• Weiter über Stock und Stein

    April 29 in Portugal ⋅ 🌧 16 °C

    Die Nacht in der Herberge "Dom Nausti war sehr gut. Die Sanitäranlagen war ausgesprochen gepflegt und sauber. Wir sind (bislang) mit den Herbergen sehr zufrieden. Gegen 06.30 h war die Nacht zuende. Nachdem wir unsere Sachen zusammengepackt hatten, haben wir uns dem Urteil der anderen Pilger vertrauend die Regencap's übergezogen und sind in der Hoffnung los marschiert, in ca 1000 m auf ein Café zu stoßen, wo wir uns für die Etappe stärken wollten. Die Hoffnung zerstreute sich ziemlich schnell. Von einem Café sahen wir weit und breit nichts. Aus diesem Grunde haben wir tapfer die erste Steigung in Angriff genommen, die uns zur Santiago-Kirche führte, die zu diesem frühen Zeitpunkt natürlich noch nicht geöffnet war, obwohl hier bekannt ist, dass Pilger eigentlich Frühaufsteher sind. Von der Santiago-Kirche ging es dann durch unwegsame Waldwege bergab und in Richtung Monte. Unsere Regencaps konnten wir Gott sei Dank ablegen. Der angekündigte Regen ließ auf sich warten. Das Wetter war zu Laufen hervorragend. Wir hofften darauf, in dem nächsten Ort, den wir erreichen würden, Monte, endlich ein Café oder eine Bäckerei zu finden. Plötzlich sahen wir wie aus dem Nichts einen geöffneten überdachten Unterstand auftauchen, in dem verschiedene Lebensmittel wie Obst und Gebäck lagen sowie eine Stelle, an der man sich einen Stempel für den Pilgerpass besorgen konnte. Während Phami sich um die Stempel kümmerte, hatte ich mir den Stand näher angesehen und festgestellt, dass man sich gegen eine Spende wohl bedienen konnte. Im gleichen Augenblick kam der Inhaber des Unterstandes mit frischem Kaffee, weiterem Gebäck und auch mit noch heißen, frischgekochten Eiern. Etwa zeitgleich sprach ein junges Mädchen mit Namen Alisha aus Remscheid, wie sich Dieter herausstellen sollte, an, weil sie an dem Pilgerpass erkannt hatte, dass wir Deutsche waren. Während des gemeinsamen Frühstücks erfuhren wir von Alisha, dass sie gerade ein freiwilliges soziales Jahr absolvierte und das sie später mit Abitur ein Handwerk erlernen wollte. Wir sollten Alisha später noch einmal wieder treffen. Sie ist dann weiter gelaufen. Wir haben uns noch 2 Flaschen Sprudelwasser gekauft und in unsere Flaschen umgefüllt. Als ich das Leergut zurück brachte, bekam ich mit, wie 2 Männer gerade dem Standbetreiber erklärten, dass sie aus Alemannia kämen. Ich frotzelte, "schon wieder Deutsche". Dann gingen wir unseres Weges. Kurz hinter der Kirche Sao Romao do Neiva holten uns die beiden ein und gingen ein Stück des Weges mit uns. Für mich waren das echte Schrittmacher. Ich hatte plötzlich die zweite Luft, um mit ihnen mitzulaufen. Es waren 2 Brüder aus Aachen, konkret aus Stollberg, deren Eltern Spanier und wohl als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen waren. Die Familie hatte bei dem Ahrhochwasser vor 2 Jahren nahezu alles verloren. Wir haben uns mit den beiden -André und Miguel- gut unterhalten und haben mit ihnen in Caffé eine Bäckerei besucht. Anschließend sind die zwei allein weitergezogen. Wir wollten uns in der Herberge San José wiedertreffen. Über teilweise sehr schwierige Wege sind wir über Anha und Bella Vista nach Viana do Castelo gelangt. Als wir die von Gustav Eiffel gebaute 645 m lange Brücke überquerten, fing es an zu regnen, sodass wir nach Überquerung der Brücke unsere Regencaps anziehen mussten. Nach 250 m hatten wir unsere Herberge erreicht, mussten jedoch noch eine halbe Stunde warten, bis die Pforten geöffnet wurden. Für 15 € pro Person haben wir ein sauberes Zimmer mit 2 Betten bekommen. Nachdem wir unser Zimmer bezogen hatten, waren wir in eine nahegelegene Pizza gegangen, um uns zu stärken. Als wir dort saßen, kam Alisha vorbei und erzählte, dass sie auf dem zur Kathedrale Santa Lucia sei, die über der Stadt thront. Man könne dorthin auch mit einer Standseilbahn fahren. Wir beschlossen, nach Verspeisen der Pizza ebenfalls die Kathedrale zu besuchen, zumal der Regen aufgehört hatte. Da ich zu blöd war, die Talstation der Seilbahn zu finden, entschlossen wir uns, zu Fuß zur Kathedrale zu laufen. Wir wussten nicht, dass wir 700 Treppenstufen hochsteigen mussten. Die Kirche und der Blick von dort oben haben uns für die Mühen voll entschädigt. Zurück sind wir mit der Seilbahn gefahren. Die Talstation war nur etwa 300 m von unserem Quartier entfernt.Read more