• Hasenrennen und Winterfahrplan

    September 18, 2024 in Norway ⋅ ☁️ 14 °C

    Norwegen muss sich einer teuren Herausforderung stellen: Die Hauptverkehrswege laufen in Nord- Südrichtung, die Fjorde in Ost- Westrichtung.
    Sprich; es muss viel in Brücken, Tunnel und Fähren investiert werden.
    Umso weiter man an die Küste kommt, umso mehr übernehmen Fähren diese Aufgabe.
    Da wir auf einer Nebenstrecke nahe der Küstenlinie unterwegs sind, überqueren wir die Fjords meistens mit Fähren.
    Während der Reisevorbereitung erfuhren wir, dass die Fähren im Dauereinsatz sind und man zügig vorankommt.
    Das ist auch richtig, gültig für die Hauptsaison. Das Verkehrsaufkommen spricht da eine eindeutige Sprache. Wird z.B. die Strecke von Moskenes nach Bodo im Sommer im 24 Stunden Dauerbetrieb betrieben, fahren ab dem 15.9. nur noch zwei Fähren am Tag.
    Ahnungslos, ohne dieses Wissens, starteten wir fröhlich und gemütlich unsere Fahrt durch den Saltfjellet. Als wir an der ersten Fähre ankommen, stehen dort bereits ein paar Autos und Camper. Wir stellen unseren dazu und warten. Als längere Zeit nichts passiert watschel ich zum Servicehäuschen und sah mir den übersichtlichen spärlich bedruckten Fahrplan mit der überraschenden Überschrift ‚Winterfahrplan‘ an. Nur noch vier Fähren am Tag.
    Gut; Glück gehabt: Die nächste geht in einer Stunde. Aber was ist mit den nächsten Fähren, die, um ans Ziel zu kommen, zwangsläufig genommen werden müssen.
    Das Internet gibt schnell und eindeutig Auskunft und informiert uns darüber, dass die nächste Fähre eine Stunde, nachdem wir am Zielhafen ankommen werden, ablegt.
    40 Kilometer, das sollte reichen. Google sagt aber, dass wir für die Strecke 45 Minuten brauchen werden. Eine genauere Studie der Strecke ergibt, dass diese kurvig und voller Serpentinen ist. Es geht rauf und runter. Es ist eine Nebenstrecke, also im schlechten Zustand und zumeist sehr eng. Lösung: Hackengas geben und alles aus der Maschine rausholen. Mit meiner von Flensburg attestierten Verkehrszeichenleseschwäche kommt ein weiterer Vorteil hinzu.
    Also, die Fähre legt an, die Haube geht auf und die ersten beiden PKWs, die wir bald am nächsten Fähranleger wieder sehen werden, verlassen fluchtartig die Fähre. Dann sind wir dran und versuchen es den PKWs so gut wie es geht, nachzumachen.
    Die Fahrt wird in noch nie benutzten Drehzahlbereichen angegangen. Hinter uns sieht es recht übersichtlich aus. Ein VW-Camper hält mit, die anderen sind erkennbar und fallen leicht ab. Kurz aufkommende Gedanken, dass das absichtlich inszeniert sein könnte, um die Ertragssituation eines Blitzer zu optimieren, lösen sich schnell wieder auf. Sie könnten das Ziel gefährden; man muss Prioritäten setzen. Da ich hochkonzentriert fahren muss, kümmere ich mich nicht weiter um aufkommende Gedanken und um das Geschehen hinter uns. Wir durchfahren ein paar kleine Gemeinden.
    Ich schaue das erste mal wieder in den Rückspiegel, als wir auf die Wartespur der Fähre einfahren.
    Es ist unglaublich. In der selben Reihenfolge, in der wir die Fähre vor ca. 40 Minuten verlassen haben, fahren alle, im Wesentlichen Camper, innerhalb von 10 Sekunden auf diese Spur. Das besondere daran ist, dass das letzte Fahrzeug ein schwerer großer Betonmischer ist (siehe Bild).
    Wir der das so schnell geschafft hat, ist mir ein absolutes Rätsel.
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