• Unterwegs mit Jacob

    May 8 in Spain ⋅ ☁️ 16 °C

    Wir hatten in der Pension Casa Sara eine ruhige, entspannende Nacht. Vor dem Einschlafen beschäftigten mich Gedanken, wie sich vieles wunderbar ergibt und fügt. Es sind ganz unscheinbare Sachen, die mich bewegt haben: da ist zum Beispiel der abendliche Wunsch, es am nächsten Tag etwas gemächlicher angehen zu lassen, um sich dann ad hoc zu entscheiden, am nächsten Tag zwei Etappen zusammen zu legen. Dann wundere ich mich jeden Morgen, dass sich der Schlafsack zu einer ca 25 cm langen und15 cm im Durchmesser großen Wurst zusammen quetschen lässt. Weiter fügt es sich wunderbar, dass man immer wieder auf Pilger trifft, die man schon viel weiter wähnte. Jedenfalls hatten wir gestern Abend entschieden, heute bis Caldas de Reis zu laufen, nachdem uns Mella, die Wirtin von Casa Sara das Hostel Moderna empfohlen hatte. Es war wieder einmal eine richtige Entscheidung gewesen. Nach einem guten Frühstück in der "Confitteria Landin", bei dem wir Rebecca, die Pilgerin aus der nicht existenten Stadt wieder getroffen hatten, sind wir gegen 09.00 h gestartet bei angenehmem Wetter zum Laufen. Wir haben Pontevedra über die "ponte do Burgo" verlassen, über die wir auf die andere Seite des Flusses "Lérez" gelangten. Der weitere Weg führte uns durch Weinberge und verwunschene, wild wachsende Wälder. Immer wieder stießen wir auf alte, aus Stein gehauene verwitterte Wegkreuze. In Alba fanden wir die "igrexa santa Maria", von deren Vorplatz uns der Gruß: "Hallo Münster!" entgegen schallte. Dort saß Ekkehard, den wir zusammen mit Swetlana aus Russland das erste Mal in Povoa de Varzim in unserer dortigen Unterkunft angetroffen hatten. Wir sind dann zunächst in die Kirche gegangen,um um uns einen Stempel für den Pilgerpass zu besorgen. Zufällig war der Pfarrer in der Kirche, der zunächst für uns die Altarbeleuchtung einschaltete und uns dann noch einen Reisesegen erteilte. Ekkehard wollte seine Pause neben einem aus Stein gehauenen, sehr schweigsamen Mann noch etwas geniessen. Er wollte heute noch bis Padrón laufen, da er am Sonntag in Santiago de Compostela sein wollte. Mit einem inzwischen zu geflügeltem Gruß gewordenen "Buen Camino" haben wir uns auf unseren weiteren Marsch begeben. Bis Portela, dem eigentlich geplanten Ziel für heute mussten wir noch einmal aus 130 m Höhe aufsteigen. Es war aber ein sehr abwechselungsreicher Gang. Am Wegesrand standen PKW oder Lieferwagen, aus denen heraus Obst oder Gebäck angeboten wurde, um die nächste Abbiegung herum erfreute uns ein Gitarrist mit seiner Musik und bot Stempel oder Aufkleber für den Pilgerpass gegen eine freiwillige Spende an, dann kam man an ein Café, in dem man sich mit allem möglichen versorgen konnte, hinter dem nächsten Waldabschnitt erwarteten uns mit Weinranken bepflanzte Felder, wobei die Wanderwege durch Weinranken überwachsen waren und wir gleichsam wie unter einer Pergola liefen,dann trafen wir wieder auf mehr oder weniger große Menschenan- Sammlungen, die geduldig darauf warteten, einen der beeindruckenden Wachsstempel zu erhalten. Es war nie langweilig. Bis etwa 13.00 Uhr war das Wetter besser, als vom Wetternericht vorhergesagt worden war. Danach wurden wir von dem ein oder anderen Regenschauer abgekühlt, ohne dass wir nennenswert nass geworden wären. Wir hatten aber sicherheitshalber unsere Regencapes angelegt. Nach ca 21 km hatten wir sodann glücklich über unsere Leistung unser Ziel erreicht, die Pension Moderna,die direkt neben der Thomas-Kirche gelegen ist. Es war gut, daß wir heute zwei Etappen zusammen gelegt hatten, zumal das Wetter uns wieder einmal wohlgesonnen war.Read more