkern war mit einer schützenden Mauer umgeben. Heute ist der kleine, alte Ortskern schön restauriert. Auf einem gepflasterten Weg läuft man entlang der Lehmhäzser und kann hin und wieder einen Blick hineinwerfen. Zum Glück ist der Bereich noch kein Museum, sondern frei zugänglich. So konnten wir ihn auch an einem Freitag besichtigen.

    Der etwa 2500 Jahre alte Bir Haddaj Brunnen ist die wichtigste Sehenswürdigkeit nach dem Fort. Der Brunnen befindet sich in der Nähe der Altstadt in einer geschlossenen Anlage. Er hat einen Durchmesser von 18m und ist ca. 13m tief, Um das Becken herum hängen Holzräder auf Gestellen. Mithilfe von diesen und mehr als 70 Kamelen wurde vor Hunderten von Jahren Wasser geschöpft. Leider können wir auch hier nur von außen einen Blick auf den Brunnen erhaschen, da er auch ab 16 Uhr öffnet.
    Tayma erscheint mir als sehr hübscher, gemütlicher Ort, der sogar schon einige Cafés hat. Aber freitags sollte man hier nicht sein.
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  • Al Naslaa Rock

    26. december 2025, Saudi-Arabien ⋅ ☀️ 15 °C

    Der Al-Naslaa-Felsen liegt in einer relativ abgelegenen Wüstenregion und ist somit eine isolierte und einzigartige geologische Formation, umgeben von riesigen, trockenen Landschaften. Es handelt sich um einen großen Sandsteinmonolith, der sauber in der Mitte, scheinbar wie mit einem Laser, in zwei Teile gespalten ist. Beide Felshälften stehen aufrecht und perfekt ausbalanciert auf kleinen Sockeln und trotzen den Gesetzen der Schwerkraft und des Gleichgewichts. Das Faszinierendste an dieser Felsformation ist die präzise und scheinbar symmetrische Spaltung in der Mitte, die zu verschiedenen Theorien und Spekulationen über ihre Entstehung geführt hat und die Mystik des Felsens verstärkt. Einige vermuten natürliche Prozesse wie Erosion und Spannungsbrüche, während andere die Vorstellung hegen, dass menschliche oder außerirdische Kräfte daran beteiligt waren. Trotz der anhaltenden Debatten ist der Al-Naslaa-Felsen für jeden, der ihn sieht, ein faszinierendes und rätselhaftes Wunderwerk. Auf seiner Oberfläche finden sich Petroglyphen.

    Ich lade diesen Footprint dennoch hoch, weil dieser außergewöhnliche Ort erwähnt werden sollte. Wir haben einige Zeit entlang der Straße verbracht und einen Weg in die Wüste gesucht. Es war sofort klar, dass wir nicht mit dem Auto hineinfahren können. Aber wenn wir einen sichtbaren, vernünftigen Pfad entdeckt hätten, wären wir gelaufen. Auch das GPS lässt einen hier in Stich. Somit entscheiden wir irgendwann, dass es schlicht nicht machbar ist und fahren weiter. Schließlich wandert man nicht stundenlang planlos durch die Wüste. Es war auch niemand in der Gegend, den wir hätten um Hilfe fragen können. Der Rock liegt sehr versteckt. Vielleicht hätten wir ihn nie gefunden. In Dokus auf YouTube erzählen andere Reisende, wie sie gesucht oder am Ende Hilfe von Saudis erhalten haben, um den Fels überhaupt zu finden. Auf jeden Fall benötigt man einen guten 4x4 mit viel Bodenfreiheit in diesem Gelände.
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  • Maraya Konzerthalle

    25. december 2025, Saudi-Arabien ⋅ 🌙 16 °C

    Maraya bedeutet auf Arabisch „Spiegel“. Diese Konzerthalle ist das größte mit Spiegeln bedeckte Gebäude weltweit. Mal wieder ein Superlativ in Saudi-Arabien. Für diese grandiose Konstruktion wurden 9740 Spiegelplatten verwendet. Maraya liegt in der Wüstenschlucht von Ashar Valley. Es ist sowohl Veranstaltungsort, als auch eine großartige Sehenswürdigkeit. Sie reflektiert die umliegende karge Landschaft. Von einer bestimmen Entfernung ist das Gebäude fast getarnt. Am Nachmittag sind die Lichtverhältnisse wohl besonders schön.

    Schön wäre es. Wir wollten die Halle eigentlich nur von außen besichtigen. Das ist aber nicht mehr möglich. Entweder bucht man ein Ticket für eine geführte Besichtigung von Innen und Außen oder reserviert sich einen Tisch in einem Restaurant. Durch diese Reservierung gelangt man in das abgesperrte Areal der Konzerthalle und kann sich diese vor oder nach dem Essen von Außen ansehen. Das ist die Mogelpackung. Denn eigentlich kommt man laut Einlassbestätigung zum Essen und nicht zur Besichtigung. Wenn ich das nur gewusst hätte, hätte ich natürlich Tickets für die Besichtigung. gebucht (95 SAR p. P. - 25€ über die Webseite Maraya)
    Über die App mytable kann man sich einen Tisch im Restaurant reservieren. Hier liegen die Preise pro Person bei Minimum knapp 100€ pro Person. Wir entscheiden uns gegen diese Tischreservierung, da wir zeitlich kaum Puffer haben. Das Essen herunterzuschlingen und sich in 2 Minuten die Halle anzusehen, steht in keinem Zeit-Preis-Leistungsverhältnis. Mal wieder sehr schade. Da das Wetter heute aber sehr zu wünschen übrig lässt und sich die Sonne erst am Nachmittag durch die dicken Wolken kämpft, war es genau die richtige Entscheidung,
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  • Altstadt Al Ulas

    25. december 2025, Saudi-Arabien ⋅ ☀️ 20 °C

    Zu den Sehenswürdigkeiten in Al Ula gehört die Altstadt, die vom 12. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts bewohnt war. Hier wurden die alten Lehmhäuser zum Glück nicht abgerissen und durch moderne Gebäude ersetzt. Die Altstadt besteht aus etwa 900 Häusern, die alle miteinander verbunden sind. Die Bewohner versuchten, sich vor unerwünschten Gästen zu schützen und verwandelten die Stadt quasi in eine Festung. Früher durfte man die labyrinthartigen Gassen nur dann betreten, wenn man jemanden aus der Stadt kannte.
    Die Häuser waren auch hier zweistöckig. Unten gab es Lagerräume für Lebensmittel, Empfang für die Gäste und oben wurde gekocht und geschlafen.
    Zwischen den Häusern findet man an manchen Stellen Verbindungen. Diese wurden gebaut, wenn aus zwei benachbarten Häusern zwei junge Menschen geheiratet haben. Das Pärchen bekam das Zwischenzimmer, zu dem beide Familien einen Zugang hatten. Viel Privatsphäre hatte das Brautpaar also nicht.
    Die Altstadt von Al Ula wurde nur in der Winterzeit bewohnt. Im Sommer sind die Menschen in ihre Häuser in der Oase gezogen. Es war auch praktisch, einen zweiten Wohnsitz zu haben, da die Lehmhäuser ständig repariert werden mussten.
    In der Stadt sieht man einen dreieckigen Turm, der als Sonnenuhr (Tantora) diente. Um ihn herum wurden Steine mit regelmäßigen Abständen platziert. Wenn der Schatten von einem Stein zum Nächsten gewandert ist, hat die nächste Familie Wasser für ihre Felder bekommen.
    Innerhalb unserer geführten Altstadttour kommen wir in ein Haus und können dieses von Sinnen ansehen. Jetzt werden wundervolle Erinnerungen an den Oman wach. Völlig allein sind wir dort durch die alten Lehmstädte gewandert. Waren in allen Häusern, sind die Treppen hinaufgestiegen, haben teilweise noch Einrichtungsgegenstände entdeckt, haben die Bauweise studiert. Das war eine Entdeckungsreise und für einen damals 11 jährigen ein Abenteuer. Genau jetzt wird uns bewusst, dass wir es damals viel zu wenig geschätzt haben, die Orte so frei erkunden zu dürfen. Hier dürfen wir in ein Haus, das extra aufgeschlossen worden ist. Die Treppe dürfen wir nicht betreten und die Wände nicht anfassen. Ein Showhaus. Kurz darauf besteigen wir die 2500 Jahre alte Festung. Die Aussicht auf das alte Al Ula ist toll. Jetzt wird sichtbar, dass jeweils nur der äußere Rand der Ortschaft renoviert wurde. So sieht das für die Touristen schön aus. Man ist dabei, aber es wird noch einige Jahre dauern, bis die gesamte Stadt restauriert sein wird. Seit 45 Jahren wurde hier nichts mehr gemacht. So sieht es auch aus. Alles ist eingestürzt und kaputt. Zum Glück wird dagegen nun etwas unternommen. Es wird aber kein spannender Ort werden, sondern ein Ort mit wohl organisierten Spaziergängen, ausgesuchten Geschäften und Unterkünften für den ganz großen Geldbeutel. Da niemand im Ort lebt, wird er tot wirken. Schade. Mehr war während der Stadtführung nicht zu erleben. Ein teures Eintrittsticket für eine Festung. Aber sonst kann man sie nicht sehen,

    Al Ula ist eigentlich eine unheimlich spannende Stadt mit vielen Möglichkeiten, sich auf eine Reise in die Welt vergangener Zivilisationen zu begeben. Der Staat hat dieses Potential erkannt und baut die Stadt zum Musterbeispiel des neuen Tourismuskonzeptes aus. Leider ist dieses Konzept nicht sehr freundlich gegenüber Individualreisenden. Denn einfach alles muss als Tour organisiert werden! Keine der Attraktionen ist ohne Terminbuchung, ohne Eintrittspreis möglich. Selbst in der historischen Altstadt von Al Ula kann man sich nicht überall frei bewegen und benötigt Touren. Dieses Konzept passt leider gar nicht zu meiner Vorstellung von Tourismus und ich hoffe, dass sich parallel dazu auch noch nachhaltige Möglichkeiten für Reisende wie mich finden werden. Was mir auch sehr unangenehm aufgestoßen ist: im gesamten Land sind die Verkehrsschilder zweisprachig und das Tankstellennetz gut ausgebaut. Hat man den internationalen Flughafen von Al Ula hinter sich gelassen und fährt Richtung Zentrum sind die Straßenschilder nur noch auf arabisch und alle Tankstellen, die es laut Google.maps gibt, sind verschwunden. Verlässt man den touristischen Teil, sind die Schilder wieder zweisprachig und man findet auch sofort eine Tankstelle. Was soll das? Will man den Touristen klar machen, dass sie sich nur in einer Reisegruppe bewegen können, weil es aufgrund der Sprache ansonsten unmöglich ist? Ich komme mir hier etwas… vor. Allerdings merken wir, dass wir nicht wirklich erwünscht sind, nicht aber als Individualreisende. Ansonsten natürlich schon, solange wir in der Gruppe bleiben, keine eigenen Ideen haben und Geld ausgeben.

    Nichtsdestotrotz gehört Al Ula natürlich zu jeder Saudi-Arabien Reise und die fehlende Flexibilität und die Reglementierungen sind einfach eine Kröte, die man schlucken muss. Es lohnt sich auf jeden Fall! Allein die Landschaft, die die Oase umgibt, ist grandiose Natur vom Feinsten.

    Eine Übersicht über alle Touren und Buchungen gibt es auf der Webseite von Experience Al Ula. Hier wird alles geboten, was man sich nur vorstellen kann. Shows, Konzerte, Dinner, Nachttouren….. Es nimmt kein Ende. Der Ort ist vermutlich der mit der höchsten Tourenangebotsdichte der Welt. Man muss auf jeden Fall im Voraus buchen.
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  • Modernes Al Ula

    25. december 2025, Saudi-Arabien ⋅ ☀️ 21 °C

    Nördlich des Altstadtviertels befindet sich ein moderner Stadtteil, der Al Jadidah Arts District. Hier gibt es stilvolle Cafés und Restaurants. Es lohnt sich hier durch die Straßen schlendern - ganz ohne Eintritt und Tourbuchung. Die Geschäfte wurden sehr stilvoll der Lehmbauweise nachempfunden. Alle sind klein und geschmackvoll gestaltet. Das Angebot richtet sich vor allen Dingen an muslimische Gäste. Aber auch andere können fündig werden. Alles wirkt hochwertig und edel, so auch der Preis. Die wenigen westlichen Touristen haben allenfalls eine kleine Tüte in der Hand. Die Gäste von der arabischen Halbinsel hingegen tragen oft mehrere der ganz großen Tüten. Natürlich sehen wir uns auch in den Geschäften um. Der große Geldbeutel ist in diesem Land gefragt. So stehe ich dann an der Kasse, ein Lächeln auf dem Gesicht, es schreit innerlich: was mache ich hier, lege die Kreditkarte an den Scanner und bezahle den teuersten Honig meines Lebens. Der Verkäufer erscheint fast noch etwas beleidigt, da ich nur ein Glas kaufe. Hier macht shoppen absolut keinen Spaß. Bei vielen der muslimischen Gäste sieht man bereits ganz deutlich an der Kleidung, dass Geld überhaupt keine Rolle spielt.

    Leider weiß hier niemand, was der andere sagt. Im Geschäft heißt es, dass alles um 9:00 Uhr öffnet und im Visitor Center heißt es, dass alles ab 16 Uhr öffnet. Die Mischung aus beidem stimmt. Einige Geschäfte öffnen schon früh. Alle wohl erst ab 16 Uhr. Wir bummeln also durch diese „alte“ Stadt mit ihren kleinen Geschäften und werden sogar fündig. Eine kleine Kerze in schönem Gefäß. Als wir nach dem Preis schauen, entdecken wir auf der Unterseite den Kleber „Made in China“ 48 Pieces. So läuft das. Wieder eine Mogelpackung. Wenn es schon edel und wertig sein soll, dann bitte richtig beschummeln, dass es der dumme Kunde nicht merkt und der Meinung ist, etwas schönes gefunden zu haben. Bestimmt gibt es noch viele weitere schwarze Schafe unter den edlen Angeboten. Das ist natürlich nicht nur hier der Fall, sondern überall auf der Welt. Oft sieht man es direkt. Aber ich hatte es hier in diesen Geschäften nicht in dieser Form erwartet. Schade, dass es da keine Reglementierungen gibt, das wäre dann mal zum Vorteil des Touristen.
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  • Dadan & Jabal Ikmah

    25. december 2025, Saudi-Arabien ⋅ ☁️ 13 °C

    Das Wetter gleicht hier einer Achterbahnfahrt. Morgens und abends richtig kalt. Ok, das ist ja kein Problem. Dafür gibt es Jacken. Wegen der kalten Temperaturen haben wir gestern im Hotel sogar eine Heizung bekommen, die wir gerne angeschaltet haben. Immerhin war es die letzten Tage so, dass der Himmel gegen Mittag, spätestens Nachmittag, herrlich blau war und die Sonne geschienen hat. Also perfekt. Nur der Morgen war wolkig mit wenig Sonne. So kam ich bisher als Blauer-Himmel-Sonne-Mensch voll auf meine Kosten. Heute ist es so grau, wie es grauer nicht sein könnte. Die Wolken hängen tief und der Standort der Sonne lässt sich nicht erahnen. Da man hier alle Touren Wochen im Voraus buchen muss, sind wir unflexibel und können nicht umplanen. Schade. Aber wir sind optimistisch, dass es wie bisher am Nachmittag wieder aufklart. Also: Daumen drücken. Dennoch bleibt es heute lange kalt und wir kaufen Pullover. Die warme Jacke reicht schlicht nicht aus, wenn man nur ein T-Shirt drunter an hat.

    Die Ruinen, die heute zu sehen sind, waren die alte Hauptstadt von zwei Königreichen. Die erste Periode umfasst die Zeit zwischen dem späten 9. und dem frühen 8. Jahrhundert v. Chr. und es war die Phase des biblischen Königreichs Dadan. Das Königreich Lihyan existierte zwischen dem 5.–2. Jahrhundert v. Chr.
    Dadan kann man ebenfalls nur im Rahmen einer Tour besichtigen. Buchung ist auf der Seite https://www.experiencealula.com möglich.
    Wir starten auf die Minute pünktlich. Der Busfahrer fotografiert die Uhr, schickt das Bild über Whats App ab und wir fahren los. Was für ein Kontrollstaat. Als wir Dadan erreichen, werden wir erwartet und uns sofort klar gemacht, dass wir 10 Minuten Zeit für das Museum haben. Nichts wie los. Etwas mehr Zeit wäre schön gewesen. Danach besichtigen wir die Löwengräber, die hoch in der Felswand eingemeißelt sind. Zwei schöne Gräber. Nach einer kurzen Busfahrt erreichen wir die Stadt Dadan, von der heute noch einige flache Mauerreste und viele Steine übrig geblieben sind. Der Audioguide erzählt begeistert, von der strategisch genialen Lage dieser tollen Stadt und dann stehen wir voller Erwartungen vor einige Steinhaufen. Das ist selbst für meinen archäologieverrückten Sohn etwas enttäuschend. Wenn es wenigstens etwas wärmer und sonniger wäre, würde man in den graubraunen Steinhaufen vielleicht auch etwas mehr entdecken können.

    Über Jahrtausende nutzten Menschen aus verschiedenen Kulturen die glatten Wände des Jabal Ikmah für ihre Bilder und Schriften und machten ihn so zu einer steinernen Bibliothek, die uns von der Vergangenheit erzählt. Man findet hier uralte Petroglyphen und Tausende weitere Inschriften in alten, vorarabischen Sprachen. Die frühesten dokumentierten Beispiele für geschriebenes Arabisch wurden hier entdeckt. Außerdem entdecken wir viele Abbildungen von Kamelen, Stieren, einem Löwen, sowie Händen, die sich in so vielen Kulturen finden. Leider ist auch hier die Zeit limitiert. Freundlich aber unmissverständlich wird uns mal wieder klar gemacht, dass die Zeit um ist und wir zu gehen haben. Ich glaube, die perfekten Touristen für dieses Land sind Japaner und Chinesen in Reisegruppen, die aus dem Bus springen, ihre fünf Fotos schießen und sofort zur nächsten Sehenswürdigkeit weitereilen wollen. Schließlich will man in 7 Tagen 10 Länder bereisen. Aber so langsame Reisende wie wir, die intensiv gucken wollen, sind nicht erwünscht.
    Wir begeben uns zu einem überdachten Bereich und beginnen unseren Stein-Workshop. Mit der Zinnbearbeitung kennen wir uns ja nun schon ein wenig aus unserem letzten Urlaub aus. Heute halten wir einen Stein in der Hand. Mit Hammer und Meißel bearbeiten wir ihn. Es macht Spaß und ich bin erstaunt, wie gut das klappt. Bei jedem Schlag denke ich: bitte nicht abrutschen, bitte treffen. Und oh Wunder - ich treffe. Am Ende halten wir jeder einen schön beschlagenen Stein in der Hand. Leider heißt es auch hier wieder: Time is over. Go to the bus. Mein Gott, wenigstens ein paar Minuten mehr. Es gibt hier auch Kinder, die gerne noch weitergemeißelt hätten. Aber nein. Die Stoppuhr läuft. Pünktlich auf die Minute erreichen wir wieder den Parkplatz, auf dem unser Auto auf uns wartet.
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  • Harrat Viewpoint

    24. december 2025, Saudi-Arabien ⋅ 🌙 18 °C

    Der Harrat Viewpoint ist einer der besten Aussichtspunkte in Saudi-Arabien. Die großartige Aussichtsplattform befindet sich in 600 Meter Höhe über Al Ula und ist mit dem Auto leicht erreichbar. Von hier hat man einen grandiosen Blick in alle Richtungen und kann erkennen, wie sich die Oasenstadt mit ihren grünen Wäldern aus Dattelpalmen zwischen die kargen Felsen quetscht. Die unzähligen Dattelpalmen in der Tiefe sehen dabei aus wie ein grüner Fluss. Zu spät sollte man nicht ankommen, da sonst Teile der Oase bereits im Schatten liegen. Dafür ist das Licht besonders schön. Man kann ja zweimal kommen und sowohl die Mittagssonne als auch den Sonnenuntergang genießen.

    Auf dem Plateau gibt es eine Bar mit Lounge Musik, um den Sonnenuntergang über Al Ula zu beobachten und entspannt in den Abend zu starten. Auf jeden Fall ein lohnenswerter Abstecher. Schon die Fahrt den Berg hinauf entlang der serpentinenreichen Straße macht sehr viel Spaß und verspricht ständig gute Ausblicke. Die Strecke ist extrem steil, aber mit einem normalen PKW ohne Probleme machbar (auch wenn einem vielleicht etwas anderes erzählt wird) Bei der Fahrt nach unten sollte man, wenn man Höhenangst hat und nicht gerade der Fahrer ist, bei der Einfahrt in die Passstraße vielleicht kurz die Augen schließen. Man hat das Gefühl senkrecht nach unten zu fahren. Einfach so ins Nichts. Das ist krass. Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen. Aber dies könnte die steilste Strecke sein, die ich je gefahren bin, wobei es in Jordanien und Oman auch sehr steile Straßen gab. Ob sie steiler waren, oder das Auto schwächer? Wer weiß. Langsam fahren ist jedenfalls oberstes Gebot, sonst endet man wie ein Pfannkuchen in der Felswand.
    Auch sonst ist etwas Vorsicht angebracht: Man ist nicht alleine auf der Straße. Kamele ziehen frei über das Plateau und sind keine sehr rücksichtsvollen Verkehrsteilnehmer. Da unterscheiden sie sich kaum von der autofahrenden Bevölkerung.
    Weil wir schon etwas spät dran sind, fahren wir nochmals über den Mittag nach Harrat, um einen Blick in die herrliche Oase Al Ula werfen zu können.
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  • Felsengräber von Hegra

    24. december 2025, Saudi-Arabien ⋅ ☀️ 20 °C

    Die Nabatäer waren ein Handelsvolk auf der Arabischen Halbinsel, dessen Blütezeit zwischen dem dritten Jahrhundert v. Chr. und dem ersten Jahrhundert n. Chr. lag. Ihr Zentrum war das Weltberühmte Petra im heutigen Jordanien – eines der neuen sieben Weltwunder.
    Der Reichtum des Königreiches beruhte auf dem Handel mit Gewürzen, Weihrauch und Myrrhe, die vom Orient in den Mediterranen Raum geliefert wurden. Die damalige Handelsstraße ist unter dem Namen Weihrauchstraße bekannt.
    Mit der Expansion der Nabatäer gen Süden wurde nahe der Oase Al-Ula, einer der ältesten Siedlungen Saudi Arabiens, eine neue Stadt gegründet: Hegra - auch Mada’in Saleh genannt. Hegra liegt auf einer Wüstenebene am Rande des Ithlib Gebirges, befand sich auf einem Knotenpunkt wichtiger Karawanenrouten und wuchs schnell zu einer großen Handelsmetropole. Sie wurde nach Petra die zweitwichtigste Stadt im Königreich der Nabatäer und kontrollierte die Karawanenrouten entlang der Weihrauchroute.
    Ab dem ersten Jahrhundert n. Chr. weiteten die Römer ihre Einflusszone auch in diesen Teil der Welt aus. Sie verfügten über gute Kenntnisse im Schiffsbau und verlegten wichtige Teile des Gewürzhandels auf den Seeweg durch das Rote Meer. Dadurch konnten Waren deutlich schneller und sicherer transportiert werden. Ehemals bedeutsame Handelsposten verloren dadurch ihre Einnahmequellen und auch Hegra wurde schon bald verlassen.
    Von den Strukturen der Stadt Hegra selbst gibt es heute kaum Überreste. Die eindrucksvollen, in den Fels gehauenen Bauten sind keine Wohngebäude sondern Gräber. Bereits zu Lebzeiten haben sich Einzelpersonen und Familien Grabmäler errichten lassen. Die Lage und Ausstattung des Grabes zeigt den sozialen Status.
    Insgesamt gibt es in Hegra über 100 Felsengräber. Bis auf eines sind immer mehrere Gräber in einen Fels gearbeitet worden. Doch das größte Grab Qasr Al-Farid wurde in einen alleinstehenden Felsen gehauen.

    Unter strenggläubigen Muslimen gilt Hegra bis heute als verflucht. Für die Regierung ist dies ein Problem, da Hegra wichtigstes, touristisches Ziel des Landes werden soll.
    Allerdings leidet Hegra aus meiner Sicht an einem anderen Fluch - dem Vandalismus. Über lange Zeit war die antike Stätte ein frei zugängliches Gelände. Man konnte die Felsengräber frei erkunden und sogar in der Wüste unter freiem Himmel Campen. Klingt nach einem Traum! Leider litt die Stätte unter Vandalismus. Erst 2021 wurde das Gelände mit einem neuen Konzept wiedereröffnet. Das bedeutet leider, dass man die Gräber nur noch im Rahmen einer geführten Tour zu festen Zeiten oder immerhin mit innerhalb einer Hop-on-Hop-off-Tour besichtigen kann. Dabei wird man so streng überwacht, dass sich die Atmosphäre, die dieser Ort eigentlich hat, nicht entfalten kann, nicht auf uns wirken kann. Außer uns sind fast keine anderen Touristen vor Ort. Eigentlich liebe ich so etwas. Hier wären mehr Tpuristen vielleicht von Vorteil gewesen. Ja, es ist einem eben nie recht. Wir kommen an, steigen in den Bus und werden zum ersten Besichtigungspunkt gebracht. Dabei fahren wir an traumhaften Gräbern vorbei. Wie? Die dürfen wir nicht sehen? Halten wir hier nicht? Also laufen wir nichts Böses ahnend dorthin und sehen sie uns an. Der erste Fehler des heutigen Tages. Wir werden vermisst, gesucht und gefunden. Wir dürfen nicht mal mehr zum nächste. Besichtigungspunkt laufen, sondern werden im Golfcart hingefahren. Dort weiß man natürlich, was für Übeltäter kommen und uns wird sofort ein Aufpasser zur Seite gestellt. Macht nichts. Soll er mitlaufen. Wir haben nichts zu verbergen. Er will dann höflich wissen, wo wir waren und wir zeigen ihm die gewünschten Fotos. Er ist dann zufrieden. An Besichtigungspunkt drei kommt dann der zweite Fehler, von dem ich bis jetzt nicht weiß, was er ist. Wir umrunden wie alle anderen Besucher, es sind nur fünf, den Felsen mit den Gräbern. Ein Guide erklärt noch etwa und macht sogar Fotos von uns vor der Grabwand. Alles wunderbar. Als wir jedoch noch ein zweites Mal herumlaufen wollen, werden wir „eingefangen“, sollen in das Golfcart steigen und werden auf direktem Weg zum Bus gebracht. Wir erklären, dass wir dort schon mit dem Guide waren. Er meint, dass diese Seite nicht zu besichtigen sei. Niemand darf dorthin. Aber wir alle waren doch dort….? So werden wir also „abgeführt“ und zum letzten Grab gebracht. Das berühmteste Grab, Tomb of Lihyan, son of Kuza, ist das einzige freistehende Grab in Hegra. Ein riesiges Gran aus einem Monolithen herausgehauen. Es erinnert mich an ein riesiges Farberge-Ei, in das ein Grab eingearbeitet wurde. Unglaublich beeindruckend. Wir wollen warten, bis es von der Sonne angestrahlt wird. Ob das klappt, nachdem wir nun schon zweimal aufgefallen sind? Wir hören uns intensiv unseren Audioguide an, schinden Zeit. Wir sind zu früh. Zum Glück treffen wir auf ein deutsches Pärchen und unterhalten uns lange. Es kommen zu unserer Freude weitere Touristen. Die Sonne wandert. Und schließlich um kurz vor 16 Uhr ist es soweit und der größte Teil liegt wunderschön in der nachmittaglichen Wintersonne. Ein Traum. Auch hier ist ständig eine Wachpersonal vor Ort, die alles genau im Blick hat. Daher und wegen unserer vorigen Erfahrungen können wir uns nicht wirklich auf die Atmosphäre des Ortes einlassen. Ständig warte ich darauf, wieder weggeführt zu werden, weil ich etwas falsch gemacht habe, von dem ich nichts weiß. Wir sind also etwas angespannt. Doch keiner schimpft mit uns. Offenbar machen wir gerade alles richtig oder eben nicht falsch.

    Natürlich ist auch mir der Schutz der Anlage sehr wichtig. Offenbar fehlt es an Personal, alles zu bewachen. Aber so sehr muss man es gar nicht bewachen. Schlimm war, dass es die letzten Jahre vernachlässigt und überhaupt nicht beachtet wurde. Dadurch ging leider sehr viel kaputt. Jetzt ist die Bewachung dafür so extrem, dass es nicht mehr wirklich Spaß macht, diesen tollen Ort zu besuchen. Dieses Konzept schießt weit über das Ziel hinaus und lässt mich nach dem Besuch etwas wehmütig zurück. In meinem Bericht geht es auch hauptsächlich um das persönlich Erlebte und nicht um die Gräber an sich. Die Gräber sind doch aber der Besichtigungsgrund. Alles andere verdient normalerweise keinerlei Erwähnung. Wir erkennen auch ganz klar, dass Individualreisende nicht wirklich willkommen sind. Die muss man einzeln bewachen, Die Busgruppe kommt mit Guide, läuft brav mit und verschwindet nach einigen Minuten komplett wieder. Der Guide Aufpasser genug.
    Dennoch! Hegra ist ein absolutes Muss auf jeder Saudi Arabien Reise und definitiv einer der beeindruckendsten Orte, die ich je besucht habe. Die Felsengräber sind in einem fantastischen Zustand. Und zu Recht wurde Hegra 2008 das allererste UNESCO Weltkulturerbe Saudi Arabiens.

    Die einzige Möglichkeit, Hegra zu besuchen, ist eine organisierte Tour, die über https://www.experiencealula.com gebucht wird. Wir fanden die Hop-on-Hop-off-Tour am geeignetsten für uns. Wir hatten im Groben solange Zeit zu bleiben, wie wir wollten. Wer das Lihan Grab im Dezember in der Sonne sehen will, sollte gegen 15:30 Uhr dort sein und ist fast allein. Ab 16 Uhr werden die Busgruppen hngekarrt und es wird voll und laut.

    Ein bisschen Historie
    Jabal Al Ahmar heißt so viel, wie „Der Rote Berg“. Hier ist das Grab von Hinat, der Tochter von Wahbu. Die Inschriften verraten, dass die Frauen im Nabatäerreich eine entscheidende Rolle in der Gesellschaft spielten. In diesem Grab wurden 80 Personen aus verschiedenen Generationen begraben. Die Nabatäer haben ihre Toten in drei Schichten eingewickelt. Als erstes Wolle, dann Leinen und als letztes Leder.

    Der Name des Qasr Al-Farid Tomb (Grab von Lihyan) bedeutet „Das einsame Schloss“. Es ist ein Einzelgrab, in einen riesigen Felsen gemeißelt und das Wahrzeichen von Hegra. Dieses Grab unterscheidet sich von den anderen nicht nur darin, dass es alleine steht. Es hat vier statt zwei Säulen. Sein unterer Teil wurde leider nicht fertiggestellt. Sonst hätte es die größte Fassade in Mada´in Saleh.

    Um den großen Sandsteinfelsen Jabal Al Banat herum findet man mehrere kleinere Gräber. Sie wurden einfacher gestaltet, was darauf schließen lässt, dass hier Menschen mit niedrigerem, sozialem Status beigesetzt wurden.
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  • Oasis Heritage Trail

    24. december 2025, Saudi-Arabien ⋅ ⛅ 15 °C

    Der schöne ca. 3 km lange Spazierweg erstreckt sich parallel zur Hauptstraße vom Orange Path bis zum Dadan Visitor Center. Der Weg führt zwischen den Überresten der alten Lehmhäuser und schön gestalteten grünen Gärten entlang. Dattelpalmen spenden Schatten. Orangen und riesige Zitronen wachsen hier. Der Oasis Heritage Trail geht an seinem Ende in den Dadan Heritage Trail über. Viele der alten Lehmhütten werden wieder aufgebaut. Man überlegt dabei genau, wie man vorgeht. Somit bleibt an einigen Ecken die ursprüngliche Stadt, bzw. deren Reste erhalten. Ansonsten wird neu angelegt im Sinne von, man soll es nicht sehen, es soll authentisch wirken und praktisch sein. An manch einer Mauer haben wir am Stroh-Lehmverputz gekratzt und darunter Betonsteine gefunden. Schade. Zumal das vom Raumklima her grauenhaft ist zu wohnen. Der Blick gleitet von grünen Palmen und Gemüsegärten zu Orangenhainen und Bananenplantagen hinauf in die roten Felsen der Tafelberge und weiter in den blauen Himmel. Ein wunderschöner Spaziergang am frühen Morgen. Kleine Cafés laden mitten in der Oase zum Verweilen ein.
    Im Moment kann man dieses kleine Paradies einfach so betreten. Ob dies in Zukunft so bleiben wird? Alles ist h8er streng über times,Orts und Tickets reguliert. Ich kann mir gut vorstellen, dass man für diesen Trail künftig auch Tickets kaufen muss. Es wird sehr viel restauriert und bepflanzt, dabei will man keine Zeit verlieren und Jahre warten, bis die Palmen groß gewachsen sind. Es werden gleich die großen Exemplare gekauft und eingepflanzt.
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  • Provinz Medina

    23. december 2025, Saudi-Arabien ⋅ ⛅ 24 °C

    Schließlich erreichen wir Al Ula und das Wetter gibt sich allergrößte Mühe. Die Felsen leuchten in der herrlichen Nachmittagssonne und wir sind begeistert. Allerdings nur kurz. Jeder Weg ist genau vorgegeben. Es gibt kein links und kein rechts. Man kann nirgends halten, um diese herrlichen Felsen anzusehen oder zu fotografieren. Erreichen kann man sie aber auch nicht. Die gleicht einer kontrollierten Anlage. Jeder Schritt ist vorgegeben. Wer wann wo parkt und was genau macht. Was nun? Meine Laune sinkt gegen null. Also fahrerisch wie geplant zur Maraya Konzerthalle. Und schon stehen wir wieder vor einer Schranke. Wo ist das online Ticket? Online Ticket? Ähh - für was? Für die Konzerthalle. Wir wollen nicht hieim, egal, das Ticket muss her. Leider gibt es das nur 20k. Entfernt in einem Office. Also alles wieder zurück. Die Dame dort sagt mir, dass die Tickets ausverkauft sind. Man kann nur die gesamte Führung (innen und außen) oder die Außenfassade plus Abendessen buchen. Wieder alles vorgegeben. Ich weiß nicht, wie das zeitlich bei uns passt. Der Frust wächst. Also zum Hotel. Kurz bevor wir es erreichen, eine erneute Planänderung. Ich hasse so ein Hin und Her. Wir halten beim Elefant Rock. Natürlich ist der noch geschlossen. Er ist von einem Zaun umgeben und wird erst um 16:00 geöffnet. Wieder so eine Reglementierung. Aber es gibt ja noch andere Felsen. Und oh Wunder - wir dürfen da einfach so hin. Also jage ich meinen Toyota etwas durch die Wüste und teste sogar kleine Tiefsandpassagen. Geht doch. Der Rest wird erwandert. Endlich sind wir zufrieden. Keine Schranken, keine Tore, keine Menschen. Nur Natur und Stille. So wandern wir von einer Felsformationen durch die Wüste bis zur nächsten. Den Elefant sieht man von hier oben richtig gut. Endlich ist der Tag ganz nach unserem Geschmack. Und kurz vor 16:00 stehen wir als die ersten vor dem verschlossenen Tor zum Elefanten, den nur auf diese, Weg kann man ihm näher kommen.

    Der Elephant Rock Jabal Alfil ist – wenig überraschend – ein großer Fels, dessen Form an einen Elefanten mit Rüssel erinnert. Es ist ein wahres Meisterwerk, das durch die Kräfte der Natur - des Regens und des Windes - geschaffen wurde. Die Erosion hat Millionen Jahre gedauert, um diesen beeindruckenden Felsen zu formen. Da er so schön und einzigartig aussieht, wurde eine Lounge mit supergemütlichen Sitzecken rund um den Felsen gebaut. Nach einem langen Tag wirklich ein fantastischer Platz, um den Sonnenuntergang zu genießen und eventuell sogar zu warten, bis sich der Sternenhimmel über die Wüste legt. Und so sitzen wir in einer dieser gemütlichen Sankuhlen, essen Burger und Pommes und warten darauf, dass die Sonne untergeht. Die hat heute allerdings keine Lust und verzieht sich lieber hinter die Wolken. Aber auch der angestrahlte Elefant in der Dunkelheit sieht wunderschön aus, zumal ihn ein spektakulärer Himmel überspannt.

    Wo es eine grandiose Felsformation gibt, gibt es bestimmt noch andere. Wir erkunden die Umgebung zu Fuß. Das landschaftliche Wechselspiel aus Sandwüste und schroffen Felsen mit spektakulären Formationen ist unglaublich beeindruckend.

    Vessel Hole Rock al Jar liegt ganz in der Nähe. Im Felsen hat sich eine Mulde gebildet, die wie ein Gefäß aussieht. Es könnte aber auch alles andere sein: ein Kegel, ein Nadelöhr oder ein Schlüsselloch. Es hängt davon ab, wie man es interpretiert. Die umliegende Landschaft mit der Mischung aus Steinen, Sand und hochragenden Felstürmen ist gigantisch.

    Der Felsen, der aussieht, wie Siamesische Zwillinge steht hinter dem Elefantenfelsen und blickt zu ihm herüber.

    Sparhawk Felsenbogen befindet sich ebenfalls in der Nähe vom Elephant Rock. Der Hand Rock liegt ebenfalls gleich um die Ecke und begeistert. Wir entdecken noch viele andere schöne Felsen. Soweit möglich fahre ich durch den Sand an sie heran und der Rest wird gelaufen. Wir erreichen sie alle, brauchen aber ein klein wenig mehr Zeit.
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  • Khaybar Fort

    23. december 2025, Saudi-Arabien ⋅ ☁️ 24 °C

    Die Oase Khaybar liegt in einer Reihe von Senken, in denen sich Regenwasser sammelt, wodurch seit Jahrtausenden Palmen wachsen. Khaybar ist von Lavafeldern umgeben, die „Harra(t)“ genannt werden. Das größte davon ist Harrat Khaybar.
    Bis heute profitiert Khaybar von permanenten Wasserstellen, die in den tiefsten Teilen der Oase an die Oberfläche treten und dort eine üppige Vegetation gedeihen lassen. Von den zahlreichen Brunnen aus wird ein komplexes System von Bewässerungskanälen zur Bewässerung der Palmen genutzt und bietet einen einzigartigen Einblick in das Aussehen einer arabischen Oase vor zweitausend Jahren.
    Die Festung ist berühmt für die historische Schlacht von Khaybar, die im Jahr 629 n. Chr. stattfand. Sie war die letzte jüdische Festung, die von den muslimischen Truppen des Propheten Mohammed und seines Gefährten Ali erobert wurde. Sie liegt auf einem Hügel und ist von Palmen umgeben. Die Ruinen bestehen aus einer Mischung aus schwarzem Stein (Basalt) und Lehm. Die Überreste lassen jedoch erahnen, wie majestätisch diese Festung in ihrer Blütezeit gewesen sein muss.

    Aufgrund des unregelmäßigen und überschwemmungsgefährdeten Geländes wurde die moderne Stadt einige hundert Meter südlich auf ebenem Land errichtet. Daher sieht die Oase mit ihren bewässerten Palmen und alten Häusern wahrscheinlich noch immer so aus wie vor mehreren hundert Jahren.
    Wer einen ihrer Felsgipfel besteigt und über die Oase blickt, fühlt sich in die Zeit der alten arabischen Oasen und der Karawanenstraßen zurückversetzt.
    Als ich dies alles recherchiert habe, freue ich mich auf diesen spannenden, authentischen Ort.

    Soweit sogut. Khaybar ist von einem riesigen, schwarzen Lavafeld umgeben, über zig Kilometer schwarze Steinwüste, die aus mehr oder weniger großen Steinen besteht. Als wir schließlich die Oase erreichen, erwarte ich leuchtend grüne Palmen, so wie ich die Oasen aus dem Oman kenne. Doch hier scheint die Wasserversorgung doch nicht mehr so optimal zu sein. Die graugrünen Palmen sehen traurig aus. Hier strotzt nichts vor Leben. Kurz darauf kommen wir uns vor wie die damaligen Feldherren, die die Festung einnehmen wollten. Die alte, schöne Lehmstadt Khaybar ist komplett abgeriegelt. Immer wieder wählen wir neue Wege und versuchen die Stadt von vier Seiten aus zu erobern. Erfolglos. Kurz vor unserem Ziel steht jeweils ein bemanntes Wachhäuschen und uns wird erklärt, dass die Stadt geschlossen ist. Keine Chance irgendwie hineinzukommen. Wie schade. Wir versuchen also den Aussichtspunkt zu erreichen, um wenigstens einen Blick auf die Oasenlandschaft werfen zu können. Ständig stoßen wir auf Schilder: Road is closed. Am Ende scheinen wir tatsächlich erfolgreich zu sein und stehen auf einem schönen Parkplatz, das Tickethäuschen ist besetzt und der Weg zum Aussichtspunkt schön angelegt. Die touristische Infrastruktur ist fertig. Aber nein - Tickets kann man nicht kaufen. Geschlossen. Das war es also. Alles reglementiert und bewacht. Im Oman konnte man diese alten, wunderschönen Lehmstädte immer besichtigen. Alles war offen und zugänglich. Und wie man sieht, oder eben gerade nicht sieht, es gibt keine Fotos.

    So machen wir uns enttäuscht auf den Weg nach Al Ula. Unterwegs beschließen wir, heute schwarz-weiß Fotos zu machen. Dazu benötigen wir weder Photoshop noch einen Filter, einfach auf den Auslöser gedrückt und das Foto ist schon fertig. Aber, wie ich später feststelle, es sind tolle Panoramen, grandiose Landschaften, durch die wir gefahren sind, Wüste mit hellem und rotem Sand, tolle Felsformationen, Felspyramiden und ab und an Kamele und Esel. Landschaftlich eine wunderschöne Strecke. Dennoch, wie das graue, schlechte Wetter ist gerade auch unsere Stimmung. Wir erwischen die Ausläufer des Tiefdruckgebiets, das etwas weiter nördlich gerade für viel Schnee sorgt. Mal sehen, ob wir diesen auch noch erleben dürfen. Allerdings sind weder meine laufbaren Untersätze noch die Fahrbaren des Autos auf Winter eingestellt. Sommerreifen und Sandalen kommen im Schnee nicht so gut. Aber noch schneit es nicht.
    Wir kommen relativ zügig vorwärts, wobei ich das Gefühl habe, in einem ratternden Zug zu fahren. Die Straße ist schlecht und es rappelt und ruckelt genauso, wie wenn ein Zug über marode Gleise rattert. Eine Massage ist somit gleich eingebaut und die Knochen werden alle mal wieder gründlich durchgeschüttelt. Da kommt man dann völlig neu geordnet und gelockert ans Ziel.

    Auch hier wird auf den großen Straßen weiterhin geblitzt was das Zeug hält. Auf den kleineren Straßen, wie auch auf unserer „Zugstrecke“, auf denen die Verkehrsdichte gegen null geht, nimmt auch die Zahl der Radarkontrollen ab. Ist aber nicht null.
    Mittlerweile habe ich auch meine Lieblingsgeschwindigkeitsanzeige entdeckt. Sie heißt Slow oder Slow down. Da kann sich nun jeder nach gut Dünken aussuchen, was für ihn Slow bedeutet. Alles Auslegungssache. Alles richtig, alles falsch.
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  • Heilige Orte in Medina

    22. december 2025, Saudi-Arabien ⋅ ☀️ 26 °C

    Wir beginnen unsere Tour durch Medina im Süden der Stadt. Hier liegt der Stadtteil Quba, wo Prophet Mohammed nach seiner Flucht aus Mekka eine Moschee gebaut haben soll. Die Quba Moschee gilt daher als eine der ältesten Moscheen der Welt – in islamischer Zeitrechnung wurde sie im Jahr 0 erbaut.
    Das heutige Gebäude hat mit dem ursprünglichen Bau, dessen Grundstein vom Propheten persönlich gelegt worden sein soll, wenig zu tun. In den 1980er Jahren wurden die meisten religiösen Gebäude Medinas renoviert. Eigentlich sollte die originale Moschee in den Neubau integriert werden, um ihr Andenken zu erhalten. Stattdessen wurde sie aber komplett abgerissen und an der Stelle entstand die heutige im modernen Look.
    Da gerade Umra Pilgerzeit ist, befinden sich hundertausende Pilger in Medinah. Somit ist es auch hier in der Quba Moschee brechend voll. Hunderte Busse reihen sich aneinander und spuken ihr Ladung an Pilgern aus. Die Massen schieben sich. Die einzigen nicht muslimischen Individualreisenden sind wir. Die Umgebung der Moschee wird gerade mit touristischer Infrastruktur versehen. In näherer Zukunft wird man Cafés und Shops antreffen. Allerdings rechnet man sich hier nur mit Pilgertourismus.

    Die Masjid Shuhada Uhud liegt am nördlichen Stadtrand von Medina. Sie ist ein wichtiger Ort in der islamischen Geschichte und wurde an der Stelle errichtet, an der die Schlacht von Uhud stattfand. Die Gefährten vom Propheten Mohammed, die in der Schlacht gefallen sind, wurden auf dem Friedhof neben der Moschee begraben.

    Der Ghars-Brunnen ist einer der vom Propheten Mohammed bevorzugten Brunnen. Er mochte das Wasser wegen seiner Frische. Er trank daraus und ließ sich damit waschen. Nach der Zamzam-Quelle in Mekka ist Ghars Well der zweitwichtigste heilige Brunnen des Islams.

    Die Moschee der zwei Gebetsrichtungen - Qiblatain Moschee - ist heute ebenfalls sehr gut besucht. Die Innenhöfe sind mit kleinen, weißen Sonnenschirmen bestückt, die mich ein klein wenig an die riesigen Schirme der Prophetenmoschee erinnern. Auch hier sind wir uns wieder sehr unsicher, ob wir uns überhaupt im Innenhof bewegen dürfen. Es hält uns aber niemand an und daher sehen wir uns diesen bedeutenden Ort in Ruhe an.
    Im Gegensatz zu gestern ist es heute heiß. Morgens bin ich noch mit Daunenjacke über der Abaya losmarschiert. Mittlerweile habe ich zum Glück Hose und T-Shirt unter der Abaya ausziehen können. Die vermeintlich luftige Abaya hält warm. Und wie. Der Stoff ist so dicht gewebt, dass er Wärme gut aufnimmt und auch hält. Das habe ich nicht erwartet. Heute gab es aber so viele Momente mit dem Gedanken „das habe ich nicht erwartet“, dass dieser eine Moment kein Gwicht hat. Aber wahrscheinlich muss sie so gut wärmen, denn die Menschen tragen sie auch an kalten Tagen und wollen nicht frieren.

    Der Jabal Uhud, der heilige Berg, will ich auch noch teilweise erklommen werden. So einfach gestaltet sich das mit einer langen Abaya aber nicht. Wir entscheiden uns für eine kleine enge Schlucht, in die wir soweit wie möglich hineinwandern. Die roten Felsen leuchten herrlich in der Sonne und die wenigen staubgrünen Bäume ragen ihre Äste in den blauen Himmel. An einem Klettersteig ist für mich Schluss. Dafür braucht man Hosen. Moritz besteigt den Felsen und kommt mit schönen Fotos zurück. Als wir zurückwandern sitzt eine Familie mit Picknickdecke im Wadi. Wir werden eingeladen zu Tee und Muffins und versuche. Uns ein wenig zu unterhalten. Eine schöne Begegnung mit sehr freundlichen, offenen Menschen. Solche Momente machen das Besondere an einer Reise aus.
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  • Rund um die Prophetenmoschee

    22. december 2025, Saudi-Arabien ⋅ ☀️ 23 °C

    Das heilige Viertel Al Hará ist eine Stadt in der Stadt. Eine Ringstraße umgibt diesen Bereich und grenzt ihn von der restlichen Stadt ab. Die Straßen haben hier marmorne Böden mit wunderschönen Mustern. Man Rutsch auf ihnen schon in trockenem Zustand leicht aus. Ich mag mir die Rutschpartie bei Regen überhaupt nicht vorstellen. Zum Glück gibt es diesen hier äußerst selten. Alles ist wunderschön bepflanzt. Hotel reiht sich an Hotel. Schöne Architektur, Dezente beige Farben ragen in den blauen Himmel. Die Prachtstraße wird mit jedem Häuserblock ein wenig schmaler. Somit besitzt jedes Hotel eine Zimmerreihe mit Blick auf die Moschee. Eine clevere Idee. Keiner kommt zu kurz. Jede Straße will die andere an Pracht übertreffen. Von Straßen kann man eigentlich nicht mehr sprechen - breite Boulevards. Das Areal der Moschee ist mit 615.000km2 ohne Außenanlagen nicht gerade klein. Hier macht man Meter, wenn man am Tag einige Male unterwegs ist. Der Umfang dieses Areals ist natürlich ebenfalls enorm. Enorm die Möglichkeiten dort Geschäfte unterzubringen. Somit reihen sich die goldensten Goldgeschäfte aneinander. Gebetsteppiche und Korane sind weitere Kassenschlager. Aber auch Datteln und Weihrauch finden guten Absatz. Damit ist es an Auswahl aber leider auch schon vorbei. Bei Hunderttausenden von Pilgern macht offenbar jedes Geschäft seinen Umsatz. Der normale Tourist, der ohnehin nicht erwartet wird, wird hier in keinen Shoppingrausch verfallen. Ein Viertel ohne Alltagsleben. Sauber, prachtvoll, eine Pilgerstadt ohne Bevölkerung. Und es wird kräftig weiter gebaut, denn an vielen Hotels prangt die Aufschrift „We don‘t have accomodation.“ Früher war die Moschee von einer herrlichen Altstadt umgeben, die schon lange den Hotels weichen musste. Nur der alte Friedhof wurde niemals abgerissen. Dieser ist auch der Grund, dass das gigantische Moscheenareal nicht perfekt rechteckig ist, sondern durch das Friedhofsareal einen krummen Abschluss findet.

    Auf der anderen Seite der Moschee stehen mit der Al-Ghamama und der Abu Bakr Moschee zwei der ältesten Moscheen Medinas, die noch zu großen Teilen in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben sind. Leider wurde zu schnell abgerissen. Auch historische und religiöse Orte vielen den Abbruch agieren zum Opfer. Die beiden Moscheen gehören dennoch zu denen, die in Teilen überlebt haben. Auch diese werden bepilgert. Gibt es dieses Wort überhaupt? Irgendwie scheint es so in diesen Satz zu passen.

    Anschließend versuchen wir unser Glück, die Moschee zu Fuß zu umrunden. Diesmal in Richtung Osten. Hier grenzt nämlich der erste islamische Friedhof Baqiʿ al-Gharqad an die Prophetenmoschee. Und entlang des Friedhofs gibt es eine Mauer, von der aus man einen guten Überblick auf die Moschee und ihre Dimensionen erhalten kann.
    Auf dem Friedhof liegen zahlreiche wichtige Persönlichkeiten des Islam begraben, einige davon Verwandte und Gefährten des Propheten selbst. Ursprünglich befanden sich hier dementsprechend auch pompöse Grabmäler, Schreine und Mausoleen. Sehr weit kommen wir nicht. Der Friedhof öffnet nach dem Nachmittags Salah. Sämtliche Pilger und das sind tausende, strömen zum Eingang. Ich sehe keine Chance, dass wir uns dort eingliedern können. Doch plötzlich stecken wir in der Schlange. Für einen kurzen Moment denke ich noch, dass wir hier in einen „Männerblock“ geraten sind. Stimmt auch. Nur - Frauen sind hier verboten. Da gibt es gerade genau eine, nämlich mich. Jackpot. Eine Gruppe um uns herum kommt aus Deutschland. Man erklärt mir, dass ich nicht hinein darf. Nun gut, weshalb hat man mir das nicht schon am Morgen gesagt, als wir uns an der Info erkundigt haben. Ich frage nochmals nach, ich nicht, Moritz darf rein. Ja klar. Wir vereinbaren schnell einen Treffpunkt und dann werde ich auch schon von einem Wachmann angegangen, was ich hier zu suchen habe. Ich bin ja schon weg. Fast. Es ist nicht so einfach aus dem Massengwühle überhaupt wieder heraus zu kommen. Es gibt hier keinerlei Beschilderung. Man weiß nie wohin man darf und wohin nicht. Aber mit uns rechnet man eben nicht als Besucher. Und so warte ich denn. Doch Moritz kommt nicht wieder. Ich wandere umher, mache noch einige Fotos, immer schön von außen hinter dem Zaun. Auch heute gibt es außer uns beiden keine nicht-muslimischen Besucher. Plötzlich werde ich von einem Wachmann angegangen. Was ich hier mache? Ob ich Muslimin sei? Nein bin ich nicht. Ich bin auch nicht in der Moschee. Bilder löschen. Warum? Ich darf hier sein. Da kommt zum Glück ein junger Mann und will etwas wissen. Er zeigt dem Wachmann sein Handy und der widmet sich ihm zuerst. Meine Chance - ich verschwinde. Er ruft mir zwar noch etwas hinterher, aber ich verstehe ihn nicht und fühle mich nicht angesprochen. Außer auf Pilgertouristen ist man hier auf niemanden eingestellt und weiß auch nicht, wie man mit uns umgehen muss. Kurz darauf entdecke ich Moritz. Er hat den Treffpunkt vergessen und war am falschen Ort. Er erzählt, dass seine Begleiter davon ausgegangen sind, dass er Muslim sei und ihn deshalb mit in den Friedhof genommen haben. Auch er hätte also nicht dort sein dürfen. Er erhielt dort Instruktionen, wie er sich zu verhalten hat, um nicht aufzufallen. Auch auf dem Friedhof wird gebetet und erlebt nun eine echte Gebetsstunde auf heiligem Boden. Seine neuen Begleiter nehmen ihn danach quer durch die Moschee mit nach draußen. Er soll den Mund halten und bekommt alles wichtige erklärt. Grandios. So war er tatsächlich zweimal in der Masjid An-Nabawi, der Prophetenmoschee. Einmal mit sachkundiger Führung auf deutsch.
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