Es gibt Reis, Baby…
3. Oktober 2023 in Kenia ⋅ ☁️ 32 °C
Guten Morgen Ihr Zauberflöten, hier ist Charlotte.
Heute hole ich den Bericht von gestern nach, wollten die Großen ja mal ihre Ruhe haben. Man möchte es ja nicht glauben, dass so ein Trip ganz schön anstrengend sein kann. Es sind zwar nicht die ungepolsterten Kaleschen wie aus August‘s Zeiten und nach Polen wollen wir auch nicht, doch es schlaucht einfach. Dafür haben die sogar Kohle abgedrückt!
So kam es denn, dass die drei Wespenstiche am Morgen vergessen waren ( keine Werbung, keine Werbung… aber dieses Strom-Hitze-Ding zur Selbstverstümmelung von no bite ist der Hammer. Erst denkst Du, Du faulst ab, dann ist alles weg. Meine Hippohaut verträgt das ja gar nicht aber Pferd ist ganz ok damit und die Menschen erst recht.)
Die Syke Monkeys schleuderten durchs Geäst als es am Fluss noch einmal ein sehr gutes Frühstück gab. Stärkung für den Tag. Holger spielte den coolen Wildhüter in Badeschlappen und Shorts 🤠 und stieg auch schon mal auf die Sitzpolster. Kerstin als folgsames Lehrerkind erlitt Qualen. ( Weil’s gegen die Regeln ist…)
Wir ließen es uns nicht nehmen, noch einen Schlenker an den Swamps zu machen, ob der Riesenelefant Indian vielleicht doch eine Rüsselspitze sehen lässt, aber Pustekuchen. Die Nashörner wedelten noch mal zum Gruß, Giraffen hielten wie immer ihre langen Hälse hin wie bei einem Schönheitswettbewerb und auch ein zwei Angelavögel ließen das Cadenabbiablau unter ihren Flügeln aufblitzen. Wir hatten noch was im Hinterkopf, eine Option…die seltene Giraffenantilope doch noch zu entdecken. Dafür ging es eine weitere Runde um Elsas Kopje und wie Paul gerne sagt: „ es ist vorbei, wenn es vorbei ist. Erst ganz zum Schluss……“ hatten wir erst einen Grant Gazellen Fehlalarm und dann doch noch das fein gezeichnete Gesicht, welches den Gerenuks zueigen ist. Und zur Belohnung für Beharrlichkeit richtete sich das Böckchen auf und äste, gleich den Giraffen und dank seines langen Halses, aus dem obersten Regal. Ein Jackpot zum Abschied. haraka haraka ging es dann zum Ausgang. Offensichtlich bekommen die Jungs am Südausgang des Meru Nationalparks selten Touristen zu sehen. Wir sollten auch noch einige hundert Kilometer - acht gute Stunden - keine anderen Safariautos zu Gesicht bekommen. Nach Zieltraining über dem Erdloch 🧻🚽 fügten wir uns ins selbstgewähltes Schicksal, denn wer um dem Mount Kenia einmal rum will, der muss eben drumrum! Langweilig ist so etwas eh nicht, es zwickt mal im Kreuz und ab und an müssen die Beinchen gestreckt werden. Die Kinder, die hier mit vier schon in die Vorschule wackeln, winkten den weißen, selten zu sichtenden Menschen, LKW‘s waren zunächst rar und mehr als eindeutig machten sich die neuen Straßen bemerkbar. Nein, wir finden es nicht gut, dass die Chinesen hier ihre Tigerkrallen ins Einheimische Business bohren, doch das Ergebnis ist nicht von der Hand zu weisen.
Vierspurige Straßen mit Richtungsverkehr, neue Brücken, selbst die Umfahrungen werden mit Schotter verstärkt. Fußgängerbrücken in dicht befahrenen Gebieten schützen die Harakiri - Strassenüberquerer und Vorkehrungen für die diesmal mit El Niño stark ausfallende avisierte Regenzeit sind im Gange.
So ging’s dann durch die verschiedenen Distrikte und auf einmal waren wir in Vietnam. Ohne Vorwarnung oder Reiseliteratur fanden wir uns einem Reisanbaugebiet. Und weil Klotzen dem Kleckern vorgezogen wird, waren es gleich mal kilometerlange Anpflanzungen mit sattgrünem Bewuchs. Riesige Flächen wie man sie aus dem Schulunterricht von ukrainischen Getreidefeldern kennt, zogen sich an der Straße entlang. Beeindruckend ein Reismarkt mit abertausenden Tonnen der weißen Körner, allein von Frauen bewirtschaftet. Nicht leicht vorstellbar, dass diese Menge durchweg an den Mann gebracht wird. Oder dass Pakistan hier der Exporteur der Wahl ist, Kenia mit Reis zu beliefern. Imposant am Ausgang des Marktes ein Post Office zum Reisversand. Die Tüten und Säckchen bis hin zum Zentnersack wurden direkt auf der Verpackung mit Edding beschriftet und verschickt. Simpel und praktisch. Einer der Eindrücke, die kaum Glauben machen, dass auf dem gleichen Kontinent und wohl auch in Grenzregionen des eigenen Landes Hunger nicht unbekannt ist…. Und doch am Wegrand achtlos aufgeschlitzte Verpackungen ihre Spuren hinterlassen. Und weil beim Reisanbau wie bei anderen Dingen alles verarbeitet wird, findet der Rassekaninchenzüchter, der Hamsterbesitzer und auch Jene mit richtigen Tieren grosse Heuballen am Straßenrand zum Verkauf. Diese Straßenränder sind sowieso echte Fundgruben und wären ein eigenes Fotoalbum wert. Der Mensch weiß sofort, ob die Region fruchtbar oder karg, die Menschen fleißig oder dünn besiedelt sind. Es wird vor der Haustür verkauft, was angebaut oder produziert wird. Unter Einzelhandelsaspekten nicht immer logisch, weil eben zwanzig Anbieter von Kartoffeln, leckeren Tomaten oder Holzkohle geschäftsfördernd sind, interessant ist es allemal. Unsere Gartenmärkte würden ob der Menge und Vielfalt an Setzlingen und Bäumchen aller Art blass werden. Die Preise für bunte Einkaufstaschen und leuchtende Körbe sind erschwinglich, die Kartoffeln riesengroß, Kohl und Maniok frisch leuchtend. Einfach eine Augenweide. Dazwischen wackeln Ziegen, Schafe, Kühe und auch mal ein paar Esel, Autowäsche ist besonders attraktiv als Unternehmen, wenn man die Waschplätze zählt. Wenn später mal dort etwas gebaut werden sollte, muss wohl leider erst mal die Dekontaminierungseinheit ran.tja, und Möbel? Die kaufst gleich neben dem Garagentor auch gleich im Vorbeigehen, Bettgestelle bis zum Horizont….
Wie Ihr lest, es war kurzweilig. Nairobi als Siebenmillionenstadt empfing uns mit Smog und Staub, Kleinbustaxis und stinkenden Mopeds. Während der Suche nach einem Schuhgeschäft 🤔🤭😂 fand Holger seine ersehnten Safarischuhe doch noch online und als wir dem Hungertod nahe und am Rand der Belastungsgrenze waren, meinte Paul, sein Boss hätte angerufen und er müsse ihn noch schnell treffen. Ungewohnt, doch wenn’s sein musste? Der Boss entpuppte sich als seine Frau, die er uns - am Rande einer Mall - noch schnell vorstellen wollte. Ein bezauberndes Wesen, was bei unserem Guide auch nicht anders zu erwarten war. Ein Teil unserer Mitbringsel wechselte somit am Straßenrand den Besitzer und wir waren wieder wach. Es war eine schöne Begegnung, die auch das Bild von einem Menschen abrundet. Jetzt müssen wir wohl immer nach Kenia fahren, wenn es nach Holger geht 😄
Die Sonne war schon hinter Smog und Wolken untergegangen, als wir uns in Karens Coffee Garden einfanden. Voll die Kolonialherrennummer. Und schön.
Nebenan im Museum sammelten sich Obituarien jener Frau, die sich so viele Freunde unter den Kikuyu machte, dass ein ganzer Stadtteil nach ihr benannt wurde. Na ja, ihr habt ja spätestens letztes Wochenende „Jenseits von Afrika“ auf Prime geschaut oder ne alte VHS 📼 ausgebuddelt und seid wieder auf stand. Mit den Blixens und Finch Hattons und Cooles und Delamares….
Von der alten Kaffeeröstmaschine steht noch was rum, das Herrenhaus ist trefflich in Schuss und im Schrank, den Hollywood hat stehen lassen, baumeln noch Hosen, die DNA von Robert Redford beherbergt. Filmkulisse am originalen Ort des Geschehens. In ihrem botanischen Garten haben geschäftstüchtige Leute Cottages errichtet, für die unsere kurze Nacht eine erbärmliche Ehrerbietung war. So etwas muss man genießen! Besser als nichts oder ein Ibis Hotel, was es hier eh nicht gibt. Die Menschen ließen sich von Holzkohlebecken auf der Terrasse wärmen und erfuhren erst spät, dass das Dinner eine Einladung des britischen Reiseveranstalters war. Abercrombie & Kent. Lecker war’s. Dann Taschen aus - und wieder einpacken. Bin ich froh, dass ich als Hippo dabei nur zuschauen muss, versteht eh kein Tier, warum die das so machen. Nebenbei bolzten die Fußballer der Championsleague über den Bildschirm, doch der Wecker war früh, dass es keine Neugier auf Ergebnisse gab.
Partisanenschnellschlaf.
Khr chhhhhh, Khr chhhhhhhh…..Weiterlesen














Reisender
Eine seltene Aufnahme 🙂