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  • Day63

    Trekking im Regen(wald)

    July 9, 2018 in Indonesia ⋅ ☁️ 23 °C

    Wart ihr schon mal nass? So richtig bis auf die Knochen nass? Tja, es gibt eine Steigerung. Sie lautet Regenwald. Ihr seid nach 2 Minuten bis auf die Knochen nass. Und dann lauft ihr noch ne Stunde durch knöcheltiefes Wasser zum Lager. Klingt lustig, oder? Bis auf einen kleinen Sturz war es das sogar irgendwie.
    Aber von Anfang an.
    Wir haben uns für einen zweitägigen Trek entschieden, weil wir eine Nacht im Dschungel verbringen wollen. Also wurden wir um 9 von unseren Guides und drei Holländern, die mit zu unserer Gruppe gehören abgeholt. Witzigerweise genau die Holländer, die wir schon auf der Fähre nach Tuktuk und im Shuttle nach Bukit Lawang getroffen hatten. Auf dem Weg durch den Dschungel haben unsere Guides dann einiges zur Tierwelt erklärt.
    Hier im Nationalpark gibt es 7 Affenarten. Darunter sogar einer, der nur hier auf Sumatra lebt.
    Wie genau die ganzen Affen heißen, muss ich nochmal googeln. Wir haben vor allem 4 Arten gesehen. Orang Utans, eine Makakenart ("cheeky monkey"), den endemischen Affen ("funky monkey") und eine Affenart mit kurzem Schwanz. Wie gesagt, die Namen werden nachgereicht. Im Englischen gibt es den Unterschied zwischen Monkey und Ape. Ein Monkey hat einen Schwanz, mit dem er beim Springen sein Gleichgewicht halten kann. Apes haben keinen Schwanz. Daher schwingen sie nur von Ast zu Ast und sind viel langsamer.
    Kurze Orang Utan - Kunde gefällig?
    Weibliche Orang Utans erreichen hier ein Alter von 50 - 60 Jahren. Männliche Tiere werden etwas älter. Jungen Tieren kann man kaum ansehen, ob sie Männchen oder Weibchen sind. Erst wenn das Männchen 30 wird, verändert sich seine Gesichtsform und wird platt. Weibchen können übrigens nur alle 6 Jahre ein Junges bekommen.
    Ende der Orang Utan Kunde.

    Hier im NP gab es lange Zeit ein Zucht- und Auswilderungsprogramm, da es aus verschiedenen Gründen nur noch sehr wenige Orang Utans gab. Die meisten Orang Utans haben verstanden, dass sie kein Futter mehr bekommen. Nur Mina und Jacky nicht. Während Jacky sich einfach nur deine Hand greift und wartet (wenns sein muss über Stunden), bis du ihn fütterst, wird Mina richtig aggressiv, wenn sie ihren "Zoll" nicht bekommt. Deswegen passen die Guides immer sehr gut auf, wenn sie Orang Utans sehen, um Nima wenn möglich zu umgehen. Sie wird übrigens auch aggressiv, wenn man zu laut ist. Deswegen mussten wir, sobald die Möglichkeit bestand, dass sie in der Nähe ist, auch so leise sein, wie wir nur konnten.
    Auch andere Orang Utans können Futter verlangen. Aber nur wenn man so doof ist und vor ihnen einen Rucksack öffnet. Die Pfleger haben sie nämlich immer aus Rucksäcken gefüttert.
    Am ersten Tag des Treks haben wir ganze 7 Orang Utans gesehen. Sogar ein Männchen (hier eher selten) war dabei. Außerdem gab es eine Mama samt Baby direkt am Wegesrand zu bestaunen. Auch von den anderen Affen gab es einige zu sehen. Immer wenn irgendwo Obst ausgepackt wurde, waren die cheeky monkeys nicht weit. Und es gab viel Obst. Schon nach einer Stunde Fußmarsch hieß es auf einmal Pause machen und Futter fassen. Es gab Mandarinen, Bananen, Litschies und Passionsfrüchte. Bei der Gelegenheit hat unser Guide auch erklärt was Orang Utan bedeutet: Menschen des Dschungels. Außerdem war unser Guide Jojo immer mit einem kleinen Rätsel oder einem Zaubertrick zur Stelle. Hier gab ea folgendes Rätsel: wie bekommt man den Elefant in den Kühlschrank? / Wie bekommt man die Giraffe in den Kühlschrank? / Wer fehlt bei der Konferenz der Tiere? - die meisten Deutschen kennen die Antworten auswendig, während die Holländer wirklich angestrengt (vor allem über die letzte Frage) nachdenken müssen. Scheint also nur bei uns bekannt zu sein das Rätsel.
    Irgendwann sind wir dann doch noch mal weiter gelaufen und haben dabei mit einem halben Auge in den Himmel geschielt, da es sich immer weiter zugezogen hat. Nachdem wir noch einen Orang Utan gesehen hatten, fing es dann auf einmal an zu tröpfeln. Da wurden unsere Guides schnell. Alles was nicht halbwegs wasserdicht war, wurde in Plastik verpackt und von den Guides getragen. Außerdem sollten wir (obwohl es immernoch nur tröpfelte) unsere Regenjacken anziehen. Gerade mal 5 Minuten später wussten wir warum. Und damit komme ich zurück zum Anfang dieses Posts. Der Regen war wirklich heftig. Sämtliche Wege (die vorher schon matschig und unglaublich rutschig waren) haben sich in Sturzbäche verwandelt. Zumal so ein Dschungel ja nicht platt ist. Ständig geht es rauf und runter. Daher wurden aus manchen Wegen auch eher Wasserfälle. Und genau so einen mussten wir jetzt lang. Unser Camp lag nämlich unten im Tal an einem Fluss. Also brav dem Guide hinterher und den Hang runter gekraxelt. Zum Glück wachsen im Dschungel ja überall Bäume und Lianen, da findet man meistens was zum festhalten. Und wenn nicht, geht's schon mal schneller bergab als geplant. Wer hat sich mal wieder mit Bravour eingesaut? Richtig - ich ^^
    Irgendwann waren wir dann da und während mein winziges Rucksackchen unter meine Jacke gepasst hat und ziemlich trocken war, hatten andere weniger Glück. Bei einem Mädchen hat sich das Wasser in der Regenschutzplane des Rucksacks gesammelt und von unten nach oben alles durchgeweicht. Lecker!
    Als wir dann alle in mehr oder weniger trockenen Klamotten steckten gab's auch schon wieder Mittagessen (gebratenen Reis) und eine große Obstplatte. Diesmal war auch richtig süße Ananas dabei. Über den Nachmittag hinweg haben wir dann vor allem Karten gespielt. Irgendwann hat mein Bauch angefangen zu rumoren. Das war echt unangenehm. Vor allem weil es ja kein Bad und keine Toilette gibt. Bis zum Abendessen hatte es sich noch nicht beruhigt weswegen ich einfach nur mit Reis zufrieden war. Für die anderes gab es ein Gemüsecurry, Huhn, Tofu (western spicy) und Fisch (local spicy). Den Rest des Abends haben unsere Guides aus ihrem Leben und von vergangenen Treks erzählt, gesungen und gezaubert. Es war ein wirklich schöner Abend. Und dann gings ins "Bett". Eher eine super dünne Faltmatraze und ein Schlafsack, aber besser als nichts. Ich hatte richtig Glück mit meinem Bett... Es saß eine Spinne drauf und als einer unserer Guides sie erschlagen wollte, hat das Vieh auch noch angefangen zu springen..... Uäähh!
    Sobald die Spinne erledigt sind wir alle in die Schlafsäcke gekrochen. Das war ein anstrengender Tag.
    ~S
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