2026 - Das Jahr der verschobenen Reisen
December 19, 2025 in Germany ⋅ ☁️ 9 °C
Das Jahr 2026 wird das Jahr der „verschobenen“ Reisen. Keine einzige Reise, die wir machen werden, stand auf unserer Bucketlist ganz oben und war geplant. Aber es soll nicht sein und aus unterschiedlichsten Gründen müssen wir unsere Wunschreisen verschieben. Sie sind aufgeschoben und nicht aufgehoben. Sobald es möglich ist, werden sie gereist. Somit entdecken wir dieses Jahr völlig andere Ziele.
Im August 2023 sind wir der Ruta 40 Norte in Argentinien von Mendoza bis La Quiaca gefolgt. Dieses Weihnachten sollte es die Ruta 40 Sur werden und somit Patagonien. Es war schon alles geplant und auch gebucht. Der Flug fehlte noch. Die Verbindungen waren nicht gut und der Flugpreis noch viel schlechter. Bei knapp 3 Wochen Zeit stand das in keinem Verhältnis mehr. Schließlich ist ein Flug kein tolles Erlebnis, das man sich einmal im Leben gönnt, sondern eben nur der Flug, den man hinter sich bringen muss, um endlich zu reisen. Somit habe ich alles gecancelt, viel gelesen, recherchiert und dann stand unserer Reise quer durch Saudi-Arabien nichts mehr im Weg. Ein Reiseland, das ich überhaupt noch nicht auf dem Schirm hatte. Moritz hingegen schon. Und wie man sieht - er konnte mich überzeugen. Wir sind gespannt, was uns erwartet und was wir erleben dürfen.
Da der Tourismus in Saudi-Arabien noch ganz am Anfang steht und es nur wenig Information zum Land gibt, werde ich versuchen ausführlicher über die historischen Hintergründe zu schreiben und auch über die touristische Infrastruktur zu berichten. Auch hier bei FP gibt es noch keinen ausführlich beschreibenden Reisebericht über Saudi-Arabien.
Saudi-Arabien ist ein vielseitiges Land auf der arabischen Halbinsel und führt uns durch viele Tausend Jahre der Menschheitsgeschichte. Dabei haben die Kulturen der Vergangenheit Spuren unterschiedlichster Art hinterlassen. Seien es Siedlungen und Paläste in traditioneller Lehmbauweise entlang der alten Weihrauchstraße oder die fantastischen Felsengräber von Hegra, die die legendären Nabatäer für ihre Ahnen hinterließen.
Einen noch weitreichenderen Einblick in das Leben auf der arabischen Halbinsel bieten die Kunstwerke, die in Form von Petroglyphen überall im gesamten Land auf den Felsen hinterlassen wurden. Die verschiedenen Fundstellen in Saudi-Arabien geben uns Rätsel auf und bringen uns zum Staunen.Read more
E-inreise King Abdulaziz Airport Jeddah
December 20, 2025 in Saudi Arabia ⋅ 🌙 17 °C
Damit wir problemlos in Saudi-Arabien einreisen können, haben wir Ende November die E-Visa (knapp 100€ p.P.) beantragt. Nun besitzen wir zwei „E’s“. Das E-Ticket und das E-Visum. Da wir ohne Internet reisen, benötigen wir keine E-SIM. Den Elefant haben wir noch nie ausgefüllt und verzichten auch dieses Mal. Und auch eine E-Einreiseerklärung und einen E-Pass wie für Singapur notwendig, benötigen wir für Saudi Arabien nicht. Somit bleibt es bei nur zwei „E’s“. Dafür sind wir im Bereich Krankenversicherung dreifach abgesichert. Bei der Beantragung des Visums muss eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen werden. Da wir ohnehin schon doppelt versichert sind, haben wir jetzt noch eine Dritte. Dreifach hilft am besten.
In gewohnter Manier checken wir online ein, fahren und schleichen auch manchmal im Driving Home for Christmas Stau nach Frankfurt und wollen das Gepäck aufgeben. Es dauert und wir stellen fest, dass überhaupt keine Flugzeuge starten, sondern nur landen. Unser Flug soll schließlich mit 45 Minuten Verspätung starten. Das wird sportlich in Istanbul. Aber nachdem wir drei Stunden gesessen sind, schadet sportliche Betätigung bestimmt nicht. Die Sicherheitskontrollen sind ruckzuck erledigt. Gibt es heute keine Flugpassagiere? Die Warterei am Gate ist langweilig wie immer, aber dieses Mal wenigstens von Weihnachtsliedern untermalt. Und plötzlich kommt die Nachricht, dass wir doch pünktlich starten. Das gab es noch nie. Es wird doch eigentlich immer nur später. Doch zu früh gefreut. Wir starten nicht. Die Zeit läuft und wir sitzen im Flieger und erhalten keine Informationen. Der Flughafen wird immer voller. Kein Flugzeug startet. Das hatten wir vor vielen Jahren schon einmal. Damals war der Anschlussflug weg. Doch heute: Geschafft. Wenn auch knapp. Schon hier ist die Welt eine andere, auf die wir langsam eingestimmt werden, Wir stechen als einzige „falsch“ gekleidet heraus. Ansonsten gibt es nur Pilgerreisende und Moritz und mich. Alle Männer sind halb nackt, in eine Art ausgefranstes, weißes Froteehandtuch gewickelt, mit Badelatschen an den Füßen. Mehr nicht. Was die Frauen eingepackt sind, sind die Männer unbekleidet. Unser Flieger ist also mit halbnackten, weißen Handtuchmännern und schwarz verhüllten Frauen gefüllt plus zwei bunte. Und es wird fast ohne Unterlass gebetet. Die Herren kämpfen mit ihrem weißen Handtuch, wie ich mit dem Kopftuch. Doch dann fällt einem der Boardingpass runter. Da das Handtuch schon rutscht und er es verzweifelt packt, hebe ich ihn auf. Schließlich ist da außer Unterhosen nichts drunter und nackte, dicke Bäuche und Rücken habe ich nun für heute schon genug gesehen. Offenbar ist es für Männer kein Problem Haut zu zeigen und zwar deutlich mehr als nackte Arme und Beine. Ich komme mir vor, wie im Saunabereich einer Wellnessoase. Was ich bei meiner Hilfsaktion nicht bedenke, er darf mich unter keinen Umständen berühren. Also bedankt er sich sehr höflich, nimmt den Boardingpass aber mit ganz spitzen Finger am äußersten Zipfel.
Nach einem kurzen Zwischenstopp in Istanbul befinden wir uns schon fast auf der Zielgeraden. Mit etwas Phantasie meinen wir schon die Küstenlinie Saudi-Arabiens erahnen zu können. Vielleicht entsteht dieser Eindruck aber auch nur, weil wir schon hier in einer anderen Welt gelandet sind. Während des Fluges werden Toilettenbeutel verteilt. Dieser entpuppt sich jedoch als kleiner Rucksack. Statt Zahnbürste, Schlafmaske und Socken finde ich darin einen Gebetsteppich und Überziehschuhe für die Moschee. Nach einiger Überlegung kommt mir die Idee, dass es sich bei dem vermeintlichen Gebetsteppich auch um eine Zudecke für die Nacht im Flieger handeln könnte. Da sie niemand benützt und ich es schlicht nicht weiß, lasse ich das ganze lieber mal. Nicht, dass ich mich am Ende mit dem Gebetsteppich zudecke. Ich kann nicht schlafen und entscheide mich daher, unter den Pilgernden etwas deutschen Magen-Darm-Virus zu verteilen. So ein Mist. Die Toilette ist zum Glück hinter mir und nach drei Runden auf diesem schönen Ort ist es geschafft und der Magen leer.
Nach knapp 4 Stunden ist es dann wirklich soweit. Die grauenhafte Nacht ist vorüber. Wir betreten saudischen Boden und erledigen ratzfatz die Einreise.
Nach der obligatorischen Kofferjagd am Gepäckband sind wir nun definitiv angekommen - warten aber vergeblich auf unsere Koffer. Diese haben sich dazu entschieden, lieber noch einen Tag in Istanbul zu bleiben. Glückwunsch. Nach der ganzen Sucherei habe ich wenigstens kein Bauchweh mehr und der Kreislauf ist wieder in Schwung. Also zu lost and found….. Heute Nachmittag sollen sie kommen. Dann schauen wir mal.
Saudi-Arabien will künftig in der Liga der großen Reisedestinationen mitspielen und Dubai das Wasser reichen. Daher setzt bereits Jeddahs Flughafen Maßstäbe. Jeddah ist von Europa aus der westlichste Flughafen und in knapp 6 Stunden von Frankfurt zu erreichen. Außerdem ist es bis heute das Tor nach Mekka auf der Pilgerreise Hajj. Nur kommen die Pilger nicht mehr wie früher mit dem Schiff, sondern eher mit dem Flugzeug. Um den großen Andrang bewältigen zu können, wurde ein übergroßer, moderner Flughafen im Norden der Stadt errichtet - der King Abdulaziz Airport. Das Hajj Terminal ist die größte zusammenhängend überdachte Fläche der Welt. Das blau weiß gestaltete Dach, das sich über diese riesige Halle in leichtem Bogen spannt, ist grandios. Ein weiteres Highlight ist das überdimensionale Aquarium, in dem sich Haie, Rochen, Moränen und viele andere bunte Fische tummeln. Durch die Form des Aquariums und die geometrischen Formen der Umgebung entstehen tolle Lichtbrechungen im Glas.
Nach kurzer Taxifahrt erreichen wir Sixt und holen den Mietwagen. Alles passt. Jetzt kann es losgehen.Read more

TravelerSuper, Ihr seid angekommen. Die ersten Eindrücke sind schon einmal hoch interessant. Wir nutzen schon seit einiger Zeit immer den Elefanten. Da muss man eine spezielle Auslandsreisekrankenversicherung abschließen und es wird nicht eine, die man ohnehin schon hat, akzeptiert. Die Pilger habe ich damals auf dem Flughafen in Amman gesehen. Jetzt hoffe ich, dass die Koffer ganz schnell kommen. Kopftuch ist aber keine Pflicht mehr, oder?
Jeddah Corniche
December 20, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 26 °C
Jeddah Corniche war schon immer ein Anziehungspunkt für Einheimische. Seit der Sanierung ist sie eine Hauptattraktion der Stadt. Die ewig lange Uferpromenade wird auch Jeddah Waterfront genannt. Am Roten Meer reihen sich Parks mit vielen Palmen, Brunnen, Skulpturen, Spielplätzen, schönen Moscheen und Restaurants.
Auf einer Insel gegenüber der Al-Hamra Corniche befindet sich der King-Fadh-Springbrunnen. Es ist die Fontäne der Superlative. Pro Sekunde werden mehr als 600 Liter Wasser mit einer Geschwindigkeit von 375 km/h in 312 Meter Höhe gespritzt. Er ist derzeit der höchste Brunnen der Welt und ein Wahrzeichen von Jeddah. Sie wird nur in den Abendstunden angeschaltet und nach Sonnenuntergang beleuchtet. Heute ist sie jedoch leider nicht in Betrieb. Schade.
Die Al Rahmah Mosque ist eine der auffälligsten und wichtigsten Moscheen der Stadt. Die weiße Moschee wurde in den 80-er Jahren am Roten Meer gebaut. Das Bauwerk mit vielen hellen Bögen steht auf Pfeilern im Wasser. Bei Flut scheint die Moschee zu schwimmen. Beim Sonnenuntergang ist die Al Rahmah Moschee ein besonders schöner Anblick.
Die Island Mosque befindet sich ebenfalls an der Corniche. Sie steht auf einer kleinen Plattform, die ins Meer hinausragt. Das Gebäude ist von Palmen umgeben. Die Wellen brechen am felsigen Ufer. Die Moschee ist eingebettet in eine malerische Landschaft. Bei diesem Anblick vergisst man, dass man eigentlich in einer großen Stadt ist.
Die Jaffali Moschee steht in dem gleichnamigen Park am Arbaeen-See, der nichts anderes ist, als eine Bucht des Roten Meeres. Sie ist eine sehr schöne Konstruktion mit den vielen kleinen weißen Kuppeln und einem dreistöckigen Minarett.
Alles schöne Orte - aber - ich darf nicht mit der Kamera fotografieren. Dann dürfen wir nur mit speziellem Permit fotografieren und schließlich überhaupt nicht mehr. Was ist das denn? Ich hole die Kamera schon gar nicht mehr heraus und Moritz macht die Fotos verdeckt. Also will man nun Touristen oder nicht? Gerade ist das etwas unschön.
Jeddah ist eine jener Städte in Saudi-Arabien, die auch international Anklang finden soll. Der große Preis von Saudi-Arabien der Formel 1 verläuft durch einen Teil der Neustadt.
Aber auch bei protzigen Bauwerken möchte man hier Punkten und dem großen Bruder Dubai in nichts nachstehen. Der Leuchtturm ist mit 131m höchste Leuchtturm der Welt. Der höchste Flaggenmast der Welt misst 171m. Die gehisste Flagge hat eine Abmessung von ca. 50m x 33m und wiegt über eine halbe Tonne. Doch heute steht er da wie eine spitze Nadel und ragt in den Himmel. Keine Flagge. Schade.Read more
Jeddahs Altstadt - Al Balad
December 20, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ☁️ 18 °C
Jeddah ist ein kulturelles und wirtschaftliches Zentrum Saudi-Arabiens. Die Stadt blickt auf eine etwa 2.500 jährige Geschichte zurück und ist ein Schmelztiegel der Kulturen. Ihre Blüte begann mit dem Aufstreben des Islam ab dem frühen siebten Jahrhundert. Die noch junge Religion breitete sich im vorderen Orient sowie Nord- und Ostafrika rasant aus. Schon bald zog es Heerscharen von Menschen auf die heilige Pilgerfahrt Hajj nach Mekka. Für viele, die über den Seeweg anreisten, war Jeddah das Tor nach Mekka. Jeddahs Stadtbild hat sich über die Jahrhunderte immer wieder neu erfunden. Seit dem 16. Jahrhundert umgibt eine Mauer zum Schutz vor Angriffen den Bereich der Innenstadt Al Balad. Al Balad bedeutet auf Arabisch „die Stadt“ und ist das historische Herz von Jeddah. Wer Geld und Möglichkeiten hatte, versuchte, innerhalb dieser Mauern zu wohnen. Das blieb natürlich in erster Linie wohlhabenden Händlern und ihren Familien vorbehalten.
Die meisten Baudenkmäler wurden zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert errichtet. Vor allem mit der Eröffnung des Suezkanals gewann der Handel über das Rote Meer immer weiter an Bedeutung und es floss viel Geld in die Portemonnaies der Eliten der Stadt, wodurch es noch einmal zu einem Bauboom kam. Das Bauland im begehrten Zentrum war aber aufgrund der Stadtmauern rar. Man musste die Wohnhäuser also in die Höhe bauen. Viele der Häuser in der Altstadt sind bis zu sieben Stockwerke bzw. 30m hoch. Eine Besonderheit ist auch das Baumaterial. Man hat sich hier vor allem an Korallengestein aus den flachen Gewässern des umliegenden Roten Meeres bedient. Zur Verstärkung wurden Gerüste aus Teakholz eingesetzt. Da das Korallengestein außerhalb des Wassers auf Dauer empfindlich gegenüber Trockenheit und Witterung ist, wird die Fassade mit einer schützenden Lehmschicht verputzt. Die Häuser sind im Stil der Hijazi-Architektur gebaut.
Ein ganz wesentliches Merkmal der Wohnhäuser Jeddahs sind die hölzernen Vorbauten aus Teakholz an den Fassaden, die sogenannten Roshan. Diese balkonartigen Erker dienen in gewisser Hinsicht der Erweiterung des Wohnraumes über die eigentliche Grundfläche des Wohngebäudes hinaus.
Die Roshan sind nicht offen gestaltet, sondern mit Holzgittern verkleidet. Dazu werden geschnitzte Holzstücke so miteinander kombiniert, dass sie geometrische Muster ergeben.
Die Holzgitter funktionieren wie eine Jalousie. Man kann vom Wohngebäude aus prima nach draußen schauen und das Treiben auf den Straßen beobachten, ohne selbst beobachtet zu werden. Das erlaubt vor allem Frauen, sich ohne Verschleierung zu bewegen.
Außerdem klimatisieren die Roshan die Wohngebäude. Durch die vielen Öffnungen der Holzgitter kommt es im gesamten Haus zu einer Art Kamineffekt, wodurch ein kontinuierlicher Luftstrom entsteht. Direkt hinter die Holzgitter hat man häufig Wasserbehälter gestellt, sodass die einströmende Luft die Feuchtigkeit direkt aufnimmt und im Haus für ein angenehmes feucht-kühles Klima sorgt.
Leider legte Saudi-Arabien bisher wenig Wert auf den Erhalt seines historischen, kulturellen und kurioser Weise sogar religiösen Erbes. Man riss Gebäude lieber ab und baute neu, anstatt zu renovieren.
Mit der Modernisierung kam auch ein Wandel im Stadtbild, denn die historischen Wohngebäude in Al Balad konnten den Ansprüchen der wohlhabenden Familien bald nicht mehr gerecht werden. Es wurde in neu gegründeten Stadtvierteln außerhalb des ehemaligen Zentrums gebaut. Mit der Zeit zog es daher mehr und mehr Eliten aus dem historischen Al Balad hinaus in die Neustadt. Die Häuser begannen zu verfallen. Ohne die schützende Lehmschicht splittert das Korallengestein. Das Holz der Roshan verzieht sich ohne frischen Anstrich dank der salzigen Meeresluft und verfault. Die einstige prunkvolle Innenstadt ist mittlerweile eher ein Armenviertel.
Heute hat die saudische Regierung die Bedeutung von Jeddahs Altstadt und die Bedeutung für den Tourismus erkannt. Man hat begonnen zu restaurieren. Ohne Frage ist das UNESCO-Weltkulturerbe Al Balad das Highlight von Jeddah und eine der schönsten erhaltenen Altstädte im Nahen Osten.
Wir beginnen unsere Erkundungstour am alten nördlichen Stadttor, am Jeddah Old Gate (Bab Jadid). Vor dem Tor erkennt man die Überreste der alten Festung. Die Bauwerke stammen aus der Zeit zwischen 10. und 15. Jahrhundert. Wir bummeln kreuz und quer durch die kleinen Gassen und entdecken wunderschöne Ecken. Ganz besonders schön ist das Nassif House.
Ich erlebe die Altstadt als lebhaftes Museum. Es macht einfach unglaublich viel Spaß, sich in dem labyrinthartigen Straßennetz auf der Suche nach immer schöneren Häusern zu verlieren. Am frühen Nachmittag ist es noch leer. Erst ab 16 Uhr beginnt das echte Leben. Die kleinen Geschäfte mit ihren dunklen Holztüren werden geöffnet. Kunden gibt es zu Hauf. Es ist weniger ein Tourimarkt, sondern ein Suq für die Bevölkerung. Stoffe und Teppiche werden verkauft. Über Geschmack lässt sich streiten. Wir entdecken wunderschöne Häuser und sind froh, gerade jetzt hier zu sein. Es ist noch nicht zu spät und wir sehen noch viele völlig unrestaurierte Gebäude. Viele Straßenzüge sind komplett eingerüstet. Ich hoffe sehr, dass die renovierten Häuser nicht zu einheitlich aussehen und ihre Seele verlieren. Überall wird geklopft und gehämmert. Dennoch sitzt die Bevölkerung in den Hasueingängen und trinkt Kaffee. Plötzlich sitzt Moritz auch dort und hält das dampfende Getränk in der Hand. Im Gegensatz zur Corniche sind die Menschen sehr offen, freundlich und neugierig und es ergeben sich einige nette Gespräche. Jeddah strahlt eine unglaubliche Atmosphäre aus und ist ganz sicher ein Juwel, was Altstädte angeht. Ein Traumort. Als wir auf einer Dachterrasse zu Abend essen und auf das Minarett blicken, erklingt der Ruf des Muezzin, der über die gesamte Stadt schallt. Eine unglaubliche Stimmung. Kurz darauf bummeln wir durch erleuchtete Straßen. Ich erinnere mich plötzlich an ein Weihnachtsbilderbuch aus Kindertagen. Die Häuser sahen so aus wie hier. Und mit einem Mal ist mir weihnachtlicher Zumute, als in den ganzen letzten Adventswochen zusammen. Ein sehr schöner Moment.
Unschön ist leider, dass unser Gepäck am Abend nicht im Hotel ist. Ich hatte es nicht anders erwartet. Nach mehreren Telefonaten, in denen ich leider einem stummen Gesprächspartner lausche, schwinge ich mich nochmals ins Auto und fahre zurück zum Flughafen. Autofahren ist hier ziemlich anders. Es gibt keine Spuren, keine Blinker, viel Gedrängel und Gehupe. Gerne überholt man rechts über den Sperrstreifen oder kürzt falsch herum im Kreisel oder die Einbahnstraße ab. Immer ist irgendwo ein Auto, das da eigentlich überhaupt nicht sein darf. Irgendwann reicht es mir und ich mache es genauso. Und jetzt klappt es. Ich fließe mit.
Im Flughafen erklärt man uns freudig, dass die Koffer da sind. Bloß wo? Na dann suchen wir mal. Am Ende wühlen wir uns zu viert durch einen völlig vollgestopften Raum mit Koffern. Die haben bei dieser Kofferflut komplett den Überblick verloren. Offenbar wurde das Programm gehakt und daher hat heute nichts geklappt, was das Gepäck angeht. Aber dann werde ich fündig. Jackpot. Sie sind beide da. Nun können wir morgen unseren Roadtrip mit Gepäck starten. Ich weiß nicht, ob wir die Koffer jemals wieder gesehen hätten, wenn wir sie heute nicht nochmals selbst gesucht hätten.
Ein wunderschöner, erfolgreicher Tag. Und jetzt muss ich nach über 36 Stunden ohne Schlaf endlich in mein Bett.Read more

SYLWIA B.Schön geschrieben. Wann bloß hast Du Zeit um all das Wissenswerte zusammenzutragen? Hast Du das vor der Reise schon vorbereitet? Nun ja. Sehr interessant. Schön dass auch Eure Koffer da sind. Wir haben vor Jahren genau das Gleiche in Denver erlebt. Ein Wust von Koffern und nur durch die Tatsache, dass wir uns selbst drum gekümmert haben, haben die Koffer zu uns gefunden. Sonst hätten wir sie während dem Roadtrip wohl nicht bekommen. Nun ist aber alles gut. Und das ist schön.

TravelerIch habe das vor der Reise recherchiert. Das war gleichzeitig meine Reiseplanung. Anders schafft man das ja zeitlich gar nicht,
Al Tayebat - Jeddah
December 21, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ⛅ 29 °C
Al Tayebat ist ein riesiges, wunderschönes Museum. Es war früher der Palast von Scheich Abdul Rauf Khalil, der im Stil der traditionellen Hijazi-Architektur errichtet wurde. Die schöne arabische Residenz wurde schließlich in ein Museum umgewandelt. Die ausgestellten Artefakte sind zum Teil vom Scheich selbst
Der Palast an sich ist ein architektonischer Traum und definitiv einen Besuch wert. Das Museum dagegen ein Sammelsurium aus allem, was man so sammeln kann. Es gab definitiv historisch wertvolle Einzelstücke. Viele Ausstellungsstücke haben mich an Schulplakate erinnert. Andere Bereiche an Souvenirshops. Pro Person werden 50 SAR fällig. Geöffnet von 8-12 und von 17-21 Uhr. In den Palast kommt man, ohne Eintritt zu bezahlen. Wer sich das Museum sparen will, kann dies Getrost tun. Die 2. Etage war interessant und schön gestaltet. Sie zeigt das Leben in Saudi-Arabien. Der Rest…. mal wieder Geschmacksache.Read more
Medina
December 21, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ⛅ 23 °C
Heute beginnt unser Roadtrip und wir machen uns auf den Weg durch die Wüste nach Medina. Die Distanzen in Saudi-Arabien sind groß, um nicht zu sagen riesig. Man könnte jetzt natürlich auch den Flieger (nicht gerade günstig) nehmen oder sich in den ultramodernen Haramain Zug setzen - das Flaggschiff unter den Hochgeschwindigkeitszügen in Saudi-Arabien.
Ich bevorzuge das Auto. So kann ich das Land intensiver erleben und auch einfach mal anhalten. Wir brauchen wohl 4 Stunden bis Medina. Der Zug nur knappe zwei. Wenn man aber die Anfahrt zum Bahnhof, das Warten bis zur Abfahrt des Zuges und die Taxi oder Busfahrt in Medina zum Hotel dazurechnet, brauchen wir nicht viel länger.
Zunächst fahren wir durch flaches Wüstenland, bis sich einige Berge erheben. Leider sind wir in der 3-spurigen Autobahn gefangen und es gibt keine Möglichkeiten anzuhalten. Es braucht definitiv kleinere Straßen, um die Landschaft genießen zu können. Unsere Begleiter sind Kamele, Esel und Paviane. Weihrauchbäume wachsen in den Tälern und Wadis. Ein paar Schnappschüsse aus dem Fenster müssen reichen.
Teilweise ist die Fahrt ziemlich eintönig und dann kommt man auf interessante Gedanken. Irgendwie muss man die Zeit ja rumkriegen. Saudi-Arabien ist Weltmeister der Radarkontrollen. Alle 6km steht ein grauer Kasten. Es gibt sie in den Städten als Säulen, bunkerartige Monster und Blitzkästen, wie wir sie kennen. Entlang der Autobahn stehen kleine graue Kästen. Sie erinnern mich irgendwie an Sponge Bob. Da die Saudis sehr rücksichtslose Autofahrer sind, ist dies wohl die einzige Möglichkeit, die Rowdies zu zähmen. Ich würde ja lieber etwas schneller und dafür geordneter fahren. Aber gut. Im Auto liegt mein Spickzettel mit den arabischen Zahlen. Es gibt viele Schilder, auf denen die Geschwindigkeit nur auf arabisch steht. Es existiert aber auch ein Modell mit der Angabe in beiden Schriften. Ich fahre so ordentlich wie in meinem ganzen Leben noch nicht. Bei 120km/h beginnt mein Auto zu piepen. Das scheint die Höchstgeschwindigkeit zu sein. Doch nein. Es gibt auch noch Abschnitte, in denen 140km/h gefahren werden darf. Man erträgt jedoch kaum das Gepiepe. Irgendwann ignoriere ich es und stelle zu meiner großen Freude fest, dass es aufhört, wenn man schneller als 130 fährt. Perfekt. Nachdem es nicht mehr piept, verfolge ich nun das Blitzergeschehen - alle 6km ein Kasten. Das sind auf 400km Strecke allein heute fast 70 Blitzer plus noch 12 mobile Radarkontrollen und 5 Check Points der Polizei. Summasumarum 87 Geschwindigkeitsmessungen. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.
Ich muss mir heute keine Gedanken darüber machen, was ich anziehen könnte und ob die Haare schön sind. Ganz einfach: über Hose und T-Shirt kommt die Abaya und kurz vor Ankunft in Medina noch ein Tuch auf den Kopf. Die Frisur sitzt.
So habe ich mir das zumindest vorgestellt. Zum Glück bin ich während des Packens auf die Idee gekommen, mal auszuprobieren, wie der Kampf mit dem Stoff, das Binden, Wickeln, Knoten solch eines Kopftuches funktioniert. Es funktioniert überhaupt gar nicht. Dank TikTok (das war mein erstes TikTok Video) war ich dann schon ein bisschen schlauer. Es bildet eben doch. Ich brauche Nadeln oder Magnete und auf jeden Fall etwas Stabiles auf den Kopf unter das Tuch, damit man ja keine Haare sieht. Online finde ich Magnete und im Schrank eine schwarze, perfekt sitzende Bademütze. Nun wird sie auch einmal getragen, wenn auch etwas zweckentfremdet. Geht doch. Jetzt muss ich nur noch üben.
Medina ist der einzige Ort für uns mit „Kleiderordnung“. Nach Mekka dürfen wir als Ungläubige ohnehin nicht. An allen anderen Orten muss ich mir wieder Gedanken machen, was ich anziehen könnte und morgens die Haare im Spiegel ordnen. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Ist nur die Frage, was sich leichter ordnet: die Haare oder das Tuch mit seinen Magneten.
Medina ist nach Mekka die zweitheiligste Stadt im Islam. Sie spielt in der Geschichte dieser Weltreligion eine entscheidende Rolle und kann ihre Bedeutung bis heute behaupten. Der Religionsbegründer Mohammed stammt aus Mekka, einer damals polytheistischen Handelsstadt. Dort empfing er die Offenbarung seines Gottes Allah. Da seine Kunde von einem einzigen Gott nicht besonders gut ankam, musste er fliehen. Er verließ Mekka mit Ziel Medina, wo ihm Zuflucht gewährt wurde. Der Auszug Mohammeds aus Mekka im Jahr 622 n. Chr. wird in der muslimischen Geschichte als Hidschra bezeichnet. Und damit beginnt auch die Zeitrechnung des Islamischen Kalenders – also das Jahr 0 AH (Anno Hegirea, im Jahr der Hidschra). Hier gründete Mohammed seine erste Moschee und hier wurde Mekka als Gebetsrichtung festgelegt.
Der Prophet Mohammed selbst ist in der Al-Masjid an-Nabawi begraben, die auch als Prophetenmoschee bekannt ist. Mohammed half im Jahr 622 n. Chr. beim Bau. Es war die zweite Moschee, die er in Medina errichtete und ist dadurch eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Al-Masdschid an-Nabawi ist die zweitgrößte Moschee der Welt und die zweitheiligste Stätte des Islam.
Genügend Gründe also, um die Stadt im Westen Saudi-Arabiens zu besuchen. Doch bisher war es Nicht-Muslimen verboten, nach Medina zu reisen. Sie war für uns eine verbotene Stadt. Erst seit 2021 ist dieser Bann aufgehoben und solange man sich außerhalb der Prophetenmoschee aufhält, ist es auch für Ungläubige völlig ok sich in Medina zu bewegen. Man darf mittlerweile sogar Hotelübernachtungen in der ganzen Stadt buchen. Wenn schon denn schon - wir wohnen, nicht gerade zum Schnäppchenpreis, innerhalb des Cityrings direkt bei der Prophetenmoschee im heiligen Stadtbezirk Al-Haram. So können wir zu jeder Tages- und Nachtzeit einen Blick auf sie werfen.Read more
Prophetenmoschee - Masjid An-Nabawi
December 22, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 16 °C
Der heilige Bereich Medinas heißt Al-Haram. Hier steht im Herzen der Stadt die Prophetenmoschee. Sicherlich eines der bekanntesten und eindrucksvollsten Bauwerke des Islam, gleich nach der Al-Haram Moschee rings um die Kaaba in Mekka.
Um den Bau der Moschee ranken sich einige Mythen. Die gängigste Geschichte, die uns auch in Medina vor Ort erzählt wurde, lautet wie folgt: Mohammed soll seinen Vetter Ali auf ein Kamel gesetzt und dieses losgeschickt haben. An der Stelle, an der sich das Kamel niederkniete, wolle er den Grundstein für seine neue Moschee legen. Und das ist eben genau hier, wo die Prophetenmoschee bzw. Masjid an-Nabawi steht.
Medina ist bis heute eines der wichtigsten religiösen Zentren des Islam und gilt als zweitheiligste Stadt gleich nach Mekka. Daher wurde auch die Prophetenmoschee stetig erweitert und ihre Kapazitäten ausgebaut. Aktuell bietet sie bis zu 1 Million Gläubigen Platz, was sie nach der Al-Haram Moschee in Mekka zur zweitgrößten Moschee der Welt macht.
Um den Pilgern im Außenbereich der Moschee Schutz vor der erbarmungslosen Sonne zu bieten, wurden überdimensionale Sonnenschirme aufgebaut. Jeder dieser Schirme wiegt 45 Tonnen, ist 15 m hoch und kann aufgespannt 625 m² Schatten spenden – genug für jeweils 800 Pilger! Dank eingebauter Lüfter lässt es sich hier bei bis zu 50° aushalten. Insgesamt gibt es 250 dieser Sonnenschirme, sodass eine Schattenfläche von 160.000 m² entsteht. Die Schirme werden zur Mittagshitze aufgespannt und Abends wieder eingefahren. Das ganze passiert dank einer Computersteuerung binnen unglaublicher 15 Minuten. Das Projekt wurde durch die Firma Liebherr realisiert.
Man darf die Moschee als Ungläubiger nicht betreten. Dennoch ist der Besuch des Bereiches ringsherum eines der absoluten Highlights meiner Reise durch Saudi-Arabien. Zum einen ist da dieses schwer greifbare, aber fantastische Gefühl, etwas mit eigenen Augen sehen zu können, was lange Zeit für Touristen ein absolutes Tabu war.
Zum anderen bin ich von der Schönheit der Moschee absolut beeindruckt. Sie wirkt sehr edel und elegant, was eben nicht zuletzt auch an den Sonnenschirmen liegt. Denn eingefahren ähneln sie der schmalen Bauweise der Minarette der Moschee.
Nachdem wir uns durch das Verkehrschaos der Stadt gekämpft haben und das Auto in der Tiefgarage verschwunden ist, laufen wir voller Erwartungen zur Moschee. Und dann liegt sie vor uns. Wunderschön. Die Sonne gibt sich nochmals Mühe und lässt sie im späten Nachmittagslicht erstrahlen. Die schattenspendenden Sonnenschirme der Firma Liebherr aus Stuttgart sind geöffnet. Begeistert laufen wir darauf zu, die Schirme, darüber und dazwischen die schlanken Minarette. Sind die Schirme geschlossen, gleichen sie den Minaretten in Form und Farbe. Überall laufen, sitzen und beten die Menschen. Dennoch ist die Atmosphäre ruhig. Wir werden gefragt, ob wir Fotos machen können und werden auch selbst fotografiert. Schließlich verschwindet die Sonne und die Schirme beginnen sich zu schließen. Wie Blumen falten sie ihre Blütenblätter ein, ähneln dann einem runden Lampenschirm und schließen sich letztendlich, um wie kleine Minarette in die Luft zu ragen. Es sieht wunderschön aus. Doch dann werden wir freundlich gefragt, ob wir denn Muslime seien. Nein, sind wir nicht. Hier dürfen wir nicht sein. Wir befinden uns außerhalb der grünen Absperrzäune, aber offensichtlich doch schon im inneren Moscheebereich. Es gibt keine Hinweisschilder und kein Personal, das schaut, wer wo reinläuft. Ich hatte auf YouTube Videos gesehen, in denen immer an den grünen Absperrgittern Schluss war. Dort waren wir aber nicht. Der freundliche Mann erklärt uns, wie wir am besten rauskommen und welches Museum wir uns gerne ansehen können. Somit verlassen wir diesen so besonderen Ort und schauen von jetzt an durch den richtigen Zaun, von dem man aus alles genauso gut sehen kann.
Zum zweiten Mal essen wir zu Abend und bis jetzt funktioniert das wie zu Hause auch. Reingehen, Platz nehmen, bestellen und essen. Keine getrennten Abteile für Frau und Mann. Hier werde ich sogar angesprochen, dass mein Tuch besonders schön sei. Schön finde ich es auch. Es kommt aber darauf an, wie man es trägt und bindet. Heute komme ich mir eher vor wie eine alte Hexe. Was machen Kleider doch aus Menschen.
Als es schon dunkel ist, ruft der Muezzin. Innerhalb kürzester Zeit füllt sich das riesige Areal der Moschee und alle umliegenden Plätze. Die Geschäfte werden dazu schlicht kurz geschlossen. Alle Menschen knien in perfekter Anordnung auf ausgelegten Gebetsteppichen und die gesamte Stadt schweigt und lauscht. Es ist ein fast magischer Moment. Diese Stille und der Muezzin. Alle stehen synchron auf und knien wieder nieder, als würden sie am Faden eines Marionettenspielers hängen. Ein perfekter Ablauf. Doch wie viele Menschen sind das? Wir tippen auf mehrere 100.000, die alle schweigend lauschen. Hunderttausende verstummen, wenn einer die Stimme erhebt. Und jetzt erkennen wir auch ganz eindeutig: wir beide sind die einzigen Menschen hier, die keine Muslime sind.
Die Menschen kommen aus allen Nationen und werden in speziellen Pilgerreisegruppen hierher gebracht. Viele Gruppen tragen Westen oder T-Shirts, mit dem Namen ihres Landes drauf. Ein riesiges Business.
Auf der anderen Seite der Moschee stehen mit der Al-Ghamama und der Abu Bakr Moschee zwei der ältesten Moscheen Medinas, die noch zu großen Teilen in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben sind.Read more

TravelerOh ja. Hier ist alles sehr streng. Selbst das, was man darf, ist plötzlich verboten. Je nachdem, an welche Person man gerät. Es gibt keine Regeln, an die man sich halten kann und dann klappt alles. Alles ist Überraschung.

Andrea on TourAlso immer Kopftuch tragen ist nicht prickelnd, wohl aber ein Muss. Wir wünschen euch frohe Weihnachten 🎁

TravelerDanke! Euch auch frohe Weihnachten. Es ist nur an diesem Ort ein Muss. Ansonsten braucht man kein Kopftuch.
Rund um die Prophetenmoschee
December 22, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 23 °C
Das heilige Viertel Al Harám ist eine Stadt in der Stadt. Eine Ringstraße umgibt diesen Bereich und grenzt ihn von der restlichen Stadt ab. Die Straßen haben hier marmorne Böden mit wunderschönen Mustern. Man Rutsch auf ihnen schon in trockenem Zustand leicht aus. Ich mag mir die Rutschpartie bei Regen überhaupt nicht vorstellen. Zum Glück gibt es diesen hier äußerst selten. Alles ist wunderschön bepflanzt. Hotel reiht sich an Hotel. Schöne Architektur, dezente beige Farben ragen in den blauen Himmel. Die Prachtstraße wird mit jedem Häuserblock ein wenig schmaler. Somit besitzt jedes Hotel eine Zimmerreihe mit Blick auf die Moschee. Eine clevere Idee. Keiner kommt zu kurz. Jede Straße will die andere an Pracht übertreffen. Von Straßen kann man eigentlich nicht mehr sprechen - breite Boulevards. Das Areal der Moschee ist mit 615.000km2 ohne Außenanlagen nicht gerade klein. Hier macht man Meter, wenn man am Tag einige Male unterwegs ist. Der Umfang dieses Areals ist natürlich ebenfalls enorm. Enorm die Möglichkeiten dort Geschäfte unterzubringen. Somit reihen sich die goldensten Goldgeschäfte aneinander. Gebetsteppiche und Korane sind weitere Kassenschlager. Aber auch Datteln und Weihrauch finden guten Absatz. Damit ist es an Auswahl aber leider auch schon vorbei. Bei Hunderttausenden von Pilgern macht offenbar jedes Geschäft seinen Umsatz. Der normale Tourist, der ohnehin nicht erwartet wird, wird hier in keinen Shoppingrausch verfallen. Ein Viertel ohne Alltagsleben. Sauber, prachtvoll, eine Pilgerstadt ohne Bevölkerung. Und es wird kräftig weiter gebaut, denn an vielen Hotels prangt die Aufschrift „We don‘t have accomodation.“ Früher war die Moschee von einer herrlichen Altstadt umgeben, die schon lange den Hotels weichen musste. Nur der alte Friedhof wurde niemals abgerissen. Dieser ist auch der Grund, dass das gigantische Moscheenareal nicht perfekt rechteckig ist, sondern durch das Friedhofsareal einen krummen Abschluss findet.
Auf der anderen Seite der Moschee stehen mit der Al-Ghamama und der Abu Bakr Moschee zwei der ältesten Moscheen Medinas, die noch zu großen Teilen in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben sind. Leider wurde zu schnell abgerissen. Auch historische und religiöse Orte vielen den Abbruch agieren zum Opfer. Die beiden Moscheen gehören dennoch zu denen, die in Teilen überlebt haben. Auch diese werden bepilgert. Gibt es dieses Wort überhaupt? Irgendwie scheint es so in diesen Satz zu passen.
Anschließend versuchen wir unser Glück, die Moschee zu Fuß zu umrunden. Diesmal in Richtung Osten. Hier grenzt nämlich der erste islamische Friedhof Baqiʿ al-Gharqad an die Prophetenmoschee. Und entlang des Friedhofs gibt es eine Mauer, von der aus man einen guten Überblick auf die Moschee und ihre Dimensionen erhalten kann.
Auf dem Friedhof liegen zahlreiche wichtige Persönlichkeiten des Islam begraben, einige davon Verwandte und Gefährten des Propheten selbst. Ursprünglich befanden sich hier dementsprechend auch pompöse Grabmäler, Schreine und Mausoleen. Sehr weit kommen wir nicht. Der Friedhof öffnet nach dem Nachmittags Salah. Sämtliche Pilger und das sind tausende, strömen zum Eingang. Ich sehe keine Chance, dass wir uns dort eingliedern können. Doch plötzlich stecken wir in der Schlange. Für einen kurzen Moment denke ich noch, dass wir hier in einen „Männerblock“ geraten sind. Stimmt auch. Nur - Frauen sind hier verboten. Da gibt es gerade genau eine, nämlich mich. Jackpot. Eine Gruppe um uns herum kommt aus Deutschland. Man erklärt mir, dass ich nicht hinein darf. Nun gut, weshalb hat man mir das nicht schon am Morgen gesagt, als wir uns an der Info erkundigt haben. Ich frage nochmals nach, ich nicht, Moritz darf rein. Ja klar. Wir vereinbaren schnell einen Treffpunkt und dann werde ich auch schon von einem Wachmann angegangen, was ich hier zu suchen habe. Ich bin ja schon weg. Fast. Es ist nicht so einfach aus dem Massengwühle überhaupt wieder heraus zu kommen. Es gibt hier keinerlei Beschilderung. Man weiß nie wohin man darf und wohin nicht. Aber mit uns rechnet man eben nicht als Besucher. Und so warte ich denn. Doch Moritz kommt nicht wieder. Ich wandere umher, mache noch einige Fotos, immer schön von außen hinter dem Zaun. Auch heute gibt es außer uns beiden keine nicht-muslimischen Besucher. Plötzlich werde ich von einem Wachmann angegangen. Was ich hier mache? Ob ich Muslimin sei? Nein bin ich nicht. Ich bin auch nicht in der Moschee. Bilder löschen. Warum? Ich darf hier sein. Da kommt zum Glück ein junger Mann und will etwas wissen. Er zeigt dem Wachmann sein Handy und der widmet sich ihm zuerst. Meine Chance - ich verschwinde. Er ruft mir zwar noch etwas hinterher, aber ich verstehe ihn nicht und fühle mich nicht angesprochen. Außer auf Pilgertouristen ist man hier auf niemanden eingestellt und weiß auch nicht, wie man mit uns umgehen muss. Kurz darauf entdecke ich Moritz. Er hat den Treffpunkt vergessen und war am falschen Ort. Er erzählt, dass seine Begleiter davon ausgegangen sind, dass er Muslim sei und ihn deshalb mit in den Friedhof genommen haben. Auch er hätte also nicht dort sein dürfen. Er erhielt dort Instruktionen, wie er sich zu verhalten hat, um nicht aufzufallen. Auch auf dem Friedhof wird gebetet und erlebt nun eine echte Gebetsstunde auf heiligem Boden. Seine neuen Begleiter nehmen ihn danach quer durch die Moschee mit nach draußen. Er soll den Mund halten und bekommt alles wichtige erklärt. Grandios. So war er tatsächlich zweimal in der Masjid An-Nabawi, der Prophetenmoschee. Einmal mit sachkundiger Führung auf deutsch.Read more
Heilige Orte in Medina
December 22, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 26 °C
Wir beginnen unsere Tour durch Medina im Süden der Stadt. Hier liegt der Stadtteil Quba, wo Prophet Mohammed nach seiner Flucht aus Mekka eine Moschee gebaut haben soll. Die Quba Moschee gilt daher als eine der ältesten Moscheen der Welt – in islamischer Zeitrechnung wurde sie im Jahr 0 erbaut.
Das heutige Gebäude hat mit dem ursprünglichen Bau, dessen Grundstein vom Propheten persönlich gelegt worden sein soll, wenig zu tun. In den 1980er Jahren wurden die meisten religiösen Gebäude Medinas renoviert. Eigentlich sollte die originale Moschee in den Neubau integriert werden, um ihr Andenken zu erhalten. Stattdessen wurde sie aber komplett abgerissen und an der Stelle entstand die heutige im modernen Look.
Da gerade Umra Pilgerzeit ist, befinden sich hundertausende Pilger in Medinah. Somit ist es auch hier in der Quba Moschee brechend voll. Hunderte Busse reihen sich aneinander und spuken ihr Ladung an Pilgern aus. Die Massen schieben sich. Die einzigen nicht muslimischen Individualreisenden sind wir. Die Umgebung der Moschee wird gerade mit touristischer Infrastruktur versehen. In näherer Zukunft wird man Cafés und Shops antreffen. Allerdings rechnet man hier nur mit Pilgertourismus.
Die Masjid Shuhada Uhud liegt am nördlichen Stadtrand von Medina. Sie ist ein wichtiger Ort in der islamischen Geschichte und wurde an der Stelle errichtet, an der die Schlacht von Uhud stattfand. Die Gefährten vom Propheten Mohammed, die in der Schlacht gefallen sind, wurden auf dem Friedhof neben der Moschee begraben.
Der Ghars-Brunnen ist einer der vom Propheten Mohammed bevorzugten Brunnen. Er mochte das Wasser wegen seiner Frische. Er trank daraus und ließ sich damit waschen. Nach der Zamzam-Quelle in Mekka ist Ghars Well der zweitwichtigste heilige Brunnen des Islams.
Die Moschee der zwei Gebetsrichtungen - Qiblatain Moschee - ist heute ebenfalls sehr gut besucht. Die Innenhöfe sind mit kleinen, weißen Sonnenschirmen bestückt, die mich ein wenig an die riesigen Schirme der Prophetenmoschee erinnern. Auch hier sind wir wieder unsicher, ob wir uns überhaupt im Innenhof bewegen dürfen. Es hält uns aber niemand an und daher sehen wir uns diesen bedeutenden Ort in Ruhe an.
Im Gegensatz zu gestern ist es heute heiß. Morgens bin ich noch mit Daunenjacke über der Abaya losmarschiert. Mittlerweile habe ich zum Glück Hose und T-Shirt unter der Abaya ausziehen können. Die vermeintlich luftige Abaya hält warm. Und wie. Der Stoff ist so dicht gewebt, dass er Wärme gut aufnimmt und auch hält. Das habe ich nicht erwartet. Heute gab es aber so viele Momente mit dem Gedanken „das habe ich nicht erwartet“, dass dieser eine Moment kein Gewicht hat. Aber wahrscheinlich muss sie so gut wärmen, denn die Menschen tragen sie auch an kalten Tagen und wollen nicht frieren.
Der Jabal Uhud, der heilige Berg, will auch noch teilweise erklommen werden. So einfach gestaltet sich das mit einer langen Abaya aber nicht. Wir entscheiden uns für eine kleine enge Schlucht, in die wir soweit wie möglich hineinwandern. Die roten Felsen leuchten herrlich in der Sonne und die wenigen staubgrünen Bäume ragen ihre Äste in den blauen Himmel. An einem Klettersteig ist für mich Schluss. Dafür braucht man Hosen. Moritz besteigt den Felsen und kommt mit schönen Fotos zurück. Als wir zurückwandern sitzt eine Familie mit Picknickdecke im Wadi. Wir werden eingeladen zu Tee und Muffins und versuchen uns ein wenig zu unterhalten. Eine schöne Begegnung mit sehr freundlichen, offenen Menschen. Solche Momente machen das Besondere an einer Reise aus.Read more

TravelerDa muss ich an eine Begegnung zu Silvester in Sydney denken. Neben mir stand eine bildhübsche Frau, die mich ansprach und wir haben uns ausgesprochen nett unterhalten. Sie kam aus Saudi-Arabien.
Khaybar Fort
December 23, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ☁️ 24 °C
Die Oase Khaybar liegt in einer Reihe von Senken, in denen sich Regenwasser sammelt, wodurch seit Jahrtausenden Palmen wachsen. Khaybar ist von Lavafeldern umgeben, die „Harra(t)“ genannt werden. Das größte davon ist Harrat Khaybar.
Bis heute profitiert Khaybar von permanenten Wasserstellen, die in den tiefsten Teilen der Oase an die Oberfläche treten und dort eine üppige Vegetation gedeihen lassen. Von den zahlreichen Brunnen aus wird ein komplexes System von Bewässerungskanälen zur Bewässerung der Palmen genutzt und bietet einen einzigartigen Einblick in das Aussehen einer arabischen Oase vor zweitausend Jahren.
Die Festung ist berühmt für die historische Schlacht von Khaybar, die im Jahr 629 n. Chr. stattfand. Sie war die letzte jüdische Festung, die von den muslimischen Truppen des Propheten Mohammed und seines Gefährten Ali erobert wurde. Sie liegt auf einem Hügel und ist von Palmen umgeben. Die Ruinen bestehen aus einer Mischung aus schwarzem Stein (Basalt) und Lehm. Die Überreste lassen jedoch erahnen, wie majestätisch diese Festung in ihrer Blütezeit gewesen sein muss.
Aufgrund des unregelmäßigen und überschwemmungsgefährdeten Geländes wurde die moderne Stadt einige hundert Meter südlich auf ebenem Land errichtet. Daher sieht die Oase mit ihren bewässerten Palmen und alten Häusern wahrscheinlich noch immer so aus wie vor mehreren hundert Jahren.
Wer einen ihrer Felsgipfel besteigt und über die Oase blickt, fühlt sich in die Zeit der alten arabischen Oasen und der Karawanenstraßen zurückversetzt.
Als ich dies alles recherchiert habe, freue ich mich auf diesen spannenden, authentischen Ort.
Soweit so gut. Khaybar ist von einem riesigen, schwarzen Lavafeld umgeben, über zig Kilometer schwarze Steinwüste, die aus mehr oder weniger großen Steinen besteht. Als wir schließlich die Oase erreichen, erwarte ich leuchtend grüne Palmen, so wie ich die Oasen aus dem Oman kenne. Doch hier scheint die Wasserversorgung doch nicht mehr so optimal zu sein. Die graugrünen Palmen sehen traurig aus. Hier strotzt nichts vor Leben. Kurz darauf kommen wir uns vor wie die damaligen Feldherren, die die Festung einnehmen wollten. Die alte, schöne Lehmstadt Khaybar ist komplett abgeriegelt. Immer wieder wählen wir neue Wege und versuchen die Stadt von vier Seiten aus zu erobern. Erfolglos. Kurz vor unserem Ziel steht jeweils ein bemanntes Wachhäuschen und uns wird erklärt, dass die Stadt geschlossen ist. Keine Chance irgendwie hineinzukommen. Wie schade. Wir versuchen also den Aussichtspunkt zu erreichen, um wenigstens einen Blick auf die Oasenlandschaft werfen zu können. Ständig stoßen wir auf Schilder: Road is closed. Am Ende scheinen wir tatsächlich erfolgreich zu sein und stehen auf einem schönen Parkplatz, das Tickethäuschen ist besetzt und der Weg zum Aussichtspunkt schön angelegt. Die touristische Infrastruktur ist fertig. Aber nein - Tickets kann man nicht kaufen. Geschlossen. Das war es also. Alles reglementiert und bewacht. Im Oman konnte man diese alten, wunderschönen Lehmstädte immer besichtigen. Alles war offen und zugänglich. Und wie man sieht, oder eben gerade nicht sieht, es gibt keine Fotos.
So machen wir uns enttäuscht auf den Weg nach Al Ula. Unterwegs beschließen wir, heute schwarz-weiß Fotos zu machen. Dazu benötigen wir weder Photoshop noch einen Filter, einfach auf den Auslöser gedrückt und das Foto ist schon fertig. Aber, wie ich später feststelle, es sind tolle Panoramen, grandiose Landschaften, durch die wir gefahren sind. Wüste mit hellem und rotem Sand, tolle Felsformationen, Felspyramiden und ab und an Kamele und Esel. Landschaftlich eine wunderschöne Strecke. Dennoch, wie das graue, schlechte Wetter ist gerade auch unsere Stimmung. Wir erwischen die Ausläufer des Tiefdruckgebiets, das etwas weiter nördlich gerade für viel Schnee sorgt. Mal sehen, ob wir diesen auch noch erleben dürfen. Allerdings sind weder meine laufbaren Untersätze noch die Fahrbaren des Autos auf Winter eingestellt. Sommerreifen und Sandalen kommen im Schnee nicht so gut. Aber noch schneit es nicht.
Wir kommen relativ zügig vorwärts, wobei ich das Gefühl habe, in einem ratternden Zug zu fahren. Die Straße ist schlecht und es rappelt und ruckelt genauso, wie wenn ein Zug über marode Gleise rattert. Eine Massage ist somit gleich eingebaut und die Knochen werden alle mal wieder gründlich durchgeschüttelt. Da kommt man dann völlig neu geordnet und gelockert ans Ziel.
Auch hier wird auf den großen Straßen weiterhin geblitzt was das Zeug hält. Auf den kleineren Straßen, wie auch auf unserer „Zugstrecke“, auf denen die Verkehrsdichte gegen null geht, nimmt auch die Zahl der Radarkontrollen ab. Ist aber nicht null.
Mittlerweile habe ich auch meine Lieblingsgeschwindigkeitsanzeige entdeckt. Sie heißt Slow oder Slow down. Da kann sich nun jeder nach gut Dünken aussuchen, was für ihn Slow bedeutet. Alles Auslegungssache. Alles richtig, alles falsch.Read more

SYLWIA B.Irgendwie klingt das Gelesene etwas ernüchternd. Wenn solche Städte geschlossen sind und für die Touris nicht erkundbar, ist es enttäuschend. Aber die Bilder von der Landschaft sind dennoch sehr schön

TravelerIch vermute, wir sind hier in so einer Zwischenphase. Bis vor einiger Zeit konnte man einfach rein. Jetzt wird es gerichtet und ist komplett abgesperrt. Dann wird das Visitor Center gebaut und es wird zu einem Museum. das dauert noch ein bisschen. Wir sind einserseits zu spät und andererseits zu früh.
Elephant Rock - Al Ula
December 23, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ⛅ 24 °C
Schließlich erreichen wir Al Ula und das Wetter gibt sich allergrößte Mühe. Die Felsen leuchten in der herrlichen Nachmittagssonne und wir sind begeistert. Allerdings nur kurz. Jeder Weg ist genau vorgegeben. Es gibt kein links und kein rechts. Man kann nirgends halten, um diese herrlichen Felsen anzusehen oder zu fotografieren. Erreichen kann man sie aber auch nicht. Es gleicht einer kontrollierten Anlage. Jeder Schritt ist überwacht. Wer wann wo parkt und was genau macht. Was nun? Meine Laune sinkt gegen null. Also fahre ich wie geplant zur Maraya Konzerthalle. Und schon stehen wir wieder vor einer Schranke. Wo ist das online Ticket? Online Ticket? Ähh - für was? Für die Konzerthalle. Wir wollen nicht hinein. Egal, das Ticket muss her. Leider gibt es das nur 20km entfernt in einem Office. Also alles wieder zurück. Die Dame dort sagt mir, dass die Tickets ausverkauft sind. Man kann nur die gesamte Führung (innen und außen) oder die Außenfassade plus Abendessen buchen. Wieder alles vorgegeben. Ich weiß nicht, wie das zeitlich bei uns passt. Der Frust wächst. Also zum Hotel. Kurz bevor wir es erreichen, eine erneute Planänderung. Ich hasse so ein Hin und Her. Wir halten beim Elephant Rock. Natürlich ist der noch geschlossen. Er ist von einem Zaun umgeben und wird erst um 16:00 geöffnet. Wieder so eine Reglementierung. Aber es gibt ja noch andere Felsen. Und oh Wunder - wir dürfen da einfach so hin. Also jage ich meinen Toyota etwas durch die Wüste und teste sogar kleine Tiefsandpassagen. Geht doch. Der Rest wird erwandert. Endlich sind wir zufrieden. Keine Schranken, keine Tore, keine Menschen. Nur Natur und Stille. So wandern wir von einer Felsformationen durch die Wüste bis zur nächsten. Das landschaftliche Wechselspiel aus Sandwüste und schroffen Felsen mit spektakulären Formationen ist unglaublich beeindruckend. Den Elefant sieht man von hier oben richtig gut. Endlich ist der Tag ganz nach unserem Geschmack. Und kurz vor 16:00 stehen wir als die ersten vor dem verschlossenen Tor zum Elefanten, denn nur auf diesem Weg kann man ihm näher kommen.
Der Elephant Rock Jabal Alfil ist – wenig überraschend – ein großer Fels, dessen Form an einen Elefanten mit Rüssel erinnert. Es ist ein wahres Meisterwerk, das durch die Kräfte der Natur - des Regens und des Windes - geschaffen wurde. Die Erosion hat Millionen Jahre gedauert, um diesen beeindruckenden Felsen zu formen. Da er so schön und einzigartig aussieht, wurde eine Lounge mit supergemütlichen Sitzecken rund um den Felsen gebaut. Nach einem langen Tag wirklich ein fantastischer Platz, um den Sonnenuntergang zu genießen und eventuell sogar zu warten, bis sich der Sternenhimmel über die Wüste legt. Und so sitzen wir in einer dieser gemütlichen Sankuhlen, essen Burger und Pommes und warten darauf, dass die Sonne untergeht. Die hat heute allerdings keine Lust und verzieht sich lieber hinter die Wolken. Aber auch der angestrahlte Elefant in der Dunkelheit sieht wunderschön aus, zumal ihn ein spektakulärer Himmel überspannt.
Vessel Hole Rock al Jar liegt ganz in der Nähe. Im Felsen hat sich eine Mulde gebildet, die wie ein Gefäß aussieht. Es könnte aber auch alles andere sein: ein Kegel, ein Nadelöhr oder ein Schlüsselloch. Es hängt davon ab, wie man es interpretiert. Die umliegende Landschaft mit der Mischung aus Steinen, Sand und hochragenden Felstürmen ist gigantisch.
Der Felsen, der aussieht, wie Siamesische Zwillinge steht hinter dem Elefantenfelsen und blickt zu ihm herüber.
Sparhawk Felsenbogen befindet sich ebenfalls in der Nähe vom Elephant Rock. Der Hand Rock liegt gleich um die Ecke und begeistert. Wir entdecken noch viele andere schöne Felsen. Soweit möglich fahre ich durch den Sand an sie heran und der Rest wird gelaufen. Wir erreichen sie alle, brauchen aber ein klein wenig mehr Zeit.Read more
Oasis Heritage Trail
December 24, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ⛅ 15 °C
Der schöne ca. 3 km lange Spazierweg erstreckt sich parallel zur Hauptstraße vom Orange Path bis zum Dadan Visitor Center. Der Weg führt zwischen den Überresten der alten Lehmhäuser und schön gestalteten grünen Gärten entlang. Dattelpalmen spenden Schatten. Orangen und riesige Zitronen wachsen hier. Der Oasis Heritage Trail geht an seinem Ende in den Dadan Heritage Trail über. Viele der alten Lehmhäuser werden wieder aufgebaut. Man überlegt dabei genau, wie man vorgeht. Somit bleibt an einigen Ecken die ursprüngliche Stadt, bzw. deren Reste erhalten. Ansonsten wird neu angelegt im Sinne von, man soll es nicht sehen, es soll authentisch wirken und praktisch sein. An manch einer Mauer haben wir am Stroh-Lehmverputz gekratzt und darunter Betonsteine gefunden. Schade. Zumal es vom Raumklima her grauenhaft ist zu wohnen. Der Blick gleitet von grünen Palmen und Gemüsegärten zu Orangenhainen und Bananenplantagen hinauf in die roten Felsen der Tafelberge und weiter in den blauen Himmel. Ein wunderschöner Spaziergang am frühen Morgen. Kleine Cafés laden mitten in der Oase zum Verweilen ein.
Im Moment kann man dieses kleine Paradies einfach so betreten. Ob das in Zukunft so bleiben wird? Alles ist hier streng über Timeslots und Tickets reguliert. Ich kann mir gut vorstellen, dass man für diesen Trail künftig auch Tickets kaufen muss. Es wird sehr viel restauriert und bepflanzt, dabei will man keine Zeit verlieren und Jahre warten, bis die Palmen groß gewachsen sind. Es werden gleich die großen Exemplare gekauft und eingepflanzt. Irgendwie muss das Geld dafür ja wieder reinkommen.Read more
Felsengräber von Hegra
December 24, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 20 °C
Die Nabatäer waren ein Handelsvolk auf der Arabischen Halbinsel, dessen Blütezeit zwischen dem dritten Jahrhundert v. Chr. und dem ersten Jahrhundert n. Chr. lag. Ihr Zentrum war das Weltberühmte Petra im heutigen Jordanien – eines der neuen sieben Weltwunder.
Der Reichtum des Königreiches beruhte auf dem Handel mit Gewürzen, Weihrauch und Myrrhe, die vom Orient in den Mediterranen Raum geliefert wurden. Die damalige Handelsstraße ist unter dem Namen Weihrauchstraße bekannt.
Mit der Expansion der Nabatäer gen Süden wurde nahe der Oase Al-Ula, einer der ältesten Siedlungen Saudi Arabiens, eine neue Stadt gegründet: Hegra - auch Mada’in Saleh genannt. Hegra liegt auf einer Wüstenebene am Rande des Ithlib Gebirges, befand sich auf einem Knotenpunkt wichtiger Karawanenrouten und wuchs schnell zu einer großen Handelsmetropole. Sie wurde nach Petra die zweitwichtigste Stadt im Königreich der Nabatäer und kontrollierte die Karawanenrouten entlang der Weihrauchroute.
Ab dem ersten Jahrhundert n. Chr. weiteten die Römer ihre Einflusszone auch in diesen Teil der Welt aus. Sie verfügten über gute Kenntnisse im Schiffsbau und verlegten wichtige Teile des Gewürzhandels auf den Seeweg durch das Rote Meer. Dadurch konnten Waren deutlich schneller und sicherer transportiert werden. Ehemals bedeutsame Handelsposten verloren dadurch ihre Einnahmequellen und auch Hegra wurde schon bald verlassen.
Von den Strukturen der Stadt Hegra selbst gibt es heute kaum Überreste. Die eindrucksvollen, in den Fels gehauenen Bauten sind keine Wohngebäude sondern Gräber. Bereits zu Lebzeiten haben sich Einzelpersonen und Familien Grabmäler errichten lassen. Die Lage und Ausstattung des Grabes zeigt den sozialen Status.
Insgesamt gibt es in Hegra über 100 Felsengräber. Bis auf eines sind immer mehrere Gräber in einen Fels gearbeitet worden. Doch das größte Grab Qasr Al-Farid wurde in einen alleinstehenden Felsen gehauen.
Unter strenggläubigen Muslimen gilt Hegra bis heute als verflucht. Für die Regierung ist dies ein Problem, da Hegra wichtigstes, touristisches Ziel des Landes werden soll.
Allerdings leidet Hegra aus meiner Sicht an einem anderen Fluch - dem Vandalismus. Über lange Zeit war die antike Stätte ein frei zugängliches Gelände. Man konnte die Felsengräber frei erkunden und sogar in der Wüste unter freiem Himmel Campen. Klingt nach einem Traum! Leider litt die Stätte unter Vandalismus. Erst 2021 wurde das Gelände mit einem neuen Konzept wiedereröffnet. Das bedeutet leider, dass man die Gräber nur noch im Rahmen einer geführten Tour zu festen Zeiten oder immerhin mit einer Hop-on-Hop-off-Tour besichtigen kann. Dabei wird man so streng überwacht, dass sich die Atmosphäre, die dieser Ort eigentlich hat, nicht entfalten kann, nicht auf uns wirken kann. Außer uns sind fast keine anderen Touristen hier. Eigentlich liebe ich so etwas. Hier wären mehr Touristen vielleicht von Vorteil gewesen. Ja, es ist einem eben nie recht. Wir kommen an, steigen in den Bus und werden zum ersten Besichtigungspunkt gebracht. Dabei fahren wir an traumhaften Gräbern vorbei. Wie? Die dürfen wir nicht sehen? Halten wir hier nicht? Also laufen wir nichts Böses ahnend dorthin und sehen sie uns an. Zumindest versuchen wir es. Der erste Fehler des heutigen Tages. Wir werden vermisst, gesucht und gefunden. Wir dürfen nicht mal mehr zum nächsten Besichtigungspunkt laufen, sondern werden im Golfcart hingefahren. Dort weiß man natürlich, was für Übeltäter kommen und uns wird sofort ein Aufpasser zur Seite gestellt. Macht nichts. Soll er mitlaufen. Wir haben nichts zu verbergen. Er will dann höflich wissen, wo wir waren und wir zeigen ihm die gewünschten Fotos. Er ist dann zufrieden. An Besichtigungspunkt drei kommt dann der zweite Fehler, von dem ich bis jetzt nicht weiß, was er ist. Wir umrunden wie alle anderen Besucher, es sind nur fünf, den Felsen mit den Gräbern. Ein Guide erklärt noch etwas und macht sogar Fotos von uns vor der Grabwand. Alles wunderbar. Als wir jedoch noch ein zweites Mal herumlaufen wollen, werden wir „eingefangen“, sollen in das Golfcart steigen und werden auf direktem Weg zum Bus gebracht. Wir erklären, dass wir dort schon mit dem Guide waren. Er meint, dass diese Seite nicht zu besichtigen sei. Niemand darf dorthin. Aber wir alle waren doch dort….? So werden wir also „abgeführt“ und zum letzten Grab gebracht. Das berühmteste Grab, Tomb of Lihyan, son of Kuza, ist das einzige freistehende Grab in Hegra. Ein riesiges Grab aus einem Monolithen herausgehauen. Es erinnert mich an ein riesiges Farberge-Ei, in das ein Grab eingearbeitet wurde. Unglaublich beeindruckend. Wir wollen warten, bis es von der Sonne angestrahlt wird. Ob das klappt, nachdem wir nun schon zweimal aufgefallen sind? Wir hören uns intensiv unseren Audioguide an, schinden Zeit. Wir sind zu früh. Zum Glück treffen wir auf ein deutsches Pärchen und unterhalten uns lange. Es kommen zu unserer Freude weitere Touristen. Die Sonne wandert. Und schließlich um kurz vor 16 Uhr ist es soweit und der größte Teil liegt wunderschön in der nachmittaglichen Wintersonne. Ein Traum. Auch hier ist ständig Wachpersonal vor Ort, das alles genau im Blick hat. Daher und wegen unserer vorigen Erfahrungen können wir uns nicht wirklich auf die Atmosphäre des Ortes einlassen. Ständig warte ich darauf, wieder weggeführt zu werden, weil ich etwas falsch gemacht habe, von dem ich nichts weiß. Wir sind also etwas angespannt. Doch keiner schimpft mit uns. Offenbar machen wir gerade alles richtig oder eben nicht falsch.
Natürlich ist auch mir der Schutz der Anlage sehr wichtig. Offenbar fehlt es an Personal, alles zu bewachen. Aber so sehr muss man es gar nicht bewachen. Schlimm war, dass es die letzten Jahre vernachlässigt und überhaupt nicht beachtet wurde. Dadurch ging leider sehr viel kaputt. Jetzt ist die Bewachung dafür so extrem, dass es nicht mehr wirklich Spaß macht, diesen tollen Ort zu besuchen. Dieses Konzept schießt weit über das Ziel hinaus und lässt mich nach dem Besuch etwas wehmütig zurück. In meinem Bericht geht es auch hauptsächlich um das persönlich Erlebte und nicht um die Gräber an sich. Die Gräber sind doch aber der Besichtigungsgrund. Alles andere verdient normalerweise keinerlei Erwähnung. Wir erkennen auch ganz klar, dass Individualreisende nicht wirklich willkommen sind. Die muss man einzeln bewachen. Die Busgruppe kommt mit Guide, läuft brav mit und verschwindet nach einigen Minuten komplett wieder. Der Guide ist Aufpasser genug.
Dennoch! Hegra ist ein absolutes Muss auf jeder Saudi-Arabien Reise und definitiv einer der beeindruckendsten Orte, die ich je besucht habe. Die Felsengräber sind in einem fantastischen Zustand. Und zu Recht wurde Hegra 2008 das allererste UNESCO Weltkulturerbe Saudi-Arabiens.
Die einzige Möglichkeit, Hegra zu besuchen, ist eine organisierte Tour, die über https://www.experiencealula.com gebucht wird. Wir fanden die Hop-on-Hop-off-Tour am geeignetsten für uns. Wir hatten im Groben solange Zeit zu bleiben, wie wir wollten. Wer das Lihan Grab im Dezember in der Sonne sehen will, sollte gegen 15:30 Uhr dort sein und ist fast allein. Ab 16 Uhr werden die Busgruppen angekarrt und es wird voll und laut. Insgesamt braucht man aber nur maximal 2 Stunden für Hegra einzuplanen. Länger will man einen hier auf keinen Fall haben. Kein Vergleich zu Petra, in dem man sich tagelange verlieren kann.
Ein bisschen Historie
Jabal Al Ahmar heißt so viel, wie „Der Rote Berg“. Hier ist das Grab von Hinat, der Tochter von Wahbu. Die Inschriften verraten, dass die Frauen im Nabatäerreich eine entscheidende Rolle in der Gesellschaft spielten. In diesem Grab wurden 80 Personen aus verschiedenen Generationen begraben. Die Nabatäer haben ihre Toten in drei Schichten eingewickelt. Als erstes Wolle, dann Leinen und als letztes Leder.
Der Name des Qasr Al-Farid Tomb (Grab von Lihyan) bedeutet „Das einsame Schloss“. Es ist ein Einzelgrab, in einen riesigen Felsen gemeißelt und das Wahrzeichen von Hegra. Dieses Grab unterscheidet sich von den anderen nicht nur darin, dass es alleine steht. Es hat vier statt zwei Säulen. Sein unterer Teil wurde leider nicht fertiggestellt. Sonst hätte es die größte Fassade in Mada´in Saleh.
Um den großen Sandsteinfelsen Jabal Al Banat herum findet man mehrere kleinere Gräber. Sie wurden einfacher gestaltet, was darauf schließen lässt, dass hier Menschen mit niedrigerem, sozialem Status beigesetzt wurden.Read more
Harrat Viewpoint
December 24, 2025 in Saudi Arabia ⋅ 🌙 18 °C
Der Harrat Viewpoint ist einer der besten Aussichtspunkte in Saudi-Arabien. Die großartige Aussichtsplattform befindet sich in 600 Meter Höhe über Al Ula und ist mit dem Auto leicht erreichbar. Von hier hat man einen grandiosen Blick in alle Richtungen und kann erkennen, wie sich die Oasenstadt mit ihren grünen Wäldern aus Dattelpalmen zwischen die kargen Felsen quetscht. Die unzähligen Dattelpalmen in der Tiefe sehen dabei aus wie ein grüner Fluss. Zu spät sollte man nicht ankommen, da sonst Teile der Oase bereits im Schatten liegen. Dafür ist das Licht besonders schön. Man kann ja zweimal kommen und sowohl die Mittagssonne als auch den Sonnenuntergang genießen.
Auf dem Plateau gibt es eine Bar mit Lounge Musik, um den Sonnenuntergang über Al Ula zu beobachten und entspannt in den Abend zu starten. Allerdings pfeift der Wind kräftig und warm geht anders. Auf jeden Fall ein lohnenswerter Abstecher. Aber auf den Sonnenuntergang will ich hier nicht lange warten müssen.
Schon die Fahrt den Berg hinauf entlang der serpentinenreichen Straße macht sehr viel Spaß und verspricht ständig gute Ausblicke. Die Strecke ist extrem steil, aber mit einem normalen PKW ohne Probleme machbar (auch wenn einem vielleicht etwas anderes erzählt wird) Bei der Fahrt nach unten sollte man, wenn man Höhenangst hat und nicht gerade der Fahrer ist, bei der Einfahrt in die Passstraße vielleicht kurz die Augen schließen. Man hat das Gefühl senkrecht nach unten zu fahren. Einfach so ins Nichts. Das ist krass. Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber dies könnte die steilste Strecke sein, die ich je gefahren bin, wobei es in Jordanien und Oman auch sehr steile Straßen gab. Ob sie steiler waren, oder das Auto schwächer? Wer weiß. Langsam fahren ist jedenfalls oberstes Gebot, sonst endet man wie ein Pfannkuchen in der Felswand.
Auch sonst ist etwas Vorsicht angebracht: Man ist nicht alleine auf der Straße. Kamele ziehen frei über das Plateau und sind keine sehr rücksichtsvollen Verkehrsteilnehmer. Da unterscheiden sie sich kaum von der autofahrenden Bevölkerung.
Weil wir schon etwas spät dran sind, fahren wir nochmals über den Mittag nach Harrat, um einen Blick in die herrliche Oase Al Ula werfen zu können.Read more
Dadan & Jabal Ikmah
December 25, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ☁️ 13 °C
Das Wetter gleicht hier einer Achterbahnfahrt. Morgens und abends richtig kalt. Ok, das ist ja kein Problem. Dafür gibt es Jacken. Wegen der kalten Temperaturen haben wir gestern im Hotel sogar eine Heizung bekommen, die wir gerne angeschaltet haben. Immerhin war es die letzten Tage so, dass der Himmel gegen Mittag, spätestens Nachmittag, herrlich blau war und die Sonne geschienen hat. Also perfekt. Nur der Morgen war wolkig mit wenig Sonne. So kam ich bisher als Blauer-Himmel-Sonne-Mensch voll auf meine Kosten. Heute ist es so grau, wie es grauer nicht sein könnte. Die Wolken hängen tief und der Standort der Sonne lässt sich nicht erahnen. Da man hier alle Touren Wochen im Voraus buchen muss, sind wir unflexibel und können nicht umplanen. Schade. Aber wir sind optimistisch, dass es wie bisher am Nachmittag wieder aufklart. Also: Daumen drücken. Dennoch bleibt es heute lange kalt und wir kaufen Pullover. Die warme Jacke reicht schlicht nicht aus, wenn man nur ein T-Shirt drunter an hat.
Die Ruinen, die heute zu sehen sind, waren die alte Hauptstadt von zwei Königreichen. Die erste Periode umfasst die Zeit zwischen dem späten 9. und dem frühen 8. Jahrhundert v. Chr. und es war die Phase des biblischen Königreichs Dadan. Das Königreich Lihyan existierte zwischen dem 5.–2. Jahrhundert v. Chr.
Dadan kann man ebenfalls nur im Rahmen einer Tour besichtigen. Buchung ist auf der Seite https://www.experiencealula.com möglich.
Wir starten auf die Minute pünktlich. Der Busfahrer fotografiert die Uhr, schickt das Bild über Whats App ab und wir fahren los. Was für ein Kontrollstaat. Als wir Dadan erreichen, werden wir erwartet und uns sofort klar gemacht, dass wir 10 Minuten Zeit für das Museum haben. Nichts wie los. Etwas mehr Zeit wäre schön gewesen. Danach besichtigen wir die Löwengräber, die hoch in der Felswand eingemeißelt sind. Zwei schöne Gräber. Nach einer kurzen Busfahrt erreichen wir die Stadt Dadan, von der heute noch einige flache Mauerreste und viele Steine übrig geblieben sind. Der Audioguide erzählt begeistert, von der strategisch genialen Lage dieser tollen Stadt und dann stehen wir voller Erwartungen vor einigen Steinhaufen. Das ist selbst für meinen archäologieverrückten Sohn etwas enttäuschend. Wenn es wenigstens etwas wärmer und sonniger wäre, würde man in den graubraunen Steinhaufen vielleicht auch etwas mehr entdecken können.
Über Jahrtausende nutzten Menschen aus verschiedenen Kulturen die glatten Wände des Jabal Ikmah für ihre Bilder und Schriften und machten ihn so zu einer steinernen Bibliothek, die uns von der Vergangenheit erzählt. Man findet hier uralte Petroglyphen und Tausende weitere Inschriften in alten, vorarabischen Sprachen. Die frühesten dokumentierten Beispiele für geschriebenes Arabisch wurden hier entdeckt. Außerdem entdecken wir viele Abbildungen von Kamelen, Stieren, einem Löwen, sowie Händen, die sich in so vielen Kulturen finden. Leider ist auch hier die Zeit limitiert. Freundlich aber unmissverständlich wird uns mal wieder klar gemacht, dass die Zeit um ist und wir zu gehen haben. Ich glaube, die perfekten Touristen für dieses Land sind Japaner und Chinesen in Reisegruppen, die aus dem Bus springen, ihre fünf Fotos schießen und sofort zur nächsten Sehenswürdigkeit weitereilen wollen. Schließlich will man in 7 Tagen 10 Länder bereisen. Aber so langsam Reisende wie wir, die intensiv gucken wollen, sind nicht erwünscht.
Wir begeben uns zu einem überdachten Bereich und beginnen unseren Stein-Workshop. Mit der Zinnbearbeitung kennen wir uns ja nun schon ein wenig aus unserem letzten Urlaub aus. Heute halten wir einen Stein in der Hand. Mit Hammer und Meißel bearbeiten wir ihn. Es macht Spaß und ich bin erstaunt, wie gut das klappt. Bei jedem Schlag denke ich: bitte nicht abrutschen, bitte treffen. Und oh Wunder - ich treffe. Am Ende halten wir jeder einen schön beschlagenen Stein in der Hand. Leider heißt es auch hier wieder: Time is over. Go to the bus. Mein Gott, wenigstens ein paar Minuten mehr. Es gibt hier auch Kinder, die gerne noch weitergemeißelt hätten. Aber nein. Die Stoppuhr läuft. Pünktlich auf die Minute erreichen wir wieder den Parkplatz, auf dem unser Auto auf uns wartet.Read more
Modernes Al Ula
December 25, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 21 °C
Nördlich des Altstadtviertels befindet sich ein moderner Stadtteil, der Al Jadidah Arts District. Hier gibt es stilvolle Cafés und Restaurants. Es lohnt sich, durch die Straßen zu schlendern - ganz ohne Eintritt und Tourbuchung. Die Geschäfte wurden sehr stilvoll der Lehmbauweise nachempfunden. Alle sind klein und geschmackvoll gestaltet. Das Angebot richtet sich vor allen Dingen an muslimische Gäste. Aber auch andere können fündig werden. Alles wirkt hochwertig und edel, so auch der Preis. Die wenigen westlichen Touristen haben allenfalls eine kleine Tüte in der Hand. Die Gäste von der arabischen Halbinsel hingegen tragen oft mehrere der ganz großen Tüten. Natürlich sehen wir uns auch in den Geschäften um. Der große Geldbeutel ist in diesem Land gefragt. So stehe ich dann an der Kasse, ein Lächeln auf dem Gesicht, es schreit innerlich: was mache ich hier, lege die Kreditkarte an den Scanner und bezahle den teuersten Honig meines Lebens. Der Verkäufer erscheint fast noch etwas beleidigt, da ich nur ein Glas kaufe. Hier macht shoppen absolut keinen Spaß. Bei vielen der muslimischen Gäste sieht man bereits ganz deutlich an der Kleidung, dass Geld überhaupt keine Rolle spielt.
Leider weiß hier niemand, was der andere sagt. Im Geschäft heißt es, dass alles um 9:00 Uhr öffnet und im Visitor Center heißt es, dass alles ab 16 Uhr öffnet. Die Mischung aus beidem stimmt. Einige Geschäfte öffnen schon früh. Alle wohl erst ab 16 Uhr. Wir bummeln also durch diese „alte“ Stadt mit ihren kleinen Geschäften und werden sogar fündig. Eine kleine Kerze in schönem Gefäß. Als wir nach dem Preis schauen, entdecken wir auf der Unterseite den Kleber „Made in China“ 48 Pieces. So läuft das. Wieder eine Mogelpackung. Wenn es schon edel und wertig sein soll, dann bitte richtig beschummeln, dass es der dumme Kunde nicht merkt und der Meinung ist, etwas Schönes gefunden zu haben. Bestimmt gibt es noch viele weitere schwarze Schafe unter den edlen Angeboten. Das ist natürlich nicht nur hier der Fall, sondern überall auf der Welt. Oft sieht man es direkt. Aber ich hatte es hier in diesen Geschäften nicht in dieser Form erwartet. Schade, dass es da keine Reglementierungen gibt. Das wäre dann mal zum Vorteil des Touristen.Read more
Altstadt Al Ulas
December 25, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 20 °C
Zu den Sehenswürdigkeiten in Al Ula gehört die Altstadt, die vom 12. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts bewohnt war. Hier wurden die alten Lehmhäuser zum Glück nicht abgerissen und durch moderne Gebäude ersetzt. Die Altstadt besteht aus etwa 900 Häusern, die alle miteinander verbunden sind. Die Bewohner versuchten, sich vor unerwünschten Gästen zu schützen und verwandelten die Stadt quasi in eine Festung. Früher durfte man die labyrinthartigen Gassen nur dann betreten, wenn man jemanden aus der Stadt kannte.
Die Häuser waren auch hier zweistöckig. Unten gab es Lagerräume für Lebensmittel, Empfang für die Gäste und oben wurde gekocht und geschlafen.
Zwischen den Häusern findet man an manchen Stellen Verbindungen. Diese wurden gebaut, wenn aus zwei benachbarten Häusern zwei junge Menschen geheiratet haben. Das Pärchen bekam das Zwischenzimmer, zu dem beide Familien einen Zugang hatten. Viel Privatsphäre hatte das Brautpaar also nicht.
Die Altstadt von Al Ula wurde nur in der Winterzeit bewohnt. Im Sommer sind die Menschen in ihre Häuser in der Oase gezogen. Es war auch praktisch, einen zweiten Wohnsitz zu haben, da die Lehmhäuser ständig repariert werden mussten.
In der Stadt sieht man einen dreieckigen Turm, der als Sonnenuhr (Tantora) diente. Um ihn herum wurden Steine mit regelmäßigen Abständen platziert. Wenn der Schatten von einem Stein zum Nächsten gewandert ist, hat die nächste Familie Wasser für ihre Felder bekommen.
Innerhalb unserer geführten Altstadttour kommen wir in ein Haus und können dieses von Innen ansehen. Jetzt werden wundervolle Erinnerungen an den Oman wach. Völlig allein sind wir dort durch die alten Lehmstädte gewandert. Waren in allen Häusern, sind die Treppen hinaufgestiegen, haben teilweise noch Einrichtungsgegenstände entdeckt, haben die Bauweise studiert. Das war eine Entdeckungsreise und für einen damals 11 jährigen ein Abenteuer. Genau jetzt wird uns bewusst, dass wir es damals viel zu wenig geschätzt haben, die Orte so frei erkunden zu dürfen. Hier dürfen wir in ein Haus, das extra aufgeschlossen worden ist. Die Treppe dürfen wir nicht betreten und die Wände nicht anfassen. Ein Showhaus. Kurz darauf besteigen wir die 2500 Jahre alte Festung. Die Aussicht auf das alte Al Ula ist toll. Jetzt wird sichtbar, dass jeweils nur der äußere Rand der Ortschaft renoviert wurde. So sieht das für die Touristen schön aus. Man ist dabei, aber es wird noch einige Jahre dauern, bis die gesamte Stadt restauriert sein wird. Seit 45 Jahren wurde hier nichts mehr gemacht. So sieht es auch aus. Alles ist eingestürzt und kaputt. Zum Glück wird dagegen nun etwas unternommen. Es wird aber kein spannender Ort werden, sondern ein Ort mit wohl organisierten Spaziergängen, ausgesuchten Geschäften und Unterkünften für den ganz großen Geldbeutel. Da niemand im Ort lebt, wird er tot wirken. Schade. Mehr war während der Stadtführung nicht zu erleben. Ein teures Eintrittsticket für eine Festung. Aber sonst kann man sie nicht sehen.
Al Ula ist eigentlich eine unheimlich spannende Stadt mit vielen Möglichkeiten, sich auf eine Reise in die Welt vergangener Zivilisationen zu begeben. Der Staat hat dieses Potential erkannt und baut die Stadt zum Musterbeispiel des neuen Tourismuskonzeptes aus. Leider ist dieses Konzept nicht sehr freundlich gegenüber Individualreisenden. Denn einfach alles muss als Tour organisiert werden! Keine der Attraktionen ist ohne Terminbuchung, ohne Eintrittspreis möglich. Selbst in der historischen Altstadt von Al Ula kann man sich nicht überall frei bewegen und benötigt Touren. Dieses Konzept passt leider gar nicht zu meiner Vorstellung von Tourismus und ich hoffe, dass sich parallel dazu auch noch nachhaltige Möglichkeiten für Reisende wie mich finden werden. Was mir auch sehr unangenehm aufgestoßen ist: im gesamten Land sind die Verkehrsschilder zweisprachig und das Tankstellennetz gut ausgebaut. Hat man den internationalen Flughafen von Al Ula hinter sich gelassen und fährt Richtung Zentrum sind die Straßenschilder nur noch arabisch und alle Tankstellen, die es laut Google.maps gibt, sind verschwunden. Verlässt man den touristischen Teil, sind die Schilder wieder zweisprachig und man findet auch sofort eine Tankstelle. Was soll das? Will man den Touristen klar machen, dass sie sich nur in einer Reisegruppe bewegen können, weil es aufgrund der Sprache ansonsten unmöglich ist? Ich komme mir hier etwas… vor. Allerdings merken wir, dass wir nicht wirklich erwünscht sind, nicht als Individualreisende. Ansonsten natürlich schon, solange wir in der Gruppe bleiben, keine eigenen Ideen haben und Geld ausgeben.
Nichtsdestotrotz gehört Al Ula natürlich zu jeder Saudi-Arabien Reise und die fehlende Flexibilität und die Reglementierungen sind einfach eine Kröte, die man schlucken muss. Es lohnt sich auf jeden Fall! Allein die Landschaft, die die Oase umgibt, ist grandiose Natur vom Feinsten.
Eine Übersicht über alle Touren und Buchungen gibt es auf der Webseite von Experience Al Ula. Hier wird alles geboten, was man sich nur vorstellen kann. Shows, Konzerte, Dinner, Nachttouren….. Es nimmt kein Ende. Der Ort ist vermutlich der mit der höchsten Tourenangebotsdichte der Welt. Man muss auf jeden Fall im Voraus buchen.Read more
Maraya Konzerthalle
December 25, 2025 in Saudi Arabia ⋅ 🌙 16 °C
Maraya bedeutet auf Arabisch „Spiegel“. Diese Konzerthalle ist das größte mit Spiegeln bedeckte Gebäude weltweit. Mal wieder ein Superlativ in Saudi-Arabien. Für diese grandiose Konstruktion wurden 9740 Spiegelplatten verwendet. Maraya liegt in der Wüstenschlucht von Ashar Valley. Es ist sowohl Veranstaltungsort, als auch eine großartige Sehenswürdigkeit. Sie reflektiert die umliegende karge Landschaft. Von einer bestimmen Entfernung ist das Gebäude fast getarnt. Am Nachmittag sind die Lichtverhältnisse wohl besonders schön.
Schön wäre es. Wir wollten die Halle eigentlich nur von außen besichtigen. Das ist aber nicht mehr möglich. Entweder bucht man ein Ticket für eine geführte Besichtigung von Innen und Außen oder reserviert sich einen Tisch in einem Restaurant. Durch diese Reservierung gelangt man in das abgesperrte Areal der Konzerthalle und kann sich diese vor oder nach dem Essen von Außen ansehen. Das ist die Mogelpackung. Denn eigentlich kommt man laut Einlassbestätigung zum Essen und nicht zur Besichtigung. Wenn ich das nur gewusst hätte, hätte ich natürlich Tickets für die Besichtigung gebucht (95 SAR p. P. - 25€ über die Webseite Maraya)
Über die App mytable kann man sich einen Tisch im Restaurant reservieren. Hier liegen die Preise pro Person bei Minimum knapp 100€ pro Person. Wir entscheiden uns gegen diese Tischreservierung, da wir zeitlich kaum Puffer haben. Das Essen herunterzuschlingen und sich in 2 Minuten die Halle anzusehen, steht in keinem Zeit-Preis-Leistungsverhältnis. Mal wieder sehr schade. Da das Wetter heute aber sehr zu wünschen übrig lässt und sich die Sonne erst am Nachmittag durch die dicken Wolken kämpft, war es genau die richtige Entscheidung. Denn ohne Sonne wirkt die Konzerthalle überhaupt nicht.Read more

SYLWIA B.Ich habe jetzt die letzten vier Footprints am Stück gelesen. Bin dabei so ziemlich hin und her gerissen ob SaudiArabien jemals auf meine Bucketlist kommt. Einerseits die wunderschöne Landschaft und tolle Objekte - auf der anderen Seite diese, ich nenne es mal überhebliche Einstellung den Besuchern gegenüber. Deine Erfahrung in diesem Shop ist ja so bezeichnend.
Al Naslaa Rock
December 26, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 15 °C
Der Al-Naslaa-Felsen liegt in einer relativ abgelegenen Wüstenregion und ist somit eine isolierte und einzigartige geologische Formation, umgeben von riesigen, trockenen Landschaften. Es handelt sich um einen großen Sandsteinmonolith, der sauber in der Mitte, scheinbar wie mit einem Laser, in zwei Teile gespalten ist. Beide Felshälften stehen aufrecht und perfekt ausbalanciert auf kleinen Sockeln und trotzen den Gesetzen der Schwerkraft und des Gleichgewichts. Das Faszinierendste an dieser Felsformation ist die präzise und scheinbar symmetrische Spaltung in der Mitte, die zu verschiedenen Theorien und Spekulationen über ihre Entstehung geführt hat und die Mystik des Felsens verstärkt. Einige vermuten natürliche Prozesse wie Erosion und Spannungsbrüche, während andere die Vorstellung hegen, dass menschliche oder außerirdische Kräfte daran beteiligt waren. Trotz der anhaltenden Debatten ist der Al-Naslaa-Felsen für jeden, der ihn sieht, ein faszinierendes und rätselhaftes Wunderwerk. Auf seiner Oberfläche finden sich Petroglyphen.
Ich lade diesen Footprint dennoch hoch, weil dieser außergewöhnliche Ort erwähnt werden sollte. Wir haben einige Zeit entlang der Straße verbracht und einen Weg in die Wüste gesucht. Es war sofort klar, dass wir nicht mit dem Auto hineinfahren können. Aber wenn wir einen sichtbaren, vernünftigen Pfad entdeckt hätten, wären wir gelaufen. Auch das GPS lässt einen hier in Stich. Somit entscheiden wir irgendwann, dass es schlicht nicht machbar ist und fahren weiter. Schließlich wandert man nicht stundenlang planlos durch die Wüste. Es war auch niemand in der Gegend, den wir hätten um Hilfe fragen können. Der Rock liegt sehr versteckt. Vielleicht hätten wir ihn nie gefunden. In Dokus auf YouTube erzählen andere Reisende, wie sie gesucht oder am Ende Hilfe von Saudis erhalten haben, um den Fels überhaupt zu finden. Auf jeden Fall benötigt man einen guten 4x4 mit viel Bodenfreiheit in diesem Gelände.Read more

SYLWIA B.Hast Du es mit anderen Apps versucht. Wahrscheinlich nein. Wir haben in Argentinien auch mehrfach auf OSM zurückgegriffen weil GM so gar nicht taugte. Na ja. Das nächste Mal 😉

TravelerEs wären viele Kilometer zu Fuß gewesen. Quer durch die Wüste. Mit unserem Auto utopisch. Da muss ein geübter 4x4 Fahrer ran. Ihr hättet das geschafft. Den Tipp mit den anderen Apps merke ich mir. Danke.

TravelerJa, "SylwiaB" hat da schon recht. Google Maps ist in weniger besuchten Gegenden oft nicht optimal 😔. OSM-basierte Karten Apps wie Maps.Me, Organic Maps, Gaia GPS, Osmand usw sind viel besser. Speziell wenn es zu Fuß weiter gehen soll. Weiterhin noch eine schöne Reise 🙋🏽.

TravelerMaps.Me haben wir. Das hat aber auch nicht geholfen. Nächstes Mal müssen ein paar mehr Apps aufs Gerät. Ich werde die mir zu Hause mal alle ansehen. Danke für den Tipp.

TravelerWenn es in Maps.me nicht verzeichnet ist, dann in den anderen OSM-basierten Apps auch nicht 😞. Ist manchmal auch gut so. So bleibt es ein echter "Geheimtipp" 😆. Sichere Reise 🙋🏽.

TravelerEs war auf Maps.Me eingezeichnet. Aber vor Ort waren die Wege in keinster Weise zu erkennen. Außerdem erschien es mir one way zwischen 5 und 6km. Ich wollte nicht einfach so querfeldein in die Wüste laufen. Zu diesem Zeitpunkt war kein Mensch in unserer Gegend. Es sollte für uns nicht sein. Man kann leider nicht immer alles haben. Aber es ärgert mich schon. 🤣
Tayma
December 26, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 19 °C
Heute scheint die Sonne. Wie schön. Da ist die Kälte gleich viel wärmer. Bevor wir uns auf den Weg machen, fahren wir deshalb nochmals zurück ins Städtchen von Al Ula. Es lag bisher immer im Schatten und wir wollten es doch so gerne in der Sonne sehen. Parken kann man hier nirgends, alles abgeriegelt und auch halten geht nicht, also lasse ich Moritz raus. Er soll die Fotos machen und ich umkreise solange die Stadt. Klappt beinahe. Ich bin zu schnell, darf nicht halten und muss nochmals kreiseln. Er hingegen wird mehrfach gefragt, war er hier macht. Ja was wohl. Fotos. Warum so früh am Tag und allein? Also wirklich. Wir Individualreisende sind schlicht nicht erwünscht. Man weiß nicht, wie mit uns umzugehen ist. Manchmal habe ich das Gefühl, man sieht uns fast als Feind, der kommt, um etwas zu zerstören. Hier wurde Jahrzehnte auf nichts geachtet. Alles ging kaputt. Seit 5 Jahren wird erst restauriert. Ein Goldschatz wird dennoch nicht aus den Städten. Aber bewacht werden sie wie einer.
Es geht quer durch die Wüste. Anfangs ist sie von imposanten Felsen, die alle vom Wind rundgeschliffen worden sind, durchzogen. Dann wir die Landschaft flach. Alles ist beige, braun grau über 100e Kilometer. Eine eintönige, langweilige Fahrerei. Schade, dass wir bei diesem schönen Wetter keine spektakulären Landschaften zu sehen bekommen.
Einige Begleiter, die immer wieder meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sind alle 6km die Blitzkästen. Unglaublich mit welch einer Präzision sie aufgestellt worden sind.
Tayma ist eine kleine Stadt mitten in der Wüste mit antiker, biblischer und mittelalterlicher Geschichte. Es ist ein stiller, kaum bekannter Ort, völlig abseits der Touristenpfade. Tayma spielte Jahrtausende lang eine wichtige Rolle als Wegpunkt für Karawanen, die die trockenen Wüsten durchquerten. Archäologische Funde zeigen eine Besiedlung des Gebietes vom 4. Jahrtausend v. Chr. bis in die islamische Zeit.
Hier wurde erstmals eine Hieroglypheninschrift in Saudi-Arabien gefunden. Sie dient als Beweise dafür, dass die direkte Handelsroute, die während der Herrschaft von Ramses III. genutzt wurde, Tayma mit dem Niltal verband. Sowohl Tayma als auch die benachbarten Oasen waren berühmt für ihren Weihrauch, Kupfer, Gold und Silber, die im alten Ägypten sehr gefragt waren.
Die alte Festung von Tayma liegt außerhalb des modernen Tayma, am Stadtrand. Die Stelle, an der sie erbaut wurde, gehört zu den ältesten Siedlungen in Saudi-Arabien. Sogar der babylonische König Nabonid ließ sich Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. in Tayma nieder. Die Stadt wurde in mesopotamischen Texten erwähnt. Mit den vielen kleinen, weiß umrahmten Fenstern und den weißen, dreieckigen Zinnen ist das Bauwerk ein toller Anblick. Die Befestigungsanlage wurde im unteren Teil aus Steinen und im oberen aus Lehm erbaut. Wir umrunden die Festung und genießen die Ausblicke in die Datteloasen und die alten Lehmhäuser. Hinein können wir leider nicht, da sie freitags nur ab 16 Uhr geöffnet ist. Mal wieder ein wie schade.
Auf der anderen Straßenseite, gegenüber des Forts, finden sich unter Dattelpalmen Überreste einer Siedlung. Hier kann man schön spazieren gehen. Die Häuser wurden sehr eng gebaut. Zwischen ihnen hatten gerade zwei Esel nebeneinander Platz. Die Gebäude waren Wohnhäuser, Shops, Lagerhäuser und Ställe in einem. Die Sicherheit war für die Menschen sehr wichtig. In der Nacht durfte man nur durch einen schmalen Eingang die Stadt betreten. Waffen und Kamele mussten draußen bleiben. Der Stadtkern war mit einer schützenden Mauer umgeben. Heute ist der kleine, alte Ortskern schön restauriert. Auf einem gepflasterten Weg läuft man entlang der Lehmhäuser und kann hin und wieder einen Blick hineinwerfen. Zum Glück ist der Bereich noch kein Museum, sondern frei zugänglich. So konnten wir ihn auch an einem Freitag besichtigen.
Der etwa 2500 Jahre alte Bir Haddaj Brunnen ist die wichtigste Sehenswürdigkeit nach dem Fort. Der Brunnen befindet sich in der Nähe der Altstadt in einer geschlossenen Anlage. Er hat einen Durchmesser von 18m und ist ca. 13m tief. Um das Becken herum hängen Holzräder auf Gestellen. Mithilfe von diesen und mehr als 70 Kamelen wurde vor Hunderten von Jahren Wasser geschöpft. Leider können wir auch hier nur von außen einen Blick auf den Brunnen erhaschen, da er freitags erst um 16 Uhr öffnet.
Tayma erscheint mir als sehr hübscher, gemütlicher Ort, der sogar schon einige Cafés hat. Aber freitags sollte man hier nicht sein.Read more
Tabuk
December 26, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 18 °C
Ganz im Nordwesten Saudi-Arabiens - etwas abgelegen - liegt die Provinz Tabuk. Nur die wenigsten Reisenden nehmen die lange Fahrt hierher in Kauf. Dennoch bietet Tabuk eine Vielzahl schöner Orte und Potential für das ein oder andere Abenteuer. Vor allem Freunde einzigartiger Landschaften kommen hier voll auf ihre Kosten. Tabuk grenzt an die Ausläufer des weltberühmten Wadi Rum in Jordanien und kann ebenfalls mit unglaublichen Felsformationen aufwarten. Außerdem kann man hier auf biblischen Pfaden wandern oder eben einfach nur die atmosphärische Einsamkeit der endlosen Weite genießen.
Heute waren wir hier nicht sehr erfolgreich bei unserer Anreise. Es ist nämlich Freitag. Und Freitag ist schlimmer als unser Sonntag. Wenn man Glück hat, öffnen die Sehenswürdigkeiten ab 16:00 Uhr. So das Fort in Tabuk. Als wir dann noch ins Museum wollen, müssen wir erfahren, dass dieses freitags und auch samstags geschlossen ist. Und zu allem Überfluss hat es dann von 8-16 Uhr geöffnet und nicht wie sonst üblich bis 21 Uhr manchmal sogar 23 Uhr. Auch wenn wir in einigen Tagen nach Tabuk zurückkommen werden, das Museum werden wir leider nicht sehen.
Ansonsten verirrt sich hier kein Tourist her. Es ist auch für uns nur ein Zwischenstopp auf dem Weg zur Küste. Wir werden sehr aufmerksam gemustert, was zeigt, dass wir hier bunter als jeder bunte Hund sind. Wirklich wohl fühlen wir uns dabei nicht. In der sehr schönen Fußgängerzone reihen sich Geschäfte mit Schmuck, Abayas, Kaftanen, Schuhen und Parfüm aneinander. Dies scheinen die Haupteinkaufsschlager zu sein. Immer wieder dasselbe.
Morgen wollen wir sehen, ob die Natur im Norden wirklich so grandios ist, wie angepriesen. Wir hoffen es sehr.Read more
Saudi-Arabiens Landschaften hauen uns um
December 27, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 22 °C
Es ist wie jeden Morgen. Der Himmel ist komplett bewölkt, die Sonne nicht zu entdecken. Und wie jeden Morgen hoffe ich, dass sich die Wolken möglichst schnell auflösen. Wir starten zeitig Richtung Küste. Die Fahrt ist langweilig, die Landschaft eintönig. Ich werde müde, obwohl ich heute Nacht prima geschlafen habe. An den Rand fahren ist hier kein Problem. Einfach rechts raus. Ich muss nur schauen, ob sich dort tiefer Sand befindet oder fester Untergrund. Nach einem kurzen Vormittagsschlaf sind meine Akkus wieder gefüllt und erleiden fast einen Überspannungsschaden, als ich den blauwerdenden Himmel entdecke. Weiter geht’s. Wir sind auf schmalen, holprigen Straßen unterwegs, die tief in die Wüste hineinführen. Die Landschaft besteht aus braun grauer Steinwüste mit Bergen. Schließlich biegen wir rechts ab auf eine noch kleinere Straße und mit dem Richtungswechsel vollzieht sich urplötzlich auch ein Landschaftswechsel. Die Sonne drückt, der Himmel wird immer blauer und die Berge immer höher und schroffer. Wir durchfahren ein riesiges Gebirge umgeben von Sanddünen. Und plötzlich, nach einer Kurve prallen wir auf landschaftlichen Gigantismus. Wir unternehmen eine geographische Weltreise und beginnen mit Monument Valley in den USA. Dann beamen wir uns in den Norden Argentiniens in den Cerro Alcazar und in die Quebrada de las Flechas, um danach einen Abstecher zur weißen Stupa in der Mongolei zu unternehmen. All das vereint Saudi-Arabien mitten in der Wüste, fußläufig voneinander entfernt. Ich weiß nicht, wohin ich sehen soll. In den gelb leuchtenden Canyon, auf die roten Tafelberge, den vom Regen ausgewaschenen Lehm, über das riesige Tal, das tief unter mir liegt. Wir sind geflasht. Die Worte fehlen. Kein Mensch ist hier. Es herrscht absolute Stille. Nur wir und diese gigantische Natur. Dabei sind wir ja noch nicht einmal an unserem Ziel angekommen. Das Wadi Disah ist doch unser landschaftliches Highlight heute. Aber ob man die Landschaften hier noch toppen kann?
Wir verlassen diese beeindruckende Bergwelt. Das Tal öffnet sich, wird immer weiter und verwandelt sich schließlich in eine rote Sandwüste. Wir halten und wandern einige Zeit durch diesen riesigen, roten Sandkasten. Die roten Felsen ragen in den blauen Himmel, Akazien wachsen im Sand. Auf unserer Weiterfahrt wird das Tal langsam immer enger. Die Felsen rücken aufeinander zu und schließlich endet die Teerstraße im Sand. Wir sind angekommen im Wadi Disah.Read more
Kamele
December 27, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ⛅ 18 °C
Nachdem wir nun schon atemberaubende Landschaften durchfahren haben, ist es endlich soweit. Kamelherden ziehen über das Plateau und fressen am dornigen, kargen Gestrüpp. Wir beäugen uns gegenseitig und lassen uns auch nicht stören. Sie fressen und ich fotografiere. Wir schauen dabei auch, ob sie beim Gehen den Hals hochhalten und die Ohren gespitzt sind. Dann handelt es sich nämlich um wertvolle Tiere. Zum Glück haben wir Menschen keine solchen Merkmale, die auf unseren Wert schließen lassen. Schließlich überqueren sie die Straße und wandern weiter durch den tiefen Sand entlang der Akazien. Im Verlauf des Tages treffen wir immer wieder auf Kamele. Mal in felsigem Gelände und gegen Abend im tiefroten Sand der Wüste. Wunderschön sind sie anzusehen. Plötzlich reitet mir ein Traumfotomotiv vor die Linse. Ein Saudi in traditioneller Kleidung geht dem traditionellen Beruf des Kameltreibens nach. Gegen Abend treffen wir auf einige kleine Karawanen, die durch den tiefen Sand der Wüste Richtung Heimat reiten. Ein herrlicher Anblick in dieser atemberaubenden Landschaft. Einen Haken hat das Ganze allerdings. Während er seine Herde nach Hause geleitet, schaut er die ganze Zeit auf sein Handy. Die Moderne hat trotz Tradition längst Einzug gehalten. Somit gehöre ich nun so langsam wirklich zu den ganz wenigen Menschen, die immer noch ohne Handy leben können. Es klappt.Read more
Wadi Disah
December 27, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 18 °C
Wadi Disah ist ganz klar der Hauptgrund für einen Ausflug in die Region Tabuk. Wadis sind ausgetrocknete Flusstäler. Im Wadi Disah gibt es fast das ganze Jahr durchweg kleine Rinnsale aus dem Gebirge und der Quelle. Diese bilden zwar keinen Fluss, halten aber den sandigen Boden feucht und können auch zu tiefen Wasserpassagen führen. Daher ist das Tal wie eine kleine Oase immergrün und ein sehr seltener Anblick im trockenen, von Wüsten überzogenen Norden Saudi-Arabiens.
Doch nicht nur die Oase macht das Wadi Disah zu einem der ganz großen Highlights auf einer Reise durch dieses geheimnisvolle Land. Die grüne Oase schlängelt sich durch wilde Felsformationen. Hohe und kahle Klippen aus ausgewaschenem Sandstein bilden hier eine der spektakulärsten Landschaften, die ich je gesehen habe.
Mitunter sind die Wege auch für Fußgänger etwas schwierig, da sich immer wieder größere Pfützen bilden und es teilweise nur schwer möglich ist, diese trockenen Fußes zu umgehen. Daher habe ich vorgesorgt und wir sind gut gerüstet, um trockenen Fußes durch das Bilharziose-Verseuchte Wasser zu gelangen. So war der Plan. 7km ins Wadi hineinwandern und natürlich auch wieder hinaus. Doch als wir ankommen, werden wir sofort auf das hohe Wasser hingewiesen. Unser Plan platzt. Wir machen stattdessen eine Jeep-Tour. Fast trocken. Nur das Spritzwasser im Gesicht sorgt für Feuchte. Gleich zu Beginn steht das Wasser weit über einen halben Meter hoch. Trotz der guten Ausrüstung und wasserfesten Schuhen, Tüten und Leechsocken ist klar, dass wir nicht wandern können. Im Wadi selbst gibt es auch immer wieder Passagen mit tiefem Wasser. Es ist wohl gerade sehr wasserreich. Und wie ich später erfahre, war es Anfang Dezember wegen der enormen Wassermengen sogar einige Zeit gesperrt. Außerdem ist es im Wadi richtig kalt. Das Wasser ist ebenfalls eisig. Schon an den eiskalten Füßen wäre unsere Wanderung nach kürzester Zeit gescheitert. Es wandert auch sonst niemand. Wir wären also die einzigen Fußgänger auf den wassergefluteten Pisten, die von den Jeeps durchpflügt werden und somit die ganze Zeit im Weg. So genießen wir die Fahrt. Die Wege sind so zugewachsen, dass uns das Schilf ständig um die Ohren schlägt. Mal sind es nur Rinnsale, Pfützen, tiefe Fuhrten, dann aber auch halbe Seen, die wir durchfahren. Das Wasser spritzt meterhoch. Und die Landschaft? Es wurde nicht zu viel versprochen. Die Landschaft hier gehört zu den Highlights dieser Welt. Hohe Kamine, Felsen, Nadeln ragen in den tiefblauen Himmel. Durchwachsen von Palmen und Schilf. Es ist so eng, dass ein Teil im Schatten liegt und der andere von der Sonne bestrahlt wird. Im Schattenteil ist es eiskalt. So bewegen wir uns hin und her zwischen Licht und Schatten, Wärme und Kälte, Trocken und Nass. Und wir sind nicht allein. Ziegen und Esel leben hier und fressen das Grün. Es ist ein beliebter Platz und die Saudis verbringen hier ihr Wochenende in dieser herrlichen Natur. Im hinteren Teil des Wadis entspringt die Quelle, die hier für ständige Feuchtigkeit sorgt. Nachdem wir diese passiert habe, ist es absolut trocken. Nur noch tiefer, weicher Sand. Das Wadi weist Spuren sehr früher Besiedlung auf. Klar erkennbare Treppen wurden vor Urzeiten in den Sandstein gehämmert. Wir sehen auch Becken, in den sich das Wasser sammelt und wie in Kaskaden von einem ins nächste fließt. Folgt man dem Wadi bis ans Ende, erreicht man eine Tiefsandgegend und nach dieser trifft man auf die Teerstraße nach Tabuk. Kilometermäßig eine kleine Runde. Doch da wir das Wadi erst einmal weiträumig umfahren müssen, um es überhaupt zu erreichen, sammeln wir heute wieder viele Kilometer auf dem Tacho und erhalten im Gegenzug Blick auf wunderschöne Landschaften. Nachdem wir gestern nicht sehr glücklich und zufrieden mit unserem Tag waren, ist der heutige wieder ein absolutes Highlight. Die Landschaften sind schlicht atemberaubend. Am Abend blicken wir erneut auf das Rote Meer. Es ist herrlich warm und wir genießen die 25 Grad nach den letzten kalten Tagen.Read more
Catalina Wasserflugzeug - hart erlaufen
December 28, 2025 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 20 °C
Heute Morgen scheint tatsächlich die Sonne, der Himmel ist blau und warm ist es noch dazu. Wie wunderschön. Bevor wir starten, decken wir uns noch mit Donuts ein und dann geht es los in die Wüste.
Zuerst fahren wir durch die größte je gesehene Baustelle namens NEOM. Tausende Lastwagen und Baugeräte tummeln sich links und rechts der Straße. Eine Megabaustelle. Parallel dazu in der Wüste liegen die vorgefertigten Teile für den Straßenbau. Hunderte Meter mit Material. In diesem abgelegenen Teil Saudi-Arabiens sind alle Straßen und Kreisel mindestens dreispurig. Riesige Windparks werden im Wüstensand aufgebaut. Das alles für Bauprojekte, die mittlerweile eingestampft sind? Doch was bedeutet NEOM überhaupt? Unter dem Namen NEOM entwickelt Saudi-Arabien einen ganzen Landesteil mit einer Größe von 26’500 Quadratkilometer und 468 Kilometer Küstenlänge. Neben neuen Nationalparks umfasst das Projekt vier große Bauprojekte namens Sindalah, Trojena, Oxagon und The Line.
The Line ist das größte Teilprojekt von NEOM. Es wird ein gigantisches "Gebäude" von 170 Kilometer Länge, welches von der Wüste bis zur Küste reicht. Es soll 200m breit und 500m hoch werden und Wohnraum für 9 Millionen Menschen bieten. Das Gebäude wird vollflächig verspiegelt und soll komplett CO2-neutral sein. Wir überqueren zwei Mal The Line und fahren dann auf die Halbinsel Sindalah, wo ebenfalls infolge von NEOM überall gebaut wird. Manchmal kann ich gar nicht erkennen, welches die alte und welches die neue Straße sein soll, weil beide in gleich gutem Zustand sind. Die gesamte Landschaft ist von Baufahrzeugen zerwühlt. Hin und her geht es über die alte und die neue Straße. Es nimmt kein Ende. Schließlich erreichen wir die Halbinsel. Von nun an bin ich das einzige Auto. Ich habe drei Fahrspuren zur Verfügung und jeder dreispurige Kreisel hat riesige Ausmaße. Wer braucht diese Straßen? Wer diese tausende von Windrädern, die Strom erzeugen? Werden die NEOM Projekte überhaupt noch realisiert? Wir sehen The Line aber gebaut wird nicht.
Durch menschenleeres Gebiet fahren wir an den westlichsten Punkt Saudi-Arabiens. Wir blicken hinüber nach Ägypten nach Sharm El- Scheich und auf die Sinai Halbinsel. Das Wasser ist türkisblau. Wunderschön. An dieser Küste liegt das Wrack eines Catalina Wasserflugzeugs. Das ist unser Ziel. Doch wegen der ganzen Straßenbaustellen, können wir es nicht erreichen. Wir wissen, wo es liegt. Am Strand. Doch zwischen uns und ihm liegt die Wüste. Nachdem wir nun schon zwei unserer Ziele nicht erreichen konnten, sollte das Flugzeug nicht das Dritte werden. Also packen wir Wasser in den Rucksack, parken das Auto am Rand der Wüste und laufen los. Ich kann mit meinem Wagen nicht querfeldein fahren. Die sandige Kieselwüste ist immer wieder zu weich und die kleinen Dünen, wären auch viel zu hoch für den tiefliegenden Toyota. Mit einem 4x4 wäre das kein Problem. Aber wir haben ja nicht nur unseren fahrbaren Untersatz, sondern auch noch Beine inklusive zweier Füße, die einen zum Ziel bringen können.
Das Catalina Wasserflugzeug wurde ursprünglich in den 1930er Jahren für einen Einsatz im zweiten Weltkrieg von den USA gebaut. In den 1950er Jahren wurde das Flugzeug von einem Geschäftsmann gekauft und er hat damit das gemacht, was heute jeder Influencer mit einem Transporter anstellt: er hat sich einen Camper gebaut, nur eben einen mit Flügeln. Mit diesem fliegenden Hotel brach er zu einer Weltreise auf. Diese führte ihn 1960 auch an die Nordwestküste Saudi-Arabiens. Allerdings gab es zu dieser Zeit Spannungen zwischen Israel und Ägypten auf der Halbinsel Sinai. Vermutlich hielten die Saudischen Sicherheitskräfte die Passagiere des Flugzeugs für feindliche Spione und eröffneten das Feuer. Die vielen Einschusslöcher kann man heute noch sehr gut erkennen. Beim Versuch abzuheben zerbrach das Flugzeug in zwei Teile. Wie durch ein Wunder wurde bei dem Kugelhagel niemand verletzt.
Heute liegt nur das Flugzeug noch direkt am Strand. Ein grandioser Ort. Wir umrunden es und klettern dann vorsichtig hinein. Der Rost hat viele scharfe Kanten entstehen lassen. Am besten kommt man dem Wrack nur mit frischer Tetanusimpfung näher. Wir brauchen keine und verlassen sehr zufrieden diesen surrealen Ort.
Vor uns liegt wieder die Wüste, die wir nun ein zweites Mal durchqueren müssen. In der Ferne funkelt uns ein kleiner Punkt entgegen. Unser Auto in der Sonne.Read more




























































































































































































































































































































































































































































TravelerIch wünsche Euch eine wahnsinnig tolle Reise und bin total gespannt, was Ihr erleben werdet.
Traveler… zu schnell abgeschickt: Ich versuche, zeitnah dabei zu sein, wenn es nicht klappt, werde ich es nachholen, denn - wie Du weißt - habe ich selbst schon für dieses Ziel ein wenig geplant. Ich bin überzeugt, dass Saudi Arabien eines der absoluten „kommenden“ Reiseziele der nächsten Jahre wird. Beruflich bedingt habe ich mich mit ein paar Studien bezüglich Touristik befasst, da wird das Land auch immer wieder genannt. Besonders angesprochen hat mich bisher die Region im Nordwesten. Eine ganz tolle Reise wünsche ich Euch! ... hier habe ich schon ein paar interessante Touren von Overlandern gelesen.
TravelerDie Overlander habe ich dann nicht gefunden. Wir starten mit Verspätung. Ich hoffe, wir kriegen in Istanbul den Anschlussflug.
TravelerIch drücke ganz fest die Daumen!
TravelerDanke. Können wir, glaube ich, brauchen. Hier startet nichts….
TravelerGeht gar nichts raus? Was ist der Grund? Ihr seid noch in D, richtig? Ist das ätzend. Daumen sind weiterhin gedrückt.
TravelerWir sind jetzt in Istanbul. Haben es knapp geschafft. Grund wurde nicht genannt.
TravelerPrima - dann wünsche ich Euch, dass das das einzige Nervige war für die Reise. Kam gestern schon in der Berichterstattung, dass heute auch viel an den Flughäfen los sein wird. Nun haben alle Bundesländer Ferien.